Ne, ne, Lewis, so läuft das hier nicht…

LEWIS HOLTBY TRITT IN NÄCHSTES FETTNÄPFCHEN

Bei nur wenigen HSV-Profis liegen Ausgaben und Ertrag so weit auseinander wie bei Lewis Holtby (24).

6,5 Mio Euro Ablöse an Ex-Klub-Tottenham, 3,5 Mio Euro Jahresgage. Gegenleistung: 15 Spiele, kein Tor, eine Vorlage.

Stattdessen stapft Holtby von Fett-Näpfchen zu Fett-Näpfchen.

In einem Interview mit „fanbookz“ erzählte der verletzte Mittelfeldmann (Schlüsselbeinbruch), was er an seiner Zeit in England (vorm HSV spielte der Ex-Nationalspieler auf der Insel für Tottenham und Fulham) am meisten vermisst.

„Das Private beim Training“, so Holtby. „Es gehört dazu, dass man in Ruhe arbeiten kann und nicht, dass die Fans auf den Platz laufen.“

Vielleicht sollte der Jungstar mal darüber nachdenken, wer sein dickes Gehalt am Ende direkt und indirekt finanziert…

Liebe Jungs von der BILD, auch mir tut es leid (nö, tut es eigentlich nicht, aber egal), dass euch seit Jahren die Auflagenzahlen um die Ohren fliegen. Als ich 2000 beim Springer Verlag aufhörte, lag die BILD bei geschätzten 5 Mio. Exemplaren pro Tag, heute sind es weniger als 2 Mio. Üble Geschichte, aber zum großen Teil selbst verschuldet.

Das, was ihr jetzt aber tut, ist einfach nur eklig und es ist vor allem auch sachlicher und fachlicher Unfug. Lewis Holtby, derzeit verletzter Spieler des HSV, hat in einem Medium (und – oh Graus – nicht in der BILD) ein Interview gegeben und er hat es gewagt, zu einem Thema eine Meinung zu äußern. Nun ist es bekannt, dass ihr es mit der Meinung anderer nicht so habt, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass Holtby das darf, denn schließlich ist dies immer noch ein freies Land. Und auch der Inhalt seiner Meinungsäußerung hat weder mit seinem Berufstand, noch mit der Höhe seines Einkommens und auch nicht mit den bisher direkt verwandelten Eckbällen etwas zu tun.

Der Umstand, dass ihr euch so vehement dieses Themas annehmen, hat, wie wir alle wissen, absolut nichts damit zu tun, dass ihr für den empörten Trainingskiebitz einstehen und dessen Rechte bis zum letzten Blutstropfen verteidigen wollt. „BILD hilft“ halt nicht immer und schon gar nicht ohne Eigennutz. Letztendlich ist es euch scheißegal, ob der HSV um den Trainingsplatz eine 12 m hohe Mauer zieht oder wie Bayern, Dortmund und zahlreiche andere Vereine die Fans nur an bestimmten Tagen auf’s Trainingsgelände lässt. Euch geht es um etwas ganz anderes, ihr wollt ein lustiges kleines Zeichen setzen.

Lewis Holtby hat euch irgendwie verärgert. Vielleicht hat er eine Interview-Anfrage abgelehnt oder sogar, noch schlimmer, das Interview woanders gegeben. Vielleicht hat er auch Herrn Hesse oder Herr Meloni erzählt, was er von ihnen hält, ich weiß es nicht. Aber irgendwas passt euch nicht und dafür kriegt Lewis jetzt einen medialen Einlauf. Da der arme Kerl zur Zeit verletzt ausfällt, kann man ihm sportlich nicht ans Bein pinkeln, aber das geht auch anders, wenn man denn nur kreativ genug ist. Man versucht einfach, Volkes Zorn zu entfachen und Holtby als einen Spieler abzubilden, der das Wohl der Fans nicht an erster Stelle sieht. Dann noch eine Prise Neid (Gehalt) und Atömchen sportliches Unvermögen (0 Tore, eine Vorlage) und – schwupps – haben wir den Judas.

„Der Holtby, dieser unfähige Söldner, sollte sich doch mal überlegen, wer denn sein fettes Gehalt bezahlt“. 

Na schön, dann überlegen wir doch mal. Ich nehme einmal an, dass in den kalten Wintermonaten maximal 30 bis 50 Leute zum Training pilgern, wahrscheinlich eher weniger. Im Frühling und im Sommer mögen es mehr sein, aber da ich selbst öfter beim Training bin als die Edelfedern der BILD, kann ich es schon ein wenig beurteilen. Im Schnitt und übers Jahr verteilt, kommt man, wenn man denn großzügig ist, auf vielleicht 100 Kiebitze pro Tag und die meisten von ihnen sind jeden Tag da. Nehmen wir jetzt einmal an, wir haben pro Woche 5 Trainingseinheiten mit jeweils 100 Zuschauern und vernachlässigen wir absichtlich diejenigen, die bei Wind und Wetter jeden Tag dort abhängen, weil sie einfach nichts anderes  zu tun haben. Und dann nehmen wir mal an, dass von den 500 Leuten ca. die Hälfte zu den Heimspielen geht und für eine Karte € 30 ausgibt.

250 Leute x € 30  bei  2 Heimspielen macht € 15.000 im Monat. Davon wollt ihr Lewis Holtby bezahlen, liebe BILD? Schön wär’s, oder?

Eure Rechnung ist absoluter Schwachsinn, aber darum geht es euch auch überhaupt nicht. Ihr wollt das gemeine Volk gegen einen Menschen aufhetzen, damit sich dieser ungut fühlt. Und er soll vor allem begreifen, was es bedeutet, sich mit der BILD anzulegen. Nur für den Fall, dass er die nächste Interview-Anfrage wieder ignoriert.

Im Moment führt ihr gerade eine repräsentative Umfrage zu diesem Thema durch (ich schreibe diesen Blog am Donnerstag um 14.54 Uhr) und das Abstimmungsergebnis besagt, dass tatsächlich 51% der Fans für ein Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit votiert. Dabei würde ich es absolut spannend finden zu erfahren, wie viele von den bisher 13.600 Abstimmern überhaupt schon mal beim Training waren. Aber egal.

Dann vielleicht noch ein anderer Aspekt. Ich habe dutzende Male beobachten können, wie sich die Herren von der schreibenden Zukunft die Zeit während des Trainings vertreiben. Man klatscht sich gegenseitig ab (bevor man sich kurz darauf dann wieder via Twitter gegenseitig anscheißt), tauscht Anekdoten aus und führt lustige Gespräche. Auf den Trainingsplatz guckt kaum einer, es sei denn, Rajkovic droht Son Prügel an. Und überhaupt, was wird eigentlich vom Training berichtet? Welcher Spieler in welcher Trainingseinheit welches Leibchen trug? Und vor allem: Wen interessiert das überhaupt?

Übrigens: Der „Wirbel“ um diese Aussage existiert gar nicht, den macht nur ihr allein. Und leider kann ich mir die Reaktion des Vereins bereits jetzt in den schönsten Farben ausmalen.

Lewis Holtby am Montag in der BILD: „Ich wollte die Fans nicht verärgern“.

Denn eines wissen wir ja alle: So weit, sich eurem Schmierblättchen entgegen zu stellen, so weit ist der HSV leider noch nicht.

P.S. Erstaunlicherweise scheint es erneut „Linnematt“ zu sein, der diesen BILD-Schmutz dann noch einmal toppen möchte. Der Twitter-Wizzard und Meister der Frage: „QUELLE???“ schreibt in seinem heutigen Artikel in der Klopo, dass die Zeit von Rene Adler in Hamburg abgelaufen ist.

Rene Adler soll die Flatter machen

So donnert das Sportchefchen vom Fisch-Einwickelpapier in die Öffentlichkeit. Was dann folgt, klingt irgendwie ganz anders als diese Behauptung bzw. Tatsache aus der Headline.

Der eine hat seinen Platz sicher und schweigt, der andere hofft auf eine faire Chance und betont, um die Rückkehr in die Stammelf des HSV zu kämpfen. Jaroslav Drobny (35) und René Adler (30) sind zwar beide Torhüter, ihre Perspektive in Hamburg könnte aber kaum unterschiedlicher sein. Soll Adler die Flatter machen?

http://www.mopo.de/hsv/torhueter-viel-zu-teuer-ren–adler-soll-beim-hsv-die-flatter-machen,5067038,29750372.html

Was also in der Überschrift als sicher dargestellt wird, wird im Text als Frage formuliert, ärmer geht’s selbst in den Niederungen des Boulevards nicht mehr, Linne. Aber ich stelle hier einfach mal die Frage nach der QUELLE ????? 

 

Zu guter Letzt (und weil heute ja Freitag und damit der Tag der überflüssigsten Kolumne westwärts des Mississippi ist), mein Freund mit der fragwürdigen Frisur und der noch fragwürdigeren Ansichten („Europapokal, Europapokal…“) – Mieter Datz. Ich zitiere wörtlich:

Hamburg, den 06.02.2015

Der Druck ist (wahrscheinlich) immens, und fällt dieser nach einem Sieg von den Spielern ab, machen sich schnell Nachlässigkeit und Überheblichkeit breit. Weil die HSV-Profis von ihrem Anhang oft auch noch eine Woche lang gefeiert werden wie Helden.

So schön, wie sich dieser 3:0-Sieg in Paderborn auch anhört, besonders souverän wurde dieser Erfolg ja gerade nicht herausgespielt

Hamburg, den 04.02.2015

Endlich! Der Knoten ist geplatzt! Der HSV gewinnt sein erstes Spiel des Jahres und schießt dabei sogar drei Tore! Na bitte, es geht doch. 3:0 wurde in Paderborn gewonnen, damit erfolgreich Revanche für das Hinspiel genommen – auch 0:3 damals.

Ohne Worte 🙂

 

 

Von | 2015-02-06T08:17:33+01:00 6. Februar 2015|Allgemein|11 Kommentare

11 Comments

  1. Ideendiebstahl 6. Februar 2015 um 09:11 Uhr

    Ganz großartiger Blog!!! Als ich die Meldung der Meinungsmacher von Bild las, wurde mir schlecht. Bis wann hat der HSV Mediendirektor Jörn (wie hieß er noch?) eigentlich Vertrag? Kann man nach seinem Abgang auf Besserung hoffen?

    • Gravesen 6. Februar 2015 um 09:22 Uhr

      Soweit ich weiß, ist der Vertrag des Mediengurus unbefristet.

  2. DonPommes 6. Februar 2015 um 10:13 Uhr

    Als mir der Bild-Artikel untergekommen ist, wusste ich schon, dass er hier als Blog landen wird. Wie weit muss die Auflage eigentlich noch sinken, damit die Bild eingestellt wird?

    • Gravesen 6. Februar 2015 um 10:15 Uhr

      Bin ich mittlerweile so berechenbar? 🙂 Daran sollte ich arbeiten. Was die BILD betrifft, solltest du mal Herrn Döpfner fragen.

    • Marcel Aimaq 6. Februar 2015 um 10:19 Uhr

      Leider nicht weit genug.
      Perfekt beschrieben, hätte am liebsten an die BILD geschrieben, aber kratzt es die? Nein, der HSV müsste da aktiv werden.

      Jetzt „pusht“ die Bild auch noch Jansen Richtung neuen Vetrag beim HSV…
      http://www.bild.de/sport/fussball/marcell-jansen/moechte-beim-hsv-bleiben-39648522.bild.html

      Ein gutes Spiel, und man bekommt einen neuen Vertrag, lautet wohl die Formel einzelner Sportjournalisten 😉

      Bei Matz Ab gestern auch:
      Zitat:
      „Wir wissen ja, was wir an Marcell haben, wenn er alles abruft. Zumal wir da vorn im Moment nicht die Qualität und Erfahrung haben, die ich mir vorstelle. Von daher ist er einer, den ich mir da sehr gut vorstellen kann.“ Das hatte Zinnbauer dem Linksfuß nach dem schwachen Köln-Spiel auch so gesagt. „Ich habe ihm gesagt, dass ich mir da mehr erwarte. Mehr Führung von ihm mit seiner Erfahrung. Und Marcell hat es umgesetzt. Ich habe mich mit Marcell in den letzten Wochen sehr intensiv besprochen. Er hat das gegen Paderborn sehr gut gemacht.“ Übrigens auch vor dem Spiel. Denn da richtete Jansen einige Worte an die Mannschaftskollegen in der Kabine, ehe es auf den Platz ging. „Das war stark“, so Zinnbauer, der Jansens Initiative vor dem Spiel ebenso lobte wie seine Beteiligung an allen drei Toren: „So einen Marcell Jansen brauchen wir.“ Stimmt. Die Rolle offensiv liegt Jansen. Gegen Paderborn gab es, das bestätigte Zinnbauer, die klare Ansage, dass Marcos es defensiv richtet, während sich Jansen nach vorn austobt.

      Fehlt nur noch, das HW4 gegen Hannover das entscheidene Tor macht und man einen Vetrag auf Lebenszeit für ihn fordert…

      Ich bin für Jugend forscht!

      • Gravesen 6. Februar 2015 um 10:35 Uhr

        Und ich bin dafür, dass man in diesem Verein endlich aus seinen Fehlern lernt und nicht immer und immer wieder die gleichen Fehler begeht. Wie ich ja schon mehrfach ausgeführt habe – beim HSV läuft immer wieder nahezu jeder Handlungsstrang in Richtung Vergangenheit, Tradition, Wiederbelebung alter Erfolge, anstatt etwas dafür zu tun, dass es endlich einmal neue Erfolge gibt.

        • Marcel Aimaq 6. Februar 2015 um 11:03 Uhr

          Die Frage ist dann, in Richtung Neues, kommt Tuchel im Sommer und geht Zinnbauer dann in die U23?
          Hatte Knäbel nicht irgendwo gesagt, dass Zinnbauer auf jeden Fall bis zum Ende der Saison auf der Bank sitzen wird?
          Wäre dann natürlich für die Kaderplanung immens wichtig, weiß nicht, ob ein Tuchel von VdV, Jansen, HW4, usw. überzeugt ist.
          Na ja, die Saison ist ja noch lang…

  3. Sassen 6. Februar 2015 um 12:34 Uhr

    „sportchefchen vom fisch-einwickelpapier“
    einfach großartig!

  4. Henrick 6. Februar 2015 um 20:58 Uhr

    Das Problem ist ja die Medienkompetenz bei vielen Menschen, die sich beeinflussen lassen. Ich bin ja gar nicht der Typ für „Lügenpresse“ oder „Systemnachrichten“, viele Medien in Deutschland machen m. E. sogar sehr gute Arbeit. Aber in Hamburg sehe ich das weitere Ärgernis, dass es keine einzige wirkliche Qualitätszeitung im Sinne der Süddeutschen oder FAZ gibt. Selbst eine seriöse Regionalzeitung ist nicht zu finden. Das Hamburger Abendblatt ist auch nur Boulevard mit dem Anstrich von Gediegenheit.

    Ein sehr guter Block.

  5. hamuburgmini 6. Februar 2015 um 22:12 Uhr

    Wenn der HSV wie bisher „mit“ der Presse agiert, wird er immer ein Spielball der Journalisten bleiben.
    Ich würde es mir wünschen, wenn Training außerhalb der Öffentlichkeit stattfinden würde, die Konzentration auf das Wesentliche (den Spieltag) leidet bei Zuschauerandrang inkl. Pressevertretern.
    Ferner würde ich mir, entweder durch ein die HSV-Vorstände verhängtes Interviewverbot, oder durch Selbstzwang (Drobny) auferlegte Interviewverweigerung der Spieler wünschen. „Einfach mal die Fresse halten“, durchgehend für mindestens einen Monat. Ich hatte mir zur letztjährigen Situation einen Trainingsschluss aller Nichtbeteiligten gewünscht.

    Der Effekt: Fehlende Journalistennähe zu Spielern und Verantwortlichen des HSV, dadurch weniger Redebereitschaft. Zudem könnte es den Effekt bringen, daß sich die „Journalisten“ auf die anderen wichtigen Themen beim HSV fokussieren…
    „Wunschgedanke“, aber es wird endlich einmal Zeit, daß sich der HSV von den außenstehenden Eitelkeiten löst….

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