Und schon wird ein Schuh draus…

Es gab da vor ein paar Tagen so eine Aussage in einem Unterschichten-Blog, der sorgte für Aufsehen. Oder anders ausgedrückt – er hätte für Aufsehen sorgen müssen, hat er aber nicht. Warum nicht? Weil in Zeiten von Corona andere Sachen wichtig sind und auch deshalb, weil die Anhänger von Kühnes Sport Verein flächendeckend müde geworden sind. Wenn man sich früher noch über Aufsichtsräte echauffierte, die sich mit Ordnern auf dem Parkplatz geschlagen haben oder man sich über Knäbel-Peters Rucksack-Gate wahlweise kaputtlachte oder fremdschämte, müsste heute schon eine 777 im Landeanflug auf den Helmut Schmidt Airport in Hamburg Fuhlsbüttel ins Volksparkstadion crashen, damit es zu einem Rundum-Augenbrauenzucken kommt. Die Empörungsschwelle hat sich aufgrund endloser Skandale, Skandälchen und Katastrophen verschoben, so dass eine solche Meldung zur Randnotiz verkommt. Nichtsdestotrotz ist es ein Hammer, ich spreche von dieser Geschichte:

Ihm ist es tatsächlich scheißegal, was wir Journalisten schreiben, sofern er von seiner Entscheidung überzeugt ist. Und das war bei vielen seiner Vorgänger in Hamburg anders. Da wurde gern mal der Dialog mit uns gesucht, um Stimmungslagen abzuklopfen und Aufstellungen gewählt, mit denen man sich am wenigsten angreifbar machte. (Quelle: Scheißhausperle)

Bitte wie meinen? Es gibt nun zwei Möglichkeiten und jeder darf für sich entscheiden, welcher er für wahrscheinlicher hält. Möglichkeit 1: Münchhausen hat wie schon diverse Male einfach phantasiert und sich in einem Anfall von Wichtigtuerei diese Geschichte ausgedacht. Ich denke dabei an de Vrij, an gestellte Didi-Videos, an Trainingseinheiten, die es gar nicht gab, an Luis van Gaal und und und. Der Mann hat schon so oft Unwahrheiten und Fabeln in die Welt gesetzt, dass es einem schwerfällt, zwischen möglicher Wahrheit und wahrscheinlicher Fiktion zu unterscheiden. Möglichkeit 2: Es stimmt tatsächlich und dann wäre es unfassbar. „Viele“ Vorgänger von Coach Thioune haben sich also mit den Hofberichterstattern abgesprochen und auf Grundlage dieser Gespräche teilweise Aufstellungen gewählt, die ihnen im Anschluss an die Partie die wenigste Kritik garantierte? Oder anders ausgedrückt: In Hamburg hat unter verschiedenen Übungsleiterm die Presse die Aufstellung bestimmt? 

Nun, dann wird ja einiges klar. Zum Einen wird klar, warum der Verein im Laufe der Zeit immer schlechter performte und als Höhepunkt endlich abstieg. Wenn diese ahnungslosen Schmierlappen mitentscheiden durften, wer von ihren Kabinen-Maulwürfen am Wochenende stolpern durfte, wundert mich gar nichts mehr. Und noch etwas sollte vor dem Hintergrund dieser Enthüllung nicht mehr verwundern: Wenn die Medienvertreter die Aufstellungen zumindest mitbestimmen durften, ist auch klar, warum in all den Jahren immer nur Puderzucker über die Minusleistungen verstreut wurde. Wer kritisiert sich schon gern selbst, gell? Dennoch muss man sich die Dimensionen verdeutlichen, es führt kein Weg dran vorbei. Wenn man als Spieler einen guten Draht zu einem (oder mehreren) BILD- oder Abendblatt-Journalisten pflegte, waren diese in der Lage, einen in die Mannschaft zu pressen. Das ist doch in Zeiten von Millionengehältern bestimmt etwas wert. Und hochbezahlte Star-Trainer lassen sich Maltafüße in die Startelf singen, damit sie ihre Ruhe vor den Hofschranzen haben? Der Sumpf ist sogar noch tiefer, als ich es befürchtet hatte.

Denn für die Zukunft lässt sich nichts Gutes erahnen, bedenkt man diese Aussage. Beispiel Kittel/Wintzheimer. Welcher Journalisten-Simulant hat denn bitte dafür gesorgt, dass ein inzwischen schon angeschossener Trainer diesen unsinnigen Wechsel in der Startaufstellung vollzog? Und sieht man aktuell, wie besonders das Fischeinwickelpapier Mopo die Auferstehung von Körperklaus Gisela  (Note 4) abfeiert, könnte man zu dem Schluss kommen, dass es ein Herr aus diesem Haus war, der dem Coach die Aufstellung des Albaners ans Herz gelegt hatte. Und es gibt eine Vorgeschichte dazu….

Nach der Niederlage gegen Heidenheim schrieb eben jene Mopo: 

Der HSV braucht einen Zerstörer.

Und ohne Gjasula ist der HSV weiter ganz brav. Nur elf Gelbe Karten – die wenigsten der Liga – können ein Zeugnis von löblicher Fairness, aber manchmal leider auch von mangelnder Aggressivität sein (Quelle: Mopo.de)

Und weiter, in einem anderen Artikel…

Krisen-Derby gegen Hannover: Schlägt jetzt Gjasulas Stunde beim HSV? (Quelle: Mopo.de)

Und – Potzblitz – im nächsten Spiel gegen Hannover steht plötzlich und wie von Zauberhand der designierte Zerstörer erstmals wieder in der Startelf, wer hätte das gedacht. Nach einer übersichtlichen Leistung gegen die wahrscheinlich schlechteste Mannschaft, die das Volksparkstadion in den letzten 2 Jahren gesehen hat, überschlägt man sich dann bei der Mopo mit Lob für etwas, was bestensfalls Durchschnitt war. 

Rückenwind trotz Derby-Pleite: So half der HSV Gjasula auf die Beine

Beschimpfungen im Netz: So geht HSV-Profi Gjasula mit dem Hass im Internet um

„Jetzt ist er da“ HSV-Trainer Thioune happy über Gjasula

u.s.w. 

Dazu kann sich jeder nun selbst seinen Reim machen. Auch für die Zukunft und immer dann, wenn es zu seltsamen Personalentscheidungen kommt. 

Was die Spenden betrifft – wow! Ihr seid echt die Größten 

 

Von | 2020-12-15T20:24:48+01:00 12. Dezember 2020|Allgemein|8 Kommentare

8 Comments

  1. Flanders 12. Dezember 2020 um 09:58 Uhr

    Scholle der Kugelfisch hat all die Nieten quasi direkt aufgestellt, wenn er sie so abgefeiert hat?

  2. Profikommentator 12. Dezember 2020 um 10:17 Uhr

    Um auch hier mal wieder einen relativierenden Satz reinzubringen:
    3-4 Beitragserstellenden (auch von länger da schreibenden) stolperten auch über den Satz und fragten nach. Natürlich bekamen sie keine Antwort 😉

    (Zum Rest und generell natürlich Zustimmung)

  3. atari 12. Dezember 2020 um 13:44 Uhr

    ist die Graupenperle am Ende? Tote Hose am Spieltag? Zerfleischen sich wohl erst wieder nach dem Spiel. Oder haben die keinen Bock mehr auf den Lügenbaron?
    Viele ?

  4. Gravesen 12. Dezember 2020 um 14:53 Uhr

    Gott, das tut dermaßen in den Augen weh. Was für ein Glück, dass keine Zuschauer zugelassen sind,

  5. Ehemaliger HSV-Fan 12. Dezember 2020 um 15:04 Uhr

    Was für ein Gewürge gegen einen Abstiegskandidaten in Überzahl. Ich bin mir sicher, dass die hiesige Journalie und die Hüpfer diesen glücklichen Sieg abfeiern werden, aber mit solchen Leistungen sollte es auch in dieser Saison nicht für den Aufsteig reichen.

    • Gravesen 12. Dezember 2020 um 15:05 Uhr

      Ohne Terodde würde es für den Abstieg reichen

  6. Nichtkunde 12. Dezember 2020 um 19:17 Uhr

    Ein biederer Gegner, der sich zweimal ohne Not entscheidend selbst schwächt (Handspiel, gelb-rote Karte), und trotzdem braucht der ganz kleine HSV eine klare Fehlentscheidung (irreguläre Freistoßausführung), um sich kurz vor Schluss irgendwie einen Sieg gegen zehn Darmstädter zu ergaunern.

    Mag kurzfristig den Größenwahn der wandelnden Bierfässer aus dem Speckgürtel reaktivieren, aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Konkurrenz – größtenteils deutlich souveräner – abgeliefert hat, war das nicht mehr als Schadensbegrenzung. Statt zwei Toren Rückstand auf den Relegationsplatz sind es nun vier.

    • Gravesen 12. Dezember 2020 um 20:17 Uhr

      Das Spiel war eine einzige Katastrophe und hätte keinen Sieger verdient gehabt. Problematisch ist jedoch, dass der KSV im Verlauf der Saison nicht besser, sondern schlechter wird. Von Spiel zu Spiel wird das Ganze unansehnlicher und langsamer.

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