Die Legende vom großen Plan

Manchmal denke ich, wir gucken vielleicht alle zu viel TV. Da, wo in diesen Serien und Spielfilmen irgendwelche Geheim-Organisationen oder geniale Einzeltäter wahnsinnige Pläne schmieden, die dann am Ende unter Mithilfe von James Bond in letzter Sekunde vereitelt werden können. Wo vorher ein Mann aus dem 14. Stockwerk eines Hotels in Nairobi fällt, unten auf ein ganz bestimmtes Taxi knallt und der Planer in seinem High-Tech Labor in Budapest genau das vorausgesehen und natürlich geplant hatte. Alles das, was dem Beobachter im ersten Moment wie purer Zufall erscheint, gehörte zum Plan und fügt sich wie von Zauberhand zusammen und wenn man Glück hat, dann gibt es genau einen großartigen Agenten, Polizisten oder Wissenschaftler, der die Illuminaten im letzten Augenblick stoppt.

Wie gesagt – TV. Und Fiction. Denn im wahren Leben ist eben dann doch so wie beim Hamburger Sportverein, nämlich gänzlich ohne großen Plan, aus purem Zufall und einfach mal so versucht. Das aber können viele nicht begreifen, denn hinter allem muss der große Plan stecken. Wenn man nämlich jetzt bereits Spieler X verpflichtet und nach Düsseldorf oder Fürth verleiht, dann hat man unter Garantie den Plan, dass der Spieler in der Saison 2018/19 eine Wahnsinnsleistung bringen wird und man hat bereits jetzt Vorgespräche mit ManCity und Real Madrid über einen Transfer geführt. Bullshit. Der Spieler wird oftmals gekauft, weil er gerade verfügbar war. Oder weil ihn der Berater gerade angeboten hat und ein anderer Spieler eine Stunde zuvor abgesprungen ist. Und die Leihe nach Düsseldorf kam auch nur deshalb zustande, weil den Rheinländern am Tag zuvor ein Mittelfeldspieler wegen einer schweren Verletzung weggebrochen war und sie schnellen Ersatz brauchten. Kein Plan, sondern Zufall.

Dieser ominöse Plan, der sich in den Köpfen einiger eingenistet hat, ist es aber, der all die Schwachsinnigkeiten, die die Exzellenzen Tag für Tag fabrizieren, erklärt. Oder erklären kann. Denn so viele Fehler kann man eigentlich gar nicht aus Versehen machen, da muss mehr dahinterstecken. Alles wird schon einen Sinn haben und irgendwann (in 7 bis 10 Jahren) ergibt sich das ganz große Bild. Dann wird der Vorhang gezogen und alles erklärt sich von selbst. Dann werden all die Pester, Hater, Zweifler und Kritiker Abbitte leisten müssen und dann wird dieser Verein dastehen wie die berüchtigte Eins.

Letztendlich ist dieser verzweifelte Glaube an die übergeordnete Idee nichts anderes als ein Schutzmechanismus. Wenn man die Taten und Handlungen derer, die man so vehement gegen alles und jeden verteidigt, selbst nicht mehr rational erklären kann, dann muss halt „the plan“ herhalten, was bleibt auch sonst? Denn immerhin erklärt auch unser aller Verbrennungs-Didi, dass man „Prozesse eingeleitet“ hätte und „Strukturen angepasst“ hat. Was genau das eigentlich bedeuten soll, kann (und will) der Mann nicht erklären, aber es klingt zumindest erstmal nach Plan und so erkauft man sich das, was man braucht, um noch ein wenig zu überleben: Zeit.

Ich will es mal an einem Beispiel verdeutlichen. Es ist noch gar nicht so lange her, da verkündete man in Hamburg-Stellingen die Welt-Idee, auf die noch keiner gekommen war. Man wollte die Nachwuchs-Arbeit revolutionieren und dazu hätte man beschlossen, dass alle Nachwuchs-Teams von der U12 bis hin zur Bundesliga-Truppe das gleiche System spielen sollten. So macht das Barcelona in La Masia und so machen wir das jetzt auch. Basta. Klingt auch immer extrem geil, wenn man sich an den Besten orientiert, gell? Tatsache ist nur – das ist alles Bullshit. Denn in Ochsenzoll lässt jeder Nachwuchs-Coach so spielen, wie er es für richtig hält. 4-4-2, 4-2-3-1, 4-3-3, völlig egal. Und wer jetzt gedacht hätte, dass der große Trainerflüsterer Latschen-Bernie Peters an dieser Stelle regulierend eingreifen würde, den muss ich enttäuschen, denn das tut er nicht.

„Ich stehe für attraktiven Offensiv-Fußball“ hat der Mann mal gesagt, wer hätte das jetzt gedacht. Sein Konkurrent um den Posten des „Direktor Sport“ hatte sich mit den Worten „Ich stehe für unattraktiven Defensiv-Fußball“ beworben und völlig überraschend den Job nicht bekommen.  Der große Plan? Für’n Arsch.

Anderes Beispiel, Klaus-Michael Kühne. Der große Gönner pumpt Jahr für Jahr eine Million nach der anderen in den Verein. Er finanziert Spieler, kauft Stadion-Namen, sichert die Lizenz, erwirbt AG-Anteile. „Leute, der Mann ist 78 Jahre alt und mehrfacher Milliardär, der hat doch einen Plan. Das alles macht doch ein Mann seiner Intelligenz und Machtfülle nicht ohne einen tieferen Beweggrund“. Doch, tut er. Es wird den einen oder anderen vielleicht schockieren, aber es gibt den großen Kühne-Plan nicht. Weder will KlauMi den Verein feindlich übernehmen, noch steckt eine ausgeklügelte Idee dahinter, wie man den HSV bis 2042 wieder ans internationale Geschäft führen wird. Die Realität ist ebenso simpel wie spaßig: Der Mann spielt einfach gern. Er ist alt, er hat keine Erben und er schwärmt für Fußball. Außerdem kann er es sich leisten. Also spielt Kühne Fifa16 mit einem echten Verein. Er redet mich echten Beratern und Managern, lässt den einen oder anderen Star-Spieler einfliegen, das macht Laune. Was am Ende dabei rauskommt bzw. rauskommen soll, das weiß auch Herr Kühne nicht und es interessiert ihn auch nur am Rande.

Ich gehe noch weiter – HSVPLUS. Mehrere (Zig)-Tausend Mitglieder hatten gedacht und gehofft, dass all das, was die Macher von HSVPLUS vor hatten, einem höheren Plan folgen würde. Denn garantiert hatten Rieckhoff und Co. alles bis ins letzte Detail durchdacht. Sie wussten frühzeitig, wer der neue Vorstandsvorsitzende werden sollte, was aus einem Hilke wird, wie man die Selbstvermarktung geregelt bekommt, wer als Strategischer Partner vor der Tür stehen würde und wie viel Kohle Ober-Gönner Kühne auf den Tisch legen wird, sobald die Ausgliederung durch ist. Ich verrate euch ein Geheimnis, weil ich viele der Beteiligten persönlich kenne und mehrfach gesprochen habe: Es gab keinen Plan nach der Ausgliederung! Vielmehr dachte man, man würde den Profi-Bereich ausgliedern, eine AG gründen und dann würde es schon irgendwie laufen. Wie oder was Beiersdorfer dann im Anschluss veranstalten würde, darüber hatte niemand nachgedacht, denn im ersten Schritt war es erstmal wichtig, Hunke, Ertel und Jarchow loszuwerden. Alles andere würde sich schon irgendwie fügen. Irgendeine Firma würde dann wohl als Strategischer Partner einspringen usw.

Das Ergebnis sehen wir jeden Tag.

Ehrlich, ich kann verstehen, dass es einige (viele) gibt, die das nicht verstehen werden bzw. nicht verstehen können. Es ist auch schwer zu verstehen, denn wie herrlich einfach könnte das alles sein, wenn man darauf hoffen könnte, dass es den ganz großen Plan gibt? Dass es dort irgendwo jemanden gibt, der sein Millionengehalt zu Recht verdient, weil der die (gedanklichen) Fäden in der Hand hält und uns alle irgendwann in naher Zukunft mit dem großen Knall überrascht. Schade nur, dass es den nicht gibt…..

In eigener Sache.

Wie bereits vor einiger Zeit erklärt, wird die Arbeit an diesem Blog immer zeitaufwendiger und damit auch teurer. Bereits mehrfach haben wir deshalb Gespräche zur Finanzierung geführt, nun haben mir verschiedene Leser einige Modelle vorgestellt, auf denen wir zur Zeit rum denken. Hierzu benötige ich eure Hilfe. Wir möchten einmal ganz unverbindlich abfragen, wie die Bereitschaft für eine gewissen Freiwilligkeit besteht und bitten euch daher, diese beiden Fragen zu beantworten:

„Wärst Du bereit, regelmäßig auf freiwiiliger Basis ohne jedwede Verpflichtung für den Blog zu spenden? (Ja/nein)“

„Was wäre Dir das monatlich Wert? Optionen: 1, 3, 5, 10 Euro“

Als kleines Rechenbeispiel. € 5 im Monat bedeutet ca. 17 Cent pro Blog. Geht eigentlich, oder?

Gern könnt ihr dies hier im Blog tun, aber natürlich auch über die Kontaktmail, wenn ihr eure Antwort lieber vertraulich gestaltet haben möchtet.

Vielen Dank schon jetzt.

P.S. Auf irgendwelche verblödeten Schwachsinnsmails aus der üblichen Ecke kann ich gut verzichten, wenn ich auch weiß, dass sie natürlich kommen werden. So ist das in einem Blog, der einem keine Inhalt, sondern nur laue Tagesberichte und Hofberichterstattung liefert 🙂

Von | 2016-07-14T08:30:23+02:00 14. Juli 2016|Allgemein|21 Kommentare

21 Comments

  1. Launi 14. Juli 2016 um 08:29 Uhr

    Wie immer ein lesenswerter Blog und leider, wie schon seit Jahren, unangenehm wahr 😉

    Zur Finanzierung: Für Qualität bin ich gerne bereit, etwas zu bezahlen, hier kommt ja auch, von der kurzen Auszeit einmal abgesehen, fast täglich ein Blog und wenn man im Ruhrgebiet wohnt, gibt es nicht mehr viel, um sich über den HSV zu informieren.

  2. Nift 14. Juli 2016 um 08:38 Uhr

    5

  3. Carsten Hae 14. Juli 2016 um 08:39 Uhr

    Jaja der große Plan. Gibts in jedem Unternehmen. Ah ne das war Profitgier… Aber es werden Prozesse angeschoben. Ich glaube das hat der HSV nicht exklusiv 😀 Nach der 3ten Umstrukturierung überlegt man sich dann was mit fusionierung etc pp… Ein Glück gibts aber einen Plan !!1111

    „Wärst Du bereit, regelmäßig auf freiwiiliger Basis ohne jedwede Verpflichtung für den Blog zu spenden? (Ja)“

    „Was wäre Dir das monatlich Wert? Optionen: 1-3EUR“

  4. Holger P- 14. Juli 2016 um 08:50 Uhr

    Wo Du diese Stories immer herholst und Sie mit HSV-Tatsachen verbindest – unfassbar gut! Leider, muss ich als ewiger HSV-Fan sagen.

    „Wärst Du bereit, regelmäßig auf freiwiiliger Basis ohne jedwede Verpflichtung für den Blog zu spenden?“ Ja klar, gute Berichte abseits der voneinander abschreibenden Journaille sollen, müssen honoriert werden!

    „Was wäre Dir das monatlich Wert?“ 5€

  5. Axel S 14. Juli 2016 um 09:36 Uhr

    Sehr richtige Einlassung! Die Vorstellung, dass die Führung einen Plan hat, den man zwar nicht kennt, aber der schon irgendwann zum Erfolg führen wird, ist zwar beruhigend, aber meistens falsch. Dieses „er wird sich ja schon irgendetwas dabei gedacht haben“ hört man ja nocht nur im Zusammenhang mit Profifussballl. Tatsache ist aber, dass Handlungen von schlechten Führungspersonal zumeist aus anderen Gründe. Vorgenommen werden: Angst um das eigene Ansehen, Druck von innen oder aussen, Planlosigkeit, Verzweiflung und die Hoffnung auf einen glücklichen Befreiungsschlag. Aus genau diesen Gründen wird ja auch in der Wirtschaft so oft gutes Geld schlechtem hinterher geworfen. Beim HSV ist das nicht anders. Es ist nicht auszuschliessen, dass Beiersdorfer irgendwann auch wieder Glück hat: ein bisher verkanntes Talent entwickelt sich zum Superstar; der entscheidene Ball geht nicht an den Pfosten sondern ins Tor, usw. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass bald – sehr bald – das ganze Gebäude aus Unfähigkeit, Planlosigkeit, und Raffgier in sich zusammenstürzt.

    Zu deiner Frage: wieviel Deine Leser bereit sind zu zahlen wirst Du nur dann wirklich herausfinden, wenn Du den Blog (oder Teile davon) hinter einer Paywall verschwinden läßt. Mir wäre es sicherlich 30-50 Euro im Jahr wert.
    Weiterhin frohes Schaffen!

  6. tim 14. Juli 2016 um 09:40 Uhr

    Sehr gerne 5€ – diese Qualität der Artikel (und deren Unterhaltungswert) möchte ich nicht missen…!

  7. Gravesen 14. Juli 2016 um 09:43 Uhr
  8. Oliver Bruchholz 14. Juli 2016 um 10:07 Uhr

    Von irgendeiner Seite hab ich doch schon was von 14 Millionen gehört? Wo War das wohl???????

  9. WeLo76 14. Juli 2016 um 12:05 Uhr

    5 euro, hätte weiterhin bock auf diesen blog!

  10. Marc Klockmann 14. Juli 2016 um 12:10 Uhr

    Super, ich bin für 5€

  11. leonardo63 14. Juli 2016 um 12:57 Uhr

    Moinsen,

    Qualität und Inhalte des Blogs sind immer wieder informativ und auch unterhaltsam. Ich bin dabei .. mit ´nem Highermann pro Monat — also 60 € im Jahr.

    Das ist in meinen Augen ein fairer Preis und sollte jedem Leser hier es wert sein.

  12. Andy Schmitz 14. Juli 2016 um 15:45 Uhr

    Mahlzeit Grave,

    5€ für solche täglichen News und Gedanken sind beim Besten Willen nicht zu viel!!!!
    Ich würde gerne zahlen!!!!

    Wie war das noch gleich, wir schmeißen die Kühne-Kohle nicht zum Fenster raus?!?!?
    Aber bieten dann angeblich weit über 10 Mio. € für einen 23 jährigen. Es muss doch auch einen ähnlich fähigen aber günstigeren Spieler geben als Kostić!?!?!

    Unfassbar wenn dieser Transfer realisiert würde…….

    Grüße

  13. Freundchen 14. Juli 2016 um 15:46 Uhr

    Moin! 5 Eur auf jeden…Diese Qualität hat auch mehr verdient. Gruß

  14. Skeptiker 14. Juli 2016 um 17:00 Uhr

    Ich wäre auch mit 5 € dabei. Kaum vorzustellen, dass die neue Saison beginnt und der Arena-Blog keine Informationen mehr liefert. Dann wäre man nachher noch auf Motzpost und die Einöde angewiesen…. Bloß nicht!

  15. Arnold 14. Juli 2016 um 18:50 Uhr

    5-10EUR wäre ich gerne bereit zu zahlen!

  16. Olaf Brando 14. Juli 2016 um 19:14 Uhr

    10 Euro sind ok.

  17. Bwana Bruce 14. Juli 2016 um 20:19 Uhr

    Moin !

    € 10,- pro Monat ist es mir Wert !

    Gruss aus Africa

    Bwana Bruce

  18. hamuburgmini 14. Juli 2016 um 21:05 Uhr

    Moin Grave!
    1. Ja!!
    2. Mit 5 EUR im Monat bin ich dabei!
    3. MACH WEITER!! UNBEDINGT!!

    Gruss

  19. MagicManMH 15. Juli 2016 um 04:45 Uhr

    Moin Moin aus Afgahnistan

    Ja wuerde spenden
    10-20Euro im Monat bin ich breit zu geben.

    Gruss
    Magic

    • Gravesen 15. Juli 2016 um 06:48 Uhr

      Jesus, Alter. Was zur Hölle machst du in Afgahnistan?

  20. Hank 17. Juli 2016 um 00:06 Uhr

    Moin Grave, seit langem bin ich Leser Deines Blogs und möchte nicht auf Deine kritische Auseinandersetzung mit dem HSV verzichten. 8-10€ Handgeld pro Monat (ohne Prämien) könnte ich überweisen.

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