Verarschung, die 437ste

Wie tief soll das eigentlich noch gehen? Man verpflichtet einen erfahrenen Bundesliga-Trainer, der sich selbst schon im Amt eines Nationaltrainers sieht. Man verpflichtet einen selbstherrlichen Clown von einem Champions League-Teilnehmer als Sportvorstand. Man bezahlt seiner untalenierten Truppe von durchschnittlichen Zweitliga-Bolzern mehr als € 35 Mio. pro Saison, damit sie wieder einmal in der zweiten Hälfte der Spielzeit krachend versagen. Und dann sowas? 

Dass es trotzdem immer wieder Tiefphasen gibt, kann Sportvorstand Jonas Boldt nachvollziehen. „Die Jungs wollen alle, aber in Spielsituationen wie nach dem 2:2 gegen Wehen spüren sie auch die Last der letzten zehn Jahre des HSV auf ihren Schultern. Und das sieht man ihnen dann auch an“, sagte Boldt dem „Kicker“. Zwar sei insbesondere nach der Corona-Pause jeder Punkt wichtig fürs Selbstvertrauen gewesen, weiß Boldt, „aber mit jedem nicht gewonnenen Spiel kam der Druck zurück“. (Quelle: Mopo.de)

Wie geil. Sie spüren den Druck der letzten 10 Jahre. Also Spieler, die erst seit wenigen Monaten hier sind, Spieler, die lediglich ausgeliehen sind und wieder zu ihren eigentlichen Vereinen zurückkehren werden, spüren den Druck, der durch das Versagen von van der Verrat und Benny Lauth verursacht wurde? Eines muss man den Kaspern um Wettstein, Boldt und Hecking hat lassen – keine Ausrede ist so dumm und lächerlich, dass sie diese nicht trotzdem ziehen würden. Der Eine fordert die Presse offen zur Kooperation auf, der Nächste erklärt, dass der Pleite-Klub plötzlich ein Krösus des deutschen Fußballs ist, natürlich ohne Beweis. Und der Dritte im Bunde erklärt nun das erneute Versagen mit „Druck“. 

Warum Hecking so verärgert war
 
Doch Heckings kurze Lunte hatte eine Vorgeschichte. Der verdiente (aber doch sehr glückliche) 3:2-Sieg gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Wiesbadener war gerade erst ein paar Sekunden Geschichte, als er gemeinsam mit Sportchef Jonas Boldt und Pressesprecher Till Müller auf einen Interviewtermin mit Sky wartete.
Und während die erleichterten HSV-Protagonisten auf die Hecking-Schalte ins TV-Studio warten mussten, schauten sie sich das Sky-Interview mit Matchwinner David Kinsombi auf einem kleinen Monitor am Spielfeldrand an – und konnten nicht glauben, was sie da hörten. So musste der zweifache Torschütze, der erstmals nach fast sieben Monaten wieder von Beginn an spielen durfte, zunächst keine Fragen zum mutmaßlichen Befreiungsschlag und seinen Toren beantworten, sondern vor allem zum Torwartwechsel.
 
Als anschließend auch Hecking vom Sky-Reporter mit dieser Thematik gleich zu Beginn des Gesprächs konfrontiert wurde, platzte es aus dem emotionsgeladenen Trainer heraus. „Sie sind Außenstehender“, blaffte er den Fragesteller an. „Ich bin im internen Zirkel, und nur ich kann letztendlich beurteilen, wer im Tor zu stehen hat und wer nicht. Ich wusste, dass die Frage kommen wird. (…) Zu der Fragestellung fällt mir aber nichts ein.“
 
Hecking gibt Ärger über Sky zu
 
Am Morgen danach war das Kriegsbeil wieder begraben. „Was ich manchmal ein wenig vermisse, ist ein gewisses Gespür und ein Verständnis für die Situation und dem daraus resultierenden Druck, der auf manch einem lastet“, sagte der längst wieder tiefenentspannte Hecking – und gewährte einen Blick in sein Seelenleben.
„Natürlich können wir nach dem Spiel gegen Wiesbaden nicht von einer guten Leistung sprechen. Die große Leistung meiner Mannschaft aber war, dass sie den großen Willen gezeigt hat, dieses extrem schwierige Spiel zweimal zu drehen.“
Tatsächlich war die Erleichterung nach dem Schlusspfiff nur kurz zu spüren – „und dann kommen nur Fragen zum Torwartwechsel. Da muss ich zugeben: Das hat mich geärgert. Da habe ich das Gefühl als Trainer, dass ich meine Jungs ein bisschen schützen muss.“ (Quelle: Abendblatt.de)
 

Sorry, aber zu dieser Art von fehlender Professionalität fällt mir nichts mehr ein. Offenbar kann „Schnappi“ Hecking nur mit Fragen umgehen, die ihm in die Karten spielen. Der Mann ist ein Amateur. 

Die Vögel sind einen Schande für diesen Verein, jedenfalls für den Verein, der er einmal war und nie wieder sein wird. Dieser Verein hat in all den Jahren ein seltenes Händchen dafür entwickelt, immer die größte auf dem Markt befindliche Pfeife zu finden und langfristig zu verpflichten. Aber, ist es nicht klasse, wie man in der Führung des KSV bereits dabei ist, Ausreden für das nächste Scheitern zu finden? Hecking macht überall Feinde und Skeptiker aus, die die Knie schlottern lassen, Boldt findet die Gründe für die nicht vorhandene Weiterentwicklung liegen daran, dass Letschert beim Zweikampf an Eljero Elia und die Saison 2010/11 dachte und sich deshalb bewegt wie ein Blinder im Minenfeld. 

Vielleicht noch ein Wort zu Herrn Pollersbeck. Der Torhüter hat gegen Wiesbaden (17.) ein normales Spiel abgeliefert, er hat aber auch zwei Gegentreffer kassiert. Allein der Versuch, aufgrund dieses einen Spiels, in dem er hielt, was er halten musste, ihn nun zum Retter der Enterbten machen zu wollen, zeigt die gesamte Panik, Konfusion und Hilflosigkeit dieses Vereins. Ich erinnere an die letzte Saison, als sich der Ex-U21 Nationaltorhüter zum faulen Trainingsschwein und zum Fliegenfänger entwickelte und nun soll er plötzlich das Symbol des Aufstiegs werden? Und wie kann es eigentlich sein, dass unserer Freund Aaron Hunt, der ansonsten nach jedem zweiten Spiel belastungsgesteuert mindestens zwei Wochen ausfällt, nun plötzlich während englischen Wochen spielfähig ist. Könnte es damit zusammenhängen, dass sich sein Millionenvertrag nur dann verlängert, wenn er auf eine bestimmte Anzahl von Spielen kommt? 

Merke: Beim KSV geht es immer noch ein wenig peinlicher und dümmlicher.

Von | 2020-06-05T15:47:52+02:00 3. Juni 2020|Allgemein|12 Kommentare

12 Comments

  1. Jo Schaefer 3. Juni 2020 um 08:47 Uhr

    Stichwort Hunt – bemerkenswert oder? Plötzlich gehts. Ich kenne zwar keine Details, aber ich denke, dass nur noch 3-4 Einsätze fehlen für die automatische Vertragsverlängerung. Das hätte man, vorausgesetzt man kann weitsichtig denken, spätestens in der Winterpause klären können. Und wenn man für die automatische Vertragsverlängerung hätte einen Sonderboni zahlen müssen. Ob Aufstieg oder nicht, das „Vergnügen“ Hunt wird teuer und nimmt den Platz eines anderen Spielers.

    Stichwort Schnappi – was so ein wenig untergeht in der Diskussion ist die Att und Weise des Torhüterwechsels. Das HF kein geiler Keeper ist, ist jedem klar. Aber hat er die Punkte verloren? Wohl kaum. Der gewinnt zwar keine Spiele und seine Strafraumbeherrschung erinnert an Praljia, aber sicher ist er nicht verantwortlich für Stuttgart und Fürth alleine gewesen. Nachdem Der Dieter nun die gesamte Saison gebetsmühlenartig vom großen Rückhalt und Souverän HF gefaselt hat, macht er ihn kurzer Hand zum Sündenbock. Und das nur aus dem einen Grund sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Als klar wird, dass das nicht ohne Nachfragen gelingt, gelingt es dem Dieter nicht souveräne Antworten zu finden und das Thema selbstverständlich vernünftig abzuarbeiten. Was für ein Charakter! Ex – Bulle halt. Wer schon mal mit dieser Spezies versucht hat zu diskutieren, kennt deren sensationellen Skills in Kommunikation und Argumentation. Kurz gesagt – Schnappi ist nicht nur ein Ignorant, er ist ein A….Loch dazu.

  2. Matze 3. Juni 2020 um 09:36 Uhr

    Natürlich kann nur Hecking oder jemand aus dem internen Zirkel die Fragen zum TW-Wechsel beurteilen. DESWEGEN werden ihnen ja auch diese Fragen gestellt.

  3. Demosthenes 3. Juni 2020 um 10:23 Uhr

    Man stelle sich vor, die Gurkentruppe steigt wirklich in die erste Liga auf… und dann warten solche Gegner wie Bayern, Dortmund, Leipzig und Gladbach: Wie soll Schnappi dann auf Fragen zu den Fünfnulls, Sechsnull und Zehnnulls antworten, ohne seine Zunge vor Wut zu verschlucken, wenn er jetzt schon so sensibel reagiert? Und welche Druck-Legenden will Boldt noch ausgraben, wenn er jetzt schon alles Pulver nach dem Wehen Wiesbaden-Spiel verschossen hat?

    Oder ist es so, dass die beiden damit rechnen, dann ohnehin nicht mehr im Amt zu sein? Zumindest kann dann Aaron nach seiner so dann so überaus glaubwürdig erspielten Vertragsverlängerung den Posten des Sportvorstands besetzen. Oder gleich den SpodiTrainer in Personalunion geben.

  4. HamburgerJung70 3. Juni 2020 um 10:32 Uhr

    Diese Amateure wissen wirklich nicht, wie man Zahlen interpretiert bzw. Heldengeschichten erzählt…

    https://m.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/neustart-der-bundesliga-ard-raetselt-um-geringe-sportschau-quoten-16797923.html

    • atari 3. Juni 2020 um 11:18 Uhr

      Man könnte schon einen Protest vermuten.
      Sky behauptet die Zahlen bei ihnen sind normal. Scheinbar schauen die Leute auch Fußball, weil sie dafür bezahlen und das Abo bei Sky noch läuft. Interessant werden die Abo-Zahlen für die kommende Saison. Da werden wir sehen, wieviel Interesse am Geisterfußball besteht, bei dem der Deutsche Meister schon am 1. Spieltag feststeht.

    • Jo Schaefer 3. Juni 2020 um 12:18 Uhr

      Damit hast Du sicher recht, aber Zahlen lügen nun mal nicht… Interessant wird es, wenn dieser Trend anhält und zwar über diese Saison hinaus. Denn dann würde das in sich zusammenbrechende Kartenhaus automatisch die Wertschöfpfungskette sensibel verändern und damit automatisch die Absurdität der Ablösesummen, Gehälter, Beraterhonorare, etc auf das rechte Maß stutzen. Wirklich schöne Zahlen.

    • Rudi 3. Juni 2020 um 15:01 Uhr

      Aus dem Artikel: „Das Topspiel zwischen dem FC Bayern und Düsseldorf am vergangenen Samstag etwa sahen 1,03 Millionen Fans“
      Es ist schon erstaunlich, was alles das Prädikat „Topspiel“ bekommt. Ich weiß, dass das die Bezeichnung für das Samstag-Spiel um 18:30 Uhr ist, aber auch diese inflationäre Verwendung von Superlativen hat Gravesen hier schon einmal thematisiert.

  5. Corny 3. Juni 2020 um 12:52 Uhr

    Pollersbeck spielt doch nur aus einem Grund…
    Er muss ins Schaufenster gestellt werden um einen Abnehmer zu finden.
    Schön wenn das finsnzielle über dem sportlichen steht.
    Oder wie man in Hamburg sagt: nur der KSV!!

  6. Micha 3. Juni 2020 um 16:47 Uhr

    Lieber Grave,
    zunächst mal Glückwunsch nachträglich zum Jubileumsblog. Ich bin mit meinem Wunsch wohl nicht allein, wenn ich mir noch 2000 weitere Blogs wünsche!
    Nimm diesen Haufen Scheisse auseinander, bis er auch zusammen bricht.

    Die Verrücktheiten rund um den KSV werden von dir einfach brilliant seziert und aufgebahrt, sprachlich noch mal humorvoll locker aufgebohrt.
    Oft mußte ich Tränen lachen….“vollgepisste Handtasche“…..
    Es ist ein Genuß, diesen Blog zu lesen! Das gilt auch für die zahlreichen Kommentatoren hier, deren Meinungen ich ebenso verschlinge. Alles High Quality.
    Hau rein.
    LG, Micha

    • Gravesen 3. Juni 2020 um 16:52 Uhr

      Danke dir, Micha, aber nochmal 8 Jahre werde ich mir garantiert nicht antun. In ca. 10 Tagen erscheint das Buch und dann gucke ich mal, wie viel Zeit ich noch investieren möchte. Und wer weiß – vielleicht gebe ich den Staffelstab einfach weiter und jemand anderes schreibt dann hier…

  7. Micha 3. Juni 2020 um 17:09 Uhr

    Dafür nicht, Grave. Dafür nicht !!! DU hast mich das erste mal darauf aufmerksam gemacht, dass beim KSV etwas nicht stimmt. Und dank deiner Recherchen konnte ich mich endlich von diesem großkotzigen Verein trennen. Du wirst noch eine Weile am Ball bleiben. Und wenn man dich richtig hasst, weißt Du das deine Linie stimmt.
    Mach weiter!

    • Corny 4. Juni 2020 um 14:01 Uhr

      Alles richtig…
      Aber „wenn man Dich richtig hasst, weißt Du das Deine Linie stimmt“ ist Bullshit.
      Sorry.
      Terroristen machen also alles richtig?
      Trump?
      Erdogan?

      Nein, man muss nicht everybody’s darling sein, aber aus Gegenwind darauf zu schließen, dass man recht hat ist schlichtweg falsch.

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