Wie schnell das immer geht mit der Unruhe…

Vorstand

Es war ein ganz normaler Dienstag, mitten im Oktober. Ein Hamburger Sportjournalist, nennen wir ihn mal Kai-Dieter Pegel-Scholz, erhält die vertrauliche Information, dass hinter der Südtribüne ein Klo seit mittlerweile mehr als 4 Tagen verstopft ist. Ein Skandal, der ein Erdbeben im Verein auslösen wird, K-D P-S ist mehr als erschüttert, das hätte er sich in seinen dunklesten Träumen nicht vorstellen können. Was also macht ein verantwortungsbewusster Schreiber? Richtig, er ruft beim Medien-Direktor an. Hier das Gespräch:

K-D P-S:“Moin Jörni, mal ne Frage. Ich habe erfahren, dass hinter der Südtribüne ein Klo seit mehr als 4 Tagen verstopft ist. Ist da was dran? Wisst ihr davon?“

Wolf

J.W.: „Aaaaaaaahhhh…ihr immer mit euren Befindlichkeiten. Ich weiß davon nichts, aber du solltest mal dringend deine Informanten wechseln. Mach doch mal was Anständiges und denk nicht immer nur von hier bis zur Wand. Schöne Stunden.“

Der Journalist ist verwirrt. Natürlich weiß er, dass er vom Medien-Mogul so gut wie nie eine ehrliche Antwort bekommen wird, aber was soll er jetzt machen? Den Informanten erneut anrufen? Selbst zum Stadion fahren und nachgucken? Ne, ganz sicher nicht. Den Weg macht er sich doch nicht für ein verstopftes Scheißhaus. Ach, vergessen wir’s.

Mittlerweile nehmen die Dinge im Verein ihren unheilvollen Lauf. Medien-Gott Wolf ruft beim Stadion-Management an und fragt nach dem Klo. In der Tat, es stimmt, das Ding ist verstopft. Klofrau Gerda M. verbreitet sogar intern das Gerücht, dass es Sturmtank L. selbst gewesen sein soll, der das Teil gesprengt hat, was für ein Elend. Jörni sieht die Katastrophe kommen und verteilt Schweigegelübde.

Plötzlich steht Vorstandsvorsitzender Didi in der Tür und ringt nach Atem. „Jörni, was höre ich da von einer sanitären Katastrophe? Was ist da los? Haben die Schmierfinken das schon spitzgekriegt? Jörni, das ist jetzt das Letzte, was wir gebrauchen können, klär das sofort“

Zauderschlump

Didi B. kehrt im Laufschritt in sein Büro zurück, auf dem Weg dorthin beruft er kurzerhand eine Vorstandssitzung ein, an der auch die Direktoren teilnehmen sollen. Das Thema ist so ernst, dass man kurzzeitig überlegt, den Aufsichtsrat zu informieren, aber KronprinzKalle weilt in Dubai und die Anderen sind nicht so wichtig. Also Krisensitzung.

Didi B: „Männer, da ist Scheiße passiert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Hinter der Südtribüne stinkt es herzzerreißend, seit 4 Tagen schwimmt dort die Gülle. Die Presse hat auch Wind bekommen, kein Wunder bei dem Gestank. Wir müssen die Sache in den Griff kriegen. Vorschläge?“

Finanzjongleur Wettstein: „Wie wäre es, wenn ich unsere Anwälte anrufe und dann die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft antanzen lasse?“

Didi B.: „Quatsch mit Soße, Frank. Was sollen die denn prüfen?“

Wettstein: „Aber die machen doch sonst auch alles für uns“

Hilke

MarketingHilki: „Vielleicht kann ich die Geschichte ja sponsoren lassen. Villeroy & Boch würde mir da spontan einfallen, die stehen bestimmt im Telefonbuch“

Didi B: „Hilke, du nervst extrem. Verzieh dich und ruf bei der BILD an“

Profifußball Direktor Knäbel: „Man könnte die Scheiße in einen Rucksack und ….“

Didi B.: „Peter, ich flipp gleich aus.“

Direktor Sport Peters: „Ich glaube, ich gehe in den Keller und schreibe ein kleines Konzept. Verstopfte Toiletten hatten wir beim Hockey auch schon“

Didi B.: „Bernhard, sieh zu, dass du Land gewinnst, du bist wie immer keine Hilfe. Und nimmt die verdammten Badelatschen mit.“

Ohne Ergebnis wird die Sitzung beendet.

Wie nicht anders zu erwarten war, hat sich die Katastrophe binnen minutenfrist bis zu Trainer Bruno Labbadia rumgesprochen. Dieser sitzt in den Katakomben in seinem Trainerbüro, Hände vorm Gesicht und weint bitterlich. Als Co-Trainer Eddy Sülzer ins Zimmer kommt, fällt ihm der schöne Bruno in die Arme.

„Eddy, die machen unsere ganze Arbeit kaputt. Wir machen und tun und sortieren die Jungtalente aus und mobben den Stieber und was machen die? Die können nicht mal die Scheißhäuser sauberhalten. Am liebsten würde ich alles hinwerfen.“

Sülzer: „Pssst Bruno, nicht so laut. Du weiß doch, dass der Klopp im Moment frei ist. Rede dich nicht um Kopf und Kragen, ich brauche die Kohle“

Der schöne Bruno wischt sich die Tränen aus dem gebräunten Gesicht und macht sich auf zur Mannschaftssitzung. Im Besprechungsraum herrscht eisiges Schweigen, die Mannschaft weiß bereits von dem Skandal. Jedenfalls die Spieler, die Deutsch sprechen.

Sturmtank L. ergreift das Wort: „Trainer, ich war das nicht, ich schwör‘. Ich bin überzeugter Heimscheißer, das weiß jeder hier“

Lasogga

Der schöne Bruno: „Lass gut sein, darum geht es nicht mehr. Wir sind am Arsch“

Mittelfeldmotor Lewis H.:„Trainer, wir könnten die Fans auf unsere Seite ziehen. Ich habe mein Smartphone am Mann, lassen sie uns doch schnell ein Selfie machen. Wir Beide und die Klofrau und dann raus auf Twitter und Facebook. Ich garantiere, innerhalb von 4 Minuten haben wir 426 Likes und 12 Mal den Spruch „Bester Mann“. 

Der schöne Bruno: „Lewis, halt die Backen und nerv mich nicht“

Der Emir: „Trainer, unter solchen Umständen bin ich nicht in der Lage zu treten..äääh..zu spielen“

Nic Müller: „Trainer, für solche Scheiße bin ich aber nicht nach Hamburg gekommen.“

Bruno: „Ich auch nicht.“

Der kleine Oster-Zollek: „Aber Trainer, sie waren doch die ganze Zeit in Hamburg, als sie arbeitsl….ich meine, als sie auf das Angebot vom HSV gewartet hatten“

Bruno (nicht mehr wirklich schön): „Fresse, Oster“

Eddy Sülzer: „Leute, ich glaube, wir sagen das Spiel ab. Ihr hängt doch alle in den Seilen, so gibts ne zweistellige Klatsche gegen Darmstadt“

L. Holtby: „Zu Darmstadt fällt mir noch ein geiler Witz ein. Treffen sich zwei..“

Der erzürnte Bruno (mit hochrotem Kopf): „Mach die Birne zu, Lewis, oder ich beiß dir dir Eier ab“. 

Bruno verlässt den Raum, das Spiel gegen Darmstadt wurde abgesagt, der grüne Tisch sagt :3:0 für Darmstadt.

So schnell geht das mit der Unruhe beim HSV. Ein Anruf und alles bricht zusammen. Fragile Geschichte, so ein Weltverein.

Von | 2015-09-19T11:09:52+02:00 19. September 2015|Allgemein|8 Kommentare

8 Comments

  1. Jorgo 19. September 2015 um 09:03 Uhr

    🙂 Deine Gedankengänge. Ich lach mir den Arsch gerade ab. Und nein, eigentlich ist es traurig.
    Geile Satire!

  2. ausgegliedert 19. September 2015 um 09:42 Uhr

    Und ich dachte immer, bei Problemen herrscht das Motto shice drauf ?!!! Oder kümmert sich Jörni echt um jeden Shice?

    • Gravesen 19. September 2015 um 09:44 Uhr

      Wenn er sich mal um überhaupt was kümmern würde 😉

  3. Ideendiebstahl 19. September 2015 um 11:21 Uhr

    Ich habe Jörn Wolf nie kennengelernt. Aber wie er vor Pressekonferenzen arrogant von links nach rechts und von rechts nach links schaut, um dann genüsslich zwei Wasserfalschen zu öffnen und ein „so, da sind wir wieder“ ins Mirko so raunen, worauf mehrere sinnentleerte Fragen an den Trainer folgen, ist an Widerlichkeit nicht zu übertreffen. Der Kerl erweckt den Eindruck, als hätte er null Ahnung von dem was er da macht. Man hat das Gefühl, dass er sich jeden morgen stundenlang Youtube Videos von anderen Pressesprechern anguckt, um dann deren Gestik and Mimik nachzuäffen. Unsympathischer geht es kaum… und was macht der eigentlich immer auf der Bank während der Spiele?! Ist es normal, dass Pressesprecher am Spielfeldrand dabei sind???

    • Gravesen 19. September 2015 um 11:45 Uhr

      Wenn ich dir sage, dass du nichts verpasst hast…. 🙂

  4. Heiliger Bimbam 20. September 2015 um 02:04 Uhr

    Mehr von der Sorte Humör! *daumenhoch*
    Schade, dass das nur ein paar Kommentare geerntet hat.
    Ob da heute mehr kommentiert worden wäre, wenn Zankfurt sich wieder in einen Rausch gespielt hätte…? 😉
    .
    Aber egal, 7 Punkte nach 5 Spielen, das hätte auch schlechter aussehen können.

    • Gravesen 20. September 2015 um 06:55 Uhr

      Ich denke, es liegt vielmehr daran, dass viele einfach nicht verstanden haben, worum es mir ging

      • Heiliger Bimbam 20. September 2015 um 11:06 Uhr

        Uh, pöhse – schlechte Menschen(tm) könnten da auf den Gedanken kommen, dass Du Deine Leserschaft für überwiegend doof hälst… 😉
        .
        Ich glaube eher, dass die Story zum Einen gestern am (überwiegend positiven) Spieltag nicht als Anker für Kommentare anders als „jo, lustig“ taugte,
        und zum Anderen, dass manche Leute womöglich lieber nix sagen, da Du ja vor einiger Zeit (>1 Jahr) ja eher die Auffassung vertreten hattest, dass man (Medien-)Unruhe eben nicht künstlich in einen Verein tragen kann.
        .
        Minengebiet kombiniert mit Deiner leichten Tendenz zu rustikalen Ansprachen ergibt dann allgemeine temporäre Tastaturlähmung. 😉
        Shoot the Messenger! ;-))

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