Es wird eine geile Saison

Ein Gastblog von Kerberos

 

Nach der Saison ist vor der Saison und von daher verbietet sich für den echten, den wahren HSV-Fan mit Hüpf-Schleuder-Trauma und rezidivierender Spieltag-Depression eine Rückschau auf die abgelaufene Saison eigentlich von selbst. Frei nach dem Motto eines untergegangenen, maroden Staatsgebildes: „vorwärts immer, rückwärts nimmer“. Warum denn auch eine Rückschau? Viel zu groß wäre doch die Gefahr, dass eine faktische Vergegenwärtigung der abgelaufenen Saison die so mühevoll konstruierte selektive Erinnerung an diesen geilen HSV jäh wieder zerstören könnte. Und schließlich wurde das sportliche Ziel am Ende ja noch ungefährdet erreicht: „Immer erste Liga“.

Überdies ist dies zudem auch der unwiderlegbare Beweis dafür, dass man dieser „neuen Führung“ sein Vertrauen nicht nur schenken kann, sondern ins Besondere in Hinblick auf die neue Saison gar rückhaltlos schenken muss. Offenbart doch ins Besondere der Blick auf die „wahre Tabelle“, die Rückrunden-Bilanz oder besser noch auf einen sonst wie frei erwählten Betrachtungszeitraum: dieser HSV mit seiner „neuen Führung“ und seinem „alten Gönner“ hat einfach das Zeug für Europa; genau genommen sogar Champions-League-Qualität. Es wird einfach wieder eine geile Saison werden.

Und wen bitte soll beim Blick durch die rosarote Fan-Brille auch schon interessieren, dass dieser HSV, außer vielleicht Hunger und Durst, nichts mehr sein Eigen nennen darf, weil er aktuell auf mindestens € 130 Mio Schulden sitzt? € 17 Mio Fan-Anleihe, € 40 Mio Schuldscheindarlehen, € 26 Mio Stadion-Finanzierung (Kühne) und natürlich € 48 Mio Spieler-Finanzierung (Kühne). Aber „traditionell“ haben Fakten und Rationalität bei Entscheidungsfindungen des HSV allzu oft nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

Nun sind diese € 130 Mio Schulden aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Denn hinzu kommen die Darlehen (Kühne) zur Refinanzierung der Spielergehälter in noch unbekannter Höhe sowie die Eventualverbindlichkeiten aus bereits gewährten Besserungsscheinen. Über die vermeintlichen Forderungen des Finanzamts wegen der Zuschreibungen auf das Stadion (+ € 20 Mio aus der Bilanz 2015/16 um die operativen Verluste des HSV zu retuschieren), sei an dieser Stelle noch der Mantel des Schweigens gelegt. Vor dieser Situation ist eigentlich nicht die Frage, wen es interessiert, sondern vielmehr, wann es unweigerlich interessieren muss.

Nun gut; dass schlussendlich auch noch die DFL bei der Lizenzvergabe nicht mehr so recht mitspielen wollte, war für die hüpfende Bölkstoff-Truppe aus der Nordkurve eigentlich eine von vornherein schon ausgemachte Sache und am Ende nur die Bestätigung dafür, dass eben bei der DFL tatsächlich ausschließlich „Hater der Raute“ am Werk sind. Schließlich zeichnete sich bereits über die ganze Saison durch die fortwährenden Schiedsrichter-Benachteiligungen nur allzu deutlich ab, dass man seitens der DFL den HSV mit allen Mitteln aus der Bundesliga drängen wollte. Pippi Langstrumpf lässt herzlich grüßen.

Daher an dieser Stelle das Ende des Lizenzdramas, soweit es bisher bekannt wurde, in gebotener Kürze: der HSV erhält eine Lizenz, er schafft durch Kapitalerhöhung ein zusätzliches Eigenkapital von € 20 Mio zur Kompensation der erwartbaren operativen Verluste aus der kommenden Saison 2017/18, hinterlegt zudem bei der DFL eine Bankgarantie als zusätzliche Liquiditätsreserve und senkt den Spieler-Etat von € 56 Mio auf € 48 Mio um satte € 8 Mio. Die Kapitalerhöhung und die Bankgarantie konnten dabei bereits durch den Einsatz des „Edelfans“ K-M Kühne recht zügig und geräuschlos erfüllt werden. Wie aber will man nun beim HSV einen wettbewerbsfähigen Kader mit einem maximalen Gehaltsvolumen von € 48 Mio für die nächste Saison auf die Beine stellen, solange eben noch der Ballast eines Lasogga, Holtby, Hunt, etc. auf der Gehaltsliste mitgeschleppt werden muss? Hier darf man tatsächlich gespannt sein.

Klar, dass zu allem Überfluss am Ende der „Lizenz-Schlacht“ auch noch der Märchenonkel F. Wettstein im Duktus eines Demagogen auf der offiziellen Homepage des HSV mit grenzwertigen „Siegesmeldungen von der Finanz-Front“ aufwarten musste. „Trotz der schwierigen sportlichen Situation konnte und kann der HSV auf verlässliche Investoren zurückgreifen. …. Insgesamt hat die HSV Fußball AG seit der Ausgliederung des Lizenzspielbetriebs aus dem Hamburger Sport-Verein e.V. im Jahr 2014 rund 20% der Anteile im Wege der Kapitalerhöhung platziert und damit das Eigenkapital um rund Euro 60 Mio. verbessern können.“

Sehr wohlfeil, stets knapp am Rand zur Lüge, formuliert Herr Wettstein. Denn € 40 Mio der hier gelisteten € 60 Mio konnten streng genommen nie zu einer „Verbesserung“ beitragen, weil diese € 40 Mio in Tranchen stets umgehend zum Verlustausgleich der unrühmlichen Taten in der AG-Vergangenheit herangezogen werden mussten – diese € 40 Mio wurden einfach nur von einer exzellenten Führung „verbrannt“. Und die restlichen, im Zuge der Lizenzerteilung generierten, € 20 Mio von K-M Kühne?

Nun, diesen € 20 Mio ist bereits das gleiche Schicksal wie den bereits „verbrannten“ € 40 Mio sicher, denn die Bestimmung dieser von der DFL als Bedingung geforderten zusätzlichen € 20 Mio Eigenkapital ist es, die erwartbaren operativen Verluste der kommenden Saison 2017/18 auszugleichen. Es brennt also weiterhin lichterloh beim HSV und dies ist mitnichten ein Freudenfeuer des Nicht-Abstiegs.

Richtig ist im Grunde genommen einzig, dass die Mitglieder des HSV nunmehr bereits 20% des Ihnen gehörenden Vermögens an der HSV AG im Wesentlichen an K-M Kühne übertragen haben und dieser „greise Mäzen“ seit geschlagenen 3 Jahren nachhaltig den Beweis angetreten hat, dass er „Fußball-Manager“ einfach nicht kann. Geblieben sind den HSV-Mitgliedern daher noch 80% einer hoffnungslos überschuldeten AG, die auch auf Jahre hinaus noch Verluste „erwirtschaften“ wird. Ach ja und nicht zu vergessen: 3 Jahre Folter-Fußball mit lediglich stark begrenzter Perspektive!

Abschließend daher ein Wort zum abgewendeten Abstieg. Selbstverständlich wäre ein Abstieg des HSV nicht die Lösung der Probleme per se gewesen. Ein Abstieg hätte jedoch bei Verantwortlichen, Mitgliedern und Fans eine Katharsis im klassischen Sinn bewirkt, in deren Folge der mit diesem Abstieg einhergehende Jammer und Schauder nahezu zwangsläufig eine umfassende Reinigung und eine moralische Läuterung nach sich gezogen hätte. Nun steht hingegen zu befürchten, dass vollends sinnbefreit einfach weiter in Richtung Untergang gehüpft wird.

Von | 2017-05-27T07:14:46+02:00 27. Mai 2017|Allgemein|35 Kommentare

35 Comments

  1. Julia 27. Mai 2017 um 07:56 Uhr

    >> Kapitalerhöhung ein zusätzliches Eigenkapital von € 20 Mio zur Kompensation der erwartbaren operativen Verluste aus der kommenden Saison 2017/18

    Ich denke eher, daß die Kapitalerhöhung nur die bereits eingetretenen operativen Verluste aus der laufenden Saison in etwa abdeckt und die ‚Planung 2017/18‘ für die DFL von einem ausgeglichenen Ergebnis ausgeht, schließlich erwartet der HSV eine „geile“ Saison. Kann sich natürlich jeder selbst ausrechnen, was wohl passieren wird, wenn die kommende Saison doch nicht so geil wird und/oder bei den anstehenden Transfers ins Klo gegriffen wird. Bilanziell herrschen beim HSV griechische Verhältnisse, und Bruchhagen hat Austerität ausgerufen, wissend, daß eine Ein-Mann-Troika mit einer Bazooka voller Cash bereit steht und die Klasse (sic!) gehalten wurde. Egal, wie 2017/18 läuft, der HSV braucht operative Liquidität zur Abdeckung der laufenden Ausgaben, und die Reserven stehen bei null, denn Kühne wird ende April nur soviel gegeben haben, daß der HSV die aktuelle Saison überlebt. Wir werden sehen, ob das Mager-Management ein glückliches Händchen haben wird oder Onkel Kühne seine Bazooka abfeuern muß.

    • Kerberos 27. Mai 2017 um 08:36 Uhr

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      Für die abgelaufene Saison 16/17 war bereits alles mit einem „Kniff“ geregelt; daher auch aktuell mindestens € 130 Mio Verbindlichkeiten. Ursprünglich sollte das Kühne Darlehen zur „Stadion-Finanzierung“ in Höhe von € 26 Mio unmittelbar nach Platzierung des Schuldschein-Darlehens aus den hieraus vereinnahmten € 40 Mio getilgt werden – dem HSV wären dann lediglich noch € 14 Mio in der Kasse verblieben. Wurde es aber nicht. Stattdessen wurde dieses Kühne-Darlehen besichert und bereits in die Bilanz 15/16 als mittelfristige Verbindlichkeit eingestellt. Das Kühne-Darlehen zur Zwischenfinanzierung der Ablösung des Stadion-Kredits wurde also wider allen bisherigen Aussagen noch nicht zurück gezahlt und so hatte der HSV nun entgegen der ursprünglichen Planung die ganzen € 40 Mio aus dem Schuldschein-Darlehen in der Kasse. Damit konnte der HSV erst die Saison 15/16 überhaupt „bezahlen“.
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      Die Bedingungen der DFL beziehen sich auf die Saison 2017/18; es wird eben eine geile Saison.
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      • Julia 27. Mai 2017 um 11:11 Uhr

        >> Das Kühne-Darlehen zur Zwischenfinanzierung der Ablösung des Stadion-Kredits wurde also wider allen bisherigen Aussagen noch nicht zurück gezahlt

        Wenn das so ist, dürfte ein nicht unerheblicher Teil davon bereits mit vollen Händen ausgegeben worden sein. Ich bin mal gespannt, wie der HSV die Schulden tilgen will und womit die Kühne-Darlehen besichert sind. Nicht das Kühne am Ende noch die Immobilie gehört…

        • Gravesen 27. Mai 2017 um 11:27 Uhr

          Kühne wurde die Arena als Sicherheit zugesagt.

  2. Launi 27. Mai 2017 um 08:07 Uhr

    Mal wieder ein exzellenter Gastblog, danke dafür. Dem bleibt eigentlich nichts hinzuzufügen.

  3. Michael 27. Mai 2017 um 09:57 Uhr

    Brillant analysiert. Kann man 1:1 jedem Hüpfer in die Timeline spielen. Liest er zwar nicht, aber die Argumente dürften ihm ausgehen.
    Es wird ein geile Saison. Die Hauptfrage ist nicht die Platzierung in der Tabelle, sondern: wann geht dem HSV die Luft aus? Welche Schiebereien und Tricks werden angewandt? Wie wächst der Einfluss von KMK?
    Die wichtigste kurzfristige Änderung, nämlich den teuren Kader abzuspecken, dürfte nicht gelingen. Von den Großverdienern, noch längerfristig vertraglich gebunden, geht keiner ohne goldenen Handschlag.
    Welche Transfers werden getätigt? Bei den Namen Papdopoulos und Subotic hole ich schon mal die Schmerzmittel raus, die Jungs sind unabhängig von ihrem noch jungen Alter über den Zenit und Sportinvaliden. Das zeigt eher, daß man nicht lernwillig und lernfähig ist.
    Das wird eine geile Saison.

  4. Gravesen 27. Mai 2017 um 09:59 Uhr
    • Kerberos 27. Mai 2017 um 10:09 Uhr

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      Lt. Spiegel also € 115 Mio Verbindlichkeiten zum 31.12.2016 nach Unterlagen des HSV. Danach dann noch die von Kühne finanzierten Wintertransfers – passt doch in etwa mit aktuell € 130 Mio Schulden.
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  5. Michael 27. Mai 2017 um 11:02 Uhr

    „Peanats“ wird der Bindestricher dazu sagen, peanuts auf dem Weg nach Hollywodd.
    Die Schlinge um den Hals wurde nur kurzfristig gelockert, sie zieht sich aber wieder zu.
    Wie man sich angesichts dessen zu einem anderen als zu einem rigorosen Sparkurs entscheiden kann, ist mir ein Rätsel.
    Die nächsten Wochen werden geil (interessant), es wird sich zeigen, ob und wieviel korrigiert wird.
    Geduldsvorschuss gibt es nicht. Zu lange ist getrickst und verarscht worden.

    • BerndH60 27. Mai 2017 um 14:58 Uhr

      Hallo Michael,
      trenn dich mal zeitnah von der Vorstellung, dass der HSV oder seine Gremien noch irgendwie etwas zu entscheiden haben.
      Der Verein ist nur noch lebensfähig durch Kühne. Ohne Kühne nur noch Insolvenz,
      Nur Kühne entscheidet noch ob und was beim HSV geht.
      Gruß, Bernd

  6. Ex-HSVer im Herzen 27. Mai 2017 um 12:19 Uhr

    Vielen Dank, für diesen hervorragenden Gastbeitrag. Analytisch, unemotional und auf den Punkt. ??

    Ich frage mich, warum die DFL nichts unternimmt!!! Jede normale Gesellschaft müsste längst Insolvenz anmelden wegen Überschuldung. Im Insolvenzrecht ist es in so einem Fall unerheblich, dass genug Liquidität da ist. Was ist, wenn Kühne das Zeitliche segnet und seine Erben knallhart die Rückzahlung fordern und und die Anteile wieder abstoßen…

    Und ich frage mich, wie man sich für einen Verein begeistern kann, der den Erfolg immer nur kaufen möchte. Also ich kann da keine emotionale Verbundenheit herstellen…

    • Skeptiker 27. Mai 2017 um 15:34 Uhr

      So ist es, man ist vollständig abhängig von den Launen eines einzelnen betagten, vermögenden Herrn. Sollte der plötzlich keine Lust mehr haben oder das Zeitliche segnen, ist vermutlich von einem Tag auf den anderen Schluss mit der AG. Es sei denn, die Erben führen die Vorlieben des Erblassers weiter, was aber niemand weiß. Insofern ist es auch völlig unverständlich, dass der HSV sich von Saison zu Saison immer stärker vom Wohl und Wehe einer einzigen Person abhängig macht. Und diese Person gönnt dem HSV eben keine dringend notwendige Therapie, sondern versorgt den Drogenabhängigen immer nur mit gerade so viel Stoff, dass er nur ganz knapp überlebt. Niemand zieht die Reißleine – das ist das wirklich Erschreckende. Niemand im Management bringt den Mut auf, den Teufelskreis zu durchbrechen.

  7. alfa 27. Mai 2017 um 13:44 Uhr

    Zumindest wird die nächste Saison mindestens genauso geil wie die letzte, Abstiegskampf in der 1. Liga kann auf jeden Fall garantiert werden, alles da drüberhinaus ist schon eine riesenleistung, denn es werden wahrscheinlich 2-3 Spieler neu eingekauft werden, die brauchen dann ja wieder……..anzukommen. Irgendjemand wird der Zahnleiste irgendeinen Star als Heilsbringer andrehen wie Didi letzte Saison den Filip. Läuft. .. wie schon oben festgestellt wird die Zahnleiste immer nur das nötigste reinschiessen, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten, bis die MV das nächste Aktienpaket freigibt, und wir beissen uns jedes Jahr aufs neue in den Hintern, daß wir die Wasserträger dieser Mühlen am 25.05.2014 geworden sind, und dieser phänomenalen Verarschung auf den Leim gegangen sind!

  8. Skeptiker 27. Mai 2017 um 16:31 Uhr

    Hahahaha! Uwe Seeler: „Ich hoffe, dass Kühne wieder in die Tasche greift.“

    Woran es dem HSV und seinem „Umfeld“ noch nie gemangelt hat, ist Realitätsverleugnung und Größenwahn.

    http://www.mopo.de/sport/hsv/interview-mit-uwe-seeler–80—ich-hoffe–dass-kuehne-wieder-in-die-tasche-greift–26973706?utm_campaign=backlinkhsv24&utm_medium=articleclickhsv&utm_source=hsv24

  9. Saschas Alte Liebe 27. Mai 2017 um 16:55 Uhr

    20% Substanz und jegliche Handlungsfähigkeit an einen des Fußballs unkundigen beeinflussbaren Greis mit Träumen, etwas „Großes“ bewirken zu wollen…
    Und die selbsternannt einzig wahren HSV-Fans bejubeln das auch noch inbrünstig.
    Der HSV bleibt in der Spur, die nächste geile Saison ist auf dem Weg.
    Na dann viel Spaß !

  10. Saschas Alte Liebe 27. Mai 2017 um 17:39 Uhr

    Mal sagen: so wie oben dargelegt, „das könnte man sich garnicht besser ausdenken“ – als Schreckensszenario.
    ????

  11. Saschas Alte Liebe 27. Mai 2017 um 17:45 Uhr

    Mich würde ja doch mal ein realistisches Abstiegs-Insolvenz Szenario interessieren.
    Wäre es völlig falsch, darin auch gute Chancen für eine Neuaufstellung zu sehen ?
    und falls ja, in welcher Weise könnte das realistisch funktionieren ?

    • WhatAboutHSVism 27. Mai 2017 um 19:39 Uhr

      Angesichts dieser Zahlen ist ein Abstiegsszenario gar nicht realistisch. Deswegen wundere ich mich auch, wieso der HSV die Lizenz bekommen hat… Denn diese gilt ja für beide Ligen, oder nicht?

      • Saschas Alte Liebe 27. Mai 2017 um 19:55 Uhr

        Mich interessiert, was bzw. wie wohl im Insolvenzfall es laufen würde. Der Abstieg hätte ieses Szenario sicher realer gemacht.
        Was wäre bei einem Konkurs ?

        • WhatAboutHSVism 28. Mai 2017 um 10:14 Uhr

          Ich kenne einen Teil der Diskussion vom Fortuna Düsseldorf, als sie in der dritten und vierten Liga in den 2000ern krebsten.

          Eine Insolvenz wurde damals diskutiert. Wollten aber viele nicht, weil dann alle Pokale und die Historie nicht mehr existieren würde. So hat Düsseldorf jahrzehntelang herumgedümpelt.

          Es würde den HSV also im Falle einer Insolvenz so nicht mehr geben, sondern ein neuer Verein ohne Historie würde starten.

          • Kerberos 28. Mai 2017 um 11:54 Uhr

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            Deine Erinnerung trügt Dich nicht, doch hat sich die Situation seit 2012 mit der Novelle zum Insolvenzrecht stark verändert.
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            Ging es früher eigentlich nur darum, die noch vorhandene Masse eines Unternehmens zu sichern, diese dann „gerecht“ unter den Gläubigern zu verteilen und danach die Gesellschaft zu liquidieren, so steht nun die Sanierung und die Fortführung des zahlungsunfähigen und/oder überschuldeten Unternehmens im Vordergrund. Die Insolvenz wird heute (wirtschaftlich und rechtlich) als eine Chance zur Fortführung unter den Rahmenbedingungen eines „Neubeginns“ verstanden.
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            So kann heute auch problemlos eine Gesellschaft mehrere Insolvenzverfahren nacheinander durchlaufen, wenn die vorhergehende „Sanierung“ jeweils fehlgeschlagen war. Zu Unrecht haftet der (heutigen) Insolvenz noch der Makel des „alten Konkurses“ an; in den USA ist das Insolvenzverfahren z.B. ein ganz gewöhnliches Instrument ordnungsgemäßer Unternehmensführung, mit dem auch strategisch geplant werden kann.
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  12. atari 27. Mai 2017 um 19:22 Uhr

    wann hat Santos hinten rechts gespielt?

    Anders sehe ich das bei Santos. Ihm traue ich sehr wohl zu, sich schnell auf seine kernaufgaben in der defensive zu konzentrieren. Er hat es meiner Meinung nach auch eine ganze Weile ganz gut gemacht. Ich habe ehrlich gesagt nicht genau verstanden, weshalb er eine Zeitlang hinten rechts gesetzt war

  13. WhatAboutHSVism 27. Mai 2017 um 19:34 Uhr

    Toller Gastblog, nüchtern und auf den Punkt. Es wird in der Tat spannend, wie der Spieleretat gehalten werden soll, wenn Wood schon 3 Millionen bekommen soll. Dass die 20 Millionen zum Ausgleich des erwarteten operativen Verlustes eingepreist sind, war mir neu!

    Ich persönlich rechne fest mit einem weiteren Verkauf von Anteilen bis zu den 24,9%. Das ist machbar, ohne dass die DFL damit Probleme hat. Ein Zurück gibt es kaum mehr, da die teuren Verträge mit schwachen Spielern wie Lasogga und Diekmeier noch Laufzeit haben.
    Wo soll die neue Spielersubstanz herkommen?

    • Kerberos 27. Mai 2017 um 20:57 Uhr

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      Der HSV hat noch 267.844 Aktien für Kapitalerhöhungen zur Verfügung. Dies entspricht € 17.4 Mio bei dem bisherigen Preis von ca. € 65,- je Aktie – das ist nicht viel. Danach haben die Mitglieder das Sagen. Die DFL hat bis 49,9% keine Probleme, die Satzung der HSV AG gibt das auch bereits her – allein, es bedarf eines Beschluss der Mitgliederversammlung!
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      • WhatAboutHSVism 28. Mai 2017 um 10:33 Uhr

        Ich gehe deswegen auch fest von einer MV aus. Die Spirale kann noch 5 Jahre so weitergehen. Immerhin ist es ja so, dass das Argument, dass ein Zweitligaabstieg eine Katastrophe wäre, mit jedem Schritt stärker wird.

        Wie kann sich die MV da sperren? Der Pressedruck wäre riesig, und jeder, der dagegen stimmt, müsste seitens gewisser Fans um seine Gesundheit fürchten.

        Der Zug ist kaum noch aufzuhalten, wie du mit deinen Zahlen ja immer beeindruckend unterfütterst. Zumal bis 2019 noch operativ viele Altverträge wie Lasogga als tote Ausgaben ohne sportlichen Gegenwert gestemmt werden müssen. Alternative sind Abfindungen, aber das Geld kann hier doch auch nur über Anteilsverkäufe kommen…

        Aus meiner Sicht ist die Lage für jeden Trainer und Manager fast nicht mehr zu retten.

        5 Jahre so weitermachen mit Verkäufen bis hin zur 50+1 Grenze wäre aber machbar. Dann ist Ende.

  14. WhatAboutHSVism 27. Mai 2017 um 19:46 Uhr

    Mal eine Frage: Ist die Hinterlegung einer Bankgarantie als Liquiditätsreserve in den Statuten der DFL nicht schon eines der letzten Mittel, um die Sicherung des operativen Geschäfts nachzuweisen?

    Ich habe mir die Lizenzauflagen vor einiger Zeit durchgelesen und hatte das als eines der letzten Mittel in Erinnerung… Ist bekannt, in welcher Höhe die Bankgarantie hinterlegt wurde?

    • Kerberos 27. Mai 2017 um 20:49 Uhr

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      Ja, das ist die immer so die letzte Patrone. Beim HSV ging es um Darlehenszusagen von Kühne im Zusammenhang mit bereits getätigten Transfers, die jedoch noch nicht zur Auskehrung fällig sind (Kühne refinanziert ja auch die Gehälter). Diese Darlehenszusagen wollte der HSV der DFL als liquide Mittel „verkaufen“. Die DFL hat aber mit dem Kopf geschüttelt und anstelle Dessen eine Bankgarantie gefordert – die genaue Höhe ist nicht bekannt.
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      • WhatAboutHSVism 28. Mai 2017 um 10:19 Uhr

        Danke für die Erläuterung. Das habe ich mir gedacht. Der DFB lässt sich also nicht so einfach abspeisen. Das ist eine gute Nachricht!

  15. Saschas Alte Liebe 27. Mai 2017 um 19:49 Uhr

    Der HSV leidet seit geraumer Zeit unter bemerkenswertem Spannungs- und Substanzverlust.

  16. Micha 27. Mai 2017 um 20:36 Uhr

    Kühne 2013:

    „Die Bundesliga ist ja ein Geschäft, das muss man ja klar sehen. Ein großes Geschäft. Wenn Sie die Champions-League erreichen, ist es ein Riesengeschäft. Und die, die das nicht erreichen, das sind die grauen Mäuse, das sind die Mitläufer, und auf Dauer kann das nicht befriedigen. Zumindest für eine Stadt wie Hamburg kann das nicht das Ziel sein und wird auch die Fans nicht befriedigen. Und darum muss es auch von der finanziellen Seite anders angepackt werden.“

    • Saschas Alte Liebe 28. Mai 2017 um 00:05 Uhr

      Dazu passt das Selbstverständnis des HSV als unabsteigbarer Dino, also Abstiegsverhinderer-Club, so ganz und gar nicht.
      Auch die Arroganz der Vorstellung, einen quasi naturgegebenen Anspruch auf BL-Zugehörigkeit zu haben, rechtfertigt wohl kaum die Perspektive auf internationale Bedeutung.

      • Micha 28. Mai 2017 um 01:13 Uhr

        Was ich mit dem Kühne-Zitat vor der Ausgliederung in die Runde posten wollte: Es war Wille und finanzieller Einsatz da, aber es fehlte jegliche Kompetenz in der Umsetzung. Die Dino-PR-Identität ist eh fatal, weil das Nicht-Aussterben in der ersten Liga nicht das Ziel sein kann. Und auch nicht war. Es wurde schlichtweg fasch geplant, falsch eingekauft, falsch gemanaged : es wurde hoch geträumt bei den Ausgaben und es wurden massiv Schulden gemacht, weil die Strategie der Kaderplanung nie stimmte. So simpel ist das letztlich. 130 Mio Schulden.

        • HamburgerJung70 29. Mai 2017 um 11:37 Uhr

          Ach, da bin ich mir gar nicht sicher, ob wirklich „falsch“ gemanaged wurde. Das ist doch eine Frage des Standpunktes.

          Ich sehe einen Investor, der recht günstig Firmenanteile kauft (wie ich schon am 24.05. kurz skizzierte), bereits die nächsten Zwickmühlen aufgebaut hat und zugleich eine andere Hand auf dem Stadion hat (wenn sich heraus stellen sollte, dass KMK unmittelbar oder mittelbar Gläubiger der 40-Mio.-Anleihe ist). In der FAZ gab es übrigens vor einigen Wochen ein ganz interessantes Dossier über das Investment in Arenen und dem Vorteil, Zugriff auf den Verein zu haben, der maßgeblich das Stadion auslasten soll.

          Aber es kann natürlich sein, dass das alles Humbug ist und wirklich jedes Vorstands- und Aufsichtsratsmitglied allein die Interessen des Vereins im Auge hat(te) und wir es nur mit Pech und Unvermögen zu tun haben.

          • HamburgerJung70 29. Mai 2017 um 11:51 Uhr

            PS:
            @ Kerberos: Danke für die wiederholt spannende und sorgsame Darstellung der Finanzsituation des HSV

  17. ausgegliedert 28. Mai 2017 um 12:14 Uhr

    Andererseits möchte ein Teil der „gemeinen“ Fans doch gerne auch besseren Fussball sehen. Einem rein jugendlichen Hurra-Stil will er dabei aber auch nicht vertrauen. Somit hofft er latürnich wieder auf KMK oder er träumt sich eben Ablösen für die Herren Lasogga, Holtby etc. herbei.
    So schwer kann professionelle Clubleitung schließlich auch nicht sein 😉