Bitte, reißt euch zusammen!

Am Samstag findet, wie in Hamburg wahrscheinlich jeder weiß, dass Stadtderby statt. St. Pauli gegen den Hamburger Sport Verein. Es ist ein Fußballspiel, bei dem mindestens 22 Spieler 90 Minuten gegeneinander um Punkte in der zweiten Bundesliga spielen, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um dieses eine Spiel und um drei Punkte, nicht um Leben, Krieg oder Corona-Virus, denkt bitte daran. Ich habe nicht nachgezählt, aber in diesem Spieler zweier Hamburger Mannschaften spielen nicht wirklich viele Hamburger gegeneinander, oder? Aber es sind zwei Hamburger Vereine, die gegeneinander antreten. 

In diesem Spiel wird nicht die Stadtmeisterschaft ausgespielt, es wird nicht entschieden, welcher Verein größer, besser, norddeutscher ist als der andere, also lasst euch nicht von den Medien und Idioten aufhetzen und euch zu Gewalt, Pyro oder ähnlichem anstacheln. Bitte, es ist Fußball und sonst nichts. Wenn ich im Vorfeld lese, wie einige Widerlinge versuchen, aus purem Eigennutz die Situation zu ihrem Vorteil zu nutzen, wird mir kotzübel. 

Ein Derby auf  Kollisionskurs?

(Graupenperle)

St.-Pauli-Boss Göttlich motiviert Pyromanen 

(Graupenperle)

Vor dem Derby HSV-Profi van Drongelen kündigt Veerman die Freundschaft

(Mopo)

Brisant! HSV-Ultras kontern St. Paulis Derbymarsch-Pläne (Abendblatt)

Wobei es bereits am Vorabend ein Stelldichein geben soll: Da treffen sich die HSV-Ultras ab 21 Uhr in den Lokalitäten rund um den Hans-Albers-Platz. 

(Graupenperle)

Immer schön zündeln, gell? Immer schön die Stimmung anheizen und später dann schreiben, dass sich sowas nicht wiederholen darf. Davor wird es wahrscheinlich verletzte Anhänger und Polizisten geben. Und warum? Weil zwei Hamburger Vereine gegeneinander spielen? Sorry, aber das habe ich nie verstanden und ich war viele Jahre HSV-Fan. In erster Linie aber war ich Hamburger, geboren in Eimsbüttel. Und wenn der HSV gegen St. Pauli spielte, war ich selbstverständlich für den HSV. Aber wenn St. Pauli gegen Nürnberg antreten musste, war ich Hamburger. So wie ihr, die ihr am nächsten Samstag ins Stadion gehen und eure Mannschaft anfeuern werdet, die zu 98% aus Nicht-Hamburgern bestehen wird. 

Seid doch einmal schlau und setzt ein Zeichen. Anstatt euch die Birnen einzuschlagen, feiert zusammen ein Fußballfest. Und egal, wer gewinnt, akzeptiert es hinterher. Was denkt ihr, wie sich Fußball-Deutschland wundern würde.

Von | 2020-02-19T21:26:15+01:00 19. Februar 2020|Allgemein|17 Kommentare

17 Comments

  1. Volli 19. Februar 2020 um 07:45 Uhr

    👍

  2. Mosche 19. Februar 2020 um 07:53 Uhr

    Trifft meine Ansicht voll. Befürchte nur bei dem durchschnittlichen IQ am Samstag im Volkspark könnte es eng werden …

  3. Stefan Wagner 19. Februar 2020 um 08:35 Uhr

    Knallen muss es am Samstag….. kriegsähnliche Zustände müssen herrschen. Das Stadion muss brennen und das Spiel abgebrochen werden.
    Dann merken sie vielleicht was und gehen mit aller Macht und allen Möglichkeiten des Gesetzes dagegen vor.

    • Ex-HSVer im Herzen 19. Februar 2020 um 15:09 Uhr

      Schlimm, dass es sowas braucht, damit was zum Besseren passiert, oder?

  4. marlor 19. Februar 2020 um 08:53 Uhr

    Wenn so etwas mal in Mopo oder Abendblatt bzw. Bild stehen würde …. aber dann würden die wohl kein Blatt mehr verkaufen!

  5. jusufi 19. Februar 2020 um 09:50 Uhr

    Im Vergleich zu den letzten drei Duellen ist es nach meinem Eindruck aber auf allen Ebenen recht besonnen: Die Vereine heizen nix an, die Hamburger Medien halten sich für ihre runtergekommenen Verhältnisse zurück und auch die Polizei scheint sich nicht – wie sonst gerne mal – auf einen Bürgerkrieg vorzubereiten, der den Einsatz von 2.000 Robocops, aller verfügbaren Wasserwerfer und Hubschrauber erfordert.
    Vielleicht wird es ja einfach ein normales Fußballspiel.

    Eine andere Frage: Wer, der noch halbwegs bei Sinnen ist, spricht im Jahr 2020 noch von „Stelldichein“, wenn er – vermutlich mit aller ihm möglichen Süffisanz – auf Auseinandersetzungen zwischen Vollspackos beider Lager auf dem Kiez anspielen möchte?

    • Micha 19. Februar 2020 um 14:30 Uhr

      Dieses „Duell“ , ja das muß man schon in Anführügnszeichen schreiben, ist doch wirklich lächerlich.
      Ich war in den 80/90ern leider Teil der Robocops und es war damals schon schlimm, abseits der materiellen Einsätze waren die Kosten für den Staat (HH fordert an-.>Bundespolizei liefert) sind die Kosten enorm.
      Aus all diesen Gründen wird auch der Grundansatz der verfügbaren Kräfte inkl. der notwendigen Reserven angehoben.
      Das kostet.
      Und wenn irgeindein Hool dein Auto zertrümmert, bist Du der erste, der sich über die Scheiß-Bullen beschwert,
      Deshalb sei froh, wenn da viele Polizisten im Einsatz sind, auch wenn der Grund so lächerlich ist und es ein Schande ist, für so einen Mist überhaupt seine Gesundheit zu riskieren.

      • jusufi 19. Februar 2020 um 16:15 Uhr

        Ich komme aus einem sehr polizeinahen Umfeld und beschwere mich nie über die „Scheiß-Bullen“. Ich wage nur zu bezweifeln, dass die Einsatzplanung immer gelingt. Bzw. ob nicht manche Eskalation auch durch massive und bedrohlich wirkende Polizeipräsenz gefördert wird (eben weil viele Honks das Feindbild Polizei pflegen und sich gerne mit ihr messen wollen, um dann über sie zu schimpfen) . Ich beneide keinen Polizisten, der zu solchen Einsätzen muss – im Gegenteil kann ich mir vorstellen, wie beschissen solche Einsätze sind.

  6. Tom 19. Februar 2020 um 14:27 Uhr

    Guter Appell!
    Hoffen wir mal, dass die Hohlbirnen selbst darauf kommen.
    Ich selbst hatte mal ein schönes Erlebnis, wie trotz aller Rivalität gemeinsam Fussball schauen kann. Und zwar war es das EM-Endspiel 1996. ich habe das in einem englischen Pub auf Malte geschaut. Außer mir und meiner damaligen Freundin nur Engländer, die natürlich alle Tschechien angefeuert haben, da die deutsche Mannschaft ja England im Halbfinale rausgehauen hatte. Naja, aus Versehen hab ich beim golden Goal gejubelt. Blicke, Totenstille. Ich dachte, jetzt geht los, die polieren mir die Fresse. Aber nein, ich wurde auf ein Bier eingeladen und konnte mir ne Menge guter Anekdoten anhören. So geht´s auch :-). Und so kann man auch in Hamburg ein Derby feiern. Ohne Ausrasten, ohne Gewalt. Verbal ein paar deftige Sprüche sind natürlich ok, ebenso wie Freude und Schadenfreude. Aber bitte kein Pyro, keine Schlägereien. Insbesondere weil auch viele Frauen, Kinder, Familien unterwegs sind.

    • Ex-HSVer im Herzen 19. Februar 2020 um 15:08 Uhr

      Das gleiche habe ich 1990 in Paris beim Spiel Holland gegen Deutschland in einer Bar erlebt. Die Franzosen waren natürlich in traditioneller Manier gegen die Deutschen und für die Holländer. Beim 2:0 hab ich gejubelt. Alle schauen auf mich und hebten die Daumen, danach haben wir zusammen angestoßen. Weil das nämlich die 95 % normalen Menschen sind und nicht die 5 % Kranken.

  7. Ex-HSVer im Herzen 19. Februar 2020 um 15:04 Uhr

    Super Blog! Damit sprichst Du 95% aller aus der Seele. So wie 95% einfach nur ein Spiel schauen und sich mehr oder weniger engagieren, brüllen, lachen, weinen.

    Es gibt jedoch 5% Geisteskranke, Kriminelle und Ultras, die dafür sorgen, dass es solchen Pressemüll, Gewalt, Straftaten, Verletzte, Sachschaden, Geldverschwendung durch Hundertschaften gibt. Und warum? Aus dem gleichen Grund, warum Lügner immer wieder lügen oder Kinderschänder nach der Entlassung weiter schänden: keine adäquate Bestrafung mit Abschreckungseffekt, so dass das kognitive System meldet: Lass mal lieber.

    Der Staat und die Vereine versagen hier völlig. Es gäbe genug Mittel, das zu verhindern: Alkoholverbot in und um das Stadion und stark betrunkene bekommen keinen Zutritt, lebenslanges Stadionverbot bei Gewalt, Gummigeschosse und Taser gegen Gewalttäter die Verletzungen Unbeteiligter in Kauf nehmen und aggressiv gegen Polizisten sind. Der mangelnde Respekt vor der Polizei und Autoritäten nimmt immer schlimmere Formen an.

    PS: Eine Bitte an Dich, Grave: Da ich gestern erst abends rein geschaut habe… könntest Du mir mal an meine Email die Assi-Kommentare schicken. Ich würde gern mal wissen, was du hier so täglich erleben musst

    • Gravesen 19. Februar 2020 um 15:46 Uhr

      Viel Spaß beim lesen

      • Ich 19. Februar 2020 um 17:25 Uhr

        Kannst Du mir das bitte auch mal schicken?
        Vielen Dank.

        • Gravesen 19. Februar 2020 um 17:39 Uhr

          Done

          • Ich 19. Februar 2020 um 19:26 Uhr

            DANKE!

  8. Matthias 19. Februar 2020 um 16:25 Uhr

    Moin, Ich kann mich den vorherigen Kommentaren nur anschließen.
    1992 war ich mit meiner Freundin (heute Frau) in Dänemark campen.
    Natürlich haben alle das Finale geguckt, quasi mein erstes Public viewing auf dem Campingplatz. Nachdem klar war, Dänemark hat das Finale gerockt, haben alle friedlich gefeiert. Und trotz unvernünftigen Alkoholkonsums sind alle respektvoll und freundschaftlich miteinander umgegangen und das lag nicht nur daran, dass ich Dänisch spreche. Man muss halt auch ein fairer Verlierer sein. Das wissen einige Schwachköpfe nur leider nicht oder haben dies noch nie erlebt.
    Grüße Matthias

  9. Ich 19. Februar 2020 um 18:01 Uhr

    OMG!!!!!!!
    Ich habe gerade einen kurzen Auszug zu lesen bekommen. Widerlich!!!!!!!!!!!!

    Aber abgesehen von den schlimmen Honks hier habe ich auch positive Fan-Erfahrungen machen dürfen.

    Bei der EM 1996 habe ich mit Iren einen unvergesslichen Abend verbringen dürfen. Ich habe noch immer Kopfschmerzen und ein lächeln in mir…

    Außerdem war ich bei dieser EM, die jeder zur schlimmsten Hooligan EM schreiben wollte, als Ordner dabei. Als Ordner im England/ Holland Block und ich hatte echt Schiss! Das war in Düsseldorf und die ganze Stadt war abgeschottet und mit Holz vernagelt 🙂

    Ach was haben wir gefeiert. Engländer und Holländer. Alle gemeinsam.

    Hier entstanden Freundschaften die noch heute bestehen….

    Wieso können die das nicht ?

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