Ist alles gesagt?

Es gibt Momente im Leben eines Bloggers, da hat er das Gefühl, dass alles gesagt ist. Ich kann mich noch gut an ein Statement von Sven GZ erinnern, der vor einigen Wochen ankündigte, nicht mehr bloggen und podcasten zu wollen, weil es ihm so vorkommen würde, als mache es keinen Sinn mehr. Alles ist zigfach beschrieben, erklärt, analysiert, kritisiert, gelobt und getadelt worden, aber ändern tut sich im Grunde nichts. Nun ist es nicht so, als hätte ich diesen Blog jemals ins Leben gerufen, um auch nur eine Hüpfer-Seele bekehren zu wollen, denn eigentlich ist es nicht das Schreiben, welches zermürbt, sondern es ist der Verein, der einen schafft. Ich weiß, dass es viele gibt, die sich abgewandt haben, viele die den Klub über Jahre, teilweise Jahrzehnte begleitet haben und die irgendwann das Handtuch geworfen haben. Ich selbst habe mich (noch) nicht abgewandt, sonst könnte ich auch kaum täglich einen Blog schreiben. Aber ich war 40 Jahre lang echter Fan und das bin ich nicht mehr, ich werde es wohl auch nie wieder sein (können).

Aber es hat definitiv einen Wandel in mir gegeben und das ist außerordentlich bedauerlich. Denn wie gern wäre ich heute noch der Fan, der ich einmal war. Wie gern würde ich am Wochenende in den Volkspark pilgern, mich mit Kumpels treffen, mich auf ein Bundesligaspiel freuen, mich ärgern, jubeln, fluchen, pöbeln, verzweifeln und feiern. Zu einem Freund habe ich bereits mehrfach gesagt: „Früher war ein Wochenende, an dem der HSV am Samstag verloren hatte, ein verlorenes Wochenende. Samstag verloren, Sonntag im Arsch. Miese Laune, zu nichts Lust. Heute ist es umgekehrt“. Daran, dass ich heute eher schlecht drauf bin, wenn der Verein gewinnt, bin nicht ich Schuld und ich bin auch nicht daran Schuld, dass ich nicht mehr der Fan bin, der ich einmal war. Schuld daran ist der Verein selbst, aber auch der Fußball im Allgemeinen.

Als ich Junge war, gab es am Samstag die Sportschau. 18.05 Uhr, ARD. Davor hatte man natürlich die Konferenz auf NDR gehört. Abends dann das aktuelle Sportstudio ab ca. 22.30 Uhr, aber meistens war ich dann schon im Bett. Man bekam also den Fußball in ca. 7 Minuten langen Happen pro Spiel serviert, kommentiert von emotionsbefreiten Kommentatoren und das war es dann. Pay-TV gab es nicht, Privat-Sender gab es nicht, Internet gab es nicht. Für mich als kleinen HSV-Fan gab es die Westkonferenz mit Jochen Hagelleit und Manni Breugmann („Tor in Düsseldorf, Jochen Hageleit) und ca. 7 Minuten meinen HSV in der Sportschau. That’s it. Ab und zu mal ein Spiel des „Europapokals der Landesmeister“ im Fernsehen, ein Ereignis, auf das man Wochen hinfieberte.

Heute haben ich Fußball 24 Stunden am Tag. Montags 2. Bundesliga. Dienstags Champions-League. Mittwochs Champions League. Donnerstag Europa League. Freitag 1. und 2 Bundesliga. Samstag 1. und 2. Bundesliga. Sonnstags 1. und 2. Bundesliga. Und dann alles wieder von vorn? Von August bis Mai. Hinzu kommen Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, U21-Europameisterschaften, Frauen-WM, Olympisches Fußball-Turnier, Afrika-Cup und dieser neue Ländercup, dessen Namen ich nicht kennen. Ich bin müde. Bis zum Spiel Liverpool gegen Barcelona war es viele Monate her, dass ich ein einziges Fußballspiel von der 1. bis zur 90. Minuten ohne Unterbrechung gesehen habe. Wenn ich mich aber schon mit Weltklasse schwer tue, wie kann ich dann 90. Minuten HSV gegen Sandhausen ertragen?

Ich habe es versucht, ich war gegen Magdeburg im Stadion. Nach 15 Minuten guckte ich mit offenem Mund nach links zum meinem Sitznachbarn und Axel sagte: „Ich weiß gar nicht, was du willst, das ist alle zwei Wochen so“. Unfassbar. Ich habe im Laufe meiner Fan-Zeit wirklich schlimme Spiele im Volkspark gesehen. Ich habe bei Schneetreiben in der alten Schüssel gestanden und bei Dämmer-Flutlicht HSV gegen Uerdingen ertragen. Aber sowas wie gegen Magdeburg hatte ich noch nie gesehen. Egal, ist ein anderes Thema.

Ich frage mich, ob ich vielleicht genug gesehen habe. Geht vielleicht nur eine bestimmte Anzahl von Fußballspielen in einem Leben? Ich habe das Gefühl, dass die Schraube überdreht ist. Kein Mensch kann sich all diese Spiele ansehen wollen. Die Vorfreude, die es einmal gab, gibt es nicht mehr, weil das nächste Highlight ja bereits für heute Abend 20.45 Uhr angekündigt wurde. Und jeden Abend Räucherlachs geht einem auch irgendwann mal auf den Geist, dann muss es schon Hummer sein, damit man noch mit dem Arsch hochkommt.

Ist vielleicht alles geschrieben? Ich weiß es nicht, noch nicht. Ich weiß nur, dass mir der HSV den Spaß am Fan-Sein genommen und die totale Fußball-Überflutung den Spaß am Fußball-gucken genommen hat. Und darüber bin ich extrem sauer, aber das lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

Aaron Hunt wurde vertraglich zugesichert, nach seinem Karriereende für mindestens zwei Jahre beim #HSV im sportlichen Bereich arbeiten zu dürfen. Ein genaues Aufgabenfeld wurde allerdings (noch) nicht festgelegt. [BILD]

Die wollen also Kommunikations-Zauberer Ahorn Hund nach dem Ende seiner Verletzungskarriere einen Job geben? Sorry, aber die haben doch nicht alle Latten am Zaun. Danke #TeamHoffmann

 

Von | 2019-05-10T07:31:21+02:00 10. Mai 2019|Allgemein|46 Kommentare

46 Comments

  1. llorc 10. Mai 2019 um 07:34 Uhr

    Eigentlich ist wirklich alles gesagt,speziell du hast es gefühlte 1000 mal getan.
    Die Lust am Untergang ist aber auch nicht zu verachten.
    Mach bitte weiter.

    llorc

  2. Volli 10. Mai 2019 um 08:00 Uhr

    Die Situation perfekt beschrieben, und wenn man gestern Chelsea-Frankfurt gesehen hat kann man doch noch mitfiebern. Aber 4 englische Mannschaften in den europäischen Finals. Eine traurige Entwicklung! Die englische Premier League ist mittlerweile finanziell meilenweit voraus. Ein Grund dafür, die Entzerrung der Spieltage, und die damit verbundenen abartig hohen Fernsehgelder. Ein Wettbewerbsvorteil, der nur mit ähnlichen Maßnahmen aufzuholen ist! Aber noch mehr Fußball im Fernsehen? Nein brauche ich nicht, wäre eher dafür alles wieder auf ein Normalmaß zurückzuschrauben. Aber das ist wie beim HSV. Die Schraube wird irgendwann so überdreht, dass sie bricht, und dann bleibt einem nichts mehr anderes übrig! Der HSV wollte mit den Großen mitspielen, hat sich vollkommen übernommen, und gehört mittlerweile nicht mal mehr zu den Kleinen. https://www.spiegel.de/sport/fussball/neue-bundesliga-affaere-kirch-zahlte-fc-bayern-40-millionen-mark-a-236741.html Nur ein kleines Beispiel dafür, wie der moderne Fußball tickt, und das man die Entwicklung schon vor 20 Jahren sehen konnte

  3. Greer 10. Mai 2019 um 08:04 Uhr

    Ich kann das nachempfinden. Als ich Kind war, gab es drei Programme im TV, Erstes, Zweites, Drittes. Das war es. Für mich war es damals ein Höhepunkt, wenn die Familie sich am Wochenende vor dem Gerät einfand, dann diese Eurovision-Melodie spielte und dann Wetten, DAss… oder Verstehen Sie Spaß geschaut wurde. Heute ist Fernsehen nicht nur etwas Alltägliches, das keine besonderen Gefühle mehr auslöst, sondern in nicht geringem Maße nur auf Knete ausgelegt und pure Verdummung. Der Zauber, den das Fernsehen mal auf mich hatte, ist verflogen, vor allem, wenn ich sehe, wie lieblos Fernsehen heutzutage gemacht ist. Und ich denke, dass das auch das Hauptproblem ist. Reizüberflutung gepaart mit lieblosem Herangehen ohne echte Seele. Und so ist es im Fußball wohl auch.

  4. Paule 10. Mai 2019 um 08:09 Uhr

    Ahorn Hund? Könnte ich mir gut als Markenbotschafter des HSV vorstellen!
    😜😜😜

    • Gravesen 10. Mai 2019 um 08:11 Uhr

      Für Pedigree Pal?

  5. Ari13 10. Mai 2019 um 08:17 Uhr

    Für mich machen Deine Beiträge den HSV erträglich, weil man einfach nur noch lachen kann. Wenn im Winter 16 Spiele vor Schluss eine Meisterfeier auf dem Rathausplatz geplant wird, um die Mannschaft auf dem Rathausbalkon abzufeiern. Und man dann aber 4 Spieltage vor Ende aus den Aufstiegsrängen rutscht. Wie andere frage ich mich seit Jahren, warum gucke ich mir den Murks jede Woche erneut an, warum kann ich nicht wegsehen. Aber vielleicht, ist man einfach zu sehr Teil des Vereins, weil man schon als kleiner Junge mitgefiebert hat und die Hoffnung nicht aufgeben mag.
    Ich kann nichts über die Seriosität dieser Facebook-Seite (Link unten) sagen, aber ich glaube es ist etwas dran und es zeigt einmal mehr, wie viele Eigeninteressen die Medien haben, um Stimmungen zu erzeugen. Und so lange der Massenmarkt unkritisch funktioniert, ist eine Seite wie die HSV-Arena das letzte Bollwerk für diejenigen, die noch kritisch denken. In diesem Sinne glaube ich, es ist noch lange nicht alles gesagt und es wäre schön, wenn Du weiter machst.

    https://www.facebook.com/G.A.S.St.Pauli/posts/2131137476923502?__xts__%5B0%5D=68.ARCjK-cEpvnAJXawKPlTMSOHE0AQUzbKqnziu9jE5cEvVbILBG31XL8au1O86CAm6a7qhGJdqNa-dTa4ylTEYpvV8POk9vqNdGRyHBZ0DIfvQzV9GWA64uLmhYqMg1SNrbuzDR61WmiWVasinUBWQNCa-Q67OfKRsZbqddKXRxtVWZJ-7SykkG10XK8r95MffAOHZc4HJVooJ1PDQS6JaWDye_7go6V9G-G87Q85WoYxvKptXSA7TyE1FWm8cESgToAKMCwC_iKqIuFHAG3Q5nkQhiAZ4HXTXgIWwxk6NALJ0TA8R7U1cg8T24LgxMTdABUiLncYxfAhZ7MZaTxCbWyM3g&__tn__=K-R

    • Gravesen 10. Mai 2019 um 08:24 Uhr

      Ich habe auch nicht gemeint, dass ich nicht weitermachen werden, sondern, dass man sich verschiedene Fragen stellt bzw. stellen sollte. Tatsächlich gibt dieser Verein jeden Tag gefühlte 52 Steilvorlagen, um ihn an die Wand zu klatschen. Das Gleiche gilt für das, was sich (nicht nur in Hamburg) Medien und Journalisten schimpft. Ich könnte von einem Vorfall berichten, der vor Kurzem stattgefunden hat, aber ich habe versprochen, es nicht zu tun. Ich weiß, wie sich das jetzt anhört, aber sogar mir hat es sie Schuhe ausgezogen. Der Sumpf ist so widerlich tief und er stinkt so dermaßen widerwärtig.
      .
      Aber nach wie vor weigere ich mich zu akzeptieren, dass man nur noch mit Lug, Betrug, Manipulation und Erpressung durchs Leben kommen kann, es muss noch einen anderen Weg geben.
      .
      Kleiner Film-Tipp für diejenigen unter euch, die einen Netflix-Account besitzen: „Knock down the house“. Absolut empfehlenswert.

      • BerndH60 10. Mai 2019 um 08:54 Uhr

        Da gebe ich dir von ganzem Herzen recht.
        Wobei ich dann schon unterscheide zwischen der normalen Welt und einer mafiösen Struktur.
        Beim HSV ist der Point of no Return längst überschritten.
        Die haben sich so tief rein geritten, dass es nur noch auf die kriminelle Tour funktioniert.
        Ob der HSV als Verein und Institution noch zu retten ist, wird mit jedem Tag unwahrscheinlicher. Der Imageschaden ist unermesslich, selbst wenn morgen am Tag ausgemistet würde.

      • Ari13 10. Mai 2019 um 19:22 Uhr

        Dann bin ich ja beruhigt. Aber jetzt bin ich verdammt neugierig wegen des Vorfalles.

  6. Leonadomitcabrio 10. Mai 2019 um 09:00 Uhr

    Mir spricht der Blog heute sehr aus der Seele..
    Was waren das für Zeiten, mir fällt noch Günther Maletzko ein..
    Man hockte vor dem Radio und hörte NDR 2, ich hab noch den Trompeten-Jingle im Kopf, wenn es losging und ich habe die großen Zeiten dieses Vereines miterlebt.

    So ganz freimachen kann man sich nicht, man kann sein Fan sein nicht abstreifen, ich kann mich auch nicht für einen anderen Verein so erwärmen. Man spricht über andere Vereine, aber so richtig mit Herz ist man nicht mehr dabei, wie beim Heimatverein.

    Ich ertappe mich dabei, wie ich am Samstags oder Sonntag das Spiel schaue, wobei ich mir vorgenommen habe, das nicht zu tun und ärgere mich dann, dass ich es doch wieder getan habe. Obwohl ich mich über Niederlagen ärgere, bin auch ich der Meinung, dass dieser Verein so richtig an die Mauer gefahren gehört, damit er vielleicht doch noch eine ehrliche Chance hat.
    Hört sich komisch an aber so ist es. Irgendwie tut es weh, diesen Verein so herumkrebsen zu sehen, geführt von Selbstdarsteller ….
    Im Grunde bin ich froh, dass ich nicht die Connection habe wie du, ich nicht das Hintergrundwissen habe, sonst würde ich wahrscheinlich im langem Strahl vom Balkon kotzen…

  7. Jürgen Karl 10. Mai 2019 um 09:20 Uhr

    Die Situation sehr gut beschrieben. Ich kann mich in deinen zeilen sehr gut wiederfinden.

    Bin mal gespannt, wann die Blase „Fussballvermarktung“ platzt. Mit der Superleague oder dann irgendwann einer Weltliga für Klubmannschaften sind ja schon weitere mögliche Marketingaktionen in Wartestellung…

  8. Weltmeister. 10. Mai 2019 um 09:41 Uhr

    Ganz stark geschrieben, Uli. Ich empfinde in weiten Teilen so wie du es beschreibst.

    Als ob das noch nicht reichen würde kommt hinzu, dass der HSV und sein Umfeld nahezu täglich eine Dummheit oder Peinlichkeit „liefert“. Sprich: Man hat den oder die Aufreger von gestern noch nicht einmal völlig verdaut, schon erblickt die nächste Unglaublichkeit das Tageslicht.
    Was das angeht müsste die verdammte Schraube eigentlich längst abgerissen sein.
    Schönes Wochenende.

  9. Mosche 10. Mai 2019 um 09:46 Uhr

    Ich empfinde in weiten Teilen ebenso! Mir kommt nur manchmal in den Sinn, wie es z.B. wäre, aktuell Liverpool Supporter zu sein.
    Wie denken die darüber ? 🙂
    Im Ernst, wir haben es mit dem HSV schon am intensivsten getroffen. Heute zum Glück mal nur Eishockey, Tennis und Formel 1 …
    Also macht was draus.

  10. Jockel 10. Mai 2019 um 10:13 Uhr

    Sagenhafter Blog Grave. Du hast es wirklich drauf. Ich bin mir sicher, dass Du, wenn diese Metamorphose abgeschlossen ist, mit dem Schreiben viel Erfolg haben wirst. Wenn es Dir noch gelingt Deine Emotionen in eine feinere Sprache zu wandeln, werden die Medien Dich bald als Experten adeln.

    Warte nur ab.

    • Gravesen 10. Mai 2019 um 10:17 Uhr

      Werden sie nie. Denn dazu habe ich ihnen zu oft den Spiegel vorgehalten. Für die Medien bin ich ein Aussätziger und ich bin es gern. Denn nicht so zu sein wie sie, macht mich stolz. Sich nicht kaufen und bestechen zu lassen. Die Realität abzubilden und nicht das, was ich als Realität verkaufen möchte. Nicht zu manipulieren und seinen Beruf zu verhöhnen. Ich möchte mit diesen Medien weniger als nichts zu tun haben.

      • Jockel 10. Mai 2019 um 10:40 Uhr

        Und genau darüber solltest Du nochmal nachdenken. Wir haben diese Woche darüber diskutiert wie man etwas bewirken könnte.

        Du könntest etwas bewirken. Denn der Fußball ist nur noch Show.

      • Leonadomitcabrio 10. Mai 2019 um 10:41 Uhr

        Bleib so wie du bist…
        Das ist alles gut so
        Man hat mit Sicherheit Momente, wo man überlegt, ob der eingeschlagene Weg der Richtige ist, wo man sich kritisch hinterfragt..
        Es ist gut so, wie es ist

  11. Jockel 10. Mai 2019 um 10:38 Uhr

    Ich habe den link zum Blog natürlich geteilt. Hier eine Reaktion aus dem Saarland. FCS Fan. Der hat also richtig viel in Sachen „wie macht man einen Verein kaputt“ hinter sich.

    Die Kommentare unter dem Artikel sind auch sehr sehr gut! Einer besser wie der andere 👍🏻

    • Gravesen 10. Mai 2019 um 10:46 Uhr

      Ich hatte das in gestrigen Blog schon kommentiert, aber ich mache es an dieser Stelle nochmal. Ein perfektes Bild für die Glaubwürdigkeit der Medien hat gestern Auftragsschreiber und Fanboy Lars Pegelow abgeliefert. Auf der Homepage des NDR schrieb er am 05.05.2019 (natürlich für ein entsprechendes Honorar als freier Journalist):
      .

      Die Nachricht des HSV am Samstagabend war eindeutig: Hannes Wolf bleibt. Obwohl der Trainer nicht der Allein-Verantwortliche für den Absturz der vergangenen Wochen ist, halte ich diese Entscheidung für verkehrt. Hannes Wolf und die HSV-Mannschaft werden von Woche zu Woche schlechter. Alle Krisen-Maßnahmen sind verpufft: die Mannschaft in Schutz nehmen, die Mannschaft hart kritisieren, ein Kurz-Trainingslager durchführen, die Aufstellung verändern, die Aufstellung nicht verändern. Der Effekt: gleich null. Natürlich gibt auch ein hektischer Last-Minute-Trainerwechsel keine Garantie für ein Happy End. Doch wenn die Mannschaft in den nächsten beiden Spielen ihren Trend fortsetzt und den Aufstieg verpasst, sind Bernd Hoffmann und Ralf Becker die großen Verlierer, weil sie die Trainer-Reißleine nicht gezogen haben

      .
      Gestern Abend dann, vier Tage später, im Idioten-Blog Graupenperle, erneut für ein entsprechendes Honorar:
      .

      Daran ändert die Tatsache nichts, dass einzelne Entscheidungen gegen diesen oder jenen Trainer immer möglich sein müssen – wie bei allen anderen Profi-Clubs auch, und so wie es nach meiner Ansicht auch in der aktuellen Situation legitim gewesen wäre. Unabhängig davon: Die Entlassungs-Häufung in Hamburg und die offenbar stillschweigende Übereinkunft, im Zweifel lieber den Titz-Labbadia-Gisdol-Hollerbach-Slomka-oder sonstwie besetzten-Sessel zur Disposition zu stellen, muss der Vergangenheit angehören..

      .
      Wie soll ich sowas ernst nehmen? Wie soll ich mit einem solchen Wendehals ernsthaft über Fußball reden? Mit einem Idioten, der einmal im Doppelpass erklärt hat, dass Oliver Kreuzer das Beste wäre, was dem HSV passieren könnte. Ich bin unfassbar stolz darauf, mit solchen Pfeifen nicht in einem Topf zu stecken.

      • Jockel 10. Mai 2019 um 10:55 Uhr

        Und ich wäre unheimlich stolz, wenn Du diesen Deppen mal auf eine intelligente und entwaffnende Art und Weise den Spiegel vor den Kopf halten würdest. Anyway. Meine Meinung. 1 1

      • NochNieDerHSV 10. Mai 2019 um 14:22 Uhr

        Hochnotpeinlich. So eine Person kann man nicht ernst nehmen, als „Journalist“ schon gar nicht.

      • Gravesen 10. Mai 2019 um 20:44 Uhr

        Rauchst du irgendwas komisches?

  12. cajunX 10. Mai 2019 um 10:48 Uhr

    „Ahorn Hund? Könnte ich mir gut als Markenbotschafter des HSV vorstellen!“

    Du bist mir vielleicht eine Marke … 😀

  13. Jockel 10. Mai 2019 um 10:58 Uhr

    Es fehlen nämlich nicht nur die Netzers und Assauers vergangener Tage. Es
    Fehlen auch Jungs wie Töpperwien, Klein oder Heller.

  14. cajunX 10. Mai 2019 um 12:25 Uhr

    Ich bin 71 Jahre alt, als 1963 die Bundesliga gestartet wurde, war ich 16 und kickte in der A-Jugend meines Vereins, der damals in der 2. Amateurliga Nordbaden spielte. Samstags trafen wir uns auf dem Sportplatzt und vor der Radio-Konferenzschaltung kickten wir noch 1-25 Stunden draußen auf dem Platz. Gegen 15 Uhr hörten wir auf und ab unter die (kalte) Dusche. Um 15:30 Uhr begann dann die Konferenzschaltung im Süddeutschen Rundfunk (SDR) oder Südwestfunk (SWF). Wir waren bedingt durch die Nähe natürlich alle KSC-Anhänger. Ja und während der Konferenzschaltung gab es da auch Duschen für uns Fans – kalte wie warme, eben richtige Wechselduschen. Ich kann mich an die Saison 1964/65 gut erinnern. Da war alles dabei: Das 1:5 zuhause gegen 1860 München, wo „Radi“ Radenkovic and der Mittellinie stand und mit den KSC-Fans scherzte – in der Rückrunde ging man bei 1860 sogar mit 0:9 unter. Auf der anderen Seite gab es in derselben Vorrunde ein 6:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern und gar ein 7:0 bei Eintracht Frankfurt. Am Ende wären eigentlich Schalke 04 als 16. und Letzter sowie der KSC als Vorletzter abgestiegen und Hertha BSC hätte mit einem Punkt mehr als der KSC nochmals Glück gehabt. Eigentlich – wenn da nicht der erste Bundesligaskandal gewesen wäre,. Man erwischte Hertha BSC bzw. die ließen sich dummerweise erwischen, da sizum einen zu hohe Ablösesummen an die abgebenden Vereine und vor allem zu hohe Handgelder an die Spieler zahlten. Etwas, was eigentlich alle Vereine taten bzw. gezwungen waren zu tun.

    Was tun auf die Schnelle? Wie immer wenn der DFB die Pfoten im Spiel hat, entschied sich der DFB für die schlechteste aller Alternativen. Die Bundesliga spielte ab der Saison 1965/66 mit 18 Vereinen, Schalke und der KSC mußten nicht absteigen, Hertha BSC mußte zwangsabsteigen und stattdessen rückte Tasmania 1900 für Hertha BSC nach. Tasmania 1900 wurde von dieser Entscheidung, die sich durch nichts angeseutet hatte, vollkommen kalt erwischt. Der DFB ließ dem Verein gerade einmal 4 Wochen Zeit eine Mannschaft für die Bundesliga zusammenzustellen. Die Vereine, die etwas Geld hatten in Berlin, waren eben Hertha BSC und Tennis Borussia. Tasmania holte den gealterten Nationalspieler Horst Szymania aus Italien zurück und ein paar eher durchschnittliche Spieler. Es war von vornherein klar, daß der erste Absteiger Tasmania 1900 heißen würde. Tasmania muß bis heute Häme für eine Situation einstecken für die es absolut nichts konnte. Die Häme hätte dem DFB und seinen Nazi-affinen Funktionären gehört.

    @Bezahlung als Vertragsspieler und als Profi
    Ich will an dieser Stelle kurz ausführen, wie die Unterschiede in der Bezahlung zwischen Deutschland und Profiligen wie Italien oder Spanien war. Der ehemalige Spieler des KSC-Vogängervereins VfB Mühlburg, der nach Meinung einer der besten Offensivspieler der Welt war und den die meisten Fachjournalisten klar besser wiee Fritz Walter hielten, hatte 1952 genug von Herbergers ewigen und falschen Versprechungen und akzeptierte ein Angebot des italienischen Serienmeisters AC Turin, die nach dem Flugzeugabsturz 1949, bei dem sie ein kopmplettes Team verloren, eine neue Mannschaft aufbauen mußten. Nach eigenen Angaben hätte Buhtz in Deutschland 150 Jahre Fußball spielen müssen ums das gleiche zu verdienen wie im ersten Jahr Italien. 150.000 DM Jahressalär waren unglaublich viel, man müßte heute Vergleiche mit den bestbezahlten Stars von Barca, Real oder Juventus anstellen. 150.000 Dm in Italien und in Deutschland waren nicht mehr als 400 DM monatlich erlaubt. Hier waren sie ja nur Vertragsspieler, keine Profis. Daß die deutsche Nationalmannschaft 1954 Weltmeister, 1958 Vierter und 1966 Zweiter wurden war unter diesem Drecks-Verband ein Wunder und ist unvergleilich – selbst wenn unsere heute hochbezahlten Stars irgendwann mit 10 Sternen auf der Brust antreten.

    Wiki Horst Buhtz:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Buhtz

    • Fohlenstall 10. Mai 2019 um 12:53 Uhr

      Interresanter Einblick!
      Danke 🙂

  15. Leo Kirch 10. Mai 2019 um 14:15 Uhr

    Für alle Interessierten in Sachen Kommerzialisierung des Fußballs sei hier einmal auf Horst Dassler und seine ISL verwiesen. Der betrieb schon seit Anfang der Achtziger das große Geschäft (gegen Schmiergeld) mit den Vermarktungsrechten. Dabei war auch schon ein gewisser Herr Beckenbauer nebst Berater Schwan. Und als die ISL pleite ging, da kam mein Namensgeber zur Hilfe und kassierte ab. Und als Leo nicht mehr konnte, da tauchte unser Freund Netzer inklusive Dreyfus auf und verleibte sich alles mit der Infront ein, die jetzt dem chinesischen Wanda-Konzern gehört. Und wer ist wohl Chef von Infront? Der Enkel von Sepp Blatter.

    Good old times are long gone.

  16. Saschas Alte Liebe 10. Mai 2019 um 14:26 Uhr

    Über die Kunst mit Widersprüchen und Fehlern freudvoll und zufrieden leben zu lernen …

  17. Greer 10. Mai 2019 um 14:36 Uhr

    Ich mag mich irren, meine mich aber an einen Linnebrügger-Artikel vor einigen Monaten zu erinnern, in dem der HSV als „zu groß für diese (2.) Liga“ erachtet wurde. Jetzt sehe ich in der MOPO gerade einen Artikel mit der Überschrift „Die Dauerkrise im Volkspark: akzeptiert endlich den Verfall des möchtegerngrossen HSV“, der allerdings nicht aufrufbar ist, es erscheint die Fehlermeldung 404. Wenn dieser Artikel tatsächlich mal veröffentlicht wurde oder auch nur in Planung stand, dann zeigt er deutlich das Vorgehen der Medien: einfach nur dem Fan nach dem Mund reden. Widerwärtig!

    • Saschas Alte Liebe 10. Mai 2019 um 19:13 Uhr

      Ja, daran erinnere ich mich auch.
      Linnebrügger ist selbst so etwas wie ein 404 Fall in persona.

    • jandpunkt 10. Mai 2019 um 21:14 Uhr

      Den Artikel gibt es definitiv. Ist heute in der Print-Ausgabe auf Seite 2-3 als „Meine Meinung“ von Formesyn…

  18. CH 10. Mai 2019 um 14:53 Uhr

    Zum sehr guten Blog heute noch zwei Erinnerungen an die Zeit der puren Vorfreude und Spannung, die der ein oder andere hier vielleicht teilt:

    In der Sportschau wurden Ende der 70er/ Anfang der 80er nicht alle Spiele gezeigt. Zum Beginn der Sendung drehte der Moderator drei oder vier Tafeln in Fussballoptik und -form um, dass war schon mal das erste Highlight: wird HSV gezeigt? Alle Spiele gab es dann später im Sportstudio, erst dann hatten es alle Bänder in den Sender geschafft.

    Dann natürlich das Weltpokalfinale in Tokio gegen Gremio Porto Alegre. An einem Sonntag und wegen der Zeitverschiebung morgens um 8 Uhr und dann noch live! 1983 war das so aufregend und besonders, so was wie meine persönliche Mondlandung.

    Zum Status Quo: Ex-FIFA Offizieller Guido Tognoni hat neulich im „Sportgespräch“ im DLF davon gesprochen, dass der Fußball zum Äquivalent der Fahrstuhlmusik geworden ist, etwas belangloses, das dauernd im Hintergrund läuft.

    Ein Jammer, aber leider nicht mehr zu ändern genau wie ungleich wichtigere Themen wie Erderwärmung und das Artensterben.

    Was bleibt sind wohlige Erinnerungen an die vielfach beschriebenen Zeiten mit Kurt Emmerich & Co.

  19. SausT 10. Mai 2019 um 15:59 Uhr

    @greer
    der Artikel in dem Fischeinwickelpapier ist von dem Kolumne schreibenden Lehrer gewesen.
    Er teilt ordentlich aus.
    Sehr gut geschrieben.
    HSV-Obere, Schreiberlinge und Hüpfer kräftig auf den Pott gesetzt.
    Ich dachte, das kommt von Grave.
    Schade, dass ich es nicht gespeichert habe. Lesenswert!

    • Greer 10. Mai 2019 um 16:26 Uhr

      Ah, der Formeseyn… weiß nicht, den fand ich bislang immer etwas sehr aufgesetzt, und da auch meine Frage: warum erst jetzt? Aber gut, bedankt für den Hinweis!

      • Saschas Alte Liebe 10. Mai 2019 um 19:15 Uhr

        Warum erst jetzt? Die übliche Nachtreterei, wenn die Realität nicht mehr zu vertuschen ist, ganz einfach. Winde drehen sich, und Fähnchen mit…