Auf ganzer Linie versagt!

Okay, man weiß, dass Sportjournalisten bzw. Sportjournalisten-Simulanten oder Sportjournalisten-Darsteller im Dauerstress sind. Man sitzt von Morgens um 10.00 Uhr bis Nachmittags um 15.00 Uhr in irgendeiner Redaktion, telefoniert ein wenig in der Gegend rum und versucht, uralte Quellen anzuzapfen. Die über-engagierten unter den Hofberichterstattern machen sich auch garantiert zweimal die Woche auf Richtung Volkspark, um während des sparsamen Trainings mit dem Rücken zum Übungsplatz zu stehen und dummes Zeug zu labern. Anschließend muss man sich dann irgendwas aus den Fingern saugen, was den vereinsinterne Quelle nicht zu sehr gegen den Strich geht, im besten Fall schreibt man einfach von einander ab, merkt doch von den Hüpfern eh keiner. Dass nun aber ein mit den Führungskräften des Vereins massiv sympathisierendes Medium wie das Hamburger Abendblatt in Person des Schreibers Shy Killer aka Gastro-Schiller nach mehr als einem Monat darauf kommt, dass eine Vereins-Initiative vier durchaus bemerkenswerte „Briefe“ geschrieben hat, ist selbst für Hamburger Verhältnisse peinlich. 

Kurz zur Chronologie der Ereignisse. Am 17. November veröffentlichte der Förderkreis Nordtribüne e.V. den ersten von vier Aufsätzen, in denen sich die Verfasser mit der aktuellen Situation des Fußballs im Allgemeinen und des KSV im Speziellen beschäftigten. Unter der Überschrift „Der HSV im November 2020 – Eine Bestandsaufnahme seitens des Förderkreis Nordtribüne e.V.“ kündigte man diese „Briefe“ an, welche dann am 24. November, 1. Dezember und 8. Dezember erschienen und inhaltlich als absolut bemerkenswert zu sehen sind. 11 Tage lang schwieg ein Blatt, dessen Sportredaktion eigentlich auf diesen Zug hätte aufspringen müssen wie ein Bluthund auf eine Leberwurst. Aber das ist den Kollegen dort irgendwie zu anstrengend, aber immerhin erkennt Schiller…

„Und wirklich: Wer sich die Mühe macht, die kompletten zwölf DIN-A4-Seiten aufmerksam zu lesen, der ist schnell beeindruckt.  Thesenpapiere geben einen detaillierten Einblick in das Innerste des HSV, es wurde mit zahlreichen Mitarbeitern gesprochen, Bilanzen gelesen, Unklarheiten nachrecherchiert.

Bedauerlich, dass Herrn Schiller nicht auffällt, wie unendlich peinlich diese Erkenntnis für ihn und seine Kollegen ist, denn „mit zahlreichen Mitarbeitern“ zu sprechen, „Bilanzen zu lesen“ oder „Unklarheiten nachzurecherchieren“ wäre eigentlich seine Aufgabe gewesen und nicht die von ein paar Fans. Oder die eines Blogs. Seit 8 Jahren! Aber Schiller und Konsorten recherchieren nicht gern, sie schützen lieber und zur Zeit gilt es, die Herren Jansen, Wettstein und Boldt zu schützen. Und so kann sich Frankie Wettschein, der in den Briefen der Fans alles andere als gut wegkommt, im Schiller-Artikel wieder einmal wunderbar aus der Umklammerung lösen, natürlich mit tatkräftiger Unterstützung des Autors. 

 Haupt­adressat ist hier Finanzvorstand Frank Wettstein, dem die Autoren ankreiden, dass „die finanzielle Situation im November 2020 beim HSV katastrophal“ sei. Es wird von „Tricks von unserem Finanzvorstand“ berichtet und mangelnde Transparenz angemahnt. „Einen Gesprächsfaden zu den Verantwortlichen im AG-Vorstand gibt es zu diesen Themen nicht“, sagt Anhängerin 2. Ein Vorwurf, den sich Wettstein im ausführlichen Gespräch mit dem Abendblatt so nicht gefallen lassen will. Der Vorstand des HSV will öffentlich nicht zu jedem einzelnen Punkt Stellung beziehen, betont aber, nach der Veröffentlichung der Briefe den Autoren ein Gesprächsangebot gemacht zu haben (Quelle: Abendblatt.de)

Ach so. Wettschein erklärt einfach mal, dass er ja gewollt hat und damit ist die Sache für Herrn Schiller aus der Welt. Damit aber nicht genug. 

Allerdings sei er gar nicht der entscheidende Ansprechpartner bei den noch offenen Fragen rund um eine eventuelle Rechtsformänderung und einen weiteren Anteilsverkauf, sondern das Präsidium des Vereins, das mit gut 75 Prozent Mehrheitseigner der AG ist.

Ach Gott, wo habe ich das schon mal gelesen? Jetzt weiß ich es wieder, ich lese es jedesmal, wenn Wettschein irgendeine Verantwortung übernehmen soll. So ist wirklich jeder im Verein an der katastrophalen finanziellen Situation des Vereins Schuld, nur halt der Finanzvorstand nicht. Denn was hat er schon mit all den Transferflops zu tun, der Arme? Und überhaupt, wer etwas zu meckern habe, wende sich bitte an einen anderen aber nicht an den „HSV-Sanierer“. Das (wenig) Lustige ist aber, dass der Journalist den Mann wieder einmal mit seinen Sprüchen davonkommen lässt. Wettschein behauptet einfach mal und damit ist die Kuh vom Eis. Recherche machen andere. Nachfragen tun andere. Bilanzen lesen andere. Die Hamburger Sportjournaille ist viel zu sehr damit beschäftigt, ihre Informanten vor zu großem Unheil zu bewahren. Natürlich immer nur so lange, wie die Herren in Amt und Würden sind. Haben sie erst die Schlüssel für den Dienstwagen abgegeben, wird nachgetreten was das Zeug hält. 

Ach ja, wer genau hinguckt, kann vom ersten Buchstaben an erkennen, wohin die Reise bei diesem Artikel geht. Denn die Überschrift lautet: „Finanz-Tricks beim HSV? Die brisanten Briefe der Fans.“ Und was, lieber ShyKiller, soll das Fragezeichen am Ende des ersten Satzes? Wollen sie ihren Lesern von der ersten Minute an suggerieren, dass es diese Finanz-Tricks nichts gibt? 

Ekelhafte Parasiten!

 

 

 

Von | 2020-12-20T09:07:18+01:00 20. Dezember 2020|Allgemein|4 Kommentare

4 Comments

  1. Dubios 20. Dezember 2020 um 11:06 Uhr

    Es geht den gewohnten Weg weiter.Unangenehne Fragen werden einfach nicht beantwortet und die Hamburger Journalie leckt pflichtbewusst die eingecremten Eier der Selbstoptimierer.
    Es ist auf so vielen Ebenen verstörend was in den letzten Jahren zum Vorschein gekommen ist und es wird wohl noch lange nicht das Ende sein.
    Kaiserslautern und 1860 sind dagegen ein Witz!

  2. Joachim Schafer 20. Dezember 2020 um 11:30 Uhr

    Was ein geiler Blog!!!!!

  3. Demosthenes 20. Dezember 2020 um 23:10 Uhr

    Menschen wie Wettstein kommen mit ihrem Beschiss nur durch, weil Menschen wie Schiller ihre journalistischen Pflichten mit Füßen treten.

    Btw.: Es ist eine Schande, dass dieser blog so wenig Kommentare hat. Auch da liegt was im Argen mit unserem System.

    • Gravesen 21. Dezember 2020 um 07:33 Uhr

      Es geht nicht um die Anzahl der Kommentare, es geht um die Anzahl derer, die ihn lesen.

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