Die Rückkehr zur Leistungsbereitschaft

Ich denke, jeder von uns, der mehrere Jahre in einem Unternehmen gearbeitet hat, welches mehr als 100 Leute beschäftigt, kennt das Phänomen. Man hat sich „eingerichtet“, kennt die Abläufe und die Kollegen. Man weiß, welcher Vorgesetze wie tickt, man kennt die Kunden und die Konkurrenz. Viele Arbeitsabläufe werden zu Automatismen, wirklich nachdenken muss jemand mit jahrelanger Routine eigentlich nicht mehr. Die Folge: Die Spannung lässt nach, man ist sich seiner Sache (zu) sicher. Erfahrung kann in einem Job extrem viel bewirken, sie kann aber auch zur Bequemlichkeit führen. Hinzu kommt, dass neue junge Kollegen mit ihren „modernen Ideen“ die gewohnte und liebgewonnene Alltagsroutine stören und dafür sorgen, dass man aus seiner Komfortzone gerissen wird. Da dies nun wirklich niemand möchte, werden „die Neuen“ eingenordet, man erklärt ihnen mehr oder weniger höflich, dass der Laden so, wie er jetzt läuft, eigentlich schon immer gelaufen ist und zwar bestens. Okay, man ist vielleicht nicht mehr Marktführer, aber im Grunde geht’s doch allen gut Das Unternehmen überlebt und jeder bekommt am Monatsende seine Gehaltsüberweisung.

Möchte sich ein neuer Kollegen dann partout nicht einnorden lassen, versucht man ihn langsam an die Gegebenheiten der Firma heran zu führen.

Überliefert ist die Geschichte von dem neuen HSV-Spieler, der eine freiwillige Einheit im Kraftraum absolvieren wollte und der dann von einem Alteingesessenen überredet wurde, doch lieber auf eine Tasse Kaffee mitzukommen. Der Neue ließ sich überreden und war fortan mit dem Virus der schnellen Zufriedenheit infiziert. Warum denn auch mehr tun als gefordert, es geht doch auch so. Ob man jetzt 10. oder 15. wird, ist doch eigentlich egal, die Kohle kommt doch. Außerdem lebt man in einer netten Stadt, wohnt in der Hafencity und das nächste Tattoo-Studio ist auch gleich um die Ecke.

Dieses Denkmodell hat sich beim Hamburger Sportverein eingenistet wie eine fiese Bazille und es liegt beileibe nicht nur an den Fußballern selbst. Nein, der gesamte Verein lebt diese Zufriedenheit und Selbstzufriedenheit vor, das Leistungsprinzip ist außer Kraft gesetzt. Ehemalige Mitarbeiter des HSV berichten darüber, dass in einigen (vielen) Abteilungen die Arbeit von 4 Mitarbeitern verrichtet wird, die eigentlich auch ein Engagierter allein machen könnte. Ein selbstzufriedener Wasserkopf, in dem jeder lustig die Hand aufhält und wo sich lediglich dann ein wenig Unruhe einschleicht, wenn die Mannschaft mal wieder gegen den Abstieg spielt und das Damokles-Schwert der Massen-Entlassung zu pendeln beginnt. Ist das Abstiegsgespenst vertrieben, kehrt der alte Trott wieder ein.

„Schönes“ Beispiel ist dabei die sogenannte Medien-Abteilung unter der Leitung des ehemals schönsten Pressesprechers Deutschlands. Hier kauern ca. 20 Personen herum,  von Leitern über Stellvertreter bis hin zu Assistenten ist alles dabei. Am Ende wird die Ente fett, heißt es und was am Ende bei der Arbeit dieser Mammut-Abteilung rauskommt, ist erschütternd. Nimmt man dieses Relegationsshirt-Desaster und die Peinlichkeit um die Erhöhung der Dauerkarten, um nur die jüngsten Katastrophen zu beschreiben, so erkennt man auch hier nicht nur eine gehörige Portion Unfähigkeit, sondern auch etwas noch Schlimmeres und das nennt sich Gleichgültigkeit.

„Ist uns doch völlig egal, wie das draußen ankommt. Uns kann doch eh keiner was.“

Es existiert überhaupt kein erkennbares Bestreben, den verunsicherten Fans die geplanten Maßnahmen glaubhaft zu erklären, sie werden einfach konfrontiert und damit allein gelassen. Resultat ist der nächste Facebook-Shitstorm und das erneute Absacken in der Beliebtheitsskala, sollte das überhaupt noch möglich sein. All das hat damit zu tun, dass beim HSV, nimmt man einmal die Personen Beiersdorfer, Knäbel, Peters und Labbadia aus, seit Jahren die gleichen Null-Performer an den Schaltstellen sitzen und diese haben wenig bis kein Interesse daran, ihre Komfortzonen zu verlassen. Aber es ist noch schlimmer,weil jeder, der bereit ist, signifikante Veränderungen herbei zu führen, gegen eine Mauer der Ablehnung prallt, bestes Beispiel war hier Frank Arnesen. Der Däne sollte und wollte besonders im Trainerbereich in Ochsenzoll etwas verbessern, aber er sollte es nicht ändern. Wie bitte soll das funktionieren.

Der HSV hatte nach dem 25.05.2014 die wahrscheinlich einmalige Chance zu einem kompletten Neustart, aber sie wurde aufgrund der zögernden Haltung des Vorstandsvorsitzenden verpasst. Jetzt scheint es so, als wolle man diesen Fehler beheben und das ist richtig. So richtig wie es war, die Verträge mit van der Vaart und Jansen nicht zu verlängern, ist es auch richtig, Herrn Beister zu bitten, sich einen neuen Verein zu suchen, denn Beister wird den HSV nicht mehr nach vorn bringen, so bitter sich das auch anhören mag. Maxi hatte Riesenpech mit seiner Knieverletzung, aber das ist mittlerweile 1 1/2 Jahre her. Ein Khedira spielte ein halbes Jahr nach einem Kreuzbandriss eine sensationelle WM, Maxi aber steht immer noch still. Mit Angst um sein Knie ist das allein nicht zu erklären, es hat etwas mit falscher Selbsteinschätzung zu tun. Zu lange hat sich Beister auf dem Nimbus des Eigengewäches ausgeruht, war sich seiner Sache sicher, weil er bei den Fans ja bekanntlich den Bonus dessen genießt, der „die Raute im Herzen“ trägt.

Sorry Leute, aber scheiß auf „Raute im Herzen“. Mein Eindruck ist, dass es sich bei den Spielern rumgesprochen hat, dass man mit einer gewissen „Fan-Nähe“ sportliche Defizite durchaus ausgleichen kann. So turnen die Herren Holtby (neuer Chef-Fan-Jubler) und Stillstands-Dennis Diekmeier publikumswirksam zwischen den Fans in der Nordkurve rum, weil sie gesperrt oder verletzt waren. Der Jubel der dünn-angerührten Anhängerschaft ist ihnen sicher und in der Folge wird der eine oder andere Fehlpass eher verziehen, weil die Jungs ja „Ehrenmänner“ sind. Was für ein Bullshit.

In der Vergangenheit tauschten italienische Spitzenclubs, die gerade Meisterschaft oder Champions League gewonnen hatten, einen (Groß)-Teil der erfolgreichen Mannschaft aus, ohne auf die Empörung der Fans wert zu legen. Warum? Weil sie die Erfahrung gemacht hatten, dass Spieler, die einen Titel gewonnen hatten, zur Zufriedenheit neigen und diese Zufriedenheit kann man sich im Leistungs-Business Profifußball nicht leisten.

Es scheint so, als hätte man beim HSV etwas verstanden. Jetzt muss das Ganze nicht nur auf die Mannschaft, sondern auf den gesamten Verein übertragen werden, ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten. Alte Zöpfe müssen endlich abgeschnitten werden, die Mitarbeiter müssen bereit sein, ihre Komfortzonen zu verlassen. Es muss (wieder) eine Atmosphäre der Leistungsbereischaft und kein Kuschelzoo entstehen, andernfalls wird man in einem Geschäft, welches von Geschwindigkeit lebt, weiter an Boden verlieren.

Kleine Notiz am Rande. Aus genau diesem Grund war für den FC Bayern München die Verpflichtung von Matthias Sammer von existentieller Bedeutung. Sammer ist ein chronisch unzufriedener Mensch, allerdings im positiven Sinne. Sammer kann Stillstand nicht ertragen und wird zum Tier, wenn er erkennt, dass sich jemand hängen lässt. Er fördert und fordert komplette Identifikation mit dem Beruf des Profifußballers und wenn man diese Bereitschaft bringt, hat man in Sammer einen absoluten Fürsprecher. Meint man aber, man könnte mit 80% durchs Leben kommen, hat man in München keine Zukunft mehr. Eben ein solcher Charakter fehlt dem HSV.

Von | 2015-06-06T09:16:10+02:00 6. Juni 2015|Allgemein|29 Kommentare

29 Comments

  1. Hessenloewe 6. Juni 2015 um 08:14 Uhr

    Unfassbar, aber wahr. Kritik, in dieser Form „dargereicht“, gefällt mir gut. Selbst die „Spitzen“ kommen dieses Mal gut an. Ich komme nicht umhin, diesen Blog jetzt mal zu loben. Und es fällt mir nicht mal schwer!

    • Gravesen 6. Juni 2015 um 08:22 Uhr

      Leider machst du den gleichen Fehler, den viele begehen, aber ich kann das bis zu einem gewissen Punkt verstehen. Wenn etwas kritisiert wird, was „ihr“ auch als kritikfähig erachtet, dann spendet ihr Beifall. Wenn ich etwas anfasse, was eigentlich nicht angefasst werden sollte (in euren Augen), dann ist der Blog scheiße, dann stifte ich Unruhe, dann fülle ich ein nicht vorhandenes Sommerloch.
      Beispiel: „Früher“ war dieser Blog super, weil ich die Arbeit von Jarchow, Ertel, Hunke etx. kritisiert habe. Da ging absolut in Ordnung, denn sie waren ja die Anti-Christen. Wenn ich aber heute die Fehler von Beiersdorfer, Knäbel und Co. erkläre, bin ich ein Unruhestifter, obwohl ich das Gleiche mache, was ich schon immer gemacht habe. Aber das wollen viele nicht hören bzw. lesen. Sie wollen, dass ihre Hassobjekte niedergemacht und ihre Götter gepriesen werden, aber so läuft das vielleicht bei der BILD oder beim Abendblatt.

      • Hessenloewe 6. Juni 2015 um 08:41 Uhr

        Ich möchte gerne ein Missverständnis aufklären. Es ist nicht die (ältere) Kritik als solche, die ich bemängele. Ich weiß auch, aus gut unterrichteten Kreisen, dass du in sehr vielen Dingen Recht hast. Es ist die Form. Ich kann nur wenig mit einer Aneinanderreihung von Beleidigungen anfangen. Ab diesem Zeitpunkt erscheint mir die Kritik unsachlich und überzogen. Dein Blog heute ist sehr „gediegen“ und trotzdem hast du deine Kritikpunkte unterbringen können. Das ist es, womit ich dann auch etwas anfangen kann. Das gefällt!

  2. Andy82 6. Juni 2015 um 08:23 Uhr

    Moin. Hast du zur Thematik Maxi Beister noch nähere Infos? Man bekommt ja als normal sterblicher nicht allzu viel mit. In der Wintervorbereitung meine ich, hatte er doch einen sehr guten Eindruck hinterlassen.

    • Gravesen 6. Juni 2015 um 08:25 Uhr

      Ich habe gehört, dass es wohl weniger um die Leistungsfähigkeit gehen soll (die allerdings auch angezweifelt wird), als vielmehr darum, sogenannte „faule Äpfel“ auszusortieren. Und als ein solcher ist Beister offenbar ausgemacht worden

  3. Nalf 6. Juni 2015 um 08:30 Uhr

    So wahr, so gut!
    Das hätte man wirklich nicht besser auf den Punkt bringen können! Respekt

  4. Launi 6. Juni 2015 um 09:13 Uhr

    Ich bezweifel noch, ob es ein „Großreinemachen“ gibt. Vermutlich, weil wie immer, wird es das ein oder andere Bauernopfer geben und dann wird weitergewurschtelt wie bisher. Erst dann, wenn auch von außen ein Plan erkennbar wird, dann will ich glauben, dass es irgendwie vorwärts geht. Dann kommt vielleicht auch die Lust auf den HSV zurück…

  5. Hans 6. Juni 2015 um 09:19 Uhr

    Exzellenter Blog Beitrag heute!

  6. Hoobs 6. Juni 2015 um 09:21 Uhr

    SUPER!!!! 100% Zustimmung! Wir ich in meiner heutigen „NurDerHSV-Podcast“ Folge berichten werde, habe ich am letzten Freitag jemanden sprechen können der dem Trainerteam wirklich SEHR NAH steht. Und auf meine Frage warum Bruno denn nicht den Beister einsetzt, wurde mir folgendes gesagt: „Bruno ist total enttäuscht von Maxi Beister! Er ist ein HSV´er, er wird von der Kurve gefordert und er müsste eigentlich das „neue Gesicht“ sein! Aber er zeigt bei allen Trainingseinheiten null Einsatz, ist bocklos und macht nur das Nötigste. Und das toleriert Bruno nicht.“ Als ich das hörte, war ich total enttäuscht, da auch ich immer Maxi lautstark gefordert habe. Aber nun machte es auf einmal Sinn. Und die Tatsache das gestern Nachmittag erst mit ihm gesprochen wurde und wir heute schon ein „Ich bin vom HSV enttäuscht“ Interview in der Bild lesen können, zeugt ja nicht gerade von gutem Stil. Hat er sich das bei Knäbel abgeschaut?

    …@Gravesen: Wenn Du meine kleine Podcast-Schleichwerbung unverschämt findest, dann würde ich Dich bitten den Teil kurz zu entfernen, aber den Rest meines Kommentars drin zu lassen. Danke und uns allen ein schönes Wochenende!

    • Gravesen 6. Juni 2015 um 10:06 Uhr

      Ach was, kein Problem 😉

  7. DonMarksen 6. Juni 2015 um 10:03 Uhr

    Heute haste mal in allen Punkten recht. lg

  8. Oberberger 6. Juni 2015 um 10:23 Uhr

    Sehr guter Beitrag, Grave. (Jubel-Perser-Modus aus)
    So langsam begreife ich jetzt die Funktionsweise des HSV-Bazillus, der jede Neuverpflichtung 10-25% fußballerisches Potential kostet.
    Dass mit/bei Maxi Beister irgendwas grundsätzlich falsch läuft konnte man erahnen. Einen Spieler mit seinem Potential und Rückendeckung der Fans so zu ignorieren, da mußte mehr im Busch sein als nur eine Formkrise.

  9. Bwana Bruce 6. Juni 2015 um 10:31 Uhr

    Moin Grave !

    Schimmert da ein wenig (sehr wenig) Hoffnung durch ? Habe die letzten wochen nur gelesen , war ja kaum zu ertragen .

    Sonnige Gruesse , Bwana

    • Gravesen 6. Juni 2015 um 10:35 Uhr

      Schwer zu sagen. Ich denke das, was jetzt scheinbar gemacht werden soll, hätte bereits vor einem Jahr gemacht werden müssen. Offenbar waren die Machthaber aber der Auffassung, man müsste die auslaufenden Verträge der Hochbezahlten abwarten. Jetzt aber haben sie ein Riesenproblem, denn alles, was sie jetzt entscheiden, wird unter dem Mikroskop zerlegt, die Zeit des Welpenschutzes ist vorbei, ab jetzt wird jeder Fehler gnadenlos bestraft. Wichtig wäre, wenn die anstehenden Veränderung nicht bei der Mannschaft aufhören würden.

  10. Bwana Bruce 6. Juni 2015 um 10:45 Uhr

    Was soll den „gemacht“ werden ? ….. gibt es da noch mehr Informationen ?

  11. Ligature 6. Juni 2015 um 10:52 Uhr

    Guter Beitrag !
    Ps. Wir haben auch einen „Sammer“ für den HSV. Wer das wohl ist? Tip: Hier täglich zu lesen…

  12. Okonski 6. Juni 2015 um 11:08 Uhr

    Dieser Artikel ist sehr interessant, da er versucht den Problemen des HSV auf den Grund zu gehen. Man fragt sich doch immer wieder, wieso es dem HSV seit Jahren nicht gelingt sein Potential abzurufen, auf, aber auch neben dem Platz, wieso Spieler bevor sie hierher kommen und nachdem sie wieder weg sind bessere Leistungen abrufen als beim HSV. Auch ich bin auch überzeugt, dass die Gründe in fehlender Leistungsbereitschaft und fehlendem Ergeiz zu suchen sind, die damit zusammenhängen, dass die Spieler sich in ihrer Komfortzone zu wohl fühlen und nicht mehr daraus ausbrechen können/wollen. Ich musste vor allem schmunzeln, da dieses Thema auch bin unserer Firma ein Thema war und wir von unserem Chef dazu « verdonnert » wurden das Buch « The Power of Habit » (« die Macht der Gewohnheit ») von Charles Duhigg zu lesen, wo es genau um dieses Thema geht. (Kurz gesagt, geht es im Buch darum, warum Routinen verändert werden müssen und wie das geschehen kann mit dem Ziel z.B. die Unternehmenskultur zu verändern um wieder erfolgreicher zu sein.) Inwieweit sich dieses Komfortdenken auch bereits bei den Mitarbeitern des HSV festgesetzt kann ich nicht beurteilen, Deine Worte stimmen mich aber auch da sehr nachdenklich.
    Allerdings ist das Problem nicht so einfach zu lösen. Sich von alten Zöpfen zu trennen ist sicher der richtige Weg, ich bin aber nicht überzeugt ob der Vorstand die charakterlichen und intellektuellen Fähigkeiten hat die Wurzel des Übels zu erkennen. Auch Knäbel und Beiersdorfer haben sich (wieder) in ihrer Komfortzone eingenistet. Bei Beiersdorfer bedeutet das, er ist zurück bei seinem HSV, der böse Hoffmann ist nicht mehr da, also ist alles gut. Auch Knäbel ist wieder zurück in seiner Stadt, die Familie wieder zufrieden, wieder daheim. Diese unsäglichen Rückholaktionen ehemaliger Spieler, die Tatsache, dass wohl über einen neuen Vertrag für Illicevic oder Kacar nachgedacht wird, die Tatsache, dass immer wieder Leute mit Stallgeruch engagiert werden, oder das festhalten an der unsäglichen Uhr im Stadion und am Dino-Mythos, sind alles Indizen, dass der HSV noch weit davon entfernt ist die Komfortzone zu verlassen und die gewohnten Dinge auf den Prüfstand zu stellen. Ich hatte mir in den letzten Jahren erhofft, es würde ein Neuanfang gemacht mit kompetenten Leuten ohne HSV oder Hamburger Vergangenheit und der HSV tatsächlich neu positionniert. Ein T. Tuchel wäre Gold wert gewesen. Ich glaube auch, dass man z.B. auf der Position des Sportchefs, einen Mann vom Typ eines Allofs, Heidel oder Schmadtke hätte engagieren müssen. Einem Mann ohne HSV-Bezug, mit Erfahrung im Bundesligageschäft und vor allem dem nötigen Ehrgeiz und Willen Erfolge zu feiern und etwas zu bewegen. Und beim Vorstandsvorsitzenden wäre das auch nötig gewesen. Das kommen wir dann wieder zur Frage, ob die nötigen Kompetenzen im Verein sind um überhaupt die Probleme erkennen zu können und dann richtige Entscheidungen zu treffen… ?

  13. Hasenmelker 6. Juni 2015 um 11:34 Uhr

    Sehr schöner „Saisonrückblick“, Teil 2 – gestern gefiel mir auch schon außerordentlich;-) Beim Thema „wegräumen“ der Komfortzonen schießt mir immer sofort der Name Felix Magath in den Kopf. Als CEO, nicht als Trainer oder anderes.

    Wenn man heute das Tuchel-Interview genau liest, kann man erahnen welche Erwartungen ihm gegenüber formuliert bzw. gehegt wurden. Das alles kann kein Trainer, schon gar kein junger Trainer mit dem nächsten Schritt am Anfang seiner Karriere.

    Dafür braucht man vielleicht einen erfahrenen „Kutscher“ auf der Kommandobrücke, der unweigerlich nötige unbequeme Entscheidungen trifft und durchzieht. Ohne Rücksicht auf Verluste (Beister) oder seine eigene Reputation.

    Dafür braucht man ein breites Kreuz und viel Gelassenheit gegenüber Medien und den interessierten Kreisen im Verein.

    Mit fällt außer Magath eigentlich niemand ein, der das anpacken könnte….

  14. M.K. 6. Juni 2015 um 12:34 Uhr

    Ich melde mich gerne mal an für meine Reaktion auf diesen Beitrag, den ich richtig klasse finde!
    Ich lese hier sehr gerne, habe grundsätzlich das Gefühl, dass die Situation um den Verein – gut geschrieben – gut eingeschätzt wird. Mit diesem Artikel überzeugst Du im Besonderen, weil ich glaube, dass Du damit den berühmten „Hasen im Pfeffer“ am Wickel hast.

  15. Joschmann 6. Juni 2015 um 13:48 Uhr

    Top!
    Frage die offen bleibt, warum ausgerechnet nur beim HSV diese Komfortzone in solchem Ausmaß entsteht.
    Hängt es damit zusammen, dass wir Spieler holen die nach uns keinen größeren Verein mehr kriegen können???.—->>>> Kombi aus Alter & Klasse des Spielers, z.B. Müller, Holtby, Beister… das klingt dann wiederum so, als seien die karrieregeilen Spieler, die letztlich Besseren für einen Verein, denn diese wollen sich stets in den Vordergrund spielen und verbessern, unäbhängig von den gewohnten Gegebenheiten. Und eines Tages, woanders, wollen sie um den CL-Titel spielen, z.B. Boateng, Cahanoglu, De Jong…
    ein Spieler der beide Phasen bei uns durchlaufen hat, ist VDVaart. Kann sich ja jeder sein eigenes Bild machen, ob er in seiner ersten oder zweiten Zeit beim HSV besser war.

  16. Franco74 6. Juni 2015 um 16:24 Uhr

    Moin Grave,
    mal wieder ein Top-Artikel: Hart, aber sachlich. Gezielt und persönlich, aber nicht unfair. Und in der Form einfach lesenswert.
    Du schaffst es immer wieder, schonungslos Dinge beim Namen zu nennen, die den meisten (intellektuell veranlagten) HSV-Fans aus dem Herzen sprechen. Danke auch für Deine Arbeit, den ebenfalls meist sehr guten Kommentarbereich sauber zu halten. Mir gefällt der „gewaltfreie“ Umgang in diesem Blog sehr gut!
    .
    Man kann (uns allen und jedem, dem der Verein etwas bedeutet) nur wünschen, DASS DIE HSV-VERANTWORTLICHEN HIER FLEISSIG MITLESEN – nicht nur deine Blogs, sondern auch die Kommentare! Denn auch, wenn die „Spitzen“ den Verantwortlichen bestimmt wehtun, ist trotzdem wie immer der erste Schritt zur Verbesserung die Selbsteinsicht.
    Und dieser Blog bietet mehrmals die Woche höchst brauchbare Steilvorlagen, über das Wohl des HSV nachzudenken und es AB SOFORT besser zu machen!

  17. Guy La Fleur 17 6. Juni 2015 um 16:41 Uhr

    Der beste Beitrag, den ich seit einiger Zeit zum Dilemma beim HSV gelesen habe. Ich bin auch sauer, wenn ich lese, wie sich der Verwaltungsapparat beim HSV aufgebläht hat, obwohl doch im letzten Jahr von Verschlankung die Rede war. Wenn ich sehe, wer sich alles am Futtertrog HSV labt, ohne jemals einen Leistungsnachweis erbringen zu müssen, wird mir sofort klar, dass es auch in der Mannschaft nicht funktionieren kann. Wenn dann noch hinzukommt, dass man unbedingt „Stallgeruch“ mitbringen muss, um einen wichtigen Posten zu bekleiden, ist auch offensichtlich, dass Leute wie Hoffmann und Arnesen hier scheitern mussten. Die beiden Einzigen, die im Nachhinein gezeigt haben, dass sie ihr Geld wert waren. Seitdem ging es doch nur noch bergab. Grave, bitte übe weiter scharfe Kritik, wenn angebracht. Aber lass doch die Protagonisten des Stammelblogs zufrieden. Werte sie durch deine beißenden Äußerungen nicht unnötig auf.

  18. Sven 6. Juni 2015 um 17:07 Uhr

    Klasse Beitrag! Ich kann mich nur den Kommentaristen anschliessen, die sich ebenfalls über das Fehlen der mitunter rüden Anrempler freuen. Ich will für diesen Blog hoffen, dass der Verein dann auch bald „so weit ist“, mit dir ins Gespräch zu kommen. Spätestens dann könnte die Einöde nebenan endlich dicht machen. – Und ich hoffe zusammen mit dem Rest des Kommentariats, dass Labbadia seinen „Sammer“ zur Seite gestellt bekommt, damit er sich zu schnell aufreibt. Die Gehälter von Knäbel und Peters sollten reichen.

    • Gravesen 6. Juni 2015 um 17:17 Uhr

      Vergiss Schmocks Einöde, das ist eh nicht mehr relevant. Wenn man sieht, dass halb Deutschland über Dauerkarten, Relegationsshirts und Beister redet und die Doof-Opas dort immer noch ihre Wunschaufstellungen posten und erzählen wollen, wen man wofür holen sollte, wird jeden Tag deutlicher, dass es sich dort um einen hirntoten Mikrokosmos handelt, der außerhalb der Einöde die Einschläge nicht merkt. Insofern ist das mit Sicherheit schon längst keine Konkurrenz (mehr)

  19. Oliver Bruchholz 6. Juni 2015 um 20:41 Uhr

    Hey Grave. Sehr guter Beitrag. Ich freu mich schon auf deinen ersten Arbeitstag beim HSV.☺ LG Olli

    • Gravesen 6. Juni 2015 um 21:41 Uhr

      Eher friert die Hölle zu 🙂

      • Dr.Jimmy69 6. Juni 2015 um 22:30 Uhr

        Das sagten „The Eagles“ auch mal… 😉
        Die beiden letzten Blog waren exzellent….ups falsche Wortwahl.
        Will sagen sehr gehaltvoll und ausgewogen, dennoch hart in der Sache und
        ich frage mich immer öfter, ob trotz der Erstligazugehörigkeit dort nur
        Amateure sitzen….. Das kann und will ich eigentlich nicht glauben.

  20. Sassen 7. Juni 2015 um 13:31 Uhr

    absolut brillianter beitrag!

  21. Goldfather 7. Juni 2015 um 19:41 Uhr

    Ohne die permanent eingeforderte Leistungsbereitschaft wäre auch der FC Barcelona nicht dort wo er sich heutzutage befindet – FALSCH!!!
    .
    Beim FC Barcelona fordert niemand zur Leistungsbereitschaft auf. Schon in der Talentschmiede des FC Barcelona wird den Spielern beigebracht, dass es sich um mehr als einen Fußballclub handelt und sich somit die Frage der Leistungsbereitschaft in keinster Weise stellt.
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    Spieler, die nicht ständig bereit sind an sich zu arbeiten, schaffen es gar nicht erst in die Akademie geschweige denn in die erste Mannschaft. Kein Trainer der Welt könnte einen Xavi, Messi oder Iniesta dazu anhalten ständig Weltklasseleistungen abzurufen und sich fußballerisch sowie taktisch ohne Unterlaß weiterzuentwickeln.
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    „Weiter, immer weiter“ lautete bereits schon das Motto des Fußballphilosophen Oliver Kahn.
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    Dass man sich beim HSV um die Leistungsbereitschaft von Spielern kümmern muß, die in einem Jahr mehr Geld verdienen, als viele Fans in ihrem gesamten Erwerbsleben, könnte man skandalös nennen – ich nenne es traurig.
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    Traurig, sehr traurig ist es, wenn man mitansehen muß wie die einfachsten Dinge nicht gekonnt werden, weil man offensichtlich keine Lust hat an sich zu arbeiten. Insbesondere das Pass-Spiel über 5 – 20m sieht beim FC Barcelona oder dem FC Bayern vollkommen anders aus, als beim HSV. Angefangen bei den individuellen Bewegungsabläufen mit Ball, bis hin zu den Stellungs- und Bewegungsproblemen ohne Ball.
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    Und noch trauriger als traurig wird die ganze Sache wenn man in diesen Tagen durch Hamburg fährt und mitbekommt wie sehr die gesamte Stadt mit dem HSV mitfiebert, wie sehr selbst Leute, die in ihrem Leben noch nie gegen einen Ball getreten haben, an dem Club und seiner Erstklassigkeit hängen.
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    Angesichts der tiefen und weitreichenden Verwurzelung des HSV in der Region ist die sportliche Entwicklung der letzten 25 Jahre, als extrem bitter zu werten. Und nur aufgrund dieser Verbitterung waren die Mitglieder bereit ihre liebste Freizeitbeschäftigung in private Hände zu geben und Anteile zu veräußern.
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    Der HSV besitzt in Norddeutschland eine vergleichbare Verwurzelung und Reichweite wie sie der FC Barcelona in Katalonien besitzt. Für so manchen mag das übertrieben sein doch empfehle ich jenen die das anzweifeln die Augen und Ohren aufzumachen, wenn es um den größten Club Hamburgs geht.
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    Das Relegationsspiel gegen den KSC war für viele Hamburger wichtiger, als das WM-Finale der deutschen Mannschaft in Brasilien. Im Schanzenviertel direkt vor der Haustür des FC St.Pauli fand eine Großveranstaltung mit schätzungsweise 500 – 1000 Leuten statt, die alle gebannt auf einen großen Bildschirm starrten – und im richtigen Moment jubelten, als der HSV in Karlsruhe um seine Existenz kämpfte.
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    Es stellt sich für die Personalabteilung des HSV letztendlich die Frage nach welchen Kriterien Spieler und Mitarbeiter ausgesucht werden müssen, um eine Leistungsbereitschaft zu erzeugen wie beim FC Barcelona. Es stellt sich die Frage nach pädagogischen Inhalten, nach fußballerischen Inhalten und vielem mehr.
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    Bei aller Liebe zur Raute sollte vielleicht erst einmal trocken festgestellt werden, dass der HSV so weit vom FC Barcelona entfernt ist wie eine Hamburger Hobbytruppe vom HSV. Der HSV und das bedeutet in diesem konkreten Fall Beiersdorfer, Knäbel, Peters und Gernandt, muß bereit sein von den Besten zu lernen und das bedeutet nichts anderes als sich ein Flugticket zu besorgen und nach Barcelona abzureisen.
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    Desweiteren sollte der HSV sich eingehend mit der Primera Divison auseinandersetzen und Sprachkapazitäten im Club aufbauen um mit spanischen Verantwortlichen detailiert sprechen zu können und einen Wissenstransfer vorzunehmen der sich nicht nur auf den FC Barcelona beschränkt.
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    Die Exzellenzen sollten sich in Demut üben, was dazu führen müßte, dass eingesehen wird, dass keiner von ihnen jemals in der europäischen Spitze der Fußballwelt tätig gewesen ist. Allen gemeinsam ist ein gewisser Erfolg, aber der reichte zu keiner Zeit auch nur ansatzweise dorthin wo sich heutzutage fußballerisch und taktisch weite Teile der Primera Division befinden.
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    Kein Vorstandsmitglied und kein AR-Mitglied kann von den Spielern etwas verlangen was er selbst nicht bereit ist vorzuleben. Ohne die Leistungs- und Lernbereitschaft der Funktionäre des HSV wird es keine Mentalitätsveränderung des Kaders geben und die nächste Abstiegsschlacht wird nicht lange auf sich warten lassen.
    .
    https://www.youtube.com/watch?v=t17gh9_DW9c

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