Die Geschichte vom Untergang

Ein Gastblog von „db“

Die Geschichte vom Untergang eines einst erfolgreichen Rennsportteams

Es war einmal ein traditionsreiches Automobilrennsportteam, das jahrelang von seiner ruhmreichen Vergangenheit lebte und aufgrund von vielen Fehlentscheidungen bis heute sukzessiv in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

In einer sehr erfolgreichen Phase in den 80er Jahren wurden dank eines erfahrenen und taktisch herausragenden Fahrers und einem sehr gut abgestimmten Fahrzeug viele Titel gewonnen. Nachdem der Fahrer und der damalige Technische Leiter das Team verließen, begannen viele triste Jahre in denen der Rennstall den Anschluss zur Konkurrenz verlor. Anfang des neuen Jahrtausends wurde ein neuer Teamchef eingestellt. Mit seiner forschen und erfolgsbesessenen Art und seinem ambitionierten Ziel das Team wieder ganz nach oben zu führen, machte er sich nicht nur Freunde, was ihm später zum Verhängnis werden sollte.

Es wurde ihm ein unerfahrener Technik-Leiter zur Seite gestellt, der einige Coups landen konnte, das Teamfahrzeug konkurrenzfähiger machte, zusätzlich aber auch diverse kostspielige konstruktive Fehler beging, die im Laufe der Jahre insbesondere unter vielen Fans des Rennsportteams, bei denen er bis heute einen hohen Beliebtheitsgrad besitzt, in Vergessenheit gerieten.

Als der Teamchef seinerzeit das schlechte Kosten – Leistungsverhältnis des am Rennstall angegliederten Nachwuchsteams in Frage stellte und dafür zurecht den Technischen Leiter verantwortlich machte, kam es zum Zerwürfnis. Der Technische Leiter kündigte und machte sich mit einer hohen Abfindung aus dem Staub. Der Teamchef benötigte einen neuen Verantwortlichen für die Technik und betraute den Aufsichtsrat des Rennstalls mit der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Leider versagte der AR diesbezüglich auf ganzer Linie und gab durch peinliche Aktionen das ganze Team deutschlandweit der Lächerlichkeit preis. Dem Teamchef blieb keine Möglichkeit als sich auch um den sportlichen Bereich zu kümmern, traf aber leider hier diverse Fehlentscheidungen.

Wenig später sorgte ein Teil der Anhängerschaft des Rennstalls für die Demission des Teamchefs. Nach einigen erfolglosen Jahren, die sich sowohl finanziell und auch sportlich desaströs für das Team aufgrund mangelnder Kompetenz einiger Entscheidungsträger entwickelten, wurde eine grundlegende und alternativlose Umstrukturierung beschlossen, die von einer überwältigenden Mehrheit der Fans unterstützt wurde.

Der einst aus eigenen Stücken zurückgetretene Technische Leiter wurde der neue Teamchef „mit Stallgeruch“, nachdem er in der Zwischenzeit bei zwei finanzkräftigeren Rennteams wahrlich keine Bäume ausgerissen hatte.
Es wurde ein neuer mit reichlich Vorschusslorbeeren versehener Technischer Leiter eingestellt, der sich jedoch nach einiger Zeit als absoluter Fehlgriff erwies. Die erste Rennsportsaison unter der neuen Teamleitung verlief enttäuschend. Nachdem man in der Vorsaison ein entscheidendes Ausscheidungsrennen zum Verbleib in der Rennsportklasse gegen ein vom Papier her wesentlich leistungsschwächeres Fahrzeug erst in der letzten Runde kurz vor der Ziellinie gewinnen konnte, erfolgten viele verhängnisvolle Weichenstellungen.

Die Karosserie des neuen Rennsportboliden wurde zwecks Finanzierung mit einem neuen Logo des Hauptgeldgebers – einem überdimensionierten Schiffsanker – beklebt. Es war noch reichlich Platz für weitere Geldgeber, die Teamleitung beschwichtigte die Öffentlichkeit, dass noch mehrere zahlungskräftige Unternehmen hinzukommen würden, was sich jedoch als Trugschluss erweisen sollte (im Laufe der letzten Saison konnten lediglich ein kleiner Düngemittelsack, eine winzige Weinflasche sowie in der aktuellen Rennsaison eine Miniatur-Zitrone als zusätzliche Sponsoren-Logos auf der Außenhülle des Fahrzeugs platziert werden). Das Schlimmste war jedoch die Performance des modifizierten Boliden, für die sich der Teamchef sowie der Technische Leiter maßgeblich verantwortlich zeigten.

Das Fahrgestell, der Motor, das Getriebe sowie die Fahrzeugelektronik wurden zum Teil mit vollkommen überteuerter und veralteter Technik bestückt. Das Zusammenspiel der eingebauten Komponenten war in fast allen Rennen mangelhaft und nicht konkurrenzfähig. Die Besetzung des Cockpits war eine Farce. Zu Beginn der Rennsaison wurde der Fahrer aus der Vorsaison eingesetzt, zu dem man trotz Verbleib in der Rennsportklasse kein wirkliches Vertrauen hatte.

Nach einigen Rennen wurde dieser durch einen Rookie aus dem Nachwuchsteam ersetzt, der nach kleinen anfänglichen Teilerfolgen zunehmend überfordert war und bedauerlicherweise durch den Technischen Leiter ersetzt wurde. Dieser war zwar im Besitz eine Fahrerlizenz, verursachte aber in nur wenigen Rennen mehrere Totalcrashs.

Für die neue Saison war man mit einem Top-Fahrer der Szene in aussichtsreichen Verhandlungen, vergraulte ihn aber vorsätzlich, so dass dieser bei einem anderen wesentlich ambitionierteren Rennstall einen Vertrag unterschrieb.

Nachdem der Technische Leiter den Karren im wahrsten Sinne vorsätzlich „an die Wand gefahren hatte“, stellte man quasi als Notlösung einen neuen Fahrer ein, der bereits vor mehreren Jahren im Cockpit des Teams saß. Der altbekannte Fahrer ging mit viel Herzblut zur Sache und das Team bekam noch einmal die Kurve. Wiederum erhielt man unverhofft die Möglichkeit zu einem Entscheidungsrennen zwecks Verbleib in der Klasse, was wiederum in der letzten Kurve, nach einem umstrittenen von der Rennleitung allerdings gebilligtem Fahrmanöver, für sich entschieden wurde.

Die Leistungskurve des Teams in der aktuellen Saison ist höchst umstritten. Während die überwiegende Mehrzahl der Anhänger sich nach wie vor an der hübschen Karosserie des Rennboliden erfreut, sich mit den Platzierungen einzelner Rennen zufrieden zeigt (die teilweise durch verhängnisvolle Fahrfehler der Konkurrenten entstanden sind) und dem Teamchef, dem Technischen Leiter sowie dem Fahrer vollstes Vertrauen schenkt, gibt es eine langsam wachsende Anhängerschaft, die das Gesamtgebilde des Rennstalls hinterfragt, dafür aber immer wieder von anderen Fans des Teams kritisiert wird.

Die Gesamtpersonalkosten des Teams sowie die Anzahl der Mitarbeiter sind im Vergleich zur Konkurrenz unverhältnismäßig hoch, wobei nicht einmal klar ist, womit sich einige Angestellte den ganzen Tag beschäftigen. Die Presseabteilung ist personaltechnisch aufgebläht und der verantwortliche Chef des Nachwuchsrennstalls, der vorher erfolgreich in einem Motorradteam gearbeitet hat, ist intern alles andere als beliebt.

Hinzu kommt, dass die lokale Fachpresse mit fragwürdigen Journalisten durchsetzt ist, die permanent von tollen Trainingsergebnissen berichten, die aber in den darauffolgenden Rennen nicht umgesetzt werden können.

Schaut man auf die objektiven Fakten, die viele der gemeinen Anhänger nicht wahrhaben wollen, ist insbesondere die zukünftige Finanzierung des Rennstalls gefährdet. Es ist zu befürchten, dass aus Kostengründen ein technisches Downgrade am aktuellen Fahrzeug zur neuen Saison erforderlich ist und der Verbleib des Teams in der aktuell höchsten deutschen Rennklasse spätestens im kommenden Jahren mehr als gefährdet ist.

Von | 2016-02-14T07:22:34+01:00 14. Februar 2016|Allgemein|3 Kommentare

3 Comments

  1. Christian Röhl 14. Februar 2016 um 07:57 Uhr

    Moin Grave

    Klasse Fortsetzung folgt.
    Frage wer befreit uns, oder müssen wir als HSV
    Fans diese Unfähigen noch lange ertragen. ?

  2. Carsten Hae 14. Februar 2016 um 08:28 Uhr

    Klasse geschrieben „db“
    Und danke das du die Gastblogs wieder eingeführt hast Grave 🙂

  3. Sven 14. Februar 2016 um 16:20 Uhr

    So, kann man langsam mal das Fass mit dem Fahrer aufmachen. Der Fahrer wird ja immer als erstes verantwortlich gemacht, wenn es nicht so läuft. Zumal wenn ihm auch noch das Strohfeuer-Syndrom nachgesagt wird. – Seine erste Amtszeit wurde ja nicht wegen Schlechtleistung beendet. Sein Zwischenstopp bei einer anderen Mannschaft endete nicht zuletzt deswegen, weil ihm die dortige Teamleitung das Material peu a peu zusammengestrichen hatte.
    Und auch in dieser Saison beim alten Team – deja vu – wird ihm während der Fahrt das Materiallager ausgedünnt. Vllt kann mal jemand aus dem Fahrerlager plauschen, ob er sich beim vorhandenen Material überhaupt frei bedienen darf?

    PS: Ob sich der Fahrer mit seinen Materialwünschen von der Teamleitung emanzipiert? Klasse Artjom! Da schmeckt das Halbzeitbier… 😉

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