Jetzt mal ganz ehrlich

Sein wird doch mal ehrlich, manchmal hat man doch das Gefühl, man sei in einer Klappsmühle gelandet, wenn man an den HSV und an die Hamburger Presselandschaft denkt. Da stellt sich z.B. neulich so eine Figur ins Fernsehen und gibt das heulende Mobbingopfer, ohne auch nur einen einzigen Beweis liefern zu können. Ausgerechnet derjenigen, der sich ein Leben ohne den HSV nicht vorstellen kann und der seit mehr als 30 Jahren beißenden Spott, Häme und Lügenmärchen über Spieler etc. verbreitet, ist jetzt das arme Opfer? Ausgerechnet derjenige, am laufenden Band Versprechen bricht („wenn Labbadia zurückkommt, bin ich ab sofort Rentner“), der von Ladenhütern, Altlasen, ja sogar von Säuberungswellen palavert, heult sich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aus?

Warum hat eigentlich im Verlauf dieser Posse niemand die alles entscheidende Frage gestellt: „Herr X., sie sind 67 Jahre alt. Wenn das alles so schlimm ist, wenn sie sogar so sehr leiden, dass sie (angeblich) seit Jahren nicht mal die Kommentare der ihnen wohlgelittenen und nicht gesperrten Leser konsumieren, warum gehen sie dann nicht einfach in Rente und lassen das alles hinter sich? Oder verbietet ihnen das ihre Eitelkeit und ihre Selbstgefälligkeit?“

Egal. Ebenso egal wie diese Schießbudenfigur. Wer jedoch genau aufgepasst hat, wird bemerkt haben, dass in den letzten Wochen ein Blättchen ganz besonders gut informiert war und das ist die Hamburger Morgenpost. Ausgerechnet das Fisch-Einwickelpapier, welches vorher dafür bekannt war, am unteren Ende der Nahrungskette zu stehen, weiß ganz plötzlich Sachen, die die Anderen (BILD, Abendblatt) nicht wissen oder erst später wissen. Bedenkt man, dass es die gleichen Schmierfinken wie auch vorher schon sind, die die Mopo-Nachrichten verbreiten, muss dort etwas passiert sein. Nun, Absprachen und sogenannte „Deals“ hat es schon immer gegeben, aber das hier ist mehr als auffällig, also muss etwas passiert sein. Meine Vermutung: Die finanziell marode und arg gebeutelte Mopo ist mit dem HSV ein Geschäft eingegangen. Man macht sich (bzw. lässt sich machen) zur zweiten Charme- und Jubelkraft neben HSV.de, vermeidet jeden auch nur so klitzkleinen kritischen Kommentar, dafür bekommt man zuerst. Man verpflichtet sich, täglich mindestens zwei Hurra-Geschichten zu bringen, einmal die Woche eine niedliche Homestory (Cleber: So kackt meine Wasserschildkröte), dafür wird man „bevorzugt“ behandelt.

Unglücklicherweise kann sich dies für den Verein rasend schnell zum Boomerang entwickeln, nämlich dann, wenn sich die Jungs von der BILD das nicht mehr gefallen lassen wollen. Erste „Rache-Aktionen“ kann man bereits jetzt erkennen („Bild kennt den adidas-Vertrag“), weitere werden folgen. Keine Ahnung, wer sich diesen Blödsinn beim HSV ausgedacht hat, schlau ist es jedenfalls nur temporär.

Aber weg von den Pulitzer-Preisträgern, zurück zum Verein, obwohl das unmittelbar zusammenhängt. Was wird da zur Zeit alles bejubelt und der dünn-angerührte Durchschnittsfan jubelt einfach mal mit. „Knüller-Knäbel“ schläft pro Nacht nur noch 4 Stunden, fährt einen Motor nach dem anderen kaputt, wegen zu vieler Kilometer in zu kurzer Zeit und der Avenger-Entdecker ist ohnehin der größte Dukatenscheißer. Betrachtet man die bisher getätigten Transfers jedoch einmal realistisch, so wird man auf alles kommen, aber nicht auf die Note 1 für die Exzellenzen.

Was war das Ziel für diese Transferperiode? Man wollte

1. Spieler mit zu hochdotierten Verträgen loswerden bzw. zu verringerten Bezügen für ein Jahr verlängern.

2. den Gehaltsetat von ca. € 53 Mio. auf irgendwas um € 37 Mio. senken

3. junge, entwicklungsfähige Spieler verpflichten

4. der Mannschaft eine neue Struktur verpassen.

Betrachten wir zuerst die Verkäufe bzw. Abgänge

Marcel Jansen/29 (Vertrag lief aus)

Hat seine Karriere mit 29 Jahren beendet

Heiko Westermann/31 (Vertrag lief aus)

Verhandelt aktuell mit Juventus Turin

Slobodan Rajkovic/26 (Vertrag lief aus)

Sucht noch einen neuen Verein

Rafael van der Vaart/32 (Vertrag lief aus)

Ging zu Betis Sevilla

Matti Steinmann/20 (hat noch einen laufenden Vertrag)

Wäre eigentlich ein Kandidat für einen Aufbau gewesen, stattdessen wird der Spieler in die dritte Liga verliehen. Den Großteil des Gehalts bezahlt der HSV weiterhin.

Alexander Brunst/20 (hatte noch einen gültigen Vertrag)

Wechselte für € 200.000 nach Wolfsburg

Lasse Sobiech/24 (hatte noch einen gültigen Vertrag, war an St. Pauli verliehen)

Wechselte ablösefrei (plus Abfindung von € 250.000) endgültig zu St. Pauli, weil es für einen Spieler wie ihn (31 Spiele/4 Tore in der 2. Liga) „keinen Markt“ gab.

Hier wird es das erste Mal peinlich. Für einen 24-Jährigen gibt es also keinen Markt, wie Profifußball Direktor Knäbel bereits ganz am Anfang der Transferperiode zu berichten wusste. Ganz schnell tauchen Fragen auf.

1. Warum muss man den Spieler bereits ganz am Anfang des Transferfensters nicht nur verschenken, sondern auch bezahlen?

2. Warum muss man so dämlich sein und die Werte der eigenen Spieler durch solche Äußerungen nachhaltig zerstören?

Und warum gibt es für einen Zweitliga-Spieler wie Sobiech überhaupt keinen Markt, wenn für andere Zweitliga-Spieler (Max für € 3,5 Mio. vom KSC zu Augsburg, Gregoritsch für € 3 Mio. zum HSV) sehr wohl Märkte gibt?

Maximilian Beister/24 (hatte noch einen gültigen Vertrag)

Auch für Beister gabt es keinen Markt, auch er bekam eine saftige Abfindung. Komisch nur, dass sich am Tag nach der Vertragsauflösung plötzlich und wie von Geisterhand ein Markt (Mainz 05) auftat. Warum konnte man nicht einfach ein wenig abwarten, sondern machte vom ersten Tag der Transferperiode an den Eindruck eines Getriebenen, der extrem unter Zugzwang steht?

Valon Behrami/30 (hatte noch einen Vertrag bis 2017)

Didi’s erster Königstransfer als Vorstandsvorsitzender. Bezahlt wurden angeblich zwischen € 4 Mio. und € 5 Mio. für einen knielahmen Querulanten, der in 10 Jahren für 8 verschiedene Vereine spielte. Als man den Vogel dann für € 2 Mio. nach Watford abschieben konnte, war die Hemmschwelle der Fans aufgrund der Abfindungs-Transfers Beister und Sobiech schon so weit abgesenkt, dass man diesen Deal als historischen Sieg abfeierte. Das muss man sich einfach mal vorstellen. Man holt einen schweizer Nationalspieler, will ihn als tragenden Säule in die Mannschaft einbauen. Dabei ignoriert man einen Knieschaden und bezahlt in einem Jahr ca. € 6 – 7 Mio. (Ablöse plus Gehalt) für den Typen. Dann merkt man, dass dieser Spieler den gesamten Verein aus den Fugen hebt, verkloppt ihn für € 2 Mio. in ein Land, in dem schon € 3 Mio. für den Greenkeeper bezahlt wird und möchte sich dafür abfeiern lassen? Ich brech zusammen.

Jonathan Tah/20 (hatte noch einen Vertrag bis 2018)

Mit Tah machte der HSV dann alles falsch, was man nur falsch machen kann. Wenn ich auf ein Eigengewächs, welches die Tauglichkeit für einen überdurchschnittlichen Profi bereits als 17-Jähriger erbracht hat (Kapitän der deutschen U19-Nationalmannschaft) zählen und aufbauen möchte (was ja angeblich der großartige Plan der Exzellenzen Beiersdorfer und Gernandt sein soll), dann muss ich das auch mit Leben füllen, dann kann ich diesen Spieler, den ich verliehen habe, nicht ein ganzes Jahr ignorieren. Nicht, wenn ich verstanden habe, dass die anderen Geier nur auf meine Fehler warten.

Tah hatte eine festgeschriebene Ablösesumme von € 25 Mio. im Vertrag, die sich anschließend löste und auf € 15 Mio. reduzierte. Verhökert wurde eines der begehrtesten Abwehrtalente Deutschlands für € 7-8 Mio., weil man die Kohle brauchte. Weil man ohne das Geld aus diesem Transfer nicht handlungsfähig gewesen wäre. Scheiß doch auf Eigengewächse, scheiß doch auf nachhaltigen Aufbau. Der Umstand, dass man dann noch über die geneigten Medien verbreiten ließ, man sei von den Qualitäten Tah’s nicht nachhaltig überzeugt, war dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Jacques Zoua/23 (hatte noch einen Vertrag bis 2016)

Zoua wechselt nun zum Ajaccio nach Frankreich, natürlich ablösefrei. Ursprünglich für € 1 Mio gekauft, wird jetzt wahrscheinlich der Umstand gefeiert, dann man Jacques keine Abfindung bezahlen muss.

Kommentar der Morgenpost:

Ein Deal, für den der HSV zwar keine Ablöse einstreicht, aber dennoch im Nachhinein partizipieren dürfte. Hamburg ist an einem Weiterverkauf prozentual beteiligt, handelte noch weitere Zuschüsse aus. Vor allem spart der Klub Zouas Gehalt von knapp einer halben Million Euro.

Bis hierhin waren dies die Abgänge und Verkäufe und bis hierhin stelle ich den Herren ein Zeugnis mit einer rasanten 5 aus. Verträge auslaufen lassen kann ich auch. Spieler mit Abfindungen vom Hof jagen kann ich ebenfalls. Die Kommunikation um die Transfers herum hätte HSV-Kuddel jedoch besser gemacht.

Morgen dann die Einkäufe.

Von | 2015-08-06T08:33:26+02:00 6. August 2015|Allgemein|5 Kommentare

5 Comments

  1. Jan-Peter 6. August 2015 um 12:29 Uhr

    „Cleber: So kackt meine Wasserschildkröte“ 😀
    Made my Day!

    Eines ist allerdings lobens- und erwähnenswert am „neuen HSV 2015/16“: von Gernandt´s Interviews wurden wir bisher verschont.

  2. Moritz 6. August 2015 um 14:07 Uhr

    Ganz so drastisch sehe ich es nicht, zumindest nicht bei den Verkäufen.
    Man muss ja auch sagen, dass die derzeitige Situation für den Sportchef nicht ganz sp leicht ist. Einerseit hat der HSV, wie ja auch andere Vereine derzeit, noch einige Spieler unter Vertrag, die sehr hohe Gehälter beziehen, aber beim HSV zumindest nach derzeitigem Ermessen keine sportliche Perspektive haben. Wenn diese Spieler nicht gehen wollen, sind dem HSV die Hände gebunden. Hier sind sicher Rudnevs und Jiracek gute Beispiele. Sicher gäbe es für diese Spieler einen Markt, aber nicht zu den gleichen Bezügen wie beim HSV. Ähnlich ist es ja bei Beister oder Sobiech. Klar gibt es Interessenten, aber eben keine, die ein so hohes Gehalt zahlen wie beim HSV. Die Spieler haben folglich keinen Anreiz den HSV zu verlassen (s. Rudnevs), auch wenn sie beim HSV nur auf der Bank sitzen werden oder nicht mal mehr das. Wenn diese Spieler nicht gehen wollen, sind eben auch der sportlichen Leitung die Hände gebunden. Sie hat die Wahl zwischen Abfindung (Beister, Sobiech) oder eben hoffen, dass es einen anderen interessierten Verein gibt, zu dem der Spieler dann auch wechseln mag (Rudnevs).
    Umgekehrt aber dann doch irgendwie ähnlich verhällt es sich mit Tah. Auch hier ist entscheidend was der Spieler will. Will er weg, dann ist es in der derzeitigen Situation beim HSV schwer, ihn zu halten. Bei einer eher enttäuschenden oder lustlosen Tah-Saison (man erinnere sich an die Rückrunde in Düsseldorf) wäre zudem der Verkaufwert vielleicht viel geringer als heute. Daher denke ich, dass man den Verkauf Tahs erst in Zukunft beurteilen kann. Dass dies eine katastrophale Entscheidung war, Tah unter diesen Bedingungen zu verkaufen, finde ich aber nicht.
    Dass man den Spitzenverdiener Behrami wieder verkaufen konnte, ist in jedem Falle positiv, auch wenn man sich die Suppe natürlich letztes Jahr selbst eingebrockt hat.

  3. ausgegliedert 6. August 2015 um 19:38 Uhr

    Nun ja, das mit der Klappsmühle ist doch bzgl. des Vereins nicht allzu neu für dich, oder 😉 ?
    Das Thema Rudnevs wirft bei paralleler Verpflichtung Schipplocks dann gleich wieder ein besonderes Licht, weil mir selbst nicht klar wird, wann genau Bruno mit ihm gesprochen hat. Paßt alles in die nach wie vor bescheidene Außendarstellung, wenn man die „nice trys“ bzgl. Twitter oder MoPo außen vor läßt.

    Aber was will man auch erwarten, Jörni ist ja nach wie vor in, wohl gut dotiertem, Amt und „Würden“.

    Ob du als Blogbetreiber bzgl. deiner gelegentl. Ausdrucksweise Modifikationen planst, weiß ich nicht. Sei aber auch jedem (Schreiber wie Leser/Kommentator) selbst überlassen.

  4. Oliver Bruchholz 6. August 2015 um 21:18 Uhr

    Da gibt es noch jemanden der nur 4 Stunden schläft. Unsere Merkel. Merkst du was?

  5. peschinho 7. August 2015 um 02:35 Uhr

    Wie geil. Da steht Hilke neben Bernhard Peters und Alexander Otto und lässt sich mal wieder „gut aussehen“. Der gleiche Hilke, der das erste Campus Projekt samt zweckentfremdeter Fananleihe mitgetragen hat. Keine Scham sich einzuschleimen (sich besser darstellen, richtiges Timing, wegtauchen wenn es brenzlig wird) ..mir wird immer noch schlecht wenn ich an sein TriumphatorAuftreten zusammen mit Gernandt denke als dieser gegen den Willen von Arnesen geholt wurde. Wo war Hilke als vdV zum Problem wurde? Genau, nowhere to be seen!

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