Der schlimmste anzunehmende Fehler

„Fehler passieren“. Klar, das stimmt. „Wo gehobelt wird, fallen Späne“. Stimmt auch, wenn denn endlich mal welche fallen würden. „Wer nichts macht, macht nichts verkehrt“. Absolut richtig und dennoch: Die Fehler, die sich die überbezahlten Exzellenzen in den letzten knapp 1 3/4 Jahren geleistet haben, sind derart zahlreich, dass man mit Binsenweisheiten und Bauerregeln an seine natürlichen Grenzen stößt.

Führt man auch nur einen Teil der größtenteils haarsträubenden Fails an, bekommt man im Gegenzug  Emotionen präsentiert, wie könnte es anders sein. Wo die Fakten eine klare Sprache sprechen, kann man sie nur noch mit Gefühlen kontern, so schwachsinnig es auch sein mag. „Ich glaube daran, dass jetzt endlich systematisch gearbeitet wird“. Tja, schöne Vorstellung, aber die Realität spricht nun mal dagegen. „Ich hoffe, ich schätze, ich könnte mir vorstellen, dass…“ Oder mit anderen Worten – heiße Luft.

Ich verziche darauf, erneut all die Katastrophen der Transfer-Historie aufzuzeigen, aber ich möchte noch einmal einen kurzen Blick auf „Didi’s Trainer-Karussell“ gewähren.

An Slomka gezweifelt

Slomka trotzdem die gesamte Vorbereitung machen lassen

Slomka nach nur 4 Spielen gefeuert

4. Liga-Trainer Zinnbauber in einer Nacht- und Nebelaktion und ohne dessen Wissen zum Chefcoach befördert.

Zinnbauer gefeuert

Profifussball Direktor Knäbel als Interimstrainer installiert

Tuchel vergrault

Aus der Not einen arbeitslosen Labbadia geholt.

Pures Glück gehabt.

Das alles in nur 1 3/4 Jahren, was für ein Wahnsinn. Angesichts dieses Chaos wollen mir einige immer noch erzählen, der große Vorsitzende hätte einen langfristigen Plan und würde strukturiert arbeiten? Zum totlachen.

Die schlimmsten Fehler jedoch beging Beiersdorfer am Anfang dieser Saison und der Fehler besteht aus exakt drei Buchstaben. T-A-H!

Nicht nur, dass man so dämlich war und der Meinung eines damals fast schon gefeuerten Trainers vertraute.

Nicht nur, dass man so dämlich war, das ungeheure Potenzial des HAMBURGERS Jonathan Tah nicht zu erkennen und ihn auch noch via Medien schlecht zu machen.

Nicht nur, dass man einen 18- Jährigen mit einer Ausstiegsklausel von € 15 Mio. für läppische € 7,5 Mio. verschacherte.

Nein, man verpasste die wohl einmalige Chance, eine echte Identifikationsfigur aufzubauen.

Gebürtiger Hamburger, U21-Nationalspieler, zukünftiger A-Nationalspieler, klar im Kopf, ohne Allüren. Ich möchte nicht daran denken, wie lange es wohl dauern wird, bis es diese unbezahlbare Kombination in der Hansestadt wieder geben wird, wahrscheinlich nie.

Calhanoglu kam aus Karlsruhe, Son ist Koreaner. Jona aber ist hier geboren. Was gibt es Größeres für einen Spieler, als Profi in seiner Stadt und bei seinem Verein zu werden?

Nicht nur in Hamburg sucht alle Welt nach Figuren, nach “ Leuchttürmen“. Jonathan Tah hätte für den HSV ein solcher Leuchtturm werden können, sportlich wie strategisch. Warum hat man denn beim HSV solche Probleme, strategische Partner zu finden? Weil niemand erklären bzw. greifen kann, wofür dieser Verein eigentlich steht. Alle Angestellten, vom Vorstand bis zu den Lizenzspielern, sind austauschbare Figuren, keiner steht für irgendwas außer vielleicht für sportlichen Niedergang.

Nachdem man monatelang verbreitet hatte, dass Tah unbedingt weg wollte, gab Beiersdorfet nun neulich zu, dass es wirtschaftliche Notwendigkeit war, die diesen Transfer „ermöglichte“. Problem ist nur (und da sind wir doch wieder bei den Fehlern), dass es Beiersdorfers eigene Taten waren (Behrami,Olic, Díaz etc.), die diese wirtschaftliche Notwendigkeit herbeigeführt haben. Ohne seine Fehler hätte man Tah nicht verkaufen müssen. An dieser Misere sind eben nicht Hoffmann oder Jarchow Schuld, sondern einzig und allein Herr B. mit dem schrillen Mantel.

Was aber genau so schlimm ist, wie die Fehler selbst: Man lernt nicht aus seinen Fehlern. Man lernt nicht aus Fehlern wie Boateng und man lernt nicht aus Fehlern wie Kompany.

Auch dafür nochmal: Danke Didi

 

Von | 2016-02-11T08:38:30+01:00 11. Februar 2016|Allgemein|26 Kommentare

26 Comments

  1. Zuercher 11. Februar 2016 um 08:58 Uhr

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Jonathan!
    Dein Verkauf hat bei mir wirklich das Fass zum Überlaufen gebracht, weshalb ich vor Beginn der BL-Saison meinen Vereinsaustritt erklärt habe. Mehr sportliche, wirtschaftliche und strategische Inkompetenz lässt sich in einer einzigen Entscheidung nicht zum Ausdruck bringen.
    Hat Beiersdorfer denn nicht die notwendige Selbstwahrnehmung, um seinen Stuhl frei zu machen, bevor der Verein völlig an die Wand gefahren ist?

  2. randomize 11. Februar 2016 um 09:28 Uhr

    Tah hat bei B04 alle Hinrundenspiele von Beginn an bestritten, stand neulich bei sportschau.de. Und 3 x CL. Musste gleich an Gravesen denken, ob er das nochmal aufgreift…

    • Gravesen 11. Februar 2016 um 09:59 Uhr

      Die Sache ist doch die. Viele (sogar ich) haben bereits in seiner ersten Saison als 17-Jähriger gesehen, wohin die Reise geht. Wenn ich jetzt das Verhältnis sehe (Tah für € 7,5 Mio. verkauft. Drmic für knapp € 3 Mio. für 5 Monate ohne Kaufoption geliehen), könnte ich schreien. Und ich könnte schreien, wenn es lese, dass es Leute gibt, die denen dort planvolles Handeln attestieren wollen.
      http://www.mopo.de/sport/hsv/hsv-leihgabe-gladbachs-plan-mit-josip-drmic-23503402

      • Südfan 11. Februar 2016 um 11:36 Uhr

        Planvolles Handeln kann ich schon erkennen, nur eben von Gladbach und nicht vom HSV 🙂 Das ist schon Wahnsinn, wie viel man für Drmic ausgibt, wobei ich etwas von knapp unter 2 Mio gelesen hatte.

        • Gravesen 11. Februar 2016 um 11:37 Uhr

          € 1,2 Mio. für 5 Monate – nur Leihgebühr. Dazu kommt noch das Gehalt bzw. der Gehaltsanteil für diese Zeit.

  3. Oliver Bruchholz 11. Februar 2016 um 09:56 Uhr

    Moin Grave. Sag mir aus den letzten 10 Jahren einen Spieler dessen Potenzial man richtig eingeschätzt hat. Gut Adler. Aber ich meine einen jungen Mann um den man eine Mannschaft hätte aufbauen können. Es wird jede Hoffnung verpulvert aus wirtschaftlichen Gründen und dann steht man sportlich so da wie der HSV. Über die Finanzen ganz zu schweigen.

  4. bidriovo 11. Februar 2016 um 10:08 Uhr

    An der Misere hat auch Jarchow Schuld. Er hat genauso schlecht gewirtschaftet wie die Exzellenzen danach. Didi hat den Schuldenberg nur noch weiter erhöht, aber Schulden waren schon vorher da.
    .
    Wenn man bei Drmic von einem 3 Mio-Paket spricht (beinhaltet auch sein Gehalt), dann sollte man beim 7,5 Mio-Paket von Tah auch noch sein eingespartes Gehalt addieren. Wird zwar bestimmt nicht so hoch sein wie das von Drmic, aber wäre für einen Vergleich sicher besser.

    • Gravesen 11. Februar 2016 um 10:12 Uhr

      Stopp! Nur, weil mein Vorgänger Schulden macht, unsinnige Transfers (van der Vaart) durchzieht und endlosen Käse verzapft, muss ich es nicht auch machen. Besonders dann nicht, wenn ich mit anderen Ansprüchen, anderen Versprechungen und jeder Menge Texten angetreten bin.

  5. Webgolfer101 11. Februar 2016 um 10:32 Uhr

    Ich muss ja zugeben, dass ich immer noch so bekloppt bin, und mir jedes Wochenende den HSV Mist ansehe.
    Fan sein ist ja irgendwie ein emotionaler Zustand, der die Realität oft ausblendet.
    Mir fällt es jedoch immer schwerer HSV Fan zu sein.
    Meine Emotionen nehmen ab 🙁
    In die Tath Berechnungen muss man ja auch noch mit einberechnen, dass man ja auch noch einen Kleber für ca. 4 Mio kaufte, der jetz hinter dem Oldie Spahic versauert.

  6. Südfan 11. Februar 2016 um 11:11 Uhr

    Ich weiß, dass ich mich mit dem Kommentar ziemlich unbeliebt mache, aber ich glaube nicht, dass Tah beim HSV wirklich eine gute Perspektive gehabt hätte. Der Fehler bestand wenn überhaupt darin, ihn zu verleihen. Spätestens da ging bei ihm auch die Indetifikation mit dem Verein verloren. Eine Identifikationsfigur kann man aber auch nur sein, wenn man sich mit einem Verein identifiziert. Dabei sollte man auch nicht die Interessen der Spieler ignorieren. Ich meine Manuel Neuer ist sicher die Identifikationsfigur von Schalke 04 gewesen und niemand hat ihn dort vergrault. Er konnte dort sogar Titel holen und CL spielen. Dennoch ging der Spieler zu Bayern. Tah hätte beim HSV die Perspektive Abstiegskampf bekommen und vielleicht noch nicht mal spielen können. Man sieht am Bsp. Stuttgart, dass im Abstiegskampf Trainer lieber erfahrenen IV vertrauen. Die Entwicklungsperspektive beim HSV war also unvergleichlich schlechter als bei Leverkusen und man muss auch akzeptieren, dass ein solcher Spieler wegwollte. Das gleiche Problem haben doch auch andere Vereine wie bpsw. Köln oder Mainz, die Spieler wie Hector oder Malli nicht über die Saison hinaus werden halten können. Ein Spieler, der gegen seinen Willen beim HSV festgehalten wird, kann eben auch keine Idnetifikationsfigur werden. So leid es mir tut, Tah nicht beim HSV spielen zu sehen, fand ich den Transfer folgerichtig und sehe hier ausnahmsweise mal kein Versagen der Verantwortlichen.

    • 1887 11. Februar 2016 um 13:01 Uhr

      Von der Sache her hast du völlig recht. Wir hätten ihn eh nicht halten können. Das wir ihn verliehen haben fand ich nicht verkehrt. Einem 17 oder 18 jährigen diesen Druck im Abstieg auszusetzen wäre glaube auch nicht gut gewesen. Aber der für mich entscheidene Fehler war, ihm während der Leihe nicht das Gefühl gegeben zu haben das er HSVer ist. Wenn sich das ganze Jahr keiner bei ihm meldet ist doch klar das er auch auf den HSV scheißt. Und so ein Verhalten bei einem so offensichtlichen Talent geht gar nicht. Da haben sie völlig versagt. Und was macht das für einen Sinn so einen Spieler schnell für 7mille zu verticken wenn man weiß man bekommt in ein oder zwei Jahren vielleicht 20mille.

      • UngebetenerGast 11. Februar 2016 um 13:26 Uhr

        Das macht Sinn weil man erstens keine Zeit hatte noch zwei Jahre zu warten und die 7 Mio. kurzfristig für das stopfen der Finanzlöcher brauchte und zweitens war man offensichtlich auch gar nicht daran interessiert irgendwelche Nachwuchskicker in die Mannschaft einzubauen, sonst hätte man ihn ja nicht verliehen bzw. hätte man sich während der Leihe (gilt auch für Demirbay) mal bei ihm gemeldet.

      • Südfan 11. Februar 2016 um 13:35 Uhr

        Das stimmt im Prinzip schon. Da schneidet man sich ins eigene Knie. Ein Problem, was ich derzeit auch bei Spielern wie etwa Demirbai sehe. Die Frage ist aber, ob der HSV tatsächlich einmal in die Situation gekommen wäre, den Spieler für viel mehr Geld zu verkaufen. Je jünger ein Spieler ist, desto mehr kann man für ihn bekommen. Die Höchstgrenze lag ja ohnehin bei der festgeschriebenen Ablösesumme von 15 Mio. Soweit ich weiß, bekommt der HSV wie bei Son auch einen Teil der Ablösesumme bei einem teureren Weiterverkauf des Spielers. Man darf eben auch nicht vergessen, dass Tah sich auch hätte schwer verletzen oder vollkommen außer Form sein können. Hätte er in dieser Saison beim HSV z.B. lediglich auf der Bank gesessen, könnte man für den Transfer wohl eine noch sehr viel geringere Ablösesumme fordern.

  7. Micha 11. Februar 2016 um 13:34 Uhr

    Tah abzugeben, mag ein Druck der Finanzen gewesen zu sein. Dann aber Fußballrentner in REIHE, meistens noch mit asozialier Komponente, zu verpflichten spricht ja für den Wahnsinn gewordenen Didi-Wahnsinn.
    Dank Grave tangiert mich das Schicksal des hsv immer weniger, ich kann mich geradezu von diesem Wahnsinn loslösen.
    KMK wird den faulen Apfel bald aufsammeln.
    Mich ärgert nur, das Minusperformer den HSV ausnutzen, wie auch Jarchow+Kreuzer zuvor.
    Und doch wünsche ich mir den Schweber fast zurück. Kreuzer erscheint wie eine Lichtgestalt (mit Tankkarte) gegen den Rucksackvergesser. 😉

  8. Captain-1 11. Februar 2016 um 16:25 Uhr

    GELD regiert die Welt !!
    Und genauso ist es Profifußball.Natürlich war es ein Fehler Tah für diese Summe abzugeben.Aber ich denke auch ,daß er unbedingt weg wollte.Da hat wohl auch sein Vater die Hand mit aufgehalten..Genau wie bei Öztunali,de´m Enkel des URGESTEINS des HSV ,Uwe Seeler.beide haben zusammen in der Jugend des HSV gespielt und nun ,oder im Sommer,wieder vereint bei Bayer 04.Schon diese Jungprofis gehen dorthin wo es am meisten Kohle gibt.da ist NICHTS aber auch gar nichts mit Identifikation des Vereins wo sie groß geworden sind.
    Und Geld verdirbt den Charakter.

    • Goldfather 11. Februar 2016 um 16:59 Uhr

      Natürlich kann der HSV nicht mit Clubs wie Bayern München, Manchester City oder dem FC Barcelona konkurrieren, aber sicherlich doch mit Bayer 04 Leverkusen, wenn es darum geht Spieler wie Tah, Öztunali und Son an sich zu binden. Dafür muß dann halt Geld in die Hand genommen werden, was letztendlich immer noch preiswerter wird, als das was in den letzten Jahren gelaufen ist.
      .

  9. Andreas 11. Februar 2016 um 16:42 Uhr

    Jungs
    Nun hört doch mal auf hier nur zu quaken
    Sagt doch mal exakt wie es richtig gemacht wird, nicht was alles falsch war.
    Das ist jetzt müßig und ändert die Zukunft nicht.
    Macht doch mal einen Mini Businessplan. Was wäre in der gegebenen Situation konkret zu tun.
    Spieler – Spielsystem – Finanzierung

    Wäre mal neugierig wie das dann aussieht, wie gesagt, im hier und jetzt und nicht im Gestern.

    Das dann regelmäßig wieder schreiben, am besten so das es sich in alle Köpfe brennt.

    Hoffentlich dann auch die richtige Entscheidung war

    Nicht soll doll schimpfen jetzt
    Lg
    Andreas
    40Jahre HSV fan mit wechselnden Gefühlen

  10. ausgegliedert 11. Februar 2016 um 19:27 Uhr

    Tah aufzubauen wäre eine Umsetzung des Konzeptes HSV+ gewesen. Das will/wollte anscheinend keiner der Exzellenzen, allen vollmundigen Versprechungen zum Trotz. Also wie in der Politik vor den Wahlen.
    Im Gegensatz zum Politiker vor ihm scheint Didi zumindest weniger hinter dem Vorhang zu stehen. Dessen rhetorische Fähigkeiten waren aber anders ausgeprägt. Nun ja, mag sich jeder das für ihn passende raussuchen.
    Professionell wirkt das Geschehen seit der Ausgliederung bei weitem nicht.

  11. Wiltu 11. Februar 2016 um 20:18 Uhr

    Das Problem ist doch auch, dass TAH mehr Geld verlangt hatte. Von 2 Mio. im Jahr war die Rede. Und ehrlich gesagt kann ich den Jungen gut verstehen. DB hat in der AG-Euphorie Lasogga, Holtby u. Müller (kurzzeitig Behrami) mit unfassbar hohen Gehältern ausgestattet, so dass logischerweise der Rest auch etwas vom Kuchen abhaben möchte.
    Ein Lasogga verdient das dreifache wie ein Alex Meier! Ein Rudnevs verdient mehr als ein Alex Meier! Jeder Hansel beim HSV verdient mehr als ein Alex Meier! Wir sind wirtschaftlich am Ende, noch Fragen WARUM !!!??

  12. hamuburgmini 11. Februar 2016 um 23:09 Uhr

    Moin,
    im Grunde genommen, geht es nicht darum, ob man einen Spieler für eine Saison verleiht, sofern es die Entwicklung des Spielers weiter befördert. Das gilt auch für den Spieler Jonathan Tah, der m.E. in Leverkusen, trotz zugestandener Formschwankungen, zur genüge gezeigt hat, daß er ein zukünftiger Kandidat für die Nationalmannschaft werden kann.

    M.E. geht es auch nicht darum, ob ein Spieler einmal verkauft wird, sofern die Beweggründe des wechselnden stimmig sind und der abgebende Verein nach seinen Maßstäben (Werte-Konzepte) wirklich ALLES erdenkliche getan hat und die Parteien sich erhobenen Hauptes, in Verbundenheit voneinander trennen, das gilt nach Innen wie nach Außen.

    Die Transparenz, mit der Transfers und das jeweilige Verhalten der Parteien über die Bühne gehen ist gewaltig und deren Außenwirkung seitens der Verantwortlichen sehr häufig unterschätzt. In der Konsequenz, ist entweder das Bild des Vereins, des Spielers, oder beiden gleichermaßen angekratzt.

    Man sieht sich immer 2 x im Leben.

    Drei Beispiele die separat verschiedene Probleme aufzeigen und auch einander eine Gesamtproblematik im Umgang mit Talenten aufzeigen und auch das Image des HSV schaden nimmt.

    Der Nachwuchsspieler Öztunali bekommt ein sehr gutes Angebot vom HSV, die Verantwortlichen (Arnesen) machen in Ihren Darstellung deutlich, daß dieser Spieler äußerste Wertschätzung erfährt. Leider wurde dann als es zur Trennung kam, anstelle des internen lösungsorientierten Diskurses, der Disput öffentlich ausgetragen. Statt einer gemeinsamen Erklärung vor der Presse (Transparenz) und damit einhergehender jeglicher Unterbindung von „Schmonzetten“, einer für alle Parteien tragfähige sportliche Lösung für den Übergang, wurde dem Spieler für das erste die Tür zugemacht, auch eine Akzeptanz der Fans ist so nicht mehr vorhanden.
    Folgt man dem sportlichen Verlauf des Spielers und seiner Leihe nach Bremen, muss man hinterfragen, ob bei einem anderen Abgang, der HSV (bei Bedarf) nicht eine größere Chance gehabt hätte, den Spieler wiederum längerfristig an den HSV zu binden und zu reintegrieren..

    Der Spieler Calla… kommt, nach zusätzlicher 1jähriger Leihe, von Karlsruhe nach Hamburg und spielt eine Riesensaison.
    Er bekommt ein Angebot und lässt sich „falsch“ beraten und will den Wechsel forcieren. Die Verantwortlichen des HSV, äußern sich negativ über den Spieler. Erschwerend hinzu kommt, daß die sich positionierende HSV+ AR-Fraktion den Spieler als „ungezogenes Kind“ titulieren. Die Situation spitzt sich zu, der Spieler will nicht mehr und lässt sich „krankschreiben“…
    Fernab davon, daß ich die Krankschreibenaktion nicht gut fand, so muss man doch konstatieren, daß die Karriere des Spielers, aufgrund des frisch verlängerten Vertrages beim HSV lag. Der finanzielle Zwang eines Verkaufes nach erfolgter Ausgliederung war nicht gegeben, wenn man nicht unbedingt einen Lasogga hätte meinen verpflichten zu müssen.
    M.E. hätte der HSV anders kommunizieren müssen und den Spieler auch seine Situation über die Berater und Leverkusen intern aufzeigen können und zugleich öffentlich den Druck rausnehmen müssen.

    Es ist nicht passiert, stattdessen wird der HSV bei Spielern als Verein gesehen, der nicht schriftlich fixierte Abmachungen eben nicht einhält. Für junge Spieler und deren Berater gilt das nicht als zuverlässig. Der Wechsel ist mit Ach und Krach über die Bühne gegangen, aber auf beiden Seiten hat der Ruf / das Image gelitten, das stattfindende BuLi-Spiel wird stattdessen öffentlich zum Hassgipfel stilisiert..

    Der Spieler Jonathan Tah, daß Ausnahmetalent beim HSV bekommt nach einer fußballerisch guten, privat schwierigen Debutsaison keine Aussicht auf Einsatz in der Folgesaison (Die Gründe dafür und ob das richtig war ist nachrangig, noch der Spieler steht auf der Zugehörigkeitsliste des HSV). Man einigt sich, den Spieler für eine Saison zu verleihen. Für beide Seiten könnte man das positiv auslegen. Zum einen hat die Mannschaft die Möglichkeit sich im Ligabetrieb erst einmal zu stabilisieren, zum anderen kann sich der Spieler weiterentwickeln und so zur nächsten Saison schneller in die Mannschaft im Stamm integriert werden (durch regelmäßige Spielpraxis durch die Leihe).
    Tah spielt eine durchschnittliche Saison in Liga 2, was den HSV, der ihn wie kein Zweiter kennt, eigentlich nicht davon abhalten sollte auf ihn zu bauen – man ist doch von ihm überzeugt-. Leider kümmert sich keiner um ihn, kein Verantwortlicher macht sich regelmäßig und nachdrücklich bei ihm bemerkbar, es wird nichts nach Außen kommuniziert. Er ist quasi abgeschrieben, nach innen und außen. Keine nachweislichen Besuche des Sportdirektors, keine „Home Story“ des HSV á la „Was macht eigentlich …unser Jahrhundert-Talent“ in Düsseldorf auf der Homepage für die Fans. Kein Zeichen an den Spieler, kein Aufzeigen einer Perspektive, keine Hilfestellung bei Problemen….
    Der Wechsel des Spielers, trotz gut-dotierten Vertrages, kann bei seinen 18 Jahren damals nicht am Geld gelegen haben, auch nicht an einer gescheiterten Stammplatzgarantie, die gab es zu Saisonbeginn auch nicht in Leverkusen, es verletzten sich nur die Stammkräfte, die einen Einsatz in der Liga und der Champions-League ermöglichten…

    Das Gefühl des Weiterkommens und der Perspektive beim HSV wurde ihm nicht aufgezeigt, weil es kein Konzept gibt.

    Als Fan, habe ich nicht das Gefühl, daß der HSV junge Talente grundsätzlich einsetzen und entwickeln möchte.
    Das scheint auch nicht möglich, weil es an vielen verschiedenen Stellen, sportlich und sozial an integrativen Kräften fehlt es einfach zu wollen.

    Die Spieler werden der „Presse“ zum Fraß vorgeworfen, falls einer nicht „spurt“. Junge wie alte Spieler werden vom HSV nicht „geschützt“, es werden keine Werte vorgelebt.
    Ich habe nicht das Gefühl, daß die Entwicklung des Talentes beim HSV im Vordergrund steht, eben weil die Durchlässigkeit nicht gezeigt / gelebt wird. So wird es zukünftig auch schwer mögliche Talente neben dem Geldfaktor für den HSV zu überzeugen….

    • Hannes Grundmeyer 12. Februar 2016 um 09:28 Uhr

      Sehr gut zusammengefasst. Exakt so sehe ich das auch. Wenn man kein Geld hat, muss man junge Spieler eben mit einem guten Konzept überzeugen. Und so ein Konzept sehe ich beim HSV schon seit Jahrzehnten nicht.

      • Goldfather 12. Februar 2016 um 12:06 Uhr

        Ein Konzept zur Integration von hochtalentierten jungen Spielern fehlt beim HSV in der Tat seit Jahrzehnten und hätte eigentlich bereits von Günter Netzer und Ernst Happel erarbeitet werden müssen.
        .
        Doch die eigentliche Frage ist meiner Meinung nach: Warum fehlte dieses Konzept, obwohl eigentlich allen am HSV Interessierten klar war und ist, dass der Weg des HSV zurück an die Spitze nur über eine preiswerte, hochtalentierte junge Mannschaft führen kann?
        .
        Ich sehe lediglich zwei Möglichkeiten für die Erklärung der jahrzehntelangen Inkompetenz:
        .
        1. Angst, die pure Angst vor dem sportlichen Abstieg treibt Leute wie Beiersdorfer immer wieder dazu auf alte erfahrene Spieler ohne Entwicklungspotenzial zu setzen. Alte „Fahrensmänner“ die die Liga kennen und eine durchschnittliche Saison spielen.
        .
        2. Korruption, da das Netzwerk des HSV und seines Umfeldes gespickt ist mit Leuten die alle etwas vom Kuchen abhaben möchten wird ständig das Transferkarussel bemüht. Der HSV ist lediglich eine Melkkuh die von vielen Leuten gemolken wird. Ernsthaft an die Spitze der Liga möchte man beim HSV nur solange wie die eigenen wirtschaftlichen Interessen nicht tangiert werden.
        .
        Inkompetenz infolge dieser Faktoren wird letztendlich dazu führen, dass die sportliche Qualifikation für die erste Liga nicht mehr ausreicht und somit die viel beschworene Liquidität zur Zahlung von horrenden Gehältern und aberwitzigen Personalverhältnissen nicht mehr gegeben sein wird.
        .
        Der Fall Jonathan Tah steht exemplarisch für das sportliche und wirtschaftliche Versagen der letzten Jahrzehnte und wird Fans und Journalisten noch lange beschäftigen.
        .

  13. undulate 12. Februar 2016 um 09:25 Uhr

    Ursache und Wirkung – Meiner Meinung nach hat der HSV bzw. die neue Führung um Didi sich nach der Ausgliederung falsch positioniert und merkelt seit dem so weiter!

    Jegliche „Planung“ auf Tuchel gesetzt, kein Plan B, wieder „nur“ gebrauchte Spieler gekauft….ja hätte, hätte…die Führung erstmal definiert wofür der HSV eigentlich zukünftig steht, Neuausrichtung, Strategie „2020“, das HSV+ Papier hat ja schon fast alles vorgelegt, dann hätte was gutes entstehen können. ich weiß die Realität ist oft schwierig, aber mit einem Plan, Willen und vor allem Überzeugungskraft schafft man vieles nicht für möglich gehaltenes, das macht ja gerade den Unternehmer(Chef) aus! Er muss zumindestens mental und als Vorbild den Karren ziehen… mit dem Volumen von 50mio hätte ein junges Team mit den Eckpfeilern Tah und evtl. sogar Calhanoglu usw. geformt werden können, jedenfalls wäre für Gehaltsverhandlung was möglich gewesen, aber viel wichtiger, die Spieler davon zu überzeugen, das was großes in Hamburg entsteht und sie wichtige Akteure dabei sind.

    OK, mal gepennt, falsch gedacht, falsch gelegen…passiert. Aber! immer wieder das gleiche tun oder unbeirrt weiter merkeln, das zeugt eindeutig von Unvermögen, Überforderung oder es werden eigene private Ziele verfolgt und der Verein selbst ist nur Mittel zum Zweck(Geld, Macht…).

    Jedenfalls, Vielen Dank Grave!

    Du hast mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet(Information) und mir es damit ermöglicht, mich emotional vom HSV zu trennen. Ich bin ausgetreten und werde mich erst wieder auf die Liebe HSV einlassen, wenn die Führung ausgetauscht bzw. ein Neuanfang möglich ist und sich real mit Taten abzeichnet.

  14. Peschingo 12. Februar 2016 um 14:41 Uhr

    einfach mal reinlesen und mit den Handlungen von den HSV Excelenzen vergleichen.
    Hier Dilletantismus at its best dort klare Professionalität. Der HSV wird bald kein Dino mehr sein und hintenanrücken müssen. Und wisst Ihr was? Zu recht!
    Nur ein Zitat (ich könnte ein Dutzend hier reinstelllen): „Rein wirtschaftlich betrachtet, macht es nur Sinn, bei einer Ablöse richtig Geld in die Hand zu nehmen, wenn es die Chance gibt, diesen Wert irgendwann mal zu steigern. Wenn du für einen 28-Jährigen zehn Millionen Ablöse zahlst, werden daraus normalerweise keine zwanzig Millionen mehr. Dann investierst du das Geld ausschließlich in den Erfolg mit diesem Spieler in den nächsten zwei, drei Jahren.“
    http://m.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/2-liga-trainer-ralf-rangnick-ueber-konzept-von-rb-leipzig-14056424.html

  15. Felix 12. Februar 2016 um 23:04 Uhr

    Was aber genau so schlimm ist, wie die Fehler selbst: Man lernt nicht aus seinen Fehlern.

    „Didi“ hätte zwar kognitiv möglicherweise die Möglichkeit, aus seinen Fehlern zu lernen, einen tatsächlichen Effekt im Sinne von „Umsteuern“ könnte er dennoch nicht erreichen. Er hat den HSV und damit sich selbst einem Teufelskreis ausgeliefert, der die erforderlichen Betriebskosten nicht mehr ohne Spielerverkäufe stämmen kann, wenn alles so stimmt, wie es behauptet wurde. Bis eben nichts mehr da ist, oder die Klasse nicht mehr gehalten werden kann. Oder das Gesetz ein Insolvenzverfahren erzwingt.

  16. undulate 13. Februar 2016 um 14:50 Uhr

    Teufelskreis ist teilweise richtig, als Wirkung des Fehlstarts nach der Ausgliederung. Aber mit Standing und Willen geht auch ein Umsteuern, nur musst Du dann auch einen gute und plausible Strategie haben, um die notwendigen „Schmerzen“ vermitteln zu können…hier werden „Eier“ benötigt.
    Ich stimme mit Grave völlig überein, es wurde die wahrscheinlich letzte Patrone(Kriegskasse) leichtfertig verschossen.
    Man wollte einfache Antworten, leichtes Handeln, schnellen Erfolg…wie bescheuert!!! Hatte man die Jahre davor einfach vergessen, weshalb wurde denn HSV+ ins Leben gerufen. Des weitern musste das Rad doch nicht neu erfunden werden, Mainz, Augsburg, Gladbach, Köln, …es machen doch einige vor, wie mit gelebter Philosophie, dosierten Investitionen und langen Atem(Kraft, Willen) was tolles entstehen kann.
    Und dann noch die Eigendarstellung! Spätestens nach den Einstellungen und Aufstocken der Geschäftsstelle, war klar wo die Reise eigentlich hingeht. Wenn ich wirklich was bewegen und sanieren will, muss der Wasserkopf als erstes ab! Nun bleibt wohl leider nur noch der Abstieg oder schlimmstenfalls(wie schon geschrieben) die Insolvenz.

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