Das endet nie!

Allerspätestens nach den eigentlich nicht finanzierbaren Transfers von Terodde, Ulreich, Heyer, Gjasula, und Leistner sollte jedem klar sein, wohon die KSV-Reise gehen soll – zurück in die erste Liga. Es ist ja nicht so, dass dies nicht auch das Ziel der letzten beiden Jahren gewesen sei und dies mit Trainern wie Wolf (jetzt beim DFB) und Hecking (Champions League-erfahren), aber spätestens am Ende dieser Transferperiode ist klar: Boldt geht all-in. Ok, sollen sie machen, aber dann sollten sie halt nicht nach jeder verkackten Saison, bei der am Ende erneut ein Millionen-Minus steht, dieses Märchen von Nachwuchs und Ausbildung erzählen. Genau so hätte man im Volkspark auf die PR-Verpflichtung von alt-83er Horst Hrubesch verzichten können, denn in diesem Verein wird es nie!!!! passieren, dass man auf eigenen Nachwuchs oder auf junge Talente setzt. 

Warum nicht? Ganz einfach, weil man es noch nie gemacht hat. Als man jahrelang im Abstiegskampf stand, erklärte man, dass junge Spieler diesem Druck nicht gewachsen seien. Nachdem man aufgestiegen war, sollten es (Bundesliga)-erfahrene Spieler richten, geklappt hat auch das nicht. Nach der ersten verspielten Mission Wiederaufstieg holte man vorgeschädigte Auslaufmodelle wie Ewerton, Harnik, Hinterseer, Kittel und haben die es geschafft? Haben sie nicht, aber anstatt endlich einmal konsequent zu sein, schiebt man Harnik zurück nach Bremen und findet den € 2 Mio.-Einkauf Ewerton wieder einmal ab. Ach ja, für all die Pfosten, die nun argumentieren wollen, dass die meisten Spieler ablösefrei gekommen wären – diese Spieler (und ihre Berater) kassieren Handgelder in der Größenordnung von Ablösesummen. Und die Gehälter der Herren Terodde, Leistner, Ulreich und Gjasula möchte ich mir lieber nicht vorstellen. 

Nun sind wir in Hamburg also wieder so weit, wir sind wieder da, wo wir immer waren, man hat sich in der Hansestadt den vierältesten Kader der Liga zusammengekauft. Gratulation, Herr (Witz)Bold, das hätte außer ihnen keiner geschafft. Und was hört man von den (körperlich) anwesenden „Experten“? „Die jungen Spieler sind noch nicht so weit“. Bullshit, diese Spieler werden in Hamburg nie so weit sein, weil man sie nicht lässt. Weder ein Ambrosius (21), noch ein David (20), ein Opoku (21, verliehen), ein Onana (19) oder ein Amaechi (19) wird dadurch besser, wenn er älteren Herren beim Stolpern zuguckt. Von der abfallenden Motivation mal ganz abgesehen. Wie oft wollen wir in Hamburg eigentlich noch Zeuge werden, dass ein talentierter Nachwuchsmann keine Chance bekommt, dafür aber bei einem anderen Verein durchstartet? 

Und denkt wirklich jemand, diese Strategie würde sich ändern, wenn der KSV in die Bundesliga aufsteigt? Sollen die Jungs, die für die zweite Liga nicht fähig genug sind, dann gegen Bayern, Dortmund und Leverkusen bestehen können? Am Arsch, dann geht die Vergreisung weiter. „Wir brauchen erfahrene Spieler, die die Liga kennen, um nicht gleich wieder abzusteigen“. Der Zug Verjüngung und Strategie-Anpassung ist 2014 abgefahren und obwohl er jedes Jahr erneut erwähnt wird, wird er nicht reaninmiert. Weil sie es nicht wollen. Weil sie an Transfers mit erfahrenen Spielern (mit entsprechendem Gehalt) mehr verdienen können. Das Schicksal (und die Finanzen) des Vereins sind diesen Null-Performern scheißegal. 

Und wo wir schon bei Null-Performer sind, vielleicht ein kurzer Blick auf die Verkaufs-Erfolge des Anwesenheits-Allergikers Boldt. 

Douglas Santos. Marktwert zum Zeitpunkt des Verkaufs : € 12 Mio. 

(verkauft für € 12 Mio. nur deshalb, weil sich Hoffmann einschaltete)

Filip Kostic. Marktwert: € 38 Mio. (verkauft für € 6 Mio.)

Fiete Arp. Marktwert: € 4 Mio. (verkauft für € 3 Mio.)

Tatsuya Ito. Marktwert: € 1 Mio. (verkauft für € 1,5 Mio.)

Gotoku Sakai. Marktwert: € 1,25 Mio. (verkauft für € 500.000)

Patrick Pfeiffer. Marktwert: € 100.000 (verkauft für € 250.000)

Vasilijie Janjicic. Marktwert: € 1,25 Mio. (ablösefrei)

Matti Steinmann. Marktwert: € 400.000 (ablösefrei)

Arianit Ferati. Marktwert: € 250.000 (ablösefrei)

Morten Behrens. Marktwert: € 150.000 (ablösefrei)

Marco Drawz. Marktwert: € 100.000 (ablösefrei)

Pierre-Michel Lasogga. Martkwert: € 2 Mio. (Vertrag ausgelaufen)

Finn Porath. Marktwert: € 250.000 (ablösefrei)

Lewis Holtby. Marktwert: € 1,5 Mio. (Vertrag ausgelaufen)

Berkay Özcan. Marktwert: € 3 Mio. (verkauft für € 2,5 Mio.)

Julian Pollersbeck. Marktwert: € 525.000 (verkauft für € 250.000)

Kyriakos Papadopoulos. Marktwert: € 600.000 (Vertrag ausgelaufen)

Jairo Samperio. Marktwert: € 650.000 (Vertrag ausgelaufen)

Timo Letschert. Marktwert: € 950.000 (Vertrag ausgelaufen)

Christoph Moritz. Marktwert: € 475.000 (Vertrag ausgelaufen)

Ewerton. Marktwert: € 500.000 (ablösefrei plus Abfindung)

Zusammenfassung: Für Spieler, die noch unter Vertrag standen und zusammen einen Marktwert von € 62,75 Mio. repräsentierten, erzielte Super-Jonas einen Erlös in Höhe von € 25,75 Mio., eine echte reife Leistung. Die wahren Fähigkeiten eines Sportchefs lassen sich leider nicht daran ablesen, wie fahrlässig er mit dem Geld seines Arbeitgebers bei Einkäufen um sich wirft, sondern daran, wie viel Geld er für den Verein durch Verkäufe generiert. Besonders dann, wenn ein Klub  derart darauf angewiesen ist, wie der KSV. Hier und bei vielem anderen hat der arrogante Herr Boldt krachend versagt.

 

 

 

 

Von | 2020-10-15T07:36:35+02:00 7. Oktober 2020|Allgemein|10 Kommentare

10 Comments

  1. Kobinho 7. Oktober 2020 um 08:39 Uhr

    So kann man es sehen…und so muss man es meiner Meinung nach auch sehen!
    Und dann liest man heute die Transferbeurteilung in der „Perle“…

    • Gravesen 7. Oktober 2020 um 08:40 Uhr

      Billigste PR-Kacke ohne Substanz.

  2. St.Patrick 7. Oktober 2020 um 10:22 Uhr

    Zum Thema „nur mit jungen geht es nicht“:
    Als Klopp in Dortmund gestartet ist, hat er rigoros auf die damals jungen Wilden gesetzt (Hummels, Götze, Lewandowski etc.). Und die Jungs sind in einem Ausmaß und Tempo marschiert, für das sich viele gestandene Spieler nicht dauerhaft motivieren können. Jeder weiß, wie die Story ausgegangen ist. Und ich denke, selbst wenn man den Klopp-Faktor abzieht, ist dieses Modell auch anderswo erfolgreich umsetzbar. Aber nur, wenn man nach außen wie nach innen uneingeschränkt hinter dieser Philosophie steht und sie zur prägenden Kultur werden lässt. Das fehlt beim HSV strukturell.

  3. Calcetin 7. Oktober 2020 um 15:18 Uhr

    Als Bremer bin ich da ja immer ziemlich neidisch, Werder fehlt hinten und vorne die Kohle und jeder Pfennig muss auf die Goldwaage gelegt werden und in der Nachbarstadt fließt Milch und Honig durchs Stadion. Wie kriegen die das nur immer wieder hin?

    • Gravesen 7. Oktober 2020 um 15:25 Uhr

      Sie bescheißen! Und sie werden von den hiesigen Medien aktiv dabei unterstützt.

  4. Gravesen 7. Oktober 2020 um 19:27 Uhr

    Das wäre selbst der KSV-Medienabteilung zu peinlich. Der Graupenscheiße natürlich nicht
    .

    Dass Ulreich es ernst meint, wenn er eine Aufgabe angeht, illustriert vielleicht noch eine private Geschichte aus seiner Münchener Zeit. Bei einem Essen im Restaurant fiel ihm sein Ehering zwischen die Bodendielen. Doch der bedeutete ihm so viel, dass er die Mitarbeiter dazu brachte die Dielen vom Boden aufzureißen. Tatsächlich fand er den Ehering wieder. Wenn er seine Zeit beim HSV mit dem gleichen Engagement angeht, dann können wir uns auf einen tollen Torwart freuen. Auf unseren Ulle.

  5. Dirk 9. Oktober 2020 um 12:22 Uhr

    Vor allem, wie kann ein Ehering abfallen… Genau…. 😉

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