Am Ende des Tunnels lauert das Unheil

Am Anfang des nächsten Jahres ist es wohl mal wieder soweit, der HSV veranstaltet eine seiner legendären Mitgliederversammlungen und bei der im Januar wird, mal wieder, gewählt. Diesmal ist die Wahl allerdings von besonderer Brisanz, denn man sucht den Nachfolger von Bernd Hoffmann, also den nächsten Präsidenten bzw. Präsidentin des HSV e.V. War das bis zur letzten Wahl eigentlich ein Amt, für das sich kaum jemand interessiert, so ist spätestens seit der Schlacht zwischen Hoffmann und Meier klar, welche Bedeutung diese Personalie hat. Denn der/die neu Präsident/Präsidentin führt nicht nur den e.V., er/sie ist auch gleichzeitig Mehrheits-Anteilseiger (noch 75,1%) der HSV Fußball-AG, Mitglied im 6er Aufsichtsrat und höchstwahrscheinlich dessen Vorsitzender.

Wäre nun besonders finanziell alles in Butter, müsste man sich keine großen Gedanken machen, aber beim HSV 2018 (und garantiert auch 2019) ist das halt nicht der Fall, denn der Verein ist nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden immer noch ein Sanierungsfall. An dieser Stelle nochmal der Dank an Dietmar Beiersdorfer #DankeDidi, der es quasi im Alleingang geschafft hat, diesen Verein ins Koma zu dilettieren. Gern erinnere ich an dieser Stelle an die Herren Holtby und Lasogga, die allein den Verein in den letzten 4 Jahren mehr als € 50 Mio. !!!! gekostet haben. Wer einem Lasogga einen 5-Jahresvertrag mit garantierten € 3,6 Mio. Grundgehalt plus € 15.000 pro Punkt (wenn im Kader) plus € 45.000 pro geschossenem Tor auch in der 2. Liga gibt, der gehört für alle Zeiten aus dem Verein ausgeschlossen. 

Aber zurück zur Gegenwart, in der dem HSV das Wasser bis Oberkante Unterlippe steht und sollte der Aufstieg gelingen, wird die eigentliche Arbeit erst beginnen. Man schaue sich einmal den Kader ohne die Spieler, deren Verträge auslaufen und ohne die Spieler, die man lediglich geliehen hat, an.

Pollersbeck, Mickel, Behrens (Tor)

Papadopoulos, van Drongelen, Bates, Lacroix, Jung, Ambrosius, Pfeiffer, Douglas Santos, Vagnoman, Knost, Sakai (Abwehr)

Janjicic, David, Moritz, Steinmann, Hunt, Ferati, Kwarteng (Mittelfeld)

Ito, Opoku, Narey, Drawz, Arp, Wintzheimer (Sturm)

Ich denke, selbst der größte Hüpfer und der dümmste Nikki wird erkennen, das dieser Kader kaum für die zweite Liga reichen wird, geschweige denn in der Bundesliga auch nur ansatzweise mithalten könnte. Man müsste sich also massiv verstärken, die Frage lautet nur: Wovon? Stand jetzt müsste Sportchef Becker nach dieser Saison im Grunde eher Transfergelder generieren als ausgeben, die AG-Anteile sind fast restlos verbrannt worden und die Fan-Anleihe (€ 17,5 Mio.) muss zurückgezahlt werden. Desweiteren muss man seinen beachtlichen Schuldenberg (mehr als € 100 Mio.) bedienen. Bedeutet: Bernd Hoffmann muss irgendeine Geldquelle auftun. Natürlich, werden jetzt einige sagen, der Vertrag mit Emirates läuft ja aus und auch der Stadionname kann neu verkauft werden, aber sobald man sich die entsprechenden Summen anschaut, merkt man schnell, dass dies lediglich ein kleiner Teil der Lösung sein kann.

Sagen wir mal großzügig € 5 Mio. pro Jahr aus den Emiraten und € 3 Mio. für das Stadion, machen € 8 Mio. Was will man in Zeiten, in denen ein Mangala wahrscheinlich schon € 5 Mio. kosten wird, denn großartig reißen? Zumal die Einnahmen zu großen Teilen auch für den täglichen Gebrauch (Gehälter etc.) benötigt werden. Anders ausgedrückt, es muss eine andere Lösung her und die kann eigentlich nur lauten: Man verkauft mehr als die geplanten (und den Fans versprochenen) 24,9% der AG-Anteile. Dies würde mit einem Schlag eine größere zweistellige Millionensumme in die Kassen spülen und die würde man auch dringend benötigen, möchte man nicht Tasmania Berlin einen unbeliebten Rekord streitig machen wollen. Nur – für die Erweiterung der Anteilsverkäufe benötigt man die Zustimmung der Mitglieder, aber das könnte klappen, wenn man diese vor die Wahl „Anteile verkaufen oder Insolvenz“ stellt.

An dieser Stelle kommen wir aber auf den zurück, der diese Anteile abgeben muss und das ist der e.V. mit seinem dann neuen Präsidenten und dieser kann dieses Vorhaben zumindest „nicht wohlwollend unterstützen“. Wenn man den HSV kennt (und ich denke, nach mehr als 40 Jahren kenne ich ihn), dann weiß man, dass bestimmte Vorgänge nicht von der Logik begleitet, sondern persönlichen Eitelkeiten geprägt und von gegenseitigen Abneigungen behindert wurden. Man denke nur an Hoffmanns erste Amtszeit und an die Idee Anstoss³. Diese damals eigentlich sinnvolle Idee wurde von den Mitglieder (und einigen Strippenziehern) nur deshalb torpediert, weil man Hoffmann den Triumph nicht gönnen bzw. ihm einen machen wollte. Es wurden also bereits damals persönliche Gründe über die Interessen des Vereins gestellt und wenn ich heute hören, dass Wurstfabrikant Höper tönt, er wüsste, wie man den HSV saniert, kann man sich denken, was noch alles kommt. Dabei müsste Höper als Präsident des e.V. diesen gar nicht sanieren, denn dem e.V. geht es gut und mit der Sanierung der HSV Fußball AG hätte er als Aufsichtsratsmitglied nicht viel am Hut. Allein der Umstand, dass der Mann dies nicht begriffen hat, sollte jeden wecken.

Aber Höper wird nicht die einzige „lustige“ Geschichte bleiben, denn Andere haben sich angekündigt. Dass Frau Sattelmair kandidieren wird, gilt als sicher, Höper hat auch schon krakeelt. Weitere Namen, die zur Zeit gehandelt werden, sind Dr. Ralph Hartmann (ehemaliger Schatzmeister), Rainer Ferslev (Anwalt) und auch eine erneute Kandidatur von Jens Meier würde mich nicht vom Hocker hauen. Es kann jedoch sogar sein, dass Personen aus dem Nichts erscheinen, an die man gar nicht mehr dachte (oder denken wollte). Nun stelle man sich einmal das Szenario vor, es wird jemand e.V.-Präsident, der sich selbst als erklärten Gegner von Bernd Hoffmann empfindet und diese Empfindung auch bereits ist, auszuleben.

Um keine falschen Vorstellungen zu nähren: Der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann und der Sportvorstand Becker müssen vom Aufsichtsrat kontrolliert werden, das ist Sinn und Zweck dieses Gremiums. Kontrollieren bedeutet aber auch zusammenarbeiten und nicht aus niederen Gründen blockieren. Wenn sich jemand nur aus dem einen Grund zu Wahl stellt, nämlich um Hoffmanns Pläne zu durchkreuzen, dann sollten die Mitglieder so schlau sein und dieses Vorhaben durchschauen. Wenn es nämlich zur Machtprobe zwischen dem Vorsitzenden der Fußball AG und dem Präsidenten des e.V. kommt, verliert nur einer und das ist der HSV.

Fakt ist auf jeden Fall, dass es bei der Personalie e.V-Präsident nicht bleiben wird, die Aufräumarbeiten gehen weiter.  😉

P.S. Dem in Aue verletzten HSV-Fan Thorsten wünscht HSV-Arena gute Besserung und schnellstmögliche Gesundung.

Von | 2018-11-11T08:05:32+01:00 11. November 2018|Allgemein|4 Kommentare

4 Comments

  1. Kevin allein in Hamburg 11. November 2018 um 08:29 Uhr

    Man durfte ja auch nicht erwarten, das der Weg der Besserung der momentan etwas zu erkennen ist, das dies anhalten könnte bzw. sollte.
    Jetzt kommen die nächsten Einzeller mit der Intelligenz eines Teebeutels und versauen alles wieder.
    Und darauf kann man jetzt schon wetten.
    Und zwar deshalb weil die Hamburger „FANS“ die dümmsten auf der Welt sind.

  2. Flanders 11. November 2018 um 09:10 Uhr

    Auf doof wäre das für Felix M. dann echt mal eine Gelegenheit. Ich kann es mir beinahe vorstellen: „Und nur weil ich drum gebeten wurde, bin ich nach der Doppel-Präsidentschaft und dem Vorsitz im Aufsichtsrat auch als Trainer und Sportdirektor eingesprungen. „

  3. Michael 11. November 2018 um 10:48 Uhr

    Es erscheint ein Licht am Ende des Tunnels, doch keine falsche Freude. Es ist der ICE in der Gegenrichtung.
    Sorry, mit dem Tunnelbild musste ich beginnen. Diese innere Uneinigkeit oder das gegeneinander arbeiten aus persönlicher Motivation heraus ist eines der vielen Übel, die den HSV seit langem prägen. Mir ist bewusst, daß dies nur eine von vielen Schwächen und einer endlosen Kette von Fehlentscheidungen ist.
    Nur, zur Zeit wird die wichtige Wahl des Präsidenten langsam akut. Die Gockel und Pfauen krähen, scharren und schlagen schon das Rad, damit man die Raute am federlosen Arsch sieht.
    Wir können nur hoffen, daß ein Kandidat/in auftaucht, der dem Vorstand der HSV AG signalisiert, die Sanierung zu unterstützen und daß es ihm/ihr gelingt, die Verwirrten und Hüpfer zu motivieren, ihn/sie zu wählen. Viel Optimismus habe ich nicht. Die Didifreunde, der unmögliche Supporters Club usw. ändern sich nicht. Sie werden versuchen, irgendeinen Popanz zu installieren.

  4. Saschas Alte Liebe 11. November 2018 um 11:19 Uhr

    Gut die Gesamtlage zusammenfassender Blog.
    Auf der obigen Kaderliste sind bis auf Holtby, Hwang, Lasogga und Mangala die derzeitigen Spiele alle vertreten (einer vergessen?)
    Holtby und Hwang spielen keine wirklich entscheidend wichtige Rolle.
    Somit fehlen der toreschießende Kampfbär und Mangala zu der Mannschaft, die offenbar in dieser eher schwachen 2.Liga durchaus zu bestehen weiß; derzeit zwei der Schlüsselspieler.
    Dass es einem einigermaßen findigen Trainer nicht gelingen sollte, das allemal überschaubare Betätigungsfeld von Lasogga adäquat zu besetzen, scheint mir nicht einleuchtend. Es ginge lediglich darum, die Fähigkeit des Soapknipsers, sich im Moment des evtl. nach innen kommenden Passes in der Abstauberposition vor dem Tor zu befinden, mindestens zu kopieren, möglichst zu um Spielfähigkeit zu erweitern.
    Das ist lernbar.
    Schwerer wäre, den Spieler Mangala in seiner weitaus komplexeren Rolle zu ersetzen. Früher oder später wird das vermutlich notwendig sein (Verletzung, gelbe Karten). Ein Taktik- bzw. Entwicklungsthema mit nur einigen Optionen.
    Somit erscheint weniger der Erfolg in Liga 2 problematisch.
    Die eigentliche Herausforderung wird den Kader betreffend der wohl absehbare Aufstiegsfall sein.
    Wer nur die Begegnung aus dem unteren BL Bereich H96-Wolfsburg sah, wird unschwer die doch sehr großen qualitativen Unterschiede zur 2.Liga erkannt haben.
    Stand jetzt befinden sich nach einem Drittel der Saison gerade mal 2 bis 3 HSV Kicker auf solidem BL tauglichem Niveau.
    Allein um ein solches BL Niveau zu erreichen, bedürfte es eines weitreichenden Upgrades des Kaders mit gleichzeitig höchst intensiver Vorbereitungsphase; d.h. bereits im Juni müsste hier eine umfassende Neuzusammenstellung mit höher qualifiziertem Personal weitgehend abgeschlossen und/oder eine geradezu bahnbrechende Weiterentwicklung mehrerer vorhandener Nachwuchsspieler auf den Weg gebracht worden sein. Zudem müssten diese Spieler mehrheitlich auch noch gehalten werden.
    Das stellte wohl ein völliges Novum beim HSV dar, eine Sensation, ein kleines Wunder.
    Denn es bräuchte einige Millionen für Verstärkungen sowie für die Anpassung und Neufassung bestehender Verträge.
    Gleichzeitig besteht der oben erwähnte Finanzbedarf zur Bedienung der Altschulden und für die fällige Fananleihe.
    Nüchtern betrachtet: Mission Impossible.
    Es fällt nicht schwer, an ein Scheitern an einer solchen Herausforderung zu glauben.
    Störfeuer aus dem internen Vereinsbereich sind bei all dem noch garnicht berücksichtigt.

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