Das passt nicht und es wird nicht besser

Marktwert

„Geld regiert die Welt“ oder aber auch „Geld schießt (keine) Tore“. Bezogen auf finanzielle Spielräume, Besoldungen oder Verhältnisse zwischen Aufwand und Ertrag wird wohl in kaum einem anderen Wirtschaftsbereich so oft über Geld gesprochen oder geschrieben, wie im bezahlten Fußball und das zu Recht. Denn in keinem anderen Bereich wird so überproportional verdient, so unverhältnismäßig mit unfassbaren Summen um sich geworfen, wie im Profi-Fußball, in wohl kaum einem anderen Wirtschaftsbereich dürfen ahnungsbefreite Amateure soviel fremdes Geld ausgeben und verschleudern, wie hier.

Da entscheiden Aufsichtsräte, die sich aus Anwälten, Steuerberatern, Schauspielern, Zahnersatz-Unternehmern, Ex-Tennisstars etc. zusammensetzen, über Millionentransfers und Millionengehälter und niemand fragt, wie sie zu ihren Urteilen gekommen sind. Aus dem ehemaligen Aufsichtsrat des HSV, dem sogenannten „Rat der Ahnungslosen“ wurde kolportiert, dass sich einige Räte bei den hiesigen Journalisten erkundigten, nachdem ihnen vom Vorstand ein eventueller neuer Lizenzspieler zum Kauf präsentiert wurde. Schlicht und einfach aus dem Grund, weil sie den Mann gar nicht kannten.

Aber im Grunde müssen wir gar nicht so weit zurückschauen, denn auch im aktuellen Aufsichtsrat der HSV Fußball AG sitzen Herren, die sich im nationalen und internationalen Fußball nicht auskennen. Oder glaubt irgendwer, dass die Herren Goedhart oder Becken schon einmal von einem Spieler namens Dybala gehört haben? Dass beispielsweise Herr Gernandt den Namen Diaz kannte? Garantiert nicht, aber dafür hatte man nach dem 25.05.2014 ja vorgesorgt und mit Thomas von Heesen und Peter Nogly zwei Ex-Spieler in den Rat befohlen. Diese sollten mit ihrer unendlichen Ahnung nun den 6er-Rat in Sachen Fußball-Expertise befruchten und den HSV vor eventuellen Fehleinschätzungen der sportlichen Führung bewahren.

Dies ist nun seit gestern Geschichte, denn der Fußball-Experte von Heesen wird durch den Hafen-Experten Meier ersetzt, sodass die gesamte Kontroll-Last in Zukunft auf den Schultern des armen Peter Nolgy lasten wird, herzlichen Glückwunsch. Dass man mit dem Rückzug von TvH wieder einmal Wortbruch an den Mitgliedern begangen hat, interessiert in Hamburg scheinbar ungefähr so, als wenn man in München die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte kassiert, nämlich gar nicht.

Gern würde ich die Zeit zurückdrehen und erleben, was passiert wäre, wenn Manfred Ertel den Rückzug des im Grunde einzigen Experten aus dem Aufsichtsrat verkündet hätte. Polizeischutz wäre ihm gewiss gewesen, aber bei Exzellenz Gernandt spielt das alles keine Rolle mehr, denn er ist ja bekanntlich so unfassbar kompetent. Woran diese Kompetenz, bezogen auf die Führung eines Kontrollgremiums eines Bundesliga-Clubs festgemacht wird, kann mir irgendwie niemand beantworten und die Tatsache, dass Gernandt in den letzten 9 Monaten mehr Mist erzählt und verzapft hat, als Gutes zu tun, ist scheinbar irrelevant.

Aber – hey – was soll’s? Dafür haben wir doch reichlich Experten im Vorstand, oder? Auch hier kann mir niemand erklären, wie jetzt eigentlich die überragende Kompetenz im Führungsgremium des HSV erklärt werden soll, denn eigentlich sitzen hier, bis auf Bernhard Peters, lauter Berufsanfänger.

Dietmar Beiersdorfer hat nach seiner Zeit als Profi zwar im Fußball-Management gearbeitet (HSV, Red Bull, Zenith St. Petersburg), aber dort eben als Sport- und nicht als Vereins-Chef. Als Vorstandsvorsitzender ist er ein blutiger Anfänger.

Peter Knäbel hat zwar ein paar Jahre als technischer Direktor beim Schweizer Verband und auch als Manager in der Schweiz gewirkt,  als Sportchef eines Bundesliga-Vereins hat er bisher nicht gearbeitet.

„Joe“ Zinnbauer ist zwar schon länger Trainer, der HSV ist aber seine erste Stadion als Chef-Coach eines Bundesligisten.

Mit anderen Worten: Die drei wichtigsten Posten beim HSV sind mit Bundesliga-Berufsanfänger besetzt. Na schön. Aber bekanntermaßen quillt ihnen die Kompetenz ja nur so aus den Ohren, wenn man auch nicht erklären kann, warum.

Zurück zum lieben Geld. Anhand der oben eingestellten Grafik ist zu erkennen, dass der HSV aktuell mit € 71,1 Mio. die elft-wertvollste Mannschaft der Liga stellt, ein Wert, der so ganz grob mit dem Tabellenplatz korrespondiert. Was dann allerdings nicht mehr passt, sind die Verhältnisse zwischen Wert und Gehaltsetat und zwischen Gehaltsetat und Leistung bzw. Tabellenplatz.

Aus dieser Liste geht hervor, dass der HSV in der Saison 2013/14 insgesamt € 40 Mio. an Gehalt an seine Spieler ausschüttete, was zu dem Zeitpunkt Platz 6, also Europa League bedeutet hätte. Vielleicht erinnern sich noch einige an das Ende der bewussten Saison, sie endete im Halbkoma der Relegation in Fürth. Damit aber nicht genug, denn seither hat der HSV seinen Gehaltsetat unter der Führung von Dietmar Beiersdorfer kräftig aufgestockt, im Moment liegt man bei ca. € 54 Mio., was Tabellenplatz 4 im Ranking der teuersten (nicht der wertvollsten!!!) Kader der Bundesliga bedeutet.

Diese Mannschaft, die also die 4.-teuerste der Liga darstellt, hat unter dem Trainernovizen Zinbauer in der gesamten Vorrunde 9!!! Tore erzielt, aber die Hamburger Morgenpost schreibt gestern tatsächlich

Seit Zinnbauer das Ruder bei den Profis übernahm, geht’s voran bei den Rothosen. Es ist ein klarer Aufwärtstrend erkennbar, dem tat auch die Klatsche in München keinen Abbruch.

Bei aller Liebe, aber wenn ich sowas lese, breche ich zusammen. Auch sollten die sonst so medien-kritischen HSVPLUS-Hooligans demnächst einmal dazu übergehen, diese Blätter von Lügen- in Jubelpresse umzutaufen, denn einen solchen Schwachsinn kann man im Grunde nicht mehr ernst nehmen.

Anyway, die Exzellenzen werden’s schon richten. Wenn auch jetzt der bemitleidenswerte Peter Nogly der Einzige sein wird, der am Ende seinen AR-Kopf für die nächsten Fehlentscheidungen wird hinhalten müssen. Aber immerhin erklärte ja Herr von Heesen, dass er dem HSV erhalten bleibt, ein Glück. Dann stellt sich mir nur die Frage, was diese sogenannten Fußball-Experten überhaupt im Aufsichtsrat zu suchen haben, wenn man sich am Ende doch Hilfe von außen holt. Ach, ich glaube, ich verstehe das Ganze einfach nicht.

Von | 2015-02-28T08:21:36+01:00 28. Februar 2015|Allgemein|3 Kommentare

3 Comments

  1. HSVer im Herzen 28. Februar 2015 um 13:50 Uhr

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

    PS: Welcher Aufwärtstrend unter „Magic Joe“? Außer, dass die sinnentleerten Spielanalysen zunehmen? („wir haben zweimal verdient hintereinander gewonnen…“)

  2. Hugo Meiser 28. Februar 2015 um 16:48 Uhr

    Grave, wenn du jetzt noch beide scheinbar durch anscheinend ersetzt, ist alles in Ordnung, was du schreibst. Grins.

  3. Goldfather 1. März 2015 um 02:20 Uhr

    Zitat „“““ Dann stellt sich mir nur die Frage, was diese sogenannten Fußball-Experten überhaupt im Aufsichtsrat zu suchen haben, wenn man sich am Ende doch Hilfe von außen holt. Ach, ich glaube, ich verstehe das Ganze einfach nicht.“““Zitatende (Gravesen)
    ..

    Leider bringt die Hilfe von außen bei weitem nicht soviel wie wenn ein ehemaliger Topspieler (Kaltz, Magath, Hrubesch, Milewski, von Heesen) in verantwortlicher Position im Club in den Entscheidungsprozeß eingebunden wäre.
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    Hilfe von außen kann nur oberflächlich erteilt werden und stellt somit eher einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Gesamtproblem dar.
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    Warum glauben speziell in Hamburg irgendwelche Rechtsanwälte, Kaufleute, Journalisten oder Immobilienmakler etwas von Fußball zu verstehen? Gab es in der Geschichte des Hamburger Fußballs jemals einen Entscheidungsträger der nicht aus dem Profifußball stammte und irgendetwas gewonnen hat?
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    Dr.Klein?
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    Der Vorteil Dr.Kleins ist der, dass er seine Grenzen kennt und immer wußte, dass sein fußballerischer Sachverstand vollkommen bedeutungslos ist gegenüber Leuten wie Netzer oder Happel. Auf die Idee einen Journalisten zu fragen, ob irgendein Spielertransfer Sinn ergibt, bevor er einen Millionenvertrag unterzeichnet, wäre Klein meiner Meinung nach nie gekommen.
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    Für Karl Gernandt, der bei jedem Rapport vor seinem Karrieregönner Klaus-Michael Kühne auf die für den HSV desolate Ligatabelle angesprochen werden dürfte, wird es spätestens nach der nächsten Niederlage gegen den BVB gewaltig knirschen im Gebälk.
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    Im Gegensatz zum alten AR besitzt Gernandt, trotz seiner fußballerischen Ahnungslosigkeit, jedoch aufgrund seines natürlichen Selbstverständnisses, eine EXZELLENTE Form des Problemmanagements, so dass ich gespannt bin auf die Dinge die den HSV in den kommenden Wochen ereilen werden.
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    Klaus-Michael hat seinen obersten Manager auf dem höchsten Mast seines neuen Flaggschiffs Hamburger Sportverein angebunden und ich bin mir nicht ganz sicher, ob er es schaffen wird in einem Stück wieder herunterzukommen….
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    Die Fußball-Bundesliga ist eines der härtesten Geschäfte der Welt, 24/7 das gesamte Jahr inklusive Heiligabend und Sylvester, Milliardenmarkt, totale Transparenz, höchste Medienpräsenz sämtlicher Branchen, weltweite Konkurrenz, permanente Abstiegsgefahr, extreme emotionale Beteiligung des Umfelds, massenhaft weiche Faktoren die nur von Insidern eingeschätzt werden können …willkommen bei der schönsten Nebensache der Welt Mr.Karl Gernandt

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