Zur Erinnerung..

Das Ende einer Legendenbildung Teil 1 (22.04.2014)

Liebe Leser,

diese  Transfers sind schon so eine Sache. Auf einem Markt, auf dem finanziell gepushte Vereine wie Paris St. Germain, Manchester City, Manchester United, FC Chelsea, AC Monaco aber auch diverse Klubs aus Rußland und der Ukraine etc. im europäischen Wettbwerb, aber eben auch Vereine wie Hoffenheim, Wolfsburg, Leverkusen, Schalke jetzt auch noch Red Bull Leipzig in Deutschland mit gesponsorten Dollarnoten wedeln, ist ein Verein wie der HSV nicht gerade an der Spitze der Nahrungskette angekommen.

Hinzurechnen muss man außerdem Vereine wie Bayern München und Borussia Dortmund, die aufgrund ihrer gesunden Entwicklung mehr Geld zur Verfügung haben, außerdem grundsätzlich die meisten Klubs aus England und Spanien, die allein aufgrund der TV-Vermarktungsgelder einfach einen größeren finanziellen Spielraum haben.

In Hamburg stimmt leider nichts mehr

Wäre das noch nicht genug, laufen in den letzten Jahren Vereine wie Mainz 05, der SC Freiburg, sogar der SC Augsburg dem Hamburger Sport Verein den Rang ab, wenn es darum geht, hoffnungsvollen Nachwuchs frühzeitig an den Verein zu binden, auszubilden, an den Bundesliga-Kader heranzuführen und – wenn nötig – gewinnbringend zu veräußern.

Mit anderen Worten: Der HSV ist auf dem Transfermarkt weniger als eine graue Maus und professioneller Fußball ist ein knallhartes Geschäft. Hier zählen keine Sentimentalitäten, hier zählt Geld und Erfolg. Wer heute immer noch glaubt, dass sich ein begabter Spieler für den HSV entscheidet, weil hier die Elbe fließt oder weil wir ein ach so tolles Stadion mit so wunderbaren Fans unser eigen nennen dürfen, der sollte endlich aufwachen.

Fakt ist: Der HSV 2014 kann, auch aufgrund der desaströsen finanziellen Situation, keinem Fußball-Profi etwas bieten, was er nicht ähnlich und größtenteils besser in mindestens 50 anderen europäischen Klubs bekommen kann. Das Alles wäre eventuell noch zu verargumentieren, wenn nicht ein weiterer Punkt hinzukommen würde, der es einem Spieler und seinem Berater nicht gerade leicht macht, sich für einen Vertrag in Hamburg zu entscheiden. Unterzeichne ich einen Lizensspieler-Vertrag in Hamburg, so weiß ich nicht, wer in 2 Monaten mein Trainer sein wird. Ich weiß auch nicht, wer in 2 Monaten mein Sportchef sein wird. Aber eines weiß ich sicher: Sollte ich nicht in der Lage sein, die Leistungen zu erbringen, die man von mir erwartet, so werde ich binnen kürzester Zeit von den hiesigen Medien wie ein Leprakranker durch die Stadt getrieben. Wahrscheinlich gibt es Ähnliches in vielen anderen Städten ebenfalls, aber kaum irgendwo ist es so schlimm wie in Hamburg und das hat  sich rumgesprochen.

Was hat das alles zur Folge ? Der HSV bekommt nicht mehr die Spieler, die er bekommen will, sondern nur noch die Spieler, die er bekommen kann. Dies bedeutet jedoch, dass eben die Letztgenannten von anderen (besseren) Vereinen nicht gewollt wurden. Resultat: Man bekommt eine unterdurchschnittliche Mannschaft, die irgendwann wahrscheinlich von einem unterdurchschnittlichen Trainer trainiert wird.

1. Liga sieht anders aus

Damit ich falsch verstanden werde, mit vielen dieser Probleme haben andere Vereine auch zu kämpfen, aber viele dieser Vereine haben zumindest ein Argument auf ihrer Seite. Sei es der finanzielle Aspekt, sei es ein anerkannter Trainer, sei es eine gute Jugendarbeit oder sei es das schöne Wetter (ironisch). Der HSV hat nichts von alledem, der HSV meint, seine Tradition wäre ein Argument, welches heute noch zieht. Der HSV und seine Anhänger halten den Hamburger Sport Verein für einen „großen Verein“, aber das ist er schon lange nicht mehr.

Große Vereine haben mehr als Traditionen aus einem vergangenen Jahrtausend, große Vereine haben mehr als Bronzefüße ehemaliger Stürmer vor dem Stadion.

Große Vereine zeichnen sich durch sportliche Erfolge und durch große Taten aus, diese Taten kann man in Hamburg vergeblich suchen. Das wirklich Einzige, was für den HSV heute noch spricht, ist die Stadt Hamburg. Wäre der HSV nicht in der Hansestadt beheimatet, sondern in Braunschweig oder Osnabrück, er wäre gänzlich unerheblich geworden.

Ich möchte (deshalb heißt die Überschrift auch Teil1) in den nächsten Tagen die Geschichte der Transfers des HSV ein wenig deutlicher beleuchten, auch und besonders deshalb, weil die Person Dietmar Beiersdorfer angesichts der Strukturdebatte erneut eine Rolle in Hamburg spielen könnte.

Der HSV steht vor seiner wohl bedeutsamsten Mitgliederversammlung seiner Geschichte und deshalb ist es dringend notwendig, mit der Vergangenheit abzuschließen und in die Zukunft zu blicken, sei es nun in Liga 1 oder 2.

Und wenn es sonst schon niemand macht, ich mache es.

Das Ende einer Legendenbildung Teil 2 (23.04.2014)

Bevor ich mir meiner Betrachtung der Transfer-Aktivitäten des HSV zwischen 2003 und 2009 fortfahre, noch ein paar grundsätzliche Worte zum Thema Transfer. Bei kaum einem anderen Thema gilt der Satz „Hinterher hätte ich es auch gewußt“ so wie beim Thema Transfer-Erfolg oder Transfer-Mißerfolg.

Um jedoch einen Erfolg als solchen kennzeichnen zu können, muss man im Grunde vorher definieren, was mit einem Transfer überhaupt bezweckt werden soll.

Warum bzw. mit welcher Absicht wurde Spieler X eigentlich zu Verein Y transferiert ?

Hierfür gibt es wahrlich mehr als einen möglichen Grund.

Sollte der Spieler vorerst als Backup für einen etablierten Spieler fungieren oder sollte er eine Sofortverstärkung darstellen ?

Sollte der Spieler, für relativ kleines Geld gekommen, als „Wertanlage“ dienen und war von Anfang als potenzieller Weiterverkauf geplant, um bei möglicher Wertsteigerung dem Verein dringend notwendiges Kapital in die Kassen zu spülen ?

Welche grundsätzliche Rolle soll der Spieler im Mannschaftsgefüge spielen ? Wird seitens des Vereins langfristig mit Spieler geplant oder gilt er von Anfang an als Spekulationsmasse ?

Bei der genaueren Analyse eines Transfers soll und darf die Rolle der Berater nicht ignoriert werden. So ist es überliefert, dass Verein X einen Spieler A nur dann bekommt, wenn er ebenfalls Spieler B unter Vertrag nimmt, wobei beide Spieler den selben Berater haben. Es gibt Berater, die einen besonderen Draht zu bestimmten Vereinen haben und es gibt Berater, die den verantwortlichen Sportdirektor eines anderen Vereins absolut nicht leiden können. Auch hier spielen persönliche Befindlichkeiten eine Rolle, ein Verein selbst kann im Grunde nur eines tun: Verlässlich bleiben.

Hat man das alles irgendwie beleuchtet, kommt man relativ schnell zu einem weiteren Punkt und dieser ist unter Garantie so diskutabel wie kaum ein Anderer:

Ab wann gilt ein Transfer als erfolgreich und wer bewertet dies aus welcher Position heraus ?

Grundsätzlich kann ein jeder Fan oder Feierabend-Trainer erkennen, dass der Transfer eines 21-Jährigen Stürmers, der für € 500.000 aus der zweiten Liga kam und in seiner ersten Bundesliga-Saison 25 Treffer markiert, einigermaßen erfolgreich gewesen sein muss.

Problem ist nur: Diese Transfers sind ausgesprochen selten, denn in den meisten Fällen gilt eben doch: Geld schießt Tore und Qualität hat ihren Preis. Um an die sogenannten Schnäppchen zu kommen, bedarf es vieler Dinge.

Ein perfektes Scouting

Eine intensive Beschäftigung mit dem Spieler selbst (Charakter, Ansichten, Lebensweise etc.)

Die Erkenntnis, ob der Spieler – unabhängig von seinen sportlichen Qualitäten – überhaupt zu Mannschaft und Verein passt.

Die unabdingbare Gabe, den Spieler für die „Idee des Vereins“ begeistern zu können.

Für einen Sport-Unternehmer, und dies sind Lizenzspieler nun einmal, gilt zuerst einmal, dass er mit seinem Beruf Geld verdienen möchte. Darüberhinaus haben Spieler allerdings auch noch weitere Ziele. Titel, Pokale, Berufungen in die Nationalmannschaft etc.

Kann ich als Verein einem Spieler auch dieser Hinsicht eine Persepktive bieten ?

Aber nochmal – ab wann gilt ein Transfer als erfolgreich und wer bewertet dies ?

Meiner Auffassung nach sind die einschlägigen Medien der denkbar schlechteste Partner, den man bei der Bewertung eines Transfers hinzuziehen sollte. Zu tendenziös, zu sehr meinungs-getrieben, zu wankelmütig.

Die Tendenz hin zu „Neuer Spieler hat in den ersten 5 Bundesligaspielen nur zweimal in der Startelf gestanden bedeutet Transferflop“ ist mir einfach zu oberflächlich, zu eindimensional und zu wenig professionell.

Auch bei dieser Betrachtung müssen meiner Meinung nach zahlreiche Parameter einfließen, um eine halbwegs ehrliche Bewertung eines Transfers garantieren zu können.

Alter des Spielers

Aus welcher Liga/aus welchem Land kommt der Spieler

Welche Nationalität hat der Spieler/spricht er Deutsch oder zumindest Englisch ?

Fitness-Status vor der Saison bzw. aktueller Fitness-Zustand (war der Spieler vielleicht während der Saison-Vorbereitung verletzt und ist deshalb nur bedingt einsatzfähig ?)

In welchem System hat der Spieler vorher gespielt ?

Spielt der Spieler auf der gleichen Position wie bisher ?

Allgemeiner Zustand der Mannschaft  !!! Beispiel: Hat der Verein gerade einen Umbruch vollzogen und viele neue, junge Spieler verpflichtet ? Gerade dann muss die Leistung des neuen Akteurs anders bewertet werden, ebenso die Transfer-Qualität.

Hat die Mannschaft eventuell einen anderen Trainer als den, der sich für die Verpflichtung des Spielers starkgemacht hat ?

Wie man unschwer erkennen kann, hängt an der Bewertung eines Transfers weitaus mehr als „Viele Tore = gut, wenig Tore = mies“. Was aber bei der Optimierung der Tranferbilanz eines Vereins unabdingbar ist, ist das Zusammenspiel zwischen Vorstandschef, Sportchef und Trainer. Alleingänge kosten in der Regel Geld, werden nicht von der Allgemeinheit getragen, werden schneller kritisiert.

Am Ende leiden dann der Verein (finanziell) und besonders der betroffene Spieler (mental)

 

Das Ende einer Legendenbildung Teil 3 (24.04.2014)

Das erste Jahr mit Sportchef Dietmar Beiersdorfer

Dietmar Beiersdorfer kam am 01.09.2002 als neuer Sportchef (Vorstand Sport) zum HSV, seine erste Station als Funktionär nach seiner aktiven Karriere. Dem „Manager-Lehrling“ wurde, besonders von den bekannten Medien, zu Beginn reichlich Skepsis entgegengebracht, die Frage, ob sich der HSV einen Berufsanfänger würde leisten können, wurde mehr als einmal gestellt. Beiersdorfer „beerbte“ im Übrigen Holger Hieronymus.

Aufgrund der Berufung nach Ende der Sommer-Transferperiode 2002/03 kann eine halbwegs objektive Beurteilung erst mit dem Transferfenster der Saison 2003/04 beginnen, wobei ich mich im Wesentlichen auf die Transferperioden zwischen den Saisons konzentrieren möchte.

Wichtig bei der Betrachtung: Es werden ausschließlich die bei Transfermarkt.de erfassten Transferdaten betrachtet, Zahlungen an Berater, Anwälte, Vermittler etc. können nicht in die Betrachtung einfließen, weil sie nicht bekannt sind. Das Gleiche gilt für die Gehälter der Spieler.

Ausgangssituation Saison 2003/04:

Der Hamburger Sport Verein beendete die Saison als Tabellen-4.(56 Punkte) verpasste die Qualifikation zur Champions League um 2 Punkte und war somit für die Europa League qualifiziert.

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/2002-03/0/0/spieltag.html

Unter Trainer Kurt Jara erarbeitet sich die Mannschaft, in der die Spieler Hoogma, Ujfalusi, Cardoso, Romeo und Barbarez als Stars herausragten ein Torverhältnis von 46:36 (Vergleich Meister Bayern München 70:25), was vor allem Bernado Romeo (14 Treffer in 26 Spielen) und der stabilen Abwehr zu verdanken war.

Was also war die Zielsetzung für die Saison 2003/04 ? Beibehaltung der defensiven Stabilität, Verbesserung der offensiven Durchschlagskraft, Verbreiterung des Kaders aufgrund der Mehrfachbelastung, deutliche Verjüngung des Kaders (Meisterschaft, Europa League, DFB-Pokal)

Folgende Spieler wurden also unter der Verantwortlichkeit des Sportchefs Dietmar Beiersdorfer in der Sommer-Transferperiode vom HSV transferiert:

Zugänge:

Tom Starke/22 (Leverkusen) – ablösefrei

Vyacheslav Hleb/20 (VFB Stuttgart II) – € 150.000

Alexander Meier/20 (St. Pauli) – ablösefrei

Björn Schlicke/22 (Fürth) – € 950.000

Stefan Beinlich/31 (Hertha) – ablösefrei

Christian Streit/19 (HSV II)

Bastian Reinhard/27 (Bielefeld) – € 250.000

Eren Sen/18 (HSV U 19)

David Jarolim/24 (Nürnberg) – € 800.000

Christian Ledesma/24 (war verliehen)

Marek Heinz/25 (war verliehen)

Marcel Ketelaer/25 (war verliehen)

Abgänge:

Christian Ledesma/24 (verliehen)

Michael Bauer/34 (Pasching) – ablösefrei

Martin Groth/33 (Lübeck) – ablösefrei

Erik Meijer/33 (Aachen) – ablösefrei

Richard Kitzbichler/29 (Wien) – ablösefrei

Kim Christensen/23 (Enschede) – ablösefrei

Marek Heinz/25 (Ostrau) – ablösefrei

Ingo Hertzsch/25 (Leverkusen) – ablösefrei

Mahmut Yilmaz/ (Manisaspor) – ablösefrei

Thomas Hillenbrand/23 (Hoffenheim) – ablösefrei

Marcel Ketelaer/25 (Gladbach) – € 400.000

Volker Schmidt/24 (HSV II)

Rodar Antar/22 (Tadamon) – ablösefrei

Die aufgeführten Transferaktivitäten entsprechen einem Minus von € 1, 75 Mio.

Das Durchschnittsalter der neu verpflichteten Spieler betrug 23,0 Jahre, das der abgegebenen Spieler 26,2 Jahre. Die angetrebte Verjüngung des Kaders wurde demnach erreicht.

Bereits bei der Betrachtung einer Transferperiode, die 11 Jahre vergangen ist, wird deutlich, dass der HSV auch 2003 nicht auf Rosen gebettet war. Die meisten Zugänge waren ablösefrei Spieler, auf der anderen Seite ließ man ältere Spieler ebenfalls ohne Transfererlöse gehen.

Resultat der Saison 2003/04:

Der HSV beendete die Saison als Tabellen-8. (49 Punkte). , verschlechterte sich also gegenüber der Vorsaison um 4 Plätze (Torverhältnis 47:60). Besonders die Destabilisierung der Abwehr (2003: 36 Gegentore, 2004: 60 Gegentore) war ein Grund für die negative Entwicklung.

Wichtig: Dietmar Beiersdorfer war am Ende der Saison 2003/04 nicht nur für die Transfers vor dieser Saison verantwortlicht, er war auch bereits 2 Jahre (01.09.2002 – 30.06.2004) für den gesamten Nachwuchsbereich und die Talentförderung des HSV verantwortlich.

In der Saison 2003/04 standen 2 Spieler (Christian Streit und Eren Sen) im Profikader des HSV, die aus der eigenen Jugend den Sprung in den Lizenzspieler-Bereich geschafft hatte. Die Ausbeute in dieser Saison waren 15 Spielminuten von Eren Sen im Spiel bei Bayer 04 Leverkusen.

Dies war jetzt bisher eine rein datenbasierte Betrachtung der ersten Saison, für die Dietmar Beiersdorfer als Sportchef/Vorstand Sport verantwortlich zeichnete und man könnte zu dem Schluss kommen, dass diese Zeit nicht zwingend als Erfolg zu bewerten wäre.

Aber – wie ich bereits in den vorherigen Blogs erwähnte, Erfolg und Mißerfolg hängt von derart vielen Faktoren ab, die einen direkten bzw. indirekten Einfluss auf das Gelingen eines Plans haben .

Das Ende einer Legendenbildung Teil 4 (29.04.2014)

Jahr 2 mit Dietmar Beiersdorfer als HSV-Sportchef

Um eventuell auftretenden Spekulationen vorzubeugen, möchte ich eines an dieser Stelle klarstellen. Es geht nicht im Mindesten darum, jemanden zu brandmarken, zu diskreditieren oder jemanden vergangene Fehlverhalten vorzuhalten, das können andere wesentlich besser als ich. Es geht darum, eine möglichst detaillierte Aufarbeitung einer Zeit (aus Transfersicht) anbieten zu können, anhand derer sich jeder ein eigenes Bild davon machen kann, ob diese Zeit tatsächlich so glohrreich war, wie sie bei vielen offenbar in Erinnerung ist oder nicht. Vielleicht war sie ja sogar besser, als einige vermuten, das muss jeder für sich entscheiden.

Tatsache ist jedoch, dass sich aufgrund der gewohnten einseitigen medialen Berichterstattung das Bild des „Dukaten-Didi“ in den Gehirnen festgesetzt hat und ich möchte eine Gelegenheit für jeden bieten, sich anhand von Fakten ein eigenes Bild machen zu können, ob dieses Bild der Realität oder der Vergangenheits-Optimierung entspricht.

Ausgangssituation Saison 2004/05:

Der HSV beendete die Saison 2003/04 als Tabellen-8.(49 Punkte) und verpasste die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb.

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/2003-04/0/0/spieltag.html

Jeder, der sich ein wenig mit der Materie beschäftigt, weiß, dass eine solche Nicht-Qualifikation im Normalfall einen negativen Einfluss auf die Transfer-Aktivitäten im Hinblick auf die neue Saison bedeutet, das Geld für teure Transfers ist einfach nicht vorhanden.

Zielsetzung für die nächste Saison dürfte eine Rückkehr zur stabilen Defensive, sowie eine Belebung der offensiven Kreativität gewesen sein. Zeitgleich sollte der Altersdurchschnitt beibehalten, wenn möglich sogar gesenkt werden.

Mit Trainer Klaus Toppmöller (am 18.10.2004 ersetzt durch Thomas Doll) wurde die Saison 2004/05 geplant und nachfolgende Transfers wurden abgewickelt.

Zugänge:

Piotr Trochowski/20 (Bayern München) – € 1 Mio

Rene Klingbeil/23 (HSV II)

Khalid Boulahrouz/22 (Waalwijk) – € 1,5 Mio

Benjamin Lauth/22 (München 60) – € 4,1 Mio

Emile Mpenza/26 (Lüttich) – € 2,5 Mio

Almami Moreira/26 (Lüttich) – € 250.000 (Leihgebühr)

Miso Brecko/20 (Smartno) – ablösefrei

Jean Carlos/20 (Rotterdamm) – ablösefrei

Sascha Kirschstein/24 (Essen) – ablösefrei

Besart Berisha/18 (TB Berlin U 19) – ablösefrei

Mustafa Kucukovic/17 (Bochum U 19) – ablösefrei

Alexander Laas/20 (HSV II) – ablösefrei

Christian Ledesma/25 – war ausgeliehen

Gesamtmarktwert der Zugänge: 1.500.000 € Summe: 13.150.000 €

Abgänge:

Christian Rahn/25 (Köln) – € 150.000

Bernardo Romeo/26 (Mallorca) – € 400.000 (Leihgebühr)

Stephan Kling/23 (Saarbrücken) – ablösefrei

Fabian Bröcker/21 (Aue) – ablösefrei

Vyacheslav Hleb/21 (Zürich) – ablösefrei

Beart Berisha/18 (Aalborg) – verliehen

Tomas Ujfalusi/26 (Florenz) – € 7,5 Mio

Milan Fukal/29 (Gladbach) – € 350.000

Nico-Jan Hoogma/35 (Almelo) – ablösefrei

Alexander Meier/21 (Frankfurt) – verliehen

Lars Jacobsen/24 (Kopenhagen) – ablösefrei

Marcel Maltritz/25 (Bochum) – ablösefrei

Christian Streit/20 (Lübeck) – ablösefrei

Christian Ledesma/25 (River Plate) – verliehen

Rodolfo Esteban Cardoso/35 – Karriereende

Bend Hollerbach/34 – Karriereende

Gesamtmarktwert der Abgänge: 10.575.000 € Summe: 8.400.000 €

Die aufgeführten Transferaktivitäten entsprechen einem Minus von € 4,75 Mio

Im Gegensatz zur Vorsaison, in der der Hamburger Sport Verein knapp über € 2 Mio in neue Spieler investierte, nahm man vor dieser Saison deutlich mehr Geld in die Hand (€ 13,15 Mio). Dies ist u.a. dem Last minute-Verkauf von Tomas Ujfalusi (€ 7,5 Mio) nach Florenz) geschuldet. Als Ersatz für den Kapitän, für den bewährten aber alten Hoogma und für den unkonstanten Milan Fukal investierte man € 5,3 Mio in die bis dato relativ unbekannten Boulahrouz und van Buyten. Für den gefährlichen, aber langsamen Strafraum-Stürmer Romeo holte man mit Mpenza und Lauth zwei schnell Spitzen, das System sollte verändert und der Zeit angepasst werden.

Auch wichtig: Aufgrund der Transfers wurde der Alters-Durchschnitt des Teams nochmals reduziert.

Die Maßnahmen rentierten sich zumindest im ersten Jahr nicht, der HSV beendete die Saison 2004/05 wiederum als Tabellen-8.

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/2004-05/0/0/spieltag.html

Im dritten Jahr seiner Sportchef-Tätigkeit gelang es Dietmar Beiersdorfer mit den Spielern Alexander Laas/HSV II (Ein Bundesliga-Einsatz, 9 Minuten Spieldauer) und Collin Benjamin/HSV II (26 Bundesliga-Einsätze, 1.699 Minuten Spieldauer)  zwei Spieler im Profikader zu etablieren.

Wichtig dabei: Beide Spieler kamen aus der HSV II zum Profikader, wurden jedoch nicht im Nachwuchsleistungszentrum des HSV ausgebildet. Laas kam vom TSV Niendorf in die U 19 des HSV, Benjamin kam aus Elmshorn zur HSV II.

Bei einem jährlichen Einsatz von € 5 Mio für den Nachwuchsbereich darf sich jeder ein eigenes Bild davon machen, ob man dies als Erfolg oder Mißerfolg verbuchen kann.

Von | 2015-05-19T13:43:24+02:00 19. Mai 2015|Allgemein|9 Kommentare

9 Comments

  1. Sebastian 19. Mai 2015 um 18:37 Uhr

    Warum hast du eigentlich seinerzeit nach den ersten beiden Jahren aufgehört? Die wirklich interessanten kommen ja erst noch.
    Grundsätzlich finde ich es gut, dass du mit der Legende von Dukaten-Didi aufräumen willst. Ist doch interessant zu sehen, wie viele Schrotttransfers er sich damals so geleistet hat. Das hatte dann seinen Höhepunkt im Winter 08/09 mit Ndjeng und Gravgaard und Streit und Tavares…
    Interessant ist ebenfalls die Tatsache, dass in den ganzen Jahren lediglich Collin Benjamin aus unserem eigenen Nachwuchs bei uns was geworden ist( und das war kein Überflieger). Von daher würde ein Transfer von Beister ja gut in die Geschichte reinpassen. Son, Ben-Hatira, Torun, Sam, Chuopo-Moting. Das ist zwar keine Weltklasseoffensive aber für ordentlichen Bundesligafußball hätte das schon reichen können. Oh, Alex Meier vergessen. Der und Chuopo und Son, das wäre schon ein cooler Sturm gewesen!

    • Gravesen 19. Mai 2015 um 18:42 Uhr

      Ich kann es dir ehrlich gesagt nicht genau sagen. Vielleicht, weil es wirklich viel Arbeit macht und ich irgendwann auch keine Lust mehr habe, hier täglich einen Service und eine etwas andere Sichtweise der Dinge kostenlos zur Verfügung zu stellen, um dann von irgendwelchen anonymen Spinner in unterster Art und Weise bepöbelt und bedroht zu werden. Sollen sie doch in Zukunft BILD und Mopo lesen, wenn die denn überhaupt noch über einen Zweitligisten berichten.

  2. Sebastian 19. Mai 2015 um 18:52 Uhr

    Nana, du wirst uns doch nicht etwa von der Fahne gehen? Wäre schade drum! Dann hätten die Deppen gewonnen! Und alle anderen verloren.
    Jaja, da geht glaub ich auch bei dem ein oder anderen „Reporter“ grad der Arsch ein bissl auf Grundeis 😀

  3. Guy La Fleur 17 19. Mai 2015 um 19:27 Uhr

    Das wäre ein weiterer nicht zu unterschätzender Aspekt eines evtl. Abstiegs: Die Protagonisten der Hamburger Sportjournaille, allen voran dieser penetrant nervende Stammelblog, würde erheblich an Bedeutung verlieren. Berichte und Ergebnisse eines Zweitligisten locken halt nur wenige hinter dem Ofen hervor. Leitd tun mir lediglich die weniger bekannten Angestellten des HSV. Auf irgendwelche Pseudodirektoren wird man jawohl aus finanziellen Erwägungen demnächst verzichten müssen. Hinzu kommen die Machenschaften der Hamburger Sportpresse, die ja nun zweifelsohne auch zum Siechtum des Vereins beigetragen haben.

  4. Chancentod 19. Mai 2015 um 21:33 Uhr

    Tach zusammen

    betreffend Hamburger Sportpresse
    Aus gutinformierten Kreisen ist durchgesickert: Die neu eingelegte Platte in der Heavy Print Rotation soll „Sofortiger Wiederaufstieg“ heißen

    Und Guido Knopp soll an einer neuen zeitgeschichtlichen Fernsehserie arbeiten, als Arbeitstitel geistert etwas in der Richtung „Didis Helfer“ herum. Einer der Helfer ist ein durchgeknallter Architekt der einen Masterplan ausgeknobelt hat „in drei Jahren Europa, in fünf die ganze Welt“ usw.

  5. Felix 19. Mai 2015 um 21:34 Uhr

    Moin,
    ich lese hier seit einiger Zeit mit und wollte nun einmal danke sagen für die viele Arbeit, die ihr euch hier macht. Mich begeistern vor allem 3 Dinge: Sachkompetenz, fundierte Analysen und den Mut, die Dinge (und die Personen) beim Namen zu nennen, ohne sich – wie manche andere – dem Zwang unterlegen zu fühlen, bestimmte Personen schützen zu müssen.
    Der Finger gehört in die Wunde gelegt und das passiert hier in einer sehr ansprechenden, dazu rhetorisch, sachlich und fachlich einwandfreien Art und Weise.
    Bitte unbedingt so weitermachen!

  6. Jorgo 20. Mai 2015 um 06:13 Uhr

    Respekt für diesen Blog!

  7. nex 21. Mai 2015 um 10:57 Uhr

    Fazit 1. Jahr HSV PLUS
    -die Stimmung im Stadion ist seitdem brachial
    -es gibt bald endlich köpi statt holsten
    -einzigartige Choreos
    -HSV 4 ever and ever wurde endlich abgeschafft
    -BLOCK 22C Umwandlung in Sitzplätze?
    -ein professioneller Aufsichtsrat
    -Professioneller Vorstand
    -diverse professionele Direktoren
    -Schuldenabbau statt Schuldenaufbau
    -Gehaltsetat wurde verkleinert
    -der 3 Jahresplan zeigt schon erste Wirkungen
    -4 Trainer in einer Saison

    https://m.youtube.com/watch?v=03ejlbfuMQI

    Vielen Dank an die 86,9% ohne euch hätte man diesen Erfolg nicht geschafft.

    Mit freundlichen Gruß
    Totengräber vom Hamburger Sport-Verein

  8. WhiteDwarf 21. Mai 2015 um 17:30 Uhr

    @HSV63
    Wenn du nur Meinungen hören willst, die deine Eigene bestätigen, warum liest du dann überhaupt hier mit? Ich schätze diesen Blog, weil er Informationen zur Verfügung stellt, die ich sonst so noch nirgends gelesen habe. Wenn du Zensur willst, geh nach China.

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