Der Umstand, dass das Auftaktprogramm in der Bundesliga-Saison mit den Bayern zu Beginn und drei Auswärtsspielen in den ersten vier Partien zumindest undankbar ist, war  allen klar. Ebenso klar war, dass eine runderneuerte Mannschaft ohne die Führungsspieler der letzten Jahre über Mentalität, Zusammenhalt und System würde kommen müssen und weniger über individuelle Klasse. Rechnet man  (völlig zu recht) mit einer heftigen Niederlage in München, so war das Einroll-Programm gegen einen Regionalligisten von elementarer Wichtigkeit, um nicht von Anfang in eine Drucksituation zu geraten, die man mit einer nicht eingespielten Truppe nicht bewältigen kann. Also war ein Sieg in der ersten Pokalrunde nicht nur aus finanzieller Sicht, sondern viel mehr noch aus Motivationssicht eine Pflichtaufgabe und sie wurde gnadenlos in den Sand gesetzt.

Jetzt hat man den Salat und er wird richtig wehtun. Denn nach der einkalkulierten Niederlage in Bayern hätte man immer noch sagen können „aber wir sind in der 2. Pokalrunde und in München werden noch ganz andere Mannschaften verlieren“. In München ja, aber in Jena? Und wenn man schon verliert, muss man so verlieren? Vollkommen zu recht? Jetzt hat man nach einem Auftritt, der an Peinlichkeit kaum zu übertreffen war, genau das, was man vermeiden wollte, nämlich miese Stimmung im Verein. Da können auch die neuen Social Media-Götter an den Tastaturen von HSV.de oder HSV-Twitter von „großem Kampf“ und „unglücklicher Niederlage“ faseln, es will jetzt schon keiner mehr hören.

Es geht nicht darum, recht zu haben…

Es wird einige geben, die sagen (oder schreiben): Gravesen und Jovanov haben es doch schon seit Monaten geschrieben. Stimmt, haben wir bzw. habe ich. Aber darum geht es nicht. Es geht nicht darum, recht zu haben, sondern darum, die Wahrheit zu sagen. Weder den Fans noch dem Verein und auch nicht der Mannschaft ist damit gedient, mit vollendeter Hofberichterstattung an den Realitäten  vorbei zu reden und etwas zu verbreiten, was einfach nicht stimmt. Am Ende kommen dann noch so „abenteuerlicher“ Bewertungen raus, wie sie gestern der Mann, der sich ein Leben ohne Spenden und den HSV nicht vorstellen kann, absondern wollte.

Pierre-Michel Lasogga lief, er wollte wohl auch kämpfen – aber das war nicht sein Wetter. Note sechs

Es war also nicht sein Wetter. Ein Spieler, der den klammen HSV € 8,5 Mio. (Transfer) und jährlich ca. € 3,6 Mio. Gehalt kostet, hat also ein bestimmtes Wetter, bei der nicht funktioniert. Ich verstehe. Diese Schwachsinnigkeiten sind es, die Sicht auf die Realitäten verstellen und den Fans vor den Spielen etwas suggerieren wollen, was einfach nicht da ist. Lasogga ist meiner Meinung nach ein eklatanter Fehleinkauf, wie auch ein Zirkuspferd Holtby ein Fehleinkauf ist und bleiben wird. Was Westermann und van der Vaart gestern waren, werden Lasogga und Holtby morgen sein. Die teuersten Spieler, die man auf Tipp des Marketings geholt hat, weil man sie „gut vermarkten“ kann. Herzlichen Glückwunsch.

Neue Saison, alter Fußball

Wer sich die Vorbereitungsspiele ein wenig genauer angesehen hat, der wird bemerkt haben, dass sich an der Spiel-Anlage, am Tempo, an der Passgenauigkeit so gut wie nichts geändert hat. Der Folterfußball der letzten Jahre wird einfach nur so weitergehen, aber jetzt sind keine Nicht-Performer wie die verschmähten Rajkovic und Westermann mehr für den abenteuerlichen Spielaufbau verantwortlich, sondern u.a. ein 34-Jähriger, den man sich „normalerweise hätte gar nicht leisten können“.

Meine Meinung: Die Personalie Spahic wird den Exzellenzen im Laufe der Saison genauso um die Ohren fliegen wie die Personalie Olic. Beide Balkan-Rentner sind seit Jahren über den Zenit, aber sie kosten einen klammen Verein überproportional viel Geld. Spahic war gestern nicht nur an allen drei Toren unmittelbar beteiligt, er holte sich auch nach knapp einer Viertelstunde Vidal-mäßig eine gelbe Karte ab, gegen einen Regionalligisten!

Eine Sache werde ich einfach nicht verstehen. Wenn ich merke, dass ich mit dem Fußball, den ich seit Jahren spielen lasse, den nationalen Ansprüchen mittlerweile meilenweit hinterherlaufe, dann ändere ich etwas. Ich nutze jede Sekunde Training, um einen anderen Fußball spielen zu lassen. Ich gehe neue Wege, vor allem hole ich Spieler, die diese Art Fußball mitgehen können. Ich verschachere aber kein 19-jähriges Eigengewächs und hole dafür einen 34-jährigen Pensionär.

Das Zeichen, welches ich aussende, lautet:

„Liebe Jugend, ich glaube nicht an dich“.

Es spielt kein fitter Demirbay, es spielen Diaz und Ekdal ohne Spielpraxis und mit Trainingsrückstand.

Es spielt kein fitter Gregoritsch, es spielt immer wieder das fleischgewordene Untergangs-Szenario Ilicevic.

Jung spielt die gesamte Vorbereitung, aber im Pflichtspiel steht wieder Holtby auf dem Acker (mal unabhängig von der Position).

Wie gesagt, es ist jetzt genau das passiert, was nicht passieren durfte. Die Mannschaft spielt den gleichen Murks wie in den Jahren zuvor, der Trainer ist bereits vor dem ersten Saisonspiel angezählt. Wie sehr ein mieser Beginn eine gesamte Saison begleiten kann, haben wir im letzten Jahr gesehen.

Und wiederum wurde der gleiche Fehler begangen, man setzt auf die Alten. Wenn man in einem solchen Spiel die jungen Spieler rein wirft und verliert dann, kann man immer noch erklären, dass dies zum Lernprozess dazu gehört. Diese Erklärungen sind bereits jetzt hinfällig.