Die Investitionsfalle

Ein Gastblog von Kerberos

Die Ausgangslage:

Der „Gesund eV“ hat 10 Mio. in der Kasse (sonst ist alles auf Null) – davon sind 5 Mio. Einlagen von Mitgliedern und 5 Mio. aus einem Kredit. Der Verein hat also ein Netto-Vermögen von 5 Mio. und eine Eigenkapitalquote von 50%.

Die „Krank AG“ hat 10 Mio. in der Kasse (sonst ist alles auf Null) – die Einlagen der Gesellschafter wurden bereits verbraucht und 10 Mio. sind aus einem Darlehen von einem Gönner. Das Unternehmen hat also kein Netto-Vermögen und eine Eigenkapitalquote von 0%.

Der Spielerkauf:

Die AG und der eV kaufen jeder einen identischen Spieler und zahlen aus Kasse eine Transfersumme von 10 Mio.; der Spieler erhält dabei ein Jahresgehalt von 1 Mio. Dann stellt sich die Situation für beide unmittelbar nach dem Kauf wie folgt dar:

Der „Gesund eV“ hat kein Geld mehr in der Kasse, aber nun einen Spieler als immaterielles Sachvermögen im Wert von 10 Mio. Dabei hat der Verein noch immer 5 Mio. Kreditverpflichtung. Der Verein hat also nach dem Spielerkauf immer noch ein Netto-Vermögen von 5 Mio. (bei 10 Mio. Brutto-Vermögen) und eine Eigenkapitalquote von 50%.

Die „Krank AG“ hat auch kein Geld mehr in der Kasse, aber nun ebenfalls einen Spieler als immaterielles Sachvermögen im Wert von 10 Mio. Dabei hat das Unternehmen immer noch 10 Mio. Darlehensverpflichtungen gegenüber seinem Gönner. Das Unternehmen hat also weiterhin kein Netto-Vermögen (bei 10 Mio. Brutto-Vermögen) und eine Eigenkapitalquote von 0%.

Die Investition einer Spielerverpflichtung als solche ist also sowohl für den Gesund eV wie auch die Krank AG unproblematisch. Denn hier erfolgt lediglich eine Vermögensverschiebung – ein gleichwertiger Austausch von Geldvermögen gegen immaterielles Sachvermögen.

Der Spielerverkauf:

AG und eV verkaufen den Spieler nach einem Jahr wieder und erhalten einen Transfererlös von lediglich 8 Mio.; daneben haben beide 1 Mio. Gehalt an den Spieler gezahlt. Dann stellt sich die Situation nach dem Verkauf wie folgt dar:

Der „Gesund eV“ hat nun nur noch 7 Mio. in der Kasse (8 Mio. Verkauf abzüglich 1 Mio. Gehalt). Der Verein hat immer noch 5 Mio. Kreditverpflichtung und somit nur noch 2 Mio. „eigenes“ Geld. Der Verein hat also nur noch ein Netto-Vermögen von 2 Mio. (bei  7 Mio. Brutto-Vermögen) und eine Eigenkapitalquote von 28,6%.

Der „Krank AG“ hat nun 7 Mio. in der Kasse (8 Mio. Verkauf abzüglich 1 Mio. Gehalt). Das Unternehmen hat immer noch 10 Mio. Darlehensverpflichtungen und somit einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von 3 Mio. (umgangssprachlich auch oftmals als negatives Eigenkapital bezeichnet). Eine Eigenkapitalquote kann nicht mehr ausgewiesen werden, da das Unternehmen überschuldet ist (obgleich die AG noch ein Brutto-Vermögen von 7 Mio. ausweist).

Anmerkung zu Abschreibungen:

War der Spieler mit einem 5-Jahresvertrag verpflichtet worden, so verliert dieser Spieler jährlich 20% an Wert. Dieser Wertverlust wird durch die Abschreibung wiedergegeben. Die Auswirkungen und Konsequenzen aus der Abschreibung für diesen Spieler entsprechen hier dem Beispiel des Spieler-Verkaufs; daher kann die Beispielrechnung auch für Spieler Anwendung finden, die nicht verkauft werden.

Die Konsequenz:

Der „Gesund eV“ hat hier mit einem Transfer-Minus von 2 Mio. (zuzüglich eines Jahresgehalts von 1 Mio. als Folgekosten der Investition) ein schlechtes Geschäft gemacht. Das mag ärgerlich sein. Wirtschaftlich ist der Verein mit einer Eigenkapitalquote von 28,6% aber gerade noch „gesund“ (die durchschnittliche Eigenkapitalquote aller Bundesligisten liegt aktuell bei knapp 35%).

Die „Krank AG“ ist durch das Transfer-Minus von 2 Mio. (zuzüglich eines Jahresgehalts von 1 Mio. als Folgekosten der Investition) nun überschuldet. Die AG ist „pleite“ und muss eine Kapitalerhöhung durchführen. Dabei muss die „Krank AG“ hier junge Aktien im Wert von mindestens 3 Mio. veräußern, um den nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag auszugleichen (also die Überschuldung von 3 Mio. zu beseitigen). Jedoch hat die AG auch nach dieser Kapitalerhöhung von 3 Mio. immer noch kein Netto-Vermögen und eine Eigenkapitalquote von 0% – die AG ist nur „gerade eben“ nicht mehr überschuldet.

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Der HSV-Bezug:

Unschwer ist zu erkennen, dass die Situation des HSV der Situation der „Krank AG“ im vorstehenden Beispiel sehr nahe kommt.

Der HSV kann aktuell noch eine bereits genehmigte Kapitalerhöhung mit ca. 270.000 jungen Aktien durchführen. Werden hier Käufer auch zukünftig bereit sein, € 65,- je Aktie zu zahlen, so ergibt sich noch ein Gesamtvolumen von ca. € 17.5 Mio. Dann ist nach der aktuellen Beschlusslage das Ende der Fahnenstange für die AG mit 24,9% veräußerter Anteile erreicht.

Dies jedoch (leider) auch nur unter der Annahme, dass sich auch ein Käufer für € 65 je Aktie finden lässt und der Käufer sich überdies mit dem Rest der Aktien aus der bereits genehmigten Kapitalerhöhung begnügt. Findet sich hingegen lediglich noch ein Käufer bei € 20,- je Aktie, so erzwingt bereits ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von 5,5 Mio. einen weiteren Anteilsverkauf der AG über die 24,9% hinaus. Gleiches gilt selbstverständlich, wenn der Käufer auf den Erwerb einer Mindestanzahl von Aktien über 270.000 Stück besteht. Eine prekäre Lage, in der sich die HSV AG befindet.

Der HSV wird dann zwangsläufig eine Mitgliederversammlung einberufen müssen, die einem Anteilsverkauf der AG auch über 24,9% zustimmen muss. Eine Versagung der Zustimmung wäre gleichbedeutend mit einer Insolvenz der HSV AG wegen Überschuldung.

Besonders unangenehm ist dabei der Umstand, dass also künftig der Käufer auch den Preis der jungen Aktien sowie alle sonstigen Bedingungen nach seinem „Gutdünken“ wird bestimmen können. Denn es ist doch realistisch nicht davon auszugehen, dass sich mehrere Interessenten beim Erwerb von jungen Aktien der HSV AG gegenseitig hoch- oder überbieten werden. Den Zuschlag wird also ein Investor erhalten, der überhaupt noch zu einem Aktienerwerb, ganz gleich zu welchem Preis je Aktie und zu welchen sonstigen Bedingungen, bereit sein wird.

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Gezielte Investitionen führen zu höheren Einnahmen? Eine plakative Phrase die einfach an Dümmlichkeit so kaum zu überbieten ist. Zum einen sind Einnahmen keineswegs Erlöse/Erträge und zum anderen verursachen Investitionen in der Regel auch einen Aufwand. Die Frage ist bei einer Investition grundsätzlich also, ob die durch sie generierten Erträge größer sein werden, als der durch die Investition verursachte Aufwand („Folgekosten“).

Die nächste wichtige Frage ist das „Wann“. Entscheidend ist bei einer Investition der Zeitpunkt, ab welchem die Erträge größer werden als der zu tätigenden Aufwand – denn bis zu diesem Zeitpunkt muss das Unternehmen in der Lage sein, die sich aus der Differenz von Aufwand und Ertrag ergebende Unterdeckung zu finanzieren.

Selbst also unter der fiktiven Annahme, dass die künftigen Transfers des HSV ausnahmslos „Volltreffer“ sein werden und in 3 Jahren die Investitionen von heute zu deutlich höheren Erlösen aus europäischen Wettbewerben führen würden, so fehlen dem HSV heute und morgen schlicht die finanziellen Mittel, die nächsten Jahre mit den hohen laufenden Folgekosten und Abschreibungen der Investitionen zu überleben.

Fazit zum HSV:

Kühnes Darlehen sind für die HSV Fußball AG lediglich „aktive Sterbehilfe“, wobei er sich wieder und wieder kurz vor dem Exitus als der „rettende Gönner“ inszeniert. Kühnes verhalten erinnert tatsächlich stark an das „Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom“. Warum lässt die HSV AG es nicht darauf ankommen, beendet dieses nicht enden wollende Siechtum und bietet diesem unerträglichen Despoten, dem die Sprache der Vernunft und des kaufmännischen Anstands fremd zu sein scheint, nicht endlich die Stirn?

Warum lässt sich der HSV immer wieder von dem „alten Mann“ ein paar Brotkrumen hinwerfen und von den Forderungen des „Fiskal-Emigranten“ medial unter Zugzwang setzen? Der HSV muss endlich ein Sanierungskonzept zur Wiedererlangung seiner wirtschaftlichen Souveränität erarbeiten, dieses öffentlich verständlich kommunizieren und dem „Eidgenossen“ zur Entscheidung vorlegen. Und hier darf vom HSV nur noch ein eindeutiges „Ja oder Nein“ von K-M Kühne akzeptiert werden. Bei einem „Ja“ wird kompromisslos und stringent nach dem HSV-Sanierungskonzept mit K-M Kühne saniert und bei einem „Nein“ wird ohne K-M Kühne mit dem Insolvenzverwalter saniert. Fertig. Irgendwann muss man doch mal beim HSV einen Arsch in der Hose haben und sich gerademachen!

Von | 2017-06-22T07:09:13+02:00 22. Juni 2017|Allgemein|29 Kommentare

29 Comments

  1. Gravesen 22. Juni 2017 um 08:01 Uhr

    Waltero sagt:
    22. Juni 2017 um 07:57
    Pollersbeck hat für seine Leistung gestern in BILD als einziger in der Mannschaft die Note 1 bekommen.

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    Ach sooooo. Dann ist die „BLÖD“ natürlich glaubhaft und seriös. Aber nicht, wenn sie über Papas Verletzungsanfälligkeit, Kühnes Schmierenkomödie und Todts Home-Office berichtet. Dann ist sie ein widerliches Drecksblatt, das ja nur Unruhe in den Verein bringen will. Meine Fresse, Walter, stolperst du und deine Mit-Vollidioten nicht irgendwann über deine eigene Verblödung?

  2. Sven 22. Juni 2017 um 08:04 Uhr

    Wer muss? Nur jemand, der das letale Ende des Siechtums miterlebt, seinen Job verliert und einen Karriereknick erleidet. Da sehe ich niemanden in Entscheiderposition mit Drang zur Verantwortungsübernahme.
    Jene, die das könnten, werden sich die Leiche ohne die oben angesprochenen klaren Verhältnisse nicht antun.

  3. Ben 22. Juni 2017 um 08:16 Uhr

    Moin Zusammen,
    coole Analyse des aktuellen Status beim HSV.
    Bin leider nicht so im Thema drinne, informiere mich aber immer wieder gerne über diesen Blog.
    Leider verstehen die „rosa Hüpfer“, von denen ich einige im Freundeskreis habe und die teilweise sogar einen Doktortitel haben, es einfach nicht.
    Habe das Interview des Werder-Kaderplaners, welches hier verlinkt wurde gelesen und mir gedacht:
    ok die haben ein Plan und eine Idee und sind teilweise über Jahre mit jungen Spielern im Gespräch und schauen die Spiele Live und lernen den Charakter des Spielers kennen. Hörte sich professionell an.
    Warum wird beim HSV ein Papadopulos verpflichtet?
    Irgendwie ist unser Verein krank in allen Abteilung und es gibt keine klare Führungslinie und Aufgabenverteilung.
    Bin mal auf die weiteren Transfers mit der Gehaltsetatsendung auf 48 Mio gespannt. Mittlerweile
    sollten wir ja wieder bei 53-54 Mio stehen.
    Glücklicheise kommt mir die DFL änlich wie der HSV vor. Da müssen wir mit keinen Konsequenzen rechnen.
    Die lassen uns schon machen.
    LG

  4. Kerberos 22. Juni 2017 um 08:31 Uhr

    .
    Zur Klarstellung:
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    Über Restrukturierungsmaßnahmen zur Unternehmenssanierung sowie Strukturmaßnahmen von herausragender Bedeutung entscheidet nur die Hauptversammlung eines Unternehmens (gesetzlich geregelt und höchstrichterlich ausgeurteilt) – nicht der Aufsichtsrat und nicht der Vorstand eines Unternehmens.
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    Der Verein HSV ist hier gefordert, entsprechend zielführende Vorgaben (mit seiner 3/4-Mehrheit) in der Hauptversammlung zu beschließen. Der Vorstand hat die Beschlüsse der Hauptversammlung umzusetzen und der Aufsichtsrat hat die Umsetzung der Beschlüsse der Hauptversammlung zu überwachen. Nicht mehr und nicht weniger ist die Aufgabe von Vorstand und Aufsichtsrat – beide sind lediglich „Erfüllungsgehilfen der Eigentümer“. Das große Missverständnis beim HSV: der Aufsichtsrat hat eben KEINE grundlegenden Gestaltungskompetenzen und bestimmt eben NICHT die Unternehmenspolitik der HSV Fußball AG.
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    Der Verein sind die Mitglieder; das Präsidium des Vereins hat ein imperatives Mandat – das Präsidium ist daher zwingend in seinem Abstimmungsverhalten in der Hauptversammlung der HSV Fußball AG an die Beschlüsse der Mitglieder des Vereins gebunden; vertritt also lediglich die Mitglieder und die „Mitglieder-Beschlüsse“ sozusagen „körperlich“ in der Hauptversammlung.
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    • Kerberos 22. Juni 2017 um 09:20 Uhr

      .
      Bitte korrekt bleiben: „Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom“ (F68.1 nach ICD-10)
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  5. Micha 22. Juni 2017 um 09:41 Uhr

    Dass ist hier im Blog eigentlich zuviel der Münchhausen-Diagnosen. Aber die Beobachtung, dass beim HSV ein vermeintlicher Helfer sich am Kranksein und der Abhängigkeit und Hilfe ergötzt, drängt sich inzwischen auf. Den HSV zu zwingen, einen verletztungsanfälligen Papadopoulos auf Pump zu kaufen – das Zwanghafte ist augenscheinlich.

    • Kerberos 22. Juni 2017 um 11:32 Uhr

      .
      Gerade erst gelesen und bitte zur Kenntnis nehmen:
      bei der Persönlichkeitsstörung des „Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom“ ist das Herbeiführen der „Erkrankung“ eines Dritten, zu dem oftmals eine Garantenstellung besteht (z.B. Mutter und Kind) lediglich Mittel zum Zweck, um für sich die Aufmerksamkeit eines im Mittelpunkt stehenden „Retters“ zu erlangen (ähnlich dem Feuerwehrmann, der als „Held“ seinen selbst gelegten Brand löschen möchte; jedoch kein Pyromane ist). Es geht dabei nicht darum, sich am Leid eines Anderen zu ergötzen (kein Sadismus). Leider geht es sogar soweit, dass dabei in vielen Fällen im Bewußstsein der Gefahr selbst der Tod eines Anderen billigend in Kauf genommen wird.
      .

  6. marlor 22. Juni 2017 um 09:50 Uhr

    @Grave und Kerberos :
    Wie können wir (Mitglieder) es schaffen, dass ihr zwei beim HSV in Führungspositionen kommt?

    • Gravesen 22. Juni 2017 um 09:53 Uhr

      Hahahaha..sehr schön. Ne danke, in 100 Jahren nicht. Außerdem müsstest du den Verein dann um ca. 18.000 km verschieben

  7. Gravesen 22. Juni 2017 um 10:12 Uhr

    Jörg
    jorgdresen@gmail.com
    84.128.166.239 Als Antwort auf Gravesen.
    Als wenn du Spinner nicht in Deutschland wärst. Also dir gehört echt mal so richtig…

    • Gravesen 22. Juni 2017 um 10:13 Uhr

      Pass auf, „Jörg“, ich mache dir einen Vorschlag. Du sagst wann und wo und dann klären wir das wie Männer. Aber hinterher nicht heulen und beschweren. Was meinst du, feige Sau ?

      • Michael 22. Juni 2017 um 10:17 Uhr

        Nur einer von vielen Halbstarken, die anonym das Fressbrett aufreißen. Bei mir haben es auch schon einige versucht, mich zu beeindrucken. Arme Wichte.

  8. Michael 22. Juni 2017 um 10:14 Uhr

    Ins Klo verschieben.
    Todt bestätigt Interesse des HSV an Hahn und Subotic. Noch irgendein Lahmarsch und Gehbehinderter in der Liga ohne Job? Alter auch kein Hindernisgrund, Kohle fließt, Staubzucker wird nur lauwarm appliziert:
    http://1.ftb.al/zNTc/LQWF83TebE

    • Gravesen 22. Juni 2017 um 10:17 Uhr

      Das Geilste ist doch, dass exakt dieser Tod vor einiger Zeit noch von „smarten Transfers“ gelabert hat. Papadopoulos, ein U21-Nationaltorhüter, Hahn, Subotic. Gib mir 5 Minuten, einen Internet-Zugang und Transfermarkt.de und dann mache ich das ehrenamtlich.

      • Micha 22. Juni 2017 um 11:09 Uhr

        Todt braucht dafür nichtmal einen Internetanschluss: Mopo genügt dafür!

  9. Ex-HSVer im Herzen 22. Juni 2017 um 10:52 Uhr

    Hervorragender Blog! Ich ziehe meinen Hut vor euch beiden, dass ihr euch fast täglich aufrafft, das ganze zu analysieren, erklären und zu kritisieren. Wie würde ich schon längst die Kraft fehlen aufgrund der Tatsache, dass sich aber auch gar nix ändert bei diesem Verein.

  10. Spörl 22. Juni 2017 um 11:09 Uhr

    Die Namen, die mit dem HSV als potentielle Neuzugänge in Verbindung gebracht werden sagen alles über den Zustand unseres HSVs aus.

    Es würde mich nicht wundern, wenn noch beim Confed Cup oder bei der U21 EM dem HSV ein Spieler erstmalig auffällt, der dann eilig mit Kühne Millionen verpflichtet wird.

    Gravesen, hat der HSV tatsächlich eine angemessen aufgestellte Scoutingabteilung? Und wenn ja warum nutzt man diese nicht?

    • Gravesen 22. Juni 2017 um 11:14 Uhr

      Nun, die haben schon eine Scouting-Abteilung, meines Wissens nach arbeitet dort zur Zeit z.B. Rodolfo Cardoso. Ich bin sogar einigermaßen sicher, dass die Jungs dort über die meisten Talente Bescheid wissen, aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist:
      .
      1. Ich muss meiner Scouting-Abteilung auch vertrauen
      2. Ich kann noch so schön nach Talenten scouten, aber wenn beim HSV die Durchlässigkeit von unten nach oben so bleibt wie sie ist, warum sollte ich als Talent dann nach Hamburg kommen? Um in der U23 „zu reifen“?

  11. Kugelblitz 22. Juni 2017 um 11:26 Uhr

    @ kerberos

    die hüpfer der krank ag werden aber argumentieren, dass der spieler x den club in der tv-gelder-tabelle nach oben führen kann und man dann mehreinnahmen hat.

  12. Julia 22. Juni 2017 um 11:30 Uhr

    Ergänzend zu den obigen Ausführungen noch ein paar Anmerkungen zu den bilanziellen Risiken:

    Die HSV AG hat mittlerweile einen Schuldenstand mit beachtlichen Dimensionen aufgebaut, der abhängig vom Verhalten Kühnes (Forderungsverzicht, Besserungsschein, Einlage etc.) vermutlich deutlich dreistellig sein wird. Zusätzlich wird die Bilanz noch belastet durch die Verluste aus der laufenden Saison. Wenn man sich die Aktivseite der Bilanz zum 30.6.2016 anschaut, sind die wesentlichen Aktiva das Stadion (57 Mio.), die Spielerwerte (32 Mio.) und die sog. Markenwerte (41 Mio.). Der Rest (ca. 20 Mio. aus dem laufenden Betrieb) ist angesichts der Dimensionen Pillepalle.

    Die Spielerwerte dürften dem HSV zum 30.6.2017 auf die Füsse fallen, denn alles, was auf der Bank sitzt und/oder bereits zum Verkauf ausgerufen wurde, kann eigentlich nicht mehr planmäßig linear abgeschrieben werden. Eigentlich müßte man für die entsprechenden zukünftigen Spieler-Gehälter sogar eine Drohverlustrückstellung erwägen. Ich bin zwar ziemlich sicher, daß sie alles tun werden, um den Jahresabschluß 2016/2017 zu entlasten, aber damit verlagern sie die Verluste nur überwiegend in die nächste Saison, denn spätestens bei Abgang ist der entsprechende Spielerwert aufwandswirksam auf null zu setzen. Und die Liste der Fehleinkäufe ist lang, d.h. allein in den Spielerwerten stecken bereits 2-stellige Millionen-Risiken, auch aus den Transfers der laufenden Saison.

    Dann haben wir noch die sog. Markenwerte von 41 Mio.. In den veröffentlichten Jahresabschlüssen bis 30.6.2016 vermisst man jeglichen Hinweis, wobei es sich bei den Markenwerten eigentlich handelt, wie sie bewertet wurden und warum sie überhaupt aktiviert worden sind. Ich vermute, daß es sich um den Wert der Marke „HSV“ handelt. Hat die Marke „HSV“ einen Wert von 41 Mio., nachdem mit dieser Marke in den vergangenen 6 Jahren fast 60 Millionen Verluste (excl. Verschmelzungsgewinn) verwirtschaftet wurden und zum 30.6.2017 wiederum von einem 2-stelligen Fehlbetrag auszugehen ist? Und was qualifiziert den Bilanzposten „Markenwerte“ dafür, daß er nicht planmäßig abgeschrieben wird und seit Jahren unverändert mit Euro 41.221.628,66 in den Büchern steht?

    @Kerberus: Hast Du eine Idee, was es mit den Markenwerten auf sich hat?

    Anyway, der HSV hat also nicht nur ein Schuldenproblem, sondern auch ein Bilanzproblem, denn bei gut der Hälfte der Aktiva handelt es sich um vorweggenommene Aufwendungen (vulgo: Fehlinvestitionen) bzw. ominöse Markenwerte. Oder anders: Ausser dem Stadion, einigen Spielerwerten und kurzfristigen Vermögensgegenständen fehlt die Substanz und ohne den überschaubaren Gläubigerkreis, der die Füsse still hält bzw. still halten muß, wäre der HSV in den nächsten Jahren nicht überlebensfähig, denn der cash flow aus dem Spielbetrieb ist seit Jahren negativ.

    Aus dem Prognosebericht für 2016/17:
    >>> Die Unternehmensplanung des HSV basiert für das laufende Geschäftsjahr 2016/17 auf der Annahme des 10. Tabellenplatzes bei 44 erzielten Punkten am Saisonende.
    >>> Insgesamt wird daher bei planmäßigen Verlauf ein Fehlbetrag nach Steuern von rund EUR 11 Mio. geplant.

    Wir lassen uns überraschen. Und 2017/18?
    >>> Der HSV erwartet für das Geschäftsjahr 2017/18 ein positives Jahresergebnis

    Klar, minus 11 Mio. plus 10 Mio. höhrere TV-Einahmen plus noch was ergibt was positives. Tja, wenn da nicht die Abschreibungen auf Spielerwerte wären, die dem HSV neben den hohen Spielergehältern auf die Füsse fallen. Egal was Wettstein sagt: 2017/18 wird ähnlich defizitär wie 2016/17, und wenn sich die Ertragslage sich nicht signifikant verbessert, wird sich das fortsetzen. Erträge signifikant steigern ist schwierig, denn der HSV wächst nicht, und an die Kosten will man offensichtlich nicht ran, im Gegenteil. Bleibt nur noch besser spielen, aber wenn der HSV zu gut wird (Europa-League), leben die Besserungsscheine wieder auf. Hach, wie doof! Egal wie man es macht, macht man es falsch.

    • Kerberos 22. Juni 2017 um 12:07 Uhr

      .
      Der Markenwert wurde als teilweise Aufdeckung von stillen Reserven erstmals in die Ausgliederungsbilanz zum 01.01.2014 eingeführt. Weder die Methode der Berechnung noch die Berechnung selbst sind mir bekannt. Der Markenwert wird jedoch tatsächlich nach HGB nicht abgeschrieben. Persönlich erachte ich diesen Markenwert „HSV“ als substanzlose Luftnummer; notwendig wurde der „Trick“ eigentlich nur, um zum Start der AG überhaupt ein Eigenkapital von gerade 23 Mio. (bei 41 Mio. Markenwert) ausweisen zu können.
      .
      Der Stadionwert ist mit 57 Mio fernab jeder Realität. Der Wert wurde im Zuge der Verschmelzung durch „Neubewertung“ von 37 Mio auf 57 Mio angehoben und dann in die Bilanz der AG 2015/16 so übernommen. Diese +20 Mio sind die „außerordentlichen Erträge“ aus Verschmelzung, die zu dem geringen Bilanzverlust von lediglich 0,15 Mio für 2015/16 führten.
      .
      Der prognostizierte „planmäßige“ Fehlbetrag von 11 Mio. für 2016/17 beinhaltet bereits die außerordentlichen Erträge aus Forderungsverzicht von Kühne (Höhe unbekannt) und die erhöhten TV-Einnahmen. Persönlich rechne ich für 2016/17 mit einem Bilanzverlust von ca. 15 bis 20 Mio (je nach Höhe des Forderungsverzichts durch Kühne) bei einem „operativen“ Verlust von ca. 30 Mio aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit.
      .
      Die Eventualverbindlichkeiten aus Besserungsscheinen werden in der Bilanz 2016/17 bei 20 bis 25 Mio. liegen. Hinzu kommen noch latente Steuern für die 20 Mio Stadion-Zuschreibung. Ich glaube da war noch mehr, ….
      .

      • Julia 22. Juni 2017 um 13:08 Uhr

        Zitat:
        „Persönlich erachte ich diesen Markenwert „HSV“ als substanzlose Luftnummer; notwendig wurde der „Trick“ eigentlich nur, um zum Start der AG überhaupt ein Eigenkapital von gerade 23 Mio. (bei 41 Mio. Markenwert) ausweisen zu können.“

        Sehe ich auch so. Die Passiva überstiegen die Aktiva, also hat man den Differenzbetrag aufgeteilt in Spielerwerte und „Residualwert“, und damit man den „Residualwert“ später nicht abschreiben muß hat man ihn „Markenwert“ genannt, und weil diese selbstgeschaffene ’stille Reserve‘ steuerlich nicht aktiviert wurde, hat man im Rahmen der Ausgliederung obendrein noch ergebnisneutral passive latente Steuerrückstellungen gebildet (TEUR 9.531), die zum 30.6.2014 mit TEUR 3.865 bzw. 30.6.2015 mit TEUR 5.666 aufgelöst wurden, indem man sie mit aktiven latenten Steuern auf Verlustvorträge verrechnete. Schon frech.

        Bei wirtschaftlichlicher Betrachtungsweise handelt es sich bei den Markenwerten somit um Ausgliederungsverluste, denen niemals Anschaffungs- oder Herstellungskosten von 41 Mio. entgegenstanden. Diese sog. stille Reserve ist quasi vom Himmel gefallen oder umgangssprachlich nichts als heisse Luft. Diesen Fall müsste man eigentlich mal der WP-Kammer vorlegen.

  13. Ben 22. Juni 2017 um 12:16 Uhr

    Spannender Kommentar Julia!
    man könnte das Stadion ja an die Stadt zurückverkaufen und es dann mieten 🙂
    Irgendwie scheint mir bei allem was ich hier lesen darf, die Hoffnung auf eine positive Zukunft gänzlich abhanden zu kommen.
    Man würde sich jemanden wünschen, der die Situation beim Namen nennnt und die Möglichkeiten darstellt die es gibt, um jemals wieder gesund zu werden.
    @ Gravesen und Kerrberos, damit meine ich nicht Euch, sondern jemand der im Verein Dinge ändern kann.
    Scheint es leider nicht zu geben.
    Irgendwie wirkt der HSV wie ein Krebskranker im 3.Stadium mit keiner Hoffnung auf Besserung.
    Bewundernswert finde ich, dass Ihr Eure Mission nach wie vor in diesem Maße durchzieht .

  14. BerndH60 22. Juni 2017 um 15:24 Uhr

    Wenn ich die ganze Arbeit, die sich @Grave und @Kerberos machen, in Relation zu der Tatsache setzte, das der Papa-Deal perfekt ist, dann kann man eigentlich nur noch „rosa hüpfen“ oder sich besinnungslos saufen.
    Alleine die Kommentarspalte hier, besonderer Dank an @Julia, beinhaltet mehr logisches Denken, stringentes Verhalten und Realitätssinn als der komplette Vorstand des HSV vorweisen kann.
    Am allermeisten kotzt mich an, das es für Kühnes Verhalten nur eine mögliche Ursache gibt. Er tut es einzig und allein aus dem Grund, weil er es kann. Weil er zum Ende seines Lebens noch mal ein Unternehmen zu seinen Bedingungen unter Kontrolle bekommen möchte. Darüber hinaus gibt es keine Pläne für dieses Unterfangen. Das ganze verschafft ihm vermutlich den Kick sich noch mal 30 Jahre jünger zu fühlen.

  15. undulate 22. Juni 2017 um 15:55 Uhr

    Das „Gönnertum“ ist nur ein Aspekt im Spiel sich alleinig die Anteile des HSV zu sichern. Nichts anders!

    Es gibt somit kein Scouting im eigentlichen Sinne. Es werden bewusst „abgehalfterte“ Stars für teure Verträge gebunden, um ein bestmögliches Transferminus zu genieren. Somit steigt die Abhängigkeit ins „unumkehrbare“ und die folgenden Anteile im Endziel 49% sind gesichert. Alles andere dient nur zur Show.

    Wer im Zeitalter des Spritsparens, sich ständig alte saufende Oldtimer holt und diese dann ohne Umwege gegen die Wand fährt, möchte kein Vermögen aufbauen, sinnvolles Investment mit Rendite betreiben, sondern nur die Verbindlichkeiten in die Höhe schrauben.

  16. Micha 22. Juni 2017 um 16:51 Uhr

    Nebenbei, Kaltz im Jubiläums-Interview:

    „Man muss wissen, dass man solche Flanken trainieren kann. Üben, üben, üben. Beim HSV machen sie heute so oft Geheimtraining, ich weiß aber gar nicht, was die da genau machen. Da muss doch irgendwann mal was bei rumkommen.“

  17. Spörl 22. Juni 2017 um 23:34 Uhr
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