Martin Luther Knäbel: I have a nightmare

Knäbel

I have a nightmare. Ich habe geträumt, dass ich mich in Interviews nicht mehr so unverständlich ausdrücken kann, dass mich kaum jemand versteht. Im Laufe meiner „Karriere“ habe ich durch die Besuch zahlloser Seminare gelernt, dass es schlau ist, wenn man in jedem Satz mindestens zwei Fremdwörter benutzt. Der Grund ist ganz einfach: Der Gegenüber kennt die Fremdwörter nicht, mag dies aber nicht zugeben. Als Folge wird man mir immer Recht geben, klappt zumindest bei den Hamburger Journalisten bestens. Jetzt habe ich geträumt, dass irgendein durchgeknallter Blogger diese ausgefeilte Taktik durchschaut. Kann ich nicht gebrauchen, das Geschäft ist laut genug.

I have a nightmare. Ich habe geträumt, dass Frau D. an einen Lügendetektor angeschlossen wird und dann die ganze Geschichte ans Licht kommt. Der verschwundene Rucksack, das Picknick im Park, der Anhänger, das Pflaumenkuchen-Date, der Kater am nächsten Morgen, einfach alles. War schon schlimm genug, der Polizei, den Wirtschaftsprüfern und dem Vorstand immer die gleiche Story aufzutischen, aber wenn jetzt noch ein Detail rauskommt, gehen die Lichter aus. Gut, dass Kühne das alles nicht mehr zu begreifen scheint und dass Gernandt genug mit Didi tun hat.

I have a nightmare. Ich habe geträumt, dass die beim HSV rauskriegen, dass ich gar nicht Peter Knäbel bin. Der echte Peter Knäbel wurde 1996 im Süd-Pazifik von Eingeborenen entführt und gilt als verschollen. Mein Name ist Willibald Schremp, ich komme aus Kaiserslautern. Eine neue Frisur, ein lustiger Schnauzer und das sündhaft teure Brusthaar-Toupet und schon wurde ich auf der Straße als „Herr Knäbel“ angesprochen. Auf einmal hatte ich einen Vertrag beim Schweizer Verband, dabei bin ich doch eigentlich Turmspringer. Hoffentlich kriegt das nie einer raus.

I have a nightmare. In meinem ersten Interview habe ich damals, angesprochen auf den Kontakt zu verliehenen Spielern, sinngemäß gesagt: „Man muss auch Flugkilometer machen“. Die haben das glatt geglaubt. Tatsächlich leide ich unter Flugangst und Autofahren mag ich auch nicht wirklich. Ich habe geträumt, dass das irgendwann rauskommt, dann brennt aber der Baum.

I have a nightmare. Ich habe geträumt, dass Gernandt mich anschreit und Didi böse auf mich ist. Didi hat gesagt, ich soll einen Flügelspieler besorgen, also habe ich Flügel/Klavier/Fußballspieler/Schweiz gegoogelt und bin auf das Video mit Drmic gestoßen. Jetzt verstehe ich die ganze Aufregung nicht, der kann doch auf dem Flügel spielen oder etwa nicht. Was habe ich falsch gemacht?

I have a nightmare. Irgendein gemeiner Journalist hat Didi erzählt, er hätte mich nur zum Verhandeln geholt, weil Didi selbst das nicht kann. Dabei kann ich das noch viel weniger. Ich habe jahrelang in der Schweiz gelebt und nicht in Jordanien. In der Schweiz verhandelt man nicht, man bezahlt. Ich dachte eigentlich, Didi wüsste das. Jetzt habe ich Angst, dass alle gemein zu mir sind.

I have a nightmare. Ich habe heute Nacht von Mails und Faxen geträumt, dabei kenne ich nicht mal den Unterschied. In der Schweiz habe ich allen Leuten Briefe geschrieben oder die Brieftaube Gundula meines Nachbarn Reto in Rapperswil-Jona genutzt. Dafür musste ich ihn einmal im Monat zum Käse-Fondue einladen. Ich weiß nicht mal, wie man einen Computer oder wie das Ding heißt anstellt. Und jetzt hacken alle auf mir rum, weil irgendwas 4 Minuten zu spät gekommen sein soll. Dabei weiß ich nicht mal, was. Ich habe Angst.

I have a nightmare. Neulich habe ich geträumt, dass Didi Bruno in die Wüste schickt und ich wieder den Trainer spielen muss. Dabei finde ich ohne fremde Hilfe nicht mal den Weg von meinem Büro in die Umkleide. Und dann sind da immer so viele junge Männer, die mich fragend angucken. Ich weiß dann immer gar nicht, was ich sagen soll. Einmal musste ich ja schon und das ist furchtbar in die Hose gegangen. Nett von Didi, dass er mir damals eine Sonderprämie dafür gezahlt hat. Ich habe damals gesagt: „Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Der Kollege Schmidt hat keinen gesehen, der sich verhält wie ein Anfänger. Das passt schon alles.“ Dabei hatte Hilke mir erzählt, dass ich das sagen soll. Das könnte man gut vermarkten, hat er gesagt.

I have a nightmare. Ich habe Angst, dass ich aus diesem Albtraum nicht mehr aufwache. Wäre ich doch bloß in der Schweiz geblieben. Da hatte ich mein ruhiges Kellerbüro ohne Fenster, keiner wollte wirklich etwas von mir, ich musste nicht reisen und nicht mailen. In der Schweiz musste ich nur irgendwie wichtig und deutsch aussehen und das kann ich gut, außerdem habe ich damals nicht mal die Hälfte von dem verstanden, was die erzählt haben, diese komische Sprache. Heute mache ich mir schon ins Hemd, wenn ich an den nächsten Montag denke, dann haben wir immer Meeting und ich habe Angst vor diesem Peters. Der Typ ist unheimlich und er hat mich bis heute noch nicht einmal begrüßt.

Gestern habe ich bemerkt, dass mir das Brusthaar rapide ausgeht. Ich will das alles nicht mehr.

Von | 2016-02-03T08:01:32+01:00 3. Februar 2016|Allgemein|20 Kommentare

20 Comments

  1. Diego 3. Februar 2016 um 08:20 Uhr

    Bitterböser schwarzer Humor. Gefällt mir.
    Könnte sogar wahr sein … 🙂

    • Benny 3. Februar 2016 um 08:44 Uhr

      Und doch so wahr. Schließlich ist das ja alles so was von traurig, dass es schon wieder lustig ist. Das Leben schreibt doch die lustigsten Wahrheiten. Ich hoffe nur, dass es dann nicht zu den traurigstens Wahrheiten kommt : Dem Abstieg. Aber es gibt noch die Relegation und wenigstens da sind wir Meister.

  2. Webgolfer101 3. Februar 2016 um 08:22 Uhr

    Hehe, wo holst du bloß immer diese Bösartigkeiten her? ☺☺
    Komisch, dass der Kühne sich noch nicht auf den eingeschossen hat. Bei Kreuzer hat der sich doch auch nicht zurückgehalten.
    Oder hat der schon resigniert ?

    • Gravesen 3. Februar 2016 um 08:37 Uhr

      Bösartigkeit? Sowas ist mir fremd. Aber ich kenne die handelnden Personen und ich höre zu 😉

  3. Diego 3. Februar 2016 um 08:37 Uhr

    Kühne hat sein Geld gegeben, ein Teil des Vereins gehört ihm jetzt.
    Da er nichts verschenkt, hat er wohl sein Engagement schon bitter bereut.
    Die Kohle ist verbrannt.
    Wenn es so weitergeht wird sein Anteil den Wert eines Toastbrotes haben.

    • Sven 3. Februar 2016 um 11:13 Uhr

      „Da er nichts verschenkt, hat er wohl sein Engagement schon bitter bereut.“ – Bitte? Der sitzt mit dem AR-Vorsitzenden quasi selbst mit am Tisch! – Ich weiß, das macht die Sache noch unverständlicher… 😉

  4. Diego 3. Februar 2016 um 08:39 Uhr

    “ Aber ich kenne die handelnden Personen und ich höre zu ?“
    Das ist wohl der Grund warum Du von einigen Leuten so gehasst wirst.

    • Gravesen 3. Februar 2016 um 08:40 Uhr

      Damit kann ich wunderbar leben. Viel Feind, viel Ehr‘ 🙂

  5. Diego 3. Februar 2016 um 08:43 Uhr

    Ich hatte etwas in Schmocks Einöde posten wollen (ich denke das wird nicht veröffentlicht, „wartet auf Freischaltung“).
    Daher eben hier (bezüglich der „Fax-Panne“ mit Sanogo).

    Die Schweizer mussten den Vertrag selbst aufsetzen weil der KnäbelPeter keine Zeit dafür hatte?
    Das ist doch der Brüller und unglaublich noch dazu.
    Welche Schwachmaten dürfen beim HSV alle ihr Unwesen treiben.
    Ich glaube, das sind alles Zombies, blutleer und mit dem IQ einer Tomate.
    Der zweiwöchige Bildungsurlab “Konversationen im Geschäftsverkehr, speziell im Profifussball” und “Transfers für Dummies” hält eine Weile an, bis man dahinter kommt, das nichts dahinter steckt.
    Dieser Punkt ist jetzt erreicht.

    • Oberberger 3. Februar 2016 um 08:50 Uhr

      Vermutlich hat Knäbel schon mit Latschen-Bernie beim Feierabend-Bierchen zusammen gesessen 🙂
      .
      Das ist alles so unglaublich dämlich, dass mir nur noch der pure Sarkasmus bleibt.

  6. Hannes Grundmeyer 3. Februar 2016 um 09:11 Uhr

    Nächster Schock für den guten Peder: Heute Morgen hat ihm der Direktor der Abteilung Datenverarbeitung (den gibts bestimmt) gezeigt, wie man den Spam-Ordner öffnet und siehe da, die Mail aus der Schweiz war pünktlich da! Ob der Vertrag jetzt doch noch zu Stande kommt? 🙂 Sanogo soll schon auf dem Weg sein und Peterchen bekommt ne Grundschulung in Sachen Mailverkehr.

  7. Diego 3. Februar 2016 um 09:14 Uhr

    „..Damit kann ich wunderbar leben. Viel Feind, viel Ehr‘ :-)…“

    Hast Du da nicht manchmal die Schnauze voll?
    Es ist doch wie ein Kampf gegen Windmühlen.
    Schlägst Du dem Drachen einen Kopf ab, wachsen zwei nach.

    • Gravesen 3. Februar 2016 um 09:22 Uhr

      Ach was, halb so schlimm. Außerdem werde ich doch nebenbei reich. Facebook-Klicks bringen Millionen, muss du wissen *Ironie aus* 🙂

  8. Lonewolf 3. Februar 2016 um 09:14 Uhr

    Moin, Moin aus dem verregneten Minga,

    hier ist das Wetter im Moment genauso Trist und deprimierend wie die aktuelle Führungsriege unseres HSV’s. Ich habe da mal eine Frage, die mir ein bisschen untern den Nägeln brennt:
    Warum gibt es bei dem riesen Verwaltungsapparat des HSV eigentlich keine Personen die in zweiter oder dritter Reihe stehen / arbeiten und noch nicht eine Revolution angezettelt haben? Es muss bei dieser Anzahl von Personen, doch auch genug intelligente Menschen mit der Raute im Herzen geben, die sich das nicht mehr länger mit anschauen können / wollen und auch Kontakte zum AR oder KMK pflegen und dort auf die ein oder andere Art vorstellig werden können. Vielleicht bin ich da etwas naiv oder auch nur schon zu verzweifelt über die ganze Situation und geballte Inkompetenz aber irgendwas muss doch spätestens im Sommer passieren. Es können doch nicht nur Geldgeier wie unser aktueller Vorstand / Direktorium beim HSV arbeiten, sondern auch noch noch echte Fans für die der Verein mehr als nur ein Job und willige Geldquelle ist.
    Wenn ich dann hier live vor Ort miterlebe, wie ein Verein hoch professionell geführt wird, könnte ich nur noch mit dem Kopf gegen die Wand schlagen.

    Gruß
    Marco

    • Carsten Hae 3. Februar 2016 um 09:20 Uhr

      Ich vermute eine sehr stark ausgeprägt Form der Betriebsblindheit. Anders ist das für mich nicht zu erklären.
      Oder die Angestellten werden so gut bezahlt das man das alles als Gottgegeben hinnimmt.
      Dazu dann eine gesunde Portion Selbstüberschätzung, weil wir sind ja der HSV et voila.

    • BerndH60 3. Februar 2016 um 13:37 Uhr

      Dann lass dich mal von jemanden erleuchten, der 35 Jahre in verschiedenen Tätigkeitsbereichen in der Industrie unterwegs war.
      1.) Perspektive von unten: In jeder noch so miesen kleinen Bude weiß auch der letzte Depp wer die Totengräber sind.
      Da sitzt man nun in der Betriebsversammlung oder auch auf Cheffes Geburtstag hinter dem tollen Außendienstmitarbeiter, der noch nie was verkauft hat, dem Prokuristen, dessen einziges noch arbeitendes Organ die Leber ist und dem Konstrukteuer, der seit zig Jahren seine Entwürfe aus den Katalogen der Konkurrenz abmalt. Neben dir der Erfinder des blauen Montags und des Brückentages mit AU, auf der anderen Seite schließlich der Typ, der in der Werkstatt Ersatzteile für seinen Oldtimer anfertigt.
      Kommst du jetzt auf den Gedanken die Gunst der Stunde zu nutzen um deinem Cheffe im Vier-Augen-Gespräch dieselbigen zu öffnen, bist du erstens binnen Wochenfrist aus dem Unternehmen und als Gratisbeigabe hält dein Cheffe noch bei der örtlichen Handelskammer ein kostenloses Referat über dich, so das du garantiert im Umkreis von 50 km keinen Job mehr erhälst, außer bei irgendwelchen Seelenverkäufern.
      2.) Perspektive von oben: Du kannst 30 Firmen hintereinander weg versenken, kein Problem, denn schuld ist immer die Belegschaft, welche zu dumm war, die Ergebnisse der Consultingfirmen buchstabengetreu umzusetzen. Tür zu, Augen auf, der nächste Job wartet schon. Aber in der selben Sekunde in der du aus dem Nähkästchen plauderst, warum vielleicht du tatsächlich der Einäugige unter den Blinden warst, bist du raus. Kein Golfclub mehr, kein Fahrer mehr, kein Meeting mehr. Nur zu empfehlen wenn man entweder die Schäfchen im Trockenen hat oder die Vorfälle liegen 30 Jahre zurück.

      • HHMichel 4. Februar 2016 um 00:36 Uhr

        Mehdorn lässt grüssen :))

  9. Diego 3. Februar 2016 um 09:43 Uhr

    „…Ach was, halb so schlimm. Außerdem werde ich doch nebenbei reich. Facebook-Klicks bringen Millionen, muss du wissen *Ironie aus* :-)…“.

    Dann hast Du es ja noch besser als Knäbel + Beiersdorfer.
    Die müssen wenigstens noch so tun als ob sie Ahnung hätten, damit die ihre Millionengagen erhalten. :-).

  10. Oliver Bruchholz 3. Februar 2016 um 19:17 Uhr

    Hallo Grave. Seit wann ist PK beim HSV? Kannst du mir nur eine positive Leistung dieses Mannes sagen?Ich steig da nicht dahinter wie man so jemanden immer weiter wursteln lässt. Manchmal hab ich mir ja schon den Held von 04 gewünscht.

  11. HHMichel 4. Februar 2016 um 00:24 Uhr

    Held von 04 ist zu gut für uns, der holt Spieler die uns überfordern, deswegen musste ja auch schon ein
    Herr Arnesen gehen, der hat ja auch nur Transferleichen verpflichtet, lt Abendblatt

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