Medien ohne Fußball

Nun also der Beweis, den keiner mehr brauchte. 

 Die US-Strafverfolgung zeigt in einer neuen Anklage, wie sich Russland und Katar durch Bestechung von FIFA-Funktionären die WM sicherten.

Was seit vielen Jahren dunkle Vermutung war, scheint sich zu bewahrheiten: Russland und Katar haben die Fußball-Weltmeisterschaften 2018 bzw. 2022 gekauft.

Die US-Strafverfolgungsbehörden bringen in einer erweiterten Anklageschrift zum FIFA-Prozess neues Licht in ein perfides System von Korruption und Abhängigkeiten – viele zwielichtige Funktionäre des Weltverbandes haben sich demnach vor der WM-Doppelvergabe 2010 mit Millionenbeträgen bestechen lassen.

Ehrlich jetzt? Will mir irgendjemand erzählen, dass ihn das jetzt vom Hocker haut? Oder eine Leichtathletik-WM am Golf? Oder Tausende von anderen sogenannten „Sportereignissen“ von Sochi bis Singapur? Die WM 2006 in Deutschland, das sogenannte Sommermärchen, war gekauft und bezahlt wie wahrscheinlich jedes Großereignis seit den Weltmeisterschaften 1966 und auch bei der bin ich mir nicht sicher. Man stelle sich mal vor: Olympische Spiele im Sommer und Winter in der gleichen Stadt. Und nun will mir jemand erklären, dass Peking nicht dafür abgedrückt hat? Ich frage mich nur, warum man es nicht einfach offensichtlich macht. Warum vergibt man Spiele welcher Art nicht einfach an den Meistbietenden? Er kriegt sie am Ende ja doch, aber die Funktionäre könnten sich nicht mehr die Taschen vollstopfen. 

Guckt ihr euch in diesen Tagen auch die Berichterstattung über Sport an, der nicht existiert? Ich finde es zum Niederknien, welche Blüten diese Corona-Krise treibt. Welche uralt-Stories aus den tiefen der Archive gekramt werden, Stories, die keine Sau interessieren. Thorsten Fink wird zu Corona-Fällen in Japan befragt, die Mopo kramt Peter Knäbels zwei Spiele als Cheftrainer raus, es ist so erbärmlich. Noch zwei Monate Corona und die Freunde in den Sportredaktionen sind wahlweise suizidgefährdet oder alkohlkrank. Und dann haben wir ja noch die Geschichten, die ansonsten nicht geschrieben werden. Der Liebensleben der Greenkeeper oder der letzte Urlaub des Debitoren-Buchhalters am Müggelsee. Schade nur, dass sich kein Schwanz dafür interessiert 🙂

Dies wäre die Zeit, wirklich einmal investigativ oder aufklärend unterwegs zu sein. Man könnte das Wirken des Herrn Beiersdorfer zwischen 2014 und 2017 beleuchten. Man könnte die Transfers des HSV im Zusammenhang mit den Herrn Struth und Calmund anschauen. Man könnte die kranke Abhängigkeit des KSV von „Gönner“ Kühne analysieren und erklären, warum Kühnes Engagement dem KSV mehr geschadet als genützt hat. Aber dazu müsste man ja seinen Job verstehen und beherrschen und wer kann/will das schon? Dann doch lieber alte Konserven ausgraben und hoffen, dass sich der Sturm bald verzieht. 

Von | 2020-04-09T07:00:34+02:00 8. April 2020|Allgemein|7 Kommentare

7 Comments

  1. Tobi 8. April 2020 um 08:12 Uhr

    Man hat doch mal was gutes gemacht u über Helm Peter berichtet 🙂

    • Gravesen 8. April 2020 um 08:20 Uhr

      Gut wäre gewesen, wenn man diese Kreatur kastriert hätte.

      • Leo Kirch 8. April 2020 um 09:32 Uhr

        Der Vogel erheitert mittlerweile auch auf YouTube mit solch Perlen der deutschen Grammatik wie:
        „Helm Peter ist begeistert die Spieler vom KSV gucken Helm Peter seine Videos!„
        „Mein Kater trinkt lieber aus den Hahn“
        „Es gibt nur ein Marcel Jansen! Er wird den KSV gut tun.“

  2. Effpunkterr 8. April 2020 um 10:37 Uhr

    Der lächerliche gestrige MoPo – Artikel über Knäbel war ein deutliches Eingeständnis: mit den aktuellen, weitaus schwerer wiegenden Peinlichkeiten des HSV 2020 WILL man sich garnicht befassen.

    Dabei wäre jetzt, nach dem Umbau der Chefetage, dessen Hintergründen und dem ruhenden Ball die beste Gelegenheit.

    Aber wie gesagt: muss man wollen.

  3. jusufi 8. April 2020 um 11:20 Uhr

    Der gemeine MoPo-Leser will über Hintergründe nichts wissen, schon gar nicht über unangenehme Hintergründe. Er begnügt sich mit geschönten News zur aktuellen Situation und einem pseudokritischen Blick in die Vergangenheit.

    • Nichtkunde 8. April 2020 um 15:18 Uhr

      Der gemeine Mopo-Leser möchte sanft mit Clickbait-Überschriften mit möglichst vielen sinnfrei aneinandergereihten positiven Schlüsselwörtern eingelullt werden während er sein(e) Frühstüchsbierchen schlürft.☝️

      Zur Not tut es natürlich auch ein Live-Stream, der den Greenkeeper oder Dino Hermann beim Schneiden der Fußnägel zeigt.

  4. TCvonderanderenElbseite 8. April 2020 um 17:52 Uhr

    Ich bin immer noch schockiert, zu lesen, dass bewiesen wurde, dass die WM´s erkauft wurden.
    Nun erzähl mir noch einer, dass es in Pornos nicht um wahre Liebe geht und ich bin raus!

    Am Ende behauptet noch jemand Donald Trump sei kein echter Präsident…

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