Ein bisschen Spaß muss sein….

…dachte sich gestern wohl auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende und zuletzt „Vorstand Fans und Gräben“, Carl-Edgar Jarchow, als er mit seinem Interview auf HSV.de einen vorläufigen satirischen Höhepunkt der Woche lieferte. Grund genug für HSV-Arena, bei Eddie nach einem eigenen Interview anzufragen und -siehe da – es hat geklappt.

HAMBURG, GERMANY - JULY 01:  Carl E. Jarchow, president of Hamburger SV gestures during the training session of Hamburger SV at the club's training ground on July 1, 2013 in Hamburg, Germany.  (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

HSV-Arena: „Herr Jarchow, zuerst einmal herzlichen Dank dafür, dass sie uns so kurzfristig für ein Interview zur Verfügung standen“

CEJ: „Aber, junger Mann, ich bitte sie. Das ist doch selbstverständlich. Sie wissen doch, dass ich ein großer Fan ihres Blogs bin und spätestens, nachdem wir damals beim Italiener zusammen…“

HSV-Arena: „Jaja, schon gut. Fangen wir mit einer einfachen Frage an. Welcher ihrer zahlreichen Spitznamen gefällt ihnen eigentlich am besten? Gardinen-Eddie? Schnarchow? Der Schweber?

CEJ: „Ich mag „den Schweber“, das wird mir irgendwie gerecht. Es hat so etwas Erhabenes, so etwas Überirdisches. So wie ich eben“ (lacht)

HSV-Arena: „Im Interview mit HSV.de zogen sie ein positives Resümee ihrer Amtszeit. Mal ehrlich, meinten sie das ernst?“

CEJ: „Ist ihnen aufgefallen, oder ? (grinst) Naja, was sollte ich auf diese Frage auch anders antworten? Ich hätte ja schlecht sagen können „Wir haben aus einem Verein einen Scherbenhaufen gemacht.“ Außerdem hätte HSV.de das nie und nimmer veröffentlicht.“

HSV-Arena: „Rückblickend auf die vier Jahre, was war ihrer Meinung nach ihre größte Leistung als Vorstandsvorsitzender des HSV?“

CEJ: „Eindeutig die Verlängerung meine Vertrages. Eigentlich sollte ich ja nur kommissarisch Ruhe in den Verein bringen. Als mir der damalige Aufsichtsrat dann einen Drei-Jahres-Vertrag mit wirklichen geilen Konditionen anbot, konnte ich es nicht glauben. Eigentlich glaube ich es heute noch nicht!“ (lacht schallend)

HSV-Arena:„Sie haben erklärt, dass sie bei Amtsantritt erschüttert waren, als sie die tatsächliche wirtschaftliche Situation des Vereins erkannten. Hätten sie als langjähriges Aufsichtsrats-Mitglied nicht viel eher wissen müssen, wie es um den Verein bestellt ist?“

Ede_HSV

CEJ: „Ach wissen sie, das ist ja auch so eine Legende. Die Leute denken immer, die Jungs im Aufsichtsrat wüssten immer alles und müssten alles absegnen. Schön wär’s. Zuerst einmal verstehen die Meisten da gar nicht, worum es eigentlich geht, viele können nicht mal rechnen. Ich verrate ihnen jetzt mal ein Geheimnis: Die meisten Aufsichtsratssitzungen drehen sich nur darum, welche Pizza bestellt wird und wer seine Tipps für die Bundesliga-Tipprunde noch nicht abgegeben hat.“

HSV-Arena: „Eine Frage zum Campus-Projekt..“

CEJ (unterbricht): „Ja, das war cool, oder? Ich erinnere mich, es muss ein Donnerstag gewesen sein. Irgendein Finanzclown kam in mein Büro gestürmt, weckte mich und schrie irgendwas von „Pleite, zahlungsunfähig, können keine Gehälter mehr bezahlen“ und so weiter. Ich habe den jungen Mann dann beruhigt und ihm gesagt, er sollte die Bank anrufen, aber er meinte, die geben uns nichts mehr. Ich habe mich dann mit Hilke zusammengesetzt und dann haben wir gemerkt, dass die Kacke dampft, aber so richtig. Kein Geld mehr von den Banken, Kühne zickte rum und wollte nichts mehr geben, die Konten waren leer bzw. überzogen. Also, woher sollten wir Geld bekommen? Hilke kam dann auf die Idee, die Mitglieder anzupumpen, aber dazu müssten wir etwas vorzeigen. Uns kam dann die Idee mit dem Campus, Nachwuchs klingt immer gut und lässt sich prima verkaufen. Wir haben dann Alex (Alexander Otto, die Red.) geben, uns mal was zu zeichnen und der macht das. Der Alex ist wirklich klasse, der macht eigentlich alles für den Verein und stellt selten Fragen. Also haben wir so ein geiles Erlebnis-Center vorgestellt, so mit Kneipe, Fan-Shop, Kino-Saal und so, bis Alex irgendwann meinte, was denn mit den Umkleidekabinen und den Fitness-Räumen sei. Okay, haben wir die noch schnell dazu gemalt.“ (lacht erneut)

HSV-Arena: „Aber das Geld von den Mitgliedern…“

CEJ (unterbricht erneut): „Das kam rein geflogen wie nichts, jeder wollte zeichnen.“

HSV-Arena:„Sie, Herr Jarchow, haben auf Anfrage der Hamburger Morgenpost am 24.01.2013 folgendes gesagt: 

Wurden die Fans belogen, Herr Jarchow? Der Vereinsboss verneint vehement – und beruhigt die Anhänger: „Wir erzielen Einnahmen, aus denen dann Rechnungen bezahlt werden. Am Ende geben wir das Anleihe-Geld ausschließlich für den Bau des Campus aus“, bekräftigt Jarchow.

CEJ: „Das dachte ich damals wirklich, ehrlich jetzt. Außerdem haben wir doch Bäume gefällt und…“

HSV-Arena:„Herr Jarchow, die € 17,5 Mio. sind weg, wurden für laufende Kosten verwendet. Sie haben die Mitglieder vorsätzlich belogen und jetzt müssen die € 17,5 Mio. plus 6% Zinsen zurückgezahlt werden. Wie soll das gehen?“

CEJ: „Naja, damit kann sich jetzt der neue Vorstand beschäftigen (grinst)

HSV-Arena: „Herr Jarchow, nach der Ausgliederung endete ihre Amtszeit als Vorstandsvorsitzender des HSV, Dietmar Beiersdorfer folgte. Wäre es nicht angebracht gewesen, von dem Moment an aus dem Vorstand auszuscheiden?“

CEJ: „Und auf € 500.000 verzichten? Warum sollte ich, ich hatte doch noch einen Vertrag.“

HSV-Arena:„Okay, im Anschluss daran wurden sie innerhalb des Führungsgremiums der HSV Fußball AG sowas wie ein „Vorstand Fans und Gräben. Was haben sie in dem Jahr getan?“

CEJ: „Ich habe einen Brief an diese Chosen Few geschrieben. Aber die haben nie geantwortet.“

HSV-Arena: „Das war alles? Ein Brief in einem Jahr?“

CEJ: „Nun ja…außerdem stand ich jederzeit für Interviews zur Verfügung.“

HSV-Arena: „Sie sagten mal, dass sich der HSV ihrer Meinung nach auf Augenhöhe mit Vereinen wie Schalke und Wolfsburg befinden würde…“

CEJ: „Der war gut, oder? (lacht). Damit wollte ich natürlich sowas wie Hoffnung und Aufbruchstimmung signalisieren. Wenn ich gesagt hätte, wir sind auf Augenhöhe mit Paderborn und haben mehr Schulden als Bielefeld, wäre mein Vertrag doch nicht verlängert worden. Taktik, junger Mann.“

HSV-Arena: „Herr Jarchow, im Interview mit HSV.de erwähnen sie, dass der prägendste Augenblick ihrer Amtszeit die Ausgliederung gewesen sei und dass es ihnen ein echtes Anliegen gewesen sei. Dazu zwei Fragen: 1. Wollen sie den Mitgliedern jetzt allen ernstes erzählen, dass sie ein Ausgliederungs-Befürworter gewesen sein wollen und 2.  haben sie mit ihrer Misswirtschaft nicht eigentlich erst dafür gesorgt, dass der Boden für die Ausgliederung bereitet wurde?“

CEJ: „So genau kann ich mich nicht mehr erinnern“

HSV-Arena: „Wir schon. Ihr Gesicht am 19.01.2014, als Herr Hilke seine vorbereitete Rede zum Thema notwendige Ausgliederung hielt, sprach Bände.“

CEJ: „Ach verdammt.“

HSV-Arena: „Herr Jarchow, letzte Frage. Warum konnten und wollten sie eigentlich mit Frank Arnesen, der ein absoluter Fußball-Fachmann war, nicht zusammen arbeiten?“

CEJ: „Wissen sie, was dieser Däne verdient hat? Das ging einfach nicht an, dass der Sportmuckel mehr kriegt als der Chef.“

HSV-Arena: „Herr Schweber…ääh…Jarchow, wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.“

 ede_Rieckhoff

Bitte lest zu dem Thema auch:

http://www.goal.com/de/news/1025/kolumne/2015/05/12/11646522/jovanovs-hsv-jarchow-geht-von-bord?ICID=HP_BN_1

Von | 2015-05-12T08:30:57+02:00 12. Mai 2015|Allgemein|4 Kommentare

4 Comments

  1. royalewithcheese 12. Mai 2015 um 11:15 Uhr

    Und wieder mal mit einem breiten Grinsen in den Tag gestartet – danke dafür!

    Übrigens, ganz starke Blog Arbeit, die du hier betreibst. Großen Respekt.

  2. williwacker 12. Mai 2015 um 14:29 Uhr

    Im ersten Moment dachte ich, dass Interview hast du dir ausgedacht. Ganz großes Kino.

  3. Alexander 12. Mai 2015 um 19:48 Uhr

    Das ist das ehrlichste Interview, das ich jemals von Herrn Schweber gelesen habe. Vielleicht sollte er Nachfolger von Didi werden… 😉

  4. Rainer Barthel 12. Mai 2015 um 21:15 Uhr

    Einfach Spitze. Aber auch ich hatte heute ein Erlebnis. E-Mail: Lieber HSV Dauerkarteninhaber, ich traue mich nicht weiter zu lesen. Was die wohl wollen. Ich soll doch nicht etwa ne Karte bestellen.

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