Endlich! Das neue Leitbild des HSV

Der Wahnsinn hat einen Namen! Endlich, nach mehr als 1 1/2 Jahren ist mir nun gestern am späten Abend ein Dokument in die Hände gefallen, welches an Brisanz kaum noch zu toppen ist:

Das neue, streng geheime, in zahlreichen, teuren Workshops von den größten Wissenschaftlern dieses Planeten und von den kleinstes Gehirnen dieses Vereins in mühevoller Kleinarbeit erdachte Leitbild des HSV! 

Bevor wir jedoch zu den brandheißen und bahnbrechenden Inhalten des Geheim-Dossiers kommen, zuvor noch eine kurze Hinführung zu dem, worum es eigentlich geht oder der Frage: Was ist eigentlich ein Leitbild und warum braucht der Verein eines?

Das Vereins-Leitbild beschreibt, wie ein Verein sich sieht, welche Wertvorstellungen er hat und wie er wahrgenommen werden möchte. Es ist langfristig angelegt und beinhaltet allgemein gültige Regeln, die den Rahmen für das strategische Vereinshandeln nach innen und außen vorgeben. Jedes Leitbild hat zwei Bestandteile: (Quelle: www.ehrenamt-im-Sport.de)

Leitideen: Sie definieren Sinn und Zweck des Vereins (z.B. Gesunderhaltung, Stadtteilförderung, Förderung einer bestimmten Sportart). Sie beschreiben den Nutzen für Mitglieder und Gesellschaft, legen Werte und Ziele fest und eröffnen Visionen für die Zukunft.

Leitsätze: Sie halten diese Ideen und Visionen fest, konkretisieren und formen sie zu Kernaussagen. Im Zusammenwirken der einzelnen, schriftlich fixierten Leitsätze entsteht das Leitbild des Sportvereins. Die im Vereins-Leitbild schriftlich formulierten Handlungsgrundsätze dienen als Orientierung für alle Mitglieder. Deshalb sollten sie auch möglichst allen bekannt sein.

Hier nun also das neue Leitbild des Hamburger Sportverein e.V. von 1887:

Das folgende Leitbild gibt die Linie des Vereins vor, es regelt, was wir sind und was wir wollen. Es zeigt, wofür stehen und welches unsere Ziele sind. Sportlich, sozial und gesellschaftlich.

Gesellschaftlich:

Der HSV ist ein Verein von allen und für alle. Er steht jedem offen und jeder, der bereit ist, unsere Werte mitzutragen, ist jederzeit eingeladen, Mitglied dieses Vereins zu sein. Wir tolerieren weder Rassismus noch Ausgrenzung anderer. Wir fördern das Miteinander und das Füreinander.

Respekt: 

Konkurrenz ist im sportlichen Wettkampf notwendig, aber Konkurrenz bedeutet ebenfalls Respekt. Respekt für den sportlichen Gegner, Respekt für den im sportlichen Wettkampf Überlegenen. Wir begegnen unseren Gegner mit Achtung und betrachten sie und ihre Fans als Gäste in unserem Verein.

Hamburg:

Der HSV ist der Verein der Stadt Hamburg, wir sind stolz auf unsere Herkunft. Wir sehen es als hohes Ziel an, die Stadt Hamburg und seine Bürger im tiefsten Sinne der hanseatischen Kultur bestmöglich zu vertreten und zu repräsentieren. Wir möchten, dass die Heimatstadt unseres Vereins, die Hamburger und alle Mitglieder des HSV stolz auf den Hamburger Sportverein sind.

Förderung:

Der HSV möchte Talente fördern und dazu beitragen, dass diese jungen Sportler zu besseren Sportlern und besseren Menschen werden können. Hierzu werden wir alles in unserer Macht stehende tun. Die Förderung von Talenten gilt für selbstverständlich für den gesamten Verein und nicht nur für den Lizenzfußball.

Integration:

Die Integration jeglicher Kultur und jeglichen Glaubens ist ein fester Bestandteil unserer Werte. Im Hamburger Sportverein gibt es keine Unterschiede zwischen Rassen, Konfessionen und Geschlechtern. Jeder hat grundsätzlich die gleiche Chance. Der HSV ist sich seiner sozialen Verantwortung bewusst und wird sich dieser Verantwortung nicht entziehen.

Partner:

Der HSV ist ein verlässlicher Partner für seine Mitglieder, Sponsoren und Unterstützer. Eine Partnerschaft mit dem HSV wird immer fair und im gegenseitigen Respekt erfolgen.

Transparenz:

Die Arbeit beim HSV wird grundsätzlich transparent erfolgen, d.h. jeder ist jederzeit eingeladen, Fragen zu stellen. Im Rahmen der Möglichkeiten (vertrauliche Inhalte selbstverständlich ausgeschlossen) werden diese Fragen zeitnah beantwortet.

Familie:

Der HSV ist für viele Mitglieder so etwas wie eine Familie und dieses Gefühl wollen wir nicht nur erhalten, wir wollen es ausbauen. Der HSV ist ein familiärer Verein und lebt eine familiäre Vereinskultur.

Ziele:

Das Ziel des HSV ist grundsätzlich maximaler sportlicher Erfolg bei gleichzeitiger Fairness und wirtschaftlicher Arbeitsweise. Der Vorstand des Vereins geht mit den vorhandenen finanziellen Mitteln wirtschaftlich optimiert um und nutzt hierbei sämtliche Ressourcen des Vereins. Wir bekennen uns zum Leistungssport bei Sportarten mit Wettkampfcharakter. Für die HSV Fußball AG ist das geringste Ziel die dauerhafte Beibehaltung der Bundesliga-Zugehörigkeit.

Leitmotiv:

„hanseatisch, fair, professionell und zuverlässig Hamburg ist HSV, HSV ist Hamburg“

Kurze Erklärung: Ich habe natürlich kein „Geheimpapier“ bzgl. der Leitbildfindung des HSV in die Finger bekommen, einfach deshalb, weil es keines gibt. Die Formulierung (obwohl es sicherlich Punkte gibt, die man ergänzen könnte) hat mich insgesamt 28 Minuten gekostet, die Vereinsführung der Exzellenzen doktert bereits, trotz Unterstützung durch eine externe Agentur, die knapp € 100.000 dafür kassiert, mehr als 1 1/2 Jahren an der Nummer herum, als wäre es ein Hexenwerk. Das Problem dabei: So, wie diese Leitbildfindung betrieben wird, wird die gesamte HSV Fußball AG betrieben.

Lahmarschig, zögerlich, ohne Antrieb und Visionen.

Ach ja. Irgendwann in ferner Zukunft, in Monaten oder Jahren, wird das neue, spektakuläre Leitbild des Hamburger Sportvereins garantiert mit großem Brimborium, großem Pathos und von vielen extrem stolzen Vorständen und Direktoren präsentiert werden. Ich lade dann jeden ein, diesen Blog zu nehmen und eine Art Bullshit-Bingo mit dem zu spielen, was der HSV nach Jahren, mit der Hilfe von Agenturen und unter Einsatz von Huderttausenden von Euros präsentiert. Viel Erfolg.

Von | 2016-01-08T07:44:15+01:00 8. Januar 2016|Allgemein|7 Kommentare

7 Comments

  1. Hannes Grundmeyer 8. Januar 2016 um 09:06 Uhr

    Als ich die ersten Absätze des Leitbildes gelesen habe, hab ich überlegt, was es daran zu meckern gibt? Das hört sich doch alles recht vernünftig an!? Natürlich muss man ein Leitbild auch leben und mit Leben füllen. Daran hapert es beim HSV leider noch an allen Ecken und Enden. Die Erklärung im letzten Teil hat mich dann einigermaßen spachlos gemacht. Ich bin sehr gespannt, was die „Leitbildfindungskommission“ uns irgendwann präsentieren wird.

  2. SvenB. 8. Januar 2016 um 10:04 Uhr

    Moin,

    als ich die ersten Punkte gelesen habe, dachte ich nur „WTF“???
    Das sind doch Selbstverständlichkeiten, warum haben die dafür a) so lange gebraucht und b) warum hat das Unsummen von Kohle verschlungen:-)
    Gut, dass Du es noch aufgeklärt hast, wobei die Einleitung auch schon ein wenig verdächtig war.

    Ansonsten: top! Du solltest überlegen, eine externe „Consulting-Firma“ zu gründen – extra für Leute, die scheinbar zu blöd sind, selber auf solche elementaren Sachen zu kommen.
    Es ist ja auch nicht so, dass ein solches Leitbild (oder mit Bezug zum HSV „Leidbild“) juristisch irgendwie Millionen von Fallstricken hätte, dass so etwas tatsächlich extern geprüft werden sollte…

  3. Oberberger 8. Januar 2016 um 10:17 Uhr

    Herzlich willkommen zurück in der Kälte und im Chaos 🙂

    Ich halte diese ganze Leitbild-Diskussion für ziemlich überbewertet. Es ändert nichts an einem Verein, der ein bescheidenes Image hat, wenn er für sich die 10 Gebote neu erfindet.
    Die Werte und Regeln eines Vereins leiten sich größtenteils vom Verhalten der handelnden Personen ab, und nicht von einem bunt bedruckten Stück Papier.
    Alles bereits in der freien Wirtschaft erlebt, wo diese großartigen Regeln am einen Tag eingeführt und am nächsten Tag vergessen sind.
    .
    Hier ersetzt wieder mal teurer Aktionismus den gesunden Menschenverstand.

    • Gravesen 8. Januar 2016 um 10:48 Uhr

      Und weil das exakt so ist, muss man auch um diese Geschichte keinen jahrelangen Eiertanz machen, als wollte man das Schießpulver neu erfinden. Das aber ist eben typisch für die sogenannten Exzellenzen. Es wird alles verklausuliert, extrem schwierig dargestellt und als Hexenwerk verkauft. Dabei steckt in 95% der Fälle nicht mehr dahinter als ein wenig Arbeit, Gehirnschmalz und Fleiß.

  4. Björn 8. Januar 2016 um 12:29 Uhr

    Moin.

    Gibt’s da möglicherweise persönliche Verbindungen zwischen der externen Agentur/den externen Agenturen und dem HSV? Kommt ja nicht selten vor, dass man sich Gelder gegenseitig „unauffällig“ zuschiebt, oder den einen oder anderen Gefallen tut.

    • Gravesen 8. Januar 2016 um 12:34 Uhr

      Die gibt es in der Tat. Bitte noch ein wenig Geduld 😉

      • ausgegliedert 8. Januar 2016 um 19:17 Uhr

        Ein bißchen FIFA ist in der Tat überall. Beim HSV kann man sich indes der Vermutung nicht entziehen, ist das bißchen extrem ausgeprägt. Was muss das für ein Sumpf sein….

Die Kommentarfunktion wurde geschlossen.

Unser Archiv