Der Tag, an dem ich (wieder einmal) Unruhe in den Verein brachte…

Es muss einer dieser grauen Mai-Morgende gewesen sein, als es (wieder einmal) passierte, ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Nun, genau genommen war es ja auch gestern und es war 6.52 Uhr und mir war fad. Als Berufs-Intrigant gehen mir in solchen Momenten die wildesten Sachen durch den Kopf, aber am Ende bleibe ich eigentlich immer bei dem gleichen Gedanken hängen:

Wie kann ich dem Verein am besten schaden, indem ich vorsätzlich Unruhe in den Club bringe?

Da momentan im Grunde nichts besonderes anlag (der HSV stand traditionell auf einem Abstiegsplatz, die Exzellenzen hatten sich wieder einmal um Kopf und Kragen geredet und die Rückhol-Aktion des mittlerweile 37-Jährigen Bernardo Romeo stand unmittelbar bevor) arbeitete ich mich ein wenig durch den seichten Blätterwald der Hamburger Sportjournaille. Im Normalfall dauert es ca. 4, 5 Minuten und man findet einen Artikel über den HSV, der die Tischkante aufgrund einer anstehenden Beiss-Attacke akut gefährdet, so auch heute.

Ich weiß gar nicht mehr genau, was es eigentlich war, aber es war wieder einmal derart haarsträubend, dass es auf einen Linkmichel wie mich wie die Einladung zum Abtanzball wirkte. Also los geht es.

Der Artikel wird kopiert und auf die Arena-Facebookseite gestellt. Garniert wird das Ganze mit zwei oder drei Zitaten und sich daraus ergebenden Fragen, die wirklich für jeden Baumschüler auf der Hand liegen sollten. Jetzt noch auf den blauen Button drücken, zurücklehnen und warten. Während bei den Frühaufstehern unter den Lesern die Gehirnzellen arbeiteten, arbeitet bei mir der Morgenkaffee.

Üblicherweise dauert es nur Minuten, bis die ersten Reaktionen eintrudeln, viele Leser sind Frühaufsteher. Nehme ich existierende Artikel aufs Korn und kommentiere sie mit Ansichten, die ich für notwendig erachte und auf die die bemühten Journalisten-Darsteller wieder einmal nicht von allein gekommen sind, sind die Kommentare so vorhersehbar wie der Sonnenaufgang am Morgen.

„Grave, warum schon wieder so negativ? Ist das jetzt der richtige Zeitpunkt dafür?“

Gegenfrage: Gibt es für sowas einen falschen Zeitpunkt und wenn ja, welcher sollte das sein?

„Grave, warum muss auch du das jetzt nochmal posten? Reicht doch schon, wenn die Lügenpresse sowas ausgräbt…“

Herrliche Ansicht, immer wieder schön. Zuerst einmal habe ich dieses Gespräch nicht geführt, ich kommentiere es lediglich. Zum Zweiten – glaubt denn irgendjemand, die nächste Peinlichkeit würde im Nirwana verschwinden, wenn ich sie unterschlage? Als wäre ich der einzig wahre Katalysator für die öffentliche Darstellung der Inkompetenz.

„Grave, ist ja toll, aber langsam haben wir es begriffen“

Nein, habt ihr nicht. Leider nicht. Denn andernfalls würde sich irgendwann mal etwas ändern. Andernfalls würde mal jemand nachfragen, wie sich eigentlich dieser „Didi-Schutzwall“ erklärt.

„Grave, du musst auch mal Geduld haben. Das, was die anderen Blindfische in Jahren verrissen haben, kann man nicht in einem Jahr erneuern“

Stimmt, kann man nicht. Aber man kann sich zumindest bemühen, erkennbar richtige Entscheidungen zu treffen und exakt das tun die Herren seit Juni 2014 nicht. Sie treffen falsche Entscheidungen und sie haben in knapp einem Jahr bewiesen, dass sie das, wofür sie in ihre Ämter gehoben wurden, schlicht und einfach nicht beherrschen.

Nun denn, dies ist die eine Seite der Medaille und die wirklich entscheidende Frage lautet:

Was passiert an so einem Tag im Verein selbst?

Wie immer kommt Dietmar „Didi“ Beiersdorfer gegen 10.14 Uhr in sein Büro, bis hierhin noch gut gelaunt. Als überaus sensibler Menschen reicht ihm allerdings ein kurzer Blick ins Gesicht seiner Sekretärin, um zu erahnen, was die Stunde geschlagen hat.

Didi: „Moin Monika, alles gut?  Wie war dein Abend? Irgendwas Neues?“

Moni: „Ja Chef. Es ist wieder passiert. Er hat es schon wieder getan?“

Didi: „Der Lachs? Er hat es getan?“

Moni: „Ja, Chef. Schlimmer als je zuvor. Im gesamten Verein ist seit 8.41 Uhr die Stimmung auf dem Nullpunkt. Herr Meier hat uns angewiesen, die HSV-Flaggen vor der Arena auf Halbmast zu setzen“

Kreidebleich wankt Didi in sein Vorstandsbüro, im Zimmer wartet bereits Diktatorsport, Peter Knäbel, auch ihm ist jede Farbe aus dem Gesicht gewichen.

Knäbel-Peter:“Mensch Chef, wo bleibst du denn bloß? Hier geht die Welt unter. HSV-Arena hat gegen 7.58 Uhr gepostet und nur 4 Minuten danach war Unruhe im Verein. Die Telefone im Call-Center stehen nicht still und vor der Arena hat sich eine Demo bestehend aus 7 Trainingsrentner gebildet, die Klarheit verlangen. Didi, so hatte ich mir das alles nicht vorgestellt.“

Didi: „Peter, mach dich locker im Gesicht, wir müssen uns was überlegen. Ich hatte dem Lachs doch schon diesen Psychopathen auf den Hals gehetzt, der ihn jeden Tag mehrfach beleidigt, aber scheinbar löscht der den Kram einfach. Wenn es doch nur so leicht wäre. Wo steckt Peters? Der hat doch sonst immer so abenteuerliche Ideen?“  

Knäbel-Peter: „Bernhard hat sich in seinem Büro im Keller eingeschlossen und antwortet nicht mal mehr auf Klopfzeichen. Er hat uns einen Zettel unter der Tür durch geschoben, auf dem stand, wir sollen ihm um Punkt 12 Uhr das Essen vor die Tür stellen. Er hat gesagt, dass seine Nerven das nicht mehr mitmachen. Jeden Tag dieser Gravesen, jeden Tag diese Unruhe im Verein. Wie soll da jemand zukunftsweisende Konzepte schreiben?“

Didi: „Scheiße nochmal „ (Didi denkt: „Könnte ich doch nur dasselbe machen…“)

Knäbel-Peter: „Chef, jetzt kann uns noch nur noch der Aufsichtsrat retten“

Didi:„Peter, bist du vom Hahn gehackt? Willst du, dass KronprinzKalle morgen das nächste Interview beim NDR gibt und uns in die Kacke labert? Willst du das? Was denkst du denn, was der Lachs mit uns macht, wenn wir das zulassen?“

Knäbel-Peter:„Chef, wir haben keine andere Chance mehr. Die Unruhe verbreitet sich wie ein Lauffeuer durch den Verein. Die Mannschaft…..“

Didi: „Welche Mannschaft denn?“

Knäbel-Peter: „Naja, die Jungs, die für uns Bundesliga spielen, Chef“

Didi: „Achso, die. Was ist mit denen?“

Käbel-Peter: „Die trauen sich nicht aus der Kabine, sagt Bruno. Die Unruhe…“

Didi: „Ich flipp aus. Ich gehe jetzt runter zu Bruno und kläre das. Wofür bin ich schließlich Presi? Irgendwann muss ich auch mal was entscheiden, oder?“

Knäbel-Peter: „Super, Chef. Weiter so..“

Plötzlich klingelt das Smartphone (iPhone 6Plus) des großen Vorsitzenden, am anderen Ende der Leitung ist der große Unsichtbare, den selbst Didi nur vom Hörensagen kennt.

Didi: „Joachim., was ist? Sag mir was Positives!“

MarketingHilki: „Sorry Chef, wird nichts. Heute morgen zwischen 8.00 Uhr und 9.30 Uhr haben uns 7 Logenmieter gekündigt und außerdem sind uns knapp 30 Business-Seats um die Ohren geflogen. Ich habe versucht, in Dubai anzurufen, aber die Leitung war tot. Bei adidas kennen sie angeblich keinen Hilke. Chef, wir sitzen tief in der Kloake und alles nur, weil Gravesen wieder Unruhe in den Verein gebracht hat.“

Didi: „Hilke, klär das. Sofort. Zur Not verschenke die Logen, ist mir egal.“ (Didi legt auf)

Plötzlich ein schriller Ton, KingDidi erhält eine sms.

Auf dem übergroßen Display erscheinen die bekannten Worte:

Uwe: „Ich mache mir große Sorgen um den HSV!“ Dein Uwä

KingDidi sprinte aus dem Büro, hinterlässt einen aufgelösten DiktatorSport und eine weinende Sekretärin und entert den Aufzug nach unten. Der Weg führt ihn direkt ins Büro des Cheftrainers, welcher allein, zusammengesunken und mit den Händen vorm Gesicht in der Ecke des fensterlosen Raumes kauert und still vor sich hin schluchzt.

Didi: „Bruno, was läuft hier. Wo sind die Jungs? Warum bist du nicht auf dem Platz?“

SchoenerBruno: „Ich traue mich nicht, Chef. Als ich heute morgen kam, war hier eine Unruhe im Verein, die war körperlich spürbar. Als Eddie Sülzer 5 Minuten nach mir kam, fing er spontan an zu weinen und hat sich bis Freitag krankschreiben lassen…“

Didi:„Ich hasse den Lachs. Ich hasse ihn. Ein Blog und ein Scheiß-Facebook-Post und hier brechen wieder alle Dämme. Keine Sau interessiert es, wenn Hesse oder Bubak Meloni irgendwas verzapfen. Aber wenn der Lachs seine hinterhältigen Fragen stellt, bricht hier unweigerlich das Chaos aus.“

SchoenerBruno: „Chef, vielleicht gibt es da eine Möglichkeit. Valon erzählte etwas von albanischen Freunden und…“

Didi: „Quatsch, das regeln wir anders. Ich schicke Jörni an die Front, wofür ist der schließlich da?“

Didi greift zum Handy (iPhone 6Plus) und wählt die Nummer des Mediendirektors.

Didi: „Jörni, du musst diesen Gravesen stoppen, der torpediert uns das ganz Projekt hier. Wir reden von Gelduld und von 4-14 Jahren und von Konzepten und der stellt Fragen, auf die wir keine Antworten haben. Tu endlich was!“

Jörni „the bat“ Wolf (ehemals mehrfach als der schönste Pressesprecher Deutschlands prämiert): „Didi, ich hab’s doch versucht. Ich hab’s mit Druck versucht, ich hab’s mit Kriecherei versucht. Leider habe ich dann einen kleinen Fehler begangen, der uns…“

Didi: „Was für ein Fehler, du Flaschenöffner?“

Jörni: „Naja, ich habe ihm erzählt, wir wären noch nicht soweit und dann hat er…“

Didi: „Ich kollabiere..“

Didi greift erneut zum Handy (iPhone 6Plus) und wählt eine Nummer im Vorstandsbereich der Kühne & Nagel AG. 120%-Kuddel ist direkt dran.

KronprinzKarl: „Didi, moin. Was gibt’s? Wann spielen wir Champions League? Haha..“

Didi: „Karl, hör mit dem Käse auf, wir haben ein Problem. Der Lachs hat…“

KpK: „Oh nein, nicht schon wieder. Und jetzt habt ihr Unruhe im Verein, oder?“

Didi: „Du machst dir kein Bild. Du musst sofort kommen und eine Rede an die Belegschaft halten. Peters hat sich im Keller eingeschlossen, Bruno weint im Trainerbüro, Sülzer hat sich krankschreiben lassen. In der Raute streikt die Kaffeemaschine und Hunke hat angeblich….“

KpK: „Äääh..Didi…schlechte Verbindung. I… öre….ich.. ni…..meh… Meld …ich..“ (Die Verbindung bricht ab)

Von allen guten Geistern (und Aufsichtsräten) verlassen, stürmt der Vorstandsvorsitzende zum Trainingsplatz. Im Mittelkreis des verhängten Ackers sitzt eine gebrochene Mannschaft im Kreis und hält sich an den Händen. Kaum einer der verängstigten Lizenzspieler bemerkt die Ankunft des großen Vorsitzenden.

Didi:“Jungs, hoch mit euch. 10 Platzrunden zum Aufwärmen. Anschließend 5 gegen 2. Auf geht’s.“

Rafa Vaart: „Didi, wir können nicht, wir sind am Ende. Gravesen hat wieder soviel Unruhe in den Verein gebracht, wir können am Wochenende nicht spielen. Chef, lieber ein 0:3 wegen Nichtantretens als wieder so ein 0:8 wie in München. Da hatte HSV-Arena am Vortag auch Unruhe reingebracht. Du hast ja gesehen, wohin das führte….“

Didi: „Scheiße nochmal“

Daheim in Delmenhorst sitzt ein zufriedener Blogger, der bereits kurz vor 8 Uhr sein Tagewerk erledigt hat. „Missetat begangen“ lautet das Motto des Tages und morgen versetze ich dem Verein den Todesstoß. Morgen werde ich sie über den grünen Klee loben, dann wissen sie überhaupt nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht.

Wenn doch nur alles im Leben so einfach wäre, wie Unruhe in diesen Verein zu bringen 🙂

Super-Didi2

Von | 2015-05-06T08:04:55+02:00 6. Mai 2015|Allgemein|12 Kommentare

12 Comments

  1. moonpile 6. Mai 2015 um 08:33 Uhr

    Weltklasse

  2. Sven B. 6. Mai 2015 um 08:46 Uhr

    ich schmeiß mich weg! Geil:-)

  3. Dehkah 6. Mai 2015 um 08:51 Uhr

    Delmenhorst? Du bist schon noch Grave und nicht Wiese, oder? Dein Abschlusssatz mit „grünen Klee“ stünde in einem ganz anderen Licht…

    • Gravesen 6. Mai 2015 um 08:52 Uhr

      Nö, ich bins 😉 Das war nur an einen Patienten gerichtet, der mir jeden Tag Hass-Mails schreibt und behauptet, ich würde in Delmenhorst sitzen…

  4. williwacker 6. Mai 2015 um 11:00 Uhr

    Da lacht der Lachs in der Klarsichtfolie. Der Morgen ist gerettet. 🙂

  5. Gravesen 6. Mai 2015 um 12:49 Uhr

    Mimimi…du bist so gemein zu Didi und Hilke….mimimi…..die armen Matz und Scholz…..mimimi…..ich wein‘ gleich….

  6. ausgegliedert 6. Mai 2015 um 19:14 Uhr

    Hast du Transfererlöse von UnsIntranet erhalten 😀 ?

  7. Hugo Meiser 6. Mai 2015 um 20:26 Uhr

    Man stelle sich vor, hier ginge es um Politik. Diese Unruhe in der Regierung!!!

  8. Gravesen 6. Mai 2015 um 20:30 Uhr

    Ich bin immer fasziniert, wie viele wirklich extreme Arschlöcher sich als HSV-Fans bezeichnen. Selbst NICHTS auf die Reihe kriegen, keine Ahnung von nichts, falsches Deutsch, offenkundig hohl wie Toastbrot, aber sich anonym im Netz auskotzen. Seid froh, dass diese Opfer hier auf dem Spamfilter landen und ihr diese Scheisse nicht sehen müsst. Was für armselige Piss-Enten

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