Was nicht sein kann, das ist auch nicht!

Blogs, soziale Medien wie Facebook oder Twitter – eine einzige große Sozialstudie. „Was nicht sein kann, das ist auch nicht. Das muss erlogen und erstunken sein, anders ist es nicht zu erklären“. Fußball ist Leidenschaft, soll Emotion sein, aber Fußball ist im „Fall HSV“ längst zum Glaubenskrieg mutiert. Da werden von den wahren Gläubigen die wirrsten Verschwörungstheorie aufgebaut, die verrücktesten Szenarien erdacht und die coolsten Entschuldigungen erfunden. Hauptsache, das, woran sie glauben bzw. diejenigen, an die sie glauben, trifft keine Schuld. Dass es hierbei mittlerweile längst um sie selbst geht, bemerken die Nordkurven-Taliban schon längst nicht mehr. Sie sind ein Teil des Ganzen, sie geben mit ihrer Gefolgschaft weiterhin Aufschub und sie müssen sich am Ende auch mitverantwortlich fühlen, wenn die Geschichte an der Wand endet. Dann aber, und da gehe ich jede Wette ein, sind sie sich keiner Schuld bewusst, denn dann waren es „die da oben“.

Unterschiedliche Meinungen gab es immer und wird es immer geben und dass die eine Seite die Meinung der anderen Seite nicht mal im Ansatz respektiert, ist ebenfalls nicht neu. Die Vehemenz aber, die unerbittliche Härte, ja die Feindschaft in Zeiten der zugeschütteten Gräben, die ist irgendwie neu. Dabei sollte doch eigentlich alles besser werden, oder? Die Hardcore-SC’ler sind zu Falken geschrumpft, die alten Strippenzieher ziehen zwar noch, aber sie ziehen leise. Diejenigen, die sich am 25.05.2014 gemeinschaftlich zur Initiative HSVPLUS bekannt haben, sollten doch eigentlich eine Einheit bilden. Weit gefehlt.

Längst sind neue Feindschaften entstanden und in vielen Fällen geht es überhaupt nicht mehr darum, was gesagt bzw. geschrieben wird. Nein, viel wichtiger ist es, wer es sagt oder schreibt. Ich erinnere mich an Aussagen von Jürgen Hunke vor einige Monaten, die inhaltlich zu 100% richtig waren. Das aber konnte nicht sein, denn es war ja Hunke, der das sagte und Hunke ist doch der Feind. Noch schlimmer ist in meinen Augen jedoch, dass auf die Inhalte vielfach nicht einmal mehr im Ansatz geachtet wird, anhand der Überschrift oder des Autors wird das Urteil: Schwachsinn, Brunnenvergifter, Hater, Bremer etc. gefällt.

Der Umstand, das sich die Medien dieser Verhaltensweise bedienen, bleibt ebenfalls unentdeckt. Verkauft wird, was gefällt und am Ende geht es bei jedem Medienprodukt (Zeitung, Zeitschrift, TV-Sendung etc.) um nichts anderes als um den Verkauf. Denn – wer nicht verkauft, wird verkauft oder wird entlassen oder wird vom Markt genommen. Da aber ein Großteil der Bevölkerung bzw. der Fans dazu tendiert, nur das lesen bzw. konsumieren (und dann auch kaufen) zu wollen, was in ihr Weltbild passt, wird eben genau das geliefert. Die Wahrheit, das, was tatsächlich passiert, spielt dabei nur noch eine untergeordnete Rolle, sie wird zugunsten der Umsätze verdrängt. Auf diese Art und Weise kommt weich-gespülte und realitätsfremde Hofberichterstattung zustande, die am Ende jedoch nur eines ist: Betrug am Konsumenten.

Wenn sich dann aber einer der Journalisten doch einmal „traut“, seine eigentliche Aufgabe zu erfüllen und eben keinen Fan-Blog, sondern eine recherchierte Geschichte aufzutischen, geschieht folgendes: Er sieht sich einem Shitstorm ohne Gleichen ausgesetzt, obwohl er eigentlich nur seinen Job macht. Nicht das, was er schreibt, wird kritisiert, sondern er als Person. Er ist ein Teil der Lügenpresse, er „pestet“ rum. Im Anschluss werden dann niedere Motive unterstellt und die Sache nimmt ihren Lauf. Wer kann da eigentlich noch verwundert sein, wenn sich dies kaum noch jemand antun möchte? Da gehe ich als Berufsjournalist doch lieber gleich den einfachen Weg und präsentiere meinen Lesern das, von dem ich weiß, dass sie es lesen wollen. Dass dies eventuell nur die halbe Wahrheit ist – so what? Werde ich denn dafür bezahlt, dass ich mich von anonymen Honks anpöbeln lasse? Ne, das tun sich wirklich nur noch wenige an und die kriegen dann aber richtig.

War früher eigentlich alles besser? Nein, sicher nicht. Auch früher hatten wir gefühlten 42 Millionen Bundestrainer und diejenigen, die die BILD lasen und das Abendblatt abonniert hatten, wussten mehr über den HSV als die Vorstandsvorsitzenden. Und doch hat sich die Klugscheißerei in eine neue Dimension bewegt, dem Internet sei Dank. Heute kommt fast jeder, der über ein wenig Tagesfreizeit verfügt, an fast jede (gefilterte) Information heran, er muss im Grunde nur noch zusammenfügen und interpretieren. Denkt er. Dass aber die Informationen, die er aus dem Netz erhält, nicht die ganze Wahrheit darstellen, weiß er nicht. Und er realisiert ebenfalls nicht (wie oben beschrieben), dass er nur das liest (bzw. glaubt), was ihm in den Kram passt.

Und dann kommt noch etwas hinzu: Dadurch, dass sich der „geneigte“ Leser seine Informationen im Internet besorgt, ist er der Auffassung, dass jeder, der in eben diesem Internet publiziert, maximal seinen Wissensstand haben kann. Im Zweifelsfall denkt er sogar, er wüsste mehr. Tatsächlich aber weiß er überhaupt nichts, weil der zwei Dingen unterworfen ist.

  1. Er greift lediglich auf vorgefilterte Quellen zurück
  2. Er konsumiert zusätzlich nur die vorgefilterten Quellen, die seinem Weltbild entsprechen.

Das Bild, was sich aufgrund dieser Quelle ergibt, erscheint stimmig. Alles andere ist die Unwahrheit bzw. muss die Unwahrheit sein, ist schlicht erfunden oder wurden von Kräften, die „meinem Verein“ etwas Schlechtes wollen, konstruiert. Schlimm wird es für den Glaubenskrieger nur dann, wenn selbst er erkennen muss, dass „das Böse“ vielleicht doch nicht so falsch gelegen hat, aber das würde er niemals zugeben. Er selbst ist zu einem Teil der Lüge geworden und das Ding muss er nun durchziehen, andernfalls verliert er sein Gesicht. Dabei ist sich der Extremist auch nicht zu schade, erkennbare und belegte Fakten mit Argumenten wie „Ich denke“, „ich glaube“, „ich könnte mir vorstellen, dass“, „wahrscheinlich ist doch, dass..“, „meiner Meinung nach….“ zu kontern. Wirkt auch das nicht mehr, wird die vorletzte Karte gezogen und die nennt sich „man muss auch mal Geduld haben“. Damit aber nicht genug. Das Totschlag-Argument schlechthin lautet: „Ja, wer soll es dann sonst machen? Kennt du jemanden? Glaubst du, du könntest es besser?“. Ob das Ganze letztendlich als Fatalismus ausgelegt oder schon als klinische Verblödung bezeichnet werden kann, ist jedem selbst überlassen.

Die Wahrheit, also das, was tatsächlich passiert, ist nur noch zweitrangig. Wichtig ist, dass „die Anderen“ nicht Recht hatten. Zur Not geht man dann lieber mit fliegenden Fahnen mit den Pleitegeiern unter. Hauptsache, man muss nicht zugeben, dass man falsch gelegen hat.

Passend dazu erschien gestern nun ein Interview mit Finanzvorstand Frank Wettstein, welches alarmierende Inhalte zutage förderte, wenn man denn in der Lage ist, die Dinge zu verstehen und richtig einzuordnen.

http://www.finance-magazin.de/persoenlich-personal/interviews/hamburger-sv-will-schulden-restrukturieren-1372341/

Ich könnte jetzt eigene Worte dafür finden, aber ich bediene mich der Analyse des Kollegen Daniel Jovanov von seiner Facebook-Page, die er gestern im Laufe des Abends veröffentlichte.

Etwa 90 Millionen Euro – so hoch ist der Stand der Verbindlichkeiten zum letzten Stichtag. Wollte zunächst keiner glauben, jetzt erklärt es Finanzvorstand Wettstein. Hier einige Kernaussagen des Interviews.

„Weder die Liquidität noch die Lizenz sind gefährdet. Dennoch ist eines unserer Ziele die Verbesserung der Kapitalstruktur. Wir arbeiten daher auch an der Ausgabe von neuem Kapital. Ich erwarte, dass wir diese in Kürze vollziehen.“

Heißt: Ein neuer oder schon vorhandener Investor gibt zusätzliches Geld.

„Wir wollen unseren Aktionärskreis auf eine breite Basis stellen, so dass kein einzelner Investor eine Sperrminorität ausüben kann, wie das bei manchen Klubs der Fall ist, die strategische Partner oder gar einen Finanzinvestor an Bord geholt haben.“

Warum es diese strategischen Partner nicht geben kann, erklärt er jetzt:

„Allerdings könnte der HSV solchen strategischen Partnern aus der Industrie im Moment gar kein attraktives Angebot machen. Denn wie der Name schon sagt, verlangen diese Aktionäre einen strategischen Mehrwert, in der Regel durch exklusive langfristige Werbeverträge. Wir haben aber kürzlich erst mit unseren entscheidenden Werbepartnern verlängert. Und wenn diese aus verschiedenen Gründen kein Interesse an einem Einstieg beim HSV haben oder wie Herr Kühne bereits engagiert sind, müssen wir andere Lösungen finden.“

Verträge mit Adidas und Emirates wurden verlängert. Vom HSV selbst, der jetzt mehr oder weniger anprangert, dass er ihnen keine exklusiven Werbeverträge bieten kann. Alles schon besetzt. Langfristig.

„Wie Sie schon gesagt haben, werden wir in der laufenden Saison erst einmal wieder Eigenkapital einsetzen müssen, um die anfallenden Verluste zu decken. Anschließend wollen wir aber mit dem Aufbau von Eigenkapital beginnen.“

Heißt: Das Eigenkapital schmilzt vorerst weiter.

„Aus der Stadionfinanzierung haben wir zwar nur noch eine Restschuld von etwa 25 Millionen Euro, aber der wesentliche Teil davon ist innerhalb der nächsten 18 Monate zu tilgen. Das könnten wir zwar stemmen, aber dann bliebe nicht mehr viel übrig, um in den Kader zu investieren. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kreditgeber ein Interesse daran haben, dass der HSV in einem finanziellen Kraftakt die vereinbarte Tilgung leistet, dann aber im sportlichen Bereich finanziell nicht handlungsfähig ist.“

Heißt: Kredit wird erneut gestreckt. Hier die Bestätigung:

„Es ist daher eminent wichtig für den HSV, dass wir den Tilgungsdruck aus der Stadionfinanzierung herausbekommen, denn die Zeit bleibt ja nicht stehen, wenn die Stadionschuld getilgt ist. 2019 müssen wir die Fananleihe über 17,5 Millionen Euro zurückführen. Wir müssen die Stadionschuld also so restrukturieren, dass wir im gleichen Zug auch die Weichen für die fristgerechte Bedienung unserer übrigen Schulden stellen können.“

Und jetzt kommt mal ein die ungeschönte Wahrheit:

„Die 56 Millionen Euro sind reine verzinsliche Finanzschulden, deshalb ist der Vergleich nicht treffend. Zu den Finanzschulden kommen zum Abschlussstichtag noch etwa 13 Millionen Euro aus nicht fälligen Ablösesummen plus die üblichen Lieferantenverbindlichkeiten hinzu. Die Gesamtverbindlichkeiten, die Sie erwähnten, betragen zum Stichtag etwa 90 Millionen Euro.“

Außerdem: Der Campus wird 20 statt ursprünglich kommuniziert 10 Millionen Euro Kosten.

Das sind Fakten. Aber selbst für die Benennung von Fakten muss man als Journalist oder Fan heutzutage Prügel einstecken.

Zur Erinnerung: Das sagte Wettstein im Dezember. Kein Wort von 90 Millionen.

„Frage: In der Vergangenheit wurden in einigen Medien Finanzschulden in Höhe von 100 Millionen Euro kolportiert. Wie hoch ist die HSV Fußball AG tatsächlich verschuldet?

Wettstein: Wir definieren unsere Finanzschulden als Summe aus der Fan-Anleihe, der Stadionfinanzierung und den weiteren Darlehen. Diese betragen zum Abschlussstichtag etwa 56 Millionen Euro und sind damit etwa 6 Millionen geringer als zu Geschäftsjahresbeginn.“

Hier wurde ein wenig getrickst. Denn in der Frage heißt es: „In der Vergangenheit wurden in einigen Medien Finanzschulden in Höhe von 100 Millionen Euro kolportiert.“ – Hier wurden Finanzschulden und Gesamtschulden gemixt. Ich weiß allerdings nicht, welches Medium von „Finanzschulden“ in Höhe von 100 Millionen geschrieben hat. Es ging immer um die Gesamtschulden.

Der Öffentlichkeit dieses nicht unwichtige Detail zu verschweigen und sich für 56 Millionen abfeiern zu lassen (viele Fans haben daraus geschlossen, dass der HSV mal eben 44 Millionen Schulden abgebaut hat), kann man auch als einen bewussten Täuschungsversuch interpretieren. Nein, man muss es sogar.

Nun denn, dies sind die Fakten. Daniel Jovanov hat selbstverständlich auch gestern für die Bennenung der Fakten wieder reichlich Anfeindungen, Schmähungen und üble Texte kassiert und er hat meinen gesamten Respekt dafür, dass er sich das dennoch immer wieder antut. Die Glaubenskrieger werden auch hier wieder einen Weg finden, das ganze ins Reich der Fabel zu verbannen, selbst wenn ein Vorstandsmitglied all die Fakten und Tatsachen selbst benennt. Ab einen gewissen Punkt wird es krankhaft.

 

 

Von | 2016-02-04T07:27:55+01:00 4. Februar 2016|Allgemein|17 Kommentare

17 Comments

  1. Marco Nörenberg 4. Februar 2016 um 07:49 Uhr

    Hallo Grave, ich hatte gestern mit einem Freund und HSV Anhänger eine intensivere Diskussion über diejenigen Posten, die über die 56 Mio. hinausgehen. Was sind „nicht fällige Ablösesummen“? Und wie können „übliche Lieferantenverbindlichkeiten“ dann satte 21 Mio. ausmachen?

    • Gravesen 4. Februar 2016 um 08:10 Uhr

      Das kann ich dir nicht zu 100% korrekt beantworten und spekulieren ist nicht mein Ding. „Nicht fällige Ablösesummen“ sollen einem Experten zu Folge allerdings noch ausstehende Raten für Spieler sein, die schon längst beim HSV aktiv sind, die aber noch nicht „abgestottert“ sind. Machen übrigens viele Vereine so, dass sie Ratenzahlung vereinbaren.

  2. BerndH60 4. Februar 2016 um 08:52 Uhr

    Erstmal wieder vielen Dank für die Infos, Grave.
    Du kämpfst im Bereich „Information für Fans“ aber gegen Windmühlen.
    Ich weiß nicht ob du politisch interessiert bist, aber falls doch, weißt du, dass jedes Forum zu jedwedem denkbaren Thema seine eigene Filterblase ist, die jeweils von zwei bis vielen Trollen besetzt ist, welche die alleinseligmachende Wahrheit kennen und andere Meinungen unterdrücken.
    Erstmals aufgefallen ist mir die Extremposition vieler Menschen allen Ernstes bei Spiegel-Online, wenn dort Tom Grünweg, der dort für die Rubrik „Autos“ zuständig war oder ist, irgendeinen Bericht über ein x-beliebiges Fahrzeug veröffentlichte.
    Die maximal ersten 20 Kommentare hatten noch was mit dem Fahrzeug zutun, danach zerdröselte das ganze nur in Radfahrer und Öko-Hater, in Opel-Fans und VW-Anbeter, in Diskussionen ob den nun tatsächlich Rudolf Diesel den Dieselmotor erfand oder nicht. Nach spätestens 100 Kommentaren nur noch blanker Hass.
    Es ist unglaublich wie „glaubenssüchtig“ unsere aktuelle Gesellschaft ist. 🙁

    • Sven 4. Februar 2016 um 12:07 Uhr

      Kann ich aus der Kommunalpolitik bestätigen. Eigentlich hat Grave eine Soziologische Kurzstudie verfasst. Wenn der Gesprächsfaden einmal abgerissen ist und die Leute in ihrer Filterbubble angekommen sind, holt man sich entweder nur noch die Bestätigung durch Mitinsassen oder denkt, sich im Dauerkrieg mit dem Rest der Menschheit zu befinden, welchem einfach die Kraft der Erkenntnis (noch) nicht gegeben ist. Stichwort: sektenhafte Wagenburgmentalität.
      Auch wenn es schwerfällt und eine Sisyphusarbeit ist: Zugang bekommt man da nur noch über polemikfreie Sachargumente bzw. Sachpolitik, die im Idealfall in Aha-Erlebnisse münden, so nach dem Motto: „Hatten die Anderen doch nicht ganz Unrecht“ bzw. „Sind ja doch keine kompletten Vollidioten“. So in der Art. – Braucht man aber ein gewisses Sendungsbewusstsein. Wie der Hausherr hier… 😉

  3. atari 4. Februar 2016 um 08:57 Uhr

    Was erwartest Du? Während wir damals einige Spielergebnisse erst Montag in der Bild erfuhren sind wir heute fast überall live dabei. Konnten die alles wissenden damals ihren Spinnkram nur an einen kleinen Teil in der Kneipe weiter vermitteln erreichst Du heute mit einfachsten Mitteln tausende. Die grossen Firmen leben es vor, überall wird gelogen! In fast jeder Sportart wird betrogen! Öffentlich rechtliche TV Sender sind nur noch Propagandawerkzeug der Politik. Die Polizei verschweigt uns die Identität von Tätern und informiert bzw. warnt uns nicht einmal, wenn in einem Wohngebiet Masseneinbrüche zu verzeichnen sind. Warum sollte diese allgemeine Entwicklung am Fußball vorbei gehen? Da gibt es zum Glück noch einen gallischen Blog in Hamburg, der nicht müde wird, in Fussballfragen den Finger in die Wunde zu legen… leider nur im unwichtigen Fußballgeschäft…

  4. Benny 4. Februar 2016 um 10:54 Uhr

    Moin Grave,

    ich hatte gestern im Hsv Blog ebenfalls mal das Interview mit Wettstein in Auszügen dargestellt. Mit meinen Kommentaren dazu und im Speziellen die verklausulierten Aussagen zur Finanzlage des Vereins. Man glaubt es kaum wie ignorant manche sein können. Die Essenz aus diesem Interview kann doch nur sein:

    Es ist auch auf längere Sicht kein Großinvestor an Bord, der HSV ist auch auf längere Sicht sponsormäßig unattraktiv, Schuldenstreckung ist das einzige Mittel um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten und trotz langfristiger bestehender Sponsorenverträge reicht die Kohle nicht.

    Aussagen im Konjunktiv hasse ich wie die Pest. Nach dem Motto Wenn wir keine Schulden haben, können wir uns einen Spieleretat von 40 bis 45 Mio. leisten. Wenn Schuldenstreckung die einzige Variante, die einem einfällt, dann sind wir am Arsch.

    • Gravesen 4. Februar 2016 um 11:13 Uhr

      Stimmt. Und dann gucke heute mal in die Hamburger Presse.
      Abendblatt: Schmuse-Interview mit Vielflieger Knäbel.
      Mopo: Randnotiz
      Bild: Nichts
      Kicker: Heiße Luft
      Welt: Nichts
      Sportbild: Null.
      Der Finanzvorstand des HSV gibt zu, die Mitglieder belogen zu haben, gibt zu, dass der Verein durch eigenes Verschulden gekniffen ist. Durch die Verlängerungen mit Adidas (bis 2015 zu schlechteren Konditionen als zuvor, danke Herr Hilke) und Emirates wurde die Tür für echte Strategische Partner geschlossen. Allein daran kann man sehen, wie planerisch und vorausschauend gearbeitet wird. Und man kann auch sehen, wie mies es tatsächlich aussieht. Aber das will keiner so richtig wissen, denn „Was nicht sein kann, das ist auch nicht“

      • Andi Pie 4. Februar 2016 um 17:42 Uhr

        wenn dem wirlich so ist, dass Wettstein bewusst im Dezember falsche Informationen vorgelegt hat, was man ihm allerdings hieb- und stichfest nachweisen muss, dann gehört er nach Gesetz (AG und so) eingesperrt, verurteilt, und mit ihm der gesamt Vorstand, denn die hängen dann ja mit drin, weil keiner dagegen angegangen ist.
        Ich weiss nicht, wo und wie in den letzten 2 Monaten über 40 Mio EUR Schulden oder Verbindlichkeiten gemacht worden sein sollen, von daher kann ich die von Dir, Grave, und von D. Jovanov aufgezeigt logische Kette schon nachvollziehen.
        Jetzt muss nur jemand Klage erheben.

  5. Bidriovo 4. Februar 2016 um 11:32 Uhr

    Die Wahrheit liegt auf dem Platz und als regelmäßiger Zuschauer, zugegeben nicht im Stadion sondern am heimischen Bildschirm, nehme ich mir das Recht raus, frei über die Mannschaft und die Beteiligten, die für die Zusammenstellung der Truppe (sei es Trainer oder Sportdirektor) verantwortlich sind, mein Urteil zu fällen.
    Ehrlich gesagt ist mir die Politik darüber hinaus egal. Ich habe allerdings höchsten Respekt vor Gravesen, Jovanov und allen anderen, die sich der Sache annehmen und sich sogar die Mühe machen, Interviews von Wettstein und Co. nachzujagen und diese zu sezieren. Ich persönlich wüsste z.B. nicht mal, dass ein Wettstein beim HSV angestellt ist.
    Der HSV hat viele viele Jahre über seine Verhältnisse gelebt. In Zukunft wird man wohl so billig einkaufen (wie jetzt bei Naboui), dass man eigentlich nur Gewinn machen kann, entweder durch Transfererlöse nach Weiterverkauf oder aber weil die Leistung des Spieler höher einzustufen ist, als die geringe Ablösesumme, die für ihn gezahlt wurde. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, dass vielleicht beim HSV demnächst ein sogenannter „Roh-Diamant“ aufschlägt. Ein Spieler, der in der Vergangenheit keine Chance gehabt hätte, weil er nicht für x Mio verpflichtet wurde und keine 1,5+ Mio pro Jahr verdient.

    • Pedro 4. Februar 2016 um 13:07 Uhr

      Ich habe da meine Zweifel, ob der HSV dazu in der Lage ist. Mit oder ohne Fussballcampus.
      1. Der unabsteigbare HSV zählt sich doch selbst zur nationalen Elite. Nach drei Siegen singen alle von Europa. Demütig und mit viel Geduld junge Profis entwickeln? Dazu fehlt, in meinen trüben Augen die Kompetenz im Verein und das ruhige Umfeld.
      2. Andere Vereine besetzen die Nische „Ausbildungsverein“ bereits und sind dem HSV Lichtjahre voraus. Das wissen die Berater und vor allem die Spieler. Vergleichen wir einfach wie der HSV mit seinen letzten Talenten umgegangen ist.
      3. Die finanzielle Situation zeigt die Richtung. Es geht abwärts. Dem HSV fehlt schon jetzt das Kleingeld für bessere Talente.
      4. Talente die zum HSV wollen, werden in der Regel vorher durch das Raster der anderen Vereine gefallen sein.
      5. Die einzigen Pluspunkte sind die Erstligazugehörigkeit und die Stadt Hamburg.

      Sorry, aber der Gedanke, dass HSV systematisch unbekannte Diamante entwickelt und für viel Geld verkauft, ist für mich nicht vorstellbar. Der Rucksack, der ein solches Knozept beinhaltet, muss erst noch gefunden werden.

      • Andi Pie 4. Februar 2016 um 17:45 Uhr

        ach??? wurde schon wieder ein Rücksack verloren??? 🙂 hahahaha…

  6. Diego 4. Februar 2016 um 13:22 Uhr

    Das mit den Informationen aus dem Internet ist schon richtig,
    Aber: Stellen wir uns mal vor das WWW gäbe es nicht (ist noch gar nicht so lange her…).
    Die Massenmedien beherrschen unkritisiert den Markt.
    Es gibt keine andere Möglichkeit sich außerhalb der Zeitungen, TV und Radio zu informieren.
    Von dieser Seite eine schreckliche Zeit.
    Ich will damit nicht sagen, dass durch das WWW alles besser wurde, man muss nur sehen wie und wo meine seine Informationen herbekommt. In gewisser Weise eben filtern.
    Deinen Blog und Deine Aufklärung gäbe es ohne das Internet übrigens auch nicht.

    Zu den Finanzen: Ja, sieht sehr schlecht aus, wenn man zwischen den Zeilen liest.
    Aber da ist der HSV nicht der einzige Verein.
    Auch Werder hat sich mit dem INFRONT-Deal bis 2029 vieles verbaut zu unerfreulichen Konditionen.
    Witzigerweise haben die aber, trotz klammer Kassen, bei den Wintertransfers ein paar Mal zugeschlagen. dazu noch sinnvoll.
    Das ist es was dem HSV abgeht: Sinnvolles, planvolles und strategisches Arbeiten.

  7. Flons 4. Februar 2016 um 13:52 Uhr

    Wenigstens geht es beim Training zur Sache:
    http://www.focus.de/sport/fussball/fussball-hsv-trainingsvorfall-kopfnuss-von-ilicevic-fuer-gregoritsch_id_5261195.html

    Ivo verpasst Gregoritsch ne Kopfnuss…

  8. Webgolfer101 4. Februar 2016 um 14:23 Uhr

    Ganz schön bitter die Aussagen von Herrn Wettstein.
    Zugegebenermaßen ist es nicht einfach als Schatzmeister/Finanzvorstand in einem Verein zu agieren.
    Sagt er die volle Wahrheit rennen ihm die Sponsoren weg.
    Gibt er so ein wischi-waschi Interview nehmen ihn die Kundigen nicht mehr erst.
    Allerdings ist zu bedenken dass eine Tilgungsstreckung von den Banken genehmigt werden muss.
    Hier hat man es nicht mit irgendwelchen Nordkurven deppen zu tun, sondern mit Leuten die eine Bilanz lesen können.
    Da die Banken sich meist vorrangig sichern, würde ich mir als Inhaber einer Fan-Anleihe erhebliche Gedanken machen.
    Vielleicht sollte Herr Watzke mit den HSV Verantwortlichen einen Intensivkurs in Sachen Konkurs-Abwendung machen.
    Aber wahrscheinlich sind die zu blöd um das zu kapieren.

  9. ausgegliedert 4. Februar 2016 um 19:40 Uhr

    Investoren, wir brauchen mehr Investoren. Blöderweise gibt es nicht mehr viele Anteile, die diese erwerben könnten.
    Aber wenn die ersten Spiele mal in Shanghai ausgetragen wurden, fließt die Kohle wieder. Gell, Herr Hilke?

  10. Micha 5. Februar 2016 um 12:08 Uhr

    Danke für den interessanten Artikel. Letztendlich ist der Informationsgehalt von seriösen Journalisten immer von deren Quellen abhängig. Auch wenn heut zu tage jeder mit geringem Aufwand Meldungen auf den Infromationsgehalt recherchieren kann, bleibt die Frage nach der eigentlichen Quelle. Zum Vergleich kann sich jeder eine globale, x-beliebige Meldung aussuchen und deren journalistische Bewertung in verschieden Medien/Verlagen selbst analysieren. Das Ergebnis wird erschreckend sein.
    Man muß den Informationszugriff nur vernünftig nutzen und muß ihn dementsprechend einschätzen.
    Auf den HSV bezogen grenzt sich das natürlich stark ein.
    Ich frage mich nur: wann geht der HSV in die Insolvenz?

  11. alfa 5. Februar 2016 um 19:12 Uhr

    Ich bedauere zutiefst dass Ich ein Teil der Wegberereitung war, der diesen Herrschaften die Möglichkeit gab ihre unfassbare phänomenale Weisheit und Weitsicht walten zu lassen. Diese Weitsicht und Weisheit müssen von einer anderen Welt sein sonst würden sie sich doch ganz offensichtlich jedem Normalsterblichen sofort erschließen.
    Trotzdem kriege Ich bei all dem gewellten Hals die Liebe zum Verein und das Feuer nicht gebändigt und freue mich wieder auf Sonntag, irgendwie komisch. …Erklärung?

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