Erfolgreich, weil unattraktiv?

Kurze Vorschau auf das Spiel gegen Hannover 96 (Samstag, 18.30 Uhr, Volksparkstadion)

Ausgangslage:

Der HSV steht nach dem 19. Spieltag mit 20 Punkten und 12: 21 Toren auf dem 13. Tabellenplatz, Hannover 96 ist aktuell Tabellen-8. mit 25 Punkten und 22:28 Toren.

Während die Hamburger das letzte Auswärtsspiel beim SC Paderborn mit 3:0 gewannen, musste sich die Hannoveraner mit einem 1:1 gegen Mainz 05 begnügen.

Der HSV stellt mit 12 geschossenen Toren die mit Abstand schwächste Offensive der Liga (Köln hat 19 Treffer erzielt), mit 21 Gegentoren aber auch die 5.-stärkste Defensive (nach Bayern/9 , Wolfsburg/19, Gladbach/17 und Leverkusen/20).

Hannover rangiert nicht nur punktemäßig, sondern auch offensiv (6.-Letzter) wie auch defensiv (12. Platz) im Mittelfeld, für die Ansprüche der Niedersachsen eigentlich zu wenig.

Prognose:

Der HSV ist immer dann konkurrenzfähig, wenn er sich auf seine „Stärken“ besinnt. Defensiv kompakt steht, aufmerksam sein, unanfällig für Konter des Gegners sein. Wollen die Hamburger das Spiel machen, geht es fast immer schief, weil die Defensivspieler in der Rückwärtsbewegung gegen schnelle Konterspieler zu langsam sind (van der Vaart, Rajkovic, Djourou, Westermann) und die Offensivspieler häufig ihre Defensiv-Aufgaben vergessen. Problem ist nur: In Heimspielen erwartet das Hamburger Eventpublikum ein Spektakel für die teuren Eintrittskarten und werden bei abwartender Spielweise schnell unruhig.

Hannover 96 spielt bisher eine durchwachsene Saison, da hatte man sich bei Herrn Kind schon etwas anderes ausgerechnet. Allerdings stehen die Niedersachsen häufig recht stabil, wenn sie auch auswärts bisher nicht viel gerissen haben (2 Siege, 3 Unentschieden, 5 Niederlagen). Das Spiel der 96er ist nach wie vor auf schnelles Konterspiel (wie schon zu Slomkas Zeiten) ausgerichtet, wenn man auch unter Korkut etwas mehr Dominanz ausstrahlen möchte, was aber nicht oft gelingt. Das Spiel der Hannoveraner steht und fällt mit Gegenwart von Lars Stindel und der Schnelligkeit von Briand, ansonsten regiert der Durchschnitt.

Ich denke, dass wir heute ein recht unansehnliches Spiel sehen werden, beide Mannschaften werden das Spiel nicht machen wollen. Solange sich der HSV nicht aus purer Ungeduld hinten rauslocken und die Räume öffnen wird, muss man lediglich bei Standard-Situationen aufmerksam sein. Auf der anderen Seite erwarte ich, dass besonders Ivica Olic der 96-Abwehr mit seiner Wuseligkeit auf die Nerven gehen und zu dem einen oder anderen Fehler verleiten wird. Dann muss der HSV da sein.

Angesichts des unspektakulären Spielverlaufs erwarte ich bei den Hamburger kaum Veränderungen in der Startaufstellung gegenüber dem Paderborn-Spiel. Im Mittelfeld wird es auf Zweikampfstärke ankommen (Jiracek) und für den wenigen Standards braucht man immer noch einen van der Vaart. Um bei Ecken oder Freistößen eine Lufthoheit erzeugen zu können, wird auch Heiko Westermann wiederum für Ashton Götz auf rechts verteidigen.

Sollte es der Spielverlauf verlangen, kann Trainer Zinnbauer im defensiven Mittelfeld immer noch mit Diaz und/oder Kacar reagieren, offensiv steht Maxi Beister bereit, auch um eventuell das Publikum noch einmal zu wecken, sollte es nötig sein.

Ganz wichtig für einen Erfolg wird es sein, dass der HSV die vertikalen Schnittstellenpässe im Halbraum zwischen den diametralen Wandspielern nur dann zulässt, wenn die abkippende Weiträumigkeit das intensive Gegenpressing stärker leitend auf die verbindungsspielenden Halbpositionsakteure impliziert. Hauptsache, die Bombe platzt 🙂

Erwartete Aufstellung:

Drobny – Westermann, Djourou, Rajkovic, Marcos (Ostrzolek) – van der Vaart, Jiracek – Jansen, Stieber, Müller – Olic

Aussichten:

Der HSV ist eigentlich nahezu gezwungen, dieses Spiel zu gewinnen, möchte man den gerade gelöschten Baum nicht erneut entzünden. Nach dem Spiel gegen 96 gehts nach München, dann kommt Gladbach, dann muss man bei Eintracht Frankfurt antreten.

Was macht die Konkurrenz: 

Freiburg spielt zuhause gegen den BVB, gegen den man eigentlich immer schlecht aussieht.

Hertha BSC muss mit dem neuen Trainer Pal Dardai bei Mainz 05 antreten.

Stuttgart empfängt den FC Bayern München.

Paderborn muss zu den heimschwachen Kölnern.

Mein Tipp: 1:1

 

 

Von | 2015-02-07T08:03:28+01:00 7. Februar 2015|Allgemein|6 Kommentare

6 Comments

  1. Kai 7. Februar 2015 um 08:30 Uhr

    Nette Anekdote dazu: in der Saison 11/12 war Slobodan Rajkovic mit 35,1 km/h im Sprint während eines Spiels der schnellste Spieler des HSV. Wenn man sich den Brocken anschaut absolut unglaublich.

    • Gravesen 7. Februar 2015 um 08:47 Uhr

      So ein Brocken ist er gar nicht. Er ist groß und recht schlank, sieht im TV manchmal ganz anders aus. Auf jeden Fall ist er einer der nettesten Spieler, die ich kenne. Unglaublich sympathisch und zurückhaltend.

  2. Kai 7. Februar 2015 um 09:11 Uhr

    Ich meinte „Brocken“ im Verhältnis gesehen zu den meisten seiner damaligen Mitspielerkollegen, wo immerhin ja auch kleine wendige Spieler im Kader waren. Ich schätze Boban ebenfalls sehr, in meinen Augen ein tadelloser Profi der Aufgrund seiner Unerfahrenheit und der Hinterlist von Schmierfinken völlig zu Unrecht in Ungnade gefallen ist. Auch seine rote Karte damals führte dazu das er nicht mehr aufgestellt wurde. An diesem Beispiel lässt sich sehr gut sehen wo eines der vielen Probleme des Vereins liegt/lag. Anstatt Spieler nach außen zu schützen und zu verteidigen, lässt man sie im Stich bzw. folgt dem Ruf des aufgebrachten Pöbels.
    Ich freue mich jedenfalls sehr für Boban das er sich wieder in den Kader gekämpft hat, im letzten Spiel durchaus auch sehr gutes Stellungspiel gezeigt hat und ich drücke ihm die Daumen das er weiterhin gute Spiele zeigen kann.

    • Jorgo 7. Februar 2015 um 12:26 Uhr

      „einen Brocken“ gekommen wir in der nächsten Saison zu Gesicht. Die Voraussetzung dafür ist der Klassenerhalt und der Widerstand gegen den Lockruf des Geldes. Jonathan Tah ist ne Kante. Aber so etwas von Kante, unglaublich. Tah würde mich als Spieleröffner auf einer 6er Position interessieren. Ohne irgendwie abzukippen oder ein verkappter defensiver, durch die hohle Gasse kommender Offensivakteur zu sein. Diese fehlende Schnelligkeit in der Rückwärtsbewegung, die Gravesen beispielsweise bei anderen Akteuren anführt, kann ich nicht bei ihm erkennen. Antizipierter Tempofußball scheint Tah nicht fremd zu sein.

  3. rm2099 7. Februar 2015 um 11:20 Uhr

    Sehe ich genauso. Wenn der HSV das Spiel machen will, geht es meist schief. Sehe Diaz trotzdem in der Startelf.

  4. Il Dottore 46 7. Februar 2015 um 12:03 Uhr

    Moin Grave,

    Zitat: „Ganz wichtig für einen Erfolg wird es sein, dass der HSV die vertikalen Schnittstellenpässe im Halbraum zwischen den diametralen Wandspielern nur dann zulässt, wenn die abkippende Weiträumigkeit das intensive Gegenpressing stärker leitend auf die verbindungsspielenden Halbpositionsakteure impliziert. Hauptsache, die Bombe platzt :-)“

    Das ist mit anderen Worten das Prinzip, wonach eine horizontale Wupdizität stets bedingt ist durch die reziproke Äquivalenz der Antibinoxe der bizelektrischen Effekte.

    Spaß beseite, das Lesen Deines Blogs ist für mich seit geraumer Zeit anstrengend. Aber nicht Deinetwegen oder wegen Deiner Art zu schreiben, sondern weil es im Großen und Ganzen kaum positive oder hoffnungsvolle Dinge zu berichten gibt und die unfassbaren Schilderungen leider wahr sind. Man möchte schon nichts mehr dieser ganzen Peinlichkeiten seitens des Vereins lesen, weil man genau weiß – wieder eine abgrundtiefe Dämlichkeit von irgendeiner Exzellenz… Warum dürfen die örtlichen Vertreiber der Einwickelpapiere solchen Schund verbreiten, ohne dass es zu Konsequenzen gibt??
    An Dich ein „Weiter so“, denn lieber lese ich schlechte Wahrheiten als geschönten Kram.

    PS: Ist zwar OT, aber ich stieß beim Stöbern drauf:
    http://www.tagesspiegel.de/medien/stefan-niggemeier-und-harald-martenstein-der-volkserzieher-und-der-luemmel-von-der-letzten-bank/11331364.html

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