Zum Nachdenken…

Behalte ich die aktuelle Taktung bei, dann dürfte es in exakt 5 Tagen soweit sein. Was ich meine? Ich hätte dann in den letzten 8 Jahren meinen 2.000sten Blog geschrieben. Halt, natürlich nicht ich allein, denn einige Weltklasse-Blogs hat natürlich Kerberos verfasst und uns auf verständliche Art und Weise in de Welt der Betrugs-Finanzen eingeführt. Auch wenn man es vielleicht nicht glauben möchte, auch Daniel Jovanov hat mal einen Gastblog in der HSV-Arena verfasst, ist schon länger her, aber deshalb nicht weniger wertvoll. Anyway, wir bewegen uns geradewegs auf Blog Nr. 2.000 zu und hätte man mich im Jahr 2012, als ich mit diesem Projekt begann, gefragt, wie viele es denn wohl werden würden – auf diese Zahl wäre ich nie gekommen. 2.000 Blogs in 8 Jahren bedeuten im Schnitt 250 Blogs pro Jahr. Zieht man Urlaubszeiten ab, eventuelle Krankheits-Ausfälle und natürlich auch Zeiten wie Sommer- oder Winterpausen, in denen nicht allzu viel passiert, ist das schon ne Hausnummer. Finde ich. Denn immerhin habe ich nebenbei einen Job, eine Firma. 

Leser, die schon seit einigen Jahren dabei sind, werden es bemerkt haben, über den eigentlichen Fußball, die Aktion auf dem Rasen, Aufstellungen, Ergebnisse etc. schreibe ich schon lange nicht mehr. Die Erklärung ist einfach: Es langweilt mich einfach, mich auf dem Feld zu tummeln, auf dem alle spielen und außerdem finde ich die Themen inzwischen einfach nur noch öde. Es ist mir klar, dass es immer noch eine Zielgruppe gibt, die sich für nichts anderes interessiert als für gelaufende Kilometer oder Passquoten und diese Zielgruppe ist unter Garantie größer als die derjenigen, die sich für Hintergründe interessieren. Aber ich habe mich bewusst dafür entschieden, diese Themen weitesgehend auszublenden und ich bin mir dabei im Klaren, dass ich damit eine große Anzahl an potenziellen Lesern verlieren bzw. nie erreichen werde. Ich nehme das bewusst in Kauf. 

Ein weiterer Aspekt ist, neben der „exlusiven“ Auswahl der Themen, die (überaus) kritische Herangehensweise, aber das hat Gründe. Ich schreibe bzw. beschreibe die Vorgänge in diesem Verein nicht auf die von mir gewählte Weise, weil ich deshalb bessser schlafen kann oder weil ich jemanden ärgern möchte (naja, manchmal schon 😉 ), sondern weil ich der Meinung bin, dass es wichtig ist. In Zeiten von bezahlter Hofberichterstattung und medialem Einheitsbrei ist es meiner Auffassung nach wichtig, dass es zumindest eine Stimme gibt, die die Ereignisse aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und wenn ich meine Trefferquote der letzten 8 Jahre ansehe, lag ich mit meiner Sichtweise deutlich öfter richtig als der Mainstream, eigentlich so gut wie immer. Jedesmal, wenn mich jemand fragt, wie es angehen kann, dass ich ohne Akkreditierung, ohne Zugang zum Verein und seinen Protagonisten, ohne Unterstützung so oft richtig liegen kann, antworte ich immer das Gleiche: Nimm einfach die Vereinsbrille ab, gucke dir die Dinge so an, wie sie sind und nicht so, wie du sie gern hättest und dann zähle 1 und 1 zusammen. Wenn man diesen Tipp beherzigt, kann man kaum in die Tonne greifen. 

Nun ist es in diesen digitalen Zeiten so, dass sich im Grunde jeder, der ein Smartphone und einen Internetzugang besitzt, zu jedem Thema zu jeder Zeit äußern kann und die (angebliche) Anonymität des Netz animiert viele verdrehte Personen dazu, ihre sogenannte Meinung zu äußern. War es vor ca. 20 Jahren noch so, dass man bei einem Verlag oder einem Sender angestellt gewesen sein musste, um zu publizieren, so ist heute im Grunde jeder Einzelne von uns ein Publizist. Einfach eine Facebook-Page, einen Instagram- oder Twitter-Account erstellen und los gehts. Wenn das, was jemand geschrieben hat, nur von einer anderen Person gelesen wird, hat er publiziert. Dies hat leider nicht nur positive Auswirkungen. 

Mal angenommen, ich hätte diesen Blog spätestens nach der Ausgliederung 2014 anders gestaltet. Ich hätte mich in die Gruppe der Jetzt-wird-alles-gut-Brüller eingereiht und von da an all die Schwachsinnigkeiten, die dieser Verein in Serie produzierte und produziert, mit Beifall bedacht. Mit anderen Worten: Ich hätte mich zu einem Fan-Blogger entwickelt. Wie wahrscheinlich wär es, dass ich heute nicht knapp über 2.000 Follower auf Facebook, sondern eher 20.000 hätte? Möglicherweise hätte sich der Verein mir gegenüber geöffnet und mich als Transportmittel für seine Propaganda genutzt. Eventuell hätte sich auch ein potenter Sponsor gefunden, der meinen Fan-Blog im Münchhausen-Style gepimpt hätte. Warum habe ich das nicht gemacht? 

Die Antwort ist einfach: Weil es falsch gewesen wäre. Lieber verzichte ich auf Geld und Follower und eine Anbindung zum Verein und nehme stattdessen all die Stalker, Opfer und Idioten in Kauf, die täglich meinen Spamorder zumüllen. Die mir Drohmails zugeschickt haben, bis ich sie geblockt habe. Die mich mehrfach zum Duell am Affenfelsen aufgefordert haben (viele Grüße an Kai aus der Kiste Kastning, du fehlst nicht), um sich mit mir schlagen zu wollen. Weshalb? Weil ihnen nicht gefiel, was ich geschrieben habe!! Über einen Fußball-Verein!! Das Irre dabei ist – sie wissen, dass ich Recht habe, aber sie dürfen es nicht zugeben. Denn dann müssten sie sich ja eingestehen, dass sie all die Jahren danebengelegen haben und das geht nicht. 

Also, liebe Leser und Stalker. Liebe HSV-Fans und Ex-HSV-Fans. Liebe Arena-Freunde und Arena-Hasser. Demnächst ist die 2.000 voll und das erfüllt mich nicht nur mit Stolz, es zeigt mir auch, wie viel Energie und Zeit ich in dieses Projekt investiert habe, das mich bis heute ausschließlich Geld gekostet hat. Vielleicht nochmal kurz zum Thema Inhalt und Themen, weil es mir zum Schluss noch einfällt. Wenn ihr BILD, Mopo, Abendblatt, Kicker oder Sport1-Leser seid, wir oft lest ihr in allen diesen Publikationen zusammen Themen wie in diesem Blog? Zweimal die Woche? Seltener? Die Journalisten, die sich dort tummeln, bedienen die Aktualität, für die Hintergründe, dann auch noch kritisch betrachtet, fehlt die Zeit, die Motivation und vielfach aus die Intelligenz. Wie viel leichter ist es, über den nächsten Eventuell-Transfer oder über Vagnomans Flankenversuche zu schreiben, als über Verhaltensweisen, Charaktere, Aussichten, Finanzen, Hintergünde etc. Für einen Blog in diesem Blog muss man nachdenken, recherchieren und teilweise kreativ sein, nicht abschreiben und kopieren. 

Danke für eure Zeit und einen schönen Vatertag.

P.S. Ich bin so unendlich froh, dass wir in diesem Blog keine „Kommentatoren“ haben, die komplett belämmerte Aufstellungswünsche in Endlosschleife posten. Denn dann hätte ich bereits vor 7 Jahren aufgehört.

Von | 2020-05-24T17:39:53+02:00 21. Mai 2020|Allgemein|12 Kommentare

12 Comments

  1. Hannover1958 21. Mai 2020 um 08:03 Uhr

    Ich lese immer noch, wie seit vielen, vielen Jahren den kicker (jetzt übrigens online für 99 Cent die Woche). Die aktuellen Berichte über die einzelnen Mannschaften der ersten und zweiten Liga lese ich eigentlich garnicht mehr. Dort wird meistens über einzelne Spieler berichtet, wie ihr familiäres Umfeld ist und ihre Hobbys sind. Was mir dann auch im Laufe der Zeit auffiel ist, das einige Redakteure irgendwelche Statistiken (Notendurchschnitt, Ballkontakte u.ä.) in einen ellenlangen Bericht verfassen, obwohl man einfach die Tabellen hätte veröffentlichen können. Kritische Berichte über z.B. finanzielle Lagen der Vereine kommen eigentlich nur wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt. Das interessanteste sind für mich inzwischen Rückblenden, Interviews ehemaliger Spieler bzw. Trainer und die Berichte ab 3. Liga und Regionalligen.

  2. Fohlenstall 21. Mai 2020 um 08:52 Uhr

    Moin Zusammen,
    sehr gut ge/beschrieben Grave! In der Tat hebt sich dieser Blog
    von den vielen normalen Fussiblogs gravierend ab.Du hast Dir
    quasi ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen! Nicht schlecht
    also für einen „neidischen,missgünstigen Menschen“,der ja nix
    anderes wollte,als beim KSV einen verantworlichen Posten zu
    bekleiden 🙂
    Also,in diesem Sinne:Dir auch einen schönen Vatertag,und
    „Stay Strong“,Ulrich Hetsch!!

  3. Demosthenes 21. Mai 2020 um 09:25 Uhr

    Was man nicht lesen braucht: BILD, SportBILD, Kicker, MoPo, Abendblatt, HSV.de, Graupenperle.
    Was man lesen muss: HSV-Arena, 11Freunde.

    Danke für mehr als 1995 blog-Beiträge. Danke für Deine Zeit, Ehrlichkeit, Standhaftigkeit, Zielstrebigkeit, Kompetenz, Durchhaltevermögen, finanziellen Opfer und nicht zuletzt auch Deinen sehr unterhaltsamen Schreibstil.

    Sehr interessant finde ich den Gedanken, dass sämtliche Journalisten und Vereinspersonen diesen blog zwar öffentlich komplett ignorieren, aber wahrscheinlich alle heimlich mitlesen.

    Schönen Feiertag Dir und allen Lesern.

  4. Mosche 21. Mai 2020 um 09:47 Uhr

    Schönen Feiertag Dir und allen Lesern.
    Wiederholungen langweilen und deshalb habe ich dem Nichts hinzuzufügen!
    Ich sage nur ein Wort,
    „Vielen Dank“ 😀

  5. Carsten Haase 21. Mai 2020 um 10:31 Uhr

    Moin zusammen,

    was für‘n super Gefühl! Kein scheiß Sky mehr, keinen Doppelpass, keine Sport-Bild – lieber diesen Blog und auch mal etwas spenden 😉

  6. Goofy 21. Mai 2020 um 14:01 Uhr

    Moin, ich fühle mich hier bestens informiert, Hut ab für die viele Mühe, das Aushalten von Widerständen und dem Ignorieren der bestimmt widerlichen Kommentare der verblendeten Hüpfer. Wir brauchen viel mehr Leute in den Medien mit deiner Einstellung, damit die Medien auch die vierte Gewalt bleiben und nicht der Schosshund irgendwelcher Abgreifer a la Boldt, Wettstein und der überbezahlten Fussballtreter.

  7. Ex-HSVer im Herzen 21. Mai 2020 um 18:43 Uhr

    Dann gratuliere ich schon mal vorab! Auf die nächsten 2000!!! Kompliment für die Hartnäckigkeit, immer wieder in der Scheisse zu graben und trotz der Gehässigkeit vieler asozialer Spacken nicht aufzugeben.

    Irgendwann ist auch der HSV sauber.. alles braucht seine Zeit. Spätestens wenn Kühne das Zeitliche segnet..,

    • Gravesen 21. Mai 2020 um 18:45 Uhr

      Ich kann dich beruhigen, nochmal 2.000 werden es nicht 🙂

  8. VSabi 21. Mai 2020 um 19:45 Uhr

    DFL geht ganz relax mit dem weiteren Coronafall in Dresden um, werden halt Ersatztermine ausgemacht. Mit Sicherheit wird der HSV für einen Abbruch der Saison plädieren, hat man jetzt Platz 2 der Liga erreicht, was gleich Aufstieg bedeuten würde. Überfliegt nur einmal den Nebenblog, hier stellen Top-Trainer ständig die Mannschaft für das Bielefeld-Spiel auf in dem Glauben, Hecking würde sich hiernach entscheiden. Die andere Hälfte der Anhängerschaft Rautenperle beschäftigt sich auf Grund der Tabellenplatzierung, für einen Abbruch der Saison. Dies ändert sich schlagartig sollte der HSV bald wieder auf Platz 3 landen. ARME TRÄUMER

  9. Tim 21. Mai 2020 um 22:39 Uhr

    Warum legt der VfB Einspruch gegen den 11er ein?
    Die haben alle Angst nein Schiss, dass der ganze Zirkus schneller beendet wird , als es der Geldbörse lieb ist.

  10. Joachim Schaefer 22. Mai 2020 um 07:04 Uhr

    Glueckwunsch Grave,

    für mich ist HSV Arena zur unverzichtbaren Morgenlektüre geworden. Scharfsinnige Perspektiven, Ross und Reiter genannt. Keine Kopien, niemals Langeweile. Spende geht raus.

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