Wahrheit oder Pflicht

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber mir kommt bei der Lektüre der heutigen Baukasten-Interviews regelmäßig das Frühstück hoch. Irgendwie hat man im Jahr 2019 den Eindruck, als wenn man ein Interview gelesen/gehört hat, man hätte alle gelesen/gehört. Weichgespülte Standard-Sätze, die im Anschluss noch dem Berater vorgelegt und teilweise vom Anwalt freigegeben werden müssen – atomgähn. Bestes Beispiel dafür war doch die kürzlich getätigte Stellungnahme von Herrn PML10Maschine, der tatsächlich meinte, seinen Wechsel nach Katar zu al-Kohlrabi nicht etwa mit monetären Gründen erklären zu müssen, sondern, weil dieser Welt-Verein eine unfassbare Tradition hätte.

Also – wenn’s die Andere nicht machen, mach‘ ich es. HSV-Arena wird nun also einige Fragen platzieren und im Anschluss zwei Antwort-Variationen zur Verfügung stellen, die PR-Version und die ehrliche Version. Auf gehts.

HSV-Arena: Herr Boldt, wie lange mussten sie überlegen, als das Angebot vom HSV kam?

Boldt: „Keine Sekunde. Der HSV ist immer noch eine große Nummer im deutschen Fußball und eine Riesen-Herausforderung. Außerdem ist Hamburg die Stadt, in der ich immer leben wollte“

Boldt: „Naja, hätte auch nur irgendein Verein aus der Bundesliga, aus Spanien, Italien oder England angerufen, wäre ich heute dort. Hat aber keiner und ich brauchte dringend einen Anschluss-Job nach meinem Aus in Leverkusen. Und in Hamburg wird immer noch geil bezahlt (lacht)“

HSV-Arena: „Herr Boldt, wie sehen sie die Chance für einen Wiederaufstieg des HSV im zweiten Anlauf?“

Boldt: „Nun, ich glaube, in Hamburg sind die Erwartungen grundsätzlich sehr hoch und natürlich gehört dieser Traditionsverein in die Bundesliga. Entsprechend ist der Wiederaufstieg auch das erklärte Saisonziel, keine Frage“ 

Boldt: „Ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal, ich gehe ohnehin nur davon aus, dass ich maximal zwei Jahre hier bin. Und wenn man Hamburg ein wenig beobachtet hat, weiß man, dass ich sowieso fliege, wenn der HSV nicht aufsteigt. Aber egal, für die nächsten zwei Jahre ist mein Gehalt gesichert und nur das zählt. Außerdem kann man sich mit Bernd wunderbar die Bälle zuspielen, so bei Transfers und so (grinst)“

HSV-Arena: „Herr Hunt, bei ihrer letzten Zusammenarbeit mit Dieter Hecking hat es nicht so gut gepasst, teilweise waren sie in Wolfsburg vom Trainer aussortiert worden. Was macht ihnen Hoffnung, dass es diesmal anders wird und was haben sie gedacht, als sie hörten, dass der neue HSV-Trainer Dieter Hecking heißen würde?

Hunt: „Das sehe ich ganz locker. Ich schätze Herrn Hecking sehr, seine Erfolge sprechen für sich. Außerdem sind wir beide Profis und werden demnächst in einem klärenden Gespräch die Vergangenheit aufarbeiten. Am Ende liegt es nur an mir, ob ich spiele oder nicht. Ich werde in der nächsten Saison auf jeden Fall voll angreifen“

Hunt: „Mein erster Gedanke? Ach du Scheiße, jetzt sind sie hier also auch auf den Blender reingefallen. In Wolfsburg ist die Wurst mal Zweiter geworden, weil er mit Benaglio, Rodriguez, Vierinha, Luiz Gustavo, Arnold, de Bruyne, Schürrle, Perisic und Dost überragende Spieler im Team hatte. Der Typ ist maximal überschätzt, aber wenn sie meinen. Ich habe noch mindestens einen Vertrag für zwei Jahre und eigentlich tun mir meine Knie und mein Rücken eh zu doll weh zum kicken. Dann mache ich einfach ein wenig Belastungssteuerung und gucke von außen zu, wie sich die Blinden blamieren, mir doch Latte“

HSV-Arena: „Herr Kinsombi, was haben sie gedacht, als sicher war, dass der HSV auch in der nächsten Saison in der zweiten Liga spielen wird?“

Kinsombi: „Das spielte in meinen Gedanken ehrlich gesagt keine Rolle. Ich bin zur Zeit und der Reha nach meinem Schienbeinbruch und arbeite hart dafür, zum Trainingsauftakt fit zu sein. Außerdem habe ich in Hamburg ja nicht nur für ein Jahr unterschrieben“

Kinsombi: „Alter, ich habe sowas von gekotzt. Noch ne Saison in dieser Graupenliga, wieder nach Sandhausen und Heidenheim, anstatt nach München und Dortmund. Dann hätte ich auch in Kiel bleiben können, da hatte ich wenigstens mein Segelboot in Schilksee liegen. Aber was soll’s, Hauptsache, die glauben hier immer noch den Schwachsinn von meiner Beteiligung an der Ablöse und dem Gehaltsverzicht. (lacht schallend)“

HSV-Arena: „Herr Hoffmann, nach der katastrophalen Rückrunde hat der HSV den direkten Wiederaufstieg verpasst. Dennoch wurden bis heute bereits wieder 21.000 Dauerkarten für die nächste Spielzeit an den Mann gebracht. Haben sie eine Erklärung?“

Hoffmann: „Die HSV-Fans sind absolut einmalig, Champions League-reif. In keinem anderen Verein in Deutschland stehen die Anhänger so treu hinter ihrem Klub wie in Hamburg. Es ist nun an uns, diesen Vertrauensvorschuss zurück zu zahlen“.

Hoffmann: „Die HSV-Fans sind absolut einmalig dämlich, total bescheuert. In keinem anderen Verein in Deutschland lassen sich die Hüpfer derart nachhaltig verarschen wie in Hamburg. Wie wir spielen oder was wir kassieren, ist denen komplett egal, in Hamburg gibt es seit Jahren keinen Leistungsgedanken mehr. Nur so konnte ich ja auch zurück ins Büro des Vorstandsvorsitzenden (hihi)“

HSV-Arena: „Herr Pollersbeck, mit Heuer-Fernandes hat der HSV einen neuen Torhüter mit Liga-Erfahrung und Ansprüchen auf die Nr, 1 verpflichtet. Wie reagieren sie?

Pollersbeck: „Grundsätzlich: Konkurrenz belebt das Geschäft, ich kenne Daniel und bin ein heimlicher Fan. Dennoch werde ich selbstverständlich meinen Platz im Tor nicht kampflos räumen und weglaufen werde ich schon gar nicht. Für den Verein kann es nur gut sein, wenn er zwei starke Keeper im Team hat“

Pollersbeck: „Ist mir scheißegal. Wenn ich nicht mehr die Nummer 1 bin, muss ich auch nicht mehr so ätzend viel trainieren. Dann habe ich noch mehr Zeit zum Feiern und …. (gröhl)“. Außerdem habe ich bereits jetzt genug Geld verdient, glaube ich jedenfalls.“ 

HSV-Arena: „Sakai-San, nach einigen gemeinsamen Jahren in Hamburg werden nun in der neuen Saison einige alte Weggefährten fehlen. Glauben sie, dass sich die Abgänge von Lasogga und Holtby bemerkbar machen werden?

Sakai-San: „Pierre und Lewis waren ganz besondere Spieler, u.a. auch Nationalspieler für Deutschland. Ihr Weggang wird nicht leicht zu kompensieren sein, aber so ist nun mal der Lauf der Dinge. Ich wünsche Beiden bei ihren neuen Vereinen alles Gute“

Sakai-San: „Was bin ich froh, dass diese Lutscher endlich weg sind. Diese dicke Volltapete, die jedem in der Kabine ständig ihre Kontoauszüge unter die Nase halten musste, zum kotzen. Und erst dieser dauer-labernde Grinsekasper, der zu doof war, sich seine Spintnummer zu merken. Hoffentlich wird Lasagne in Katar beim Klauen erwischt. Noch eine Saison und wäre bereit zum Harakiri gewesen. Echt jetzt“

HSV-Arena: „Herr Hinterseer, statt Bochum, jetzt Hamburg. Was war entscheidend für ihren Wechsel aus dem Ruhrpott an die Elbe“?

Hinterseer: „Mich reizt die Herausforderung. Der HSV ist immer noch ein großer Verein mit viel Tradition und tollen Fans. Außerdem begeistert mich das tolle Stadion und die Visionen der Klubführung. Ich will beim Projekt Wiederaufstieg helfen“

Hinterseer: „Schaun sie, ich bin 28 Jahre alt und verdiene in Hamburg das Doppelte wie in Bochum. Was soll’n also diese depperten Fragen?“

HSV-Arena: „Herr Boldt, wenn sie an die HSV-Hymne „Hamburg, meine Perle“ denken, welche Zeile fällt ihnen als erste ein?“

Boldt: „Ich denke, es ist: „Hamburg, meine Perle, du wunderschöne Stadt“

Boldt: „Wenn du aus Leverkusen kommst, dann lass den Jonas gleich zu Haus“

HSV-Arena: „Herr Kühne, Hand aufs Herz: Glauben sie eigentlich noch an eine echte Wende beim HSV?“

Kühne: „Ich habe bekanntlich immer gesagt, dass sich beim HSV vieles ändern muss, man wollte nicht auf mich hören. Ich habe auch gefordert, dass sich andere Mitglieder finanziell engagieren, ich kann nicht immer der Einzige sein. Ob man nun mit der neuen sportlichen Führung den Dreh schafft, wird man sehen“

Kühne: „Bis auf Marcell Jansen, alle raus. Hier bleiben immer nur die Luschen hängen, der Boldt kann sich ja nicht mal allein rasieren. Wenn ich nicht bald Ehrenbürger werden, flippt ich eh aus“

HSV-Arena: „Herr Jansen, haben sie das Gefühl, dass man beim HSV nun endlich die richtigen Entscheidungen getroffen hat, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein?“

Jansen: „Ich denke, wir haben beim HSV jetzt die bestmögliche personelle Konstellation, um in Zukunft erfolgreich sein zu können.“

Jansen:  „Ich denke, wir haben beim HSV jetzt die bestmögliche personelle Konstellation, um in Zukunft erfolgreich sein zu können.“

 

Von | 2019-06-09T08:56:05+02:00 9. Juni 2019|Allgemein|9 Kommentare

9 Comments

  1. ReneD 9. Juni 2019 um 08:26 Uhr

    Okay mit dem letzten hast du mich dann doch zu lachen gebracht… beim Rest war mir eher nach heulen zu Mute…

  2. Weltmeister. 9. Juni 2019 um 08:27 Uhr

    😂
    – ohne Worte –
    Frohe Pflingsten.

  3. Rothose78 9. Juni 2019 um 08:39 Uhr

    👍😂

  4. Saschas Alte Liebe 9. Juni 2019 um 09:59 Uhr

    Ich denke, die haben beim HSV jetzt die letztmögliche personelle Konstellation, um in Zukunft erfolgreich sein zu können.

    • Leo Kirch 9. Juni 2019 um 10:50 Uhr

      Es fehlt noch die Ultima Ratio der Block‘schen Verschwörung. Felix Magath als Trainer und Spodi mit VV Jansen.

  5. Joachim Schaefer 9. Juni 2019 um 11:20 Uhr

    😂😂😂😂

  6. Michael 9. Juni 2019 um 11:39 Uhr

    Genau so. Alle Beteiligten machen doppelte Buchführung: eine Version für die sedierte Öffentlichkeit, eine zweite für den Saldo auf dem Konto. Die zweite kann nur despektierlich sein, niemand der Handelnden achtet noch den HSV.

  7. Gravesen 9. Juni 2019 um 19:13 Uhr

    gähn. Eckposten = Vollpfosten.

  8. ausgegliedert 10. Juni 2019 um 12:15 Uhr

    Ich hätte erwartet, Cello stimmt ein nettes Liedchen an wie „ein Hoch auf uns“.

    Zumindest kann auch diese Sommerpause wieder frühzeitig ein Fazit verkündet werden: Es wird eine geile Saison!

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