Chance vertan

Was für ein seltsames Wochenende. Klitschko verliert gegen einen britischen Clown seine Weltmeister-Gürtel, die Freezers verlieren, St. Pauli kassiert gegen den 1 FC Nürnberg eine 0:4-Heimpleite, die Patriots aus New England unterliegen nach 10 gewonnenen Spielen gegen Denver, der HSV gewinnt 2 Spiele in Folge und „die Hamburger“ stimmen gegen eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024.

Alles sehr seltsam. Und traurig. Wie bei zahlreichen anderen Anlässen möchte ich aus einem HSV-Fußballblog eigentlich keinen Polit-Blog machen, eben weil ich weiß, dass sich einige wirklich nicht unter Kontrolle haben, sobald es um (sport)-politische Themen geht und so möchte ich euch dringendlich auffordern, die Contenance zu bewahren, solltet ihr euch bemüssigt sehen, diesen Blog zu kommentieren. Andernfalls passiert das, was in solchen Fälle immer passiert, der Krakeeler fliegt.

Manchmal frage ich mich, was eigentlich aus uns geworden ist. Aus einem Land der Dichter, Denker, Erfinder und Pioniere ist ein Land der Bedenkenträger, der Zauderer, der „Aus-Prinzip-Nein-Sager“ geworden. Sicherlich hat die Hamburger Bewerbung unter den Ereignissen der letzten Monate massiv gelitten. FIFA-Skandal, DFB-Gate, Attentate in Paris, Bombendrohung in Hannover, Flüchtlings-Katastrophe und und und. All das hat unter Garantie viele davon abgehalten, am gestrigen Sonntag mit JA zu stimmen. Sicherheitsbedenken, Bedenken, was die Finanzierbarkeit betrifft oder einfach keinen Bock auf ein sportliches Großereignis. Das alles mögen Gründe gewesen sein und diese Gründe kann ich bis zu einem gewissen Grad akzeptieren.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass bei vielen Nein-Stimmern diese Gründe lediglich vorgeschoben sind. Vielmehr macht der Zeitgeist die Runde, in einer Ära der Shitstorms macht es offenbar tierisch Spass, dagegen zu sein. Sei es nun Xavier Naidoo oder Olympia, gegenanrotzen ist in. Zum Glück liefert die Aktualität genügend (vorgeschobene) Gründe, diese Haltung zu begründen, ich glaube aber nicht daran. Vielmehr geht es darum, etwas kaputt zu machen. Wie viel leichter ist es, etwas mit seinem Worten oder seiner Stimme zu zerstören, was Andere aufbauen möchten. Und es geht eigentlich überhaupt nicht mehr um die Sache selbst, es geht um die Aktion. „Hast du auch dagegen gestimmt? Geil, oder?“ 

Wir, die nach außen verzweifelt bemüht sind, bei allen anderen beliebt zu sein, mögen uns irgendwie selbst nicht mehr. Die Gesellschaft teilt sich tagtäglich extremer auf, hier schwarz, da weiß. Ein Grau existiert nicht mehr, weil auch viele gar nicht willens bzw. in der Lage sind, sich mit den tatsächlichen Inhalten zu beschäftigen. Viele führen an, sie würden in Olympia ein erneutes Euro-Grab sehen, welches sie nicht mitfinanzieren wollen. Okay, alles gut und schön, aber haben sich diese Leute einmal mit dem Haushalt der Stadt Hamburg beschäftigt? Gehen sie auf die Straße, wenn Jahr für Jahr Milliarden für Mumpitz rausgehauen wird? Fragen sie, was eine Bankenrettung, eine Griechenlandhilfe oder das Flüchtlingsdrama einen jeden von ihnen kostet? Nein, tun sie nicht. Die Themen wären zu komplex und zumindest bei den letzten beiden Punkten darf man in diesen Tagen nichts sagen, wer möchte schon in der rechten Ecke stehen.

Wie willkommen ist da die Abstimmung über eine Bewerbung für Olympische Spiele. Hier kann man endlich einmal korrekt dagegen sein, ohne in Gefahr zu geraten, politisch inkorrekt zu handeln. Wenn ich sehe, wie die selbsternannten Olympia-Gegner ihren Triumph feiern, kommt es mir hoch. Nicht das Aufbauen wird gefeiert, der Abriss wird zelebriert. Und Hamburg, die Stadt Hamburg, hat aller Welt bewiesen, dass sie eben nicht das Tor zur Welt, sondern die Heimat von Verhinderern, Spiessern, Quertreibern ist. Chance verpasst.

Und jetzt? Wie geht es den Gewinnern von gestern heute? Überlegen sie, was sie als Nächstes verhindern und boykottieren können? Denken sie darüber nach, wo sie als Nächstes via Internet ihrem Zorn Luft machen können, dagegen an labern können, nur, um gegen an zu labern. Oder kommen sie jetzt mal wieder mit vollkommen abstrusen Vorschlägen, was mit dem vermeintlich eingesparten Geld angestellt werden soll.

Hamburg ist meine Heimatstadt, ebenso wie meine Ur-Großeltern, meine Großeltern, meine Eltern, mein Bruder und meine Tochter bin ich hier geboren, aber Hamburg wird jeden Tag ein Stück weniger zu „meiner Stadt“. Ich war einmal stolz auf Weltoffenheit, hanseatischer Kaufmannschaft, ich war stolz darauf, dass in Hamburg ein Wort und ein Handschlag noch etwas bedeutete. All das geht jeden Tag ein Stückchen mehr den Bach runter, Hamburg unterscheidet sich jeden Tag weniger von Berlin, München oder Düsseldorf. Das mag der Eine oder Andere anders sehen, ich sehe es so.

Hamburg hätte sich mit einer korrekten, nachhaltigen, ökologischen Bewerbung für die Olympischen Spiele neu aufstellen können, sich zur Weltstadt entwickeln können. Chance verpasst, Hamburg wird spiessige Provinz bleiben.

Und was mich an d. Generation „Nein“ am meisten stört: Sie haben nicht Positives zu bieten, nichts, wofür sie stehen, nur Ablehnung

Von | 2015-11-30T08:27:51+01:00 30. November 2015|Allgemein|49 Kommentare

49 Comments

  1. Peter Lustig 30. November 2015 um 08:48 Uhr

    Hamburg das Tor zur Welt?!?!
    Das Ergebnis von gestern zeigt, dass wir Provinz bleiben. In der Welt kennt Hamburg keine Sau und so wird es auch bleiben. Weltstadt sind wir nicht, das erkennt man schon an so banalen Dingen, wie Anzahl direkter Langstreckenverbindungen. Einfach nur enttäuschend diese Generation „Nein“.

  2. Jan 30. November 2015 um 09:03 Uhr

    Ich habe als Wohnbürger von Schleswig-Holstein zwar nicht abstimmen dürfen, will aber trotzdem einfach mal um der Diskussion willen dagegen halten:
    Die Hamburger haben gezeigt, dass sie keine „Ja-Sager“ sind, die sich von oben ein Großereignis aufdrücken lassen, an dem unterm Strich die Sportfunktionärsclique und einige große Weltkonzerne profitieren, nicht aber die *gesamte* Stadt. Niemand hindert Hamburg daran, auch ohne Olympia-Bewerbung Geld in Sportstätten, Infrastruktur und Stadtentwicklung zu investieren, und das ganze zudem noch mit einer Vision der ökologischen & nachhaltigen Stadt zu verbinden. Das muss nun aber nicht nach der Logik eines zeitlich und örtlich beschränkten Sport-Großereignisses passieren, sondern die Investitionen können dorthin fließen, wo sie wirklich gebraucht werden.

    • Rüdiger 30. November 2015 um 09:07 Uhr

      Das Problem ist doch, das Hamburg natürlich auch die Infrastrukur ohne Olympia verbessern kann.. nur leider wird das ohne Olympia ein Vielfaches an Zeit kosten als mit, da die Zuschüsse durch den Bund wegfallen… das ist es was die Nein-Sager immer nicht bedenken.. vom Bund hätte es für Olympia in Hamburg einige Milliarden zum Ausbau gegeben… das fällt nun flach.. und aus eigener Kraft wird es halt dauern… die U5 wird sich deutlich verzögern… der weitere Ausbau der U4 wird sich auch hinziehen… und den Tourismus-Schub den es für Hamburg nach Olympia gegeben hätte wird es auch nicht geben… alles in allem ist das Nein ein reines Verlust-Geschäft für diese Stadt…

  3. Rüdiger 30. November 2015 um 09:04 Uhr

    Ich war gestern abend maßlos enttäuscht das wir als Hamburger nicht mal die Chance wahrnehmen wollen Olympia in unsere Stadt zu bekommen.. Leider ist die Kultur der Nein-Sager und Verhinderer sehr ausgeprägt in unserem Land.. gegen alles und jeden gibt es Petitionen, Bürgerbegehren, Volksabstimmungen… wenn das so weiter geht wird Deutschland nicht mehr das blühende Land sein, das es zur Zeit noch ist…sehr schade.. 🙁

    • Jan 30. November 2015 um 09:50 Uhr

      Mal stellvertretend hier bei Dir, Rüdiger, als Entgegnung auf all die „Deutschland, das Land der Bedenkenträger“-Kommentare: Erfolgreiche Bürgerentscheide gegen Olympia gab es auch in anderen Ländern; meines Wissens nach hat es in der letzten Zeit keine erfolgreiche pro-Olympia-Bürgerabstimmung gegeben. Es ist also weniger ein deutsches Problem, sondern eher ein Problem des IOC etc., dass sie nicht (mehr) in der Lage sind zu vermitteln, warum eine Stadt & ein Land drumherum diesen riesigen steuerfinanzierten finanziellen Aufwand stemmen sollen, von dem letztlich, ich wiederhole mich, einige wenige private Akteure unverhältnismäßig viel profitieren.

      • Rüdiger 30. November 2015 um 10:05 Uhr

        Die Veranstaltung Olympia an und für sich lehne ich auch eher ab.. aber was es wirtschaftlich für Hamburg und den Speckgürtel bedeutet hätte es zu bekommen lässt sich gar nicht hoch genug beziffern… So eine Entscheidung darf man nicht in Bürgerhände geben… das ist eine Tragweite die vom Bürger nicht überschaubar ist…

        • Waton 30. November 2015 um 13:21 Uhr

          „Darf man nicht in Bürgerhände geben“? Man soll also die Entscheidungen in den Politikerhänden belassen?
          Man sieht doch jeden Tag, dass die meisten der heutigen Politiker total unfähig sind. Ich glaube das „Nein“ ist ein Spiegelbild der heutigen gesellschaftlichen Gesamtsituation. Man hat hier endlich mal eine Volksabstimmung gehabt und hatte dadurch mal die Möglichkeit seine Meinung auszudrücken, anstatt wie sonst üblich alle vier Jahre mal sein Kreuzchen zu machen.

          • Fritz 30. November 2015 um 22:29 Uhr

            „Man sieht doch jeden Tag, dass die meisten der heutigen Politiker total unfähig sind.“ Diesen Kommentar finde ich total überheblich und unangebracht. Welchen Politiker finden Sie denn „total unfähig“? Woran machen Sie die Unfähigkeit eines Politikers fest? Vielleicht daran wenn er etwas entscheidet oder handelt was nicht ihrer Meinung entspricht?
            Ich bin ebenfalls der Meinung dass diese Entscheidung nicht in Bürgerhände gehört hätte. Hier geht es um Themen und Konzepte die viele Normalbürger nicht in der notwendigen tiefe durchblicken. Damit will ich dem Normalbürger nicht die Intelligenz absprechen, aber die notwendige Informationstiefe für eine wirklich richtige Entscheidung wird kaum ein Wähler erhalten haben. Dadurch entstehen dann Bauchentscheidungen die z. B. aus den Anschlägen von Paris oder der temporären Flüchtlingslawine entstehen. Somit spiegelt das Wahlergebnis meiner Meinung nach nicht die tatsächliche Einstellung der Mehrheit der Hamburger Bürger zu Olympia in Ihrer Stadt wieder.

        • marlenus 30. November 2015 um 14:18 Uhr

          Mir kommt die Galle hoch!

          „…darf man nicht in Bürgerhände geben…“

          Was denn dann?
          Künftig ausnahmslos eine Diktatur des Kapitals oder noch Schlimmeres?
          Oder entscheiden darf nur noch der, der daran verdient und der Rest hat gefälligst untertäniges Zahlvieh zu sein?

          Also bitte…
          Das war eine demokratische Entscheidung mit einer Beteiligung, die höher war als bei manchen Kommunalwahlen.
          Das hat nix mit Facebook-Shitstorm oder ähnlichem zu tun, das waren bewußte Entscheidungen.
          Und dem Ergebnis gilt es Respekt zu zollen, ob es gefällt oder nicht!

          Politik, Sport und Wirtschaft hatten reichlich Zeit, sämtliche Bedenken nachhaltig aus dem Weg zu räumen.
          Und an medialer Unterstützung hat es ja auch nicht gemangelt
          Kritische Stimmen waren fast nicht zu hören, statt dessen in allen Massenmedien Werbung bis zum Erbrechen.
          Aber selbst am Sonntag lag noch nicht einmal eine verbindliche Finanzierungszusage des Bundes vor, statt dessen nur ein in die Mikros schwurbelnder Bundesinnenminister!
          Neee, sooo nicht!
          Wie heißt es so schön: Nach (F)Aktenlage entschieden!

          • Rüdiger 30. November 2015 um 17:48 Uhr

            Ich tröte nicht in das ausgeleiert Horn „Alle Politiker sind unfähig“ .. das ist mir zu billig.. ich bin der festen Überzeugung, das im Bereich der Politiker genauso viele fähige, durchschnittliche und Vollpfosten gibt wie in jedem anderen Berufsstand oder in Internet-Kommentaren.. und von daher glaube ich tatsächlich, das die Politiker in diesem Falle besser gewußt haben was für Hamburg gut ist als die Bürger.. ich bin grundsätzlich gegen Volksentscheidungen dieser Tragweite… die Wahlbeteiligung mit 50% ist im übrigen erbärmlich… das sowas überhaupt gilt (egal in welche Richtung) lässt mich nur den Kopf schütteln..

  4. ausgegliedert 30. November 2015 um 09:05 Uhr

    Man kann sich wohl fragen, inwieweit Paris und die Flüchtlingssituation letzendlich das Pendel (knapp) auf die eine Seite verschoben haben. Andererseits sollten wir uns nichts vormachen, bei einem (evtl. ebenso knappen) Ja wären in den nächsten Jahren wohl rudelweise Protestaktionen und juristische Einlassungen der Gegner erfolgt.
    Schön wäre indes gewesen, wenn das NOK ein eindeutiges Ja in der von dir beschriebenen Art umsetzen hätte können. Der HSV kann das ja nicht…

  5. FoppaXL 30. November 2015 um 09:07 Uhr

    Moin grave, den heutigen blog kann ich als Hamburger im Herzen voll unterschreiben.
    Leider konnte ich nicht abstimmen, trotz auch meiner Zweifel hätte ich gern mit ja gestimmt.
    Ich glaube jedoch, dass vor allem die größtmögliche Offenheit, die größtmögliche Transparenz dem Vorhaben am meisten geschadet haben.
    Die Euphorie über die tollen Pläne am Reißbrett wurde auch bei mir jäh gebremst als die zahlen über die zu erwartenden kosten auf den Tisch kamen.
    Ein echter stimmungskiller.
    Meine erste Reaktion war das schon, das hilft bei der Abstimmung nicht wirklich…
    Die Terroranschläge und die Sicherheitsdebatte waren dann nur das i-Tüpfelchen.

    Schade, schade, schade.

  6. Oliver Bruchholz 30. November 2015 um 09:11 Uhr

    Hallo Peter. Und genau diese Generation wird auch bei sehr wichtigen Abstimmungen in Zukunft um ihr Kreuzchen gebeten. Und da wird es mir Angst und Bange!

  7. SvenB. 30. November 2015 um 09:23 Uhr

    Ich war in der Olympiafrage zwiegespalten.
    Vom rein sportlichen und dem eigentlichen Event hätte ich es (als auch gebürtiger Hamburger seit mehreren Generationen) ziemlich genial gefunden. Klar hätte sich Hamburg der Welt präsentieren können, aber:

    Die Finanzierungslücke von rund 6Mrd. Euro war schon ziemlich krass. Der Bund hat schon verlauten lassen, dass sie es bezuschussen würden, aber eben nicht mit dieser Summe.
    Dann wäre immer noch ein Planungsdefizit von (geschätzt, geraten, was auch immer aber nicht unrealistisch betrachtet) rund 2Mrd. Euro vorhanden gewesen.

    Wenn man nun die letzten Großbauobjekte wie Elbphilharmony, BER, Stuttgart 21, Uni Lüneburg u.a. sieht (von zusätzlichen globalen Problemen/Krisen), wo die angesetzten Kosten um hunderte Prozent überschritten wurden, bevor überhaupt etwas eröffnet wurde, kann ich eine gewisse Skepsis nicht abschütteln, was die geplanten Kosten betrifft.

    Die Wohnungssituation ist und war (auch vor der Flüchtlingsproblematik) schon katastrophal. Hier wurde ja schon gesagt, dass die Quartiere nach den Spielen in Wohnraum umgewandelt werden würden. Mag ja sein, aber zu welchem Preis?
    Die Hafencity sollte auch für alle Hamburger gebaut werden, jeder sollte es sich leisten können , dort zu wohnen. Was ist daraus geworden? Durch die Nähe zum Wasser und der City würden auch diese neu erschaffenen Wohnungen/Quartiere eher an die besser verdienenden gehen oder als leerstehender Büroraum „genutzt werden“, wie so viele Immobilien in Hamburg. Der „normale Bürger“ würde wieder in die Röhre schauen.
    Ich bin nicht so blauäugig zu glauben, dass das gesparte Geld nun in Schulen, Kindergärten, Schwimmbäder, sozialen Wohnungsbau etc. gesteckt wird und natürlich wird so oder so Geld verballert. Dies wäre aber auch weiterhin der Fall gewesen, da brauchen wir uns auch nichts vormachen.

    Das alles sind für mich keine Punkte, die einfach wegzuwischen sind und haben auch nichts mit „Spass am dagegen sein“ zu tun.

    Was ich, genau wie Du, völlig daneben finde: dieses totale abfeiern. Genau so daneben finde ich aber, gerechtfertigte Kritik so darzustellen, als wenn die Leute nur völlig substanzlos gegen alles sind. Auch hier gilt aber: die Olympiabefürworter hätten den Sieg ebenso ausgekostet. Genau wie viele verblendete HSV-Fans jetzt Werder verhöhnen. Kein Wunder, dass wir HSV-Fans so unbeliebt sind. Soviel zum Thema „Demut“ – ist aber ein anderes Thema.

    Der Kommentar auf Spiegel-Online „Die Quittung“ trifft es m.E. ziemlich gut. Keine Ahnung, ob Du hier Links sehen möchtest, von daher lasse ich es. Interessierte Leser dürften es direkt über deren Seite oder über Google finden.
    m.E. war das gelebte Demokratie und wie so oft ist es so gewesen, dass die Gegner einer Sache (zumindest als es zur Wahl kam) einfach besser organisiert waren und sich die Befürworter ihrer Sache zu sicher waren und sich vielleicht gesagt haben: „ach, Wetter ist scheisse, ich bleib mal lieber zu Hause. Auf meine Stimme wird es eh nicht ankommen“.

    Zu Naidoo nur so viel: ihn als Ausländerfeind zu sehen, ist schon ziemlich bekloppt. Er engagiert sich seit Jahren dagegen. Antisemitisch? Ehrlich: keine Ahnung, steht diesbezüglich aber schon seit Jahren und nicht erst seit gestern in der Kritik, aber diesbezüglich äußert er sich nicht.
    Homophob? Mutmaßung meinerseits: nicht unwahrscheinlich. Warum? Schon einmal mit einem bibelfesten Christen darüber diskutiert?
    Und Naidoo ist eben ein neugeborener Christ, wie er immer wieder verlautbart. Die sind nicht zwangsläufig Homophob, aber in ihrer Art zu Glauben gibt es so etwas nicht und darf es auch nicht geben.
    Ihm diese Homophobie ALLEINE aufgrund eines Hip-Hop-Tracks anzudichten ist albern. Dort wird immer auf die Kacke gehauen, ob es einem gefällt oder nicht.

    Unbestritten und dokumentiert sind seine Aussagen bzgl. Deutschland und dessen immer noch währenden Besetzung durch wen auch immer.
    Viele fordern immer Statements der Muslime, wenn es mal wieder einen muslimisch motivierten Anschlag gab. Warum fordert niemand Xavier Naidoo auf, Stellung zu beziehen. Braucht er natürlich nicht, stimmt. Das ist irgendwie eine ähnliche Problematik, gerade weil er seit Jahren in der Kritik steht.

    Ganz davon ab, und das ist nur meine persönliche Meinung, wäre Naidoo auch alleine wegen seiner Musik kein geeigneter Kandidat. Ich weiß nicht, wann oder ob ich überhaupt schon einen Song von ihm gehört habe, der richtig rockt. Er hat gute Songs, keine Frage, aber für den ESC ist es einfach zu ruhig und nicht fetzig genug, was für den ESC ja leider erforderlich ist.

    Ich hoffe, dass es nicht zu politisch geworden ist:-)

  8. Marco 30. November 2015 um 09:41 Uhr

    Man kann das Ergebnis des Referendums mögen oder nicht, letztlich hat sich eine knappe Mehrheit der Hamburger Bürger in einer demokratischen Abstimmung gegen die Bewerbung ausgesprochen.

    Niemand muss erklären, warum er die Spiele in Hamburg ablehnt. Es ist das gute Recht eines jeden, dies zu tun – oder eben dafür zu stimmen. Jede Stimme zählt gleich, das gilt es zu respektieren.

    Ich sehe durch den negativen Ausgang der Abstimmung auch keinen moralischen Werteverfall oder eine mangelnde Weltoffenheit in Hamburg. Viele Menschen sind vielleicht schlichtweg satt von Organisationen wie dem IOC, die für ihre Spiele Steuerfreiheit und die Investitionen von Milliarden einfordern.

    Meinetwegen können wir in Deutschland sofort Milliarden in den Sport investieren, aber bitte mal ausnahmsweise in den Breitensport. Wenn man sich den Zustand vieler Schulsporthallen ansieht, und dass die Kommunen kaum noch in der Lage sind die sicherheitsrelevante Instandhaltung der vorhandenen Turn- und Sportgeräte zu finanzieren, kommen mir auch Zweifel, ob die rund 11 Milliarden veranschlagten Euro für die Spiele in Hamburg tatsächlich eine so gute Investition gewesen wären.

    Da ich mir aber nicht abschließend sicher war, ob ich das ganze Für und Wider komplett erfassen und überblicken kann, habe ich mich entschlossen nicht abzustimmen. Ich bin nicht unglücklich über den Ausgang der Abstimmung, aber ich hätte auch die Spiele in HH ohne zu lamentieren akzeptiert. Da ich einen knappen Kilometer vom Millerntor entfernt wohne, hätte mich das schon direkt betroffen.

    Alle fordern doch immer mehr Bürgerbeteiligung an der politischen Entscheidungsfindung. Jetzt hat sich eine Mehrheit gegen die Spiele in Hamburg ausgesprochen. Also, Mund abputzen und gut.

    • SvenB. 30. November 2015 um 09:45 Uhr

      Das kann ich so zu 100% unterschreiben.

      Super geschrieben, Marco!

  9. didi 30. November 2015 um 10:43 Uhr

    „Ich war einmal stolz auf Weltoffenheit, hanseatischer Kaufmannschaft, ich war stolz darauf, dass in Hamburg ein Wort und ein Handschlag noch etwas bedeutete.“

    Und genau für all das stehen weder IOC noch Olympische Spiele. Hamburg ist zu dieser liberalen und weltoffenen Stadt geworden ohne dieses ganze Gedöns.

    Das IOC sollte sich einmal die Frage stellen, warum es in keiner demokratischen Gesellschaft mehr möglich erscheint, die Menschen vor Ort für die Spiele zu begeistern. Überall da wo das Volk befragt wird gibt es Ablehnung. Das ist mitnichten ein deutsches Phänomen.

    Ich bin auch Hamburger und für mich war Olympia eine 50:50-Entscheidung. Als Sportfan war ich dafür, als Bewohner einer lebenswerten (und gerade noch so bezahlbaren) Stadt eher dagegen.

  10. Seppie 30. November 2015 um 10:45 Uhr

    Erstaunlich,wie hoch die Ja-Stimmen sind.Ich denke daher,daß viele Mitbürger noch nicht erkannt haben,wer die
    Chose unterm Strich hätte zahlen müssen.Konfetti-Draghi und Konsorten mit Sicherheit nicht.Insbesondere die
    Stadt HH(SWH dito ) werden alleine mit den Junkie-Papieren der HSH-Bank noch große Probleme bekommen.Die
    laufenden Personalkosten im ÖD u.a. lasse ich mal unkommentiert.
    Mfg.

  11. Webgolfer101 30. November 2015 um 10:48 Uhr

    Ich hab das Ganze schon kommen gesehen.
    Entgegen der Bewerbung für 2012 war diesmal keine richtige Begeisterung in der Stadt zu bemerken.
    Damals wollte sogar mein Schwager, ein ganz großer Werder Fan, den 3:1Sieg von Bremen über Bayern am Abstimmungstag gegen Leipzig, für eine Olympiabewerbung von Hamburg opfern. ?
    Auch diesmal hatte HH eine Riesenchance sich in aller Welt positiv zu präsentieren.
    Jetzt werden Berlin und München den Vorsprung weiter ausbauen, und die Gegner davon träumen, dass das gesparte Geld in den Breitensport gesteckt wird.

    • SvenB. 30. November 2015 um 11:11 Uhr

      „Jetzt werden Berlin und München den Vorsprung weiter ausbauen, und die Gegner davon träumen, dass das gesparte Geld in den Breitensport gesteckt wird.“

      Und das ist genau so bekloppt. Nur die Schmerzfreien würden das denken. Der Großteil weiß ganz genau, dass dies nicht passieren dürfte.
      Dass vernünftiges „Haushaltsdenken“ als Kleinbürgertum abgetan wird, finde ich schon seltsam. Und wie hier schon jemand schrieb: es ist a) kein deutsches Problem und b) googelt mal nach „fries olympia london“; So dürfte der gesamte lokale Handel von Olympia „profitieren“.

      Berlin ist uns touristisch alleine durch die jüngere Geschichte uneinholbar vorraus. Und sagen wir mal ehrlich: hässlich ist München auch nicht und dort kommen auch so viele ausländische Touris hin, weil dort ihre Freunde und Verwandte fern der Heimat arbeiten. Und die nahen Alpen sind m.E. deutlich geiler, als die Nord- oder Ostsee.
      Von ausländischen Metropolen brauchen wir gar nicht reden.
      Aber da sieht man wieder: man MUSS oben stehen. Dritter Rang in der Touri-Tabelle reicht nicht.

      Wie schon geschrieben hätte ich Olympia hier auch cool gefunden, aber dass vernünftige Argumente als Spießertum, Kleinbürgerlich etc. abgetan werden, ist mehr als albern.
      Wenn Hamburg für Euch Provinz ist: schön, akzeptiert. Ich fühle mich in der Provinz unheimlich wohl!

  12. Kai 30. November 2015 um 10:58 Uhr

    Hamburg ist eine weltoffene Stadt, die Hamburger selbst der durchaus weitsichtigere und tolerantere Teil der Bevölkerung Deutschlands, wenn auch manchmal etwas grosskotzig. Ich lebe seit 7 Jahren in Süddeutschland, in Städten wie Karlsruhe, Mannheim oder Kaiserslautern. Hier, wo jemand ganz offen auf seine mutmaßliche Herkunft reduziert wird und nur als der „Türk“ oder gern und oft auch als Neger betitelt wird, um ihn zu charakterisieren, ist man nicht so sehr weltoffen. Oder nehmen wir München. Auch keine weltoffene Stadt, Winterspiele abgelehnt. Genau die Münchner die sich sonst so gerne präsentieren, unteranderem mit ihrem größten Volksfest der Welt.
    Komisch also, das der offensichtlich doch weltoffenere Teil Deutschlands diesen Zirkus „Olympia“ nicht in seiner Stadt haben möchte. Wo lose zusammengerechnete Kostenvoranschläge ins unendliche explodieren und dann im allgemeinen Rausch der Glückseligkeit der große Schwamm drüber gelegt wird, zieht der kostenorientierte Hanseat die Notbremse. Das Kostenpaket von Olaf Scholz darf gern als mit der heißen Nadel gestrickt betrachtet werden, anstatt „so exakt wie noch nie“ gerechnet. Allein das Sicherheitspaket wurde mit nur einem Drittel der endgültigen Kosten der olympischen Spiele in London gerechnet. 500 Millionen zu 1,5 Millarden. Man argumentierte, man habe einen Mittelwert genommen. Ja Freunde, von 1950 bis heute, oder welcher Mittelwert soll das gewesen sein? In jetzigen Zeiten weniger für die Sicherheit ausgeben zu wollen als damals in London zeugt doch eher dafür, das hier eben nicht anders gerechnet wurde als schon bei der Elbphilharmonie. Und ich glaube auch HSV-Plus hatte seine Befürworter, viele waren auch Feuer und Flamme. Konzept war auch gut, nur die Umsetzung war eben scheisse. Manchmal verliert man die Übersicht wenn man zu sehr für eine Sache brennt. Der hanseatische kühle Kopf ist manchmal garnicht so verkehrt, auch wenn man hinterher der Spielverderber ist.

  13. apfelhari 30. November 2015 um 12:05 Uhr

    Schau an. Ein Blog ganz ohne Bezug zum HSV. Und das nach einem prima Auswärtssieg.
    Übrigens: Ich (aus Hannover) hätte für Olympia gestimmt. So wie ich damals für die EXPO war. Allein, weil sich Völker treffen um friedlich miteinander zu ringen. Das darf ruhig auch ein bisschen teurer sein.

  14. Jan-Peter 30. November 2015 um 12:55 Uhr

    Du schreibst: „Die Gesellschaft teilt sich tagtäglich extremer auf, hier schwarz, da weiß. Ein Grau existiert nicht mehr,..“
    Dieses „Grau“ macht immerhin 50% der Bürger aus, das sind nämlich die, die gar nicht gewählt haben.
    Einfach nur den „Nein“-Sagern die „Schuld“ in die Schuhe zu schieben, ist viel zu simpel und zu einseitig. Warum hat denn das Bewerbungskommitee z.B. nicht mehr Leute mobilisieren können?
    Die Hintergründe dafür beleuchtet leider niemand….

    • Gravesen 30. November 2015 um 14:37 Uhr

      Dann beleuchte doch mal.

  15. atari 30. November 2015 um 13:55 Uhr

    Vielleicht sagen aber auch viele nur NEIN, weil sie die nächste große Show-Lüge nicht in ihrer Stadt erleben und unterstützen möchten? Was macht es für einen Sinn, Siegern zuzujubeln, die kurze Zeit später ihre Medaillen wieder abgegeben müssen weil sie des Dopings überführt wurden. Das ist wie wenn Du 7 Jahre eine Lance Armstrong Lüge verfolgst… womöglich noch mit dem Wohnmobil live… oder wenn Du Dir die Team Telekom Lüge im Radsport anschaust… oder wenn Du jahrelang für teures Geld verfolgst, wie Hamilton in der Formel 1 mit 1 Minute Vorsprung seine Runden dreht oder wenn Du eine Bundesliga schaust, wo der Meister über Jahre vorher schon feststeht… das sind alles keine sportlichen Wettbewerbe mehr! Es kann sein, dass viele NEIN Stimmen oder Enthaltungen einfach auf diese ganze Geld-Show keinen Bock mehr haben. Eines ist mal sicher, keiner von uns hätte von Olympia etwas positives in seinem Geldbeutel oder sonst wo gemerkt. Das einige Taschen-Stopfer jetzt traurig sind kann ich allerdings verstehen…

  16. Goldfather 30. November 2015 um 15:45 Uhr

    https://www.youtube.com/watch?v=O2X4tiVXEuM
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    Hamburg wird nicht umsonst von verschiedener Seite als ein Zusammenschluß mehrerer Dörfer zu einem größeren Dorf bezeichnet.
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    Die Tragweite olympischer Spiele über das Jahr ihrer Ausrichtung hinaus, wurde von den meisten Hamburgern nicht erkannt. Olympische Spiele in Hamburg hätten einen Marketingeffekt für die kommenden 100 Jahre ergeben, woraus Anschlußprojekte hätten entstehen können von denen heutzutage noch niemand etwas ahnt.
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    In der Geschichte der Menschheit gibt es reihenweise defizitäre Projekte, die sich später als wahre Goldgruben erwiesen haben. Was mag der Bau des Kölner Doms gekostet haben? Was mag der Bau des Petersdoms in Rom verschlungen haben? Wie wahnwitzig war der Bau der ägyptischen Pyramiden über deren Funktion bis zum heutigen Tag gestritten wird, während der Tourismus Ägypten mitlerweile mehrere Milliarden Dollar eingebracht hat und in der Zukunft weiterhin einbringen wird.
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    Wie schwachsinnig waren die ersten Bemühungen von staatlicher Seite aus einen Menschen in die Erdumlaufbahn zu schießen? Welchen zivilen Nutzen sollte Raumfahrt überhaupt haben? Mitlerweile wissen wir, dass das Satelitengeschäft eine milliardenschwere Goldgrube ist, die in kommenden Jahrzehnten durch den zunehmenden Datenstrom des Internets weiter wachsen wird.
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    Hätte man vor all diesen Projekten eine Volksbefragung durchgeführt wäre die Antwort sicherlich „Nein“ gewesen, schließlich hätte sich der einzelne Bürger niemals vorstellen können wie er oder seine Nachfahren von derartigen Obskuritäten wie Kirchen, Pyramiden und Menschen in Raumkappseln hätte profitieren können.
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    Unternehmerisches Denken ist nun einmal den wenigsten Menschen gegeben und deshalb hat es mich auch nicht so sehr gewundert, dass die Hamburger mit Nein gestimmt haben, zumal es wirklich gute Argumente gegen Olympia in Hamburg gegeben hat.
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    Rational betrachtet braucht kein Mensch höhere Staatsschulden, Kameras in sämtlichen Strassen, Terrorgefahr und hochgerüstete Polizisten, Staus und Chaos ohne Ende. Rational betrachtet braucht allerdings auch kein Mensch ein eigenes Auto, drei Fernseher und das neueste Smartphone. Rational betrachtet ist die DDR gemeinsam mit der Sowjetunion pleitet gegangen weil die 5-Jahrespläne äußerst rational und vernünftig gewesen sind.
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    Während in den Politbüros zu Moskau und Ost-Berlin am Anfang der siebziger Jahre der Fortschritt auf vernünftige Art und Weise bestimmt wurde, machte sich am anderen Ende der Welt ein Hippie namens Steven „Steve“ Paul Jobs auf den Weg kiffend durch Indien zu ziehen. Aus der Sicht eines vernunftigen Investors wäre eine Geldanlage in der DDR oder Sowjetunion, sofern möglich gewesen, weitaus klüger gewesen, als auch nur einen einzigen Cent auf