Wenn man komplett die Distanz verliert…

Objektiv sollen sie eigentlich sein, die Damen und Herren von der Presse. Neutral beobachtend und notfalls wertend, jedenfalls ist das der Plan. Der Umstand, dass dies besonders den Freunden von der Hamburger Sportjournaille so gut wie nie gelingt, ist ein offenes Geheimnis. Ist die fehlende Distanz zu dem, über das man zu berichten hast, was einem am Ende des Tages die Brötchen erhält, vielleicht verständlich? Bis zu einem gewissen Grad ja, aber eben nun bis dahin. Natürlich sägt man ungern den Ast ab, auf dem man sitzt und in den dunklen Medienzeiten des Jahres 2015 ist die Chance für einen Sportjournalisten, besonders im Printbereich, größer denn je, Kunde der Agentur für Arbeit zu werden.

Darf man deshalb aber komplett das aus den Augen verlieren, wofür man eigentlich einmal diesen Beruf gewählt hat. Nein, definitiv nicht. Natürlich existieren wirtschaftliche Zwänge und die hören nicht bei den Schreibern, sondern eher bei den Verlagen auf, aber dennoch hat man eigentlich irgendwann einmal einen Auftrag gehabt, oder? (siehe oben).

Das, was in den letzten Monaten medial rund um den Hamburger Sportverein passiert, ist aus journalistischer Sicht mit dem Begriff Tragik nicht ausreichend gewürdigt, denn einen beobachtenden, kritisch hinterfragenden Journalismus gibt es nicht mehr und man sollte sich vielmehr die Frage stellen, warum es ihn nicht mehr gibt, denn mitnichten ist beim Nordclub alles Friede, Freude, Eierkuchen.

Damit man mich nicht (und dies wird ja bekanntlich gern und oft getan) falsch versteht: Es geht nicht darum, alles und jeden zu kritisieren, in Grund und Boden zu schreiben oder fertig zu machen, ganz sicher nicht. Aber es geht darum, mehr als nur Jubelarien anzustimmen, wenn die Exzellenzen ein wenig den Job machen, für den sie fürstlich entlohnt werden.

Peter Knäbel: Baumeister im Akkord (BILD)

Witzige kleine Überschrift, auf die dann ein nichtssagender Artikel folgte. Aber: Die Headline signalisiert, dass dort jemand ist, der schuftet wie ein Ackergaul. Knäbel selbst sagte vor wenigen Tagen, dass er eigentlich erst seit 2 Monaten sowas wie ein Sportchef sei und die Monate davor nichts anderes waren als Flickschusterei. Steile Aussage, wenn man bedenkt, dass die verliehenen Spieler Tah, Zoua und Demirbay besonders vom „Direktor Profifußball“ ein strammes Jahr lang ignoriert wurden. Warum kommt dann aber keiner der Herren Journalisten auf die Idee, Herrn Knäbel danach zu fragen, wie er diese „Flickschusterei“ mit Leben gefüllt hat? Für € 800.000 im Jahr.

Kompliment zu diesen Transfers! Peter Knäbel wird zum Knüller

Knäbel wird zum Knüller? Soll das ein schlechter Witz sein? Nicht mal die Medienabteilung des HSV würden ihren Konzerndirektor zum Knüller ernennen, warum tut das dann aber die eigentlich zur Unabhängigkeit verpflichtete Morgenpost?

Vielleicht ein kurzes Wort zur neuen Social Media-Offensive des HSV. Seit einigen Wochen sind die Leute in Jörnis Abteilung aktiver denn je, es wird getwittert und gefacebooked, was die Finger hergeben. Wirklich alles wird mit strahlendem Lächeln verkauft und ich warte eigentlich nur darauf, dass mir zum Morgenkaffee mitgeteilt wird, dass Olic heute festen Stuhlgang hatte. Aber: Das ist richtig, was sie machen!!! Sie informieren positiv über den Verein, der sie bezahlt. Sie halten die Kerze HSV am brennen, sie befriedigen das Informationsbedürfnis der Fans und sie haben viel zu lange damit gewartet. Schade nur, dass derjenigen, der sie mit der Nase drauf gestoßen und ihnen das Social Media-Konzept erklärt hat, bis heute mit keiner Silbe Erwähnung oder Würdigung erfährt (und nein, ich bin es nicht!).

Aber, Freunde der kasachischen Blutwurst, dies hat mit Journalismus nichts zu tun, dies ist PR. Gezielt eingesetzte PR, die nichts anderes als positive Nachrichten verbreitet. Absolut richtig es zu machen, aber es ist eben nur die eine Seite der Medaille.

Für die andere Seite wären eigentlich die öffentlichen Medien zuständig, aber die scheinen längst vergessen zu haben, was sie eigentlich zu tun hätten. Nur bei HSV.de abzuschreiben ist kein Journalismus, meine Herren!

Kommen wir auf Superminister Knäbel und seine „Transferknüller“ zurück. Nochmal: Ich möchte keinen der neu verpflichteten Spieler vorab als Fallobst oder Fehleinkauf bezeichnen, dafür kenne ich sie viel zu wenig. Aber ich bin auch nicht bereit, sie bereits vor ihrem ersten Pflichtspiel im Trikot des HSV als „Knüller“ zu präsentieren, nur um in zwei Monaten von den gleichen Schmierlappen lesen zu müssen, dass man für einen Schipplock doch wohl höchstens € 2,5 Mio. Lira hätte bezahlen sollen. Auf die Art und Weise werden (wieder einmal) Superstars kreiert, es werden Hoffnungen geschürt und Erwartungen aufgebaut, was für ein Schwachsinn.

Schauen wir uns die bisherigen Transfers doch einmal im Detail an.

Albin Ekdal wird in zwei Tagen 26 Jahre alt, ist also über den Status eines Talents längst hinaus. In der italienischen Seria A machte er in der letzten Saison 33 Spiele und erzielte 5 Tore, davon drei in einem Spiel. Ekdal wird als vielseitig, taktisch klug, zweikampfstark und paßsicher beschrieben, mit Cagliari stieg er dennoch ab. Der HSV bezahlte den aktuellen Marktwert (€ 4,5 Mio.) und präsentiert Ekdal als „Königstransfer“. Ich kann den Spieler in keinster Form beurteilen, ich habe ihn nie spielen sehen. Ich weiß aber, dass der Fußball in Italien deutlich langsamer, statischer und wesentlich taktisch-geprägter aussieht, sodass man davon ausgehen kann/muss, dass der Schwede einige Monate Eingewöhnungszeit benötigen wird. Ein eventuell vernünftiger Kauf, wenn auch für einen Verein mit massiven finanziellen Problemen sehr viel Geld.

Und ich stelle noch eine Frage: Glaubt jemand, dass der irgendein Verein, wäre der HSV wie Cagliari abgestiegen, für einen Lewis Holtby € 4,5 Mio. bezahlt hätte? Ich nicht.

Michael Gregoritsch (21) kommt aus Bochum, nachdem ihn der VFL am 01.07.2015 für € 500.000 aus Hoffenheim übernahm. Lustig, oder?

http://www.transfermarkt.de/michael-gregoritsch/transfers/spieler/120205

Vor 4 Wochen hätte der HSV diesen Spieler also für € 500.000 bekommen können, anstatt wie jetzt € 3 Mio. für einen Spieler hinblättern zu müssen, der in der zweiten Liga 25 Spiele (7 Tore) absolvierte. Will man mir von Seiten der Hamburger Presse jetzt tatsächlich diesen Transfer als Meister-Coup des Sportchefs verkaufen, der ursprünglich € 2 Mio. bot und am Ende die geforderten € 3 Mio. bezahlte? Lachpille. Gregoritsch ist ein Talent, keine Frage. Dennoch muss man sich die Frage stellen dürfen, warum ihn der FC .St. Pauli nicht für die geforderten € 500.000 übernehmen wollte.

Nochmal: Es geht nicht darum, den Spieler schlecht zu reden, sondern die Fakten zu beleuchten. Für Jubel-PR ist HSV.de da.

Sven Schipplock (26). Der Überraschungs-Transfer aus Hoffenheim kam mir am selben Tag, an dem Gregoritsch wechselte, etwas zu überraschend, aber egal. Schipplock wird von den Hamburger Sportmedien bereits als „der neue HSV-Star“ bezeichnet, wenn der Mann eines nicht ist, dann ist er ein Star. Schipplock ist ein solider Bundesliga-Spieler, der in der letzten Saison 25 Spiele für die TSG 1899 Hoffenheim absolvierte. Auffällig ist nur, dass er insgesamt nur 809 Minuten auf dem Platz stand, also im Schnitt knappe 33 Minuten pro Spiel machte, also ein Auswechsel- bzw. Ergänzungsspieler. Das muss gar nicht verkehrt sein, aber € 2,5 Mio. für einen demnächst 27-jährigen Ergänzungskicker? Und Schipplock hatte in Hoffenheim nur noch einen Vertrag bis 2016.

Auch hier die Frage: Hätte irgendjemand für einen Artjoms Rudnevs (27), der in der letzten Saison 22 Spiele für den HSV machte und dabei 943 Minuten auf dem Platz stand, € 2,5 Mio. ausgegeben? Wohl eher nicht.

Diese Liste ließe sich weiter und weiter führen. Über die Spieler Spahic, Sakai, Altintas und Hirzel. Einige dieser Spieler können funktionieren, müssen aber nicht. Einige Spieler brauchen definitiv Zeit (Ekdal, Altintas, Hirzel, Gregortisch), andere können vielleicht sofort funktionieren (Schipplock, Sakai). Für Jubel-Arien besteht jedoch absolut kein Anlass, aber wie schrieb gestern jemand doch so schön?

Da der HSV kein Geld hat, muss man mit dem was Knäbel geholt hat zufrieden sein

Der HSV hat also kein Geld? Der HSV steht aktuell auf Platz 5 in Deutschland, was die Transferausgaben für die Saison 2015/16 betrifft. Vor dem HSV sind lediglich Bayern München, Schalke 04, Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach positioniert, denn der HSV hat bis heute € 17,25 Mio. in neue Spieler investiert. Nimmt man die Abfindungen für Beister (€ 650.000) und Sobiehc (€ 250.000) hinzu, steht man oberhalb der € 18 Mio.-Grenze.

Zum Vergleich: Der VFB Stuttgart investierte bisher € 7,5 Mio., der VFL Wolfsburg € 14,7 Mio. und der FC Augsburg € 1,4 Mio. in neue Spieler.

http://www.transfermarkt.de/transfers/einnahmenausgaben/statistik/plus/?ids=a&sa=&saison_id=2015&saison_id_bis=2015&land_id=40&nat=&pos=&w_s=

Nimmt man die Saison 2014/15 hinzu, bleibt der ruhmreiche und vollkommen verarmte HSV auf Platz 5, diesmal hinter Bayern München, Dortmund, Leverkusen und Wolfsburg.

http://www.transfermarkt.de/transfers/einnahmenausgaben/statistik/plus/?ids=a&sa=&saison_id=2014&saison_id_bis=2015&land_id=40&nat=&pos=&w_s=

In den letzten beiden Spielzeiten investierte der HSV zusammen € 53,05 Mio. in neue Spieler und das soll jetzt bedeuten, dass der HSV „kein Geld hat“? Okay, es werden natürlich wieder einige sagen, dass den Ausgaben ja auch einige Einnahmen gegenüber standen. Stimmt. Insgesamt € 34,35 Mio. nahm der HSV in den letzten beiden Jahren durch Spielerverkäufe ein. Schade nur, dass allein die beiden größten Talente der jüngeren Vereinsgeschichte (Calhanoglu und Tah) mit zusammen knapp € 22 Mio. zu Buche stehen und einen Großteil der Einnahme repräsentieren. Mit diesen beiden Spielern hat der HSV zwar Geldern generieren können, aber er hat auch seine sportliche Zukunft verkaufen müssen und adäquaten Ersatz konnte man nicht bekommen (siehe Ergebnisse).

Wäre man überkritisch, könnte man sagen, dass die hochbezahlten Exzellenzen die Zukunft des Verein verkauft haben, aber das möchten wir ja nicht. Wir möchte lediglich auf die Fakten hinweisen und nicht in haltlose Jubelstürme ausbrechen, die sich nach dem 5 Spieltag in Scheißstürme verwandeln können.

Ach ja, eines noch. Zum Thema realistische versus kritische Berichterstattung. Die Spieler Gregoritsch, Holtby und Schipplock kosten den HSV zusammen € 13,5 Mio. Für € 13,5 Mio. holte ein Frank Arnesen die Spieler Milan Badelj (€ 4 Mio.), Hakan Calhanoglu (€ 2,5 Mio.), Slobodan Rajkovic (€ 2 Mio.), Gökhan Töre (€ 1,3 Mio.), Jacopo Sala (€ 100.000), Per Skjelbred (€ 500.000) und Michael Mancienne (€ 2,5 Mio.) nach Hamburg und wurde von denen, die heute Zweitliga-. und Ersatzspieler bejubeln, als jemand gebrandmarkt, der ja nur seine „Chelsea-Boys“ kennen würde. Die genannten Spieler, die Frank Arnesen nach Hamburg holte, haben jetzt übrigens einen Marktwert von zusammen € 41,5 Mio.

Einfach mal drüber nachdenken. Bitte.

 

 

 

Von | 2015-07-26T08:44:31+02:00 26. Juli 2015|Allgemein|7 Kommentare

7 Comments

  1. Jorgo 26. Juli 2015 um 10:12 Uhr

    Ich bin ein bekennender Frank Arnesen Befürworter. Und ich bin auch nicht zu müde, um immer wieder den Finger in die „Transfer“ – Wunde zu legen. Wie Du auch Grave. Der letzte Blogabsatz ist selbst erklärend und gib die passende Antwort an die Geldvernichtungsmenschen unter dem Schutzmantel des HSV wieder.

  2. TippKickHH 26. Juli 2015 um 11:44 Uhr

    …oh, oh…traurig, traurig!

    Klar, kommt jetzt sicherlich jemand auf die Idee und schaut bei TM rein um festzustellen, dass HC und Töre schon allein einen spekulativen Marktwert von ca. 40 Mio. haben, so dass die übrigen Spieler quasi kaum einen Wert darstellen. Darum geht es aber gar nicht. Viel mehr ein dankenswerter Hinweis seitens des Bloggbetreibers, wie ungleich ein Sportchef bewertet wird. Und die Frage, woran Peterle die ganzen Monate gearbeitet hat…

    Nur ein weiterer Grund den Kopf zu schütteln…

    Bleibt nach wie vor die einzige Hoffnung, dass im Gegensatz zu den letzten Spielzeiten, der Trainer Struktur in die Truppe bekommt….

  3. Guy La Fleur 17 26. Juli 2015 um 12:23 Uhr

    Du Grave, immer wieder schön zu lesen, wie du die Finger in die Wunde des Sportjournalismus in Hamburg legst. Einen so verlogenen Haufen gibt es in keiner Sportmetropole Deutschlands. Ich warte z.B. seit Wochen auf die so groß angekündigte, schonungslose Aufarbeitung der desaströsen vergangenen Saison im Stammel-Blog. Was wollte man da alles hinterfragen? Nichts ist passiert. Es scheint sich um eine verschworene Gemeinschaft zu handeln. Motto: Eine Hand wäscht die andere.

  4. 1887 26. Juli 2015 um 14:26 Uhr

    Sehr interessant und auch wieder ein bissl zum Haare raufen. Ob man dem HSV beide Abgänge vorwerfen kann weiß ich nicht. Aber bei Tah wirkte es wirklich sehr so als ob er sich allein gelassen fühlte. Wenn man so ein Talent nicht ein bissl den Nacken krault ist man selber schuld. Ich finde auch die Transfersummen irgendwie zu hoch. Ob die Spieler das Wert sind ist schwer zu sagen. Aber einen Stürmer aus der zweiten Liga mit 7 Toren für 3 Millionen zu holen ist schon sehr grenzwertig. Zumal da ja immer noch das hier oft beschriebene Problem bleibt „wie kommt der Ball bis in den Strafraum“. Ich hätte es lieber gesehen einen guten 10er für 6 oder 7 mille zu holen. Deshalb kann ich mich kaum über die Verpflichtungen freuen. Von den Summen mal ganz abgesehen. Aber wie jedes Jahr hoffen wir das beste. Wir können ja noch bis 30.8. einkaufen und bis Januar ins Team integrieren 😉

  5. t.recker 26. Juli 2015 um 14:27 Uhr

    Meiner Meinung nach hat die Hamburger Sport-Journaille nicht ihre Neutralität verloren, sondern einfach nur ihr Mittel, d.h. die Ausschläge sind zu groß. Läuft es normal/gut, dann wird alles in den Himmel gehoben. Wird ein Spiel verloren, herrscht apokalyptische Stimmung. Aber ist das neu ? So läuft es doch schon seit Jahren. Macht es nicht besser, klar. Aber es liegt eben am Konsumenten, ob man sich von zu euphorischer oder kritischer Berichterstattung beeinflussen lässt oder nicht.Und leider lassen sich zuviele hiervon zu sehr anstecken, egal in welche Richtung…
    .
    Zu Knäbel: Der Mann ist seit Oktober offiziell im Amt, muss sich einarbeiten (lassen) und nebenbei noch das Tagesgeschäft auf laufen halten. Verbunden mit der sportlichen Talfahrt und den damit immer größer werdenden Baustellen (nicht von ihm eröffnet!), da kann ich schon nachvollziehen, das man das rückwirkend als Flickschusterei betrachtet. Es waren einfach zu viele Hochzeiten. Nach dem „Sieg“ der Relegation konnte man strukturierter an die Sache rangehen und hat bei den Transfers auf den ersten Blick ordentlich gearbeitet. Der Mann hat eine ehrliche Chance verdient und die beginnt mit dieser Transferperiode*. Genausowenig wie ich damals Arnesen -bei Abschluss- für seine Transfers kritisiert habe mache ich es jetzt bei Knäbel. Ebensowenig werde ich ihn dafür in den Himmel loben. Aber Stand heute bin ich mit den Transfers zufrieden, ob sie abliefern ist die andere Frage, aber das werden wir ja sehen…
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    Zu Schipplock: Wenn dich der Transfers -wie wohl auch die Medien – überrascht hat, kann es dann sein, dass doch nur noch das rauskommt, was rauskommen soll ? Oder ist das einfach nur Zufall ?
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    Zu Gregoritsch : Deine Annahme ist falsch. Bochum hat sich bereits im April mit Hoffenheim geeinigt. Der Transfer durfte aber erst ab dem 01.07.2015 finalisiert werden. Und das St. Pauli ihn nicht behalten hat, lag an unterschiedlicher Meinung zwischen Manager (Azzouzi – pro MG) und Trainer (Vrabec – contra MG). Wurde zwischenzeitlich berichtet.
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    http://www.kicker.de/news/fussball/2bundesliga/vereine/626154/artikel_fuer-500-000-euro_gregoritsch-bleibt-in-bochum.html
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    *die Transfers in der Winterpause nehme ich als „Zweck heiligt die Mittel“. Ich bin mir des Programms resp dem Ansatz von HSVplus bewusst, glaube aber auch, dass 1-2 junge Talente uns im Winter nicht weitergeholfen hätten. Das sich Diaz verletzt kann man niemanden vorwerfen. Allein seine Auftritte für Chile zeigen aber, das er sportliche Substanz hat. Von Olic hätte ich mehr erwartet, aber wenn man davon ausgeht, das man eine Soforthilfe gesucht hat, der sich nicht groß einleben muss (Negativbeispiel N.Müller) und sich 100% auf den Job konzentriert (Negativbeispiel: Ostrzolek von Beister zum „Käffchen“ überredet, anstatt im Kraftraum zu arbeiten), dann kann man schon auf Olic kommen. Vor allen Dingen, wenn man weder mit Ilicevic noch mit Beister für die Rückrunde geplant hat. Das Ergebnis ist sicherlich dürftig, die Entscheidung aber nachvollziehbar.

  6. Goldfather 26. Juli 2015 um 19:46 Uhr

    Guter Sportjournalismus der schreibenden Zunft findet sich seit jeher abseits des Boulevards, das was BILD, Mopo und über weite Strecken das altehrwürdige Hamburger Abendblatt abliefern, gehörte noch nie zum Besten was der Sportjournalismus zu bieten hat, wenn man den Anspruch besitzt mehr als kurzweilige Unterhaltung geboten zu bekommen.
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    Grundsätzlich habe ich mit dieser Unterhaltungsschiene kein Problem, da ich weiß, dass nur sehr wenig Substanzielles in den genannten Blättern zu finden ist.
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    Schwierig wird es erst dann, wenn Fußballvereine wie der HSV sich dem Druck des Boulevardjournalismus beugen und Peronalpolitik betreiben, um jene Ruhe zu bekommen die notwendig ist um die eigenen, gut bezahlten, Positionen im Club nicht zu verlieren.
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    An erster Stelle ist hierbei die Trainerpolitik zu nennen, die enorm abhängig zu sein scheint von dem was der Boulevard schreibt und dem oberflächlichen Fan suggeriert. Gute Boulevardjournalisten sind in der Lage ganze Stimmungsbilder rund um einen Erstligaclub zu prägen und über diesen Weg Einfluß auf Personalentscheidungen zu nehmen.
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    Will Fan sich wirklich informieren und sich kritisch mit seinem Club auseinandersetzen, so besitzt er heutzutage die Möglichkeit sich in Blogs wie diesem und in zahlreichen Fachmagazinen a la 11 Freunde, Kicker oder Spielverlagerung umzusehen.
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    Jedoch halte ich auch den Job des Boulevardjournalisten nicht für so einfach wie es gemeinhin ausschaut, da auch eine permanente Oberflächlichkeit beinhart erarbeitet werden muß.
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    Wie der HSV mit den neuen Spielern performen wird kann nur die kommende Saison zeigen und keine Statistik, da es sich nicht um eine Einzelsportart handelt und somit enorm viele Faktoren im Spiel sind, die selbst aus einer scheinbar unspektakulären Truppe ein Siegerteam formen können.
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    Stand heute würde ich jedoch sagen, dass der HSV von Beginn an gegen den Abstieg spielt und bis zur Winterpause eine Spielanlage erarbeitet haben sollte, die dafür reichen muß oberhalb des Strichs bleiben zu können.
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    Überzeugt bin ich bei den aktuellen Transfers insbesondere von Michael Gregoritsch der eine ähnliche Spielanlage wie Robert Lewandowski an den Tag legt. Würde Gregoritsch von Tuchel oder Klopp ausgebildet werden, wäre ich mir relativ sicher, dass er ein außergewöhnlicher Spieler werden würde.
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    Jedoch spielt Gregoritsch für den HSV und ich bin mir nicht sicher, ob man beim HSV weiß über welches Potenzial Gregoritsch in Wirklichkeit verfügt, so dass ich mir sehr gut vorstellen kann, dass er einen ähnlichen Weg wie Rudnevs einschlagen könnte und am Ende als guter Zweitligastürmer endet.
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    Mit Gregoritsch hat der HSV mal wieder eine große Verantwortung im Bereich Spielerentwicklung übernommen, so dass davon ausgegangen werden kann, dass vom BVB, Bayer 04 Leverkusen dem FC Bayern München bis hin zu den Clubs der Premier League die Entwicklung von Gregoritsch mit Argusaugen beobachtet wird.
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    Sollte sich der HSV grobe Schnitzer im Zusammenhang mit der Entwicklung dieses Spielers leisten wird relativ früh dazwischen gegrätscht werden, um das Schlimmste zu verhindern. Der HSV ist für Gregoritsch der entscheidende Ausbildungsclub, so dass er in zwei bis drei Jahren für 10 – 15 Millionen € zu einem Topclub wechseln kann.
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    Mit Lasogga und Gregoritsch besitzt der HSV zwei Spieler die hochbeweglich sind und in der Spitze angespielt werden können. Wie das perfekte System für einen Klon Robert Lewandowskis auszusehen hat kann man sich am BVB der letzten Jahre ansehen.
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    Die Mannschaft wird relativ hoch im Feld agieren müssen und Gregoritsch als Umschaltstation nutzen. Neben einer außergewöhnlich harten Ballarbeit wird es für Gregoritsch entscheidend sein Spielintelligenz zu entwickeln, was dazu führen sollte, dass er gemeinsam mit dem Videoanalysten des HSV massenhaft Spielsituationen anschaut und nicht zuletzt das Orginal Robert Lewandowski zu BVB-Zeiten studiert.
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  7. Franco74 27. Juli 2015 um 18:21 Uhr

    Sehr schöner Artikel, Grave! Und zwar nicht nur inhaltlich, sondern vor allem in der Form: Intellektuell und kritisch, aber sachlich und nicht unangemessen negativ! So gefällste mir 🙂 Ich stimme Dir in der Bewertung der HH Boulevardjournalie voll zu – gerade der völlig unpassende Artikel in der Mopo bzgl. „Baumeister Peter“ hat bei mir grosses Kopfschütteln verursacht!
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    Das schlimmste an der Situation des Transfergeschäftes unseres Vereines liegt m.E. allerdings in der völligen Disbalance zwischen der Bewertung der Spieler, die wir kaufen und denen, die wir verkaufen – bzw. nicht verkauft bekommen!
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    Was letztes Jahr mit den hohen Transfersummen für Olic, Holtby und Lasogga anfing, geht dieses Jahr munter weiter. Die Transfersummen von Gregoritsch, Schipplock und auch die Bewertung eines Berggreen erscheinen mir höchst überzogen. Als würden alle Vereine, bei denen der HSV nach einem (durchschnittlichen) Spieler anfragt, direkt überdurchschnittliche Ablösesummen aufrufen – nach dem Motto: Der HSV zahlt’s ja…
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    Frage: Warum zahlt er’s eigentlich? Nur, um der Presse (der man das Interesse an Spielern wie so häufig viel zu früh meldet) dann irgendwann endlich Vollzug zu melden? Weil man sich durch zu lange Verhandlungen selbst unter Zugzwang gesetzt hat? Nur um zu zeigen „Schaut her, wir können Spieler zu HSV lotsen?“ … Irgendwie fühlen sich die Transfers dieses Jahr weniger nach durchdachtem Plan, als vielmehr nach Alibi-Käufen an.
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    Und vice versa schafft es der Verein nicht, für viele Spieler, die er abgeben will, eine ordentliche Bergwertung, bzw. relevante Ablöseforderungen zu stellen (Biester, Sobiech, Zoua, Rudnevs, Jiraczek). Am Allerschlimmsten: Peter Knäbel lässt sich mit den Worten zitieren „Für die Spieler, die wir abgeben wollen, existiert kein Markt!“ Bullshit hoch zehn! Es existiert immer ein Markt, denn einigermaßen kicken können die Genannten alle! Vor allem kaufmännisch und strategisch ist solche eine Aussage das so ziemlich Dümmste, was man öffentlich platzieren kann, denn nun können alle interessierten Vereine wunderbar die Ablösen runterhandeln, bzw. auf Ablösefreiheit und evtl. Abfindung an den Spieler spekulieren. Jeder weiß, dass der HSV den Gehaltsetat kürzen muss, und das beschert ihm (neben dem zu hohen Gehaltsniveau der abzugebenden Spieler) einen grossen Nachteil in den Verhandlungen.
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    Ich denke an dieser Stelle zurück an die Ära Hoffmann: Auch hier blieben die Einkäufe nicht frei von Missverständnissen, aber zumindest für einige wurde noch eine erklekliche Ablöse erwirtschaftet (Sanogo, Zidan, Neves) – was seit der Ära Didi II überhaupt nicht mehr gelingt. Anscheinend fehlt mittlerweile ein enges Verhältnis in die Beraterszene, denn nur mit allerbesten Berater-Seilschaften lässt sich heutzutage als Verein in beide Richtungen effizient wirtschaften. Für mich in Summe bis dato eine eher unterdurchschnittliche Managementleistung der Herren Knäbel und Beiersdorfer!
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    Meine Hoffnung liegt – wie bei so Vielen in diesem Jahr – beim Trainerteam, dem ich wünsche, dass sie die langjährigen Blockaden im Team endlich nachhaltig auflösen und die hoffnungsvollen Jungen (Götz, Marcos, Jung, und vor allem Guaida) erfolgreich weiter entwickeln können. Und das Team endlich wieder die Leistung bringt, für die es vom Potential eigentlich reichen muß: Für einen Platz im gesicherten Mittelfeld!

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