Ihr tut mir leid!

Liebe Hamburger Staatsmedien, liebe Hamburger Journalisten-Simulanten, ihr tut mir leid. Ehrlich, ich möchte nicht mit euch tauschen. Ihr sitzt da in euren Büros und jedes Jahr, jede Katastrophen-Saison später, zittert ihr mehr um eure Jobs. Um eure Privilegien. Um ein Ansehen, welches ihr schon seit so vielen Jahren nicht verdient. Für das Berufsbild eines Journalisten, so wie ich es verstanden habe, seid ihr eine Schande, durch die Bank. Es gibt keine Ausnahmen, nicht eine. Ihr berichtet nicht über das, was ist (obwohl ihr es wisst), sondern über das, was sein soll. Was in den Köpfen eurer durch euer Zutun verblödeten Leser sein soll. Und was in diesen Köpfen sein soll, das verkauft. So gesehen seid ihr schon viele viele Jahre keine Berufsschreiber und Berufssprecher mehr, ihr seid Verkäufer und zwar ziemlich armselige. 

Dabei habt ihr noch großes Glück, denn in Hamburg existiert beharrlich die Legende der überkritischen Presse, das Märchen einer Medienstadt, die nichts besseres zu tun hat, als den großartigen KSV durch beständige Kritik am Erfolg zu hindern. Hinter dieser Fabel könnt ihr euch seit Jahrzehnten verstecken und niemand weiß besser, dass diese Sprüche jeglicher Realität widersprechen, als ihr selbst. Denn die Wahrheit sieht anders aus, sie entspricht dem genauen Gegenteil dessen, was eure hüpfenden Leser behaupten. Ihr kritisiert nicht, ihr supportet. Ihr hinterfragt nicht, ihr beklatscht. Ihr analysiert nicht, ihr wiederholt. Ihr wiederholt das, was euch vom Verein vorgesetzt wird oder was ihr aufgrund von eklatanter Faulheit und fehlender Kreativität von anderen Kollegen abschreibt. 

Dabei ist es nicht so, dass euch niemand Hilfe anbietet. Im Jahr 2018 erschien das Buch „Der Abstieg“ von Daniel Jovanov und Tobias Escher und in diesem Buch wurde detailliert aufgearbeitet, warum der KSV heute der Verein ist, der er ist und wie es dazu kommen konnte. Ihr hättet nun dieses Buch zum Anlass nehmen können, euren Lesern das zu präsentieren, was der Wahrheit entspricht und ihr hättet für die folgenden Reaktionen nicht einmal die Verantwortung übernehmen müssen. Ein sogenannter Shitstorm wäre euch erspart geblieben, denn ihr wärt nur die Übermittler der Botschaft, nicht aber die Urheber gewesen. Ihr habt dieses wichtige Buch ignoriert und bis auf eine Randnotiz im Abendblatt boykottiert. Warum? Weil ihr genau wisst, welchen unterirdischen Job ihr seit vielen Jahren macht und nicht wollt, dass es jemand begreift. Auf der anderen Seite verlegt das gleiche Abendblatt im selben Jahr ein mehr als überflüssiges Werk eines abgehalfterten Ex-Journalisten, der Geschichten aus einem anderen Jahrtausend zum X-ten Male wiederkäut. Diese Buch wird bis zur Besinnungslosigkeit unterstützt und es wird dennoch nicht gekauft.

In diesem Jahr hattet ihr die erneute Chance, euren Lesern die Wahrheit über diesen Verein zu präsentieren, ohne euch selbst die Finger schmutzig machen zu müssen und ihr habt exakt so reagiert wie vor zwei Jahren. Was nicht sein darf, das ist nicht. Im Falle des Buches „Alles andere ist Propaganda“ spielt allerdings im Unterschied zu „Der Abstieg“  noch ein anderer Faktor eine Rolle, denn in diesem Buch werden eure Praktiken und eure Unfähigkeit demaskiert. Es wird ungeschminkt dargelegt, wie ihr arbeitet und welche Schuld ihr am Untergang eines eins großartigen Vereins tragt. Insofern war eure Reaktion auf dieses Buch nicht nur vorhersehbar, sondern logisch. Wer möchte schon eine Dokumentation des eigenen Versagens präsentieren? Ein Insider, selbst Journalist in eurem Dunstkreis, schrieb in dieser Woche in einer internen Nachricht: „Herr Hetsch beschreibt absolut korrekt, wie sich der Boulevard und das Abendblatt demaskiert. Er hat diese Leute ertappt“. 

Wisst ihr was, liebe Hofberichterstatter? Ich bin stolz, sehr stolz sogar. Ich bin stolz, euch jeden Tag zu ertappen und stolz, von euch ignoriert zu werden. Ich bin stolz darauf, dass ihr Angst hattet, ich könnte in euer Refugium Pressetribüne eindringen und eurer schändliches Treiben noch besser beleuchten. Ich bin stolz darauf, dass ihr alles in eurer Macht stehende getan habt und weiterhin tun werdet, um mich auszugrenzen. Denn durch eben diese Ausgrenzung weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin und bleiben werden. Vor ca. 30 Jahren wollte ich nichts lieber sein also so wir ihr und heute wird mir schlecht bei dem Gedanken, dass aus mir jemand wir ihr hätte werden können. Danke dafür, dass ihr mich jeden Tag bestätigt. Zur Zeit bekomme ich zahlreiche Nachrichten. Teilweise per Mail, teilweise per Whatsapp, teilweise sind sie direkt addressiert, teilweise weitergeleitet. Darunter befinden sich auch einige Nachrichten von bekannten Personen, die in diesem Verein einmal eine Rolle gespielt haben und teilweise immer noch spielen. Die Äußerungen sind, obwohl unterschiedlich formuliert, im Tenor alle nahezu identisch. „Endlich schreibt das mal einer, die Beobachtungen von Medien und Verein teile ich zu 100%, ich stimme mit dem Autor absolut überein etc.“ Ich bedauere es, dass sich keiner der Herren öffentlich zu seiner Meinung bekennt, aber auch das ist ein Problem dieser Zeit. Die „Drecksarbeit“ soll ein anderer machen, die Schläge soll sich ein anderer abholen. Traurig, dass heute kaum noch jemand bereit ist, euch die Stirn zu bieten.

Und, wie aufs Stichwort, bekomme ich die nächste Bestätigung für eure endlose Heuchelei. 

Der Kühne-Kreislauf hat den HSV dahin gebracht, wo er heute ist

 Er könnte tatsächlich ausbrechen aus dem nun schon zehn Jahre andauernden Kühne-Kreislauf, der den Club dahin gebracht hat, wo er heute steht. Er könnte tatsächlich einen neuen Weg gehen und nicht wie in jedem Sommer davon reden, um am Ende doch wieder die gleiche Nummer in Schindellegi zu wählen. Er könnte tatsächlich eine neue Kultur entwickeln, die etwas mit Leistungskultur zu tun hat und nicht mit einer Kultur von Seilschaften. ((Quelle: Abendblatt.de)

Ehrlich, eure ekelhafte Heuchelei, eure unverhohlene Doppelmoral ist nicht mehr zu ertragen. Bis vor 3 Wochen habt ihr den Mann noch als „Gönner“ gefeiert, ihr vom Abendblatt seid immer die Ersten, die in Schindeleggi anrufen, um O-Töne zu bekommen. Und jetzt plädiert ihr plötzlich dafür, euch von Kühne zu lösen? Ich schreibe seit mehr als 4 Jahren davon und durfte mir 1000 mal anhören, dass der KSV ohne Kühne schon längst tot und ich ein Pester und Hater sei. Ihr springt mal wieder kurz vor Ultimo auf den fahrenden Zug auf und es ist euch noch nicht einmal peinlich. 

Übrigens: Mein Buch „Alles andere ist Propaganda“ steht immer noch auf Platz der Amazon Bestseller-Liste für „Bundesliga & DDR-Oberliga“. Und ihr müsst immer noch jeden Tag in den Volkspark fahren und um Stimmen betteln. Oder Deals machen. Oder euch kaufen lassen. Oder abschreiben. Ihr tut mir leid. 

Von | 2020-07-21T07:24:41+02:00 17. Juli 2020|Allgemein|22 Kommentare

22 Comments

  1. hamuburgmini 17. Juli 2020 um 08:44 Uhr

    Moin,

    sehr schön! Genau dieses beschriebene Verhalten der Presse hat den traurigen Weg des HSV mit bestimmt. Seilschaften, Fanboy – Gehabe statt objektiver Berichterstattung.
    Keine Unabhängigkeit, stattdessen hat sich die Presse auch als willfähriger Gefährte positioniert und war sich auch nicht zu schade Personen die etwas ändern wollten „abzuschießen“ (siehe Arnesen)….

    Dabei machen sich die Medien somit zu Mittätern und tauschen kurzfristige Verkaufszahlen mit Ihrer eigenen mittel- und langfristigen Daseinsberechtigung – ergo sie rationalisieren
    sich selbst weg..

    Das objektive Berichterstattung auch anders geht und keineswegs mit sinkenden Auflagen in Verbindung steht zeigt die ZEIT. Hier würde ich mir mehr Sport aus dem Regionalen wünschen, aber vielleicht kommt das ja noch… Ist nur als Beispiel genannt, ich bin jedenfalls froh, mein Abendblatt – Abo vor Jahren gekündigt zu haben und BILD / Mopo alles andere als ernst zu nehmen..

    Danke für diesen offenen Blog Grave, es stimmt, niemand traut sich daß auszusprechen, was Du hier in Worte packst.

  2. MM 17. Juli 2020 um 08:53 Uhr

    Mir tun diese Damen (?) und Herren keineswegs leid,

    sie leben exakt das Leben, das sie sich ausgesucht haben. Ich habe ja auch kein Mitleid mit dem ehemaligen Vorstand von Wirecard.

    Sie sind Teil eines Systems, das einzig darauf ausgerichtet war, sich selbst weiter zu nähren, auf Kosten der Kunden (Mitglieder/Fans) und auf Kosten des Betriebs. Erinnert mich immer wieder an das Verhalten vieler Protagonisten aus dem Film „Der Untergang“.

    „Journalisten“, die sich dem Ethos von Wahrheitsfindung und investigativen Reportagen verpflichtet fühlen, würden objentiv über die finanzielle Handlungsunfähigkeit berichten und auch mal eine Vision ohne Kühne (inkl. Insolvenz, Lizenzentzug und Chance auf einen unterklassigen Relaunch) entwerfen und diskutieren. Tja, davon träume ich wohl noch lange.

    Ich habe viele Empfindungen zu den Hofschranzen, Mitleid ist aber nicht dabei.

  3. Ex-HSVer im Herzen 17. Juli 2020 um 09:12 Uhr

    Ich sag nur: alles richtig gemacht. Punkt.

    Weiter so, Grave! Mit der Konklusion des Falles Daffeh/Jatta/HSV kommt die nächste sich bewahrheitende Prophezeihung. Und beim HSV haben einige Schiss davor, wetten!

  4. Webster 17. Juli 2020 um 10:35 Uhr

    Zu Deinem heutigen Blog, siehe auch Blog-Eintrag vom 02.06.2020 („Die falsche Rolle“)…

    Ich zitiere nur einen kleinen Ausschnitt:

    👉🏼Und wir sollten das Ganze vielleicht einmal richtig einordnen, denn das ist kein Spaß. Hecking redet in dieser PK davon, dass man die Journaille braucht, als Unterstützung „in der medialen Arbeit“.

    Genau nach dieser besagten PK ist mir echt die Kinnlade runtergefallen. Das war der ultimative Beweis für die Hofberichterstattung und eine absolute Frechheit.🤬

    Aber was ist passiert? Ein Aufschrei der „unabhängigen“ Presse? Von irgendwem ein kritisches Wort zu Hecking‘s Statement?

    Mitnichten, sondern es passierte genau das, was Du in Deinem heutigen Blog beschreibst.

    Gibt es eigentlich keinen übergeordneten Presserat der in diesem Fall mal eine öffentliche (!!) Rüge ausstellt oder ist alles eine einzige „Klüngelei“? 🤔

    Irgendwie wünsche ich mir ja, das denen bei BILD und MoPo mal alles um die Ohren fliegt… aber wie sollte das Realität werden, solange die Auflage stimmt?!!!!🤷🏼‍♂️

  5. jusufi 17. Juli 2020 um 11:16 Uhr

    Die famose Hamburger Tagespresse als verlängerter Arm der vereinseigenen Medienabteilung. Das ist in dieser vollendeten Form bundesweit einzigartig, insbesondere dann, wenn man in Rechnung stellt, dass der HSV wenig Anlass gibt, positiv über ihn zu berichten (dass mag in Städten wie München oder Leipzig anders aussehen).

    Zu den „Tätern“ in den Schreibstuben: Es ist ein Kleine-Jungs-Traum mit der Berichterstattung über seinen Verein sein Geld zu verdienen. Nur muss man dann in der Lage und willens sein, die nötige Distanz zum Gegenstand der Berichterstattung zu wahren. Man darf sich nicht durch Gefälligkeiten und Vergünstigungen vereinnahmen lassen oder als Bestandteil des Vereins fühlen. Es ist auch keine Auszeichnung, wenn man bei den Vereinsverantwortlichen wohlgelitten ist.

    Gibt´s in den Redaktionen eigentlich Vorgaben „von oben“, dass an 362 Tagen im Jahr alles und jeder hochgejubelt wird, bevor es dann an drei Tagen zu einer Generalabrechnung kommt, der sich dann unmittelbar eine goldene Zukunft anschließt? Das wäre für mich zumindest eine Erklärung für das Jubelpersertum.

  6. Micha 17. Juli 2020 um 11:48 Uhr

    Herrlicher Blog! Alles richtig!

  7. Libuda 17. Juli 2020 um 13:16 Uhr

    In den Kontext des heutigen Themas passt einer der aus meiner Sicht besten Blogs dieses Jahres aus dem Februar oder so, als du, Grave, dich süffisant- ironisch mit dem Hamburger Journalisten befasst hattest, der sich grosskotzig über die angeblich beschissene Pressetribüne auf der Bielefelder Alm aufgeregt hatte. Man könnte dem nachträglich noch zurufen, er könne sich beruhigen, er braucht da nächstes Jahr nicht hin😎

  8. VSabi 17. Juli 2020 um 13:42 Uhr

    ICh war vor zwanzig Jahren Führungsmitglied in einer der grössten Schallplatten/Tonträger Unternehmen in Deutschland und war unter anderem für die Hamburger Medien zuständig. Das Verhalten dieser Leute hat sich in den janzen Jahren nicht geändert. Wir die Nummer 1, waren bei Konzerten oder Gigs immer die Bevorzugten. Hier wurden unter den Kollegen die Berichte ausgetauscht und fast 1: 1 wiedergegeben. Es wurde in die eigene Tasche gewirtschaftet ohne Rücksicht auf Verluste ! Die kleinen Zeitungen mussten von den Krümmel der Grossen leben. Von Fachkompetenz wenig Ahnung, aber immer für eine Zuwendung empfänglich.
    Nach meiner aktiven Zeit konnte ich meine Abneigung gegenüber Journalisten nie ablegen, leider werde ich durch die Schmierfinken die für den HSV berichten, täglich daran erinnert!

  9. Carsten Haase 17. Juli 2020 um 14:40 Uhr

    Mit einer der besten Beiträge!! Respekt und Glückwünsche zum Buch👍

    • Gravesen 17. Juli 2020 um 14:48 Uhr

      Vielen Dank 🙂

  10. Demosthenes 17. Juli 2020 um 15:23 Uhr

    Lieber Grave,

    ein Super-blog. Dieses Thema kannst Du nicht oft genug ansprechen. Das muss solange auf der Agenda stehen, bis auch der letzte kapiert hat, das die Mär vom schwierigen Medienumfeld nichts als eine einzige große Lügengeschichte ist. Eine Zeitungs-Ente. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und ein exemplarisches Beispiel rausgesucht.

    Am 1.8.2014 erschien im HH Abendblatt ein Artikel von Marcus Scholz unter der Überschrift:

    „Beiersdorf redet nicht viel, er macht einfach.“

    Hier ein paar Textauszüge:

    „Der neue Chef landet seinen ersten Coup, und beim HSV haben alle wieder Spaß. Die Spieler, die Offiziellen – und auch die Fans.“

    „Dietmar Beiersdorf ist die personifizierte Hoffnung – und er wird seiner Rolle gerecht.“

    „Mit Valon Behrami hat der 50-jährige seinen ersten richtig großen Coup gelandet. Den Mittelfeldspieler verpflichtete er für gerade einmal 3,5 Millionen Euro. Obgleich internationale Top-Teams wie Athletico Madrid und Inter Mailand deutlich mehr geboten hatten.“

    „Dukaten-Didi“ macht seinem Namen alle Ehre. Und das leise.“

    „Aber es ist förderlich für den Verein, der „dank“ seiner inzwischen fast vollzählig abgetretenen Protagonisten in Vorstand und Aufsichtsrat als „FC Hollywood“ verhöhnt wurde.“

    „Mehr noch: Es macht den HSV wieder seriös.“

    „Im Trainingslager arbeitet Trainer Mirko Slomka mit der Mannschaft so intensiv, wie ich es seit Jahren nicht mehr erleben durfte. Mängel werden akribisch angegangen, körperliche Defizite aufgearbeitet.“

    „Harmonie trotz Leistungsdruck, das gab es lange nicht.“

    „Weil der HSV wieder Spaß macht. Spieler, Offiziellen – und endlich auch wieder den Fans.“

    „Der Beiersdorf-Effekt greift.“

    Dazu ein Kommentar des unsterblichen Don Martin: „Kotz! Würg! Sprotzel!“

    Hier eine kleine 2014/15-Gedächtnisstütze:

    – Valon Behrami kostete nicht 3,5 sondern 6 Mio Ablöse und machte nur 23 Spiele im Trikot des HSV.

    – Seine Saison-Bilanz: 0 Tore, 7 Gelbe, 1 Rote. Dafür verbreitete er Streß im Team (handfeste Auseinandersetzungen mit Djourou und PML10) und Angst und Schrecken beim Kabinen-Nachwuchs.

    – Nach einem Jahr wechselt Behrami für 3,5 Mio Ablöse zum FC Watford. Dukaten-Didis Spieler-Coup Bilanz: 2,5 Mio Verlust!

    – Der Coup-Spieler sagte später, er „bereue den Wechsel nach Hamburg“.

    – Dukaten-Didi selber wurde von St. Petersburg für eine Millionenablöse geholt. Und nach extrem erfolglosen, dafür aber verlustreichen Jahren beim HSV mit Millionenabfindung gegangen.

    – Harmonie/Leistungsdruck-Trainer Slomka wurde nach den ersten 3 Spielen entlassen: 0:0 gegen Köln, 0:3 gegen Paderborn und 0:2 gegen Hannover.

    – Überhaupt rotierte das Trainerkarussel wie noch nie in einer Saison: Slomka, Zinnbauer, Knäbel, Labbadia

    – PML10Maschine erhielt zu Saisonbeginn einen 5-Jahresvertrag mit über 3 Mio Gehalt/Jahr plus Boni und machte ganze 4 Tore in der gesamten Saison. Ach ja, Hertha bekam für ihn 8,5 Mio Ablöse.

    – Der HSV kam in der gesamten Saison nie über den 13. Tabellenplatz hinaus.

    – Stattdessen stand man in 16 von 34 Spieltagen auf einem Relegations- oder Abstiegsplatz.

    – Am 6. Spieltag stellte die Mannschaft einen neuen Negativrekord auf, da sie erst nach 507 Spielminuten das erste Saisontor erzielte.

    – Weitere Negativrekorde: Man verlor gegen Bayern München mit 8:0 und kassierte die 1.) höchste Saisonniederlage und 2.) die höchste Bundesliga-Niederlage überhaupt.

    – Am Ende stand der Relegationsplatz und der knappe Klassenerhalt (1:1, 2:1 n.V.) gegen den KSC.

    – Und das alles geschah direkt im Anschluß an die größte Strukturreform der Vereinsgeschichte, die Initiative HSV+.

    Unmenschlicher Druck und mörderisches Medienumfeld?

    Wo?

    2014 war der Anfang vom Untergang. Gut, konnte vorher keiner wissen, aber „Beiersdorf Effekt“? Dukaten-Didi macht Namen alle Ehre?“ „Transfer-Coup Behrami“? Harmonie trotz Leistungsdruck“? „HSV macht wieder Spaß“? „Ende vom FC Hollywood“?

    Was für eine gedruckte Gefälligkeitssülze, nur weil man ins Trainingslager nach Stegernbach mitfahren durfte. Das ist kein Journalismus, das ist Korruption. Der Insolvenzblogger hätte lieber Werbefuzzi werden sollen und Reklametexte schreiben, dann wäre er vielleicht noch solvent. Und machen wir uns nichts vor, die Kollegen Shy Killer, Buback Melonie und Konsorten sind kein Stück besser. Nur ein wenig überlebensschlauer.

    Dein Thema, lieber Grave, ist größer als der HSV. Es betrifft die Rolle der Medien und – natürlich – auch die der Fans, die immer und immer wieder auf denselben hingekrickelten Dünnpfiff reinfallen. Reinfallen wollen. Denn wenn wir uns die Jubelarien zu Thioune und Kappen-Klaus und die realitätsallergische Schreibe zu Jatta/Daffeh anschauen, dann hat sich nichts geändert. Im Gegenteil.

    Sorry für die Länge.

    • hamuburgmini 17. Juli 2020 um 16:12 Uhr

      Ganz großes Kino!
      Wahnsinn möchte man sagen und denkt sich den Rest… Diese Art „Stilblüten“ sind es, die den HSV dahin gebracht haben wo sie sind…
      Bereits damals, kurz nach der Rückholaktion hätte seitens der Presse eine „Demut“ einkehren und der HSV objektiver berurteilt werden müssen,
      evtl. hätte der neue Vorstand und AR dann auch etwas anders gehandelt, bzw. wäre früher ein weiteres „Tabula Rasa“ von Mitglieder-Seite gekommen und
      der HSV eventuell a) nicht so in die Abhängigkeit von Kühne gekommen und b) noch erstklassig spielen…

      Vielen vielen Dank für dieses Beispiel – ganz stark

    • dead-alive 17. Juli 2020 um 16:21 Uhr

      „Einige Spieler haben Defekte.“ 🤭

    • Micha 17. Juli 2020 um 22:34 Uhr

      Danke für die Mühe, tolles Kommentar-Highlight!

  11. Goldfather 17. Juli 2020 um 15:55 Uhr

    Soweit alles richtig, jedoch gebe ich zu bedenken, dass es grundsätzlich eher selten vorkommt, dass ein Sportjournalist Ahnung hat von der Sportart über die er berichtet. Ähnlich ahnungslos verhält es sich in ARD, ZDF, SAT1, RTL usw….
    .
    Nicht zuletzt deswegen wurden Experten wie Netzer und Kahn bei großen Turnieren hinzugezogen. Fan und Journalist sein ist das eine und Experte sein das andere.
    .
    Doch neben der mangelhaften Expertise der in Hamburg ansässigen Journalisten, fehlt vor allem die Expertise im Club. Seeler, Magath, Beiersdorfer schließe ich davon aus, da Expertise für mich bezüglich eines modernen Proficlubs auf der Ebene eines Rangnick, Hoeneß, Klopp, Eberl beginnt.
    .
    Der HSV ist nicht zwangsläufig ein totes Pferd auf dem Weg in die heiligen Jagdgründe, da es immer noch möglich ist, dass der Zufall eine derartige Begabung in eine verantwortliche Position spült.
    .
    Manchester United nach Sir Alex Ferguson, Real Madrid ohne Zidane und der HSV ohne Happel. ManU und Real konnten die absolute Talfahrt mit viel Geld zeitnah stoppen. Der HSV befindet sich immer noch auf dem Weg in die Amateurligen.
    .
    Wenn man einmal davon ausgeht, dass der glückliche Zufall, dass ein Wissender in eine verantwortliche Position beim HSV kommt, nicht eintreffen wird, stellt sich die Frage wie der Club sich organisieren muß um dieses Know-How-Defizit auszugleichen.
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    Doch zuallerst muß die Erkenntnis erfolgen, dass man von dem Spiel keine Ahnung hat, so wie ein Alkoholiker einsehen muß, dass er alkoholsüchtig ist, um etwas ändern zu können.
    .
    Sportjournalisten waren und sind zu 99% immer Cheerleader die ihr Fandasein bezahlt bekommen.

  12. jandpunkt 17. Juli 2020 um 17:54 Uhr
  13. Mosche 17. Juli 2020 um 19:31 Uhr

    Lieber Grave,
    Zu Deinem heutigen Blog beziehe ich keine Stellung, weil ich mich für Dein Buch bedanken möchte.
    Kritik muss ja nicht immer kritisch sein, wobei Du mit Selbstlob in „Alles Andere ist Propaganda“ nicht sparst. 🙂
    Hier darf ich gestehen, mit Recht! Jetzt wird es Dich vielleicht überraschen, dass mir insbesondere der Rückblick
    Deines Blogs über Meike sehr gefallen hat, die ohne 500.000 EUR Ihre Lebensträume erfüllt hat.
    Dieses Meisterwerk ist auf so viele Lebensbereiche und auch eben auf meinen Job so wunderbar übertragbar.
    Vielleicht verzieht sich Jörnis dunkle Wolke mit negativer Energie irgendwann über unserem Volkspark.
    Schönes Wochenende!
    PS: herzhaft gelacht über die längst vergessene Lachs/Scholle Story

    • Gravesen 17. Juli 2020 um 19:36 Uhr

      Was hat der Buchtitel mit Selbstlob zu tun? Das ist ein Zitat von Orwell, nicht von mir

      • Mosche 17. Juli 2020 um 19:47 Uhr

        Oha, den Satz hätte ich mir sparen sollen. Du hast für dieses Buch Lob verdient.
        Hoffentlich hast Du das auch gelesen. 🙂
        Bezog sich nicht auf den Titel Deines Buches. Für Deine Arbeit in den letzten 7 Jahren hast
        Du durchaus auch Lob erhalten und dies in Deinem Buch verständlicherweise erwähnt.
        (War also eigentlich eher scherzhaft gemeint)

        • Gravesen 17. Juli 2020 um 20:08 Uhr

          Du kannst schreiben, was du willst,aber ich verstehe den Spruch nicht. Wo in diesem Blog habe ich mich selbst gelobt? Wenn ich sage,dass ich all das,was die Hofberichterstatter am Ende jeder Saison verbreiten,vor Jahren geschrieben habe? Das ist kein Eigenlob, das ist Tatsache und jederzeit nachzulesen.

          • Mosche 17. Juli 2020 um 20:29 Uhr

            Schade, ich wollte Dich einfach nur loben. Habe mich falsch ausgedrückt und mit Selbstlob in meiner ironischen Ausführung auch noch den falschen Begriff gewählt. Du hast aus meiner Sicht deutlich mehr Kritik in den letzten Jahren in Kauf genommen, als notwendig gewesen wäre, hättest Du das Spiel mitgespielt. Verziehen ? Schönen Abend
            Empfehle Dein Buch bedingungslos und maximal! Bin großer Fan.

  14. Gravesen 17. Juli 2020 um 20:41 Uhr

    Schon okay, keine Probleme. Und danke für die Empfehlungen.

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