Ein Fall für den Legenden-Betreuer

Okay, die Überschrift ist natürlich ein Gag, weil – was macht dieser extra engagierte „Legenden-Betreuer“ eigentlich? Und welche Legenden betreut er? Wenn es allerdings eine Legende gibt, die Betreuung verdient hätte, die es aber unter Garantie strikt ablehnt, von „The frisur“ betreut zu werden, dann ist es die Legende Horst Hrubesch. Wobei man eines einmal ganz deutlich festhalten muss: Es bedurfte keiner Silber-Medaille bei Olympischen Spielen, um den Langen zur Legende zu machen, die war er lange zuvor schon. Allerdings hat die Medaille in Rio, die Art und Weise, wie seine zusammengewürfelte Truppe aus Ergänzungsspielern agierte und besonders auch, wie sich dieses Team als Team präsentierte, erneut aufgezeigt, dass „der Jungs-Versteher“ einfach anders ist. Die Frage ist nur, warum?

Aktuell werden in Foren und Artikeln die Forderungen laut, den Nachwuchs-Experten doch beim HSV einspannen zu können und ehrlich: Ich finde das sowas von peinlich! Der Mann leistet seit Jahrzehnten hervorragende Arbeit mit jungen Spielern, aber immer erst dann, wenn er etwas gewinnt, kommen die Ratten wieder aus ihren Löchern (nicht wahr, Münchhausen Scholz?). So sind die Menschen nun mal, anstatt zu beobachten, springen sie lieber grundsätzlich auf den gerade vorbeifahrenden Zug auf, ist ja auch schön einfach.

Was aber macht HH denn nun anders, was macht ihn besonders? Erstaunlicherweise meinen viele Vögel, die den Mann lediglich aus den Zeitungen oder dem Fernsehen kennen, die Person Hrubesch beurteilen zu können, was für eine Lachnummern. Auch ich bilde mir nicht ein, alles an diesem Mann durchblickt zu haben, aber ich hatte zumindest das Privileg, vor ca. 2 Jahren ein ausführliches Interview mit ihm führen zu dürfen, insgesamt 4 Stunden saßen wir in seiner Küche zusammen. Wie dieser Mann strukturiert ist, sieht man vom ersten Moment. Seine unglaublich nette Frau öffnete die Tür, die beiden Hunden springen einen an und der Chef kommt in T-Shirt und Jogging-Hose um die Ecke. Kein Auftritt, keine Show, denn die hat er nicht nötig.

Wir setzten uns also an den Küchentisch und vor Beginn des Gesprächs klärt der lange Blonde ab, dass man sich doch am besten duzen sollte, das macht es einfacher. Dann das nächste Ding: „Habt ihr Hunger? Wollen wir uns einen Döner holen? Ich kann ihn losschicken, der holt was“…und zeigte auf seinen erwachsenen Sohn. Auch so ein Ding. Kommt in die Küche, wir holen uns einen Döner. Typischer Hrubesch. Keine Show, kein Verstellen, er holt sich auch einen Döner, wenn fremde Typen da sind, die er nicht kennt und die etwas von ihm wissen wollen. Warum? Weil er es nicht nötig hat, sich zu verstellen und etwas zu zeigen, was er nicht ist. Man nimmt ihn so, wie er ist oder man lässt es, ihm doch egal.

Ich denke, dass dies Hrubesch’s größte Stärke, seine Authentizität ist. Er hat es nicht nötig, Horst Hrubesch zu spielen, er ist Horst Hrubesch. What you see is what you get. Er lebt den Jungs seine Werte vor und in einer Welt ohne Werte ist das ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Er erklärt den Jungs, was sie können, er erklärt ihnen aber auch, was sie nicht können und sie glauben ihm. Sie glauben ihm sogar so sehr, dass sie bereit sind, persönliche Interessen hinten anzustellen. Warum? Weil er ihnen verspricht, dass sie als Team besser sind als die Summe aller Einzelteile. Und er hat bewiesen, dass das stimmt.

Horst Hrubesch ist ein Mensch, der mit Tattoos und Ohrringen nichts anfangen kann und das zeigt er auch. Er verurteilt niemanden aufgrund seiner Tapete an Armen und Körper, aber er zeigt auch deutlich, dass niemand deshalb ein härterer oder coolerer Typ ist, nur weil er sich hat pieksen lassen. Das bringt Respekt und das ist die nächste Stärke. Die Jungs respektieren ihn, aber diesen Respekt muss er nicht einfordern, er hat ihn einfach. Keiner seiner Spieler würde es wagen, ihn öffentlich zu kritisieren, weil sie wüssten, dass sie dann gewaltigen Ärger kriegen würden. Nicht von Hrubesch, der würde das anders regeln. Nein, von den Mitspielern.

Natürlich liegt auch HH nicht immer richtig in seinen Einschätzungen, wir haben damals über verschiedene Nachwuchsspieler geredet und bei zweien lag er mit der Prognose ihrer Entwicklung daneben. Aber: auch das kann nur passieren, wenn man die Eier hat, solche Prognosen überhaupt zu stellen. In einer Zeit, wo sich jeder jede denkbare Hintertür aufhält, um im Notfall einen Ausweg zur Hand zu haben, braucht Hrubesch keinen Notausgang.

In den letzten Tagen kursierten durch verschiedene Foren und auch via Facebook einige Einschätzungen und Kommentare zu Hrubesch’s Rolle vor, während und nach HSVPLUS und ich denke, es ist an der Zeit, einmal klipp und klar die Wahrheit zu sagen. Denn: Die Clowns, die sich dort gerade bei Facebook etc. zu Wort melden und unmittelbar zur Initiative HSVPLUS gehörten, haben nie mit dem Mann persönlich gesprochen, aber sie posaunen große Parolen raus, um sich zu positionieren.

Fakt ist: Für den Fall der gelungenen Ausgliederung hatte Hrubesch einen fertigen Plan in der Schublade, falls er und seine 83er-Freunde dem Verein hätten helfen sollen. Ob Olympia, ob U23, das stand zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht fest, aber auch dann hätte es nach seiner Auffassung eine Lösung gegeben, denn die Betreuung der Deutschen Nachwuchsmannschaft ist bekanntlich kein Fulltime-Job. Auch hatte Hrubesch einige seiner Nachwuchsspieler dem HSV empfohlen (ich kenne die Namen), aber davon wollte die neue Führung unter Dietmar B. später nichts wissen. Nachdem ein Monat vor der erfolgten Ausgliederung, also nach der Abstimmung die Herren Rieckhoff, Kühne und Gernandt einen weiteren Plan bzgl. Nachwuchs und Personal von Horst erhalten hatten, hat sich niemand mehr bei ihm gemeldet.

Folglich verlängerte Hrubesch seinen Vertrag beim DFB und ich möchte ihm heute zu dieser Entscheidung beglückwünschen.

Was genau sollte HH denn nun im Jahr 2016 beim HSV machen? Externer Berater? Nachwuchs-Kasper unter einem eitlen Fatzke wie Bernhard Peters? Mitarbeiter unter Zauderschlumpf Didi? Das muss man sich einfach mal ausmalen. Ein extrem gradliniger Mensch wie Hrubesch sitzt dann mit Strippenziehern wie Hilke und Gernandt zusammen. Ein Mann, der keine Show kennt, soll sich mit Selbst-Optimierern wie Beiersdorfer und Peters arrangieren. Herrliche Vorstellung.

Auf der anderen Seite muss man allerdings auch festhalten, dass sogar Trainer wie Klopp und Tuchel in Erwägung gezogen hatten, an der Elbe anzuheuern, kann man sich heute kaum noch vorstellen. Allerdings standen diese auch am Anfang ihrer Trainer-Karriere, Horst ist 65.

Nein, lieber Horst, bleib bloß bei deiner Meinung und halte dich von diesen Verlierern fern. Sie haben dich nun zweimal verarscht, lass es nicht zu, dass sie eine dritte Chance bekommen. Du bist eine Legende und wirst immer eine bleiben. Du brauchst diesen Verein  garantiert nicht.

Von | 2016-08-22T09:30:39+02:00 22. August 2016|Allgemein|9 Kommentare

9 Comments

  1. Freundchen 22. August 2016 um 09:09 Uhr

    Danke für die klaren Worte und die Klarstellung zur damaligen Situation. Ich kann mir vorstellen, dass es nun auch für Hrubesch wohltuend ist, (D)einen bzw. seinen Standpunkt zu lesen und nicht das übliche Gesülze der Massenmedien.

  2. Gravesen 22. August 2016 um 09:25 Uhr

    Ein solcher Lebens-Versager würde aus diesem Blog auf der Stelle eliminiert werden. #SchmocksEinöde
    .

    nenndorfer sagt:
    22. August 2016 um 09:02
    Hotte zum HSV?
    Nein, ich möchte ihn hier nicht sehen, wenn man den HSV im Herzen trägt verlangt man keine Mondpreise um hier zu trainieren. Nein, nein er wird nicht gebraucht.
    Und wie, einen neuen Posten erfinden für hotte? Wird nicht angeprangert, der HSV hat Zuviel Mitarbeiter und zahlt dementsprechend Zuviel. Sollte die Empfangsdame mal aufhören, ja dann wäre Platz.

  3. db 22. August 2016 um 09:37 Uhr

    Da Horst Hrubesch ein passionierter Sportangler ist, wird er wissen, dass ein Fisch vom Kopf her stinkt.
    .
    Ich wünsche mir für ihn, dass er seine zukünftige Zeit und Energie nicht mit dem derzeitigen HSV-„Gammelfisch“ vergeuden wird.

  4. Skeptiker 22. August 2016 um 12:12 Uhr

    Sollte es irgendwann tatsächlich mal eine kompetente Führung beim HSV geben, könnte man sich HH gut als Mitarbeiter vorstellen. Bis dahin soll er bloß die Finger von diesem Club lassen! Man braucht Jahre, um sich einen guten Ruf aufzubauen, aber nur einen Tag, um ihn wieder zu verspielen.

  5. Gravesen 22. August 2016 um 12:55 Uhr

    Man sieht: Wer nichts kann, kann auch 7 Jahre später nichts. Beiersdorfer ist für mich einer der schlechtesten Vorstandsvorsitzenden/Präsidenten in der Geschichte des HSV.

  6. alfa 22. August 2016 um 13:09 Uhr

    Hoffentlich kommt beim Anschwitzen nicht der Angstschweiss beim Trainer und der Manschaft durch, wenn sie an den übermächtigen Gegner am Abend denken! Nichts für Ungut! Ein schönes Spiel ( und einen Sieg) wünsche ich mir trotzdem, auch wenn die Nichtskönner dadurch uns leider umso länger erhalten bleiben!

  7. vsabi 22. August 2016 um 17:07 Uhr

    Herr Kühne könnte es möglich machen, den schlechtesten VV Beiersdorfer und Trainer Labbadia mit Abfindungen ,uns erlösen. Horst Hrubrech und Hollerbach als Trainer. Beide würden aus der Wohlfühloase einen funktionierenten Verein/Mannschaft schaffen. PETERS ist bis jetzt nicht in Erscheinung getreten und kann auch zukünftig im zweiten Glied bleiben.

  8. Weltmeister 22. August 2016 um 19:58 Uhr

    Mal kurz zum Spiel:
    Es liegt nicht an Lasogga, es liegt nicht an Rudnevs, es liegt nicht an Schippo, es liegt nicht an Wood. Es liegt verdammt noch mal an der Art und Weise „wie“ Fußball gespielt wird. Wer nach diesem Auftritt den „ganz großen Plan“ erkennen konnte, muss über besonders viel Phantasie verfügen.

  9. Skeptiker 22. August 2016 um 20:44 Uhr

    Hahaha! Ausgerechnet Halilovic rettet Bruno mit einer Einzelaktion den Allerwertesten! Der Rest der Truppe hätte vermutlich noch vier Tage weiterspielen können, ohne gegen den Drittligaaufsteiger ein Tor zu erzielen.

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