Von Marken, Menschen und dem HSV

Liebe Leser,

HSV-Arena-Leser Andreas Freitag hat in seinem Buch „Von Marken und Menschen“ einen überaus interessanten Blick auf den „Fußball-Markt“ der Zukunft geworfen. Ich möchte euch diese Ansichten nicht vorenthalten und veröffentliche heute (mit Andreas‘ ausdrücklicher Genehmigung) das Blog zu diesem Buch. Ausgerechnet Amerika: Fußball-Marken fürs 21. Jahrhundert

Als Hamburger Fußball-Fan ist man wahrscheinlich im Moment besonders kritisch und besonders empfänglich für Erfolgsgeschichten. Als ich im Rahmen der SXSW-Konferenz eine Podiumsdiskussion mit den Eigentümern von drei MLS-Clubs verfolgte, konnte ich mich jedenfalls des Eindrucks nicht erwehren, dass ausgerechnet die Amerikaner gerade die Zukunft des professionellen Fußballs entwickeln, während viele europäische Vereine immer noch in den neunziger Jahren leben.

 

Noch vor zehn Jahren hätte ich jeden für verrückt erklärt, der so etwas behauptet hätte. Die MLS war sportlich irrelevant, spielte in riesigen Football-Stadien, in denen sich wenige tausend Zuschauer verloren und konnte sich im Kampf um Aufmerksamkeit und damit um TV-Zeiten und Gelder gegen die vier großen amerikanischen Ligen (NFL, NBA, MLB, NHL) und den College-Sport einfach nicht durchsetzen. Doch es hat sich einiges getan rund um den amerikanischen „Soccer“. Spürbar war das spätestens während der Weltmeisterschaft im Sommer, die ich zu weiten Teilen in den USA verfolgt habe und die wohl die erste WM war, die beim durchschnittlichen amerikanischen Sport-Fan zumindest angekommen ist. Waren es bisher vor allem Immigranten aus aller Welt und natürlich besonders aus Mittel- und Südamerika, die ihre Fußball-Kultur lebten, so ist inzwischen die erste Generation erwachsen geworden, die schon in der High School und auf dem College selbst Fußball gespielt hat und jetzt genauso einem Verein anhängt und den Weltfußball verfolgt wie wir es in Europa gewohnt sind.

 

Dazu eine kleine Anekdote am Rande: Vor ein paar Wochen war ich im hintersten Winkel von Texas auf dem Rückweg von Big Bend Nationalpark unterwegs und wurde an einem Kontrollposten der Einwanderungsbehörde angehalten. Dummerweise hatte ich nur meinen amerikanischen Führerschein, jedoch weder meine Greencard noch meinen Reisepass dabei. Entsprechend wurde ich aufgefordert, an die Seite zu fahren und dort von einem Beamten mit Maschinengewehr bewacht, während der andere meine Angaben überprüfte. Da kann einem schon ein wenig mulmig werden. Als sich jedoch im Gespräch mit dem jungen Mann, der mich im Auge behalten sollte, herausstellte, dass ich aus Deutschland komme, hellte sich seine Miene sofort auf und er kannte nur noch ein Thema: Deutschland gegen Brasilien! Er hatte jedes Tor vor Augen, kannte jeden Torschützen, war ein großer Fan von Thomas Müller und überhaupt begeistert, dass „wir Deutschen“ es den Brasilianern ordentlich besorgt hatten. Noch mal: Das war ein junger weißer Amerikaner aus Texas, der Fußball gespielt hatte seit er ein kleiner Junge war und auch noch besonderen Wert darauf legte mit mir über „Football“ und eben nicht über „Soccer“ zu sprechen. Da tut sich was.

 

Doch zurück zur Major League Soccer. In der Saison 2004 besuchten 2,3 Millionen Zuschauer die 150 Spiele, die gerade einmal 10 Teams untereinander austrugen. Zehn Jahre später hat sich die Zahl der Teams verdoppelt und die Zuschauerzahl sich verdreifacht. Liga-Primus Seattle Sounders, gerade einmal seit 2009 dabei, gehörte mit einem Zuschauerschnitt von 44.000 selbst in der Bundesliga zur besseren Hälfte. Und auch die anderen Vereine, die inzwischen fast durchgängig in reinen Fußballstadien spielen, dürfen sich über wachsenden Zuspruch und eine hohe Auslastung freuen. Jüngere Fans sind längst eher für gut planbare 90 Minuten Fußball zu begeistern als für ein Baseball-Spiel, das gerne einmal vier Stunden dauern kann. Die Aufmerksamkeit der Medien wächst entsprechend, der nächste TV-Vertrag verspricht höhere Einnahmen und deutlich bessere Sendezeiten. Seit dieser Saison gibt es in New York ein zweites Team, die Erweiterung der Liga auf 23 Teams bis 2017 ist beschlossene Sache und im ganzen Land bewerben sich Investoren und Städte um den Zuschlag für eine der nächsten Club-Lizenzen. Mittelfristig dürfte die Liga wohl auf 30 Clubs anwachsen, die dann, ähnlich wie in allen anderen amerikanischen Profi-Ligen, in regionalen Divisionen gegeneinander antreten. Die MLS ist drauf und dran der NHL und sogar der NBA den Rang abzulaufen. Es geht steil bergauf mit dem Fußball in Amerika.

 

Und in Europa? Selbst wenn man den Niedergang von Traditionsvereinen wie dem HSV oder dem VfB Stuttgart als Einzelschicksale abtun wollte, könnte man dem europäischen Fußball allenfalls Stagnation attestieren. Natürlich wird in Europa immer noch der beste Fußball mit den größten Stars gespielt und natürlich gibt es erfolgreiche Vereine wie den F.C. Bayern. Doch es kann ja auf Dauer auch nicht gesund sein, wenn es letztendlich in jeder Liga nur noch einen bis maximal vier Vereine gibt, die sportlich mithalten können, zumal wenn selbst diese teilweise hochdefizitär arbeiten oder sich aus dubiosen Quellen finanzieren müssen. Das Abschneiden der Teams aus der englischen Premier League im diesjährigen Europapokal ist vielleicht ein erster Fingerzeig darauf, dass die alten Rezepte – immer mehr TV-Gelder werden für immer höhere Ablösesummen und Gehälter ausgegeben – nicht mehr ausreichen, um im 21. Jahrhundert eine erfolgreiche Fußball-Marke aufzubauen.

Was machen denn nun eigentlich die aufsteigenden amerikanischen Clubs anders als die europäischen Traditionsvereine? Wie kann es sein, dass in einer Stadt wie Seattle (immerhin in den letzten beiden Super Bowls vertreten und auch noch mit einem passablen Baseball-Team versorgt) innerhalb von 5 Jahren eine solche Euphorie um einen Fußball-Club entsteht, während die Entwicklung des HSV inzwischen von vielen Hamburgern nicht einmal mehr mit Entsetzen, sondern nur noch mit Gleichgültigkeit verfolgt wird? Ich glaube drei wesentliche Faktoren ausmachen zu können, an denen sich erklären lässt, was die Amerikaner besser machen und was bei uns seit vielen Jahren schiefläuft: 1. Erfahrung und Qualität der Führung. 2. Ein ganzheitliches Marken-Verständnis. 3. Eine klare, handlungsorientierte Philosophie der Marke für die zentralen Handlungsfelder.

1. Erfahrung und Qualität der Führung

Werfen wir einen Blick auf die Teilnehmer der besagten Podiumsdiskussion: Adrian Hanauer hatte schon einige unternehmerische Erfahrung gesammelt, bevor er 2002 das Management der Seattle Sounders übernahm. An seiner Seite stehen seit der Aufnahme in die MLS 2007 Joe Roth, ein erfolgreicher Hollywood-Produzent, und Paul Allen, Co-Gründer von Microsoft und Eigentümer der Seattle Seahawks und Portland Trailblazers. Bei Sporting Kansas City hält seit 2006 Robb Heinemann als Mit-Eigentümer und CEO die Zügel in der Hand. Heinemann hat genauso wie Merritt Paulson, CEO und Mit-Eigentümer der Portland Timbers, jahrelang Erfahrung als Gründer und Manager von unterklassigen Clubs gesammelt. Wohin man in der MLS auch schaut: Die Clubs werden nicht von Ex-Fußballern geführt, sondern von gestandenen Unternehmern. Sie bestimmen den Kurs, stellen das Führungs-Team zusammen und sprechen für ihre Marken.

Und in der Bundesliga? In Deutschland neigen wir über alle Branchen hinweg leider immer noch dazu, den besten Fachmann zu befördern, obwohl die Führung einer Organisation ganz andere Fähigkeiten verlangt als die exzellente Ausführung einer bestimmten Aufgabe. Zum Glück haben jedoch die meisten von uns Gelegenheit, erste Führungs-Erfahrung mit kleinen Teams und überschaubarer Verantwortung zu sammeln. Nicht so im Fußball: Hier ist der sogenannte „Stallgeruch“ häufig immer noch wichtiger als auch nur die geringste Führungs-Erfahrung. Egal ob Dietmar Beiersdorfer, Karl-Heinz Rummenigge, Michael Preetz in Berlin, Horst Heldt auf Schalke, Robin Dutt inzwischen in Stuttgart, Jörg Schmadtke oder Thomas Eichin, für den Sprung vom Spieler zum Verantwortlichen genügt häufig etwas praktische Erfahrungs als sportlicher Leiter oder eine kurze Weiterbildung im Sportmanagement. Und das wäre noch nicht einmal ein besonderes Problem, wenn die genannten Herren eine klar umrissene interne Rolle im sportlichen Bereich hätten und sich in allen anderen Fragen zurückhalten würden. Doch ob ihrer Bekanntheit werden sie als Gesicht der jeweiligen Fußball-Marken genutzt und wahrgenommen und wer für eine Marke spricht der führt, ob er will oder kann, oder auch nicht.

2. Ein ganzheitliches Marken-Verständnis

Die Eigentümer der amerikanischen Clubs wissen aus unternehmerischer Erfahrung, dass ihre Marke die Identität ihrer Organisation ist. Jede Äußerung der Führung, der Umgang mit den Fans, das Verhalten eines Getränke-Verkäufers im Stadion, jedes Bild, das von einem Spieler gemacht wird und jeder Beitrag, der in den Medien erscheint, prägt das Bild, das wir uns als Außenstehende von einer Fußball-Marke machen. Die Führung dieser Clubs hat eine klare Vorstellung davon, wie dieses Bild aussehen soll und setzt sich unermüdlich dafür ein, es Realität werden zu lassen. Die Marke ist Chefsache.

Das Marken-Verständnis im europäischen Sportmanagement hängt dagegen immer noch in den neunziger Jahren fest und versteht die Marke als ein reines Mittel der Vermarktung. Der Fußball wird als Markenprodukt verstanden, das es dann von einem Vertriebsteam (meistens ausgelagert an einen der großen „Vermarkter“) an Sponsoren zu verkaufen gilt, die wiederum das Recht erwerben, ihr Markenzeichen auf das hoffentlich erfolgreiche Fußball-Produkt zu kleben und damit zu werben. Und obwohl dieses Modell immer schlechter funktioniert, weil in den großen, zahlungsfähigen Unternehmen längst ein viel differenzierteres Marken-Verständnis entstanden ist, prägt es immer noch das Denken und Handeln der Führungskräfte in den Vereinen. Und das bis hinab in die unteren Ligen oder in Sportarten wie Handball oder Basketball, denen auch nichts besseres einfällt als noch den letzten Handwerksbetrieb als „Sponsor“ zu umwerben.

3. Eine klare, handlungsorientierte Philosophie der Marke für die zentralen Handlungsfelder

Die Philosophie einer Marke zeigt sich nicht darin, was ein Verantwortlicher sagt oder in einem Werbefilm behauptet wird, sondern in den großen Entscheidungen der Führung und in der täglichen Praxis im Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, Kunden und Medien. Die Philosophie der amerikanischen Fußball-Marken unterscheidet sich dabei auf wesentlichen Handlungsfeldern ganz erheblich von der gelebten Philosophie im deutschen Fußball:

Wirschaftliche Philosophie

Die Clubs der MLS sind Wirtschaftsunternehmen, die gemeinsam Eigentümer der Liga sind. Sie profitieren bisher nicht von astronomischen TV-Verträgen und ihre Eigentümer sind keine Mäzene sondern wollen langfristig (!) Geld mit ihrem Engagement verdienen. Damit das gelingen kann, muss kurzfristig ordentlich gewirtschaftet und langfristig der Wert des Unternehmens gesteigert werden. Und das wiederum kann nur gelingen wenn der Wert der gesamten Liga steigt. Alle sitzen in einem Boot und alle achten darauf, dass die Marke „MLS“ (siehe oben) wächst und gedeiht.

Philosophie im Umgang mit den Fans

Unter deutschen Fußball-Fans herrscht die weitverbreitete Angst, dass die Umwandlung ihrer geliebten Vereine in Unternehmen dazu führen würde, dass sie nicht mehr als Teil der Marke sondern nur noch als zahlende Kunden angesehen würden. In Wirklichkeit ist dies aber keine Frage der Organisationsform sondern wieder eine Frage von Führung und Marken-Verständnis. In der Tat führt das oben beschriebene Marken-Verständnis dazu, dass Fans irgendwann nur noch als Konsumenten oder Zielgruppen betrachtet werden, denen es etwas zu verkaufen gilt. Doch das ist eben eine Herangehensweise aus dem 90er-Jahre-Marketing für Konsumgüter und keine zwingende Konsequenz einer unternehmerischen Denke. Ganz im Gegenteil: Alle drei vorgestellten MLS-Clubs haben Modelle gefunden, um ihre Fans in die Entscheidungsprozesse der Führung einzubinden. Die „Alliance“ der Seattle Sounders oder die „Timbers Army“ in Portland spielen für das Clubleben und das Stadion-Erlebnis eine gewaltige Rolle. Die Fans sind nicht Konsumenten der Marke sondern sie sind ein ganz entscheidender Teil der Marke.

Philosophie in Bezug auf das Stadion-Erlebnis

Nach den Erfahrungen der Anfangsjahre hat die Führung der MLS sich ganz bewusst entschieden, dass das Stadion-Erlebnis (das in Seattle schon mit dem „March to the Match“ beginnt – ruhig mal anschauen und staunen…) nicht unbedingt familientauglich sein muss. Es wird getrunken und gefeiert wie auf einer Studenten-Party. Dabei spielt wie überall in den USA die Sicherheit eine gewaltige Rolle und es gilt null Toleranz für körperliche oder verbale Gewalt. Doch wer sich an die Spielregeln hält kann seiner Leidenschaft für den Fußball und seinen Club freien Lauf lassen – mit Capo und Choreo und allem Drum und Dran. Getränke kommen übrigens an den Platz und ein kostenloses WLAN ist inzwischen in den meisten Stadien auch Standard, schließlich soll das Marken-Erlebnis ja auch mit dem Rest der Welt geteilt werden können.

Philosophie im Umgang mit den Medien

Hier hat die Führung der MLS-Clubs es leicht, weil sie nur dem Beispiel der anderen großen amerikanischen Sportarten folgen muss. Während sich in Deutschland immer noch der Mythos hält, die Presse würde den Vereinen „das Stadion vollschreiben“, sind sich die Amerikaner des Wertes ihrer Sport-Marken sehr bewusst. Nicht umsonst zahlen schließlich TV-Sender Milliarden für das Recht über die Spiele berichten zu dürfen. Und so entsteht eine professionelle Partnerschaft zwischen den Medien-Vertretern und der Führung der Clubs: Die Medien liefern einen kompetenten, leidenschaftlichen und wo nötig auch kritischen Sportjournalismus mit großen Bildern, aufwändig produzierten Live-Übertragungen und bewegenden Reportagen. Die Clubs legen gewisse Spielregeln fest und gewähren dafür Zugang bis in die Umkleidekabine. Ein „Journalist“, der auf Boulevard-Niveau Gerüchte streuen oder aus dem Privatleben der Spieler berichten würde, hätte diesen Zugang schnell verwirkt. Und wenn die Club-Führung etwas zu sagen hat, dann nutzt sie schon mal ganz selbstverständlich den eigenen Twitter-Kanal, so wie beispielsweise Robb Heinemann zum Thema van der Vaart.

Und was ist mit dem Sportlichen?

Es mag noch ein paar Jahre dauern, aber ich wage mal eine Prognose: Die MLS wird mittelfristig zur stärksten Fußball-Liga der Welt. Warum ich das glaube? Zum einen können die Amerikaner einfach Sport, bedienen immer noch den größten Markt und werden bald auch die nötigen finanziellen Möglichkeiten haben, um ähnlich wie momentan im Basketball oder Eishockey die besten Spieler aus aller Welt nach Nordamerika zu locken. Vor allem bin ich aber davon überzeugt weil die Führung der MLS und ihrer Clubs den bei uns immer noch verbreiteten Irrglauben überwunden hat, dass sportlicher Erfolg allein eine starke Fußball-Marke entstehen lässt. Ganz im Gegenteil: Sportlicher Erfolg ist langfristig die logische Konsequenz guter Führung und einer klaren Philosophie. Und da sind die Amerikaner den meisten europäischen Vereinen um Jahre voraus.

(Quelle: http://www.vonmarkenundmenschen.de/buch/)

Lieber Andreas, nochmals herzlichen Dank für den Hinweis und bis bald in Hamburg.

Von | 2015-03-30T08:51:03+02:00 30. März 2015|Allgemein|15 Kommentare

15 Comments

  1. Jan B 30. März 2015 um 09:30 Uhr

    Moin

    Sportlich gesehen machen die USA vieles anders in ihren Profiligen. Sehr weitreichende Einschnitte sind das Salary Cap und das Draft System. Beides sorgt dafür das die Schere zwischen „Armer Club und reicher Club“ nicht zu weit auseinander geht. Das beste Beispiel was mir hierzu einfällt ist das NHL Team der Pittsburgh Penguins. Nach 10 Jahren Siechtum und sportlichen Mißerfolg bekam der Verein 2005 das Erstdraftrecht. Mit Sydney Crosby und Kris Letang gelang der sportliche Neuanfang und gipfelte 2008 und 2009 im Stanley Cup Finale. 2009 wurde der Stanley Cup gewonnen.
    Beide Instrumente (Salary Cap und Draft) regulieren die sportlichen Ausgeglichenheit, so das über Jahre hinaus die Ligen spannend und attraktiv sind. Warum hat sich damit noch niemand im Fußball beschäftigt?

  2. martin 30. März 2015 um 10:15 Uhr

    Ich bin zu selten in den USA ( eigentlich nie ) um festzustellen, wie sich die etablierten „Marken“ der Football- oder Basketballunternehmen in der Öffentlichkeit darstellen. Ich habe aber den Eindruck – von dem, was man darüber in Europa mitbekommt – dass die Unterschiede dort nicht mehr sehr groß sind und sich ggf. lediglich im Auftreten Einzelner unterscheidet. Die Marke selbst folgt einer strikten Agenda, die möglichst sauber bleibt, von allen politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Einflüssen. Hierzu werden den Spielern als auch den übrigen Mitarbeitern strikte Handlungsweisen auferlegt. Spieler und Vereine, die diesen Fleischwolf als Mainstream-Persönlichkeiten und Unternehmen überleben, sind als „Premium-Verein“ identisch und austauschbar. Der Liga-Betrieb in Deutschland ist mir jetzt schon zu sauber – ein Looser-Image des FC St.Pauli wirkt da nicht umsonst als erfrischend anders.

    • BerndH60 30. März 2015 um 11:00 Uhr

      „– ein Looser-Image des FC St.Pauli wirkt da nicht umsonst als erfrischend anders.“
      .
      Dieses Teilzitat von dir belegt eindeutig das du die sogennannten Marktmechanismen durchschaust. Selbst der „Looser“ St. Pauli hat eben nur ein Image. Von der ersten bis mit Sicherheit zur dritten Liga alles durchgeplant.
      Dann gibt es keinen Grund sich dem letzten Schritt zu verschließen.
      .
      Das größte Problem der kommenden 20 Jahre in Europa dürfte ansonsten die Gründung einer „Champions-League“ im Dauerspielmodus werden, die ja in Grundzügen alles vereint, was amerikanische Profiligen auszeichnet.
      Als Normalsterblicher kannst du dir dann einen Stadionbesuch aber abhaken, da die wenigen Dauerkarten, die in den freien Verkauf kämen, in Sekundenbruchteilen bei einer Internetauktion weg wären.
      Und schaue ich aktuell in die Premier League, denke ich das mindestens 4 – 5 Pay TV Sender die Übertragungsrechte schultern müssten und du eine eine entsprechende Anzahl an Decodern rum stehen hättest, falls du dir die 250 € pro Monat leisten könntest oder wolltest.
      Ich denke sogar, daß die Big Player ala Bayern, Real, Inter und die Scheichklubs eine solche Lösung anstreben. Die nationalen Ligen hält man sich als Wurmfortsatz und Alibiveranstaltung („Was wollt ihr ?! Jeder kann in die Championsleague.“) und die Big Player haben ihre Planungssicherheit. Dann würden über die CL nicht mehr bis zu 50 Mio € sondern 150 € Mio ausgeschüttet. Das, was heute der CL Gewinner maximal einfahren kann, wäre dann das Antrittsgeld.
      Ich denke, wir würden dann nach RB Leipzig noch reichlich weitere Kunstvereine erleben.
      Der Zug ist längst auf das Gleis gesetzt, es geht nur noch drum, wer mitfahren darf.
      .
      Das schöne für den HSV-Fan ist dann, der Abstieg, jeder Abstieg würde seinen Schrecken verlieren, denn die Trennkante erfolgt dann an den CL Qualifikationsplätzen. Ob man dann aus dem deutschen Fernsehgelder Topf 5 Millionen, 500.000 oder auch nur 50.000 € bekäme, unerheblich, keine Chance jemals höher als Platz 5 zu kommen.

  3. Heiliger Bimbam 30. März 2015 um 10:44 Uhr

    Ja nu. Hatten wir auch schon mal. Bernd Hoffmann hiess derjenige, der Sachen wie Kidsclub, HSV-Museum, Anstoss³-Investormodell, neue Wege in der Vermarktung, Hamburger Weg usw usf in die Wege geleitet hatte.
    .
    Tja.

  4. mendikant 30. März 2015 um 10:46 Uhr

    @Jan B
    Kann ich dir sagen, weil wir in Europa ein Recht auf freie Arbeitsplatzwahl haben z.B..
    Wieso sollte ich in einen Verein, dessen Philosophie und vielleicht sogar dessen Umfeld mir nicht gefällt, Sprichwort :“Ware Mensch!“

    Weil wir keine geschlossenen Ligen haben, in dem niemand absteigen kann.
    Wenn ich schlecht bin steige ich ab und würde dann also Talente mit nach „unten“ nehmen.

    Zudem leisten US-Profivereine so gut wie überhaupt keine Nachwuchsarbeit, das machen dort die High Schools und Colleges, während wir hier in jedem Verein Jugendabteilungen haben und uns unseren eigenen Nachwuchs heranziehen.

    • Jan B 30. März 2015 um 11:21 Uhr

      Und wie sieht es mit einem Salary Cap aus? Das wäre allerdings eine FIFA Aufgabe.

      • Gravesen 30. März 2015 um 11:33 Uhr

        Vielleicht kann sich Andreas ja selbst nochmal dazu äußern. Allerdings wird der jetzt wohl schlafen, in Kalifornien ist es 2.33 Uhr 🙂

  5. Gravesen 30. März 2015 um 11:19 Uhr

    Nicht nur in Zeiten von Tsunamis und Flugzeug-Katastrophen, sondern auch und besonders im tagtäglichen Sportjournalismus absolut zutreffend. Ich schließe mich vollumfänglich an!

    Hans Hoff:
    „“Das ist vorbei. Nicht erst seit den Ereignissen der vergangenen Woche. Es ist schon länger vorbei. Ich hätte das schon lange sehen können, aber ich wollte es nicht wahrhaben. Der Journalismus, so wie ich ihn kennen- und schätzen gelernt habe, existiert nicht mehr. Journalismus ist nurmehr ein hohles Gefäß, in das jeder füllt, was er mag oder was er meint, im Auftrag seiner Nutzer einfüllen zu müssen. Das dadurch entstehende Gemisch ist mir unerträglich geworden. Es sind Dinge zusammengekommen, die nicht zusammenkommen sollten. Ich fand mich als Journalist wieder in enger Nachbarschaft zu widerlichsten Existenzen. Ich möchte das nicht mehr. Ich bin kein Journalist mehr.“

  6. Gravesen 30. März 2015 um 12:24 Uhr

    Wenn ich sehe, wie die mentalen Einzeller in Schmocks Einöde diese unsäglichen Auftritte von „Didi“ und Durchdeklinierungs-Kuddel abfeiern, könnte ich zusammenbrechen. Auch wenn man davon ausgeht, dass die durchschnittliche Leserschaft vom „Einzig wahren HSV-Blog“ einen Maximal-IQ von 17 aufbieten kann, ist es dennoch unfassbar, dass die Pfeifen offensichtlich NICHTS verstanden haben, im Gegenteil.
    Ich hätte übrigens gern mal den Shitstorm im Pöbelforum erleben mögen, wenn sich beispielsweise Manfred Ertel derart offensiv zu Themen des operativen Geschäfts wie Trainer, Spieler, Verträge, Aufstellungen etc. geäußert hätte. Aber Kuddel ist ja ne Exzellenz, der darf das.

  7. Oberberger 30. März 2015 um 15:22 Uhr

    Ein schöner Blick über den Tellerrand hinaus.
    Besonders interessant finde ich folgende Passage, gerade im Bezug zu Grave´s Beiträge zum Thema Medien in den letzten Tagen:
    .
    .
    „Während sich in Deutschland immer noch der Mythos hält, die Presse würde den Vereinen “das Stadion vollschreiben”, sind sich die Amerikaner des Wertes ihrer Sport-Marken sehr bewusst. Nicht umsonst zahlen schließlich TV-Sender Milliarden für das Recht über die Spiele berichten zu dürfen. Und so entsteht eine professionelle Partnerschaft zwischen den Medien-Vertretern und der Führung der Clubs: Die Medien liefern einen kompetenten, leidenschaftlichen und wo nötig auch kritischen Sportjournalismus mit großen Bildern, aufwändig produzierten Live-Übertragungen und bewegenden Reportagen. Die Clubs legen gewisse Spielregeln fest und gewähren dafür Zugang bis in die Umkleidekabine. Ein “Journalist”, der auf Boulevard-Niveau Gerüchte streuen oder aus dem Privatleben der Spieler berichten würde, hätte diesen Zugang schnell verwirkt. “
    .
    .
    Da bekomme ich fast feuchte Augen vor Sehnsucht 🙂
    Man stelle sich in einem solch professionellen Umfeld mal Herrn Matz oder den „Direktor Medien“ vor. Ich denke die wären alle schneller arbeitslos als man „Helm-Peter“ sagen kann.

    • Kai Arne 30. März 2015 um 15:45 Uhr

      Wenn es diesen „Typus“ Schreiber im us-amerikanischen Sportumfeld nicht gibt, warum wird er dann in jedem Sport-Kinostreifen (und nicht nur den Komödien) von dort persifliert? 🙂

  8. Thomas 30. März 2015 um 17:38 Uhr

    Man kann von anderen Sportarten, anderen lokalen Märkten etc. immer Dinge lernen, das Problem ist immer, dass diejenigen, die an der Spitze stehen, dies für unötig erachten. Das große GEjammer passiert dann, wenn es nachhaltig nicht mehr so ist. Natürlich ist der Aufwand, den man dann betreiben muss ungleich größer, um Dinge wieder korrigieren zu können. Bestes Beispiel ist dafür der Deutsche Fussball vor 15 Jahren bei der EM 2000. Danach wurde vieles konzeptionell überarbeitet bzw komplett verändert und plötzlich ist man eine Spielergeneration später Weltmeister.
    Ein Klinsmann hat hier vieles erkannt, wollte Hockeyfachleute, Fitnessfachleute, Spezialisten auf ihren GEbieten in Betreuerstäbe integrieren. Aber dafür war die Zeit noch nciht reif. Man war noch nicht bereit dafür, da es einem noch nicht schlecht genug ging…

    Man darf aber bei alledem nicht vergessen, dass dort die Rahmenbedingungen komplett andere sind. Jugendarbeit wird dort über Highschool- und Collegesport umfangreich staatlich subventioniert und der Sportler in den Profiligen ist – komplett anders als in Europa – eine Ware, die den Ligen gehört und wie ein moderner Sklave von Franchise zu Franchise weitergereicht werden kan.

    So kann man auf jeden Fall jetzt schon im europäischen Fussball eine Menge von US-Profligen lernen – nicht nur von der MLS, auch wenn man natürlich nciht alles 1:1 übertragen kann.

    Aber darüber hinaus ist das heute ein spannender und interessanter Beitrag. Danke dafür.

  9. Gravesen 30. März 2015 um 20:49 Uhr

    Auf ARTE läuft gerade Psycho, direkt in Bates Motel. Spitzenklasse 🙂

    • Wade 30. März 2015 um 23:21 Uhr

      Kaum ist Psycho zu Ende (22.00), läuft auch schon die Verlängerung auf dem allseits bekannten Hamburger Privatsender im Internet 😉
      Natürlich mit den üblichen Verdächti(gen)/(gungen) :mrgreen:

      • Gravesen 31. März 2015 um 07:11 Uhr

        Es war zu erwarten, mehr kann man dazu einfach nicht mehr sagen. Die Blogbetreiber dort machen sich mittlerweile nicht mehr nur durch ihre inhaltsfreie und tendenziöse Hofberichterstattung lächerlich, sondern demonstrieren nachhaltig, dass sie nicht in der Lage bzw. nicht gewillt sind, ihre schwer verhaltensgestörten Dauer-Spamer unter Kontrolle zu halten. Ich erinnere:

        Matz-Ab-Moderatoren-Team sagt:
        26. März 2015 um 19:00
        Sehr geehrte Gemeinde, bis auf weiteres werden wir jeden Kommentar einzeln prüfen und freischalten. Es erscheinen nur noch Kommentare, die sich mit dem Thema HSV, Fußball und diesem Blog beschäftigen.

        Gestern nun, nachdem man zur Kenntnis nehmen musste, dass die ach so hervorragenden Klickzahlen ins Bodenlose fielen und man gnädigerweise wieder jeder Rektal-Amöbe freien Zugang gewehrte, einige kurze „Blogperlen“ von den üblichen Geistesgestörten:

        der Coach sagt:
        31. März 2015 um 01:39
        @ruhigblut
        Das stimmt leider. Vielleicht bringt es der Ovid ihnen ja dann bei, oder der Schopenhauer…

        ruhigblut sagt:
        31. März 2015 um 00:57
        Wen mag der Zellhaufen nur meinen?
        F5?
        Warum soll ich den Bildschirm verändern?

        ruhigblut sagt:
        30. März 2015 um 23:53
        Bei Töpperwien war es aber eine Art Selbstzündung.

        WORTSPIELER sagt:
        30. März 2015 um 23:47
        töpperwien hat auch mal gebrannt. #rumliegen

        ruhigblut sagt:
        30. März 2015 um 23:11
        Coach,
        nein, Silvia Neid übernimmt hier nicht.
        Im Leben nicht – zuwenig Lesben im Team!

        Dylan1941 sagt:
        30. März 2015 um 22:08
        Korrektur lesen ist überbewertet

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