Keine Zukunft ohne Vergangenheit!

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum das so schwer zu verstehen ist. Andererseits habe ich den Eindruck, dass man eine nicht zu unterschätzende Anzahl der sogenannten Fußball-Fans, die eben nicht dafür bekannt sind, allzu viele Raketenwissenschaftler in ihren Reihen zu haben, überfordert, wenn man von ihnen mehr verlangt als die bloße Betrachtung der letzten 90 Minuten. Denn immer und immer und immer wieder passiert das Gleiche: Der KSV gewinnt ein Spiel nach einem üblen Gebolze und nicht nur die Jubelarie beginnt. Nein, es beginnt eine grundsätzliche Abrechnung mit einem jedem, der ihnen mit Fakten aus Vergangenheit und Gegenwart kommt. Dabei geht es überhaupt nicht um den Verein und um das letzte Ergebnis geht es noch weniger, es geht darum, irgendetwas „loszuwerden“, was den Adresssaten weniger als Null tangiert.

Denn was diese Typen, die sich für Fans halten und doch nur unterbelichtete Schwachköpfe sind, grundsätzlich nicht verstehen wollen, weil einfach ihre Hirnkapazität nicht ausreichend ist: Man muss erst einmal mit seiner Vergangenheit aufräumen und klarkommen, damit man eine Zukunft haben kann. Eine Gabe, die im Volkspark nicht nur wenig ausgeprägt ist, sie ist schlicht und ergreifend nicht vorhanden. Dabei gibt die Vergangenheit, insbesondere die letzten 15 Jahre, mehr als genug Anlass, über sie nachzudenken und aus ihr und den zahllosen Fehlern zu lernen, um es in Zukunft besser zu machen. Aber das ist anstrengend und besonders auf den KSV bezogen, ausgesprochen frustrierend, aber dennoch müsste es sein. Das aber wollen weder Vereins-Granden noch Fan-Imitatoren, sie wollen die Vergangenheit löschen, nicht mehr an sie denken, weil man „ab jetzt“ nur noch nach vorn guckt. 

Resultat ist dann wie immer: Man wiederholt die alten Fehler, weil man nicht aus ihnen lernen möchte. So zum Beispiel den Fehler, ein oder zwei Ergebnisse zu hoch zu hängen, anstatt sie zu analysieren und richtig einzuordnen. Ein anderes Beispiel lässt sich an der aktuellen Personalie Boldt bestens festmachen. Wie oft ist der KSV in den letzten Jahren auf diesen Bauerntrick reingefallen? Ein Vertrag läuft aus, flugs werden über den betroffenen Spieler/Trainer/Manager irgendwelche „Geheimgespräche“ oder dubiosen Angebote publik und in wilder Panik und amateurhaftem Aktionismus wird der auslaufende Vertrag zu Mondkonditionen verlängert. Wenige Monate später fällt der gerade Verlängerte in Ungnade und wird mit Abfindung vom Hof gejagt. Wann lernt man endlich daraus? 

Thema Kaderplanung. Jeder, der sich mit diesem Verein beschäftigt, sollte begriffen haben, wie es finanziell um ihn bestellt ist und das der einzig gangbare Weg aus dem Unheil der ist, dass man junge talentierte Spieler zu guten Konditionen holt, ausbildet und für teures Geld verkauft. Es gibt keinen anderen Weg in der Zukunft und eigentlich weiß das auch jeder. Aber anstatt endlich einmal in dieser Richtung tätig zu werden, werden immer und immer wieder irgendwelche Salzsäulenspieler im Spätherbst der Karriere geholt, die für „Stabilität“ sorgen sollen. Wann hat das das letzte Mal geklappt? Aber der Lerneffekt? Null. Zero. Niente. Man lernt nicht, weil man nicht lernen will, dafür labert man umso mehr. Dabei weiß jeder, dass dieser Verein dem Untergang geweiht ist, wenn er nicht endlich aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen bereit ist. 

Aber,  wie gesagt, das Heer der Vollpfosten und Mentalamöben überfordert man mit solchen Gedanken. Sie möchten lieber, dass Fakten niedergebrüllt und Leute mit Lösungen angemacht werden. Inhalte interessieren sie nicht, weil sie intellektuell gar nicht in der Lage sind, diese notwendigen Überlegungen zu umreißen. Saufen, pöbeln und ignorieren. Aktuell wird ein Tabellenstand gefeiert, der ohne Aussagekraft ist, aber wenn man im letzten Saisonspiel wieder mal eine Punktlandung auf Platz 4 hinlegt und mit 1:5 gegen Sandhausen untergeht, ist das Gejammer wieder groß. Aber bloß nicht lernen bitte.

 

Von | 2020-10-23T06:58:09+02:00 19. Oktober 2020|Allgemein|4 Kommentare

4 Comments

  1. Ex-HSVer im Herzen 20. Oktober 2020 um 10:43 Uhr

    Das Problem ist, dass 90 % der Menschen einfach nur dumm oder simpel im Hirn ist. Und diese müssen halt bedient werden. Das lässt sich wunderbar am Beispiel Boldt sehen. Wenn ein wirklich vorliegendes Interesse beziehungsweise Angebot aus Rom vorliegt, müsste dieser nicht 1 Sekunde überlegen und würde zugreifen. Jede weitere Äußerung im Hinblick darauf, dass er sich vorstellen könnte den Weg des HSV weiter zu machen ist ein 100-prozentiger Beweis, dass an dem Angebot nichts dran ist und er sofort die Mitteilung bekommt dass sein Vertrag nicht verlängert wird aufgrund dieser Lüge. Hallo!! Champions League Teilnehmer mit Kohle ohne Ende gegen ein abgewracktes Zweitligamodell… noch Fragen?

  2. TSC 20. Oktober 2020 um 13:50 Uhr

    Vielleicht hilft es ja, die Tabelle der letzten drei Jahre zum gleichen Zeitpunkt einzublenden. Mit der Endabrechnung daneben wird es dann bitter.

  3. Nichtkunde 20. Oktober 2020 um 18:13 Uhr

    „WieR ScHaUN NuHr NarcH ForN!!!!!!!111111“

  4. Volli 20. Oktober 2020 um 19:51 Uhr

    Ich denke mal, dass das größte Problem des Fußball, das Desinteresse der ehemaligen Fans sein wird! Mich tangiert der ganze Blödsinn nur noch peripher, und wenn ich mich in meinem Freundeskreis so umhöre, geht es vielen so. Ob nun ein Baum auf Schalke Trainer spielt, Fatzke im Sportstudio über die Finanzsituation im Profifußball rumjammert, die Steuerhinterziehungsaffäre beim DFB kein Thema bei den Medien zu sein scheint, oder Boldt nach Pusemuckel wechselt. Keinen scheint es zu interessieren, und die Resonanz in den Primatenblogs wird immer geringer 🤷‍♂️ Tja, es gibt interessantere Dinge, als das Gebolze ohne Publikum😉

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