Wenn aus Ungläubigkeit Mitleid wird…

Das mit den Emotionen ist so ein Ding. Man kann Dinge, Sachen, Menschen, Tiere, Ereignisse und vieles andere lieben, hassen, verabscheuen, ablehnen, bewundern, vergöttern, supporten und so weiter. Man sagt „Hass muss man sich verdienen“ und man sagt „Viel Feind, viel Ehr'“. Wenn man geliebt und verehrt wird, ist das eine positive Emotion, aber wenn man gehasst und verabscheut wird, ist dies zumindest noch eine Emotion. Das Schlimmste, zumindest in meinen Augen, was einem passieren kann, ist der Moment, ab dem man bemitleidet wird. Wenn Ablehnung, Abscheu, Hass und ähnliches in Mitleid umschwenken und ein Teil der Beobachter denkt: „Ach, du arme Sau. Du tust mir leid“. 

 Irish Times : „Die Vereinigten Staaten haben im Rest der Welt eine Vielzahl von Gefühlen geweckt: Liebe und Hass, Angst und Hoffnung, Neid und Verachtung, Ehrfurcht und Wut. Aber es gibt eine Emotion, die bisher noch nie auf die USA gerichtet war: Mitleid.“

Ähnlich wie es den Verunreinigten Staaten von Amerika unter Trump geht, geht es inzwischen Kühnes Sport Verein. Was sich einst für einen „großen Verein“ hielt, ist in wenigen Jahren zur Ruine des deutschen Fußballs gemacht worden oder wie Lars Wallrodt in der BamS im Zusammenhang mit dem Engagement von Horst Hrubesch schrieb, zu Deutschlands größtem Pflegefall. Man hatte im Grunde wirlich gute Voraussetzungen, war in der zweitgrößten und erstschönsten deutschen Stadt beheimatet, hatte eine Fan-Base, die nicht aufmuckte, die an Kritiklosigkeit nicht zu übertreffen war. Man hatte eine unterstützende Presse, die in den Jahren wirklich alles tat, aber überprüfen und kritisieren tat sie nicht. Dafür konnte man sich ironischerweise hinter dem Märchen der brutal-schwierigen Medienstadt Hamburg verschanzen und mit dieser Ausrede wurden auch die größten Katastrophen erklärt. 

Und heute? Heute haben Fans aus Bremen, Paderborn und Fürth Mitleid mit diesem Verein. „Ihr armen Schweine in Hamburg, was sind wir froh, dass es uns nicht so beschissen geht wie euch“. Wenn man dann noch lesen muss, wie Neu-Coach Thioune seine bocklosen Söldner zu funktionierenden Zweitliga-Spielern tunen will, kommen einem die Tränen vor Rührung, 

Trainings-Kiebitze, gäbe es sie denn in Corona-Zeiten beim HSV, würden wahrscheinlich ungläubig die Augenbrauen nach oben ziehen.

Aufwärmen unter Daniel Thioune (46) in Zweier-Gruppen. Aaron Hunt (33) und Lukas Hinterseer (29) stehen sich gegenüber, schwingen wild ihren rechten Arm durch die Luft. Und plötzlich läuft Hinterseer los…

Was ist denn das? Schnick-Schnack-Schnuck-Duell im Volkspark! Andere nennen es Schere, Stein, Papier. Der Verlierer muss rennen, der Sieger darf ruhen.

Schnick-Schnack-Schnuck-Thioune. Das Prinzip von Belohnung und Bestrafung.

Der Trainer: „Für Fleiß wird man belohnt. Hinter harter Arbeit muss eine Belohnung stehen. Monitär kann ich sie nicht locken, das geht dann gut mit Freizeit.“

Man kommt sich vor wie im Kindergarten „Die Fruchtzwerge“ in Duvenstadt-Ost. Kurz zur Erinnerung: Die Herren Profis befinden sich gerade im Aufbau-Training für eine Saison, in der es wahrscheinlich eher gegen den Abstieg als um den Aufstieg gehen wird und man kann sich mit einem kläglichen 1:0 gegen den Drittligisten aus Rostock ein paar freie Stunden beim Tätowierer seines Vertrauens erkaufen. Das perlt. Ich bin ehrlich, ich gehören inzwischen zur Mitleids-Fraktion, denn dieser Verein ist einfach nicht mehr ernstzunehmen. Aber es gibt auch gute Nachrichten. 

Denn durch die überraschende Anstellung des neuen „Direktors Entwicklung“ haben sich spontan Möglichkeiten eröffnet, von denen man bisher nicht zu träumen gewagt hat. Bestseller Autor Hrubesch („Dorschangeln vom Boot und an den Küsten“) bringt tatsächlich einige mögliche Sponsoren ins Spiel, die dem KSV nach dem Abgang von Kühne und Fly Emirates den Allerwertesten retten könnten. Angeblich befindet man sich bereits in aussichtsreichen Verhandlungen, sodass sich die Fans möglicherweise in Zukunft in der „Magnum-Angelruten-Arena“ treffen könnten. Als Trikotsponsor ist ferner der weltweit zweitgrößte Vertreiber von Lebendködern im Gespräch, es könnte also gut sein, dass demnächst „Best worms“ auf der Brust der stolpernden Gladiatoren prangt. Aber auch einige kleinere Geldgeber sollen Interesse angemeldet haben, es ist also durchaus möglich, dass in der neuen Saison folgende gegrölte Mitteilungen durchs leere Rund im Volkspark klingen: „Der Eckball wird ihnen präsentiert von Leckermehlwurm, dem Köder der Profis“ oder „Die heutige Zuschauerzahl präsentierte ihnen „Geile Hechte“, das Magazin für den Raubfisch-Fan“. 

Man sieht, es geht immer noch ein Stückchen lustiger. Frohes Schwitzen, Freunde 😀 

Von | 2020-08-12T07:53:23+02:00 11. August 2020|Allgemein|6 Kommentare

6 Comments

  1. Dschernges 11. August 2020 um 09:10 Uhr

    „…Monitär kann ich sie nicht locken, das geht dann gut mit Freizeit.“
    wie stellt man sich das vor? haben die das dann bislang mit Anweisungen per in-ear-monitoring versucht? 🤔

  2. Sven 11. August 2020 um 10:16 Uhr

    Bei Horst Hrubesch gibt es wohl so schnell kein Interview mehr mit Dir.

    Mir entgeht allerdings auch, warum er das Siechtum verlängern will.

    Hättest Du das Spiel gegen Hansa nicht erwähnt, wäre mir das glatt entgangen, so weit ist es schon…^^

    By the way: Buch kam, hat aber der Sohn gesehen und gleich mitgenommen. Rezension dauert also.

    • Gravesen 11. August 2020 um 10:17 Uhr

      Ich würde heute Nachmittag eines machen, wenn er zusagen würde.

  3. Hein Blöd 11. August 2020 um 11:08 Uhr

    Da scheint aber noch Geld in der Kasse zu sein, denn laut Abendblatt
    sucht der KSV noch eine Handvoll AbwehrSTARS, statt guter Abwehr-
    spieler.

  4. Wormfood 11. August 2020 um 17:40 Uhr

    Mit Blick auf meinen nick, das war heute richtig gut! :thumbsup

  5. iMario 11. August 2020 um 20:20 Uhr

    Darf ich mal ganz naiv fragen was der Trainer in der Zeit macht, in der er seinen Jungs frei gibt?
    Hat er dann etwa auch Freizeit oder muss er die Stellung auf dem Trainingsgelände/Stadion halten?
    🤔

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