Die kranke Geburt der Tormaschine

Es gibt Dinge, die sind mit normalen menschlichen Maßstäben einfach nicht zu erklären, diese gehört dazu.

Bayerns Tormaschine wird zum HSV-Helden (Quelle: BILD.de)

Ich weiß, dass es im Grunde sinnlos ist, aber ich will trotzdem versuchen, diese Schwachsinnigkeit einzuordnen.

Manuel Wintzheimer (20) hatte bis gestern exakt 16 (von 29 möglichen) Spiele in der REGIONALLIGA gemacht, das ist die 4. Liga Deutschlands. Hier hatte es die Tormaschine geschafft, in den erwähnte 16 Spielen insgesamt 5 Treffer zu erzielen, nämlich gegen Holstein Kiel II, gegen Lüneburger SK, gegen Eintracht Norderstedt (2 Tore) und gegen SC Weiche 08. In der Zweiten Liga brachte es Wintzheimer, inkl. der 9 Minuten gegen den 1. FC Köln, auf exakt 31 Minuten Spielzeit. 31 von 2610 mögliche Minuten. In Köln fällt dem Jungen ein Ping Pong-Ball im Fünfmeterraum vor die Füße und er schafft es tatsächlich, den Ball, der noch zweimal abgefälscht wird, im Tor unter zu bringen. Und daraus macht die Hamburger Presse eine Tormaschine und einen HSV-Helden! Und dann wundert man sich in Hamburg, dass sowohl Mannschaft wie Anhänger mit weniger als nichts zufrieden ist?

Unmittelbar nach einem Tor, welches nichts anderes bedeutete, als dass der Tabellen-2. der Zweiten Liga beim Tabellenführer den Ausgleich!!! erzielte, bricht im Hamburger Lager eine Jubelarie los, als hätte man gerade in Berlin das DFB-Pokalfinale im Elfmeterschießen gegen die Bayern gewonnen. Man stelle sich einmal vor, sowas würde passieren (keine Sorge, passiert nicht), was würden die dann schreiben?

HSV-Torschütze in Köln Wintzheimer: Der Super-Joker aus der Bayern-Jugend (Quelle: Mopo.de)

Nun weiß wohl jeder, warum der HSV ihn vor der Saison von Bayern München verpflichtete. Eine Aktion, ein Schuss und ein Tor reichten Manuel Wintzheimer, um zu zeigen, welch großes Talent in ihm schlummert.

Bei aller Liebe, aber die haben doch nicht mehr alle Kerzen auf der Torte. Der „Super-Joker“? Weil er ein Ding reinmarmelt, dass ich mit 54 noch versenkt hätte? Und nun ist ein 20-Jähriger, der bisher nicht im Ansatz an Lasogga-Ersatzmännern wie Arp, Hwang oder sogar Jatta vorbeikam, ein „großes Talent“ bzw. das Juwel des Jahrhunderts? Seit ihr eigentlich alle geistesgestört? Nein, ich weiß es nicht, warum der HSV ihn aus München verpflichtete, weil er bisher noch nicht mal in der 4. Liga zum Stammpersonal gehörte? Und mit genau dieser Pseudo-journalistischen Scheiße schaden die Drecksblätter dem Verein mehr als alles andere. Warum? Weil sie wirklich jeden Anspruch im Keim ersticken. Weil wirklich jede Eintagsfliege unmittelbar zum Superstar gekürt wird.

Aber, der HSV ist eben auch nicht bereit, diesen kranken Hype einzudämmen.

HSV-Profis feiern Kabinen-Party in Köln – mit irrer Songauswahl!

Die Stimmung in der HSV-Kabine war nach dem 1:1 durch das späte Tor von Manuel Wintzheimer ausgelassen, die Hamburger Profis fühlten sich mit dem Punktgewinn beim Spitzenreiter als moralische Sieger und feierten dies mit einer Kabinen-Party. (Quelle: Mopo.de)

Die können wirklich froh sein, dass ich dort nichts zu sagen habe. Wäre ich Vorstandsvorsitzender, ich wäre unmittelbar nicht Spielende in die Kabine gerannt, hätte den Feierbiestern das Bier entzogen und hätte gesagt: „So Leute, gute zweite Halbzeit. Jetzt duschen, dann in den Bus, dann nach Haus. Und am nächsten Wochenende gegen Aue will ich die Leistung aus der zweiten Halbzeit über 90 Minuten sehen, sonst rauscht es. Abmarsch“. 

Und nein, ich gehe zum Lachen nicht in den Keller, aber ich würde als Vorstandsvorsitzender, der in dieser Saison irgendwas zwischen € 30 Mio. und € 35 Mio. in diesen Kader pumpt, nicht nur alle 4 Wochen eine normale Leistung sehen, sondern jedes Wochenende. Und vor allem möchte ich Erfolg haben. Nur, Erfolg wird man niemals mit einer Mannschaft haben, die ein Unentschieden wie den Gewinn der Champions League feiert. Never.

Um Gottes Willen….

WINTZHEIMER HSV-Held im Sommer weg? (Quelle: Bild.de)

Man muss also exakt 31 Minuten spielen, einen Ball aus 4 Metern reinstolpern und man ist ein „HSV-Held“. Und diese Spinner wundern sich, dass der Verein kurz vor dem endgültigen Kollaps steht. Dieses kranke Zusammenspiel von Medien und Beratern und die Tatsache, dass dieser Verein grundsätzlich auf Meinungsströme und nicht auf eigenen Bedarf reagiert, wird ihm wie immer das Genick brechen. Oder aber Super-Sportvorstand Becker macht weiterhin den tollen Job, den ihm zahlreiche Idioten attestieren, die aber nicht im Ansatz nachweisen können, worin dieser „tolle Job“ eigentlich besteht. Vielleicht in einer Leihe von € 14-Millionen-Mann Filip Kostic für € 1,2 Mio. für zwei Jahre! zu Bundesligist Eintracht Frankfurt und der gleichzeitigen Leihe von Flop Hwang für € 1,5 Mio. für ein Jahr in die zweite Liga? Oder dafür, dass er Mega-Talent Fiete Arp für € 2,5 Mio. zu einem Verein ziehen lässt, der gerade dabei ist, ca. € 200 Mio. in neue Spieler zu investieren, während Becker einen Zweitliga-Spieler für € 4 Mio. aus Kiel holt? Ehrlich, das sind Deals, die mache ich an einem Vormittag mit meinem Smartphone.

Ach ja, weil es gerade so ins Bild passt…

HOFFMANN WARNT PYRO-ZÜNDLER„Gespräche haben eine Grenze!“

Vorsitzender Bernd Hoffmann (56): „Wir werden den Dialog nicht abbrechen. Aber alle Gespräche haben eine Grenze – wenn Menschen gefährdet oder der Spielverlauf gestört wird.“

Echt jetzt? Herr Hoffmann, haben sie wirklich geglaubt, dass sie mit diesen kaputten Vollpfosten reden könnten? Nein, haben sie nicht. Aber sie wollten einen vorgeschobenen Dialog zu ihrem eigenen Vorteil nutzen.

Von | 2019-04-17T07:49:25+00:00 17. April 2019|Allgemein|13 Kommentare

13 Comments

  1. Jeff 17. April 2019 um 07:24 Uhr

    Ich freue mich schon.
    Wieder diese hochtrabende Arroganz…. Die den hsv deutschlandweit unsympathisch macht.
    Beim Tabellenführer quasi 5:1 gewonnen… Wer soll sie noch stoppen…
    Das riecht nach Haue gegen Aue.

    Die haben anders als der FC nichts zu verschenken…

  2. Stephan Scheler 17. April 2019 um 07:39 Uhr

    Die Mopo hatte vor längerem schon mal etwas von „Sturm-Rakete Wintzheimer“ geschrieben. Dieses inflationäre Herumjonglieren mit Superlativen ist hochgradig peinlich – wie oft liest man im Zusammenhang mit den HSV-Spielern Begriffe wie Held, Star o.ä.? Das ist ebenso lächerlich wie traurig, denn du bringst es perfekt auf den Punkt: es erstickt jeden Anspruch oder Leistungsgedanken im Keim.

    In dem ganzen Kontext fällt mir ein Albumtitel von Deichkind ein: „Niveau weshalb warum“…

  3. Volli 17. April 2019 um 08:03 Uhr

    Dann dürfte es ja jetzt jedem klar sein, warum es ein junger, seriöser Trainer wie Wolf nicht einfach hat mit dieser Mannschaft. Was soll so ein Wintzheimer denn denken, wenn er morgens die Gazetten aufschlägt. Den größten Teil der Schuld tragen die Medien, die nicht kritisch informieren, sondern ausschließlich Fake schreiben! In diesem gehypten Umfeld kann sich nichts entwickeln. Dazu noch ein AR, der alles macht, nur nicht das wofür er da ist.

  4. Gravesen 17. April 2019 um 08:23 Uhr

    Herr, lass Hirn vom Himmel fallen..
    .

    BASTRUP · GEFÄHRTE · 2 MIN.
    Kommentare 49 · Antworten 9
    Viele fordern hier, dass Jung auf die Bank gesetzt wird.

    Meine Meinung: In Top-Verfassung ist Jung einer der besten und flexibelsten defensiven Mittelfeldspieler Deutschlands.

    Wolf macht genau das richtige: er baut ihn auf.
    Positive Tendenz ist schon sichtbar. Wenn auch noch mit viel Luft nach oben. Kann gar nicht anders sein, nach der langen Verletzung.

    • Saschas Alte Liebe 17. April 2019 um 08:38 Uhr

      So viel Hirn, wie es bräuchte, hat auch kein Herr im Himmel zur Verfügung.
      Ein aussichtsloses Unterfangen, zumal ja Hirn dann auch erstmal zur Anwendung kommen müsste. Auch dazu fehlt es unübersehbar an Optionen.
      Die Medien sind voll von solcherlei Ergüssen.

    • atari 17. April 2019 um 08:50 Uhr

      die 3 Kommentare dadrüber sind noch schlimmer. Der HSV ist nicht mehr zu retten, wenn sich solche Menschen Gedanken über ihn machen. Herr Kühne sieht das genauso, siehe Mopo24 🙂
      Eigentlich nichts Neues, der wiederholt sich auch ständig.

  5. Fernsehsportler 17. April 2019 um 08:33 Uhr

    Wir, die Leser von Tageszeitungen sind wohl schon so medial reizünerflutet, dass man uns schon mit der Scjlagzeile „umhauen“ muss.

    Sonst bleibt das Blatt halt beim Bäcker an der Theke.

    So billig ist es schon

  6. Saschas Alte Liebe 17. April 2019 um 08:33 Uhr

    Das Video zeigt deutlich, um welcherart intellektueller Kapazität des Klientels es sich in der Regel handelt. Die darüberhinaus Gebildeteren scheinen sich unübersehbar an diesem Standard zu orientieren und/oder sich in einem psychischen Abhängigkeitsverhältnis zu den in eigenen Jugendträumen gebundenen Erlebnissen hilflos verirrt zu haben.
    Leichte Beute für die Verblödungsagitatoren der üblichen Jubelmedien.

  7. Horst 17. April 2019 um 08:40 Uhr

    Was an der medialen Bewertung des Unentschiedens in Köln ausserdem erstaunlich war (aber dann wiederum auch nicht erstaunlich ..): Es wurde so getan als sei dieser Punkt ein Meilenschritt Richtung Aufstieg. Wenn man sich aber die Tabelle und die verbleibenden Spiele der ersten fünf Teams anschaut und Kreuz über Daum mal ein bisschen hochrechnet merkt man schnell, dass der HSV in Köln eigentlich auf 3 Punkte hätte spielen müssen. Jetzt zuhause gegen Aue, und zuhause geht bekanntlich oftmals so gut wie nix, danach bei Union, die 3 Punkte hinter „uns“ sind und das deutlich bessere Torverhältnis haben. Ganz nüchtern betrachtet und auch im Hinblick auf die geholten Null Punkte zuletzt zuhause gegen Darmstadt und Magdeburg ist der Punkt in Köln eigentlich weder befriedigend noch ausreichend.

    • Uwe 17. April 2019 um 10:16 Uhr

      Ja das verstehe ich auch nicht, der HSV musste eigentlich auf 3 Punkte in Köln spielen.
      So eine schwache Mannschaft werden die auswärts in dieser Saison nicht wieder haben.
      Immerhin hat ja Köln ein fast so teuren Kader wie der HSV. Gut der ist immer noch 20 % preiswerter, aber egal.

      Aber Interviews geben (ob Spieler oder Offizielle) wie die Weltmeister das können die.

  8. Favre412Bandit 17. April 2019 um 09:38 Uhr

    Mit freundlich Grüßen an den VV des HSV BH. Er wird am langen ausgestreckten Arm Kühnes verhungern bis endlich weitere Anteile dem Investor zugebilligt werden:

    „Noch hat Kühne nicht entschieden, ob er seinen auslaufenden Vertrag über die Namensrechte am Stadion verlängern möchte. „Es wird bis Ende der Saison Klarheit in der Sache geben. Der Verein muss planen können. Ob ich den Vertrag verlängere, ist noch offen, und die sportliche Situation gibt mir zu denken“, sagte er.

    Wenn Kühne verlängert, „möchte ich mich lieber für einen kürzeren Zeitraum binden als zuletzt zum Beispiel über vier Jahre“, sagte der Anteilseigner an der HSV Fußball AG: „Drei bis vier Millionen Euro pro Jahr würde ich schon geben, das ist einfach das Preisticket für einen solchen Stadionnamen.“
    ( SID )“

    Der Teil und die Einstellung zum offenkundig nicht bundesligatauglichen PML ist bekannt und habe ich nicht zitiert, weil der Rest viel mehr auf die Planung der AG durchschlägt. Es ist derzeit so oder so weder 1 oder 2 Liga planbar, weil man erst in 3-4 Wochen mehr weiss.
    Nur hat man kein planbares Geld und wenn viel zu spät.

    Der dumme Schwätzer und Lügner BH kann sich seine Wasserstandsmeldungen seit Januar/ Februar in den Arsch schieben.

  9. Wormfood 17. April 2019 um 11:27 Uhr

    Als Begründung für das sehr defensive FC-Spiel nach dem Wechsel:

    „Die Magie der Halbzeit – ohne die Pause hätten wir den HSV wahrscheinlich aufgefressen.“ (Dominick Drexler)

  10. Demosthenes 17. April 2019 um 12:47 Uhr

    Was ist eigentlich, wenn die 17,5 Mio der zweiten Fan-Anleihe, die ja zu Rückzahlung der ersten Fan-Anleihe von 2012 bestimmt ist, Ende September und November nicht mehr da ist, weil sie von BH und FW für die in dieser Saison laufenden Kosten (Gehälter, Prämien, Zinsen, Kinsombi Ablöse) zweckentfremdet wurde? Das wäre bei der Historie und dem bekannten Geschäftsgebaren der Trickser ja nicht soo undenkbar, siehe HSV Campus. Und sollte es mit dem Aufstieg klappen, hat man ja auch wieder die ca. 40 Mio (Stand 2017/2018) TV-Gelder der DFL zur Verfügung und ist finanziell beweglicher aufgestellt. Wenn der HSV nicht aufsteigt, würde es in dem Fall allerdings düster aussehen.

    P.S.: Wer hat eigentlich Sakai nach dem Köln Spiel vor die Kamera gelassen, der geht ja gar nicht, nur Stanzengestammel und mehr „äh’s“ pro Sekunde als Edmund Stoiber.

    PPS: So, auch der Satz „Ab jetzt nur noch Endspiele“ ist gefallen. Hannes Wolf gestern in der MOPO.

    Will hier wer Druck machen? Nee, nur pushen. Ach so, OK.

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