Nachfrage? Null

Fans

Eigentlich hatte ich ja gedacht, dass mich nichts mehr erschüttern kann. Der Umstand, dass es der Hamburger Sportjournaille doch erneut regelmäßig gelingt, spricht allerdings weniger für mich, als vielmehr für diejenigen, die irgendwann einmal vergessen haben, welchen Auftrag sie eigentlich haben, welche Pflichten. Die unterschlagen, wofür sie eigentlich da sind und das ist beileibe nicht nur seichte Unterhaltung, Hofberichterstattung und Gefälligkeitsjournalismus.

Phrasen-Peter Knäbel meinte gestern irgendwas von wegen „Darwinismus“ absondern zu müssen, dass nur der Starke überleben würde. Nun, für das Segment des Hamburger Sportjournalisten gilt offenbar vielmehr, dass der Schleimigste überleben wird, derjenigen, der den „hohen Herren“ am wirkungsvollsten nach dem Mund schreibt. Der Leser wird dabei in den meisten Fällen erschüttert und mit offenem Mund zurückgelassen, aber was für eine Rolle spielt das denn? Hauptsache, man hat seinen Job mit so wenig (Zeit)-Aufwand und so wenig Stress wie möglich verrichten können. Was dabei die Wahrheit ist, was richtig ist, was so wichtig wäre, dass man es schreiben bzw. sagen muss, bleibt auf der Strecke. Der eigentliche Sinn des Berufs existiert nicht mehr.

Gestern Abend meinte ein selbsternannter Hochleistungs-Journalist folgende Erkenntnis verbreiten zu müssen:

Immerhin gilt dieser Spielertyp als schwer zu bekommen und ist entsprechend wertvoll. (Die Rede ist von Ivo Ilicevic)

Meine erste Frage war: Wenn dieser Spieler(typ) so selten und wertvoll ist, warum hat sich dann in den letzten 4 Jahren nicht ein Verein um den Kroaten bemüht? Warum will ihn jetzt selbst niemand haben (außer dem HSV natürlich), wo er doch sogar ablösefrei ist?

Tatsache ist, dass diese Aussage des Schreiberlings der pure Schwachsinn ist, aber es zeigt wieder einmal, worum es geht. Es geht darum, möglichst niemandem weh zu tun. Man möchte es sich doch bitte mit niemandem verderben, denn wie sollte man sonst auch weiterhin an die seichten Interviews und die durchgesteckten Gerüchte kommen? Alles gut und schön, aber dann soll man sich doch bitte nicht als Journalist bezeichnen.

So richtig lustig ist es aber erst dann, wenn diese Schmierlappen jedes Jahr wieder unmittelbar nach Saison-Ende die große Abrechnung ankündigen. Das gnadenlose Spielzeiten-Fazit, die schonungslose Fehler-Analyse. Wenn man als ständiger journalistischer Begleiter schon mangels Intellekt oder Integrität nicht in der Lage ist, während der laufenden Saison auf Missstände hinzuweisen, dann kommt der Hammer nach dem 34. Spieltag. Am Arsch geleckt, überhaupt nichts kommt.

Plötzlich weiß der sich selbst bei jeder Gelegenheit widersprechende Münchhausen davon zu berichten, dass er niemandem eine Erklärung schuldig ist und dass die zugesagte Bestandsaufnahme schon noch kommen wird, aber das kennen die Vrij-Geister unter den Leser ja bereits.

Und so wird es wie in jedem Jahr sein – der HSV kann gar nicht so schlecht spielen, die Führung kann gar nicht so viele Fehlentscheidungen produzieren und soviel Gelder verbrennen, dass sich auch nur einer der Herren einmal bemüssigt fühlen könnte, seinem Beruf nachzugehen. Die Berufsbezeichnung „Journalist“ haben diese Pfeifen schon längst nicht mehr verdient, denn ihren Job lassen sie jetzt andere machen. Blogger und Kolumnisten, zumindest diejenigen, die noch ein Paar Eier in der Hose haben, dürfen jetzt die Drecksarbeit machen. Sie dürfen sich von verstrahlten HSVPLUS-Fanatikern, die selbst einen Abstieg und einen Lizenz-Entzug noch schön labern würden, bepöbeln und bedrohen lassen, das Volk dürstet nun mal nach guten Nachrichten.

Mit einer Berichterstattung, die die Tatsachen benennt, mit kritischer Begleitung, die diese Bezeichnung auch verdient, ja mit Journalismus hat das alles schon längst nichts mehr zu tun. Ich würde mich in Grund und Boden schämen, wenn ich meinen Beruf derart mit Füßen treten würde.

Aber vielleicht tue ich den allen auch Unrecht und sie können es einfach nicht besser.

Und als hätte ich es geplant, lese ich gerade dieses unfassbare, sogenannte Interview mit dem großen Unsichtbaren Joachim Hilke, dem „Master of Selbstoptimierung“. Sorry, aber wenn ich diese gequirrlte Phrasen-Scheiße lese, kommt mir das Müsli hoch.

http://www.abendblatt.de/sport/fussball/hsv/article205374529/HSV-Vorstand-stellt-Stadionuhr-und-Maskottchen-infrage.html

Von | 2015-06-10T10:35:06+02:00 10. Juni 2015|Allgemein|24 Kommentare

24 Comments

  1. Gravesen 10. Juni 2015 um 07:45 Uhr

    Extrem geil übrigens, dass der Vorstand Marketing, der selbst seit 4 Jahren nichts auf die Reihe bringt, den Leuten, die die Arbeit des HSV kritisch betrachten und die dem Verein nicht das Beste wünschen, einfach mal so als „anonyme Pöbler“ abkanzelt. Diese Überheblichkeit muss man erstmal können.

    • Jörg 10. Juni 2015 um 08:56 Uhr

      Nur das unter den „anonymen Pöblern“ auch eine Vielzahl von treuen Stadionbesuchern und Mitgliedern sind, die sich so langsam fragen, ob und wann sich beim HSV irgendwann mal was zum besseren wendet.
      .
      Aber halt…, in dem Interview liest man doch wie sich vieles zum Guten wendet, wie sich in Organisation und Abläufen vieles verbessert hat, der HSV ein professionelles Unternehmen mit klaren Zuständigkeiten im Vorstand und guten Entscheidungsprozessen ist. Sogar das Sponsoring hat sich substantiell verbessert (davon hatte ich noch gar nichts mitbekommen, wird aber sicher auf der MV im Detail ausgeführt).
      Na ja, sportlich läuft es noch nicht so richtig rund, aber insgesamt befindet sich alles auf einem guten Weg.
      Wer’s glaubt wird seelig.

  2. Christian Röhl 10. Juni 2015 um 07:48 Uhr

    Moin Grave

    Ich bedanke mich für diese wahren Worte,und ich hoffe das Du damit einigen ihre verklebten Augen öffnen wirst.
    Es ist schön, das du weiter am Ball bleibst und der Blog keine Pause macht.
    Nicht falsch verstehen ich bin 46 Jahre alt und seit 35 Jahren glühender HSV Fan.
    Ich habe an dem Tag als Bernd Hoffmann seinen Posten räumen mußte meine Mitgliedschaft gekündigt.
    Mein Befürchtungen um meinen Verein wurden leider weit übertroffen.
    Deshalb werden ich immer HSV Fan bleiben, ich möchte aber nicht jedes Wochenende leiden müssen weil
    unfähige Leute meinen HSV KAPUTT machen.

    Christian Röhl

  3. Peter 10. Juni 2015 um 08:35 Uhr

    Unser Freund Hilke symbolisiert den Niedergang des HSV’s. Interessant das einem Lowperformer mal wieder eine Plattform geboten wird. Beim HSV hat das Peter Prinzip Einzug erhalten!

    • Gravesen 10. Juni 2015 um 08:42 Uhr

      Aber niedlich platziert, diese Volksverdummung in Reinkultur. Direkt vor der Jahres-Hauptversammlung erklärt uns MarketingHilki die Welt, in der ja nur anonyme Pöbler den Erfolg des Vereins stören. Ich sehe schon jetzt wieder die Strahlungsopfer, die aufjubeln, weil doch eigentlich alles super-cool ist. Nur Geduld.

  4. Frank Bockelmann 10. Juni 2015 um 09:08 Uhr

    Zitat Hilke:
    Wir tun gut daran, zunächst mal gut zu arbeiten. Hier werden wir umdenken.
    Zitat Ende!
    Nun warten wir mal auf noch schlechtere Arbeit.

    Wie kann man sich so oberflächlich,naiv äußern!!!

    • Jörg 10. Juni 2015 um 09:22 Uhr

      Zitat Karl Gernandt, 20. Mai 2014:
      „Nicht gut gewollt, sondern exzellent gemacht.“ 😉
      Das Internet vergisst nie.

  5. Thomas Vernunft 10. Juni 2015 um 10:41 Uhr

    Wenn die MoPo schon den Titel „Fischeinwickelpapier“ trägt, ist das Abendblatt das „Wellensittichkäfig-Unterlegepapier“. Solche schlechte und vor allem vorab eingereichte Fragen derart aufgewärmt abzudrucken ist an sich schon eine Verarschung der Leser. Keinerlei kritische Fragen bzw. Hinterfragen auch der Person Hilke unter dem Motto persönliches Fazit / Konsequenzen. Aber was will am verlangen ? Merke: Trete niemanden vom Vorstand in den Arsch – man könnte die Köpfe der Journalisten treffen.
    Ich gehe jetzt meinen Vogelkäfig saubermachen…

    • Gravesen 10. Juni 2015 um 10:45 Uhr

      Man muss sich einmal dieser Perversion vor Augen halten. Der Mann sitzt jetzt seit 4 Jahren im Vorstand, hat Millionen an Gehalt kassiert und jetzt fällt ihm auf, dass man doch eigentlich nur Geld ausgeben sollte, welches man auch einnimmt. Schlimm nur, dass der „gemeine“ Fan unmittelbar vor der Mitgliederversammlung auf diesen Scheiß reinfallen wird und noch schlimmer, dass Herr Laux offenbar seine Eier verkauft hat

      • Thomas Vernunft 10. Juni 2015 um 11:27 Uhr

        Du hast so was von recht, Grave. Ich möchte gern noch etwas zum gestrigen Blog anmerken: Der Wasserkopf auf der Geschäftsstelle ist schon gewaltig – nur möchte ich einmal den Großteil meiner Ex-Kolleginnen und Kollegen aus der Kritik nehmen, die mehrheitlich (zumindestens als ich dort gearbeitet habe) sehr gute und vor allem billige Sprich Praktikums-Arbeit geleistet haben. Die Häuptlinge verdienen sehr viel Geld – und lassen die Arbeit Praktikanten und Studenten machen. Jedenfalls war es 2013 so. Trotzdem braucht der HSV eine Verschlankungskur, ohne Frage.

      • Thomas S. 10. Juni 2015 um 20:31 Uhr

        Dabei konnte Herr Laux das mal besser, siehe z.B. hier:

        http://www.abendblatt.de/sport/article106930584/HSV-Verwaltung-kostet-6-3-Millionen-Euro.html?service=mobile

        Tja, lang, lang ist’s her – dabei gäbe es heute mindestens 3mal so viel Anlass, den Verantwortlichen Zahlen und andere Fakten um die Ohren zu hauen.

    • atari 10. Juni 2015 um 11:53 Uhr

      … man beachte noch, dass ein Abo des Hamburger Abendblattes € 35,00 im Monat kostet. Ein ziemlich hoher Preis um sich mit alten Kamellen zu versorgen. Für € 35,00 / Monat bekommt man vergleichsweise einen kompletten HighSpeed Internet Zugang! Das Abendblatt ist so unnötig wie seine Rentner, die versuchen, über Fußball zu berichten, denn man bekommt in jeder Kneipe am Tresen treffendere Analysen als vom Matz!

  6. Oberberger 10. Juni 2015 um 10:48 Uhr

    Ich durfte selbst einem Geschäftsführer bei der Arbeit zusehen, der es schaffte ein glänzend aufgestelltes Unternehmen innerhalb von 3 Jahren fast komplett gegen die Wand zu fahren.
    Auf kritische Nachfragen, dass die Kunden unzufrieden sind, die Stimmung beschissen und die Umsätze rückläufig, erklärte er auf völlig entspannte Art und Weise, dass das nur eine Phase sei. Die entsprechenden Prozesse seien eingeleitet, die Leute an die richtigen Stellen versetzt und die Aufgaben klar definiert.
    Dabei bediente er sich großzügig des denglischen Abkürzungs- und Marketingvokablulars bis keiner mehr durchblickte was er eigentlich sagen will. Kurzum: Der Mann war ein unfähiger Blender, dem die Konzernleitung damals gerade noch rechtzeitig in die Hand fiel und das Unternehmen von ihm erlöste.
    Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung sehe ich die Aussagen des „Großen Unsichtbaren“ mit Grauen. Nur fürchte ich, dass sich niemand findet der ihm rechtzeitig das Ende seines Engagements verkündet.

    • Gravesen 10. Juni 2015 um 10:51 Uhr

      Yepp, solche Typen kenne ich auch. Andreas Schilling vom Burda Community Network ist so einen Pfeife.

    • Goldfather 10. Juni 2015 um 13:41 Uhr

      Mich erinnert Herr Hilke spontan an den Mann der Karstadt-Quelle versenkte und dafür sorgte, dass Madeleine Schickedanz aka Frau Quelle, laut eigener Aussage, seit der tragischen Begebenheit des Vorstandsvorsitzes jenes Herren beim Discounter kaufen lässt, da sich ihre persönlichen Vermögensverhältnisse ein wenig verschoben haben.
      .
      Thomas Middelhoff wurde im November 2014 zu drei Jahren Haft wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt. Dass Middelhoff nur für sehr kurze Zeit im Vollzug bleiben würde war klar, so dass er sich nach gestellter Kaution in Höhe von 895.000 Euro wieder auf freiem Fuß befindet.
      .
      Ich kann Herrn Hilke nur davon abraten weite Teile der HSV-Fanlandschaft als anonyme Pöbler zu bezeichnen, da es auch in Hamburg fähige Ermittler und Finanzbeamte gibt, bei denen ein HSV-Vorstand, der die schlimmste Phase des Clubs seit dem zweiten Weltkrieg mitzuverantworten hat, auf reges Interesse stoßen könnte.
      .
      https://www.youtube.com/watch?v=rs16zsq2-pE
      .
      Karstadt-Quelle war der Dinosaurier unter den deutschen Handelskonzernen und hätte ebenso wie der HSV auf jedem seiner Warenhäuser eine Uhr installieren können, die anzeigt seit wann das Unternehmen bereits erfolgreich am Markt ist.
      .
      Ähnlich wie der HSV verschlief Karstadt-Quelle neue Entwicklungen von denen der Konzern letztendlich überrollt wurde, obwohl man beste Voraussetzungen besaß einem Neuling wie Amazon nicht nur national stand zu halten sondern auch international.
      .
      Jeder der glaubt, dass der HSV als Proficlub ewig existieren wird, sollte sich die Geschichte des Karstadt-Quelle-Konzerns anschauen.
      .
      Zitat:

      Zum Abschied wollte Middelhoff neben seinem Grundgehalt von 1,2 Millionen Euro noch 2,2 Millionen Euro, als „Bonus, Tantieme und Sondervergütung“ deklariert, mitnehmen – und das, obwohl der Konzern 2008 einen Verlust von 746 Millionen Euro verzeichnet hatte.

      Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Middelhoff
      .
      Schaut man sich die aktuellen Gehälter der HSV-Vorstände an so fällt zunächst auf, dass selbst Middelhoff, der für seinen privaten Lebensstil regelmäßig Erwähnungen in der Boulevardpresse findet, im Jahre 2009 „nur“ 1,2 Millionen € bekam für das Management eines Konzerns mit einem Umsatz von ca 20 Milliarden € sowie 70.000 Mitarbeitern.
      .
      Der HSV liegt beim Umsatz lediglich bei 120 Millionen € während die Vorstände sich bei ihren Gehältern auf dem Niveau von DAX gelisteten Konzernen mit tausenden von Angestellten befinden. Das Argument von Profifußballern, welches besagt, dass sie nach ihrer aktiven Karriere nie wieder Geld verdienen werden, sollte auf die Vorstände eines Bundesligaclubs eigentlich nicht zutreffen.
      .
      Angesichts der wirtschaftlichen und sportlichen Notlage des HSV erschließt sich das Gehaltsniveau des HSV-Vorstandes in keinster Weise. Über 250 Angestellte plus Zirkusabteilung (Abteilung Lizenspieler) würde Middelhoff nicht mal grinsen, geschweige den jeden Morgen in den Heli steigen, um auf dem Stadiondach zu landen und direkt in den Sessel zu plumpsen.
      .

  7. Micha 10. Juni 2015 um 13:17 Uhr

    Ich versuche gerade erfolglos, das Hilke Interview in einem Rutsch zu lesen. Blankes Entsetzen wechselwirkend mit Lachkrämpfen verhindern dies zur Zeit (noch). Die verquere Selbstwahrnehmung solcher Blender, und ich befürchte diese ist usus bei unseren „Führungskräften sprich Direktoren“, wurde hier ja schon treffend kommentiert.
    Müsste ich alle (traurigen) Perlen Hilkes zitieren, würde dies ein sehr langer Beitrag. Und ich habe nur die erste Hälfte gelesen.
    Aber vielleicht lasse ich noch dazu hinreissen, da gibt´s zu viele Steilvorlagen 😉
    Zum Blog: Unabhängiger Journalismus im Sinne des eigentlichen Auftrages ist wohl in Festanstellung großer Verlage seit Jahrzehnten unmöglich. In fast jedem Verlag dürfte es redaktionelle Leitlinien durch den Herausgeber geben. Dann kommen Beschränkungen durch Chefredakteure, welche ganz dick mit den lokalen potenziellen News-Quellen verbandelt sind. Man kennt sich und pisst nicht gegenseitig ans Bein. Verläßt jemand diesen geschützten Bereich, darf man hinterher schießen und sich ganz investigativ vom Mob feiern lassen.
    Richtig guter Journalismus ist wohl leider nur von finanziell unabhängigen Journalisten lieferbar, wie hier. Oder von tatsächlich Interessen unabhängigen Plattformen (Daniel Jovanov).
    Beide eint eine Profession, eine Berufsauffassung die ich auch für mich immer vertreten habe: Die Wahrheit. So unbequem sie auch sein mag, egal wo man da aneckt oder sich die Karriere bei vorgesetzten Schleimern versaut.
    Sorry für den dann doch längeren Post, jetzt lese ich noch mal den Hilke zuende;)
    Ach, und Knäbel spionierte wo? Gebt dem bitte Ollies Tankkarte und stellt ihn kalt, bevor er noch mehr Schaden anrichtet.
    Grüße, Micha

  8. Micha 10. Juni 2015 um 15:16 Uhr

    „Klar ist aber auch, dass Abstiegskampf permanentes Krisenmanagement bedeutet, Sachen unbearbeitet liegen bleiben.“

    Das ist bei dieser personeller Notbesetzung natürlich absolut verständlich. Graves Blog erläutert diesen Personalmangel ausführlich.

    „Woran ich aber fest glaube, ist, dass wir nicht nur die richtigen Leute gefunden, sondern auch die richtigen Prozesse etabliert haben. Zu schnelle oder große Schritte darf niemand erwarten. Dietmar Beiersdorfer hat ja bereits festgestellt, dass wir ein Stück Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben.“

    Oh, große Erkenntnisse innerhalb der Demütigen, die sich als erste Maßnahme ihrer Demut zu Direktoren befördern liessen.
    Und überhaupt: ein Stück weit?

    „Wir suchen ja keinen Finanzinvestor mit einer Rendite-Erwartung, sondern streben eine Partnerschaft an, aus der beide Seiten ihren Nutzen ziehen können. Unsere Geschichte ist auf sehr positive Resonanz gestoßen. Aber gerade für große Unternehmen ist es wahnsinnig schwer, eine Entscheidung für den HSV zu treffen, die in erster Linie von einem möglichen kommunikativen Ertrag getrieben ist, wenn der sportliche Erfolg aktuell fehlt.“

    Ja ne, im Zentralkommitee des HSV suchen wir keine Partnerschaften, die auf eigenen Gewinn abzielen. Nur die, die uns die Kohle bringen und nichts erwarten, außer eine positive kommunikative Synergie, dazu kann ich gleich auf das nächste Zitat verweisen:

    „Der Club erfährt eine gewaltige regionale Liebe und steht dabei unter dem Brennglas einer nationalen Öffentlichkeit. Diese Emotionen können Unternehmen mit keiner Kampagne hervorrufen.“

    Soll man diese Aussage noch kommentieren, insbesondere den letzten Satz?
    Hier wird eine Minusleistung medial invertiert und das Versagen auf allen ebenen einer geplanten Kampagne gleichgesetzt, für das sich kein Unternehmen jemals hergeben würde. Die Frechheit dieser Aussage ist bezeichnend.

    „Ich würde an dieser Stelle aber auch mal wegkommen von der Aussage: Wir brauchen ständig frisches Geld. Mit dem, was der HSV aus eigener Kraft erwirtschaftet, liegen wir im ersten Drittel der Liga. Wir sollten uns darauf besinnen, das System eigenfinanziert erfolgreich zu machen, den Organismus quasi von innen heraus gesunden.“

    Leider, oder auch absehbar, wird hier natürlich nicht nachgehakt.
    „Den Organismus von innen heraus zu gesunden“, sind schwammige Sprüche die vom eigenen Fehlverhalten ablenken sollen.
    Kritische Nachfragen? Null.

    „Wir schieben so viele Sachen an, die aber häufig von den Symbolen der Vergangenheit überlagert werden. Umgekehrt ist aber auch klar, dass wir nicht besser Fußball spielen, wenn wir die Stadionuhr abschrauben.“

    Was wird da konkret angeschoben?

    „Außerdem überlegen wir, das Profil des Dinos in seiner Maskottchenrolle zu schärfen.
    ….Aber gleichzeitig müssen wir auch dokumentieren, dass wir eine zukunftsgerichtete Politik betreiben wie mit dem Campus-Projekt.“

    HAHA

    „Vergessen wird oft, dass die Geschlossenheit im Club gewachsen und die Außendarstellung besser geworden ist. Der HSV ist nicht mehr der Verein, der negative Schlagzeilen außerhalb des Sports am Fließband produziert.“

    Herr Hilke, unter Ihrer Ägide gewann der HSV die Champions Leage 2015. Gibt es noch erreichbare Ziele?

    „Ihr Fazit als Marketing-Vorstand?“
    Hilke: Wir haben mehr Eintrittskarten verkauft, das Sponsoring substanziell verbessert und liegen in allen Bereichen, ob im Merchandising oder dem Museum, weit über Plan. Im Hospitality- Bereich steigt die Nachfrage immer dann gewaltig, wenn es sportlich besser läuft.

    „Faktisch haben wir die Preise in der Breite nicht erhöht. Insgesamt haben wir leider einen großen Anteil an Personen, die Dauerkarten kaufen, dann aber selten die Spiele besuchen. Das gilt besonders für stark ermäßigte Kategorien, unter anderem in der Nordtribüne, aber auch im Schwerbehindertenbereich mit zum Teil nur wenigen Zutritten im ganzen Jahr. Auch mit den Kinderkarten im Familienblock wurde viel Missbrauch getrieben.“

    Richtig so. Immerhin wird man so politisch korrekt. Die Spastis aus Supportern und den Chosen Few werden preislich immer hin nach den wirklich Benachteiligten eingepreist.Heisst natürlich, echte Behinderte zahlen mehr als freiwillig behinderte Vollhonks, die vorsätzlich mit Bengalos Menschenleben gefährden.

    Ab and go HSV, ich habe keine Hoffnung!

    • legatfan 10. Juni 2015 um 15:22 Uhr

      Das Hilke-Interview ist der Kracher. Es liest sich, als ob er sich selbst die Fragen stellen durfte. Es ist natürlich alles im Lot: „sehr viele Arbeitsabläufe sind jetzt besser“, „wir liegen in allen (Marketing-) Bereichen über Plan“ und „die Außendarstellung ist besser geworden“. Allein diese Aussagen bieten eine volle Breitseite für kritische Nachfragen. Das einzig „Kritische“ ist die Frage nach der bisher nahezu vergeblichen Investorensuche.
      Erschreckend ist auch die Meinung, daß 23 Punkte nach 20 Spielen nicht brutal schlecht sein sollen und als Vergleich die Katastrophensaison mit 27 Punkten am Saisonende herhalten muß. Was kommt im Winter auf uns zu? Stellt sich Hilke dann nach 12 erzielten Treffern hin und sagt, daß wir auf einem guten Weg seien, weil wir drei Tore mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres geschossen haben?
      Wir sind immer noch nicht am Tiefpunkt angekommen…

  9. Freundchen 10. Juni 2015 um 16:35 Uhr

    Danke für die klaren Worte, die sehr wohltuend für meine geschundene „HSV-Seele“ (gibt es die überhaupt?) sind. Danke auch für den Link zum (kostenpflichtigen) HA-Interview, womit wir wieder bei einem anderen Thema wären: da mir mein Müsli zu schade zum Ausspucken ist, lese ich den Mist erst gar nicht….Deine Berichte würde ich dagegen ohne weiteres auch gegen Bezahlung anklicken. Weiter so!

  10. rm2099 10. Juni 2015 um 18:07 Uhr

    Nur der Vollständigkeit halber: Wer hat nochmal für Ilicevic 4 Millionen hingeblättert und einen Vierjahresvertrag mit fast zwei Millionen Gehalt gegeben? Gehörte zu deiner schonungslosen Berichterstattung nicht auch mal die Feststellung, dass auch Mr. Arnesen ein paar gewaltige Flop-Transfers auf dem Kerbholz hat?

    • Gravesen 10. Juni 2015 um 18:10 Uhr

      Hat jemand etwas anderes behauptet, als das der Transfer von Arnesen kam? Zu dem Zeitpunkt war halb Europa hinter dem Seuchenvogel her, bei Bayern sollte er Backup für Ribery werden und in Hamburg hat jeder gejubelt. Also hör auf, dummes Zeug zu verbreiten

  11. Ligature 10. Juni 2015 um 18:21 Uhr

    Alles lesenswert. Danke. Ich denke, die Kritikpunkte am Management und an der Aufblähung der Verwaltung sind mehr als berechtigt. Das Interview von Herrn Hilke und die ausgezeichnete Kommentierung von „Micha“ sind entlarvend.

    Ps. Gern würde ich auch wieder etwas zu der Mannschaft lesen; denn deren wichtigste Spieler – Lasogga und Holtby vor allem – wissen zwar zu jubeln und zu feiern, laufen aber vorher planlos und eigensinnig über den Platz. Eine ganze Saison lang (von Verletzungspausen abgesehen). Diese Spieler werden zu stark gegen systematische Kritk an ihrer Einstellung, ihrem Training und ihrer Selbstdarstellung geschützt. Das muss sich ändern !

  12. Grisu 10. Juni 2015 um 18:36 Uhr

    Wie gut das man einer Meinung ist im Vorstand und mit einer Stimme spricht. Das Rumgeiere geht fröhlich weiter…

    http://www.hsv.de/verein/meldungen/verein/2015/juni/dietmar-beiersdorfer-die-uhr-und-der-dino-bleiben-erhalten/

    Bei der Stelle mit den zahlreichen Anrufen besorgter Eltern musste ich laut los lachen.

    • Oberberger 11. Juni 2015 um 00:49 Uhr

      Meine Güte…….jetzt kann man den Dino nicht beerdigen, weil besorgte Eltern anrufen.
      Kann Sokrates-Pepsi eventuell in seiner Entwicklung gehemmt oder gar traumatisiert werden, wenn das Maskottchen ausgewechselt wird ?
      Wo ist die Frauenquote ?
      Ist der Anteil afro-amerikanischer Besucher hoch genug ?
      .
      Und wenn Im Stadion-WC Klopapier fehlt kann auch keiner kommen.
      Alles Entscheidungen, um die ich die ehrenamtlich und unermüdlich ackernden Vorstände, Direktoren, Leiter und Assistenten nicht beneide.
      Es ist wirklich ein Sch….Job, aber einer muss ihn ja machen 🙂

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