Die Schuldfrage

Wohl kaum eine Frage umtreibt diesen Verein so wie die Frage: „Wer trägt eigentlich die (Haupt)-Schuld am bemitleidenswerten Zustand dieses Klubs? Wer hat den eklatanten Niedergang zu verantworten, die finanziell desaströse Situation? Wessen Namen kann und sollte man nennen, wenn man über Abstieg, sportliche Demütigung, fehlenden Nachwuchs und null Perspektiven spricht?“ Sind es die immer mal wieder genannten HSVPlusser, die einigermaßen naiv (ja, ich auch) eine Satzung durchgewunken haben, die den Namen nicht tragen sollte? Ist es Dietmar Beiersdorfer allein, der auch nicht ein Milligramm der von HSVPLUS gemachten Vorgaben einhalten wollte und in Großmannssucht erstickte? Waren es Herren wie Jarchow oder Bruchhagen, ohne Plan aber mit kaputtem Erbe? War es eventuell der frühere Aufsichtsrat (Der Rat der Ahnungslosen) oder der aktuelle Aufsichtsrat (Der Rat der Abnicker), deren Mitglieder alles taten, aber kontrollieren taten sie nicht? 

War es möglicherweise auch Bernd Paul Hoffmann, der mit einem Finanzgebaren fern jeder Perversion der Katastrophe Tür und Tor öffnete? Auch eine Möglichkeit – waren es die Medien? Die Herren von BILD, Mopo, Abendblatt, Kicker und Co., die den Schwachsinn all die Jahre kritiklos begleiteten, ohne auch nur einmal rechtzeitig den Finger zu heben? Waren es eventuell sogar renitente Blogger, die dafür sorgen, dass „im Verein keine Ruhe einkehrt“? Ein anderer Kandidat ist natürlich „Gönner“ Klaus-Michael Kühne, der ahnungsbefreit sein persönliches Spielchen trieb. Ist er der Hauptschuldige? Grundsätzlich einmal: Nie ist jemand allein Schuld, das gilt für gescheiterte Beziehungen ebenso wie für abgewrackte Vereine. Und dennoch – einen Schuldigen haben wir bisher nicht erwähnt und dieser Schuldige bzw. diese Gruppe von Schuldigen ist maximal schuldig, hat sich maximal an diesem Verein versündigt.

Ich rede von den sogenannten Fans. Sie sind es, die all dies was wir heute sehen überhaupt erst ermöglicht haben. Sie haben sich von den Sprüchen der Würdenträger ebenso sedieren lassen wie von den Propaganda-Texten der Mopo oder von dem dummen Gelaber von Insolvenz-Münchhausen. Dabei haben die beiden letzten vor allem eines nicht, sie haben kein Gewissen. Hätten sie eines, dann hätten sie vor Jahren angefangen, die Wahrheit zu publizieren, denn sie kennen die Wahrheit, sie kennen sie so, wie ich sie kenne. Die Wahrheit zu kennen, sie aber nicht zu verbreiten, sondern das exakte Gegenteil zu schreiben, das ist die wohlmöglich größte Sauerei, die man einer Sache antun kann. Und dennoch – der gemeine Fan hat trotz Fake News und Permanent-Propaganda immer noch die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden. Denn wenn eine Sache wie dieser Verein erkennbar Jahr für Jahr weiter den Bach runtergeht, muss ich doch irgendwann einmal registrieren, dass dort irgendwas nicht stimmt. 

Und irgendwann muss ich dann auch mal reagieren, sonst mache ich mich mitschuldig. Die Fans des KSV haben exakt dies getan und sie tun es heute noch, sie machen sich schuldig. Schuldig, zugeguckt und nichts getan zu haben. Wenn nun jemand der Meinung ist, dass die Fans eigentlich machtlos wären und keinen Einfluss nehmen könnten, so befindet er sich auf dem Holzweg. Die Fans haben Macht, sie haben sogar die größte Macht. Denn der KSV ohne Fans hat ein massives Problem. So gut wie jede interne Entscheidung wird vor dem Hintergrund des Gedankens „Wie kommt das bei den Fans an“ getroffen. Jeder Verantwortliche möchte bei Fans und Mitglieder gut ankommen und beliebt sein. Entzieht man nun Würdenträgern und Verein die Zuneigung, setzt es Konsequenzen. Da aber der Großteil der hüpfenden Einzeller bis heute dem Schwachsinn die Stange halten, hat kein Verantwortlicher jemals die Notwendigkeit gesehen, eine signifikante Veränderung herbeizuführen. 

Also: Mit dem Finger auf andere zeigen mag vielleicht der einfachste Weg sein, aber er entbindet einen nicht davon, die eigene Verantwortung einzugestehen. Die Tatsache, dass dieser Verein abgestiegen ist, liegt (auch) in der unmittelbaren Verantwortung der Fans und Mitglieder. Der Umstand, dass der Niedergang weitergeht, ebenfalls. 

Von | 2020-09-07T19:55:54+02:00 3. September 2020|Allgemein|25 Kommentare

25 Comments

  1. Olaf Beeck 3. September 2020 um 08:15 Uhr

    Moin – genau so ist es. Als ich in der vorvergangenen Saison im letzten bedeutungslosen Spiel gegen den MSV Duisburg das letzte mal im Stadion war ging mir endlich ein Licht auf was dort abläuft. Die Fans haben dieses Team nach einem Sieg gegen einen vorher feststehenden Absteiger gefeiert als wenn der HSV in der Europacup eingezogen wäre. Ich war dermaßen erschüttert über diese völlige Blindheit was sich in der ersten Zweitligasaison nun endgültig offenbarte. Konzeptlosigkeit, Verlogenheit, Gier – die Begriffe die mir zu diesem Verein mittlerweile einfallen sind sicher nicht dazu angetan veröffentlicht zu werden..
    Ich musste mich dann von meinen Sitznachbarn bepöbeln lassen ich wäre ja kein „wahrer Fan“. Und das nur weil ich die Augen geöffnet habe und die Trümmer dieses Vereins nicht zu übersehen waren.
    Die Namen der Schuldigen aufzuzählen ist mittlerweile egal. Es sind zu viele die sich an dem HSV vergangen haben.
    Es wird sich nach meiner Überzeugung nur etwas ändern wenn sich in der Fan Szene eine nicht zu übersehende Bewegung bildet die endlich diese Versager anfängt laut und deutlich in Frage zu stellen. Aber dazu wird es nicht kommen weil einfach der Großteil tatsächlich immer noch blind diesem kaputten Konstrukt hinterher läuft.
    Dieser Verein ist dem Tod geweiht und wird in absehbarer Zeit untergehen. Was daraus dann möglicherweise entstehen kann wird man sehen.

  2. Arnold 3. September 2020 um 08:23 Uhr

    Der Trugschluss der meisten sog. Top-Fans bzw Hüpfer ist doch, das sie der Meinung sind, wenn man Kritik äußert, sei man nicht mehr Fan. Da wird lieber die hartverdiente Kohle für die nächste Fananleihe zusammengespart. Wenn man dann als HSV Verantwortlicher selbst in übelsten Krisenzeiten von allen Seiten noch zugetragen bekommt, wie geil alles ist und man selber ist, trägt das sicherlich nicht dazu bei, alles zu hinterfragen. Es läuft doch, der Mob ist zufrieden und die Presse kriecht („Wahnsinns Transfer Hornschuh“). Für jeden der bis drei zählen kann, ist der Niedergang auf den ersten Blick zu sehen, hier bei Dir wird er durch Zahlen, Daten & Fakten mehrfach auch noch belegt. Ich wundere mich jedes Jahr aufs Neue, dass es immer wieder Hüpfer gibt (tendenziell werden es aber gefühlt deutlich weniger), die denken dass es in dieser Saison ganz anders wird, um sich wieder mal verarschen zu lassen, Wahnsinn !

  3. Mosche 3. September 2020 um 08:38 Uhr

    Guter Blog, ich habe eine kurze Antwort.
    Die Gier nach Geld und Macht!

  4. Hein Blöd 3. September 2020 um 09:12 Uhr

    Scheinbar hat man auch die Suche nach einem Trikotsponsor aufgegeben.
    Wenn ich Daniel heute auf FB richtig verstanden habe, möchte man nur
    mit dem Schriftzug „Hamburg“ auflaufen, vorausgesetzt es finden sich genug
    Firmen deren Kleckerbeträge zusammengerechnet den Ausfall eines Groß-
    sponsors in etwa ausgleichen.

    Letztendlich soll wohl doch wieder der Fan einspringen…

    • Gravesen 3. September 2020 um 11:05 Uhr

      Nein. Es sollen Hamburger Kaufleute einspringen

      • Hein Blöd 3. September 2020 um 12:31 Uhr

        Naja, irgendwie aber schon, man hofft eventuelle Einnahmeausfälle durch einen vermehrten Trikotabsatz ausgleichen zu können.
        Aber schon witzig zu lesen daß sich hier ein ehemaliger Präsident zu Worte meldet, während sich die jetzigen Verantwortlichen in Schweigen hüllen.

        Hier der Artikel, auf welchen sich Jovannovs Beitrag bezieht:

        https://www.sport1.de/fussball/2-bundesliga/2020/09/2-liga-juergen-hunke-plaediert-fuer-hsv-trikot-ohne-sponsor

        • Gravesen 3. September 2020 um 12:38 Uhr

          Ich weiß von dieser Idee und ich weiß auch, dass es eigentlich nicht Jürgen Hunkes Idee war. 😉

  5. Kevin allein in Hamburg 3. September 2020 um 09:31 Uhr

    Das letzte Mal war ich 2014 im Stadion.
    Und das auch das allerletzte Mal.

    Ich habe den Eindruck schon damals nicht loswerden können das im Stadion
    kaum noch „echte“ Fans zu finden bzw. zu sehen sind.

    Die Nordkurve ist nur noch eine Ansammlung von gescheiterten Persönlichkeiten mit zu engen Jeansjacken aus den 80er Jahren.
    Diese Typen haben im Laufe der Letzten Jahre Ihren Verstand versoffen.
    Die Nachfolger sind entweder die Kinder oder andere Verwandte.
    Sonst habe ich nur die sogenannten „EVENTFANS“ gesehen.
    Kaum noch irgendwie echte Hamburger Fans mit Schal oder Mütze.

    Wenn dieses Eventfans nicht wären, dann würde das Stadion nur noch halb so voll sein.
    Das ist meine Meinung.

    Grave hat schon recht.
    Der Fan ist Schuld und ganz besonders solche bescheuerten Matz Ab Jünger die jetzt in einem neuem „Blog“
    Ihr Unwesen treiben.

    Eine sehr traurige Entwicklung.
    Man muss sich schämen Fan von diesem Verein zu sein, oder gewesen zu sein.

    • Hein Blöd 3. September 2020 um 12:49 Uhr

      Aah, ja…
      Aber die vom Baas Jansen auch nicht, sonst wäre er damit sicher schon durch den gesamtdeutschen Blätterwald geritten.

      • Kevin allein in Hamburg 3. September 2020 um 14:33 Uhr

        Jansen ist ein Blender vor dem Herrn, der exixtiert für mich eigentlich gar nicht.
        Das Problem ist wie Grave schon gut beschrieben hat.
        Es wurde alles abgenickt und bejubelt.
        Kritische Nachfragen und die Leute werden als Ketzer verurteilt.

  6. EffPunltErr 3. September 2020 um 09:42 Uhr

    Schuld hat immer der der bereit ist und das Kreuz hat sie auf sich zu nehmen. Was aber wenn das keiner tut?

    Nimm Diesen Text, ersetze die genannten Funktionäre durch damalige Politiker und die Fans durch das Volk – und Du hast die Antwort auf die Frage wie das Drittte Reich und all das unfassbare damit verbundene Leid entstehen konnte.

    Propaganda, Abnicken, Ignorieren, Mittragen ermöglicht derartige Zustände. Irgendwann kommt die Gruppendynamik, dann das Mitläufertum – erst aus Absicherung, dann aus Angst vor Repressalien oder Nachteilen. Dies ist der Nährboden dafür dass Missstände und Verbrechen erst in Kauf genommen, dann nicht bestraft und irgendwann erzwungen werden.

    So fällt eine Wertegemeinschaft, ein politisches System, ein Staat auseinander. Nur die Verantwortung, die hat hinterher in Nürnberg keiner übernommen und sich im System als „Ausführender“ versteckt.

    Der Vergleich ist extrem, aber im Prinzip ist es das Gleiche.

    Verantwortung ist nicht teilbar, sie kann nicht delegiert werden – und sie muss übernommen werden.

  7. Fohlenstall 3. September 2020 um 09:54 Uhr

    Moin Zusammen,
    mal wieder kurz und knackig auf den Punkt gebracht.
    Starker Blog!
    Hinzu kommt vielleicht noch die gelebte Eitelkeit gepaart
    mit Ignoranz und Arroganz in allen Ebenen des „Vereins“.

  8. Sven 3. September 2020 um 10:02 Uhr

    Die Fans? – Nicht eher speziell die Mitglieder?

    • Nichtkunde 3. September 2020 um 11:17 Uhr

      Über die unmittelbaren Fehlentscheidungen der Mitgliedschaft auf MVs usw. hinaus (die Beschäftigung mit der Frage nach der Zeitgemäßheit des Formates und der daraus resultierenden Anfälligkeit für konzertierte Aktionen kleiner eigendienlicher Interessengruppen (Ultras, Hoffmann-Klüngel usw.) würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen), gibt es hier auch ein kulturelles Problem. Wie Grave schon ausführte: In diesem von von einer seltsamen Mischung aus stumpfem Korpsgeist, Wegkuckermentalität und Gleichgültigkeit geprägten Milieu werden Fehlentwicklungen gedeckt, anstatt ihnen frühzeitig konsequent entgegen zu treten. Wenn dieselben selbsternannten „wahren Fans“ auch nur 10% der Energie, die sie in das Diskreditieren von kritischen Stimmen als Nestbeschmutzer und Quertreiber stecken, in konstruktives kritisches Feedback ggü. dem eigenen Verein/Unternehmen stecken würden, wäre viel Unheil zu verhindern gewesen.

  9. Weltmeister. 3. September 2020 um 10:30 Uhr

    Ich habe mir noch einmal Gedanken zu den aktuellen Zahlen und zu den Finanzen gemacht. Für mich steht inzwischen fest: Finanziell gesehen ist der HSV erledigt.
    Der Verkauf von weiteren Anteilen erscheint den vielen Fans auf den ersten Blick vielleicht als heilsbringend. In Wahrheit würde selbst diese Summe angesichts der zu erwartenden neuerlichen Verluste und der bereits bestehenden Zahlungsverpflichtungen innerhalb von kürzester Zeit aufgezehrt sein. Das Geld ist schneller durch den Kamin als dass wir „Hinterseer“ buchstabieren können. Sprich: Keine Option zur Rettung oder gar Sanierung.
    Ein befreundeter Wirtschaftsprüfer nahm mir ganz aktuell nun auch noch die Illusion, dass eine Planinsolvenz in Eigenverwaltung zielführend ist. Realistischer dürfte also eine Bruchlandung sein, die – so denke ich – darin gipfeln wird, dass Externe sich in der Folge die Marken- und Namensrechte des „HSV“ aus der Insolvenzmasse sichern werden.

    Ich befürchte: Stand heute ist die Insolvenz ist nur eine Frage der Zeit. Und dann wird Jemand (Kühne Holding AG) spekulieren sich die Marken- und Namensrechte zu sichern.

    Man sollte sich übrigens vom Gedanken lösen, dass der alte Mann das für sich selbst macht. Er bereitet – wie in seinem Unternehmen – das Feld für seine Kumpanen, die die Ernte auch viele Jahre nach seinem Tod noch einfahren werden.
    Wäre er ein aufrichtiger Fan oder ein Gönner, hätte er die Anteile 100pro aus Mitteln seines exorbitanten Privatvermögens erworben.
    !! Aktionär ist jedoch ganz offiziell die Kühne Holding AG – also das Unternehmen. Und die haben beim damals beim Ausgabekurs gefeilscht bis aufs Blut.

    Angeblich hat „Kühne“ bislang ungefähr 150 Mio€ in den HSV investiert.

    Mal weitergesponnen:
    In der HSV-Bilanz ist der Markenname „HSV“ mit 41 Mio. € ausgewiesen.

    Die Kühne Holding kann sich also einen Fußballclub in einer Weltstadt in der Summe für unter 200 Mio € angeln?

    Zumindest ist es ein Gedanke wert.

    • Kerberos 3. September 2020 um 12:32 Uhr

      .
      An dieser Stelle muss ich meine Ausführungen aus dem Blog-Beitrag konkretisieren:
      .
      Die Marke „HSV“ hat angeblich einen höheren Wert als knapp 42 Mio. Die bilanzierten 42 Mio sind lediglich ein Teilwert von einem unbekannten Ganzen. Dazu wird ausgeführt, dass der Markenwert „teilweise“ gehoben und aktiviert wurde.
      .
      Daher bitte nur keine Diskussion, dass die Marke „HSV“ doch viel mehr wert sei, als die 42 Mio.
      .
      Der grandiose Vorteil an diesen immateriellen Sachanlagen ist überdies, dass hier keine Abschreibung erfolgt. Dieser Vermögenswert ist für die HSV Fußball AG wie in Stein gemeißelt, auch wenn der HSV wieder in der Amateur-Oberliga kicken sollte und kein einziges Trikot mehr an den Mann bringen kann – die Marke „HSV“ steht mit 42 Mio. in der Bilanz.
      .

      • Weltmeister. 3. September 2020 um 12:52 Uhr

        Ich danke dir für die sehr schnelle und fachlich gute Antwort.

        Darf ich dich noch etwas fragen?
        Hältst du das von mir beschriebene Szenario ansonsten für denkbar oder ist es eher abwegig?

        • Kerberos 3. September 2020 um 13:34 Uhr

          .
          Gerne in der gebotenen Kürze:
          im Falle einer Insolvenz ist das ganz für Kühne recht problematisch, da stets eine Gläubigerversammlung zustimmen muss. Gläubiger ist jeder, der auch nur eine Fan-Anleihe gezeichnet hat, einen Schuldschein hält oder auch nur eine offene Rechnung für Kopierpapier hat. Eine Einstimmigkeit herzustellen dürfte schwierig werden.
          .
          Eine Verwertung durch den Insolvenzverwalter bedeutet jedoch Abwicklung und was soll Kühne dann mit einer Marke „HSV“ ohne Spiel-Lizenz. Überdies gibt es auch im Ausgliederungsvertrag noch Vereinbarungen zwischen Verein und AG bezüglich der Markenrechte (Nutzung, Veräußerung, etc. – aber die habe ich jetzt nicht aus dem Kopf parat).
          .

          • Weltmeister. 3. September 2020 um 17:40 Uhr

            Danke dir!

            Okay, ganz so einfach ist es tatsächlich nicht.

            Ich war davon ausgegangen, dass der „neue HSV“ dann in der 4. Liga (Höhe 2. Mannschaft) starten kann.

        • Kerberos 3. September 2020 um 18:19 Uhr

          .
          Man muss das bei einer Insolvenz schon sauber trennen:
          .
          Einigt sich eine Gläubigerversammlung auf einen Sanierungsplan und kann die HSV Fußball AG unter dem Insolvenzverwalter oder unter dessen Aufsicht fortgeführt werden, so ist die sportliche Konsequenz laut Statuten der DFL lediglich ein Punktabzug von 9 Punkten in der Saison, in der Insolvenz angemeldet wurde – es gibt keinen Zwangsabstieg und keine Reamateurisierung mehr. Bedingt durch die Covid-19-Pandemie hat die DFL diese Regelung aktuell ausgesetzt.
          .
          Wird hingegen die HSV Fußball AG abgewickelt, so geht diese unter und kann nicht mehr Träger der Spiel-Lizenz sein. Die Lizenz müsste also vor Erlöschen der AG an einen Dritten übertragen werden. Die Spiel-Lizenz umfasst jedoch nicht die Markenrechte am „HSV“.
          Beispiel RB Leipzig: neugegründeter Verein, der die Spiel-Lizenz von Markranstädt für 100.000,- € übernommen hatte, da Markranstädt keine Herrenmannschaft mehr hatte und eigentlich auch „Pleite“ war. Markranstädt hat dann das Brause-Geld in den Jugendbereich investiert,
          .
          Machbar ist natürlich viel. Es ist nur nicht so einfach und es müssen unbedingt ALLE wirklich im Sinne des HSV wollen. Daran wird es leider scheitern.
          .

          • Weltmeister. 3. September 2020 um 22:40 Uhr

            Herzlichen Dank und viele Grüße!

  10. Ralf 3. September 2020 um 10:32 Uhr

    Der Fan/Hüpfer oder wie hier auch schon angesprochen der „Event-Fan“ trägt für mich nur eine äußerst geringe Mitschuld an dem ganzen Desaster. Diese müssten natürlich viel kritischer und reflektierter mit vielen Entscheidungen umgehen und diese hinterfragen zumal sie ja schon richtig Einfluss nehmen können.
    Das Hauptproblem sind aber für mich, doch schon mindestens die letzten 20 Jahre, die schlechten Vorstände/Manager/Aufsichtsräte/Sportchefs welche mit Ihren finanziellen Harakiri-Transfers, riesigen Gehaltszahlungen, unzähligen sinnlosen Trainerwechseln und daraus entstandenen Abfindungszahlungen, die Mängel-Fehlerliste könnte man um zig weitere Punkte ergänzen, das einst stolze „Schiff HSV“ ins Schlingern gebracht haben. In diesen Gremien werden letztendlich immer noch die ultimativen Entscheidungen getroffen die den Verein dahin gebracht haben wo er heute steht. Von daher ordne ich die Fan-Schuld schon noch als sehr gering ein, zumal diese ja immer noch, auch für mich unverständlicherweise, in Scharen ins Stadion rennen und dem Verein das wohlverdiente Geld hinterher schmeissen, horrende Eintrittsgelder bezahlen, Merchandising-Artikel kaufen…., die von den Herren Vorständen in völlig unverantwortlicher Art und Weise verbrannt und zum Fenster hinaus geschmissen werden!!!!!!!!!
    Auch beim FC Bayern trägt der Fan dem Club die Kohle hinterher, auf die Dinge die damit passieren hat er keinerlei Einfluss, dies ist einzig und allein davon abhängig wie gut/stark der Verein in Vorstandschaft, Management und sportlicher Leitung aufgestellt ist.

  11. Hans 3. September 2020 um 12:50 Uhr

    Ich bin das letzte Mal im Stadion in der Saison 18/19 beim Spiel gegen SP gewesen. Als ich mich immer öfter auch hörbar über das grottenschlechte Spiel aufgeregt habe, das sich über weite Strecken in einem Hin- und Hergeschiebe erschöpfte, wurde ich von meinem Sitznachbarn angepöbelt. Ich sei ja wohl kein HSV-Fan, sondern Paulianhänger. Es liefe doch alles super in dem Spiel. Seitdem bin ich da nicht mehr gewesen. Über soviel Ignoranz kann man eigentlich nur lachen, wenn nicht genau diese Haltung zu dem ganzen Schlamassel beigetragen hätte. Und diese Ignoranz setzt sich weiter fort wenn man jetzt schon wieder alles ganz toll findet und der Aufstieg im Grunde dank einiger Herren im fortgeschrittenen Alter nicht mehr zu verpassen sein wird.

  12. mw 3. September 2020 um 13:06 Uhr

    Der Blog bringt das Problem exakt auf den Punkt.

    Bis zur Ausgliederung war der Profi Fussball eine Sparte im Hamburger Sportverein.
    Die Mitglieder des HSV waren praktisch, ähnlich wie Aktionäre, die Besitzer des ganzen Ladens.

    Durch die Sparte Supporters hat der HSV sich ab 1993
    1. jede Menge Mitgliedsbeiträge und
    2. jede Menge stimmberechtigte, nicht unbedingt an den Belangen des HSV e.V. orientierte, Mitglieder hereingeholt
    (Nach eigenen Angaben hat der SC 65TSD Mitglieder von gesamt 87TSD HSV Mitgliedern)

    Ich vermute (!), man hat versucht den Einfluss der Supporters auf die MV durch die Verhinderung der Fernwahl zumindest zu mindern, ist aber kläglich gescheitert. Denn es reichte ja, zur MV einige hundert, vielleicht auch mal 1000 Leute mit Sitzfleisch zu schicken, die dann wesentliche Abstimmung zu ihren Gunsten entscheiden konnten. Dann haben die Supporters natürlich gemerkt, dass das so viel leichter ist mit der Abstimmung und haben ihrerseits die Fernwahl verhindert… Agenda Tricks waren ja eine Zeit echt en Vogue bei HSV MVs.

    Die stimmberechtigten Mitglieder haben sich die Vorstände, den Ehrenrat, die Aufsichtsräte und wen es da noch so alles gibt, so gewählt, wie diese sich eben in den letzten Jahren präsentiert haben. Man hat die Kohle und das Ansehen aus der Buli gerne mitgenommen, aber als normales Vereinsmitglied der Sparte Hockey, Tennis, Volleyball usw. relativ wenig auf die Entscheidungen dort geachtet.

    Wenn jetzt also der Laden krachend vor die Wand fahren sollte, sind die Mitglieder des HSV mit ihren Entscheidungen sowohl verantwortlich für die Misere als auch deren Leidtragende. Ein nicht gerade geringes Vereinsvermögen wurde über die Jahre in die Taschen anderer Leute „umverteilt“.
    Weitere Leidtragende wären wohl die direkt und indirekt Beschäftigten des HSV, die tragen natürlich auch mehr oder weniger Verantwortung für die Situation. Zur Verantwortung gezogen werden können sie aber nur von den stimmberechtigten Mitgliedern und das sind in der Mehrzahl nunmal die Fans (Supporters).

    Den übrigen 22 TSD scheint das Thema entweder schon immer am Allerwertesten vorbeizugehen oder sie haben längst resigniert.

    P.S.
    Ich war nie Mitglied und habe auch nicht vor einzutreten und maße mir auch nicht an über Mitgliederentscheidungen zu urteilen. Ich beschreibe nur meine Wahrnehmung als außenstehender aber interessierter Sympathisant des HSV.

  13. Goldfather 3. September 2020 um 16:14 Uhr

    Ja, die Fans haben sicherlich einen großen Anteil am Niedergang. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass es enorm schwierig ist tausende Fans zu einem sinnvollen Verhalten zu bewegen, welches dem Club nützt. HSVPlus war eine solche Initative und man konnte sehen, wie wenig Einfluß die Fans hatten um den Vorstand zur Einhaltung der vereinbarten Ziele zu bewegen.
    .
    HSVPlus hätte ein großer Wurf werden können, wenn man tatsächlich an der Entwicklung vereinseigener Talente festgehalten hätte und sich zudem von Clubs wie Ajax Amsterdam und dem FC Barcelona Rat geholt hätte bezüglich des Talentscoutings und der Ausbildung.
    .
    Das nur junge Spieler die Mannschaft und somit den Club nicht weiterbringen ist ein Märchen, das von Beratern, korrupten Managern und unwissenden Fans verbreitet wird.
    .
    Ein paar Transfers von Ajax Amsterdam aus den letzten Jahren:

    Donny van de Beek 23 Jahre alt, transferiert für 39 Millionen €
    Matthijs de Ligt 21 Jahre alt, transferiert für 85 Millionen €
    Frenkie de Jong 23 Jahre alt, transferiert für 75 Millionen €
    Kasper Dolberg 22 Jahre alt, transferiert für 20 Millionen €
    Maximilian Wöber 22 Jahre alt, transferiert für 10 Millionen €
    Justin Kluivert 21 Jahre alt, transferiert für 17 Millionen €
    Davinson Sánchez 24 Jahre alt, transferiert für 40 Millionen €
    .

    Ajax Amsterdam hat in den letzten 5 Jahren einen Transferüberschuß von ungefähr 272 Millionen € erwirtschaftet und zwar im wesentlichen mit Spielern die zum Zeitpunkt ihres Transfers nicht älter als 24 Jahre alt waren.
    .
    Die Vorstellung, dass es nur mit jungen Spielern nicht geht und man ein paar ältere verletzungsanfällige und satte Spieler benötigt um in die erste Liga aufzusteigen und wirtschaftlich gesunden zu können ist die dümmste Idee der Welt. Es seie denn man möchte den Club vorsätzlich versenken.
    .
    Dass man in Hamburg keine Ahnung von Spielerscouting und Entwicklung hat, halte ich zunächst einmal nicht für problematisch, solange man zu seinem Defizit steht und sich bewußt macht, dass es notwendig ist sich Hilfe von den besten Spielerentwicklern zu holen, als da wären: Ajax Amsterdam, FC Barcelona, SC Freiburg, FC Bayern München, FC Schalke 04, Borussia Dortmund.
    .
    Dies ist der einzige Weg um den Club sowohl wirtschaftlich als auch sportlich gesunden zu lassen und dabei ist es vollkommen unerheblich ob man noch drei bis fünf Jahre in der zweiten Liga spielt oder sogar in die dritte Liga absteigt, da am Ende einer erfolgreichen Entwicklung der Aufstieg in die europäische Spitze stehen würde. Und zwar sowohl sportlich, als auch wirtschaftlich.
    .
    Entscheidend ist das Know-How des Vorstandschefs, des Sportvorstandes, des Cheftrainers und des Chefs der Ausbildungsakademie. Dies ist die Achse um die es geht. Bislang sehe ich beim HSV lediglich Horst Hrubesch auf dem erforderlichen Niveau. Möglicherweise schafft es Hrubesch den Cheftrainer davon zu überzeugen einen anderen Weg zu gehen, als den der letzten Jahrzehnte?

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