Trotz Kühne-Geld, dem HSV fehlt die Strahlkraft

Zweimal bereits hatte der gebeutelte Hamburger Sportverein die Chance, zweimal hat sie derjenige verrissen, der vor wenigen Wochen einen seiner engsten Mitarbeiter, den er selbst zum Verein geholt hatte, feuerte, um seinen eigenen Kopf zu retten. Seither nennt sich der Mann Vorstandsvorsitzender und Direktor Profi-Fußball in Personalunion und wenn ihn niemand stoppt, fährt er die Kiste noch tiefer in den Schlamm.

Die Tatsache, dass Dietmar Beiersdorfer im Juni 2016 nichts weiter als ein zahnloser, wenn auch hochbezahlter Tiger ist, sollte nun auch der Letzte begriffen haben – Transfers kann der Mann nicht mehr einleiten, ohne vorher in der Schweiz angerufen zu haben. Das Fatale an der Geschichte aber ist: Jeder weiß das. Und welcher Berater, Spieler oder Vater verhandelt schon mit jemandem ernsthaft, der eigentlich nichts mehr zu melden hat, wenn er eine ernsthafte Alternative besitzt.

Zauderschlump

Diese Handlungsunfähigkeit ist aber nur die eine Seite der Medaille, dann fast noch schlimmer wiegt, dass Beiersdorfer nicht nur reichlich Geld in den letzten zwei Jahren verbrannt hat, er hat auch die strategische Zukunft des Verein, jetzt bereits zweimal, verbaselt. 2008 hatte der HSV die einmalige Chance, den damals 40-jährigen Shootingstar am Trainer-Himmel, Jürgen Klopp zu bekommen, Beiersdorfer zögerte. Wie immer. Er ließ den damaligen Trainer des FSV Mainz 05 anonym beobachten, man ließ ein Charakterprofil erstellen. Dann fand man heraus, dass Kloppo nicht gerade mit seinem Rasierer befreundet war und ein Trainer mit Drei-Tage-Bart geht doch beim altehrwürdigen HSV nicht. Vielleicht sollte Obi Wan KeDidi heute mal in den Spiegel gucken. Ex-Vorstandboss Bernd Hoffmann empfindet es heute noch als einen seiner größten Fehler, dass er sich damals nicht gegen den Zauderer durchgesetzt und Klopp gegen den Willen Beiersdorfers verpflichtet hat. Hoffmann wollte Klopp, Didi wollte Fred Rütten. Am Ende einigte man sich auf Martin Jol.

Fehler kann man machen, muss man sogar machen. Aber man muss aus Fehler auch lernen und Beiersdorfer lernt nicht. Denn wie wäre es sonst möglich, dass er es tatsächlich schaffte, 7 Jahre später den nächsten Startrainer von Hamburg fernzuhalten? Ich weiß, ich weiß, Borussia Dortmund. Großartige Legendenbildung, um sich selbst in ein besseres Licht zu stellen. Fakt ist: Man hätte Tuchel haben können, wenn man irgendwann mal einen Haken unter die Sache gemacht hätte. Sowas macht Didi aber nicht, Didi denkt und denkt und zweifelt und zweifelt. Dabei wusste 2008 und 2015 absolut jeder, welche Qualitäten diese Trainer hatten und selbstverständlich haben sie es später nachgewiesen.

Didi Zigarre

Dem HSV  bleibt dabei nur die traurige Gewissheit, dass man nach dem Verpassen von Klopp insgesamt 15 verschiedene Männer auf der Trainerbank  begrüssen konnte. 15 Trainer in 8 Jahren.

Was ist aber das eigentliche Problem, welches dadurch entstanden ist, dass man diese beiden außergewöhnlichen Trainer verpasst hat? Nein, ich meine nicht irgendwelchen Mumpitz von wegen Kontinuität oder Stabilität. Wofür stehen beide Trainer heute?

Betrachtet man die Entwicklungen auf dem Transfermarkt, so erkennt man, dass die Bundesliga (Bayern München einmal ausgenommen) im obersten Regal schon längst nicht mehr mitspielen kann. Selbst Borussia Dortmund kann einpacken, wenn Real, Barca, ManCity, ManU etc. die Brieftasche öffnen. Was bleibt also? Man kümmert sich um die Superstars von morgen. Die Spieler, die in den Kadern der ganz großen Vereine (noch) keinen Platz haben, die aber bereits jetzt in den höchsten Spielklassen und möglichst auch international spielen wollen. Dembèlè, Merino, Weigl, Mor etc.

DüdüHelm

Was aber gibt den Ausschlag dafür, dass ein Verein solche Spieler überhaupt bekommt? Natürlich muss man sie bezahlen, klar. Aber bezahlen tun andere auch. Was also ist für viele Superstars von morgen ein Hauptgrund, zu dem einen Verein zu wechseln und dem anderen abzusagen, obwohl dieser vielleicht sogar mehr bezahlen wollte.

Richtig, es ist der Trainer. Habe ich als Verein einen Trainer, der sich den Ruf, junge Spieler besser machen zu können, erarbeitet hat, habe ich ein Pfund in der Hand, welches kaum zu bezahlen ist. Sowohl Klopp wie auch Tuchel haben diesen Ruf und sie hatten ihn schon, bevor sie nach Dortmund gingen. Man stelle sich nur einmal vor, welche Spieler man hätte bekommen können, weil man einen außergewöhnlichen Trainer beschäftigt. Wie viele Stars hätte man möglicherweise produzieren können? Vor diesem Hintergrund kann ein Trainer wie Klopp oder Tuchel gar nicht überbezahlt sein, weil er das Geld in kürzester Zeit wieder reinholt.

Der HSV 2016/17 möchte angeblich jetzt auf jüngere Spieler setzen, die man entwickeln wolle. Nur – wer soll das machen? Bruno Labbadia? Der Trainer, der einen Aaron Hunt auch dann einsetzt, wenn dieser über Wochen nur einmal am Mannschaftstraining teilgenommen hat? Labbadia ist ein netter und freundlicher Mensch und bestimmt kein schlechter Trainer, aber für die Ausbildung junger Spieler steht er eben nicht und damit steht er unmittelbar dem Vorhaben, junge Stars von morgen zu entwickeln, im Wege.

Aber halt. Eigentlich steht nicht Labbadia im Wege, sondern Beiersdorfer. Denn dieser entwickelt nicht nur Spieler nicht weiter, er entwickelt sich selbst nicht weiter. Einmal Zauderer, immer Zauderer.

An dieser Stelle nochmal in eigener Sache: Wie bereits erwähnt, suchen wir für HSV-Arena einen Blog-Sponsor. Tatsache ist, dass die Arbeit für dieses Forum immer aufwendiger und auch kostenintensiver wird und ich dies irgendwann nicht mehr aus eigener Tasche bezahlen kann und werde. Wer also jemanden kennt, der sich mit den Inhalten und der Machart dieses Blogs identifizieren kann, nehme bitte Kontakt auf. Monatlich mehr als 150.000 Pageviews müssten doch für irgendwas gut sein 😉

Danke euch.

Von | 2016-06-03T10:17:37+02:00 3. Juni 2016|Allgemein|7 Kommentare

7 Comments

  1. alfa 3. Juni 2016 um 08:25 Uhr

    Moin Grave,
    Eine substantielle Frage hinsichtlich Herrn Beiersdorfer müsste doch lauten;
    Welcher Umstand seines Wirkens legitimiert Denn überhaupt noch die Führung der Amtsgeschäfte. Wenn es lediglich sein bestehender Vertrag ist, dürfte er doch eigentlich nicht mal mehr die Kaderplanung für die kommende Saison angehen! Oder siehst du noch irgend einen Bedarf an DB als Strohpuppe ? Eine kurze Antwort Ja / Nein würde mir reichen. Schönen Gruss

    • Gravesen 3. Juni 2016 um 08:29 Uhr

      Nein

      • Freundchen 3. Juni 2016 um 08:52 Uhr

        Na da wollen wir mal hoffen, dass der Mann, der die Musik bezahlt das auch so sieht und in Kürze mal Tabula Karla macht…

  2. EddieF. 3. Juni 2016 um 09:16 Uhr

    Das Foto mit Didi und Helm Peter ist Weltklasse!

  3. alfa 3. Juni 2016 um 09:49 Uhr

    Danke für die Antwort,
    Ich hätte mir ehrlich gesagt keine anderslautende Antwort vorstellen können,wollen.
    Denn er tanzt wohl nur noch die Sommerpause lang.!

  4. Christian 3. Juni 2016 um 14:45 Uhr

    „Der HSV 2016/17 möchte angeblich jetzt auf jüngere Spieler setzen, die man entwickeln wolle.“

    Wer soll denn das noch glauben? Kerem Demirbay wohl nicht, aber Paolo Guerrero wird es wahrscheinlich nicht stören.

    Was ist denn mit Mario Götze? Zu teuer kann er wohl kaum sein. Ah, stimmt, ist viel zu jung. In ten years, my friend.

  5. atari 3. Juni 2016 um 15:28 Uhr

    Darf Kühne eigentlich beliebig viel reinbuttern oder greift bei den Summen auch schon FFP (Financial Fairplay).
    Jeder darf nur soviel ausgeben, wie er einnimmt und das sieht beim HSV doch eher schlecht aus, oder?

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