„Das Düdü-Prinzip“ oder So ändern sich die Zeiten….

Ich kann mich noch gut daran erinnern, besonders auch deshalb, weil ich mich damals wirklich auf den Mann gefreut hatte. Nun mag ich Dänen grundsätzlich, aber von Frank Arnesen hatte ich mir viel versprochen. International erfahren, kam von Chelsea, war gut vernetzt. Nach knapp zwei Jahren der erfolglosen Sportchef-Suche (Nochmal ganz deutlich: Es war der dafür zuständige Aufsichtsrat, der keinen Nachfolger für Beiersdorfer finden konnte, nicht der Vorstand unter Bernd Hoffmann!!!), kam ein Mann mit Ruf. Außerdem wurde bekannt, dass Arnesen ca. € 15 Mio. für neue Spieler zur Verfügung gestellt bekommen sollte, es sah also gut aus.

Kurze Zeit später tat mir der Mann dann leid, denn der damalige Vorstandsboss Jarchow musste dem neuen Sportvorstand eröffnen, dass er nicht etwa € 15 Mio. würde ausgeben können, nein, er müsse € 15 Mio. Transferüberschuss erwirtschaften. Für diejenigen, die rechnen können: Dies macht einen Unterschied von € 30 Mio. aus. Aber nicht nur das, denn Arnesen hatte sich bereits in London nach Spielern für den HSV umgesehen, das alles konnte er nun in die Tonne treten, denn er musste erstmal verkaufen. Verkaufen musste er vor allem erstmal Spieler, die er nicht selbst geholt hatte.

Ach ja. Der HSV war in der Saison, bevor Arnesen nach Hamburg kam, Tabellen-8. mit 45 Punkten geworden, also durchaus vergleichbar mit der aktuellen Situation des Vereins. (10. mit 41 Punkten). Also ging Arnesen ans Verkaufen. Elia für € 9 Mio. nach Turin, Pitroipa für € 3,5 Mio. nach Rennes, Alex Silva für € 2 Mio. zu Flamengo, das waren die ersten großen Verkäufe. Vergleicht man das mit dem, was Herr Beiersdorfer auf die Kette kriegt….

Was aber tun, wenn man von gänzlich anderen finanziellen Voraussetzungen ausgegangen war und nun binnen kürzester Zeit, ohne Vorlauf und Planung, die Mannschaft am besten auch noch verstärken soll? Richtig, man bedient sich dort, wo man weiß, was man bekommt. Mancienne, Rajkovic, Bruma (Leihe für 2 Jahre), Töre, Sala, Skjelbred, Ilicevic. Für diese 7 Spieler gab Arnesen insgesamt € 10, 5 Mio. aus, das Durchschnittsalter der Spieler betrug 20,57 Jahre. Zum Dank wurde Arnesen von der widerwärtigen Hamburger Presse durch die Mangel gedreht. Er kenne wohl nur seine „Chelsea Boys“, von einem Mann seiner Reputation hätte man sich etwas ganz anderes versprochen. Was verspricht man sich eigentlich heute von einem Mann mit der Reputation eines Beiersdorfers? Nichts mehr?

Wie gesagt, Arnesen musste „aus dem Stand“ verkaufen und er musste Spieler verkaufen, die er nicht geholt hatte. Beiersdorfer weiß seit Monaten, dass er verkaufen muss und er muss ausschließlich Kicker an den Mann bringen, die er selbst zum HSV geholt hat. Leider kriegt er weniger als nichts gebacken. Wurde in der letzten Saison noch ein Jonathan Tah für eine lächerliche Summe nach Leverkusen verhökerte, ein Aggressiv Loser Valon Behrami nach nur einem Jahr mit Verlust nach England gereicht und ein Copa Sieger Marcelo Diaz ebenfalls nach einem Jahr mit Verlust nach Spanien geschickt, laufen in diesem Jahr lediglich die Verträge aus, was aber von den Hofberichterstattern bereits als wahnsinniger Erfolg verbucht wird. Verkäufe gibt es in Hamburg nicht mehr, es gibt ja nicht einmal Anfragen. Stattdessen werden Spieler wie Beister und Sobiech mit Abfindungen vom Hof gejagt, das hätte Arnesen einmal wagen sollen.

Ach ja, die „Chelsea Boys“, die Frank Arnesen damals nach Hamburg holte, haben heute einen Marktwert von zusammen € 31,5 Mio., die Herren, die Buyersdorfer für teures Geld holte, kommen zusammen auf € 28 Mio. Mit dem Unterschied, dass Arnesen (in seiner ersten Saison) für die 7 Spieler € 10,5 Mio. ausgab und Beiersdorfer (in seiner ersten Saison) für die 1o Spieler zusammen € 35,35 Mio. Im Schnitt kostet also ein „Arnesen-Spieler“ den HSV € 1,5 Mio., während ein „Beiersdorfer-Spieler“ auf € 3,5 Mio. kommt. Was noch dazu kommt: Die „Arnesen-Spieler“ hatten einen Altersdurchschnitt von 20,57 Jahren, die von Verbrennungs-Düdü 26,3 Jahren. Diese Spieler kamen mit einem Marktwert von zusammen € 37,05 Mio., die gleichen Spieler repräsentieren heute einen Marktwert von zusammen € 29,05 Mio., so verbrennt man erfolgreich.

Nimmt man jetzt alles zusammen und vergleicht, dann sieht Präsi-King Didi noch schlechter aus als ohnehin schon geglaubt. Während Arnesen von der plötzlichen Entwicklung überrascht wurde und schnell handeln musste, wusste Beiersdorfer, was kommt. Während Arnesen eine hetzerische Presse und einen intriganten Aufsichtsrat fürchten musste, wird Didi von allen Seiten in Watte gepackt. Vom AR hat er nichts zu befürchten und die Hamburger Medien sind allesamt Dukaten-Didi-Fans, warum, wissen sie wohl selbst nicht.

Man stelle einmal vor, was passiert wäre, hätte der Däne Arnesen gesagt: „Für HSV-Spieler gibt es zur Zeit keinen Markt“. Frank A. sagte man nach, er wäre mit einem Gehalt von € 2 Mio. zu teuer, aber was ist denn Zauderschlumpf Didi mit seinen € 2,5 Mio. pro Jahr? All das ist heute vergessen bzw. es spielt keine Rolle mehr. Heute kann sich ein Vorstand selbst mal eben „7-10 Jahre“ Zeit gewähren, um Ziele zu erreichen, die er nicht mal formulieren möchte, heute wird ein Testspiel-Sieg gegen einen Regionalligist wie der Gewinn der Euro-League gefeiert und die Verpflichtung von Flüchtlings-Bakery ist wichtiger als der Transfer von Mario Götze zu den Bayern.

In Hamburg hat man komplett die Orientierung verloren, das, was gestern noch wichtig war, zählt heute nicht mehr. Während Arnesen jeden Cent erklären musste, wird Buyersdorfer heute nicht mal mehr vom Aufsichtsrat kontrolliert und zudem neuerdings von Kühne mit Geld zugeschissen.

Und jetzt das. Nach zähen Verhandlungen gibt der HSV nun doch Kerem Demirbay für € 1,7 Mio. nach Hoffenheim ab. € 1,7 Mio. Für einen Spieler, der gerade 23 Jahre alt geworden ist. Der in der letzten Saison in 25 Spielen als Mittelfeldspieler 10 Tore erzielte und weitere 5 vorbereitete. Dies in einer unterdurchschnittlichen Mannschaft. Immerhin hat es Verhandlungsgott Buyersdorfer geschafft, den armen Hoffenheimern noch € 200.000 mehr aus dem Kreuz zu leiern, also in etwa ein eigenes Monatsgehalt. Auf der anderen Seite holt man einen Gregoritsch für € 3 Mio. aus der 2. Liga (und lässt sich im Paket einen Schipplock für € 2,5 Mio. aufschwatzen) und man holt einen Wood für € 3,5 Mio. aus der 2 Liga. Wo genau sind dort jetzt die Verhältnisse? Ach ja, Demirbay wollte ja unbedingt weg. Na, dann muss man die Spieler natürlich verschleudern, wie man es vorher mit Calhanoglu und Tah erfolgreich praktizierte.

Köstlich übrigens: Der weltweit Einzige, der von € 2 Mio. Ablöse labert, ist Hofschreiber Münchhausen „de Vrij“ Scholz. Aber was von dessen Glaubwürdigkeit übrig geblieben ist, kann jeder für sich beurteilen.

Meine letzte Hoffnung war, dass Kühne diesem Wahnsinn ein Ende bereitet, aber der spielt lieber weiterhin mit dem Verein Monopoly.

Von | 2016-07-12T07:26:48+02:00 12. Juli 2016|Allgemein|3 Kommentare

3 Comments

  1. Kerberos 12. Juli 2016 um 08:43 Uhr

    Ich möchte den Blog um nachstehenden Hinweis bezüglich der Nachhaltigkeit der Angaben zu den Ausgaben für Transfers in der Saison 14/15 ergänzen:
    „Mit den Investitionen in den Spielerkader in Höhe von TEUR 32.874….“ (Seite 15 der Konzernbilanz zum 30.06.2015 sowie „Daneben beinhaltet der Posten (Anm.: sonstige betriebliche Aufwendungen) im Wesentlichen Provisionen … Transferaufwendungen TEUR 3.150 … “ (Seite 11 der Konzernbilanz vom 30.06.15).
    .
    Der HSV selbst dokumentiert in seiner Bilanz für die Saison 14/15 vom 30.06.15 also über 36 Mio unmittelbare Ausgaben für die Verpflichtung neuer Spieler. Die Angaben im Blog können daher belastbar nachgehalten werden und sind keines Wegs „Hirngespinste“ irgendeiner Kampagne gegen Beiersdorfer. Es ist leider die unangenehme Wahrheit.
    .

  2. alfa 12. Juli 2016 um 11:26 Uhr

    Nur mal so ein Gedanke am Rande. Hat Jatta denn nicht Angst Allein im Wald zu laufen, er ist doch noch sooooo blutjung.? Hoffentlich haben sie einen Älteren mitgeschickt!

  3. ausgegliedert 12. Juli 2016 um 19:04 Uhr

    Gute Zahlen – schlechte Zahlen. Für die Gutmenschen bleiben halt immer nur die vermeintlichen Dukaten.
    Die dafür notwendigen Gelder generierte damals ein visionärer VV, den man für das Projekt Anstoß ans Kreuz nageln wollte. Von alldem ist nix mehr übrig, außer das, nunmehr legitimiert, Anteile verkauft wurden, ohne daß daraus ein absehbarer Ertrag entstünde.
    Alles exzellent…

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