Ein komplett verkommenes Geschäft

Ich finde es immer wieder erheiternd, wenn ich höre oder lese, wie Menschen über den Profifußball als Sport sprechen, aber ein Sport in dem Sinne, wie ich ihn verstehe, ist das alles schon seit vielen Jahren nicht mehr. Sicher, da rennen immer noch auf beiden Seiten 11 Männer oder Frauen (plus Auswechselspieler) hinter einem Kunststoffball hinterher und versuchen bestenfalls ein Tor mehr zu erzielen als der Gegner, aber tatsächlich ist das, was einmal ein Sport war, seit langer Zeit nichts anderes als ein Geschäft. Ein Geschäft, in dem belogen und betrogen, bedroht und erpresst wird und in dem es global gesehen in jedem Jahr um Milliarden geht. Ein Geschäft, welches sich in einer solchen exklusiven Blase befindet, dass die Topligen ihr Geschäft sogar weiterbetreiben durften, als sich der Rest der Welt im kollektiven Lockdown befand. Wie pervers kann es eigentlich noch werden, wenn allein in Deutschland zur Zeit jeden Tag 1.000 Menschen Corona-bedingt ihr Leben lassen, jeglicher Breitensport so untersagt ist wie eine Zusammenkunft von mehr als 2 Leuten in einer Behausung, die ersten beiden Liga aber so tun, als würde sie das alles nichts angehen?

Doch warum ist das überhaupt so? Warum genießt besonders der Fußball eine Sonderstellung, die ihm weder sportlich noch gesellschaftlich gesehen überhaupt  zusteht? Weil es ein Geschäft ist, weil es um extrem viel Geld geht und weil Geld den Charakter verdirbt. Erwartet irgendjemand aus den Reihen der berichtenden Medien einen Aufschrei der Entrüstung hinsichtlich dieses Zustandes? Natürlich passiert das nicht, weil eben diese Medien bis zum Hals mit drinstecken und maximal abhängig davon sind, ob gespielt wird oder nicht. Im Profifußball selbst wird unfassbares Geld hin- und hergeschoben, mit einer einzigen Aktion/Transfer/Entscheidung kann ein Vorstand/Sportchef/Manager/Aufsichtsrat/Berater mehr Geld machen (ich vermeide absichtlich den Begriff „verdienen“), als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in 10 Jahren bekommt. Mittlerweile hat es diverse Bücher gegeben (z.B. Football Leaks 1 und 2), die detailliert diese Machenschaften aufgedeckt haben, aber am Ende hält die große glückliche Fußballfamilie, bestehend aus Organisationen (FIFA, UEFA, DFB, DFL etc.), Vereinen, Beratern und Medien so fest zusammen, dass das System nicht kollabiert. Warum? Weil sie alle davon profitieren. 

Mal angenommen, ich werde nächste Woche Sportchef des KSV und ich nehme mir fest vor, diese Spielchen nicht mitzumachen, denn schließlich handelt es sich bei dem Spielgeld, welches ich verwalte, um das Geld des Vereins und seiner Mitglieder. Ich möchte also Spieler A verpflichten, weil ich von seinen Fähigkeiten überzeugt bin. Ich trete also an den Berater heran und frage die Bereitschaft ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass mir der betreffende Berater erklärt, dass dieser Transfer durchaus möglich sei, wenn für ihn selbst genug dabei rausspringen würde, ist relativ groß, ein Vorgang wie dieser passiert jeden Tag mehrfach. Ich sage nun aber, dass ich als verantwortlicher Sportchef des KSV bereit wäre, das branchenübliche Beraterhonorar zu bezahlen und den finanziellen Forderungen des Spielers und des abgebenden Vereins nachzukommen, das wäre es dann aber auch. Das wahrscheinliche Resultat wäre: Ich würde diesen Spieler nicht bekommen. Nicht etwa, weil mein Verein aus sportlicher Sicht für ihn nicht interessant wäre oder weil ich ihm weniger Gehalt bieten würde als die Konkurrenz. Nein, ich bekomme ihn nicht, weil ich den Berater nicht „geschmiert“ habe, wozu ein anderer Verein durchaus bereit war. Wie lange würde es wohl dauern, bis sich in der Branche rumgesprochen hätte, dass ich einer dieser verrückten Idealisten sei, der die gängigen Regeln nicht mitspielen würde? Binnen kürzester Zeit würde eine große Anzahl von Beratern gar nicht mehr auf meine Anfragen antworten und es würde nicht lange dauern und ich wäre meinen Job los. Spiel mit oder stirb!

Dieses Geschäft läuft so und es wird endlos so weiterlaufen und noch mehr pervertiert werden, bis das System abschmiert, was aber nicht sehr wahrscheinlich ist. Umso verlogener sind Aussagen wie die von Oberdealer Uli H. aus M., der folgendes von sich geben musste: 

„Heute gibt es kaum mehr einen Spieler, der selbst verhandelt, der bei diesen Gesprächen überhaupt dabei ist. Es wäre doch angebracht, wenn auch die Spieler dabei sind. Damit sie selbst merken, was läuft. Als Paul Breitner und ich damals unsere Verträge verhandelt haben, da sind wir selbst am Tisch gesessen, da war kein anderer für uns dabei. Da haben wir uns gefetzt, aber wir haben uns das alles selbst ausgemacht. Ich sehe das Problem bei den heutigen Spielern vor allem darin, dass sie durch ihre Berater ein bisschen und immer mehr fremdgesteuert werden. Die Berater haben leider nicht immer den Vorteil der Spieler im Auge, sondern viel mehr den eigenen.“ (Quelle: Sport1.de)

Das ist alles richtig, was der verurteilte Steuersünder Hoeness da von sich gibt, aber ausgerechnet er sollte sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn auch und besonders die Bayern als reichster und mächtigster Verein Deutschlands, haben maximal von der „Zusammenarbeit“ mit bestimmten Beratern profitiert. Oder glaubt irgendjemand, dass Robert Lewandowski ablösefrei aus Dortmund gekommen wäre, wenn sein Berater nicht eine gewisse Aufwandsentschädigung erhalten hätte. Sorry Uli, aber wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Findlingen um sich werfen. Aber es sind nicht nur die unmittelbar verantwortlichen Abteilungsleiter innerhalb der Vereine, die profitieren, selbst in Kontrollgremien wie Aufsichtsräten ist die Möglichkeit der Absahnerei mehr als gegeben. Mal angenommen, der Sportchef eines Vereins muss einen großen Transfer durch das vereinseigene Kontrollgremium absegnen lassen und in einem 6er-Rat steht es unentschieden. Wie leicht ließe sich dann ein wankelmütiges Mitglied dieses Rates durch eine kleine „Geste“ davon überzeugen, dass es am Ende doch für den Millionen-Deal stimmt und den Transfer ermöglicht, bei dem auch Berater und Sportchef/Vorstand ihren Teil abkriegen? Auch das passiert ständig, bei jedem Verein, der sich im professionellen Fußball tummelt. 

Aber, wie gesagt, der Mensch ist schwach, die Versuchung ist groß und die Möglichkeiten sind nahezu unendlich. Es soll absolut keine Entschuldigung sein, aber ich behaupte, dass jemand, der irgendein relevantes Amt innerhalb eines Vereins ausübt und sich weigert, mit zu kassieren, binnen kurzer Zeit als schwachköpfiger Trottel darstehen würde, weil – es machen doch alle. „Was willst du denn, die Kohle ist doch da. Greif zu, ansonsten tut es ein anderer, weg ist das Geld in jedem Fall. Und sei doch mal ehrlich, der Deal macht doch eigentlich auch Sinn. So gesehen handelst du doch nur im Sinne deines Vereins“. 

Jaja…

Unbedingt lesenswert: 

http://xn--nordtribne-hamburg-t6b.de/

 

 

Zum aktuellen Vereinskrieg noch eine Stellungnahme von 83er Holger Hieronymus, die mich gestern Abend erreichte: 

Was für ein unwürdiges Theater bei meinem Verein! Mit Menschen wie Jürgen Hunke konnte man wenigstens noch streiten. Heute „kämpfen“ alle „undercover“! In meinem Verein. Der ed auch, so oder so, bleiben wird. Gibt es eine Lösung? Meiner Meinung nach NICHT mit Jansen, erst recht nicht mit Kühne. Tja, was kann man machen? Wenn ich’s nur wüsste…

Zum Schluss…

….das Letzte. 

Kein Tag ohne neue „Medien-Aktionen“ durch das Team Kühne. Nun ist man schon bei der Süddeutschen angelangt. 

 Manch einer spekuliert sogar darüber, dass aus dem Kreise Hoffmanns immer wieder die Identitätsfragen um den HSV-Spieler Bakery Jatta befeuert werden, um Unruhe im Gefüge zu stiften. (Quelle: Süddeutsche.de)

Aber klar, was denn noch? Ich finde, wo wir schon dabei sind, können wir Bernd Paul Hoffmann gleich die ganze Latte anhängen, oder? Den Corona-Ausbruch in Wuhan, den Klimawandel und das Ozon-Loch, die Wahl Donald Trumps und die Erfindung von Le Coq Rock.  Darüberhinaus hat Osama Bin Voldemort noch die Türme des World Trade Center zum Einsturz gebracht und Albus Dumbledore gekillt. Sorry, aber das Spiel, welches die Herren Jansen, Wettstein, Aufsichts-. Ehren- und Beirat gerade spielen, ist einfach nur zum Kotzen. 

 

 

 

 

Von | 2021-01-30T14:29:39+01:00 23. Januar 2021|Allgemein|11 Kommentare

11 Comments

  1. St.Patrick 23. Januar 2021 um 11:39 Uhr

    Die Geschichte spricht für sich: Wenn Menschen ein EHRENamt ausüben, sich dann aber verselbstständigen und höchst UNEHRENHAFTE, rein egoistischen Motiven folgende Aktivitäten starten, haben sie mMn nicht nur ihre Ehre verloren, sondern sollten auch umgehend aus ihrem Amt abberufen werden. Beim HSV hat leider – wie beim aktuellen Vorgang um Schulz eindeutig belegbar – die Mehrheit der handelnden Personen in ALLEN GREMIEN des Ehrenamts ihr Ehre verloren, verraten ihren Auftrag und greifen deshalb nicht im Interesse des Vereins ein. Deshalb ist der Verein verloren und wird in den nächsten Wochen wegen der Unruhe auch sportlich wieder aus der Kurve fliegen… das Popcorn ist vorbereitet, der Sessel zurechtgerückt 🍿😎🍻

  2. micha 23. Januar 2021 um 12:56 Uhr

    Starker, wichtiger Blog, Gratulation !!!

  3. Dommie 23. Januar 2021 um 13:12 Uhr

    Krass, das Thema Jatta jetzt Hoffmann anhängen zu wollen, die gehören alle abgesägt, alle!

  4. Saschas Alte Liebe 23. Januar 2021 um 19:08 Uhr

    Was hat Profifußball mit dem „Gesundheits“wesen gemein?
    In beiden Branchen wird gerade die Absurdität von unkontrolliertem zügellosem Kapitalismus deutlich.
    Während seit über 10 Monaten in Pflege- /Altenheimen und Kliniken, wo die Pandemie wirklich offensichtlich krassiert, dennoch immernoch Masken, Material und Konzepte fehlen und nichtmal die Angestellten regelmäßig getestet werden, seit langem akut zuhauf Arbeitskräfte fehlen, Angestellte ausgelutscht und unterbezahlt kapitulieren, Kliniken weiter „rationalisiert“ und „effektiviert“ werden …
    … wird im Profikicker Zirkus fleißig gereist, dauergetestet und auch sonst keine Kosten gescheut, Millionen und Milliarden bewegt. „Sport“? Eine absurde pervertierte Blase!
    Ja, und es ist auch kein Witz: Die (priv.) Klinik- und Pflegebetreiber schreiben auch seit Jahren Millionen- und Milliardengewinne. „Gesundheit“? Ein pervertiertes Geschäft mit Krankheit!
    🤢 🤮

    • Tim 23. Januar 2021 um 19:55 Uhr

      es gibt kaum einen Bereich (abgesehen vom Energiesektor) in Deutschland der stärker reguliert ist als das Gesundheitswesen, hier sind von Marktwirtschaft und Kapitalismus nun wirklich nur noch spärliche Reste übrig, ansonsten würde es diese Auswüchse vermutlich nicht geben.

      • Saschas Alte Liebe 23. Januar 2021 um 20:10 Uhr

        Dann schau mal genauer hin, wem diese vielfachen Regulierungen und Finanzierungsmechanismen zugute kommen, und zu welchem offensichtlichen Zweck!

  5. HamburgerJung70 23. Januar 2021 um 19:42 Uhr

    Ich lese ja seit Jahren gerne die SZ, aber der letzte Artikel ist ja unter aller Sau. Wenn der Autor die aktuelle Lage einfach anders beurteilen würde… so what. Aber die Informationsbasis und das Mischen von Tatsachen und Mutmaßungen tut schon weg. Das Thema Ausgewogenheit will ich gar nicht ansprechen. Dass aber jeder, der gegen die weitere Verscherbelung der Anteile und gegen die Politik von J., W. & Co. gleich ein Freund von Hoffmann (dessen Wahl ich schon ärgerlich fand) sein soll… Unterste Schublade!

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