Der Besserungsschein: Segen und Fluch für den HSV

Ein Gastblog von „Kerberos“

Da stürzt sich eine Schar von Bloggern und Kommentatoren als selbstberufene „Analysten“ auf die Bilanz 14/15, apostrophiert ihr profanes Rezitieren einzelner Bilanzpositionen hochtrabend als „Bilanz-Analyse“ und am Ende ist der Erkenntnisgewinn solch simpler Nacherzählungen auf Quintaner-Niveau erwartungsgemäß doch eher gleich Null. Aber ein Gutes hat solch ein Geschreibsel ja eigentlich immer – der Autor darf sich ein wenig im so sehnlichst erhofften Beifall der hauseigenen Claqueure sonnen. Mehr aber eben auch nicht.

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Denn die selbsternannten „Bilanz-Profis“ dokumentieren überwiegend doch nur, dass sie kaum des aufmerksamen Lesens mächtig sind, geschweige denn, dass sie das Gelesene verstanden haben könnten. Wie sonst ist es zu erklären, dass stets und ständig eine Steigerung der Personalkosten von 58 Mio (13/14) auf nunmehr 69 Mio (14/15) angeprangert wird. Ja; könnte man doch nur richtig lesen. Dann merkte man, dass die Wirklichkeit noch bei Weitem düsterer aussieht. Denn die ausgewiesenen Personalkosten von 58 Mio aus 13/14 sind der Konzernbilanz des Vereins entnommen und beinhalten insofern auch die Kosten jener Mitarbeiter, welche beim Verein verblieben und nicht von der AG übernommen wurden. Die ausgewiesenen Personalkosten von 69 Mio aus 14/15 sind hingegen dem Konzernbericht der Fußball AG (ohne die Mitarbeiter des Vereins) entnommen. Um hier eine periodische Entwicklung der Personalkosten der Fußball AG herleiten zu können, sind also vorab die Personalkosten von 58 Mio aus 13/14 um die Personalkosten jener im Verein verbliebenen Mitarbeiter zu reduzieren. Für die Entwicklung der Personalkosten in der Fußball AG ergibt sich also gar eine taxierte Steigerung von 56 Mio (13/14) auf 69 Mio (14/15). Also; wenn schon, dann bitte aber auch richtig.

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Genau hier aber liegt die Crux. Denn die vorstehende Darlegung der periodischen Unvergleichbarkeit der Bilanzen der Fußball-AG durch diese Art der Ausweisung neben den Konzernzahlen des Vereins für die Bilanz 13/14 beschränkt sich keineswegs nur auf die Personalkosten. Was also sollen all diese pseudo-profunden, in ihrer aufgeblasenen Darstellung so unglaublich detailliert wirkenden „Bilanz-Analysen“ überhaupt, wenn diese inhaltlich unrichtig sind?

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Eines sollte an dieser Stelle jedoch nicht unerwähnt bleiben. Das aktuelle Grundübel der Misere im Bilanzwesen des HSV geht dabei vom Verein selbst aus; denn so lange der Verein seine Bilanzen für 14/15 nicht veröffentlicht, wird es auch nicht möglich sein, die für einen periodischen Vergleich notwendigen Finanzwerte für die Fußball AG auch nur in Annäherung aussagekräftig zu extrapolieren. Hier demonstrieren Fußball AG und HSV Verein in engem Schulterschluss, was die Exzellenzen mit einem „Hafenmeier“ als Tambourmajor unter Transparenz verstehen, wie Mitglieder erfolgreich hinters Licht geführt werden und wie die Öffentlichkeit verdummt wird. Was für ein perfides Spiel.

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Doch was soll´s. Die Bilanz 14/15 der Fußball-AG ist mit all den sich aus ihr ergebenden nachlaufenden Indikatoren in erster Linie nur geeignet, die wirtschaftliche Vergangenheit der Fußball-AG zu beurteilen und den zurückliegenden Misserfolg des Unternehmens sowie die nicht vorhandene Exzellenz seiner Führung zu dokumentieren (schließlich endete der Berichtszeitraum für die Bilanz bereits am 30.06.2015). Und die wirtschaftliche Vergangenheit der Fußball-AG war eben wie sie unbestritten war: im Gleichschritt mit der sportlichen Vergangenheit einfach nur erfolglos und desaströs. Die Exzellenzen haben auf allen Ebenen nachhaltig und wiederholt unter Beweis stellen können, dass Sie mit Zustimmung des Aufsichtsrats nicht in der Lage waren oder eben nicht sein wollten, die Fußball-AG im Sinne eines ordentlichen Kaufmanns zu führen. An dieser Tatsache wird sich nichts ändern; ganz gleich, wie oft und in welcher Form auch immer die Bilanz 14/15 gebetsmühlenartig wieder und wieder von eher mittelmäßig begabten „Analysten“ durchdekliniert werden mag.

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Interessanter ist da dann doch schon eher ein Blick auf die Vorgänge, die nicht – oder zumindest nicht unmittelbar – dem schlichten Zahlenwerk der Bilanz 14/15 zu entnehmen sind und die in ihren Auswirkungen für die Zukunft des HSV von Bedeutung sind. Zugegeben ein nicht ganz einfaches Unterfangen, in dieser an Belanglosigkeiten überbordenden Bilanz 14/15 die Erklärungen mit substantiellem Inhalt heraus zu filtern; aber mit etwas Geduld findet man sie dann doch. So etwa die nachfolgende, in der Formulierung eher harmlos wirkende, Bilanz-Erläuterung: „Der Sportfive GmbH wurde ein Besserungsschein im Wert von maximal 3,3 Millionen gewährt. Dieser Besserungsschein besteht aus möglichen Prämienzahlungen vom HSV an Sportfive, die vom Eintritt festgeschriebener sportlicher Erfolge in der Zukunft abhängig sind.“ (Seite 9 der Konzernbilanz).

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Nun; einem Besserungsschein liegt seinem Wesen nach stets eine unbestrittene und fällige Forderung zugrunde, auf welche der Gläubiger verzichtet, weil der Schuldner sich, zumindest momentan, in einer äußerst schwierigen wirtschaftlichen Lage befindet. Soweit zum Segen des Besserungsscheins für den Schuldner. Gleichzeitig verhandelt jedoch der Gläubiger mit dem Schuldner die Bedingungen, bei und mit deren künftigen Eintritt, eine (äquivalente) Forderung, sozusagen aus sich selbst heraus, auflebt und vom Schuldner zu erfüllen ist. Sämtliche getroffene Vereinbarungen zwischen Gläubiger und Schuldner werden in einem „Besserungsschein“ dokumentiert (wobei semantisch beim „Besserungsschein“ auf eine künftige Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Schuldners abgestellt wird, keineswegs jedoch die Forderung des Gläubigers „nachgebessert“ wird). Und das ist eben der Fluch des Besserungsscheins für den Schuldner; der Besserungsschein hängt wie ein Damoklesschwert über seiner wirtschaftlichen Zukunft. Der Schuldner kennt zwar die Bedingungen, bei deren Vorliegen die Forderung aus Besserungsschein auflebt und er die Forderung ins Besondere auch erfüllen (bezahlen!) muss – er kann aber weder den Zeitpunkt konkretisieren, noch kennt er die Umstände und konkreten Möglichkeiten seines Unternehmens in diesem Zeitpunkt. So kann es dem Schuldner beim Aufleben der Forderung aus Besserungsschein durchaus an der erforderlichen Liquidität zur Erfüllung der Forderung ermangeln, obgleich sich die wirtschaftliche Situation des Schuldners gemäß den vereinbarten Bedingungen aus Besserungsschein tatsächlich stark verbessert hat. Der Schuldner sitzt dann in der Liquiditätsfalle und der Gläubiger kann dem Schuldner seine neuerlichen Bedingungen für einen Fortbestand des Unternehmens diktieren. Ein zwar hässliches, aber durchaus nicht unübliches Szenario.

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Ein weiteres, nicht zu vernachlässigendes, Übel des Besserungsscheins ergibt sich aus dessen Bilanzierung nach HGB. Mit dem Forderungsverzicht, der bilanz-technisch (nur nach HGB, anders nach IRFS) trotz Besserungscheins als endgültig behandelt wird, wird der Geldwert des Forderungsverzichts ganz unkompliziert als ein ausserordentlicher Erlös gebucht. Dies bewirkt dann unmittelbar eine Erhöhung der Umsatzerlöse und somit eine Verminderung des Verlusts. Und, nicht zu vergessen, eine Verbesserung des als so aussagekräftig gepriesenen EBITDA. Tja, und das war es dann auch schon mit der Erfassung eines Forderungsverzichts mit Besserungsschein aus bilanz-technischer Sicht. Ein recht unbefriedigendes Ergebnis, denn man wird diesen Besserungsschein bei der Bewertung von künftigen Bilanzen immer als ein unabwägbares Risiko im Sinn behalten müssen – in der Bilanz selbst findet der Besserungsschein keinen Ausweis (nach HGB). Erst wenn später (irgendwann in der Zukunft) die Bedingungen des Besserungsscheins erfüllt sein werden, wird die aus dem Besserungsschein auflebende Forderung (praktisch aus dem „Nichts“) als ein ausserordentlicher Aufwand in der für den Zeitpunkt des Auflebens aktuellen Bilanz erfasst werden und in dieser dann für Verluste sorgen oder mindestens aber die Gewinne schälern.

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Mit dem Forderungsverzicht von Sportfive über 3,3 Mio gelang es also der den Exzellenzen der HSV Fußball-AG den Bilanzverlust 14/15 von 20,2 Mio auf 16,9 Mio zu drücken – einfach erschreckend, denn nun schwebt eine Forderung von 3,3 Mio aus Besserungsschein latent als wirtschaftliche Bedrohung über der Zukunft des HSV.

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Und damit noch nicht genug. Dem Konzernbericht 14/15 ist auf Seite 16 im Rahmen des Nachtrags zu entnehmen, dass nach Abschluss des Bilanzzeitraums zur Transferfinanzierung ein Darlehen über 4.5 Mio mit umgehendem Verzicht durch den Gläubiger gegen Besserungsschein eingeworben werden konnte. Auch hier also wieder im Prinzip die gleiche grausame Nummer. Dieses „Darlehen“ wird also in der nächsten Bilanz 15/16 durch den ausgeübten Forderungsverzicht des Gläubigers die Umsatzerlöse um 4,5 Mio erhöhen, die bereits prognostizierten Verluste reduzieren und selbstverständlich auch wieder das sagenumwobene EBITDA erhöhen; nur in der Position „Verbindlichkeiten“ der Bilanz wird man dieses „Darlehen“ nicht finden, denn es wurde ja bereits mit der Gewährung eines Besserungsscheins seitens des Gläubigers auf eine Rückzahlung verzichtet.

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Stand zum Oktober 2015: über der wirtschaftlichen Zukunft der HSV Fußball-AG schweben Besserungsscheine, aus denen Forderungen gegen den HSV in Höhe von 8,8 Mio aufleben werden. Die Besserungsscheine von heute sind die Verluste von morgen. Wie viele Besserungsscheine darüber hinaus noch seit Oktober 2015 Gläubigern vom HSV gewährt wurden, bleibt abzuwarten. Aber auf „Was“ soll man denn noch in Geduld und Demut zuwarten?

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Die nachstehenden Fakten sind doch heute bereits hinlänglich bekannt und werden von den Exzellenzen selbst zwar relativiert, im Kern der Aussagen jedoch nicht bestritten:

  1. Die HSV Fußball-AG verbrennt eingeworbenes Eigenkapital im Tagesgeschäft ohne nachhaltige Werte zu schaffen in atemberaubender Geschwindigkeit. Dies bestätigt CFO F. Wettstein selbst mit seiner Aussage im Interview „Wir werden in der laufenden Saison erst einmal wieder Eigenkapital einsetzen müssen, um die anfallenden Verluste zu decken.“

  2. Der HSV muss bereits die laufenden Kosten zusätzlich noch über Vorgriffe auf künftige Einnahmen und weitere Darlehensaufnahmen finanzieren. So explizit auf Seite 17 des Konzernlageberichts ausgeführt: „Die vereinbarten Maßnahmen beinhalten die vorzeitige Zahlung vertraglich fixierter zukünftiger Erträge sowie eine Darlehensaufnahme“.

  3. Der HSV verlagert mittels Besserungsscheinen bereits heute entstandenen Aufwand in die Zukunft, um auf diese Weise den Verlustausweis der aktuellen Bilanz im Rahmen zu halten (vergleiche vorstehende Ausführungen mit Quellennachweisen)

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Wie blanker Hohn wirkt es da, wenn die Exzellenzen ihr mittels Besserungsschein aufgeblähtes EBITDA abfeiern und ein F. Wettstein in seinem legendärem Interview voller Inbrunst erklärt, man hätte mit der Bilanz 14/15 „ehrlich aufgeräumt“. Ganz reflexartig fragt man sich bei solchen Statements, wann darf man eigentlich einen Menschen ungestraft als Lügner bezeichnen. Und wenn ein F. Wettstein fabuliert: „Nach dieser Saison sind wir finanziell über den Berg“, so kann man dieses imperative, in Erbrechen mündende, Würgen im Hals einfach nicht mehr ignorieren. Es muss raus, denn ist wirklich nur noch zum Kotzen mit diesen Exzellenzen! Und ja, Herr Wettstein; wenn der HSV über den Berg ist …. dann geht es jetzt nur noch steil bergab!

Lest dazu auch:

http://www.ndr.de/sport/fussball/Bundesliga-Hamburger-sv-fussball,hsv16578.html

Im Herbst 2015 war der HSV zahlungsunfähig und musste erneut bei Kühne betteln gehen. Aber anstatt daraus zu lernen, verschenkten die Exzellenzen im Anschluss einen Copa Sieger (Diaz) für € 1,5 Mio. und liehen einen Drmic, der jetzt auf der Bank sitzt für 5 Monate für € 2,5 Mio. Es ist unfassbar.

Von | 2016-03-08T08:01:29+01:00 8. März 2016|Allgemein|22 Kommentare

22 Comments

  1. Didi-der-Grosse 8. März 2016 um 08:53 Uhr

    Zu viele Fachwörter für mich, daher schwierig zu lesen. Aber hoffe das habe ich richtig verstanden. Der Verlust in dem Zeitraum war nicht 16,9 Mio. Sondern über 25 Mio (16,9 + 8,8) ? Wow und har nicht irgendeiner vom Vorstand (Gerlandt?) Behauptet man viel transparenter werden. Die Verpflichtung von Didi Beiersdorfer ist die schlimmste Verpflichtung der Vereinsgeschichte !

  2. Kai 8. März 2016 um 09:29 Uhr

    Jetzt muss ich doch mal nachhaken: Außerordentliche Ertäge sind doch kein Teil der Umsatzerlöse. Demnach doch auch kein Teil des EBITDAs…? Richtig zwar, dass der ausgewiesene Verlust durch diese a.o- Eträge gemindert wurden, aber der Einfluss auf Umsatzerlöse und EBITDA ist doch nicht richtig?! Oder wo ist mein Denkfehler?

  3. Zürcher 8. März 2016 um 09:49 Uhr

    „Stand zum Oktober 2015: über der wirtschaftlichen Zukunft der HSV Fußball-AG schweben Besserungsscheine, aus denen Forderungen gegen den HSV in Höhe von 8,8 [7,8?] Mio aufleben werden. Die Besserungsscheine von heute sind die Verluste von morgen.“
    Dazu lässt sich sagen, dass natürlich auch die Möglichkeit besteht (wofür die Exzellenzen anscheinend auch alles tun), dass diese ‚Verluste von morgen‘ nie eintreten werden, da die Bedingungen für das Wiederaufleben der Forderungen nie erfüllt werden. Nicht, dass dies die Sache irgendwie besser macht…

  4. Michel 8. März 2016 um 09:58 Uhr

    Verehrter Gravesen,
    ich lese Deinen Blog seit Anfang 2014 – im Laufe der Zeit hat er sich für mich als eine Art „Einstiegsdroge in den Tag“ entwickelt. Schreibst Du, geht der Tag gut los – schreibst Du nicht, fehlt mir etwas für mein Glück. Sachlich und inhaltlich sind Deine Blogs sehr wertvoll. Sie tranportieren nicht nur Informationen, sondern halten den Druck auf die Verantwortlichen aufrecht. Du wirst besser wissen, wer mitliest und wer nicht, aber eines ist sicher: Auf welchen Wegen auch immer, Deine Botschaften erreichen die Empfänger, und genau dieser Punkt ist das Wesentliche. Dafür gebührt Dir der Dank all jener, denen der Verein etwas bedeutet. Deine Beharrlichkeit und Ausdauer sind bemerkenswert. Mach weiter so!!!

    Lieber Kerberos,
    auch Dir an dieser Stelle Dank für Deinen Beitrag. Die Sache mit dem Besserungsschein hast Du gut erklärt. Auch der Hinweis auf die nur bedingte Vergleichbarkeit der Jahresverkehrszahlen ist ein wichtiger Hinweis.
    Wenn Du jedoch „Geschreibsel“ von selbstberufenen „Analysten“ kritisierst, muss ich Dich an die Geschichte mit dem Glashaus erinnern… Ich habe beruflich auch mit diesen Dingen zu tun, daher verursacht es mir teilweise auch Schmerzen, was man so alles zu lesen und zu hören bekommt – selbst von einem Finanzvorstand – man mag es kaum glauben was dieser Mensch in seiner bisherigen Vorstandszeit geleistet hat.
    Abe zurück zum Glashaus. Die internationalen Rechnungslegungsgrundsätze werden IFRS abgekürzt, „außerordentliche Erlöse“ ist ein Widerspruch in sich, da es sich bei den Erlösen um die wertmäßige Erfassung der betrieblichen Tätigkeit handelt. Die Gewährung eines Besserungsscheins gehört – denke ich – nicht zu den üblichen Geschäftsvorfällen eines Fußballbundesligisten. Daher erhöht dieser Vorgang auch nicht die Umsatzerlöse sondern die außerordentlichen Erträge und tangiert somit auch nicht das EBITDA. Zum Schluss der Hinweis auf einen kleinen Rechenfehler. 3,3 Mio (Sportfive) zzgl. 4,5 Mio. (Transferfinanzierung) ergeben bei mir 7,8 Mio. Verstehe mich bitte nicht falsch, Dein Beitrag ist gut – aber eben nicht exellent, um in der Sprache unseres Oberaufsehers zu bleiben. Hättest Du Dich nicht über die sog. „Analysten“ gestellt, hätte ich für immer geschwiegen.

    • Gravesen 8. März 2016 um 13:53 Uhr

      Ich freue mich, wenn du dich freust 🙂

  5. HSVer im Herzen 8. März 2016 um 10:54 Uhr

    Hervorragender Blog und kein „Ich bin Fan und versuche mal journalistisch zu sein“.
    Zum Thema bleibt nur eins zu sagen: Ohne Strafe keine Veränderung. Finanziell das gesamte System zu gesunden wird in der Bundesliga nicht mehr funktionieren. Daraus resultierend keine langfristige Strategie. Der HSV ist Getriebener des Systems. Die TV-Gelder sind auf Platz 10 höher als auf 15. Daher auch solche sinnlosen Transfers wie in den letzten Winterpausen. Kosten viel und bringemn Null. Aber ist ja nicht das Geld der Exzellenzen. Selbst bei Insolvenz passiert denen nix. Garantierte Millionen auf dem Konto und auf zum nächsten überbezahlten Job in der Bundesliga/ 2. Liga. Siehe diverse Trainer und Sportdirektoren. Und am schlimmsten ist es, dass sich diese Personen nach einem Sieg gegen desolate Gegner danach in der HSV-Lounge bei einem Glas Champagner oder Vino Bianco lachend auf die Schultern klopfen statt Demut zu zeigen. Zum Kotzen!!!

  6. Kerberos 8. März 2016 um 11:16 Uhr

    zum EBITDA (Kai + Michel):
    der Einwand ist in soweit richtig, dass es hier im Text hätte nur „Erlöse oder eben besser Gesamterlöse“ hätte heissen müssen (ausserordentliche Erträge sind selbstverständlich keine Umsatzerlöse). Aber die ausserordentlichen Erlöse werden selbstverständlich (earnings) per Definition beim EBITDA berücksichtigt. Werden die ausserordentlichen Erlöse bei der Berechnung des EBITDA nicht berücksichtigt, so wird ein „bereinigtes EBITDA“ ausgewiesen. Und der Rechenfehler ist tatsächlich einfach nur peinlich; mea culpa!
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    zu den Bedingungen des Besserungsschein (Zürcher):
    die Forderung aus dem Besserungsschein zum Darlehen (4,5 Mio) sind erfüllt, sobald ausserordentliche Erlöse durch einen Spielertransfer erzielt werden (so nachzulesen im Konzernbericht). Da nun die Einnahme aus jedem „Spielerverkauf“ als ausserordentlicher Erlös gebucht wird, lebt also bei jedem „Spielerverkauf“ zumindest eine Teilforderung des Gläubigers aus Besserungsschein auf. De facto bestimmt also fortan der Gläubiger das Transfergeschehen beim HSV, denn es wird von seiner Gnade abhängen, ob er seine Forderungen aus dem Verkaufserlös eines abgegebenen Spielers befriedigt wissen möchte oder ob er seine Forderung aus Besserungsschein stundet. Man sieht: die Forderung aus Besserungsschein wird mit Sicherheit aufleben, ganz gleich wo der HSV wirtschaftlich oder sportlich auch stehen mag!
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    zum Verlust (Didi-der-Große):
    nein; der Verlust vor Forderungsverzicht bläuft sich für die Bilanz 14/15 auf 20,2 Mio. Die Vorgänge aus Okt. 2015 finden erst in der Bilanz 2015/16 eingang; entfalten jedoch bereits heute Wirkung.

  7. 1887 8. März 2016 um 14:26 Uhr

    Sehr interessant. Aber mal eine Frage an alle. Nicht das ich solche Beiträge nicht auch mal lese. Aber wäre es falsch als Fan vielleicht nicht ganz so tief in die Finanzpolitik des HSV´s einzusteigen? Ich beschäftige mich gerne mit Fußball. Und na klar am liebsten mit dem HSV. Aber eher auf dem Platz und kurz daneben. Muss man sich diesem ganzen Finanz hick hack hingeben und durchschauen?

    • Gravesen 8. März 2016 um 15:15 Uhr

      Nein, es wäre nicht falsch. Vielfach schützt sich der eine oder andere Fan auch vor zu viele Enttäuschung dadurch, dass er nur ausgewählte Presse-Erzeugnisse konsumiert. Völlig legitim, aber halt auch sehr oberflächlich. Dieser Blog aber hat sich nun mal zum Ziel gesetzt, anders zu berichten als es die seichten Herren von BILD, Mopo und Abendblatt tun. Die Dinge dann beim Namen zu nennen, wenn sie passieren und nicht erst dann, wenn die „Täter“ vom Hof gejagt wurden. Muss man nicht lesen, muss man nicht mal mögen. Aber trotzdem wird es so bleiben.

      • 1887 8. März 2016 um 21:37 Uhr

        Das war gar nicht als Kritik gemeint an dem Blog. Sondern ob du denkst das man sich als Fußball Fan in Sinne des Sports so tief mit den Finanzen eines Clubs beschäftigen muss. Damit mein ich nicht dich und alle hier die darauf Bock haben. Sondern mich. Hier im Blog soll alles so bleiben wie es ist. Ich hoffe ich konnte mich jetzt besser ausdrücken 😉

  8. BerndH60 8. März 2016 um 16:17 Uhr

    Erstmal recht herzlichen Dank für diesen fundierten Überblick.
    Der HSV ist damit auf Jahre hinaus finanziell ruiniert und wohl ein Sanierungsfall.
    Vermutlich ist das eine Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes durch den Vorstand, denn wer soll den Verein zukünftig führen wollen?
    Ich hoffe nur, dass Kühne die ganze Bande zum Mond schießt.

    • atari 8. März 2016 um 18:28 Uhr

      … würde ich nicht so sehen. Sie machen sich nur immer abhängiger von dem Mann, der sie auf den Mond schiessen sollte…

  9. alfa 8. März 2016 um 20:00 Uhr

    Lieber Kerberos,
    Hab dank für die aufschlussreiche Sezierung der angeführten vernebelten Bilanzzerrederei . Auch wenn ich nicht ergründen kann,ob dass ein Beitrag zum Zwecke des persönlichen Bemessens mit Fachkollegen war, oder eine schwierige Prüfung für das gemeine nichtstudierte Blogleserschaft wie ich, war, die eine akademische Laufbahn erfolgreich vermieden hat. Sei es drum : ich denke Auch so kommt man mehr ahnend als wissend, anhand der Ausführungen zu der Erkenntnis, die Grave löblicherweise immer und immer unermüdlich anführt : Unfähigkeit des Vorstandes bis hin zur direkten Aufforderung an die Nichtskönner doch bitte zum Wohle des Vereins zurückzutreten, welches ich nach meiner Kenntnis der Dinge nur befürworten kann.
    Für alle lässt sich das ganze eigentlich auf folgende Binsenweisheit Zusammenfassen :
    Früher war mehr Fußball (Lametta), aber je länger die Exzellencios da sind umso schneller wird weniger bis gar kein Fussball mehr geben, weil wir uns nicht die Spieler leisten können werden.
    Da kann ich Herrn KMK nicht verstehen, warum er nicht seine immerkehrende finanzielle Unterstützung, vom Rücktritt der nachweislich Verwirrten abhängig macht, oder welchen Faktor übersehe ich hierbei gerade?

  10. ausgegliedert 8. März 2016 um 21:29 Uhr

    Mal sehen, wann die Seifenblase platzt. Wahrscheinlich wird man jedweden potentiellen Transfer vorantreiben (Lasogga, Müller evtl. falls er noch 2-3 Tore schafft diese Saison), egal zu welchem Preis. Oder den kleinen Anteilsrest auch noch an KMK verdumpen.
    Eigene Gehälter oder den Personalstand zu optimieren/reduzieren ist eh vollkommen überschätzt.
    Das es sich um einen Sanierungsfall handelt, hat man ja bestätigt. Außer vermauschelten Bilanzen scheint es aber keinen Plan zu geben, diesen Zustand zu beheben. Von Hilke ganz zu schweigen (macht er schließlich auch).
    Wo wir doch so viel finanzielle Kompetenz im AR haben. Was tun diese Leute eigentlich wirklich?
    Gibt es von irgendeinem Verantwortlichen Leistungsnachweise, die deren Berufung rechtfertigen? Ohne Worte….

  11. hamuburgmini 8. März 2016 um 21:29 Uhr

    Zitat:
    „Nun; einem Besserungsschein liegt seinem Wesen nach stets eine unbestrittene und fällige Forderung zugrunde, auf welche der Gläubiger verzichtet, weil der Schuldner sich, zumindest momentan, in einer äußerst schwierigen wirtschaftlichen Lage befindet. Soweit zum Segen des Besserungsscheins für den Schuldner. Gleichzeitig verhandelt jedoch der Gläubiger mit dem Schuldner die Bedingungen, bei und mit deren künftigen Eintritt, eine (äquivalente) Forderung, sozusagen aus sich selbst heraus, auflebt und vom Schuldner zu erfüllen ist.“
    Zitat Ende

    Wem nutzt die Ausstellung eines Besserungsscheins? Wer profitiert?

    Für mich sieht das wie eine langfristige konzertierte Aktion aus…
    Sportfive erhält einen Besserungsschein, wer vermittelt? Herr Hilke. Wer sitzt im Virstand und hat sich als einziger gehalten? Herr Hilke.. Wer sitzt im AR und segnet ab? Herr Gernandt.
    Können Besserungsscheine eigentlich übertragen werden?

    Feststeht, ohne Herrn Kühne läuft gar nichts mehr. Auf Sicht weitet die“Krake“ ihre Fänge immer weiter aus und wird den E.V. zwingen einer Beteiligung über 24,9% zuzustimmen.

    Auf indirektem Weg wird über Herrn Hilke und Herrn Gernandt die Machtposition ausgebaut.
    Was wird passieren? Eine erneute Eintragung ins Grundbuch für das Stadion? Mitbestimmungsrecht bei anderen Sponsoren?
    Sobald das, noch überwiegend positive, Image von Herrn Beiersdorfer größeren Schaden nehmen sollte, wird er schnell Geschichte sein. Er ist nur eine Schachfigur des Mäzens, die wahre Intention wird erst danach klarer werden. Für mich zeichnet sich das Bild eines, über Herrn Kühne bzw dessen Nachfolgern\seiner Stiftung, vollends fremdkontrollierten Fußballunternehmens ab. Eigentlich genau daß, was wir aus England kennen…

    • atari 9. März 2016 um 06:41 Uhr

      Ein „fremdkontrolliertes Fußballunternehmen“, genau dafür hat sich eine überwältigende Mehrheit der damaligen Mitglieder nun mal entschieden! Wer in diesem Zirkus, der nur von Geld regiert wird, etwas anderes erwartet hat ist naiv!

  12. hamuburgmini 8. März 2016 um 21:30 Uhr

    Großen Dank an Grave und in diesem Fall an den Schreiber Kerberos!

  13. Holger Freydag 9. März 2016 um 07:28 Uhr

    Lese hier ganz gerne, aber da ich in einige Dingen unwissend bin neige ich eher weniger dazu, zu schreiben.
    hamburgmini schreibt hier nun von der Krake KMK der sich den Verein einverleiben will.
    Welches Interesse hat ein Mann von 79 Jahren, dem ein Privatvermögen von ca 11,9 Milliarden Dollar (rd. 10,9 Mrd. Euro) nachgesagt wird, an der HSV AG. Also seine Beteiligung beim HSV ist da doch im Verhältnis dazu außerordenlich gering.
    An Kinder kann er das nicht vererben und was hätte seine Stiftung oder seine Ehefrau davon.

    • hamuburgmini 10. März 2016 um 21:18 Uhr

      Genau deswegen.
      Er hat genug Geld auf dem Konto und die operativen Fäden seines Konzerns weitesgehend in andere Hände gelegt.
      Der HSV kann das letzte große Spielzeug des KMK werden, das er maßgeblich mitgestalten kann. Herr Gernandt und Herr Hilke sind dabei willfährige Gesandte, die sich auf diese Weise noch etwas weiter bereichern können.
      Was nach seinem Ableben kommt? Vielleicht fließen diese Anteile in das Stiftungsvermögen, who knows. Wenn aber die Anteile soweit hochgeschraubt sind, hätte der weiter lebende Konzern Kühne & Nagel eine großspurige Möglichkeit der Vermarktung, quasi zum Nulltarif.

  14. williwacker 11. März 2016 um 12:37 Uhr

    Hamburgmini…..hast du auch immer das Gefühl, dass ein böser Mann hinter dir steht? Klar, Herr Kühne ist Schuld am Untergang des HSV, wer sonst?

    • Gravesen 11. März 2016 um 13:29 Uhr

      Lesen und verstehen. Und nicht die Leute blöd von der Seite anmachen. Alles klar?

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