Konto weit überzogen, der Kredit ist aufgebraucht

Uhr

Es war 20.46 Uhr, als ich meiner Tochter, die in Melbourne lebt, eine Whatsapp-Nachricht schrieb. Der Inhalt der Nachricht bestand nur aus einem Wort und lautete: ABGESTIEGEN! Direkt danach schaltete ich den Fernseher aus, aber nicht, weil ich in tiefe Depressionen verfallen war, sondern deshalb, weil es sich irgendwie richtig anfühlte, was dort passierte. Sicher, die Mannschaft haute in den 90 + x Minuten nochmal alles raus, aber hätte sie das alles raushauen müssen, wenn dieser Verein die 10 Monate zuvor so gearbeitet hätte, wie es ein Bundesligist tun sollte? Ich sah 90 Minuten lang die verzweifelten Bemühungen der Spieler, ich sah, wie Trainer Labbadia am Spielfeldrand mehr Leistung zeigte als seine Vorgesetzten in all den vergangenen Wochen und Monaten. Ich sah auch die verzweifelten Fans in Hamburg und in Karlsruhe und es kotzte mich maßlos an.

Ich schaltete also den Fernseher aus, als nur wenige Sekunden später von nebenan ein markerschütternder Schrei zu hören war. Mein Nachbar war auf die Terrasse gelaufen und brüllt „YES, YES, YES“. Dies war zuerst einmal kein Zeichen irgendeiner Gewissheit, denn mein Nachbar spielt für Eintracht Norderstedt und es könnte gut sein, dass er dem HSV vielleicht doch den Abstieg gönnt. Also schaltete ich wieder ein und sah noch die Spielertraube vor der Tribüne, auf der die HSV-Fans standen. In dem Moment wusste ich, dass es auch dieses Jahr wieder reichen würde, zur Not auch im Elfmeterschießen.

Am Ende des Spiels wusste ich dann zuerst nicht, was ich denken und fühlen sollte. War das jetzt richtig so? War es richtig, dass eine Mannschaft, die mit einem Bruchteil des Hamburger Etats auskommt, die einen Gesamtwert von € 7 Mio. repräsentiert und die durch einen lächerlichen Freistoß in der Nachspielzeit um den Lohn der Arbeit eines Jahres gebracht wird auch in der nächsten Saison gegen Sandhausen statt gegen Bayern spielt? Ist das gerecht?  Oder ist es gerecht, dass ein Verein, der mit Geld, welches er nicht hat, rumwirft, als gebe es kein Morgen,  in der Liga bleiben darf? Der 4 Trainer in einer Saison verbrannt hat und deren Führungskräfte sich in Serie an diesem Verein versündigen, dass dieser Verein auch weiterhin am Samstag um 15.30 Uhr spielen darf? Ist das gerecht?

Und dann habe ich erkennen müssen, dass es scheinbar nicht um Gerechtigkeit geht, denn andernfalls hätte der HSV bereits in dieser Saison Zweitligafußball spielen müssen. Es scheint also um etwas anderes zu gehen. Aber um was?

Und ja, ich kann die Freude der vielen Fans verstehen, die all die Monate leiden mussten. Ich kann verstehen, dass sie gestern bis zur Besinnungslosigkeit feiern mussten, weil es einfach raus musste. Dennoch: Diejenigen, die selbst am Tag nach dem Glücksmoment nicht vergessen, was in den letzten 12 Monaten passierte, sind eben keine sogenannten „Hater“, sondern es Menschen, die vielleicht ein wenig besser denken können und die wissen, dass sich trotz des Klassenerhalts ALLES wird ändern müssen, wollen die Feierbiester von heute nicht die Freunde mit den hängenden Ohren von morgen sein.

Heute freue ich mich für einzeln Personen, aber für andere freue ich mich umso weniger. Ich freue mich für aussortierte und gedemütige Spieler wie Gojko Kacar, Boban Rajkovic und sogar Ivo Ilicevic, die gezeigt haben, dass sie tausendmal mehr Herz und Ehre in sich haben, als die Herren mit den HSV-Schals und den Goldknöpfen auf der Ehrentribüne. Ich freue mich sehr für den schlechtesten Trainer der Vereinsgeschichte (meine Güte Matz, tu uns endlich einen Gefallen und geh!) Bruno Labbadia, der ein Himmelfahrtsunternehmen übernommen hatte und der der Mannschaft das Quentchen Selbstvertrauen eintrichtern konnte, das am Ende dann gereicht hat.

Trotzdem: Es wird sich alles ändern müssen und das sofort. Die Führung des HSV hat kläglich versagt und wer der Meinung ist, sie sollten eine zweite Chance erhalten, dem sei gesagt: Das gestern war die zweite Chance des HSV und es war die allerallerallerletzte Chance. Nochmal wird das nicht gut gehen und mit den Herren Beiersdorfer, Knäbel, Hilke, Peters und Gernandt wird es ein nächstes Mal geben, darauf kann man sich verlassen.

„Dukaten-Didi“ ist kein Vorstandvorsitzender, er ist kein Sportchef, er ist zum „Verbrennungs-Didi“ mutiert und daran wird sich nichts ändern. Knäbel ist nicht tragbar und wenn es stimmt, dass Bernhard Peters die 3 Trainer vor Labbadia gecoacht hat, dann sollte er sich dringend einen anderen Verein suchen, bei dem er die Trainer zur Entlassung coacht. Karl Gernandt hat bereits nach einem Jahr im Aufsichtsrat keine Mehrheit mehr, er ist verbrannt.

So gesehen kann man nur hoffen, dass Klaus-Michael Kühne mit 78 Jahren noch soviel Vision hat, dass er erkennt, dass sofort die Reißleine gezogen werden muss. Andernfalls sehen wir uns murmeltier-mäßig nächstes Jahr zu gleichen Zeit an der gleichen Stelle. Aber dann nicht mehr mit mir.

NUR DER HSV!

Von | 2015-06-02T12:22:10+02:00 2. Juni 2015|Allgemein|31 Kommentare

31 Comments

  1. Gesa 2. Juni 2015 um 08:18 Uhr

    Super Kommentar. Dem kann ich ganz und gar zustimmen. Mir ging es gestern Abend ähnlich. Es muß sich schnell etwas ändern, ansonsten sehe ich keine Chance für den HSV!

  2. Andi Pie 2. Juni 2015 um 08:44 Uhr

    Moin Grave,
    auch ich habe nach dem 1:0 erstmal den Weg auf die Terasse gesucht und bin … ein wenig hin und hergelaufen.
    Und so im Nachhinein muss ich sagen: Das war aber sowas von Glück.
    Ein unberechtigter Freistoss in der Nachspielzeit.
    Wieder (wie letztes Jahr) zwei BuLiVereine, die unglücklich oder schlechter waren.
    Wieder (wie letztes Jahr) ein 2.Liga Dritter, der weniger Glück hatte.
    Was soll das noch toppen… ???
    Oh, ja, nächstes Jahr geht der HSV wieder in die Relegation.
    Und wird dann im Elfmeterschiessen glücklich gewinnen.
    Genau das waren meine Gedanken.
    .
    Ich hoffe allerdings, dass dieser komplette Managementstab (und die Männer haben das Prädikat Manager doch eher nicht verdient) ausgetauscht wird.
    .
    Btw. Im Anschluss (sowie in einigen Interviews zuvor auch schon) stammelte Didi ja wieder einmal herum, dass einem Angst und Bange werden muss.
    Sowas als Chef? Ich weiss ja nicht…

  3. BPK 2. Juni 2015 um 08:47 Uhr

    Und wieder mal hoffen auf bessere Zeiten. Was mir persönlich Angst macht, denn …
    Die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das Übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.
    – Friedrich Wilhelm Nietzsche –

  4. Gravesen 2. Juni 2015 um 09:08 Uhr

    Die Krankheit des Dieter M. aus HH.

    Slobodan Rajkovic erledigte seine Defensivaufgaben ordentlich, hinten ohne Schwierigkeiten, nach vorne war er aber schnell am Ende mit seinem Latein.

    Der Mann ist INNENVERTEIDIGER und er war es, der den Freistoß rausholte, der zum 1:1 führt.

  5. Thomas 2. Juni 2015 um 09:29 Uhr

    Ich hoffe auch das sich was ändert, wie gesagt HOFFE. Nur den glauben daran habe ich irgendwie nicht, weil „ist ja nochmal gut gegangen“

  6. Peter Lustig 2. Juni 2015 um 09:37 Uhr

    Moin Grave,
    Du bist so nah dran. Kennst viele Details und Internas. Bitte decke schonungslos auf und analysiere knallhart, was sich an welcher Stelle / Position ändern muss, damit wir so etwas nicht nochmal durch machen müssen.
    Ich freue mich auf dein Saisonfazit und hoffe, dass alles und jeder kritisch hinterfragt wird. Bei Matz kündigen sie zwar gleiches an, aber was dabei herauskommt wissen wir ja alle.
    Ich bin überglücklich und bin reif für den Urlaub!

  7. Jan B 2. Juni 2015 um 09:41 Uhr

    Grave jetzt ist Zeit für Hintergrundinfos und Enthüllungsjournalismus. Bitte vor der MV. Ich glaube nämlich an die Wiederholung aller Fehler, da der HSV nicht fähig ist, sich aus sich selbst heraus zu reformieren.

  8. Harry B. 2. Juni 2015 um 09:56 Uhr

    Danke für die vielen tollen Kommentare und für die Berichterstattung. Auch heute wieder wurde der Nagel auf dem Kopf getroffen. Eigentlich hatte der HSV die Relegation nicht verdient und dann dieses gestrige Spiel mit einem Kann Freistoß zum 1:1.
    Jetzt muss sich einiges im Verein ändern. Die Uhr muss weg, der Dino sollte ersetzt werden und es muss dafür gesorgt werden, dass wir wieder ein besseres Image bekommen. Grave, Du hast es ja schon oft treffend beschrieben.
    Klar habe ich mich gefreut, dass wir auch weiter in der ersten Liga spielen, aber Jubelgesänge waren von mir nicht zu hören, eher der bekannte Stein, der vom Herzen fiel.
    In diesem Sinne. Freuen wir uns auf die nächste Saison. Die Jubelfeier fällt aus. Jetzt sollten die Ärmel hochgekrempelt werden für die anstehende Arbeit.
    Danke auch an die aussortierten Spieler, die gezeigt haben, dass sie doch nicht so schlecht sind wie von vielen behauptet.

  9. Matze B 2. Juni 2015 um 10:20 Uhr

    Moin Grave, mir erging es ähnlich. Ich hatte alle Hoffnung auf den Klassenerhalt schon aufgegeben, habe nach dem 1:0 den Fernseher ausgemacht und mich in die Küche verkrümelt. Ich wollte einfach keinen Jubel der Karlsruher erleben ( meine Selbstgeißelungskräfte hatte der HSV in dieser Saison schon aufgebraucht) . Da saß ich nun völlig fertig, bis mich das heftige klopfen meines Nachbarn an der Wand wieder in die Realität zurückgeholt hatte. Also zurück ins Wohnzimmer, Fernseher wieder an und sehe gerade noch die Wiederholungen des Freistoßes. Was danach folgte war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich hoffe, es werde die richtigen Schlüsse aus dieser Saison geschlossen und uns bleibt so ein Saisonabschluss nächstes Jahr erspart.

  10. Hannes Grundmeyer 2. Juni 2015 um 10:28 Uhr

    Ich war gestern auch nur unglaublich erleichtert, die Freudenfeier ist ausgefallen. Es muss sich im Verein alles ändern, aber es wird sich wahrscheinlich nichts ändern.
    Obwohl ich mir mittlerweile vorstellen kann, dass es Didi langsam dämmert, dass er als Vorsitzender weniger geeignet ist. Vielleicht schmeißt er ja doch von sich aus hin. Außerdem hab ich es so im Gefühl, dass KMK in Schweiz sitzt und vor sich hin brodelt. Und Felix M. hat den Job bei Austria Wien nicht angenommen. Würde mich nicht wundern, wenn der KlauMi (fast) alle rausschmeißt, außer natürlich Hilke und Kuddel, und Felix als den großen Vorsitzenden einsetzt. Die nächsten 14 Tage werden auf jeden Fall spannend.

  11. Jörg 2. Juni 2015 um 10:30 Uhr

    Als HSVer seit Kindesbeinen möchte man so gerne dem Inhalt dieses Blogs widersprechen, aber man kann es nicht, denn es stimmt so alles (und nicht nur in diesem Grave Blog). Ich glaube aber nicht, dass es in der Führung Veränderungen geben wird. Der Ausspruch „Pattex-Heidi“ von Herrn Gernandt im Mai letzten Jahres galt wohl nur für andere.

    Sehr treffend auch die Aussage von Grave: „… ich sah, wie Trainer Labbadia am Spielfeldrand mehr Leistung zeigte als seine Vorgesetzten in all den vergangenen Wochen und Monaten.“

    Bruno Labbadia muss man wirklich Dank und Respekt aussprechen für diese Leistung, das Engagement und die gelebte Identifikation mit dem Verein. Wenn diese Führung sich entscheidet zu bleiben, dann sollte Sie zumindest mit der Trainerverbrennung aufhören. Bruno verdient eine echte Chance die Mannschaft neu zu formieren, vorzubereiten und durch die neue Saison zu führen. Nicht wieder nach sechs Spielen in Frage stellen und im Herbst feuern, weil die Erwartungshaltung mit den Herren Direktoren durchgeht.
    Ich halte Bruno Labbadia für einen guten Trainer, der nach der Rettung sicherlich im Verein, bei den Fans und auch bei der Mannschaft zu Recht ein gutes Standing hat. Man sollte Ihn in Ruhe (sofern das in HH überhaupt möglich ist) arbeiten lassen.

  12. Sven 2. Juni 2015 um 10:31 Uhr

    Full ack!!! Jetzt alles raus was Vorstand oder Direktor sich nennt! Mein Blick richtet sich jetzt auch auf die Sponsoren und Whistleblower. Spon schreibt schon, Didi will sich mit allen, auch (Wtf???) mit Labbadia, zusammen setzen. Omg!!!
    .
    Dietmar Beiersdorfer (Vorstandsvorsitzender Hamburger SV): „Es war alles möglich in diesem Spiel. Es ist klar, dass wir im Umbruch waren, schon im Sommer. Wir werden uns jetzt hinsetzen auch mit Bruno, unserem Coach. Ein ganz großes Lob und ein ganz großes Dankeschön an Bruno und seinen Stab.“ Umbruch??? Da war das blanke Chaos!!!

  13. Felix 2. Juni 2015 um 10:46 Uhr

    Es ist jetzt an den Fans, alle würdigen und legalen Mittel zu nutzen, um dem Vorstand incl. Direktoren die rote Karte zu zeigen. Ein „weiter so“ mit den Herren Beiersdorfer, Knäbel und Komplizen darf es nicht geben. Kein Unternehmen in der freien Wirtschaft würde sich eine solche Führung gefallen lassen. Es MUSS Konsequenzen geben!

  14. Perry1887 2. Juni 2015 um 10:54 Uhr

    Guter Kommentar, Grave !!! Du hast aber die Experten aus der Abteilungsleitung des SC vergessen, oder keinen Bock gehabt denen die Ehre einer Erwähnung zu geben…die haben sich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert und haben bei der einen Aufgabe die sie noch haben, zu supporten, versagt…’Alle Mann an Bord‘ war deutlich zu wenig zu spät….

  15. WilliWacker 2. Juni 2015 um 11:04 Uhr

    Wie du schon immer wieder in deinem Blog predigst, es muss sich etwas ändern, aber es wird sich nichts ändern.
    Der HSV ist mit unglaublich viel Dusel unverdient nicht abgestiegen. Fans zufrieden, AR zufrieden, Didi und seine Mannschaft sowieso zufrieden. Wer soll in diesem Verein etwas verändern wollen und können? Es wird an ein paar Schrauben gedreht und dann geht es Murmeltierartig weiter. Mal sehen, wie lange Bruno nächste Saison weiter machen darf?

  16. André 2. Juni 2015 um 11:14 Uhr

    Kommentar von uns Uwe: In der kommenden Saison muss es wieder bergauf gehen um irgendwann wieder Meister zu werden…..

    EUROPAPOKAL! EUROPAPOKAL !

    omg bitte nicht schon wieder

  17. Carsten 2. Juni 2015 um 11:27 Uhr

    „Oh, ja, nächstes Jahr geht der HSV wieder in die Relegation.
    Und wird dann im Elfmeterschiessen glücklich gewinnen.“

    Aber auch nur, weil der Schiedsrichter dann den letzten 11er des Zweitligisten wegen Abseits abpfeift … 😉

  18. HorstUwe 2. Juni 2015 um 11:49 Uhr

    Super Artikel, bis zur Forderung, dass jetzt die Führung getauscht werden müsse.

    Was passiert, wenn man die Führung tauscht? Man wechselt den Sportchef, Trainer, Vorstand, etc. und was macht der Neue? Er muss erstmal ein Zeichen setzen, einen großen Namen verpflichen, Fehler seiner Vorgänger anprangern (z.B. indem er Spieler suspendiert) oder einen neuen (Konzept-)Trainer holen, der in der Lage ist langfristig etwas aufzubauen. Ich finde das alles hatten wir zur Genüge.

    Ich hätte lieber Ruhe. Eine sanfte Rückkehr zum alten Erfolgsprinzip unter Hoffmann (das Didi damals super umgesetzt hat): Junge, entwicklungsfähige Spieler kaufen und einen Platz im gesicherten Mittelfeld anpeilen. Ich würde mich freuen, wenn man 2-3 kluge und günstige Transfers vollzieht und junge Spieler, die zurückkehren, einbaut.

    • Gravesen 2. Juni 2015 um 11:52 Uhr

      Leider hat „Düdü“ gezeigt, dass er eben das nicht kann.

  19. ausgegliedert 2. Juni 2015 um 11:58 Uhr

    Ich fühle mich betrogen, da ich nach dem Donnerstag schon fest mit einem 11m-Schießen gerechnet hatte…
    Aber abscheinend hat die böse Macht, die du hier gelegentlich erwähntest, den Schiri befallen. Da war zwar etwas mehr „Hand“ im Spiel als beim späteren Elfmeter, der Dusel als Solcher ist trotzdem kaum zu glauben.
    Bleibt die Frage, wer wischt nun gründlich durch? Findet sich für die Analyse eine kompetente, neutrale Person, die ohne jeglichen HSV-Bezug die Misere durchleuchtet?
    Magath als heilsbringender Diktator, ich weiß nicht…

  20. Ligature 2. Juni 2015 um 14:06 Uhr

    Ich mag diesen Blog, weil ich hier immer wieder dazu lerne; ich war z.B. erfreut, dass Beiersdorfer in den Vorstand ging und war bedrückt, dass Labbadia Trainer wurde. Ich glaubte an Behrami als gesetzten „leader“, und daran, dass mit „HSV+“ die Selbstbedienungshaltung auf der Ebene der Entscheider ihr Ende fände. Ich habe den großspurigen Ankündigungen in Sachen Sponsorenwerbung geglaubt, und daran, dass die Ausleihe von Green vernünftig war. Ich fand es richtig, mit Zinnbauer „Risiko zu gehen“, nahm an, es käme auf „Tempofußball“ an (das tut mancher Abendblatt-Redakteur bis heute) und begreife erst heute, wie viel moderner die Spielanlagen geworden sind und wie erschreckend weit der HSV und die dortigen „Fachleute“ davon entfernt sind. Der Autor dieses Blogs lag dagegen (und in manchem mehr) von vornherein (!) richtig. Ich habe großen Respekt vor diesem Sachverstand.

    Kurz: Hier treffe ich auf lehrreiche Informationen, klare Meinungen und einen angenehmen Dialog unter den Lesern, und deshalb sage ich heute dafür: Danke.

    • Franco74 2. Juni 2015 um 18:02 Uhr

      Top! Sehe ich ganz genauso!

  21. Franco74 2. Juni 2015 um 17:44 Uhr

    @Grave: Du sprichst mir aus der Seele! Nicht nur mit diesem Beitrag, sondern auch mit Deinen Gedanken über „das neue Gesicht des HSV“

    Es kann nicht sein, dass dieses „Dino-Sein“ (ich kann es nicht mehr hören) die alleinige Identität unseres Vereines sein soll. Die BL-Uhr fand ich seit den letzten beiden Saisons unpassender denn je und bei „Hamburg, meine Perle“ habe ich schon immer Fremdschämen empfunden und singe nicht mit – andere Städte oder Vereine zu verunglimpfen fand ich schon immer peinlich!
    Generell finde ich Stadionlieder befremdlich, die Volksfest-Charakter ausstrahlen – genauso wie die prollige Europop-Musik, die vor dem Spiel läuft oder das oberpeinliche „We will rock you“, wo es selbst halbbesoffene und unmusikalische Fans alle zwei Wochen gerade so schaffen, im Takt mitzuklatschen.

    Es wäre ein kleiner Anfang und Schritt in die richtige Richtung, wenn Didi trotz Erstliga-Verbleibs diese Scheiss-Uhr abnehmen lassen würde (meinetwegen ab in die Geschäftsstelle damit) und einen klaren, neuen Anspruch formulieren würde: Und zwar dass unser Verein mehr sein muss, als einer, der sich etwas drauf einbildet, noch nie abgestiegen zu sein (NA UND!?!?). Und sich noch immer etwas auf eine gerade mal 5-7 jährige Erfolgszeit (79 bis 83/84) einbildet, die aber auch rein gar nichts mit dem Jetzt und Heute zu tun hat!
    Warum wohl kommen seit fast einem Jahrzehnt immer wieder Spieler und Trainer zu uns, die anderswo gut waren und bei uns schlechter werden? Weil die Vereins-Identität nicht stimmt und das Umfeld (und vlt. auch manchmal die Stadionuhr) sie lähmen! Irgendetwas hindert sie bei uns, Ihre Leistung konstant auf den Rasen zu bringen – und meines Erachtens ist dies trotz aller guten Anfeuerung aus der Kurve, dass ihnen in unserer Arena immer eine unterschwellige, arrogante Erwartungshaltung entgegenschwingt, die viele noch immer aus der Happel-Aera in sich tragen.

    Fakt ist, dass unsere Vereinsspitze dieses Jahr das fünfthöchste Geld für neue Spieler ausgegeben hat und den ca. sechstteuersten Kader hat! Dass es dieses Team dann wieder nur auf Platz 16 schafft, ist eine unglaubliches Versagen der gesamten Vereinsführung wie noch nie in der Geschichte unseres Vereines!
    Und es wäre nun der Supergau, wenn alle Beteiligten so weitermachen würden, wie bisher! Bitte vor der nächsten Saison nicht wieder nur peinliche, hohle Phrasen eines Vorstandsvorsitzenden, der alles andere ist, als ein selbstbewusster, motivierender und vorzeigbarer Boss. Und auf Fotos peinlich grinsend und in Videos daherstammelnd eher wirkt wie ein Betriebsleiter eines Altersheimes.

    Oder ein Aufsichtsratsvorsitzender, der nichts, aber auch gar nichts bewirkt hat nach einer Ausgliederung, die dazu geführt hat, dass sich die Chosen Few auflösen und ein greiser Patriarch endlich reinreden kann, weil er (ein Paar) Millionen hochverzinst leiht. Wo sind eigentlich die neuen Sponsoring-Partner, die der Marketing-Vorstand holen sollte? Dazu ein Sportdirektor, der alles andere als passend oder kompetent wirkt und ein „Koordinator“ Peters, von dem keiner weiss, was er eigentlich koordiniert. Sollte er derjenige sein, der die drei ersten Coaches dieser Saison beraten hat, sollte er den Anstand haben und sofort seinen hochbezahlten Hut nehmen! Und ein unsäglicher Medien-„Direktor“ Wolf mit einem Team von fast zehn (!!!) Leuten, der sich wie ein eiteler Pfau aufführt, obwohl er nichts brauchbares produziert, sondern gerade mal hinbekommt, die PKs anzumoderieren und Didi das Mineralwasser einzugiessen.

    Wenn man sieht, wie die Mannschaft gestern gefühlt mehr feiert hat, als Wolfsburg seinen Pokalsieg und der FCB den Meistertitel, dann fühlt sich das für mich falsch an. Es kann nicht sein, dass eine Mannschaft mit dieser Qualität und diesen Betriebskosten nur immer um fünf vor zwölf zu einem Team wird und sich dann als Relegationsmeister feiert!

    Ich war diese Saison gegen Hertha und Freiburg in der Arena (viel mehr Stadionbesuche halten meine Nerven nicht mehr aus) und war geschockt, weil es fussballerisch das Schlimmste war, was ich in über 30 Jahren Fansein von meinem Verein gesehen hatte!! Das ist mit NICHTS zu erklären oder zu rechtfertigen und für mich absolut indiskutabel. Es gibt für mich keine andere Meinung, als dass nach der zweiten Horrorsaison Konsequenzen gezogen werden müssen. Da die hochbezahlte Führung nicht einen Millimeter Fortschritt erreicht hat, muss m.E. Veränderung her! Schlechter als diese Führung können es andere kaum machen!

    Mehr Demut sollte tief in die DNA des Vereines einfliessen. Wie sich vor allem Lasogga letztes Jahr gegen Fürth und dieses Jahr einige Spieler (u.a. Raijkovic) gegen Hennings nach dem Elfer aufgeführt haben, ist einfach nur arrogant, unpassend und unsportlich. Der einzige, den ich gesehen habe, der nach dem Spiel zu KSC-Spielern ging und tröstete, war Labbadia. Nach so einem unglaublichen Dusel-Sieg (der in seiner Dramatik nur noch durch ein 11-Meterschiessen hätte übertroffen werden können) so hemmungslos und überschwenglich zu feiern wie unsere Spieler, fühlt sich nicht richtig an! Eigentlich müssten sie sich schämen und bei den Fans für die vergangenen zwei Jahre entschuldigen und gleichzeitig für die bedingungslose Unterstützung bedanken – und hätten z.B. ein Zeichen setzen und den Fans vorab die Reise nach Karlsruhe zahlen können! Deutschlandweite Sympathien gewinnt man, wenn man der Situation entsprechend zurückhaltender und respektvoller vor dem Gegner feiert!

    Kleiner Exkurs am Rande: Wahrscheinlich ist vieles, was man sich vom Team wünscht, angesichts des Intellektes und Charakter einiger Spieler im Kader etwas zu viel verlangt. Ich war beispielsweise sehr erschrocken, als ich vor ca. drei Wochen in ein Café im Mittelweg gehen wollte und mir Lassoga nebst ebenso aufgestylten Begleiter entgegen kam. Instinktiv wollte ich ihn ansprechen und viel Glück wünschen, oder um ein Selfie-Foto bitten, als ich ihn aber zu seinem Begleiter einen Satz mit O-Ton „…Digger, Adler!…“ sagen hörte (kein Scherz!), zuckte ich innerlich zusammen, ging beschämt weiter und liess ihn in seinen weissen Maserati steigen. Ich meine nicht, dass gute Fussballer vor Intellekt strotzen müssen, aber sein „Digger, Adler“ oder „Ich kenne diesen Uli Stein nicht“ zeigen, dass er dringend mentale Führung durch den Verein benötigt! Nur diese Qualität scheint der momentane Sportdirektor nicht zu besitzen.

    Auch werde ich nicht vergessen, wie ich vor ca. sieben oder acht Jahren mal das Vergnügen hatte, durch Zufall mit der HSV-Mannschaft im gleichen Flieger von München nach Hamburg zu sitzen. Es war interessant zu beobachten, wie der (schon damals Kapitän) und angebliche Leitwolf VdV beim Warten am Gate unbeteiligt in der hintersten Ecke sass und sich mit Mathijsen auf holländisch unterhielt. Frank Rost hingegen wachte stehend und wie ein Kompaniechef über das Team und die teilweise wie Schulkinder herumblödelnden Jungspieler – man merkte sofort, wer der eigentliche Leader des Teams war. Und restlos enttäuscht von unserer Nr. 23 war ich dann, als er mitsamt neuer Frau und seinen Eltern vor zwei Jahren in einem Restaurant den Tisch neben uns belegte. Am gleichen Samstag Nachmittag hatte er mit unserem Team nämlich mal wieder verloren – zog aber ins Restaurant ein, wie ein kleiner Showstar und die Stimmung am Tisch war trotz der Niederlage vor wenigen Stunden bereits wieder bestens und der Schampus floss. Nicht, dass man sich nach jeder Niederlage als Sportler zwei Tage einschliessen müsste, aber irgendwie bestätigte dass, was ich an dem Abend von unserem angeblichen Anführer und leider total fehlbesetztem Kapitän sah, mein Gefühl von einem nicht mehr hungrigen Spieler, der alles andere ist, als eine Führungsfigur.

    Als ich vor dem Freiburg-Spiel den angeblich verletzten und kolportierten Aggressive-Leader Behrami in voller Privatklamotte samt eines weisshaarigen, älteren Mannes (Berater? Vater?) erst zehn Minuten vor dem Spiel über den VIP-Parkplatz in die Arena schlendern sah – anstatt in den wichtigen Stunden vor dem Spiel bei seinen Kameraden zu sein – hat mir dies gezeigt, dass es im aktuellen Mannschaftsgefüge anscheinend vorne und hinten nicht passt. Für mich sind die teilweise unpassenden Transfers nicht die grösste Verfehlung von Beiersdorfer und Knäbel, sondern vielmehr dass sie über elf Monate und drei Trainer hinweg nicht in der Lage waren, dieses Team als Mannschaft so einzustellen, dass es trotz aller offensichtlichen Probleme im Gefüge trotzdem für Platz 8-12 reicht!

    Ich vermisse seit gestern ein klares Statement der Vereinsführung und jemanden, der (bitte anstelle unseres altehrwürdigen Uwes) dazwischenhaut und klar sagt, dass bei aller momentanen Feierei ab sofort tiefreichende, ernsthafte Konsequenzen gezogen werden müssen! Stattdessen hat man das Gefühl, dass den Bossen nun in allererster Linie ein Stein vom Herzen fällt, dass sie Ihren Job und die eigenen hohen Gehälter behalten können. Didi lässt sich stattdessen wie ein Schuljunge grinsend in Erikas Eck für die Mopo ablichten…

    In den letzten Wochen war ich trotz Raute im Herzen schon soweit, dass ich mir einen Abstieg samt zwei- bis dreijährigem Reinigungsprozess für Vereinsführung und Kader und ein „Neuerfinden“ des Vereines erhofft hatte.
    Leider leider befürchte ich, dass von dieser Vereinsführung in der nächsten Saison wieder nur hohle Phrasen kommen werden und sich leider nichts signifikant ändern wird – und ich würde es hassen, Recht zu behalten!

    NUR DER HSV!!!

    • daufenbach 2. Juni 2015 um 18:55 Uhr

      Guter Kommentar. Das ging mir gestern bei aller Entgeisterung und Leere nach dem Schlusspfiff auch durch den Kopf: Wieso kein Fairplay nach dem verschossenen Elfer? Warum kein Abklatschen/“Trösten“/Anerkennung der KSC-Spieler? Nach diesen zwei Saisons wäre Demut angesagt.
      Labbadia hat eine echte Chance in der nächsten Saison verdient und wenn wir mit ihm absteigen sollten… ohne ihn wären wir es ja jetzt schon.
      Und „Peter (K.) & der Wolf“ ab ins Ballett oder wo auch immer hin- aber nicht mehr als Sport- und Mediendirektor. Einfach eine erbärmliche Performance gestern und davor.

      @Grave: Super Blogs gerade auch in den letzten Tagen, in denen sie mir ein wichtiges Korrektiv in diesem Hin- und Her-Gerissensein zwischen Vernunft (Abstieg & Neuanfang in Liga oder wo auch immer) und Bauch (1.Liga).
      Bleib bitte dran!

    • menke 2. Juni 2015 um 19:45 Uhr

      ganz starker Post @ Franco74….

  22. seleer 2. Juni 2015 um 18:13 Uhr

    der Blog spiegelt mal wieder klar und deutlich wie es bei unserem HSV in der Tat aussieht! doch eines muss erwähnt werden:
    Bruno Labbadia hat etwas geschaffen, was kein Trainer in den letzte Jahren beim HSV hinbekommen hat. Er hat eine Mannschaft geformt, die gegen den KSC das beste Spiel der letzten 5 Jahren gezeigt hat und dafür wurden er und die Mannschaft belohnt.
    Herzlichen Dank Bruno, ich ziehe meinen Hut vor dir und zolle dir höchsten Respekt und wünsche dir bei unserem HSV weiterhin gutes Gelingen! Hammergeil, danke Bruno! nur der HSV

  23. Tobias 2. Juni 2015 um 18:41 Uhr

    Grave ich bin eigentlich bei dir. Es muss sich einiges ändern und auch die obersten Herren sollten sich dringlichst mal hinterfragen.
    Jetzt gibt es keine Ausreden mehr und es muss sich knallhart einiges ändern…
    Aber nicht nur der HSV hatte eine Spielzeit lang Zeit sich direkt zu retten, sondern auch der KSC hätte ja direkt aufsteigen können.

    Mal noch was anderes:

    Als ich gelesen habe, dass Andreas Rettig in der neuen Saison Geschäftsführer bei den braunen wird, hab ich im stillen gedacht…warum nicht bei uns?!

    – Industriekaufmann gelernt
    – in diversen Funktionen bei Bayer
    – Manager bei Freiburg, Köln und Augsburg (mal gut, mal schlecht)
    – und als Geschäftsführer der DFL sicher auch eine menge Hintergrundwissen

    Chance vertan, was denkst du?

  24. Jörg 2. Juni 2015 um 20:07 Uhr

    Peter Knäbel hat sich zur Kaderplanung geäußert, lese ich gerade auf TM.de. Man will (zum wievielten Mal eigentlich?) auf 40 Mio. Gehaltsetat runter. Anstatt mit heute 36 Spielern will man mit irgendwo um die 24 Profis in die neue Saison gehen, bei gleichzeitig höherer Substanz, die Bruno Labbadia als erforderlich ansieht.
    Inklusive Green laufen sieben Verträge aus, bleiben 29 übrig. Wären also noch fünf Spieler abzugeben. Wollen wir nur drei neue Spieler holen wären es acht, die noch gehen müssten. Ein Klacks bei der Begehrtheit unserer Profis im Markt.
    Irgendwie klingt das wieder nach „Halbjährlich grüßt das Murmeltier“. Erst verkaufen, Kaderkosten reduzieren und dann, wenn der Markt schon abgegrast ist, kaufen.
    Das kann doch nur funktionieren, wenn man Profis verschenkt oder für lau verleiht. Dazu müssen die Jungs auch erstmal wegwollen.
    .
    Aber am schlimmsten: Während Gladbach und andere gut geführte Vereine bereits im Mai wes