Die große Märchenstunde über die Spielerverkäufe beim HSV

Ein Gastblog von Kerberos 

Es ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht wirklich nur schwer zu ertragen, wie die bisherigen Spielerverkäufe des HSV wahrgenommen und kommentiert werden. Nur zu gut lassen sich doch die faktischen Umstände und desaströsen Folgen der bisherigen Spielerverkäufe des HSV an den Beispielen von S. Walace oder auch A. Hahn erkennen:

Mit dem „Verkauf“ des Spielers S. Walace realisiert der HSV einen Transfer-Erlös in Höhe von € 6 Mio. Dieser Spieler wurde einst jedoch durch K.-M. Kühne finanziert, dem daher durch diesen vorzeitigen „Verkauf“ des Spielers nunmehr ein Anspruch (und daraus resultierend eine Forderung) gegenüber dem HSV aus Besserungsabrede in Höhe von € 6 Mio. entsteht. Der „Verkauf“ von S. Walace ist aus Liquiditäts-Sicht für den HSV also ein „Null-Summen-Spiel“. Man „spart“ jedoch beim HSV nun künftig zumindest das Grundgehalt für einen ansonsten auf der Tribüne sitzenden Spieler. Aber ist dies wirklich ein Grund zum Jubeln und Hüpfen?

Mitnichten. Denn in der Bilanz des HSV wird dem Transfer-Erlös in Höhe von € 6 Mio. eine außerplanmäßige Abschreibung in Höhe von € 6.2 Mio. gegenüberstehen (der „Restbuchwert des Spielers“ S. Walace). Darüber hinaus wird der Anspruch von K-M Kühne aus Besserungsabrede in Höhe von € 6 Mio. als außerordentlicher Aufwand in der Bilanz zu berücksichtigen sein. In der Bilanz wird daher dem Transfer-Erlös in Höhe von € 6 Mio. ein Gesamtaufwand in Höhe von € 12.2 Mio. gegenüberstehen. Und dies bedeutet in der Gesamtschau dieses Transfers einen satten Verlust für den HSV in Höhe von € 6.2 Mio. – mitnichten also ein Grund zum Jubeln oder Hüpfen.

Und die Gehaltseinsparungen bei S. Walace für den HSV? Sind natürlich auf die nächsten Jahre gegeben, aber wahrlich mit einem bilanziellen Verlust in Höhe von € 6.2 Mio. eben doch sehr, sehr teuer erkauft – da hätte man S. Walace auch noch einige Jahre bei seinem Grundgehalt auf die Tribüne setzen und auf „Einsicht und Besserung“ bei dem Spieler warten können.

Bisherige Spielerverkäufe des HSV:

Spieler

außerplanmäßige Abschreibung

Transfer-Erlös

außerordentlicher

Aufwand

Ergebnis

Hahn, Andre

-4.500.000

3.000.000

-3.000.000

-4.500.000

Walace, Silva

-6.200.000

6.000.000

-6.000.000

-6.200.000

Waldschmidt, L.

-650.000

5.000.000

-1.300.000

3.050.000

Mathenia, Chr.

-265.000

500.000

0

235.000

Gesamt:

( -11.615.000)

( 14.500.000)

( -10.300.000)

-7.415.000

Ähnlich verhält es sich beim „Verkauf“ des Spielers A. Hahn. Auch dieser Spieler wurde einst von K-M Kühne finanziert, so dass dem Transfer-Erlös in Höhe von € 3 Mio. eine aus Besserungsabrede resultierende Forderung des K-M Kühne in Höhe von € 3 Mio. gegenüber steht. Also bleibt auch bei diesem Transfer erneut kein Geld für den HSV.

In der Bilanz des HSV wird dem Transfer-Erlös in Höhe von € 3 Mio. daher auch hier ein außerordentlicher Aufwand in Höhe von € 3 Mio. durch die Forderung des K-M Kühne und zudem noch eine außerplanmäßige Abschreibung in Höhe von € 4.5 Mio. für den Spielerabgang A. Hahn (Restbuchwert) gegenüberstehen. Ins Gesamt wird also für den Spielertransfer A. Hahn ein „Verlustgeschäft“ in Höhe von € 4.5 Mio. auszuweisen sein.

Und dies muss doch zwangsläufig die Frage aufwerfen: warum „verkauft“ der HSV die Spieler A. Hahn und S. Walace mit einem bilanziell bereits in der nächsten Saison wirksam werdenden Verlust in Höhe von € 10.7 Mio.? Mögliche künftige Gehaltseinsparungen oder Schaffung von Liquidität können nicht die betriebswirtschaftlichen Gründe sein, zumal die jährlichen Gehaltseinsparungen bei den Grundgehältern deutlich geringer als der bilanzielle Verlust ausfallen und die aus diesen Transfers erzielten Einnahmen überdies an K-M Kühne gehen und somit dem HSV kein Geld in die Kasse bringen.

Für diesen betriebswirtschaftlichen Irrsinn beim HSV bleibt zwangsläufig nur eine Erklärung. Dem HSV steht das Wasser bereits heute vor Saisonbeginn mehr als nur bis zum Hals. Der HSV ist vielmehr bereits in solcher Vollendung mittellos, dass für ihn wirklich jedes auch noch so geringe sofort „eingesparte“ Monatsgehalt einfach existenziell notwendig ist – ganz gleich, was auch immer es am Ende den HSV kosten mag. Na, und wenn das denn für einen wahren HSV-Fan kein Grund zum Jubeln und Hüpfen sein soll . . .

Und für alle rosa Hüpfer, die nun vielleicht noch meinen, sie könnten zumindest ja noch die „Leihe“ von B. Wood abfeiern. Weit gefehlt. Denn B. Wood verbleibt durch diese „Leihe“ selbstverständlich dem HSV als immaterielle Sachanlage erhalten und insofern wird für B. Wood in der nächsten Saison auch die planmäßige Abschreibung in Höhe von € 875.000,- als Aufwand vorzunehmen sein. Anders ausgedrückt: nur wenn der Erlös aus einer Leihgebühr mindestens € 875.000,- übersteigt, ergeben sich für den HSV aus diesem Leihgeschäft mit B. Wood keine weiteren Verluste.

Und was für eine Ironie des Schicksals. Betriebswirtschaftlich stellt sich tatsächlich für den HSV, trotz Finanzierung durch K-M Kühne, bisher nur der „Verkauf“ von L. Waldschmidt in der Gesamtschau mit einem Ertrag von € 3 Mio. als „lohnendes Geschäft“ dar. Ausgerechnet der L. Waldschmidt, den einst der umstrittene V. Struth als seinen Klienten beim HSV unterbrachte. Das ist doch wirklich einmal ein Grund zum sinnbefreiten Hüpfen.

 

Von | 2018-07-10T07:23:10+02:00 10. Juli 2018|Allgemein|55 Kommentare

55 Comments

  1. Kevin allein in Hamburg 10. Juli 2018 um 08:17 Uhr - Antworten

    Kurz und Knapp auf den Punkt gebracht.
    Aber was soll noch alles passieren, bis es jeder begreift ?

  2. SM 10. Juli 2018 um 08:25 Uhr - Antworten

    Danke für Deinen Beitrag Kerberos!

    Weshalb gehst Du davon aus, dass Kühne aus seinem Darlehen zwangsläufig ein Forderungsrecht realisieren kann?

    • Gravesen 10. Juli 2018 um 08:28 Uhr - Antworten

      Was bislang nicht klar war: Verkauft der HSV diese Spieler vor Ablauf der Vertragslaufzeit, geht der Großteil der Ablösesummen zurück an Kühne. Und der besteht auf diese Rückzahlung. Auf Abendblatt-Anfrage teilte Kühnes Büroleitung mit: „Soweit Herr Kühne im Zusammenhang mit Spielerverkäufen der HSV Fußball AG daraus Ansprüche ableiten kann, wird er dies tun, und soweit Darlehen gewährt wurden, auf deren volle Rückzahlung Wert legen.“ (Abendblatt vom 28.06.2018)

    • Kerberos 10. Juli 2018 um 11:53 Uhr - Antworten

      .
      Weil Forderungsverzichte und Besserungsscheine in den Bilanzen dokumentiert sind.
      .

  3. Peter sein Rucksack 10. Juli 2018 um 08:59 Uhr - Antworten

    Passt doch KMK perfekt in den Plan, jetzt den Stecker ziehen und schön den HSV am langen Arm verhungern lassen. Und sich dann im kommenden Jahr als Mutter Teresa aufspielen und die neue Lizenz sichern und den Stadionnamen wieder kaufen (natürlich zu geringeren Bezügen). Da ist es dem HSV-Fan an sich auch nicht mehr soooo wichtig, dass KMK seine Abteile zum Dumpingpreis aufstocken darf und alle Absichten aus 2018 vergessen sind.
    Übrigens weist Hoffmann darauf im fast jedem Interview hin, scheint aber kaum einer zu merken.

    • Gravesen 10. Juli 2018 um 09:01 Uhr - Antworten

      Ich würde nicht all zu viel darauf geben, was Hoffmann öffentlich erklärt. Intern laufen ganz andere Dinge ab und wenn die “Fans” davon wüssten, wäre es ausgesprochen unschön für die Beteiligten.

  4. NochNieDerHSV 10. Juli 2018 um 09:07 Uhr - Antworten

    Vor diesem bilanziellen Hintergrund ein sehr fragwürdiges Vorgehen des HSV. Wie so oft scheint das Handeln durch kurzfristiges Denken bestimmt zu sein. Über die mittelfristigen Folgen will sich keiner Gedanken machen – stets in der Hoffnung, dass sich dich die finanzielle Situation “durch ein Wunder” verbessert oder man selbst bis zum großen Crash seine Schäfchen im Trockenen hat. Dank der unkritischen Berichterstattung wirken solche Transfers allerdings als Stimmungsaufheller für die Kunden, die nun mit Optimismus und großer Naivität in das Abenteuer zweite Liga starten und die unverschämte Preispolitik des HSV goutieren; schließlich kommt ja jeder Cent dem neuen Hamburger Weg zugute…Sei auch du dabei, wenn es heißt: Rette unseren HSV (der unverschuldet in Not geraten ist)

    • Gravesen 10. Juli 2018 um 09:10 Uhr - Antworten

      Ich unterschreibe jedes einzelne Wort.

  5. Carsten 10. Juli 2018 um 09:21 Uhr - Antworten

    Ich habe noch eine Verständnisfrage zu Kerberos Artikel: die Zahlungen an Kühne werden doch nur deshalb als “außerordentlicher Aufwand” geführt, weil die Kredite wegen des ursprünglich bekannten Forderungsverzichts (3x EL/CL innerhalb von 6 Jahren) bereits bilanziell als Einnahmen verbucht wurden, oder? Wenn dem so ist: in welchen Geschäftsjahren wurden die denn verbucht? Alle im gerade abgelaufenen?

    • Kerberos 10. Juli 2018 um 09:35 Uhr - Antworten

      .
      Um es korrekt auszudrücken: die Forderungsverzichte wurden als außerordentliche Erträge (bis auf restliche ~ € 14 Mio.) bereits verbucht. Das Spiel begann bereits zur Saison 2015/16 und 2016/17. Teilweise auch noch “rückwirkend”, da zwischenzeitlich auch alle ältere Darlehen durch Forderungsverzichte mit “einheitlichen” Besserungsscheinen auf diesen “Modus” umgestellt wurden. Der noch ausstehende Darlehensbetrag in Höhe von ~ € 14 Mio. soll nun noch – so der ursprüngliche Plan – als außerordentlicher Ertrag die erwartete Bilanz 2017/18 “aufhübschen”.
      .

      • Carsten 10. Juli 2018 um 09:41 Uhr - Antworten

        Danke für die Erklärung. Diese 14 Mio € würden also dem außerordentlichen Aufwand von 10,3 Mio € entgegenstehen, oder? Damit wäre es ja bilanziell gar kein Verlust für den HSV, nur hat man die 14 Mio € sicher zum Aufhübschen anderer Teile der Bilanz eingeplant gehabt. Dumm gelaufen also. 😉

        • Kerberos 10. Juli 2018 um 11:29 Uhr - Antworten

          .
          Nein; man muss schon genau bleiben! Diese 14 Mio sollen die Bilanz 2017/18 für die abgelaufene Saison des Abstiegs “aufhübschen” und für eine “schwarze Null” sorgen. Diese Bilanz gibt es auf der MV im Frühjahr 2019 für die Mitglieder.
          .
          Das dargestellte Szenario gilt für die Transfer-Periode ab 1.7.2018 – damit kommt das “Verderben” natürlich erst in die Bilanz 2018/19 für die kommende 2-Liga-Saison. Und präsentiert wird das ganze Elend den Mitgliedern natürlich erst auf der MV im Frühjahr 2020. So lief das immer beim HSV und so läuft das auch weiterhin beim HSV!
          .

  6. Maddin der Erste 10. Juli 2018 um 09:31 Uhr - Antworten

    Dem HSV steht das Wasser bereits heute vor Saisonbeginn mehr als nur bis zum Hals.
    Und genau zu dieser Aussage passt dann diese Aussage:???
    Wie meine Kollegen vom „kicker“ heute berichten, soll Lasogga seitens des HSV eine Vertragsverlängerung vorliegen, zu leicht verringerten Bezügen.

    • Gravesen 10. Juli 2018 um 09:35 Uhr - Antworten

      Welcher Vollpfosten das auch immer geschrieben hat, er hätte beim schreiben aufschreien müssen. Lasogga verdient dank Beiersdorfers Weitsicht auch in der 2. Liga € 3,5 Mio. fix. Hinzu kommen € 15.000 pro Punkt, wenn er nur im Kader steht. Vorsichtig gerechnet würden das irgendwas zwischen € 4 Mio. und € 4,5 Mio. bedeuten. Was soll denn in diesem Zusammenhang bitte “leicht verringert” heißen? € 3 Mio., dann aber mal drei mal bis 2021? Damit man wieder ein Problem in die Zukunft geschoben hat? Das typische Hoffmann-Modell.

  7. Micha 10. Juli 2018 um 09:55 Uhr - Antworten

    “Beiersdorfers Weitsicht” … haha …

    Wie kann Beiersdorfer einem Retter vor dem Abstieg einen neuen, extrem hoch dotierten Vertrag ohne 2.-Liga-Klausel anbieten, diese ‘vergessen’. Das Abstiegsrisiko war dem Namen Lasogga ja quasi eingebrannt. Das ist nicht einmal grob fahrlässige, sondern vorsätzliche schwere Geschäftsschädigung.

    Und welche Kickbackzahlung hat Beiersdorfer für eine derartige Vertragsgestaltung erhalten? – Wie konnte der Aufsichtsrat einen solchen Vertrag absegnen? Und der Finanz-Vorstand, der immer noch da herumwerkelt ….

    • Gravesen 10. Juli 2018 um 09:57 Uhr - Antworten

      Exakt das sind die Fragen, die gestellt werden müssten, besonders von der Presse. Die aber nie gestellt wurden.

  8. Kugelblitz 10. Juli 2018 um 10:54 Uhr - Antworten

    wurden Papa, Ekdal, Kostic und Mavraj auch von Kühne finanziert ?

    • Micha 10. Juli 2018 um 11:45 Uhr - Antworten

      Kostic wurde auf jeden Fall von Kühne finanziert. Warum? – Niemand auf der Welt hätte 14 Millionen für einen Kostic an den damaligen Absteiger Stuttgart gezahlt.

      Die Frage bleibt: Warum hat Kühne die Vorstände Beiersdorfer/Wettstein nicht aufgefordert, die Ablöse für Kostic weit runter zu verhandeln, auf 8 oder 6 Millionen. Warum haben sich Beiersdorfer/Wettstein nicht geweigert, absurd überteuert einen Transfer von einem Absteiger zu realisieren, um den HSV nicht unnötig weiter zu verschulden? – Was haben Beiersdorfer/Wettstein und andere an diesem Kostic-Transfer verdient. Warum war Kühne nie an einer Nicht-Weiter-Verschuldung des HSV interessiert?

      • Volli 10. Juli 2018 um 12:05 Uhr - Antworten

        Warum sollte Kühne an einer Entschuldung des Vereins Interesse haben. Er würde dann doch nicht mehr gebraucht. Scheinbar wollte er diese Situation, in der er den Daumen heben oder senken kann. Wie Nero im alten Rom!? Was mich viel mehr interessiert, wie will man nächstes Jahr eine Lizenz bekommen, egal wie es sportlich l