Ich kann mich noch erinnern, als wäre es gestern gewesen. Man schrieb den Juni 2009 und Realitäts-Optimierer Dietmar B. hatte gerade einen völlig bescheuerten Machtkampf gegen den damaligen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann verloren. Bereits damals wollte der Mann die Wahrheiten (Hoffmann: „Unser Nachwuchsbereich ist eine Geldvernichtungs-Maschine“) nicht akzeptieren, bereits damals baute er sich seine Welt so, wie sie für ihn allein am schönsten aussah.

„Wir wollten Dietmar Beiersdorfer halten, aber es war sein Wunsch zu gehen. Diesem Ansinnen haben wir entsprochen. Wir bedauern seinen Schritt sehr“, sagte Aufsichtsratschef Horst Becker, dem es am Dienstagabend gemeinsam mit seinen Gremiumskollegen nicht gelang, die Unstimmigkeiten zwischen Hoffmann und Beiersdorfer auszuräumen und den Sportchef zum Bleiben zu bewegen: „Wir haben versucht, ihn in seiner Entscheidung umzubiegen. Leider hat es nichts genützt.“ Sicher hat der Entschluss von Dietmar Beiersdorfer auch mit Differenzen mit Bernd Hoffmann zu tun. Aber es gab eine Vielzahl von Gründen – auch perspektivische“, meinte Becker und wollte den Disput in der Führung nicht als allein ausschlaggebend für die Trennung bewerten. Zumal der Chefkontrolleur trotz aller offenkundiger Wertschätzung für Beiersdorfer auch Hoffmann den Rücken stärkte. (Juni 2009)

Kurz darauf schrieb Didi eine lustige sms, sackte noch eine Abfindung in Höhe von einer Million Euro ein, verschwand heim nach Winterhude und gab prompt am nächsten Tag ein Interview, in dem er sich selbst als armes Opfer positionierte. Duplizität der Ereignisse…

Gestern Abend nun, das gleiche Bild. Beiersdorfer ist Geschichte und es dauert keine 24 Stunden und er fängt an, sich selbst und seine jämmerlichen Leistungen in einem verklärten Bild darzustellen. Eigentlich ist dieser Vorgang derart albern, dass man ihn ignorieren sollte. Kann man aber nicht. Hier einige wenige Auszüge dieser Lach-Veranstaltung, ich weigere mich schlichtweg, den gesamten Dreck zu zitieren.

Haben Sie Verständnis für die Entscheidung.
Das mag als Drittletzter nicht überzeugend klingen, aber ich glaube, dass wir mit unserem Klub auf einem sehr guten Weg sind. Ob von der wirtschaftlichen oder der organisatorischen Seite, oder von den Dingen, die wir im Laufe der Jahre im Nachwuchs umgesetzt haben. Ich habe Verständnis dafür, dass sich der Aufsichtsrat damit beschäftigen muss, wenn der Verein in seinen Grundfesten erschüttert wird und nach zehn Spielen zwei Punkte hat. Ich glaube aber, dass der Zeitpunkt jetzt völlig falsch ist.

Weil die Mannschaft endlich punktet?
Auch. Aber auch, weil wir in den letzten Wochen und Monaten alles, aber wirklich alles nur noch auf den Fußball fokussiert haben. Auf die Spiele, die Spieler, auf die Analysen, Sichtungen, Vor- wie Nachbereitungen bis hin zur richtigen Schuhwahl – ich könnte hier inzwischen 1000 Beispiele nennen. Es wurde wirklich bis ins letzte Detail alles probiert, alle Alibis auszuschließen. Nichts sollte davon ablenken, wieder Erfolg zu haben. Hier haben wirklich alle hervorragend mitgezogen. Jetzt gibt es ersten, zarten Erfolg. Das merkst Du an den Trainern, am selbstbewussteren Auftreten der Spieler. Und jetzt kommt es raus. Eine Entscheidung, die für den Klub sehr wichtig ist. Das bekomme ich nicht in den Kopf. Ich habe es nicht einmal meinem Vater erzählt…

Ist das praktisch noch umzusetzen, nachdem Ihre Demission bereits verkündet wurde? Oder schadet es der Situation, wenn plötzlich alles auf Sie und weniger auf die Mannschaft schaut?
Ich bin Kummer gewohnt. Es ist mein Auftrag, alles zu tun, diese beiden Spiele erfolgreich zu gestalten und uns eine möglichst gute Ausgangssituation zu verschaffen für die Rückrunde.

Der Umstand, dass Clowns wie Journalisten-Simulant Münchhausen „de Vrij van Gaal Relaunch“ Scholz diese Vorlage dankbar aufnehmen und wie von Zauberhand auf die Tränendrüse drücken, nachdem sie wochenlang endlich ein konsequentes Vorgehen seitens des Aufsichtsrats gefordert hatten, ist derart dämlich und bekloppt, ich kann darüber nicht mal mehr lachen.

Man muss sich das einmal vorstellen: 77 Spiele lang war Beiersdorfer Vorstandsvorsitzender der HSV Fußball AG. Eine Relegation, einmal am 33 Spieltag gerettet, € 90 Mio. für Spieler wie Behrami, Hunt, Lasogga, Kostic, Drmic, Halilovic, Cleber, Spahic, Ekdal, Olic etc. verbrannt, 5 Trainer und 2 Sportchefs verschlissen, nach 12 Spieltagen 4 Punkte und 8 Tore. Jetzt gewinnt der HSV gegen die schlechteste Elf der Liga (Darmstadt) und gegen indisponierte Augsburger und plötzlich ist der Mann ein Erfolgsgarant? Sind die eigentlich alle geistesgestört? Haben die eigentlich alle die Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege? 

Interessant auch, dass Tränen-Düdü zwar seinem lieben Papa nichts von den Ungeheuerlichkeiten in Hamburg erzählt hat, aber Labersack Calmund wurde innerhalb weniger Stunden ins Boot geholt. Und der Mann empört sich über angebliche Indiskretionen in irgendwelchen Gremien? Der Mann, der selbst das Meiste direkt durchgesteckt hat, um seinen Arsch zu retten? Es ist einfach nur unfassbar. Allein dieser Vorgang, dieses Verhalten zeigt, wie richtig es war, sich endlich vom Versager Beiersdorfer zu lösen, leider um Monate zu spät. Es darf für diese Flasche niemals mehr einen Weg zurück zu diesem Verein geben, dem er nun zum zweiten (und hoffentlich letzten) Mal massiv geschadet hat. Schreibtisch räumen, noch heute!

Und dann war da noch……

…..Witzfigur T. Horn von den Supporters.

Der HSV verliert sein Herz. Didi war nicht einfach ein Vorstandsvorsitzender. Er war HSVer durch und durch. Er hatte immer ein offenes Ohr für die Fans und Mitglieder, war immer ansprechbar, was sich nicht zuletzt durch seine mehrstündige Anwesenheit auf einer Fanclubparty vor dem Darmstadt-Spiel zeigte, bei der er einfach unter uns war. Didi geht immer mit bestem Beispiel voran, hilft, wo Hilfe nötig ist, ohne jegliche Allüren. Didi, du bist einer von uns und du wirst es immer bleiben.“

Horn, wenn du dem Verein einen Gefallen tun willst, folge deinem Götzenbild und geh mit ihm gemeinsam durch die Vordertür. Ich hatte eigentlich gedacht, dass du am Samstag beim Volksparkett genug in die Fresse bekommen hattest, aber scheinbar liegt deine Lernfähigkeit unter Null. Der Vogel hatte sich dort hingestellt und einen Berufs-Journalisten tatsächlich aufgefordert, doch auch mal „etwas Positives zu schreiben“. Ohne Worte.

Ein Gutes hat dieses „Interview“ dann aber doch: Mit seinen Äußerungen muss Beiersdorfer alle Türen zugeschlagen haben, die ihm die kranke Möglichkeit eröffnet hätten, weiterhin beim HSV, eventuell als Sportchef, arbeiten zu können. Mit jemandem, der sich so verhält wie er, kann man keine neue Zeitrechnung einläuten, das Tischtuch ist zerschnitten. Gott sei Dank.

Wie bekannt wurde, soll Beiersdorfer tatsächlich beim Dortmunder Nuri Sahin nach der Möglichkeit eines Leihgeschäfts angefragt haben. Der türkische Patient ist 28 Jahre alt und hat in den letzten drei Jahren insgesamt 17!!! Spiele mit einer durchschnittlichen Einsatzzeit von 63 Minuten pro Spiel absolviert. Aber, okay, der HSV hat ja noch nicht genug verletzungsanfällige Spieler im Kader. Beiersdorfer ist ein Witz.