30 km – und die Welt ist in Ordnung…

Da sitze ich hier und denke über dumme Sprüche nach, an denen es im Umfeld des HSV nie gemangelt hat und auch heute noch nicht mangelt. Und wenn ich an dumme Sprüche denke, denke ich automatisch an Übungsleiter Dieter „Schnappi“ Hecking und seine zahllosen Abrechnungen mit Kritikern und Medien, bei denen die angeblichen kritischen Äußerungen, auf die sich der dünnhäutige Dieter bezog, zu 99% seine regen Phantasie entsprangen. Hecking sieht Kritik und Feinde, wo es Hofberichterstattung in Endlosschleife gibt und nur er könnte beantworten, wie er auf den Käse überhaupt kommt. 

Ganz konkret fällt mir dieser göttliche Spruch ein, als Hecking meinte, übersteigerte Kritik würde es nur in Hamburg selbst geben, denn wenn er die Stadtgrenzen ca. 30 km hinter sich lässt, ist die Welt noch in Ordnung und die begeisterten Fans fallen ihm rudelweise um den Hals. Mal abgesehen davon, dass ich das für absoluten Mumpitz halte, könnte es dennoch sein, dass ein Teil der Anhänger, die etwas weiter vom Volkspark entfernt wohnen, einen leicht abgeänderten Bick aufs Gesamte haben könnten und man könnte sich fragen, woran das liegen kann. 

Werfen wir dafür einen kurzen Blick über den Teich ins Groß-amerikanische Reich mit seinem Führer Donald John Trump. Wer in diesem Land nur Fox News konsumiert und @Real_DonaldTrump auf Twitter folgt, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit all die Lügen und Betrügereien glauben, die ihnen der Geisteskranke Cäsar auftischt. Wer niemals CNN oder CBS schaut, wer nie die New York Times oder die Washington Post liest, glaubt wahrscheinlich, in einem heilen Land zu leben. So ungefähr könnte ich mir auch einen Grund vorstellen, aus dem Fans aus Osnabrück oder Waldmichelbach denken könnten, der große HSV sei wieder einmal auf dem richtigen Weg. Denn was kosumieren diese Leute denn bzw. was bekommt man fern der Silvesterallee an Informationen? 

Wohne ich im Saarland und bekenne mich zum HSV, dann bringt es mich nicht weiter, wenn ich die BILD kaufe. Denn in der Bild/Saarbrücken werde ich nichts über den HSV finden, das Thema spielt dort keine Rolle. Das Hamburger Abendblatt und die Mopo ist dort wahrscheinlich nur schwer zu bekommen, also bleibt das Internet. Nur, was passiert, wenn ich Artikel über den HSV auf Mopo.de, Bild.de oder (wenn ich ein Abo habe) Abendblatt.de konsumiere und sonst nichts? Mir wird vorgespielt, wie sensationell alles läuft. Einseitige Bildung nennt man sowas. Wenn man dann noch über ein SKY-Abo verfügt und wöchentlich eine Sport-Show, aber keinen Journalismus vorgesetzt bekommt, wird man nie erkennen, was tatsächlich abgeht. 

Macht doch selbst mal den Test. Stellt euch vor, es gibt diesen kleinen Blog nicht. Lest einmal zwei Tage nur Mopo.de und BILD-Online, im Kicker steht auch kaum noch was über den Zweitligisten. Wenn ihr dann noch bereit seid, den Blödsinn zu glauben, weil ihr denkt, dass diejenigen, die über den HSV schreiben, vermeintliche Experten und Insider sind, dann ergibt sich für euch das Bild eines Vereins, bei dem es wie geschmiert läuft. Problem ist nur, das stand in exakt den gleichen Medien auch in den Jahren 2010 bis 2019 und die Ergebnisse sind bekannt, oder?

Nehmen wir nur mal die Headlines der erwähnten Medien von heute.

Kittel bester HSV-Schütze: Da ist noch Luft nach oben (BILD)

HSV-Invasion in Hannover: Rekordverdächtig! 15.000 Gäste-Fans in 2. Liga(Bild)

Golz tippt: Der HSV gewinnt 1:0 (Bild)

Kampf um die HSV-Startplätze: Hecking macht heiß (Bild)

Offizielle Klub-Umfrage: HSV-Fans heiß auf mehr Pyro (Bild)

HSV bei Investor Kühne: Er macht Hoffnung auf neue Stadion-Millionen (Bild)

Bei Aufstieg: Neue Kühne-Millionen für Transfers beim HSV? (Abendblatt)

HSV-Coach Hecking setzt vor dem Nordduell sein Pokerface auf (Abendblatt)

Stefan Kießling: Ex-Kollege schwärmt von HSV-„Kampfschwein“ Pohjanpalo (Mopo) 

Geht man noch eine Etage tiefer, vermeidet den Kontakt mit dem Boulevard und konsumiert stattdessen jeden Tag die peinlich-erkaufte Hofberichterschleimung von Münchhausen Scholz, welchen Eindruck muss man gewinnen, wenn erschwerend hinzukommt, dass man, um diesen Mumpitz ertragen zu können, einen IQ von allerhöchsten 12 sein Eigen nennen kann? Man muss denken, dass der Himmel voller Geigen hängt, der HSV demnächst mehrere Milliarden von Kühne erben wird und im Volkspark Fußball wie von einem anderen Stern gespielt wird. Ich stelle mir immer vor, wie sich diese Leute dann fühlen müssen, wenn sie nach dem mehrmonatigen Konsum dieser Propaganda-Kacke das erste Mal wieder ein Spiel ihres Vereins sehen können, aber ihren Augen nicht trauen wollen, weil sie einfach nicht fassen können, dass man mit dieser Art von Sport sogar Geld verdienen bzw. bekommen kann. 

Und dann…

….stelle man sich vor, man stolpert im Februar 2020 über diesen kleinen privaten Blog. Ein Blog, der vom Betreiber geschrieben und finanziert wird. Ohne seine Leser mit Spendenaufrufen zu bescheißen. Ein Blog, der, anstatt für eigene Belange aufzurufen, eine Spenden-Aktion für Australien-Hilfe ins Leben gerufen hat, während selbsternannte „Fan-Blogs“ mit halb-illegalen Wettbuden paktieren.  Ein Blog, dessen Betreiber einen Scheiß darauf gibt, ob er von irgendwelchen Opfern als „GurkenGravesen“ bezeichnet wird oder ob er täglich mehr als ein Dutzend mal persönlich beleidigt und bedroht wird. Jemand, der gestern das erste Mal hier gelesen hat, nachdem er Jahre lang nur Mopo und Abendblatt konsumiert hat, wird denken, dass ich mir das alles nur ausdenke. 

Wenn es doch nur so wäre….

Von | 2020-02-15T07:43:52+01:00 14. Februar 2020|Allgemein|6 Kommentare

6 Comments

  1. Ex-HSVer im Herzen 14. Februar 2020 um 10:06 Uhr

    Ich frage mich gerade, wie man diesen Verein auch nur noch ansatzweise gut finden kann. Dann musst du doch ein Leben haben in dem du wirklich nichts anderes hast, was dich erfreuen kann. Was für eine inszenierte Scheiße in der Presse!

    Ich finde es jedoch schlimm, dass dieser Verein nicht endlich mal das kriegt, was er verdient: Insolvenz, Jatta Betrug fliegt auf inkl. Punktverlust aller Spiele, wo er auf dem Platz stand.

    • Gravesen 14. Februar 2020 um 10:09 Uhr

      Was lehrt uns die Geschichte? Irgendwann redet einer. Irgendwann kommt alles raus. Hoffmann, Wettstein, Boldt, Scholz und sein „Finanzierungsmodell“. Irgendwann, früher oder später.

      • Ben 14. Februar 2020 um 12:02 Uhr

        Ich glaube Ihr seht dies falsch!
        Es ist wie in den 80er und 90er mit den Daily Soaps, alle haben es geschaut und keiner weiß eigentlich warum! Für diese Produkte bietet der HSV doch guten Ersatz.
        Aber mal im Ernst, ich bin ja nur als Katatrophentourist hier an Bord. Als Werder Fan aus Hamburg muss ich mir seit Jahren schon etwas von Kollegen anhören,
        da ist es ganz nützlich etwas Hintergrund Infos zu haben. Meistens reicht ein kurzer Verweis zu Deinem Blog und schon sind die Diskussion beendet!
        Du (Grave) „bist ein blöder gescheiteter Grieskram“ und ich bin ein blöder Werder-Fan.
        Das erschreckende daran ist, dass mir dies sogar Freunde sagen, die die Universität nicht nur besucht, sondern z.T auch Dr. Titel besitzen.
        Jetzt hat der HSV ja wieder geliefert und alles ist in Butter. Hoffentlich ist Hannover nicht so schwach wie Karlruhe.
        Wünsche Euch ein schönes Wochenende.

  2. F. Ae 14. Februar 2020 um 12:25 Uhr

    Absoluter Mumpitz die Sache mit den Stadtgrenzen. Hier in Münster, genauso auf den Philippinen oder in Gambia. Wer lesen kann und denken WILL, wer seine Fanbrille abnimmt und den HSV betrachtet wie jeden anderen Club, dem wird auch im hintersten Eck der Welt klar, da lief und läuft einiges schief. Oberflächlich betrachtet ist für viele ja erstmal einiges im Lot, zumindest sportlich. Aber schaut man allein über den Sommer hinaus, werden viele Fans abwinken und sagen: Was interessiert mich die nächste Saison? Was interessieren mich die Finanzen, „wenn wir doch alle ablösefrei holen können“? Und Hecking mit seiner Erfahrung bla bla bla. Ich hatte das „Glück“, einen dieser Spacken letztens zu treffen. Unfreiwillig. Nach einer Minute hab ich aufgehört zu argumentieren, er WOLLTE davon gar nix hören, lächelte und sagte: „Komm lass gut sein…“ Und das betrifft leider das Gros der Fans

  3. Demosthenes 14. Februar 2020 um 15:22 Uhr

    Wir leben in einer postfaktischen Zeit. Leider. Merkt man halt überall: Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, etc, warum sollte der Sport davon verschont bleiben. Wobei, was ist dieser Sport anderes als Wirtschaft? Moderner Manchester Kapitalismus, in dem Menschen, sogar Kinder, wie Ware gehandelt werden und die Skrupellosesten die größten Gewinner sind. Persönlicher Profit kommt vor Fakt und Wahrheit: Wahrscheinlich das Grundübel unserer Gegenwart.

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