Die Fake-Saison

Die Lichter gehen aus, Freunde. Nicht hier in diesem Blog, wenn es auch immer schwerer fällt, wirklich interessante Themen zu finden. Nein, ich meine in der Bundesliga, in der zweiten Liga, im bezahlten Fußball grundsätzlich. Die Gründe sind vielfältig, nicht allein Corona hat Schuld, wenn auch die aktuelle Situation maßgeblich zur Entwöhnung beiträgt. Nimmt man nur die Meldungen der letzten Tage und Wochen, so erkennt man, wie lächerlich die ganze Show inzwischen anmutet. Spieler fahren zu Länderspielen und kehren krank zurück. Ambrosius steckt Wintzheimer an, das Team von Erzgebirge Aue muss komplett in Quarantäne, Spiele fallen aus und werden nachgeholt, wobei einige Spieler nicht mitwirken können. Gnabry wird positiv getestet, muss in Isolation und Tage später stellt sich raus, dass er gesund war. 

Kurz vor dem Anpfiff der Begegnung beim HSV (1:3) meldeten die Würzburger Kickers drei positive Corona-Tests. Innenverteidiger Douglas sowie die beiden Co-Trainer Kurtulus Öztürk und Philipp Eckart waren aus diesem Grund nicht mit dabei und wurden isoliert. Doch damit nicht genug: Nach der Partie gab es erneute Verwirrung – die Tests waren wohl gar nicht positiv! (Quelle: Mopo.de)

Was hat das alles zur Folge? Ganz einfach, die eigentlichen Ergebnisse, die Tabellen, die Aussichten, es interessiert sich niemand mehr für die Dinge, die früher einmal bei einigen der Lebensinhalt war. Mal kommen 5.000 Zuschauer ins Stadion, mal 500, dann mal wieder Null. Eine Übertragung eines Bundesligaspiels bei SKY kommt einem vor wie ein Testspiel im Trainingslager auf irgendeinem österreichischen Gletscher, das Ergebnis ist einfach nur egal. Der Tabellenstand ist egal. Der Umstand, dass ein Verein wie Schalke nun schon 21 Pflichtspiele ohne Sieg ist, ist egal. Am Freitag steht in Hamburg das Derby zwischen dem FC St. Pauli und dem KSV an, das elektrisierte früher einmal eine ganze Stadt viele Wochen vor dem Termin. Ich lebe in Hamburg und ich habe den Eindruck, dass 97% der Leute gar nicht wissen, dass dieses Spiel stattfindet. Es ist ist egal, spielt einfach keine Rolle mehr. 

Aber es ist nicht nur Corona, es ist auch die vollkommen unverhohlene Gier der Verantwortlichen nach noch mehr Geld. Anstatt die Versprechen einzuhalten und die überdrehte Geldschraube im bezahlten Fußball zu stoppen, haben sie einfach weitergemacht. Nun planen sie, obwohl das Interesse am Fußball spürbar abnimmt, auch noch eine europäische Premier League, die wahrscheinlich stattfinden soll, wenn die Nations League pausiert und die U20-WM der Frauen beendet ist. Das alles wird begleitet von PR-Meldungen der Hofberichterstatter-Presse, die ebenfalls nichts anderes im Sinn hat als ihre Existenz zu berechtigen. Nur – wer will den Quatsch eigentlich noch lesen? Ich nicht. Ich gucke mir keine Fußballspiele mehr an und ich unterstütze keine Clickbaiting-Medien, ich habe Besseres zu tun. 

Wenn sie ehrlich gewesen wären, hätten sie die letzte Saison abgebrochen und die neue nicht begonnen. Diese Farce eines Wettbewerbs schadet dem Sport mehr als es ihm bringt, aber die Millionen müssen weiterrollen. Die Tatsache, dass sich immer mehr Fans abwenden, wird hingenommen, scheiß drauf. 

Die Lichter gehen aus und ich kann mir kein Szenario vorstellen, bei dem sie wieder angehen würden. 

Und wie auf Zuruf….

Christian Seifert wird seinen Vertrag als Chef der Deutschen Fußball Liga nach Informationen der „Bild“ nicht über den 30. Juni 2022 hinaus verlängern. Nach Angaben der Zeitung soll am Sonntagabend der DFL-GmbH-Aufsichtsratsvorsitzende Peter Peters das Präsidium und den Aufsichtsrat über die Entscheidung des 51-jährigen DFL-Geschäftsführers informiert haben. Beide waren für Stellungnahmen nicht zu erreichen. Seifert arbeitet seit 2005 bei der DFL und hatte in seiner Amtszeit beachtliche Erfolge zu verzeichnen. Die Vermarktung der TV-Rechte stieg in seiner Amtszeit von 400 Millionen Euro pro Saison auf mehr als eine Milliarde Euro.

Und nur darum geht es! 

 

Von | 2020-11-17T07:53:38+01:00 26. Oktober 2020|Allgemein|7 Kommentare

7 Comments

  1. jusufi 26. Oktober 2020 um 08:34 Uhr

    Alles sehr richtig. Die relative Irrelevanz des gelddominierten Profifußballs ist für jedermann erkennbar. Selbst Menschen, deren Lebensinhalt es bisher war, sich mit Fußball zu beschäftigen, wird gewahr, dass es ein unwichtiger Lebensinhalt war. Der Ligabetrieb und das Interesse daran, wird künstlich am Leben gehalten – natürlich von all denen, deren berufliche Existenz daran hängt bzw. denen, die bis zum zu erwartenden Kollaps sich weiter die Taschen vollmachen wollen. Die „zweite Welle“ wird diesem Vorhaben möglicherweise einen Strich durch die Rechnung machen. Der sozial und gesellschaftlich wichtige Amateurfußball kommt gerade schon wieder zum Erliegen. Das ist sehr bedauerlich, aber unvermeidbar.

    • Hein 26. Oktober 2020 um 10:15 Uhr

      Sicher wird da künstlich was am Leben erhalten
      . Aber sas versuchen andere doch auch . Normalerweise hat die gesammte Veranstaltungs Branche keine Zukunft mehr für Jahre. Trotzdem versuchen leute Konzepte zu entwickeln.
      Das steht dem fussball grundsätzlich auch zu .. auch wenn ich es besser gefunden hätte wenn man zum Beispiel die Nation league ausfallen zu lassen und die Champion league einfach mal zu dem machen was es sein sollte. Ohne den tabellen dritten oder vierten einiger länder

    • Hein 26. Oktober 2020 um 11:37 Uhr

      Im kreis Pinneberg und Dithmarschen ist es schon so

  2. Hein Blöd 26. Oktober 2020 um 12:02 Uhr

    Moin!
    Der Hamburger Fussballverband hat seine Amateurligen bereits gestern schon ausgesetzt.
    Keine Ahnung ob sie einen Plan B haben, aber die Einschläge kommen näher.

    https://www.hfv.de/artikel/hfv-praesidium-tagte-zur-aktuellen-situation/

  3. Calcetin 26. Oktober 2020 um 12:48 Uhr

    In der Kneipe, wo wir üblicherweise Fußball gucken, war vorletzte Woche beim Werder Spiel recht wenig los. Letzten Sonntag war dann das Heimspiel gegen Hoffenheim und da wäre es unter normalen Umständen gerammelt voll gewesen, sie hatten gerade mal drei Reservierungen.

    Ich glaube du hast recht, der kommerzielle Fußball ist auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit.

  4. Goldfather 26. Oktober 2020 um 14:04 Uhr

    Paint it black – Angesichts der täglichen Katastrophenmeldungen zum Thema Corona-Pandemie und der wirtschaftlichen Auswirkungen könnte man tatsächlich zu der Ansicht kommen, dass der letzte Ball demnächst gespielt werden könnte.
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    Allerdings sollte man nie vergessen, dass die Menschheit schon ganz andere Pandemien weggesteckt hat und auch Corona nicht das Ende der Fahnenstange darstellen wird. Ob mit oder ohne Impfung, gehe ich persönlich davon aus, dass wir ungefähr fünf Jahre benötigen werden, um die alten wirtschaftlichen Höchststände wieder zu erreichen.
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    Sowohl der Fußball als auch die Digitalisierung und vor allem die Vermarktungsoptionen werden sich in dieser Zeit weiter entwickeln, so dass nach Ablauf der Comebackphase eine Übertreibung in die entgegengesetzte Richtung zu erwarten ist. Die Gehälter der Spieler und Funktionäre werden ein weiteres Mal enorm steigen.
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    Für Menschen mit dem nötigen Kleingeld bieten sich aktuell die besten Kaufoptionen im Bereich des Fußballs.
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    Dass darüber hinaus der Fußball Marktanteile abgeben wird ist nicht zuletzt aufgrund der gerade laufenden Digitalisierungswelle anzunehmen. Gaming ist für den Fußball mitlerweile ein ernst zu nehmender Konkurrent geworden und dieser Trend verstärkt sich gerade.
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    Jedoch wächst der Wohlstand weltweit, entgegen der Vorhersagen vieler Untergangspropheten. Die aktuell zu beobachtenden Fluchtbewegungen sind nicht nur die Folgen von Klimawandel, Kriegen und Hunger, sondern auch eine Folge der Digitalisierung. In den großen küstennahen Städten der dritten Welt gibt es überall Internetverbindungen, so dass viele Menschen dort glauben nur einen Mausklick von den wirtschaftlichen Segnungen der Industrienationen entfernt zu sein und ihr gesamtes Erspartes zusammen kratzen, um sich einen Platz in einem Boot zu sichern.
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    Doch neben diesen dramatischen Entwicklungen wächst eine riesige Mittelschicht heran, die den Fußball neben der Lebensfreude und dem Spaß den er verbreitet, als Sprungbrett zu Reichtum und Ruhm versteht. Es sind Milliarden neuer Fans und Konsumenten die den großen Ligen in Europa Gelder zufließen lassen werden, die jene Summen die heutzutage üblich sind noch einmal in den Schatten stellen werden.
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    Für den HSV geht es jetzt darum den Sturm der nächsten fünf Jahre zu überleben, was dazu führen kann, dass man zur Fahrstuhlmannschaft wird, weil kein Geld für adäquate Verstärkungen für die erste Liga vorhanden ist.
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    Umso wichtiger wird ein nachhaltiges Nachwuchskonzept? Nein! Ein nachhaltiges Nachwuchskonzept ist die einzige Überlebenschance des Clubs!

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