Geduld haben, um Geduld zu haben…

Geduld ist eine Tugend, sagt man. Unglücklicherweise bin ich mit dieser Tugend nicht eben gesegnet und das geht in meinem Fall weit über den Bereich Fußball hinaus. Beim HSV aber kann man die Kunst der Geduld getrost als sowas wie „Didi’d letzte Patrone“ bezeichnen, denn der Rest des Pulvers ist nach einem Jahr komplett verschossen. Was bei nahezu jeder anderen Führungscrew „vor Didi“ zur unmittelbaren Kreuzigung geführt hätte, wird Hoffnungsfigur Beiersdorfer von vielen Anhängern bisher noch verziehen, bisher. Wobei man auch hier erkennen kann – das Eis wird dünn und brüchig. Der Auftritt und besonders das uneinsichtige und teils trotzige Verhalten des allein gelassenen Didi haben ihn weitere Sympathiepunkte gekostet und so langsam müsste mal geliefert werden, nur – wie denn eigentlich?

Die bisherige Spanne zwischen den Spielzeiten hat gezeigt, dass der HSV auf dem Transfermarkt mehr als nur eingeschränkt handlungsfähig ist, während viele Verein ihre Hausaufgaben gemacht haben, geht den Hamburgern ein Kandidat nach dem nächsten von der Fahne. Von dieser Seite auf einen Befreiungsschlag zu warten, wäre demnach fatal. Und sonst so? Was könnte das weidwunde Publikum zu einer weiteren Geduldsrunde ermutigen? Mir fällt nicht viel ein. Campus-Patrone Alexander Otto wurde auf der vorletzten Mitgliederversammlung verballert und der nächste Investor, der für ein weiteres Prozentchen HSV-Anteile 2 Milliönchen aus seiner Privatschatulle beisteuert, zieht in Hamburg keine Wurst mehr vom Teller, dafür waren die Erwartungen an den Heiler Beiersdorfer zu groß.

Denn ist es nicht eigentlich so, dass man in der Anhängerschaft des HSV wirklich nur noch mit der Person Beiersdorfer Geduld hat, während der Rest seiner Crew längst verbrannt ist? Peter Knäbel hat sich nicht nur durch seine unglückliche Trainertätigkeit, sondern vor allem durch seine unsäglichen Aussagen unmöglich gemacht und die Mär, dass man die Arbeit von Hockey-Guru Peters erst in den nächsten 20 Jahren wird beurteilen können, glaubt in Hamhurg auch kaum noch einer. Warum aber eigentlich weiterhin Geduld mit einem Didi, der bisher im Grunde absolut nichts richtig gemacht hat?

Nun, ich denke, das mit der Geduld war und ist in Hamburg so eine Sache und ich habe das Gefühl, dass man in der Hansestadt Geduld mit Didi haben möchte, um zu demonstrieren, dass man sehr wohl in der Lage ist, Geduld haben zu können. Zu oft machte sich der ungekrönte Rekordmeister in Sachen Trainerwechsel zum Gespött der Republik, aber jetzt wollen es besonders die Anhänger des HSV den Spöttern einmal so richtig zeigen.

Wenn wir schon nicht besser kicken können als ihr, können wir wenigstens mindestens so viel Geduld haben wie ihr.

Mit anderen Worten: Geduld aufbringen, um zu zeigen, dass man Geduld aufbringen kann und nicht, weil es richtig ist.

Ich bringe mal ein Beispiel: Wenn mir jemand sagt, er möchte gern 15 kg abnehmen, dann würde ich ihm erklären, dass sowas nicht von heute auf morgen geht, dass sowas dauert, dass man dafür einiges wird tun müssen. Man braucht Geduld. Wenn ich dann aber erkenne, dass sich diese Person jeden Abend einen Zentner Kartoffelchips in die Figur massiert, werde ich irgendwann die Geduld mit ihm verlieren. Ich sehe, dass er vielleicht die Idee, aber nicht die Fähigkeit hat, sein Ziel umzusetzen und in dem Fall bringt einem die schönste Geduld nicht mehr weiter.

Vielleicht doch noch ein kurzes Wort zu den Finanzen und den Transfers. Im Moment kann wirklich der Blindeste erkennen, dass dem HSV bzgl. Spielertransfers die Hände gebunden sind, selbst ca. € 2 Mio. für Süleyman Koc kann der Verein nicht stemmen. Betrachte man dann die Transferaufwendungen vor der letzten Saison (ca. € 35 Mio.) mit Käufen wie Lasogga (€ 8,5 Mio.), Müller (€ 4,5 Mio.), Behrami (€ 3,5 Mio.) etc. wird man erkennen, dass die fetten Jahren vorbei sind. Soviel Kohle, wie Didi sie vor der Saison 2014/15 verpulvern durfte, bekommt er in Hamburg nie wieder in die Finger, selbst dann nicht, wenn man einen Jonathan Tah nach Gladbach oder Leverkusen verschleudern sollte, was schon wieder Beiersdorfers nächste Zwickmühle aufzeigt. Verkauft er Tah, hat er neues Spielgeld, aber was er mit dem letzten Spielgeld gemacht hat, erkannte man am 34. Spieltag der letzten Saison. Sollte er den letzten echten Hoffnungsträger des Bundesliga-Dinos aber tatsächlich veräußern, würden wohl auch die letzten durchdrehen, die bereits durch die Personalie Beister leicht angesäuert erscheinen.

Ein Affront, der Konsequenzen haben muss

Wie auch immer  Didi steckt bis zum Hals im Schlamassel und dass er er sich in dieser Situation nicht auf seine Mitstreiter verlassen kann, wurde am letzten Sonntag überdeutlich. Während Beiersdorfer nach einer desaströsen Saison irgendwie tapfer vom Blatt ablas und die Schläge kassierte, verschwand der eine Teil der Kollegen unter der gewohnten Tarnkappe (Hilke, Wettstein, Knäbel, Peters), der andere Teil war gar nicht erst erschienen (Gernandt, Goethard etc.). Kurzum, von der künstlich heraufbeschworenen „HSV-Familie“ war nichts als heiße Luft übrig geblieben.In einer Familie hält man zusammen, man steht beieinander und ünterstützt sich vorbehaltlos, besonders in schweren Zeiten. Wer aber die Familie in der Krise allein lässt, macht sich schuldig, nein, er macht sich unmöglich. Karl Gernandt hatte alle Möglichkeiten, die Situation zu entschärfen. Er hätte beispielsweise eine Grußbotschaft per Video an die anwesenden Mitglieder senden können, in der er sich dafür entschuldigt, dass er nicht persönlich anwesend sein kann. Allein der Umstand, dass Aufsichtsratsboss Gernandt und auch sein Stellvertreter Felix Goedhart  es nicht für nötig hielten, etwas in dieser Richtung in Erwägung zu ziehen, schlägt dem Fass den moralischen Boden aus und macht einen Verbleib Gernandts im Aufsichtsrat unmöglich. Gernandt muss gehen und zwar sofort. Wer allerdings der Meinung ist, mit Gernandts Abgang wäre auch ein Ausstieg Kühnes verbunden, der sollte darüber nachdenken, dass Vereine wie Gladbach, Augsburg oder Bremen auch ohne Milliardär im Hintergrund die Klasse halten können. Und mehr.

Von | 2015-06-16T07:53:11+02:00 16. Juni 2015|Allgemein|18 Kommentare

18 Comments

  1. Sven 16. Juni 2015 um 09:03 Uhr

    Didi ist der falsche Mann für diesen Posten, kann aber nur vom Aufsichtsrat gefeuert werden. Didi ist aber immer noch unangefochten im Amt und der Aufsichtsrat lässt sich nicht einmal blicken. Warum? Wenn man mal spekulieren darf: Der Aufsichtsrat müsste dann jemanden präsentieren und wird niemanden finden, der präsentabel ist UND mit dem bestehenden Führungspersonal weiterwurschteln mag, schon gar nicht diesem sich unter- oder einordnend. Ergo ergibt sich für mich folgendes Bild: Vorstand und Aufsichtsrat stützen einander. Wenn einer fällt, brechen die restlichen Bezügebezieher auch weg. Und so stellt man sich gar nicht erst einer Diskussion und schafft damit auch keine Entscheidungssituation.

    • Sven 16. Juni 2015 um 09:12 Uhr

      Nachtrag. Wirkliche Änderungen über Kosmetik hinaus erwarte ich nur von 2 Seiten: Sponsoren oder iwann Insolvenzverwalter. Von innen heraus kann da imho nichts kommen. Insofern kann man nur hoffen, dass die Sponsoren vernehmlich einschreiten, bevor das nächste Bauernopfer Labbadia heisst.

  2. Thomas Vernunft 16. Juni 2015 um 09:53 Uhr

    Meine persönliche Konsequenz: Keine neue Dauerkarte (erstmals seit nach fast 30 Jahren !!!) – generell kein Stadionbesuch – die gute alte NDR2-Fussballkonferenz wird mir genügen. That´s it !

  3. Ideendiebstahl 16. Juni 2015 um 10:16 Uhr

    @Thomas Vernunft Man kann nur hoffen, dass mehr Leute genau diesem Bespiel folgen. Zu empfehlen auch die sport1.fm Internetradio Fußballkonferenz bzw. Einzelspiele. Diesem HSV würde ich momentan keinen Cent geben wollen.
    @Gravesen Wie kann Gernandt von seiner Position entfernt werden? Nur durch Rücktritt? Oder was kann man da machen? Weg muss er, egal wie!

  4. Hans 16. Juni 2015 um 11:16 Uhr

    Guter Beitrag. Danke.
    Sagte DüDü nicht, dass Kühne keinen Einfluss auf die Trainerentscheidung Tuchel gehabt hat?

    HA: Die laut Rieckhoff „zu große Abhängigkeit zum Investor“ wurde für Rieckhoff auch deutlich, als Trainer-Wunschkandidat Thomas Tuchel bei Kühne vorstellig wurde. Wie das Abendblatt erfuhr, wurde Tuchel eine Privatmaschine von Frankfurt nach Palma de Mallorca zur Verfügung gestellt. Kostenpunkt: rund 20.000 Euro. Als kritisch erachtet Rieckhoff auch den Umstand, dass der Versicherungsmakler Nacora aus Kühnes Konzern die Policen des Clubs überprüft.

    • Gravesen 16. Juni 2015 um 11:26 Uhr

      Vielleicht wollte Kühne ja auch nur ein Autogramm von Tuchel. Oder er wollte ihn nach seiner neuen Wunder-Diät befragen. Weiß man’s?

  5. Micha 16. Juni 2015 um 12:11 Uhr

    Hallo Grave,
    Als ich Deinen Ticker von der MV las dachte ich zuerst an eine typische Lachs-Verarsche.
    Daß hier mal wieder die Realität die reine vorhergesagte Satire, ausgedrückt als Kritik, alt aussehen lässt… Ja, das ließ mich sprachlos zurück.
    Den Kommentatoren gebührt auch Dank. Sven hat das gut beschrieben.
    Gernandt zu vertreiben, ist doch das geringste Problem. Viel schlimmer sind blutleere, inkompotente „marketing-sprech“ Typen wie Knäbel oder Peters, die von menschlicher Führung/Kenntnis, geschweige von Sachkompetenz nicht einen Hauch qualifiziert sind.Die sind jetzt in der Vorbereitung aus logistischen Gründen unantastbar.
    Ich warte hier auf den Insolvenzberater. Herr Wettstein fragte ja nach der Definition des Wettbewerbs.Der soll den Verein sanieren, nichts passiert. Dass muss man sich auf den Gehörgängen zergehen lassen.
    Direkter Abstieg nächste Saison, Direktor Relegation versagt, auch wenn man den Posten noch schafft.
    Der Verein geht ab und wird kontrolliert ausgenommen.

    Hab ich was vergessen? Ach ja, den Blog aus Schmocks Einöde:
    Außerst hinterlistig verfasst (muss man zugeben), sich im Dickdarm der Offiziellen zu verlaufen, schafft nur die Einöde.
    Da wird gefaselt, zitiert und sich positiv positioniert. Durch Dritte wird dann Kritik verkündet.
    Das Beste: die Bazillen fühlen sich angesprochen als Experten, die de m HSV schaden wollten.

    Grave, nimm mal diesen Schleim-Blog auseinander. Es ist unertrtäglich.

    • Gravesen 16. Juni 2015 um 16:44 Uhr

      Der Lachs verarscht nicht, er verbreitet Schrecken 🙂

  6. Joschmann 16. Juni 2015 um 12:53 Uhr

    Dass der Aufsichtsrat während der Saison nicht präsent ist, ist ein gutes Zeichen. Dass er jetzt nicht präsent ist, leider nicht.

    Unter Didis Ära als Sportdirektor war eine Zeit ohne jegliche Info über Neuverpflichtungen oder anderer Mini-Meldungen meist ein gutes Zeichen. Kurz darauf platzte die Bombe. Ich wäre froh, wenn diesmal keine Bombe (also kein großer Name, viel Geld gepaart mit wenig Leistung) plätzen würde.
    Wir brauche junge karrieregeile Spieler, die sich in keine Komfortzone, allein aus ihrem Karrieregedanken, begeben werden. Wir brauchen Jungs mit persönlichen Zielen. Jeder ist sich selbst am nächsten, das ist nun mal der beste Antrieb zu guten Leistungen. Ein Selke ist zwar im Land nun verpöhnt, aber immerhin hat er Ziele. Und wenn dass ein 8-stelliger Kontostand ist.
    Vielleicht noch Jungs die den Sprung zur Euro 2016 für Ihr Land schaffen können. Den zuletzt kursierenden jungen U21-Ösi Gregoritzsch fände ich da z.B. passend.
    Genauso wchtig ist es einen Gouidah, Demirbay oder Tah zu halten. Man muss halt eine gute Mischung aus Jung und Alt finden, stets einen erfahrenen Spieler einem jungen Wilden zur Seite, so funktionieren die erfolgreichsten Teams. Spziell die kleinen „Teams“ auf dem Platz. Sprich Sturmduos die sich ergänzen, MIttelfeldzentralen die sich ergänzen, Innenverteidiger die sich ergänzen.
    Doch wen haben die Jungs bei uns zur Seite? Demirbay könnte mit dem abgezockten Diaz spielen. Tah mit… ja keine Ahnung. Aber sicherlich nicht mit HW4, Rajokovic. Ggf. mit Djourou, sollte der mal endlich eine gute Form halten. Wenn ich allerdings an die beiden zusammen in der Saison 13/14 zurückdenke, da kommts mir hoch.

    Das sind alles nur Gedankenspielereien, was man bei Kaderzusammenstellung auch berücksichtigen könnte. Entscheiden wird Didi, das letzte Mal falsch oder das nicht letzte Mal richtig. Hoffnungsmacher Nr. 1 ist nach wie vor, das Labbadia bereits jetzt einen Transfer verhindert hat…er hat also Gott sei Dank Mitspracherecht.

  7. Freundchen 16. Juni 2015 um 13:55 Uhr

    Dass Didi kein „Macher“ ist, wussten alle zu Beginn seiner Amtszeit. Das fällt ihm jetzt nach und nach vor die Füße. Ich kann mich schwach an die Vorstellung durch Karl erinnern, in der er meinte, dass Didi so lange machen darf, so lange er Spaß (oder so ähnlich) daran hat….ich bin gespannt.

    Was mich interessieren würde, da ich „das dahinter“ seinerzeit nicht so intensiv verfolgt habe: Wie ist denn z.B. Hoffmann zu Beginn seiner Amtszeit in den Job gestartet? Ist er komplett anders vorgegangen oder gab es vielleicht sogar auch Parallelen? Wie hat er seine Maßnahmen kommuniziert? Oder lohnt es sich nicht, hier einen Vergleich zu ziehen?

  8. Goldfather 16. Juni 2015 um 14:13 Uhr

    Die Zeiten in denen sich ein Bundesligaclub lediglich mit Bordmitteln langfristig über Wasser halten konnte nähern sich langsam aber sicher dem Ende. Nicht zuletzt an der Entscheidung des sozialdemokratischen Aufsichtsrates Willi Lemke aus dem Aufsichtsrat Werder Bremens auszuscheiden kann abgelesen werden wie stark die Liga sich verändert. Lemke, der bei Werder als oberster Sparkommissar fungierte und als eine Art Wolfgang Schäuble von der Weser berüchtigt ist, wurde von interessierten Investoren zum Rücktritt gedrängt, da eine Neuausrichtung auf ein Investorenmodell, welches die 50 + 1 Regel ähnlich mißachtet, wie dies bei VW Wolfsburg oder SAP Hoffenheim üblich ist, mit Lemke nicht machbar ist.
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    An der Übernahme erfolgreicher Erstligaclubs durch Investoren kommt kein Club vorbei, wenn er langfristig oben mitspielen will. Selbstverständlich gibt es temporäre Ausnahmen wie derzeit Gladbach oder Augsburg, jedoch hängt bei diesen Clubs die Ligazugehörigkeit von der Qualität auf der Trainerbank ab. Sowohl Weinzierl als auch Favre werden nicht ewig dort bleiben.
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    Werder Bremen ist mitlerweile zum Farmteam von VW Wolfsburg verkommen und hat in der derzeitigen Konstellation kaum noch eine Chance jemals wieder ähnliche Höhenflüge zu erleben wie einst unter Otto Rehhagel. Die besten Spieler und Mitarbeiter Werder Bremens folgen derzeit konsequent der Spur des Geldes und die führt zu VW.
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    Der HSV hat die richtigen Schritte eingeleitet, um eine Chance auf eine erfolgreiche Zukunft zu haben. Allerdings sollte man nicht glauben, dass lediglich eine veränderte Clubstruktur ausreichen würde, um konkurrenzfähig zu sein.
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    Entscheidend bleibt die Kompetenz im Kerngeschäft, welches sich FUßBALL nennt.
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    Von Fußball jedoch hat man gemessen an den Fähigkeiten des Marktführers FC Barcelona in Hamburg seit fast 30 Jahren keine Ahnung. Weiß man zudem, dass selbst der FC Barcelona sich nicht im Besitz des Steins der Weisen wähnt und ebenfalls ständig bemüht ist sich fußballerisch auf allen Ebenen zu verbessern dann bekommt man ungefähr eine Ahnung davon wie tief im Keller der HSV fußballerisch steckt.
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    Während die Jugendabteilung des BVB Titel einfährt und ihre verschiedenen Jugendjahrgänge auf den Sprung in die Liga vorbereitet, so wie es beim FC Barcelona längst üblich ist, jammert man beim HSV darüber, dass zuwenig Geld in der Kasse ist, um sich einen weiteren Transferflop auf die Bank zu setzen.
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    Wollte man ernst machen mit einem qualitativen Aufbruch im Kerngeschäft des HSV müßten sich Beiersdorfer, Knäbel, Peters, Zinnbauer, Gernandt und Labbadia zusammensetzen und sich auf ein Gesamtkonzept einschwören, welches sie gegen jeden Widerstand bereit sind durchzusetzen.
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    Ziel dieses Konzeptes müßte es sein mindestens 50% der Stammformation aus Spielern zusammenzusetzen die beim HSV ausgebildet wurden. Dabei sollte nicht blauäugig übersehen werden, dass die zur Verfügung stehenden Spieler nicht zur obersten Kategorie der Bundesliga zählen werden.
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    Es geht darum, dass man beim HSV versteht, dass FUßBALL ein Mannschaftssport ist und alles daran gesetzt werden muß eine homogene Einheit zu formen, die sowohl die U23 als auch die U20 – U17 umfasst.
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    Labbadia hat im Abstiegskampf vorgemacht wie stark eine fußballerisch limitierte Einheit sein kann. Jetzt geht es darum die fußballerischen Limitierungen durch beinharte Trainingsarbeit zu verringern und ein spielerisches Gesamtkonzept zu erarbeiten, das ein flüssiges Spiel mit und ohne Ball zulässt.
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    Angefangen bei einem einfachen Doppelpass bis hin zu einer Gesamtbewegung des Teams im Verhältnis zum Ball, sollte der HSV das klare Ziel verfolgen fußballerisch einen Sprung nach vorne zu machen.
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    Die zukünftige Transferstrategie sollte wegkommen von der Vorstellung die fußballerische Qualität der Mannschaft einkaufen zu können. Im wesentlichen sollte es darum gehen, Spieler zu halten und eine sportliche Kontinuität herzustellen, um dann von Zeit zu Zeit mit sehr viel Geld einen Hauptprozessor für das Team einzukaufen.
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    Es geht um Spieler die einen Marktwert jenseits von 25 Millionen € haben. Spieler mit denen sich Investoren schmücken können und die in der Lage sind besondere Problemstellungen auf dem Platz einzigartig lösen zu können.
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    Das Gerüst der zukünftigen Mannschaft sollte sich zu 50% aus Spielern zusammensetzen, die beim HSV ausgebildet wurden, da es enorme Vorteile mit sich bringt, wenn die Spieler ihre Bewegungsgewohnheiten kennen, zumal wenn sie einer Fußballschule entstammen die diesen Namen verdient. Die anderen 40% kann man mit gutem Scouting aus der zweiten Liga oder von Absteigern transferieren. Lediglich 10% , also 2 – 3 Spieler mit besonderen Fähigkeiten, sollten Transferspieler sein die durchaus mehr als 25 Millionen € kosten können, wenn sie eine bestimmte Leistung garantieren.
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    Beim FC Barcelona kann man in bestimmten Phasen eines Spieles beobachten, wie das gesamte Team wie eine einzige Hand agiert. Mann kann sehen wie sich die Hand (Team) öffnet im Falle einer Offensivaktion und wie sie sich blitzschnell zu einer Faust um den ballführenden Gegner schließt. Es gibt Phasen in denen dieses Team den Eindruck eines lebendigen Gesamtorganismus vermittelt.
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    Eine derartige mannschaftliche Geschlossenheit ist mit Spielern die allesamt Transferspieler sind nicht herzustellen, zumal wenn sie jedes Jahr wechseln. Um eine fußballerische Geschlossenheit herzustellen die der des FC Barcelona gleicht ist es notwendig bereits schon im Jugendbereich jahrelang mit den Spielern an diesem Konzept zu arbeiten.
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    Und natürlich ist eine solche Geschlossenheit wie sie in Barcelona demonstriert wird nur mit ganz bestimmten Spielern möglich, so dass selbst so extreme Charaktere wie Luis Suárez integriert werden können. Die Fragilität des HSV-Kaders zeigte sich nicht zuletzt daran, dass er nicht in der Lage war Valon Behrami zu integrieren.
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    Während der Rest der Fußballwelt gezwungen ist mit dem Fuß zu spielen spielt der FC Barcelona Handball – allerdings mit einer sehr großen Hand….

  9. Ligature 16. Juni 2015 um 14:15 Uhr

    @Grave: „Tah der letzte echte Hoffnungsträger“:
    Erneut wird ein Spieler hochgejubelt. Und ausgerechnet hier wird auch noch dabei mitgemacht. Wunderlich. Besser wäre es, die Mannschaft insgesamt und ihre Trainings- und Spielverhalten kritisch in den Blick zu nehmen.

    @Joschmann. Sehr gut. In vielem stimme ich zu. Nur ein Einwand, wenn ich darf. Mir scheint, es ist grundsätzlich irrelevant, ob der „Nachwuchs“ geht oder bleibt. Relevant ist vielmehr, ob die jeweiligen Vertragsauflösungen oder -fortsetzungen für den weiteren Mannschaftsaufbau nützlicher sind oder nicht, sei es aus Gründen der Teamdynamik oder der Ersetzung durch neue/n Spieler. Eine romantisierende Rede von der Jugend wäre daher am Platz – auch in den causae Beister oder Tah; es gehört zu den wesentlichen Werttreibern im Fussballgewerbe, im Rahmen der Aus- oder Fortbildung Spieler für andere zu entwickeln und von der Entwicklung von Spielern durch andere zu profitieren. Aus welcher Stadt die jJungen kommen ist gleich, es zählt, ob sie Talent (und!) Motivation für DIESEN Verein und dessen Mannschaft mitbringen.

    • Joschmann 16. Juni 2015 um 16:50 Uhr

      @Liqature:
      danke. Zur Kritik,einserseits grundsätzlich irrelevant für die momentane sportliche Leistung, das sehe ich auch so. Andererseits für viele andere Faktoren sehr relevant! Ein großes Thema ist heutzutage das Image. Aktuell genießen wir das schlechteste Image, das wahrscheinlich ein Sportverein jemals erreichen kann. Hass ohne Ende, sprich Hass, obwohl nicht mal Neid bestehen kann.
      Ich will nicht sagen, dass wir Spieler aus der eigenen Jugend spielen lassen müssen, nur um unser Image aufzubessern,— aber AUCH um dieses wieder in die richtige Richtung zu lenken. Denn vor allem über diesen Punkt werden höhere Sponsoren-Verträge erzielt und somit auch finanzielle Mittel geweckt, von der wir aktuell nur träumen können. Wenn man sich nur vor Augen führt, wo Dortmund mit Ihrer „Echte Liebe“ -Kampagne gelandet ist. Was ist unsere Kampagne, Herr Hilke? „Dino mit Fußball aus der Steinzeit“? ….
      Zudem, was du ja schon mit erwähnst, es „gehört zu den wesentlichen Werttreibern“, der Faktor sprcht doch schon für diese enorme Relevanz …- z.B. Tah. Der Junge macht anno 13/14 etwa 15-20 Spiele in Liga 1, vielleicht 3 wirklich gute Spiele, den Rest halt 27-Punkte-mäßig mit den meisten Gegentoren der Liga. Aber alleine durch seine körperliche Präsenz und vllt dem Gefühl mancher, der erinnere optisch an Jerome Boateng, ist der Junge jetzt für ca. 8 Mio aufm Markt angesiedelt. So schnell steigere ich den Wert der eigenen Mannschaft, in dem ich einem Eigengewächs eine Chance gebe.
      –> was aber absolut richtig und auch letztlich wichtiger ist, ich benötige bei Einbau von jungen Wilden einen Rückhalt im Team. Rückhalt durch Qualität. Getreu ManU in den 90ern. Verdaddelt der geniale Beckham m Mittelfeld leichtfertig den Ball, muss ein erfahrener Roy Keane das Ding wieder gut machen. Denn wie sagte schon Sir Alex Ferguson: „Nur mit KIndern kann man keine Titel gewinnen“ — soll nicht heißen dass wir um irgendwelche Titel jemals mitspielen werden in den kommenden 10 Jahren, nur vom Prinzip her 😉

      • Goldfather 16. Juni 2015 um 18:08 Uhr

        @Joschmann
        .

        Die größte Zeit hatte Sir Alex Ferguson als Trainer von Manchester United als die „Jugendabteilung“ reif für die Premier League war. Niemals zuvor und niemals danach war Manchester United so erfolgreich wie mit den Fergie-Boys: David Beckham, Nicky Butt, Ryan Giggs, Gary Neville, Phil Neville, Paul Scholes.
        .
        Der Spruch „You’ll never win anything with kids“ ist meines Wissens nach nicht Alexander Ferguson zuzuschreiben, sondern dem ehemaligen Spieler und BBC Co-Kommentator Alan Hansen nach einer 3:1 Niederlage gegen Aston Villa in der Anfangsphase der Ferguson-Schützlinge.
        .
        Ferguson mußte gegen viele Widerstände auf der Insel kämpfen, um seine Jungs spielen zu lassen. Zurückgezahlt haben sie es ihm und ihrem Club damit, dass Manchester United zum wertvollsten Club der Welt aufstieg.
        .
        In den kommenden Jahren könnte der BVB einen ähnlichen Weg gehen, wenn Tuchel die erfolgreiche Jugendarbeit des BVB in den Profikader integriert. Sollte ihm das gelingen können die Bayern sich auf einen echten Gegner freuen.
        .
        Beim unten verlinkten Video ersetze man die Namen Xavi, Iniesta & Sergio Busquets durch die Namen Westermann, Behrami und Jiracek…

        https://www.youtube.com/watch?v=Tje1ggSxqbI

  10. Micha 16. Juni 2015 um 19:45 Uhr

    Völlig aud´s dem OT. Es gab doch mal eine sehr sehenswerte Doku über den FC Barcelona und seine Rettung;Grave steig mal ein. Auch wenn das salzwasser hier überhandt nimmt. Wir sind am am Arsch mit dieser Crew. Diese Heinis kann man nur suksessive nach einer saisonvorbereitung feuern. Wird organi-grammotorisch- sowieso nicht passieren.
    Herr Wettstein muß sich quasi hier seinen Rentenposten verschafft haben.Wie kann eine AG von oben geplündert werden?
    Jetzt geht´s halt mit Speed ab in Liga 2,3,4. Armer, gutbezahlter, Bruno.

  11. Micha 16. Juni 2015 um 19:57 Uhr

    In diesem Sinne ist mir das auch Scheiß-Egal. Das war es seit über tüddelüüd, 40 Jahren nicht mehr. Aber jetzt können „DIE“ mich mal am Arsch lecken. Ja, kannst Du mal den hochleistungsjournalisten im Massagebad bei den Nutten mitteilen.
    Wir schaukeln uns hier die Eier, bis zur 3. Liga.
    Ich habe da auch kein Verständnis in Bezug zur Unternehmensführung mehr.

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