Gleiches Recht für alle?

Man stelle sich das einfach einmal vor. Da verkündet Vorstandschef Bernd Hoffmann am Ende des Geschäftsjahr, in dem er als Verantwortlicher die Mannschaft zum wiederholten Male erfolgreich in eine aufreibende Relegation geführt hat, dass der Hamburger SV mal eben knapp € 17 Mio. Verlust eingefahren hat. Und natürlich hat dieser komplett unfähige Hoffmann nicht einen Cent der Schulden abgebaut, obwohl er das zuvor noch vollmundig versprochen hatte. Dafür hat Verschwendungs-Bernie aber diverse neue Direktoren eingestellt, die ihm alle wundervoll nach dem Mund reden, das kostet. Außerdem gönnt man sich neben dem Vorsitzenden seit Neuestem zwei weitere, hochbezahlte Vorstandsmitglieder. Man fragt sich automatisch (oder frage nur ich mich das?):

Was wäre in Hamburg los gewesen? Wie hätten die lustigen Kollegen von den einschlägigen Medien die Messer gewetzt. Was hätten die alten Lautsprecher wie Reichart, Bieberstein, Gottschalk, Bednarek und Co. gezetert und gepöbelt. Was hätten sich Granden wie Seeler und Freunde der Loge Sorgen gemacht. Hach, was wäre das ein Spaß gewesen.

Vergleichbare Reaktion heute? Fehlanzeige.

Andere Szene.

Man mache einfach mal die Augen zu und stelle sich vor, wie Karl-Edgar „der Schweber“ Jarchow verkündet, dass man heute, mehr als 1 3/4 nach seiner Ernennung zum König aller Rauten nun endlich mal dazu gekommen ist, das sagenumwobene Vereins-Leitbild fertig zu stellen. Inhalt dieses Leidbildes (gut aufgepasst) ist natürlich nur der übliche Mumpitz und das erwartet Blabla, aber dafür ist man sehr stolz darauf, dass die Luftblase lediglich knapp € 100.000 gekostet hat, ein echter Schnapper.

Hach, wie gern hätte ich die üblichen Verdächtigen gehört, wie sie sich über diese Minusleistung das Maul zerrissen hätten.

Vergleichbare Reaktion heute? Nicht vorhanden.

Ach ja, dann war da noch so ein Däne. Arnesen hieß das arme Schwein. Der kannte ja nur Spieler seines Ex-Vereins Chelsea und natürlich wurde der teure Sportchef dafür von Presse und eigenem Aufsichtsrat zur Sau gemacht. Arnesen aber holte sehr junge Spieler mit großem Potenzial für kleines Geld, etwas, was der Knäbelpeter erst noch lernen muss. Dieser kennt übrigens nur Spieler aus der Schweiz, aber das macht plötzlich nichts mehr.

Wie sich die Zeiten ändern, oder?

Nächster Versuch. Es gibt da einen Sportchef, der nennt sich Kreuzer. Oliver Kreuzer. Und dieser Sportchef verballert mal eben mehr als € 60 Mio. in knapp 2 Jahren. Erfolg? Nicht wirklich. Dafür schafft es dieser Kreuzer aber, den Altersschnitt der Mannschaft anzuheben und in Serie überteuerte Auslaufmodelle wie Behrami, Olic, Schipplock, Diaz, Hunt oder Null-Performer wie Drmic, Lasogga,  Ostrzolek zu verpflichten.

Man stelle sich einmal BILD-lich vor, was hier auf den Titelseiten des Boulevards und des Gutenacht-Blattes los gewesen wäre. Dieter „the Frisur“ Matz hätte dauerhaft Schaum vorm Mund gehabt und hätte diesen Presse-Olli locker aus der Hüfte den schlechtesten Manager in der Geschichte des HSV geschimpft.

Vergleichbare Reaktion heute? Och nö, lieber nicht.

Letzter Versuch.

Da ist dieser Manager, dieser Hieronymus. Der war zwar mal ne 83er-Legende, aber der Lack ist ab. Und dann verliert der Heini auch noch seinen Rucksack mit den wichtigsten Dokumenten des Vereins. Alle Verträge, alle Sonderabsprachen, alle Prämienregelungen sind verschwunden, aber das ist noch nicht das Schlimmste. Denn die Blätter, die der wahnsinnige Holger dummerweise ausgedruckt in diesem Sack durch die Stadt kutschierte, tauchen wieder auf. Bei der BILD.

Ich versuche mir gerade vorzustellen, dass Hieronymus mit einer Abmahnung aus der Sache raus gekommen wäre, aber meine Phantasie reicht nicht aus. Der Mann wäre gegrillt worden. Ex-Spieler, Ex-Vorstände, Ex-Exen, die Medien und der Rest der Bedenkenträger hätte ihn geteert und gefedert und zwar mit Recht. Heute ist das irgendwie nur noch ein Kavaliersdelikt und der Knäbelpeter tut so, als sei nichts gewesen.

Einen hab ich noch.

Da knallt Vorstand Jarchow Kohle raus, als würde im Keller der Arena eine Druckmaschine existieren. Schulden bis der Arzt kommt, Vorgriff auf zukünftige Einnahmen, die höchsten Gehälter.

Ich stelle mir gerade vor, welchem Shitstorm sich der damalige „Rat der Ahnungslosen“ ausgesetzt gesehen hätte. „Was kontrolliert dieser Aufsichtsrat eigentlich? Was machen Hunke, Ertel und Co. in diesem Gremium überhaupt, wenn sie nicht mal ihren Kontrollpflichten nachkommen können?“ Alle raus und zwar sofort.

Und heute? Nichts!!! Im Gegenteil. Heute erzählen einige Strahlungsopfer (und von denen gibt es mehrere), wie froh sie doch wären, dass „nichts mehr nach außen dringt“ (was für ein Treppenwitz) und wie seriös doch im neuen Aufsichtsrat gearbeitet wird. Woran sie das festmachen, können sie leider nicht sagen.

Was ich damit sagen will? Nun, soviel Mist, soviel Unfähigkeit bei gleichzeitiger nachhaltiger Geldvernichtung wie der aktuelle Vorstand mit Genehmigung des Aufsichtsrats hat wohl noch keine Führung in der Geschichte des HSV in so kurzer Zeit veranstaltet. Dabei kosten die Herren heute mehr denn je, aber auch das stört niemanden so richtig, denn es sind ja „Dukaten-Didi“ und Ehrenmann Gernandt, die den Verein leiten und dann guckt man gern mal weg. Es gibt keine mediale Kontrolle mehr, es gibt keine Opposition innerhalb des Vereins mehr und es gibt auch keine Mitglieder mit Stimme mehr, die ihre Bedenken anmelden. Die mahnenden Stimmen sind verstummt, aber eines tun sie folgenschwerer als je zuvor:

Sie machen sich mitschuldig daran, wie dieser Verein unwiderruflich an die Wand gefahren wird. Irgendwann ist auch das letzte Prozent der AG-Anteile verschachert, irgendwann ist auch der letzte Cent verbrannt und die allerletzte Chance vertan. Ende, Aus, Mickey Mouse. Und die Verantwortlichen? Die sind dann längst weg. Und glaubt irgendjemand, es wird einen Herrn Beiersdorfer oder einen Herrn Hilke im Jahr 2018 interessieren, wenn dann jemand schreibt, dass sie die Totengräber der Rauten waren? Mitnichten.

Ach ja. Der Einzige, dessen Arbeits-Qualität über all die Jahre unverändert blieb, ist Direktor Wolf. Aber dazu kann sich bitte jeder seine eigene Meinung bilden….

Von | 2016-03-11T07:27:21+01:00 11. März 2016|Allgemein|6 Kommentare

6 Comments

  1. HSVOstfriese 11. März 2016 um 07:49 Uhr

    Lange habe ich die Einträge auf dieser Seite für Stimmungsmache gehalten. Mittlerweile halte ich diesen Blog für das einzig unparteiische am HSV. Und wie oft mir aus der Seele gesprochen wird. Ich lese hier gerne und finde meine Meinung oft wieder. Viele Hoffnungen, die man mit der Ausgliederung hatte, sind zerstört worden. Und ich gehöre mittlerweile auch zu denen die denken, dass wir uns über kurz oder lang weit unten wiederfinden werden, das die Lizenz futsch ist.

  2. Nille65 11. März 2016 um 08:57 Uhr

    Eine wie immer sehr anschauliche Zusammenfassung, die die größten Probleme in Hamburg sehr gut auf den Punkt bringt. Amateurhaftes Verhslten, wohin man auch schaut. Und auch ich wundere mich seit mindestens zwei Jahre sehr darüber, dass insbesondere die Medien hierzu relativ wenig kritisch berichten. Nicht ganz durchsichtig ist auch die Rolle des e.V. Ist der nicht auch durch unseren Präsidenten im Aufsichtsrat vertreten? Warum hört man also nichts vom „Hafen-Meier“?

  3. BerndH60 11. März 2016 um 09:49 Uhr

    Bei aktuellen Firmenstruktur des HSV ist der e.V. Präsident nur für das Unterzeichnen von Grußkarten an langjährige Vereinsmitglieder zuständig. Das ist aber üblich in der Bundesliga.
    Oder schon mal was Öffentliches (also etwas Substanzielles) vom Bayern München Präsidenten gehört?
    Kennt jemand den Grüß-August von Hoffenheim?
    Haben Bayer Leverkusen, Wolfsburg oder RB Leipzig überhaupt einen Präsidenten? ?
    .
    Zum Thema AR noch etwas Allgemeines: Jedes AR-Mitglied hat immer zwei Möglichkeiten der Selbstwahrnehmung.
    Entweder man versteht sich als der Rat der die Aufsicht hat oder er versteht sich als der Auf-Sicht-Rat. Erstere Variante ist eindeutig mit der Unannehmlichkeit von „Arbeit“ verbunden, bei der zweiten Möglichkeit muss man nur geübt sein im „glaubwürdigen“ Abstreiten, wenn das Kind im Brunnen liegt.

  4. Hannes Grundmeyer 11. März 2016 um 10:22 Uhr

    Wenn ich deinen Blog lese, dann geht es mir genauso, als wenn ich was über die Flüchtlingskrise lese. Ich gucke schon seit Wochen keine Nachrichten mehr, wenn im Fernsehen irgendeine Talkshow mit dem Thema läuft, schalte ich weg, die ersten Seiten in der Zeitung überblättere ich und zu Hause ist das Thema tabu. Besser wird das Ganze dadurch natürlich nicht aber ich schone meine Nerven und kriege keine schlechte Laune.
    Genau so geht es mir mittlerweile, wenn ich was über den HSV lese, ich nehme es zur Kenntnis, kann aber eh nichts dran ändern. Ich stimme dir vollkommen zu, aber es ist mir immer mehr egal. Ich hab einfach keine Lust mehr, mich über diese Klappspaten im Präsidium aufzuregen. Der HSV wird über kurz oder lang absteigen oder pleite gehen. Und das auch zu Recht. Kein Verein in der Bundesliga hat es in den letzten 25 Jahren geschafft, trotz solcher Inkompetenz in der Buli zu bleiben. Aber irgendwann ist auch das letzte Häufchen Glück und Kohle aufgebraucht und dann kommt die große Abrechnung. Aber wie du schon mehrfach geschrieben hast, die Granden und Exzellenzen interessiert das dann alles nicht mehr und freuen sich über das fette Gehalt, was Sie dann verprassen können. Wahrscheinlich noch mit Abfindung, weil man ja langfristige Verträge hat. Es ist alles so traurig und kaum noch zu ertragen.

  5. Zürcher 11. März 2016 um 10:31 Uhr

    Gesellschaftsrechtlich könnte der e.V. mit >75% des Aktienkapitals die Einberufung einer Hauptversammlung der AG verlangen (dazu genügen sogar 5%) und dort die Aufsichtsrats-Mitglieder abberufen und neue wählen. Und der neue Aufsichtsrat könnte dann den Vorstand abberufen und einen neuen bestellen. Das können weder Gernandt noch Beiersdorfer noch die anderen Aktionäre verhindern.
    Faktisch ist man natürlich so lange Herrn Kühne ausgeliefert wie die Liquidität (und damit die Lizenz) davon abhängen, dass er den Geldhahn weiter offen lässt. Diese Abhängigkeit von Kühne liegt nicht in dessen Aktienbeteiligung begründet, sondern in der fortwährenden Überschuldung der AG. Hätte man das eingeworbene Eigenkapital dazu genutzt, eine solide finanzielle Basis zu schaffen, wäre Kühnes Einflussmöglichkeiten viel geringer (selbst wenn man gleich die ganzen 24,9% an ihn verkauft hätte).
    Ohne Ausgliederung wäre die Überschuldung noch dramatischer und man wäre Kühne auch komplett ausgeliefert.
    Von daher ist unsere einzige Hoffnung, dass Kühne irgendwann der Kragen platzt und er Beiersdorfer rauswirft. Ich glaube übrigens nicht, dass es Beiersdorfer nicht jucken würde, derjenige zu sein, der den Verein komplett an die Wand fährt. Und wenn Kühne zu Beiersdorfer sagt: „Wenn Du nicht zurücktrittst, und damit auch auf eine Abfindung verzichtest, gibt’s von mir keinen Cent mehr und die Lizenz ist futsch“, dann könnt Ihr sicher sein, dass Didi spurt. Andernfalls wird er nicht nur von den Medien zerrissen, sondern hat sich auch gesellschaftsrechtlich für den von ihm als Vorstand verursachten Schaden zu verantworten. Mit Kühne als Gegner macht das bestimmt keinen Spaß.

    • Diego 13. März 2016 um 21:29 Uhr

      Wie soll das gehen?
      Die raffgierigen Entscheidungsträger sind sich (noch) einig.
      Solange dies so ist brauchen die sich keine Sorgen machen, dass über den Aufsichtsrat auch nur eine klitzekleine Gefahr droht. 75% der Anteile hin – oder her.
      Gefahr für die Excellenzen droht nur über 2 Wege: Abstieg (diese Saison unwahrscheinlich) oder Insolvenz (da betriebswirtschaftlich gesehen Amateure am Werk sind).

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