Operation Resterampe

Viel ist von den Sprüchen nicht übrigen geblieben, aber das ist man als jemand, der sich mit dem KSV beschäftigt, mehr als gewohnt. Als sich abzeichnete, dass man bis auf weiteres ohne zahlende Zuschauer würde auskommen müssen und spekuliert wurde, dass es wohl einige Klubs in der ersten und zweiten Liga geben würde, die daraufhin in finanzielle Schieflage geraten würden, war es wieder einmal einer der vorlauten KSV-Führungskräfte, diesmal der Nicht-Sanierer Frank Wetzstein, der rumposaunte: Egal, ob Corona oder nicht. Egal, ob Aufstieg oder nicht. Der von ihm rund-sanierte KSV würde auch in den nächsten 2 oder 4 oder 12 Jahren einen überaus wettbewerbsfähigen Kader präsentieren können, der in jedem Jahr um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielen könnten. Nun denn….

Laut der „MOPO“ besteht beim HSV jetzt ein Kaufstopp, die Kassen sind leer & es müssen erst Spieler verkauft werden.
 
Die Kandidaten sind:
-Lukas Hinterseer, wo bereits Vereine Interesse zeigen.
 
-Julian Pollersbeck, welcher ebenfalls einen kleinen Markt haben könnte.
 
-Tim Leibold, welcher wohl die größte Ablösesumme einbringen könnte, es gab bisher aber keine Interessenten & der HSV möchte Tim auch ungern abgeben.
 
-Bobby Wood, welcher erst kürzlich die Berateragentur gewechselt hat – beim HSV wird es als Indiz vernommen, dass er sich einen Wechsel vorstellen kann.
 
-David Bates, der beim HSV ebenfalls keine Rolle mehr spielt & ablösefrei gehen dürfte.
 
Ein Spieler konnte der HSV bislang mit Berkay Özcan (2,7 Mio) verkaufen, dass Geld wird aber benötigt um finanzielle Löcher zu stopfen.
 
Ebenfalls wurde von den Verantwortlichen die Personalie Höwedes diskutiert, aber für den neuen Weg als nicht passend empfunden. (Alter, Gehalt etc.)
 
Man könnte zusammenfassend auch sagen: Die sind sowas von am Arsch. Gehen wir die Parameter doch mal durch. Hinterseer hat einen Markwert von € 1,2 Mio., der fliegt einem der Draht aus der Mütze. Als Alternative kommt dann wohl nur ein ablösefreier Frührentner eines Absteigers in Frage. Pollersbeck, Marktwert € 525.000, dafür kriegt man heute keinen Spieler aus der dritten Liga mehr. Tim Leibold hat einen Markwert von € 4 Mio., aber die Interessenten wissen, dass der KSV verkaufen muss. Scheiße gelaufen. Außerdem würde der Verkauf eine Riesenlücke reißen. Bobby Wood wird man nur los, wenn man ihn abfindet, aber dafür hat man keine Kohle. Das Gleiche gilt für Norman Bates. Für Öczan hat man Geld bekommen, aber ein Teil fließt gleich weiter an den VfB Stuttgart. Gewinn vielleicht € 500.000. Und Höwedes? Im Ernst? Die haben allen Ernstes über Höwedes nachgedacht? 
 
Fakt ist: Kein Stadionsponsor (und auch keiner in Sicht). Kein Trikotsponsor (ebenfalls keiner in Sicht). Aktuell eine Mannschaft bestehend aus unerfahrenen Nachwuchskickern und Altlasten. Stand heute wird die Mannschaft für die Saison aus Leihspielern und ablösefreien Frührentner bestehen. Geschieht kein Wunder, sollte sich der KSV eher Richtung Tabellenende und Abstiegskampf einstellen und aufhören, von der Bundesliga zu träumen. Meine Fresse, haben die diesen Verein abgewirtschaftet.
Von | 2020-07-21T07:24:54+02:00 18. Juli 2020|Allgemein|14 Kommentare

14 Comments

  1. Sascchas Alte Liebe 18. Juli 2020 um 17:31 Uhr

    „Meine Fresse, haben die diesen Verein abgewirtschaftet.“
    Es geschieht nun unübersehbar, was nicht zuletzt hier in den letzten Jahren schon mehrfach und teils detailliert skizziert wurde.
    Und doch ist es selbst mit Abstand und dieser Erwartung des Niedergangs ein wenig erschreckend, mit welcher scheinbaren Zwangsläufigkeit die (Un)Verantwortlichen dieses Vereins genau diesen vorausgesagten Niedergang immer wieder vorantreiben. Offenbar unverbesserlich und unbelehrbar lernunfähig. Mit der stets gleichen medialen Begleitmusik im Dauerschleifenmodus.
    Mutmaßlich steht wohl die geilste der letzten geilen Saisons an …

    • Gravesen 18. Juli 2020 um 17:41 Uhr

      Man muss sich einmal die Entwicklung verdeutlichen. Früher hatte der KSV Spieler, die einen gewissen Wert hatten. Man sagte/dachte dann immer: Wenn sie den verkaufen, dass kriegen sie für das Geld zwei andere. Vielleicht nicht mit der Klasse des Verkauften, aber man könnte etwas draus machen. Wenn sie heute ihre besten Spieler verkaufen, kriegen sie nicht mal ansatzweise einen vergleichbaren Ersatz, schon gar nicht mehrere. In der nächsten Saison hat man dann gar keinen mehr, für den man noch etwas kriegen kann. Folge: Da man selbst keine Kohle, sondern Schulden hat, muss man leihen und mit Leihspielern hat der Verein extrem geile Erfahrungen gemacht. Die Spirale ist nicht mehr aufzuhalten.

  2. NixmitAufstieg 18. Juli 2020 um 17:59 Uhr

    Was man bei dem Ganzen auch nicht vergessen sollte, ist die Tatsache, dass der HSV sich in Bezug auf Transfers inzwischen einen gewissen Ruf erarbeitet hat. Nämlich den Ruf einer fetten Weihnachtsgans, die darum bettelt, gerupft zu werden. Für Einkäufe wurde stets zu viel bezahlt (und dann öffentlich über die tatsächliche Ablösesumme gelogen, weil es einem im Nachhineien selbst irgendwie peinlich war), auf der anderen Seite hat man eigene Spieler verschenkt oder dem aufnehmenden Verein gerne auch nochmal ungefragt was oben drauf gegeben (alles übrigens nachzulesen in „Alles andere ist Propaganda“). So ein Verhalten spricht sich in der Branche schnell herum, und inzwischen gibt es wohl quasi keinen Sportdirektor mehr weltweit, dem der Selbstbedienungsladen HSV kein Begriff wäre. Folglich wird sich auch niemand die Blöße geben wollen, dem HSV einen Spieler zu einem marktgerechten Preis zu verkaufen, oder einen marktgerechten Preis für einen HSV-Spieler zu bezahlen. Das Gelächter unter den Kollegen, die den HSV regelmäßig über den Tisch gezogen haben, wäre dann nämlich groß, und die Häme erspart man sich dann doch lieber. Ein nachhaltiger Schaden, der da von einigen ehemaligen, unqualifizierten Angestellten angerichtet wurde, die selbst mit von Abfindungen prall gefüllten Taschen inzwischen über alle Berge verschwunden sind. Ein wirklich geiler Verein, man kann es nur immer wieder betonen. Aberwitzig, dass es tatsächlich immer noch Menschen da draussen gibt, die sich freiwillig HSV-Fan nennen, ohne sich dafür umgehend in Grund und Boden zu schämen.

  3. Fohlenstall 18. Juli 2020 um 18:18 Uhr

    Selbst wenn sie Stadion + Trikotsponsor bekommen ( ich gehe mal davon aus),
    bleibt das Ganze mehr als fragil.Irgendwann werden sie die wiederholte Misere
    ja belegen müssen.Was noch bleiben könnte ist der vorbereitete? „Kriechgang“ zum „Gönner“.
    Nochmals die dramatische Lage skizzieren und eine Umwandlung der AG als
    alternativlos darstellen.Die wenigen „Hüpfer“ werden sie schon noch zusammen
    bekommen bei der Mitgliederversammlung.Selbst wenn es dann so kommen sollte
    das Kühne noch mehr Anteile bekommt, verlängert das nur das elende dahinsiechen
    eines alten Traditionsklubs.Solange es keine
    vorgegebene Strategie mit „sauberen“ Personal vonoben
    und eine Spielphilosophie gibt,wird sich nix ändern!

  4. Raschi 18. Juli 2020 um 19:06 Uhr

    Das Thema HSV ist gegessen. Viel spannender ist mittlerweile eigentlich die Frage, wer den Standort Hamburg für eine Art Red Bull-Projekt nutzt. Der Bedarf ist da und der Weg ist frei.

    • HamburgerJung70 18. Juli 2020 um 20:02 Uhr

      Na, da klingt aber eine ganze Menge Wunschdenken mit. Das setzt im ersten Step die vollständige Machtübergabe voraus und solange es noch was abzugreifen gibt, werden einige dies nicht zulassen.

      Ich tippe eher darauf, dass es jetzt darum gehen wird, das AG-Vermögen zu verwerten. An dieser Stelle schmunzel ich immer wieder über die damaligen Ausführungen der HSV+ Leute im Elysee-Hotel… Und die allermeisten wollten so sehr daran glauben.

      • Raschi 18. Juli 2020 um 20:42 Uhr

        Ich denke eher, das kann genau wie in Leipzig laufen. Da haben die Traditionsvereine Sachsen und Lok nichts zu Wege gebracht, Red Bull aber den guten Standort erkannt. Was St. Pauli und der HSV machen ist also komplett irrelevant, der Standort Hamburg ist gut und die Voraussetzungen für ein komplett unabhängiges, professionelles Fußball-Projekt sind eigentlich ziemlich ähnlich wie damals in Leipzig. Wenn man in Hamburg jedenfalls irgendwann mal wieder über Champions League-Fußball reden will, dann hat das nichts mit St. Pauli und auch nichts mit dem HSV zu tun.

  5. Tino 18. Juli 2020 um 19:44 Uhr

    Moin Grave, hab mir heute dein Buch gegönnt, wird dann im Urlaub konsumiert. Danach werde ich es an einen unverbesserlichen HSV-Arbeitskollegen weiterverschenken 😁. Ist sicher ein ganz spezielles Gefühl sein „Baby“ zu launchen, schreibe derzeit selbst an meiner Masterarbeit und kann es daher zumindest ein bisschen nachempfinden.

    • Gravesen 18. Juli 2020 um 19:46 Uhr

      Cool, ich wünsche größtmöglichen Erfolg. Meine Tochter hat letzte Woche ihren Master gemacht.

  6. Markus Mienert 18. Juli 2020 um 20:35 Uhr
  7. NixmitAufstieg 18. Juli 2020 um 21:06 Uhr

    Wenn das Herz nicht anders kann, einfach mal den Kopf einschalten.

    https://youtu.be/N6-pnljEC2E

  8. EffPunktErr 19. Juli 2020 um 08:57 Uhr

    Bei der Summe für Berkay Özcan ist Dir ein grober Schnitzer unterlaufen. Die MoPo hat in messerscharfer journalistischer Analyse das eingesparte Gehalt mit draufgerechnet (weil das ja klar ist) und kam auf ÜBER VIER MILLIONEN!!

    Überlege mal, das heisst ja dass alleine Kostic… in zehn Jahren… dem KSV mindestens 40 Millionen gebracht hat… GEIL

    Uns fehlt einfach die Weitsicht um so etwas zu sehen und betriebswirtschaftlich zu rechnen.

    Jetzt n Kaffee 😉

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